Allgemeines
Brustkrebs (Mammakarzinom) ist mit jährlich 50.000 Neuerkrankungen in Deutschland das häufigste Krebsleiden der Frau.
Je früher Brustkrebs erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb besitzt die Brustkrebs-Früherkennung im Rahmen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen eine besondere Bedeutung.
Häufigkeit und Risikofaktoren
In den westlichen Industrienationen erkranken acht bis zehn Prozent aller Frauen irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs. Der Altersgipfel liegt dabei zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Brustkrebs ist die einzige Tumorerkrankung, die in der wohlhabenden Bevölkerung häufiger auftritt.
Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren:
- Übergewicht
- Späte oder keine Schwangerschaften
- Hormontherapie, insbesondere die Östrogenbehandlung zur Linderung von Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren
- Proliferative Mastopathie, eine zunächst gutartige Veränderung des Brustdrüsengewebes
- Familiäre Belastungen, das heißt bereits an Brustkrebs erkrankte nahe Verwandte in der Familie. Vor nicht allzu langer Zeit wurde entdeckt, dass Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1,2, oder 3 bei etwa fünf Prozent der Brustkrebs-Patientinnen ursächlich in Verbindung stehen.
Man empfiehlt deshalb Frauen, auf die eins der folgenden Kriterien zutrifft, einen Gentest durchführen zu lassen:
- Zwei weibliche Familienmitglieder mit Brust- oder Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom), von denen mindestens eine vor dem 50. Lebensjahr erkrankt ist
- eine Verwandte ersten Grads (Mutter oder Schwester) mit einseitigem Brustkrebs vor dem 30. Lebensjahr
- eine Verwandte ersten Grads mit beidseitigem Brustkrebs vor dem 40. Lebensjahr
- eine Verwandte ersten Grads mit Eierstockkrebs vor dem 40. Lebensjahr
- ein männlicher Verwandter mit Brustkrebs
Was wird untersucht?
Folgende Untersuchungen gehören zur Früherkennung von Brustkrebs:
- Selbstuntersuchung: Spätestens ab dem 30., besser aber schon ab dem 20. Lebensjahr, empfiehlt es sich, dass jede Frau einmal im Monat ihre Brust selbst abtastet.
- Kontrollen durch den Gynäkologen: Im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen haben Frauen ab dem 30. Lebensjahr einmal im Jahr Anspruch auf eine Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen. Sie beinhaltet ein ausführliches Gespräch sowie das Abtasten der Brüste und der umgebenden Lymphknoten.
- Mammographie:Ab dem Alter von 50 bis 69 Jahren können Frauen alle zwei Jahre eine routinemäßige Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) im Rahmen des gynäkologischen Früherkennungsprogramms wahrnehmen.
Wer bezahlt die Früherkennung?
Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs werden für Frauen ab 30 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten und bezahlt. Sie finden im Rahmen der allgemeinen gynäkologischen Krebsfrüherkennung statt.
Mammo- und Sonographie
Eine Mammographie ist die Röntgenuntersuchung der Brust in zwei verschiedenen Ebenen. Mit diesem Verfahren lässt sich die normale, altersabhängige Beschaffenheit der Brust beurteilen und von krankhaften Veränderungen abgrenzen. Die meisten bösartigen Tumoren der Brust sind als unregelmäßige Gewebsverdichtungen („Krebsfüßchen“) erkennbar. Bei suspekten Gewebsverdichtungen ist der Seitenvergleich zur anderen Brust wichtig. Die Domäne der Mammographie, in der sie bisher durch keine andere bildgebende Untersuchung abgelöst wurde, liegt in der Darstellung von kleinen Verkalkungen, dem so genannten Mikrokalk. Bei vielen bösartigen Tumoren der Brust ist Mikrokalk das erste sichtbare Zeichen, und die Mammographie kann diese Veränderung bereits ab einer Größenordnung im Zehntelmillimeterbereich nachweisen. Dabei spielt die Erfahrung des Arztes, der die Röntgenaufnahmen beurteilt, eine entscheidende Rolle, denn auch gutartige Veränderungen können Mikrokalk bilden.
Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist eine wichtige Untersuchung, um Knoten in der Brust abzuklären. Mit der Kombination aus Mammographie und Sonographie können über 90 Prozent der Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden. Auf dem Vormarsch in der Brustkrebs-Früherkennung befindet sich die Magnetresonanztomographie (MRT). Sie wird zum einen bei Patientinnen mit einem besonderen Erkrankungsrisiko eingesetzt, zum anderen dient sie der Klärung spezieller Situationen, in denen die Mammographie keine zuverlässigen Aussagen erlaubt. Etwa wenn eine Frau bereits brusterhaltend operiert wurde oder eine Prothese bekam. Denn dann bilden sich Narben, die eine sicher Beurteilung der mammographischen Bilder extrem erschweren. Mit dem MRT hingegen lassen sich narbige Veränderungen und Tumoren gut unterscheiden.
Spezialuntersuchungen
Zu den Spezialuntersuchungen in der Brustdiagnostik gehört zum Beispiel die Galaktographie. Das ist eine spezielle Mammographie, bei der zuvor ein Kontrastmittel über die Drüsenausführungsgänge der Brustwarze in die Drüsengänge injiziert wird. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn bei einer Frau Sekret aus der Brustwarze austritt.
Die Thermographie ist eine Untersuchungsmethode, bei der die natürliche Wärmeabstrahlung der Brust von außen gemessen wird. Da bösartige Tumoren in der Regel stärker durchblutet sind, geht von ihnen auch eine stärkere Wärmeabstrahlung aus. Diese früher häufig angewendete Untersuchung wird heute praktisch nicht mehr verwendet, da die Methode sehr aufwendig und zu anfällig gegenüber Umgebungseinflüssen ist. Außerdem lassen sich damit sehr kleine Tumoren kaum nachweisen.
Findet der Arzt mit Hilfe der bildgebenden Verfahren suspekte Veränderungen der Brust, muss er den Verdacht abklären; und zwar mit der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie), die der Pathologe anschließend untersucht. Das gängigste Verfahren ist die Nadel-Punktion oder Nadel-Biopsie. Dabei wird eine zuvor entdeckte Veränderung, zum Beispiel ein kleiner tumorverdächtiger Herd, mit einem Nadelsystem angesteuert, das dann eine Zell- oder Gewebeprobe absaugt beziehungsweise ausstanzt. In der Regel führt man die Biopsie ultraschallgesteuert durch, das heißt der Arzt kann auf dem Bildschirm sehen, wohin er die Nadel führen muss. Das ultraschallgesteuerte Verfahren lässt sich jedoch nur dann einsetzen, wenn die verdächtige Veränderung in der Brust auch im Ultraschall erkennbar ist.
Lässt sich der verdächtige Bereich nur mammographisch oder magnetresonanztomographisch „sehen“, entnimmt der Arzt die Gewebeprobe mit Hilfe eines dieser Untersuchungsverfahren. In der MRT gibt es hierfür einen speziellen Aufsatz, in dem die Brust gelagert und der unklare Brustherd lokalisiert werden kann.
Manche Brustveränderungen, insbesondere der Mikrokalk, lassen sich nur in der Mammographie entdecken. Um eine Biopsie aus dem fraglichen Bereich zu entnehmen, kommt dann meist die mammographisch gesteuerte Vakuumstanzbiopsie zum Einsatz. Dabei wird die Patientin auf einem speziellen Tisch in Bauchlage untersucht. In diesen Tisch ist ein kleines digitales Röntgensystem integriert, das es dem Arzt erlaubt, den Mikrokalk zu lokalisieren und die Biopsienadel unter Sicht dorthin zu führen.





