Brustkrebs-Früherkennung

Allgemeines

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist mit jährlich 50.000 Neuerkrankungen in Deutschland das häufigste Krebsleiden der Frau.

Je früher Brustkrebs erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb besitzt die Brustkrebs-Früherkennung im Rahmen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen eine besondere Bedeutung.

Brustkrebs-Früherkennung

Häufigkeit und Risikofaktoren

In den westlichen Industrienationen erkranken acht bis zehn Prozent aller Frauen irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs. Der Altersgipfel liegt dabei zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Brustkrebs ist die einzige Tumorerkrankung, die in der wohlhabenden Bevölkerung häufiger auftritt.

Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren:

  • Übergewicht
  • Späte oder keine Schwangerschaften
  • Hormontherapie, insbesondere die Östrogenbehandlung zur Linderung von Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren
  • Proliferative Mastopathie, eine zunächst gutartige Veränderung des Brustdrüsengewebes
  • Familiäre Belastungen, das heißt bereits an Brustkrebs erkrankte nahe Verwandte in der Familie. Vor nicht allzu langer Zeit wurde entdeckt, dass Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1,2, oder 3 bei etwa fünf Prozent der Brustkrebs-Patientinnen ursächlich in Verbindung stehen.

    Man empfiehlt deshalb Frauen, auf die eins der folgenden Kriterien zutrifft, einen Gentest durchführen zu lassen:

  • Zwei weibliche Familienmitglieder mit Brust- oder Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom), von denen mindestens eine vor dem 50. Lebensjahr erkrankt ist
  • eine Verwandte ersten Grads (Mutter oder Schwester) mit einseitigem Brustkrebs vor dem 30. Lebensjahr
  • eine Verwandte ersten Grads mit beidseitigem Brustkrebs vor dem 40. Lebensjahr
  • eine Verwandte ersten Grads mit Eierstockkrebs vor dem 40. Lebensjahr
  • ein männlicher Verwandter mit Brustkrebs

Was wird untersucht?

Folgende Untersuchungen gehören zur Früherkennung von Brustkrebs:

  1. Selbstuntersuchung: Spätestens ab dem 30., besser aber schon ab dem 20. Lebensjahr, empfiehlt es sich, dass jede Frau einmal im Monat ihre Brust selbst abtastet.
  2. Kontrollen durch den Gynäkologen: Im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen haben Frauen ab dem 30. Lebensjahr einmal im Jahr Anspruch auf eine Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen. Sie beinhaltet ein ausführliches Gespräch sowie das Abtasten der Brüste und der umgebenden Lymphknoten.
  3. Mammographie:Ab dem Alter von 50 bis 69 Jahren können Frauen alle zwei Jahre eine routinemäßige Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) im Rahmen des gynäkologischen Früherkennungsprogramms wahrnehmen.

Wer bezahlt die Früherkennung?

Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs werden für Frauen ab 30 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten und bezahlt. Sie finden im Rahmen der allgemeinen gynäkologischen Krebsfrüherkennung statt.

Mammo- und Sonographie

Eine Mammographie ist die Röntgenuntersuchung der Brust in zwei verschiedenen Ebenen. Mit diesem Verfahren lässt sich die normale, altersabhängige Beschaffenheit der Brust beurteilen und von krankhaften Veränderungen abgrenzen. Die meisten bösartigen Tumoren der Brust sind als unregelmäßige Gewebsverdichtungen („Krebsfüßchen“) erkennbar. Bei suspekten Gewebsverdichtungen ist der Seitenvergleich zur anderen Brust wichtig. Die Domäne der Mammographie, in der sie bisher durch keine andere bildgebende Untersuchung abgelöst wurde, liegt in der Darstellung von kleinen Verkalkungen, dem so genannten Mikrokalk. Bei vielen bösartigen Tumoren der Brust ist Mikrokalk das erste sichtbare Zeichen, und die Mammographie kann diese Veränderung bereits ab einer Größenordnung im Zehntelmillimeterbereich nachweisen. Dabei spielt die Erfahrung des Arztes, der die Röntgenaufnahmen beurteilt, eine entscheidende Rolle, denn auch gutartige Veränderungen können Mikrokalk bilden.

Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist eine wichtige Untersuchung, um Knoten in der Brust abzuklären. Mit der Kombination aus Mammographie und Sonographie können über 90 Prozent der Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden. Auf dem Vormarsch in der Brustkrebs-Früherkennung befindet sich die Magnetresonanztomographie (MRT). Sie wird zum einen bei Patientinnen mit einem besonderen Erkrankungsrisiko eingesetzt, zum anderen dient sie der Klärung spezieller Situationen, in denen die Mammographie keine zuverlässigen Aussagen erlaubt. Etwa wenn eine Frau bereits brusterhaltend operiert wurde oder eine Prothese bekam. Denn dann bilden sich Narben, die eine sicher Beurteilung der mammographischen Bilder extrem erschweren. Mit dem MRT hingegen lassen sich narbige Veränderungen und Tumoren gut unterscheiden.

Spezialuntersuchungen

Zu den Spezialuntersuchungen in der Brustdiagnostik gehört zum Beispiel die Galaktographie. Das ist eine spezielle Mammographie, bei der zuvor ein Kontrastmittel über die Drüsenausführungsgänge der Brustwarze in die Drüsengänge injiziert wird. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn bei einer Frau Sekret aus der Brustwarze austritt.

Die Thermographie ist eine Untersuchungsmethode, bei der die natürliche Wärmeabstrahlung der Brust von außen gemessen wird. Da bösartige Tumoren in der Regel stärker durchblutet sind, geht von ihnen auch eine stärkere Wärmeabstrahlung aus. Diese früher häufig angewendete Untersuchung wird heute praktisch nicht mehr verwendet, da die Methode sehr aufwendig und zu anfällig gegenüber Umgebungseinflüssen ist. Außerdem lassen sich damit sehr kleine Tumoren kaum nachweisen.

Findet der Arzt mit Hilfe der bildgebenden Verfahren suspekte Veränderungen der Brust, muss er den Verdacht abklären; und zwar mit der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie), die der Pathologe anschließend untersucht. Das gängigste Verfahren ist die Nadel-Punktion oder Nadel-Biopsie. Dabei wird eine zuvor entdeckte Veränderung, zum Beispiel ein kleiner tumorverdächtiger Herd, mit einem Nadelsystem angesteuert, das dann eine Zell- oder Gewebeprobe absaugt beziehungsweise ausstanzt. In der Regel führt man die Biopsie ultraschallgesteuert durch, das heißt der Arzt kann auf dem Bildschirm sehen, wohin er die Nadel führen muss. Das ultraschallgesteuerte Verfahren lässt sich jedoch nur dann einsetzen, wenn die verdächtige Veränderung in der Brust auch im Ultraschall erkennbar ist.

Lässt sich der verdächtige Bereich nur mammographisch oder magnetresonanztomographisch „sehen“, entnimmt der Arzt die Gewebeprobe mit Hilfe eines dieser Untersuchungsverfahren. In der MRT gibt es hierfür einen speziellen Aufsatz, in dem die Brust gelagert und der unklare Brustherd lokalisiert werden kann.

Manche Brustveränderungen, insbesondere der Mikrokalk, lassen sich nur in der Mammographie entdecken. Um eine Biopsie aus dem fraglichen Bereich zu entnehmen, kommt dann meist die mammographisch gesteuerte Vakuumstanzbiopsie zum Einsatz. Dabei wird die Patientin auf einem speziellen Tisch in Bauchlage untersucht. In diesen Tisch ist ein kleines digitales Röntgensystem integriert, das es dem Arzt erlaubt, den Mikrokalk zu lokalisieren und die Biopsienadel unter Sicht dorthin zu führen.

Veröffentlicht in:  on Oktober 6, 2008 at 8:05 Kommentar schreiben
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Vakuumbiopsie (MIBB)

Allgemeines

Die Vakuumbiopsie (MIBB = minimal invasiv breast biopsy) ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung der herkömmlichen minimal-invasiven Nadelbiopsien, die im Bereich der Brustkrebs-Früherkennung eingesetzt wird, um verdächtige Befunde abzuklären.

Sie wird eingesetzt, wenn bei einer Mammographie verändertes Gewebe von fünf Millimetern Größe oder mehr gefunden wird.

Da eine Mammographie oder Ultraschalluntersuchung der Brust nicht immer aussagekräftige Ergebnisse über die Gut- oder Bösartigkeit einer nicht tastbaren Veränderung, wie zum Beispiel Mikrokalk, oder einem tastbaren Knoten liefert, muss häufig eine Gewebeprobe auf der Brust (Brustbiopsie) entnommen werden. Nur eine Untersuchung des entnommenen Gewebes im Labor gibt verlässlich Auskunft darüber, ob eine Veränderung bösartig (maligne) oder gutartig (benigne) ist. Die Vakuumbiopsie ermöglicht eine sichere Diagnosestellung. Gleichzeitig ist die Methode schonend und vermeidet unnötige Belastung.

Durchführung

Eine Vakuumbiopsie kann mit allen bildgebenden Verfahren durchgeführt werden. Im klinischen Alltag wird sie jedoch hauptsächlich unter mammographischer Überwachung (Röntgen) durchgeführt. Auf diese Weise können sehr kleine, nicht tastbare Veränderungen lokalisiert und entnommen werden. Die der Vakuumbiopsie zugrunde liegende Technik arbeitet mit Unterdruck (Vakuum) und einer etwa drei Millimeter dünnen Hohlnadel, in der sich ein winziges Hochgeschwindigkeitsmesser befindet.

Bei der röntgengesteuerten Vakuumbiopsie liegt die Patientin mit dem Bauch auf einem speziellen Untersuchungstisch. Die zu untersuchende Brust wird in einer dafür vorgesehenen Öffnung des Tischs fixiert. Mithilfe einer Röntgenaufnahme aus verschiedenen Richtungen (Stereotaxie) kann die genaue Lage der Gewebeveränderung ermittelt werden. Nach einer örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) wird durch einen vier bis fünf Millimeter langen Schnitt die Hohlnadel genau in die berechnete Stelle der Brust eingeführt. Über ein Vakuum wird das Gewebe angesaugt und mit dem kleinen, in der Nadel befindlichen Messer abgeschnitten. Anschließend wird das Gewebe durch die Hohlnadel in eine Öffnung in der Nadelmitte transportiert, aus der es mit einer Pinzette entnommen werden kann. Die Nadel lässt sich bei der Gewebeentnahme um die eigene Achse drehen, sodass mehrere (10-20) bis zu 20 Millimeter große Gewebezylinder von der betroffenen Stelle und deren Umgebung entnommen werden können, was die diagnostische Sicherheit der Vakuumbiopsie wesentlich erhöht. Die Methode kann auch im Sitzen an einem speziellen Mammographiegerät durchgeführt werden.

Die ultraschallgesteuerte Vakuumbiopsie funktioniert ähnlich wie die röntgengesteuerte Vakuumbiopsie, wobei die Patientin hier auf dem Rücken liegt. Während bei der röntgengesteuerten Biopsie vorab Röntgenbilder zur Lokalisation der entsprechenden Stelle gemacht werden, kann die ultraschallgesteuerte Biopsie ohne Strahlenbelastung unter permanenter Kontrolle auf dem Ultraschallbild durchgeführt werden. Die Gewebeentnahme erfolgt mit einem computerunterstützten, handgeführten Gerät, an welchem die Nadel angebracht ist. Diese Form der Vakuumbiopsie eignet sich zur Abklärung aller unter Ultraschall sichtbaren Veränderungen. Bestimmte Veränderungen, wie beispielsweise der so genannte Mikrokalk sind dagegen nur mit der röntgengesteuerten Vakuumbiopsie zu entnehmen.

Nach der Vakuumbiopsie kann über die Biopsienadel einen zwei Millimeter großer Markierungsclip aus Metall an der biopsierten Stelle eingesetzt werden. Dieser Clip dient bei späteren Kontrolluntersuchungen oder bei einem eventuellen chirurgischen Eingriff der exakten Lokalisierung des Punktionsgebiets.

Die entnommenen Gewebeproben werden anschließend im Labor feingeweblich untersucht.

Andere Biopsiemethoden

Neben der Vakuumbiopsie werden drei weitere Methoden zur Gewebeprobenentnahme aus der Brust angewandt: Exzisionsbiopsie, Feinnadelbiopsie und Stanzbiopsie. Da ungefähr 70 Prozent der entdeckten Veränderungen in der Brust gutartig sind, muss eine Biopsie einerseits ein sicheres diagnostisches Ergebnis liefern, sollte andererseits aber so schonend wie möglich sein, um die Patientin so wenig wie möglich zu belasten.

Exzisionsbiopsie

Bei der Exzisionsbiopsie, auch offene oder chirurgische Biopsie genannt, wird in einem operativen Eingriff unter Vollnarkose möglichst das gesamte verdächtige Gewebe entfernt und anschließend untersucht. Sie liefert eindeutige Ergebnisse, erfordert aber einen ein- bis dreitägigen Krankenhausaufenthalt. Außerdem bleibt eine vier bis fünf Zentimeter lange Narbe zurück. Bei manchen Frauen vernarbt zudem das Gewebe im Inneren der Brust, was in einigen Fällen Beschwerden (z.B. Narbenschmerzen) verursachen kann. Exzisionsbiopsien werden daher vorwiegend zur Komplettentfernung von eindeutig bösartigen Befunden eingesetzt, wohingegen die Diagnose zunächst minimal-invasiv erfolgt.

Feinnadelbiopsie

Bei der Feinnadelbiopsie wird unter lokaler Betäubung eine Hohlnadel in die Brust eingeführt, mit der Zellen des verdächtigen Gewebes gewonnen werden. Da jeweils nur eine kleine Menge an Zellen entnommen werden kann, ist ein mehrmaliges Einführen der Nadel erforderlich, um ausreichend Zellen für eine Untersuchung zu erhalten. Da für die Laboruntersuchung nur einzelne Zellen und keine zusammenhängenden Gewebestrukturen zur Verfügung stehen, weist die Feinnadelbiopsie im Gegensatz zur Vakuumbiopsie nur eine geringe diagnostische Sicherheit auf.

Stanzbiopsie

Die Stanzbiopsie verläuft ähnlich wie die Feinnadelbiopsie. Jedoch werden bei der Stanzbiopsie Nadeln mit einem größeren Durchmesser eingesetzt. Auf diese Weise können kleinere Gewebestücke und nicht nur einzelne Zellen entnommen werden. Um eine ausreichende Menge an Gewebe für die Laboruntersuchung zu erhalten, sind aber auch bei der Stanzbiopsie mehrere Einstiche erforderlich. Dennoch ist die diagnostische Sicherheit der Stanzbiopsie größer als die der Feinadelbiopsie. Aufgrund der geringeren Größe der mit der Stanzbiopsie entnommenen Gewebeproben ist sie aber nicht in allen Fällen so hoch wie bei der Vakuumbiopsie und der offenen Biopsie. Das mehrmalige Einführen der Stanzbiopsienadel kann zu einer geringeren Treffsicherheit als bei der Vakuumbiopsie führen.

Vorteile der Vakuumbiopsie

Die Vakuumbiopsie vereinigt die Vorteile einer offenen Biopsie mit denen, die minimal-invasive Verfahren wie die Stanzbiopsie bieten. Sie ist schonend und sicher zugleich. Im Gegensatz zur Stanzbiopsie reicht bei der Vakuumbiopsie ein einziger Einstich, um genügend Gewebe für eine Laboruntersuchung zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Vakuumbiopsie schonender als eine offene Biopsie, da der Eingriff unter Lokalanästhesie in nur etwa 30-45 Minuten durchgeführt werden kann und keine Narben hinterlässt. Unmittelbar nach einer Vakuumbiopsie kann die Patientin in den normalen Alltag zurückkehren. Da der Einschnitt minimal ist, reicht ein herkömmlicher Druckverband als Nachsorge aus. Besondere Anstrengungen beim Sport, im Haushalt oder im Beruf sollten dennoch für ungefähr 24 Stunden vermieden werden. Da die örtlichen Betäubungsmittel auf den Kreislauf und die Konzentrationsfähigkeit einwirken, sollte außerdem bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff nicht aktiv am Straßenverkehr teilgenommen werden.

Risiken und Komplikationen

Wie bei allen chirurgischen Verfahren kann es in seltenen Fällen auch bei der Vakuumbiopsie zu Komplikationen kommen. Dazu zählen beispielsweise Blutergüsse (Hämatome) an der Einstichstelle und leichtere Blutungen, die jedoch in der Regel keine weitere Behandlung erforderlich machen. Stärkere Blutungen sind extrem selten. Sehr selten können allergische Reaktionen auf das örtliche Betäubungsmittel oder Wundheilungsstörungen, (z.B. aufgrund von Infektionen) auftreten.

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Straße des 17. Juni 106–108
10623 Berlin
Telefon: + 49 (030) 322 93 29 00
Fax: + 49 (030) 322 93 29 66
service@krebsgesellschaft.de
www.deutsche-krebsgesellschaft.de

Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstraße 32
53113 Bonn
Telefon: +49-(0) 228-7 29 90-0
Fax: +49-(0) 228-7 29 90-11
deutsche@krebshilfe.de
www.krebshilfe.de

Krebsinformationsdienst (KID) im Deutschen Krebsforschungszentrum
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Telefon: 0800 – 420 30 40 (täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr)
Fax: 06221/40 18 06
krebsinformationsdienst@dkfz.de
www.krebsinformationsdienst.de

mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.
Max-Hempel-Straße 3
86153 Augsburg
Telefon: 0821/5213-144
info@mamazone.de
www.mamazone.de

EUROPA DONNA Deutschland e.V.
Europäische Koalition gegen Brustkrebs, Nationales Forum Deutschland e.V.
Schillerpromenade 23
12049 Berlin
info@europadonna.de
www.europadonna.de

Deutsche Gesellschaft für Senologie (Brustheilkunde)
10757 Berlin
Postfach 304249
Telefon: +49-(0) 30 – 850 747 40
Fax: +49-(0) 30 – 850 798 27
mail@senologie.org
www.senologie.org

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Untersuchungen zur Früherkennung Krebs

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Prävention von Krebs

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Bronchoskopie (Lungenspiegelung)

Allgemeines

Die Bronchoskopie (Bronchus = Luftröhre, skopein = betrachten) erlaubt dem Arzt, die unteren Atemwege eines Patienten einzusehen. Die Luftröhre und ihre großen Abzweigungen (Bronchien) betrachtet er dabei mit einem flexiblen, etwa bleistiftdicken Schlauch, in Spezialfällen mit einem starren Metallrohr.

Die Bronchoskopie ist eine große Hilfe bei der Diagnose von Atemwegserkrankungen. Die Bronchoskopie kann ebenso zur Behandlung eingesetzt werden, zum Beispiel bei in die Luftröhre geratenen Fremdkörpern, bei einer Blutstillung in den Atemwegen und zum Absaugen von Sekret in den Bronchien.

Um einen Lungenkrebs zu diagnostizieren, ist die Bronchoskopie, in Verbindung mit der Biopsie, eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden. Mit ihr können je nach Befund bzw. Krankheitsverdacht zusätzliche Methoden wie eine „bronchoalveoläre Lavage“ (BAL) verknüpft werden. Die Anwendungsgebiete der Bronchoskopie sind recht vielseitig. Allerdings sind auch Gegenanzeigen und Komplikationen der Bronchoskopie zu beachten.

Durchführung

Einer Bronchoskopie gehen immer vorbereitende Untersuchungen voraus (zum Beispiel ein Röntgenbild vom Brustraum, die Bestimmung von Blutgerinnungswerten, Lungenfunktionstests). Am Untersuchungstag muss der Untersuchte nüchtern bleiben, da durch das Einführen des Bronchoskops über den Rachen ein Brechreiz ausgelöst werden kann. Damit die Untersuchung möglichst angenehm wird, erhält der Patient vor einer Bronchoskopie ein Betäubungsmittel. Bei einer flexiblen Bronchoskopie (das Untersuchungsinstrument ist ein biegsamer, bleistiftdicker Schlauch) werden lokale Narkosemedikamente inhaliert oder in den Rachen gesprüht. Eine Vollnarkose ist bei der starren Bronchoskopie vorgesehen, bei der ein filzstiftdickes Metallrohr mit zugehöriger Optik eingeführt wird. Die starre Bronchoskopie hat gegenüber der flexiblen Bronchoskopie den Vorteil, dass dem Arzt ein größerer diagnostischer wie therapeutischer Raum verbleibt. Fremdkörper lassen sich so besser aus dem Bronchialsystem entfernen.

Das Bronchoskop als biegsamer Schlauch wird in Rückenlage des Untersuchten durch die Nase oder den Mund in Kehlkopf, Luftröhre und schließlich in die großen und mittleren Bronchien geschoben. Zahnprothesen sollten vor der Untersuchung entfernt werden, um Schäden an den Prothesen und Komplikationen zu vermeiden. Das Bronchoskop selbst besteht aus einer Kamera mit Lichtquelle, aus Zugängen für das Spülen und Absaugen sowie Kanälen zum Einführen weiterer Instrumente. Die gesamte Untersuchung dauert etwa 20 Minuten. Nach der Untersuchung bleibt man noch einige Zeit unter ärztlicher Beobachtung und darf während der ersten zwei Stunden keine Nahrung zu sich nehmen; eine Fahruntüchtigkeit besteht für 24 Stunden.

Anwendungsgebiete

Die Bronchoskopie dient einerseits der Abklärung atemwegstypischer Beschwerden. Bronchoskopie-Indikationen können zum Beispiel chronischer Husten oder blutiger Auswurf sein. Deren Ursache wiederum können beispielsweise sein:

  • Infiltrat (Eindringen) von Bakterien, Pilzen und Pneumocystis carinii
  • Lungenabszess (eitrige Einschmelzung von Lungengewebe durch einen Lungeninfarkt, bakterielle Entzündung, etc.)
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch hier eine Bronchoskopie notwendig (zum Beispiel bei schwerem Krankheitsbild, zum Ausschluss anderer Lungenerkrankungen oder bei Versagen der Antibiotikatherapie)
  • Lungentumor (gutartiger oder bösartiger wie der Lungenkrebs)

Neben dem Röntgen und der Computertomographie ist die Bronchoskopie mit Probeentnahme (Biopsie) bei einem Lungenkrebs die wichtigste Untersuchung. Mit einer kleinen Zange, die über das Bronchoskop eingeführt wird, kann innerhalb der Atemwege und auch in angrenzenden Regionen Tumorgewebe zur Untersuchung entnommen werden. Liegt der Herd weiter weg, kann der Arzt mit einer kleinen Bürste unter Röntgendurchleuchtung einen Abstrich nehmen oder eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) durchführen. Bei der BAL werden über einen Spülkatheter insgesamt etwa 200 ml 0,9%-iger Kochsalzlösung durch die entsprechenden Atemwege gespült, die Flüssigkeit wieder angesaugt und anschließend nach verdächtigen Zellen untersucht. Ferner sind mit einer Bronchoskopie auch Lymphknotenbiopsien möglich, zum Beispiel bei unklar vergrößerten Lymphknoten im mittleren Gebiet des Brustraums (sog. Mediastinum). Auch fibröse Lungenveränderungen können mit einer Bronchoskopie diagnostiziert werden.

Die Bronchoskopie kommt als Behandlungsmethode zum Einsatz:

  • zum Absaugen von Sekret (intensivmedizinischer Eingriff bei Asthma bronchiale)
  • zur Entfernung von Fremdkörpern
  • zur Stillung von Blutungen in den Atemwegen (Lasertherapie)
  • bei der lokalen Strahlentherapie oder Implantation von Stents („Drahtröhrchen“) an Stellen, die durch einen Lungentumor verengt sind

Risiken

Schwere Komplikationen, die auf eine Bronchoskopie zurückzuführen sind, treten extrem selten auf.

Die Bronchoskopie-Risiken liegen im Wesentlichen in/im:

  • einer anschließenden Blutung
  • Fieber
  • Pneumothorax (Luftansammlung im Brustfellraum mit Gefahr eines Lungenkollaps, wenn die Bronchien verletzt wurden)
  • Bronchospasmus (Atemwege verengen sich reflektorisch), Laryngospasmus (Kehlkopfkrampf)
  • Hypoxämie (niedriger Sauerstoffgehalt im Blut)
  • Herz-Kreislauf-Komplikationen (Kreislaufinstabilität, Herzrhythmusstörungen)

Patienten mit schweren Herz-Lungen-Erkrankungen (akuter Herzinfarkt, Herzinsuffizienz), Gerinnungsstörungen und Allergie gegen Betäubungsmittel sollten mit ihrem Arzt individuell klären, ob eine Bronchoskopie anzuraten ist.

Body-Plethysmographie

Allgemeines

Die Body-Plethysmographie (auch Ganzkörper-Plethysmographie) ist das wichtigste Verfahren zur Prüfung der Lungenfunktion. Mithilfe der Body-Plethysmographie (plethys = Menge; graphein = aufzeichnen) wird die Leistungsfähigkeit von Lunge und Bronchialsystem festgestellt.

Bei der Plethysmographie werden sowohl die Luftmenge in der Lunge beim Atemvorgang als auch die Weite des Bronchialsystems gemessen. Durch diese Untersuchung erhält man eine Aussage über die für das Ein- und Ausatmen notwendige Atemarbeit und über die Atemruhelage; jenem Zustand, in dem sämtliche Atemmuskeln entspannt sind. Die Body-Plethysmographie ist vor allem für die Diagnose von Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis, COPD, Lungenfibrose (narbige Veränderung von Lungengewebe) und durch Asbest verursachte Schädigungen von großer Bedeutung. Gleichzeitig kann man mittels Body-Plethysmographie den Schweregrad einer Lungenerkrankung abschätzen. Bei Menschen, die unter stärker wechselnden Atemstörungen leiden, lassen sich Verschlechterungen der Krankheit durch häufiges Messen der Lungenfunktion rechtzeitig erkennen und sofort behandeln.

Von der Body-Plethysmographie ist die Spirometrie zu unterscheiden. Diese wird auch als „kleine Lungenfunktion“ bezeichnet. Bei der Spirometrie wird das Aus- und Einatemluftvolumen gemessen und in einem Spirogramm festgehalten.

Durchführung

Der Patient sitzt während der Body-Plethysmographie-Untersuchung in einer geschlossenen luftdichten Kabine – ähnlich einer Telefonzelle – und atmet über ein Mundstück in einen Raum außerhalb der Kabine. In der Messkabine werden sowohl bei normaler und beschleunigter Atmung als auch beim tiefen Ein- und Ausatmen die Atemvorgänge durch verschiedene Messverfahren erfasst und mittels Computer berechnet. Diese Messergebnisse werden wiederum mit geschlechts- und altersbezogenen Normwerten verglichen.

Der Erfolg der Untersuchung hängt auch von der Mitarbeit des Untersuchten ab. Für ihn entstehen bei der Body-Plethysmographie weder Strahlen- noch Druckbelastungen. Der Aufenthalt in der Glaskabine ist ungefährlich; die geschlossene Tür kann jederzeit geöffnet werden.

Anwendungsgebiete

Die verschiedenen Messgrößen der Body-Plethysmographie geben Auskunft über die einzelnen Aspekte der Lungenfunktion. Es werden der Atemwegs-Widerstand (Resistance), das Residualvolumen (RV) und das Lungenvolumen ermittelt. Der Atemwegs-Widerstand bezeichnet den Strömungswiderstand in den Atemwegen. Unter Residualvolumen versteht man das nach der maximalen Ausatmung in der Lunge verbleibende Luftvolumen.

Die erzielten Messwerte geben Auskunft darüber, ob Ventilations-Störungen (Ventilation = Belüftung) vorliegen oder nicht. Bei den Ventilations-Störungen unterscheidet man wiederum zwischen restriktiven und obstruktiven Störungen. Beide können mithilfe der Body-Plethysmographie gut unterschieden werden – wobei die obstruktiven Störungen am weitaus häufigsten vorkommen. Obstruktive Störungen können entstehen, wenn die Luftströmung in den Atemwegen behindert wird.

Weitere Informationen

Linktipps:

www.uniklinikum-giessen.de
Uniklinikum Giessen

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Blutzuckermessung

Allgemeines

Bei der Blutzuckermessung wird die Konzentration an Kohlenhydraten im Blut bestimmt. Kohlenhydrate sind der Hauptenergielieferant für unseren Körper.

Sie werden über die Darmschleimhaut aufgenommen und zum größten Teil in Glukose umgewandelt. Im Körperkreislauf stellen sie Energie für verschiedene Organe wie Muskeln, Gehirn oder auch die roten Blutkörperchen bereit. Mithilfe der Blutzuckermessung können Krankheiten, die mit einem zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerspiegel einhergehen, diagnostiziert werden, so zum Beispiel Diabetes mellitus.

Insulin, ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert und ausgeschüttet wird, bewirkt, dass Glukose in die Zellen aufgenommen wird und dort weiterverarbeitet werden kann. Vor allem nach den Mahlzeiten wird Insulin ausgeschüttet. Durch seine Wirkung sinkt der Blutzuckerspiegel und wird im Tagesverlauf auf einem gleichbleibenden Niveau gehalten. Andere Hormone wie Kortison, Adrenalin oder Glukagon steigern die Blutzuckerwerte. Sie werden in Belastungssituationen wie beim Sport oder bei Stress ausgeschüttet, wenn der Körper mehr Zucker benötigt.

Verlieren, wie beim Diabetes mellitus, die Inselzellen (Langerhans-Inseln) der Bauchspeicheldrüse ihre Funktion, so wird weniger Insulin ausgeschüttet und der Blutzuckerspiegel steigt. Dieser Zustand wird als Hyperglykämie bezeichnet und kann durch eine einfache Blutuntersuchung, die Blutzuckermessung, festgestellt werden. Auch akute, schwere Erkrankungen wie ein Herzinfarkt können den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Weiterführende Untersuchungen wie zum Beispiel ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) können Aufschluss über die Herkunft, Art und Schwere der Störung bringen. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel wird als Hypoglykämie bezeichnet.

Bei unkontrollierter Diabetestherapie, durch übermäßigen Alkoholkonsum oder bei Erkrankungen wie schweren Leberschäden kann es zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels im Serum, also einer Hypoglykämie, kommen. Dieser Zustand ist, wenn er ausgeprägt ist, ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort durch Maßnahmen wie eine Glukose- oder Glukagongabe behandelt werden.

In der Regel wird die Blutzuckermessung mithilfe eines Bluttropfens aus der Fingerkuppe vorgenommen. Das Blut wird auf einen Teststreifen gegeben. Mit einem Messgerät wird der Blutzuckerwert bestimmt.

Glukose im Serum (nüchtern)

Das Blut für die Bestimmung der Glukose im Serum wird nach einer mindestens zwölfstündigen Nahrungspause abgenommen, um eine Verfälschung des Werts durch zuckerhaltige Nahrungsmittel auszuschließen. Liegt bei der Blutzuckermessung ein zu hoher Wert vor, deutet dies auf einen Diabetes mellitus hin. Aber auch andere Ursachen kommen für die Erhöhung des Blutzuckerspiegels in Frage, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).

Ein zu geringer Glukosewert im nüchternen Zustand kann beispielsweise die Folge einer Leberfunktionsstörung oder aber auch einer unangemessenen Medikamenteneinnahme – etwa die Überdosierung mit Antidiabetika – sein. Ferner können insulinproduzierende Tumoren zu einer Abnahme des Blutzuckerwerts führen.

Stadium Nüchtern-Glukose im Serum
Normal unter 110 mg/dl
unter 5,6 mmol/l
Blutzucker-Verwertungsstörung
(Gestörte Glukosehomöostase)
100 mg/dl – 125 mg/dl
5,6 mmol/l – 6,9 mmol/l
Diabetes über 125 mg/dl
über 7,0 mmol/l

Tabelle: Kriterien für die Diagnose eines Diabetes mellitus

HbA1C

Um den Zuckerstoffwechsel über einen längeren Zeitraum verfolgen zu können, eignet sich im Rahmen der Blutzuckermessung die Bestimmung des so genannten HbA 1C-Werts. Mithilfe dieses Werts, der anhand einer Blutuntersuchung bestimmt wird, können die mittleren Blutzuckerwerte der letzten zehn bis zwölf Wochen ermittelt werden.

Zirkuliert zu viel Glukose im Blutkreislauf, so verbindet sie sich (konjugiert) mit zahlreichen Eiweißen im Blut und in den Gefäßen. Unter anderem wird auch der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu einem gewissen Anteil in den Blutkörperchen (Erythrozyten) mit Zuckermolekülen verknüpft. Dieser Anteil des Hämoglobins wird als HHbA 1C bezeichnet. Der Messwert wird in Prozent angegeben und entspricht dem Anteil des Hämoglobins am Gesamthämoglobin, der mit Glukose verknüpft ist. Sein Anteil steigt mit steigendem Blutzuckerspiegel und bleibt bis zu zwölf Wochen lang erhöht, auch wenn der Blutzucker zeitweise wieder auf normale Werte absinkt.

Bei gesunden Personen liegt der HbA 1C-Anteil bei vier bis sechs Prozent. Ist der Wert erhöht, deutet dies auf einen Diabetes mellitus hin.

Mithilfe des HbA 1C-Werts (Blutzuckergedächtniswert) lassen sich bei Diabetikern langfristig die Blutzuckerspiegel kontrollieren. Ziel ist es, den HbA 1C-Wert langfristig zu normalisieren. Als ideal gilt bei Diabetikern ein Wert von unter 6.5 Prozent.

Weitere Informationen

Buchtipps:

Diabetes-Handbuch

Weinreich, Sonja; Benn, Christoph buch_hien_diabetes.jpg260 Seiten, Springer, 2005 Leicht verständliche Einführung. Mit aktuellen Praxis-Informationen und Therapieziel-Angaben, einschließlich neuester Therapeutika. Volkskrankheit Diabetes lässt sich diese Zeitbombe entschärfen? Das beliebte und erfolgreiche Diabetes-Handbuch noch besser!- Basiswissen: knapp, praxisorientiert, für die täglichen Probleme; Leitfäden u.a. zu Notfällen und perioperativer Versorgung- Zusatznutzen: Abkürzungsverzeichnis, wichtige Internetadressen u. OrganisationenFür hausärztlich tätige Mediziner (Allgemeinmediziner, Internisten, Gynäkologen, Pädiater), Diabetesberaterinnen, Ernährungsberaterinnen, betroffene PatientenNeu:Diagnostik und Therapie: up-to-date entsprechend neuester Studien und Leitlinien Neue Kapitel:- Prävention des Typ 1 und Typ 2 Diabetes- Besonderheiten in der GesundheitsvorsorgeFolgeerkrankungen ausführlicher behandelt:- Fettstoffwechselstörungen- Hypertonie- Diabetisches Fußsyndrom

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Blutsenkung

Allgemeines

Normalerweise sind die festen Blutbestandteile, also die Blutzellen, im Blutplasma suspendiert (aufgeschwemmt) und werden durch die Blutzirkulation in der Schwebe gehalten. Außerhalb des Körpers (in vitro), zum Beispiel im Reagenzglas oder in Spritzen, kommt es im ungerinnbar gemachten Blut zur Sedimentation, das heißt die festen Bestandteile des Bluts setzen sich gegenüber der flüssigen Phase ab.

Eine Vielzahl krankhafter Veränderungen führt zu einer Beschleunigung dieser Sedimentation. Die Ursache für die Beschleunigung ist eine Zusammenballung (Agglomeration) der roten Blutkörperchen, die durch bestimmte Proteine (Agglomerine) vermittelt wird. Neben den senkungsbeschleunigenden Faktoren gibt es auch körpereigene und körperfremde Faktoren, die diesen Vorgang hemmen. Hierzu gehören vor allem entzündungshemmende Medikamente wie Indomethazin oder Kortikoide.

Die Bestimmung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (kurz: Blutsenkung) ist weit verbreitet und wird häufig angewandt, obgleich das Resultat wenig charakteristisch für bestimmte Erkrankungen ist. Beispielsweise findet sich bei allen entzündlichen Prozessen sowie bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen eine Beschleunigung der Blutsenkung. Ein standardisiertes Verfahren zur Bestimmung stellt die Methode nach Westergren dar. Hier wird die Blutkörperchensenkung in mm pro Zeiteinheit registriert.

Normalwerte

Männer Frauen
nach der 1. Stunde 3-15 mm 6-20 mm

Die Bestimmung des Zwei-Stunden-Werts der Blutsenkung ist zwar ebenfalls üblich, bringt aber keinen wesentlichen Informationsgewinn.

Erhöhter Blutsenkungswert

Ein leicht erhöhter Blutsenkungswert (bis 50 mm in der ersten Stunde) kann folgende Ursachen haben:

  • Bestimmungsfehler aufgrund von Wärme oder einer zu geringen Probemenge
  • Blutarmut (Anämie)
  • Erhöhte Blutfette (Hypertriglyzeridämie)
  • Hormonelle Empfängnisverhütung, Schwangerschaft
  • Kurz zurückliegende Operationen
  • Bestimmte bakterielle Infektionen (z.B. Tuberkulose)
  • Tumorerkrankungen

Ein stark erhöhter Blutsenkungswert (50 bis 100 mm in der ersten Stunde) lässt sich vor allem auf folgende Ursachen zurückführen:

Ein massiv erhöhter Blutsenkungswert (mehr als 100 mm in der ersten Stunde) entsteht unter anderem durch:

Erniedrigter Blutsenkungswert

Eine Erniedrigung der Blutsenkungsgeschwindigkeit entsteht durch:

  • Bestimmungsfehler, z.B. aufgrund von Kälte
  • Erhöhte Konzentration an roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
  • Krankhafte Erythrozytenformen (z.B. Sichelzellenanämie)
  • Austrocknung (Exsikkose)

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Blutgerinnung

Allgemeines

Unter Blutgerinnung versteht man das Festwerden oder Stocken des Bluts. Im Normalfall kann das Blut seine Aufgaben nur im flüssigen Zustand erfüllen, bei Verletzungen im Gefäßsystem muss aber gleichzeitig ein Austritt von Blut möglichst schnell und effektiv verhindert werden. Ohne das System der Blutgerinnung würden selbst kleinere Verletzungen zu einem nicht beherrschbaren Blutverlust führen.

Die Blutgerinnung ist ein komplexes Zusammenspiel aus zellulären Funktionen der Blutplättchen (Thrombozyten) und im Blut zirkulierender Eiweiße (Gerinnungsfaktoren, Thrombolytika). Man unterscheidet die Faktoren im Blut, die die Gerinnung fördern (thrombogene Substanzen) und diejenigen, welche die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen und Embolien) verhindern oder sie auflösen (antithrombotische, thrombolytische Substanzen).

Normalerweise herrscht im Körper ein Gleichgewicht, in dem sich Blutgerinnung und Gerinnselauflösung die Waage halten. Kleine Veränderungen im Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile können zur Entstehung von Thrombosen beitragen oder eine Blutungsneigung verursachen.

Die Blutgerinnung wird durch äußere (extrinsic) sowie innere (intrinsic) Prozesse ausgelöst. Beide verlaufen ab der Aktivierung des Gerinnungsfaktors X über dieselben biochemischen Prozesse bis hin zur endgültigen Blutgerinnung.

Extrinsic-System

Die Blutgerinnung wird durch die Freisetzung von Gewebethromboplastin (Gerinnungsfaktor III) innerhalb von Sekunden in Gang gesetzt. Es ist ein Phospholipoprotein, das aus verletzten Gewebezellen freigesetzt wird.

Das Gewebethromboplastin aktiviert den für die Blutgerinnung erforderlichen Gerinnungsfaktor VII zum Gerinnungsfaktor VIIa. Der Gerinnungsfaktor VIIa verbindet sich unter der notwendigen Mitwirkung von Kalzium-Ionen mit Phospholipidzellen des verletzten Gewebes. Dieses System ist der Aktivator für den Gerinnungsfaktor X, aus dem der aktive Gerinnungsfaktor Xa entsteht.

Ab diesem Prozess sind die weiteren Abläufe für das extrinsic- und das intrinsic-System gleich:

Der aktivierte Gerinnungsfaktor Xa, der Gerinnungsfaktor V, Phospholipide und Calcium-Ionen bilden einen chemischen Komplex (den Prothrombinaktivator), der Prothrombin in Thrombin umwandelt. Das so gebildete Thrombin führt die Fibrinogenmoleküle in Fibrinmonomere über. Diese Fibrinmonomere polymerisieren zu Fibrinpolymeren. Aus den Fibrinpolymeren entsteht unter Mitwirkung des aktivierten Gerinnungsfaktors XII das Fibrin. In den Fasern des Fibrins verfangen sich die festen Bestandteile des Bluts. Anschließend kontrahiert sich dieses System und presst dabei das Blutserum, also die flüssigen Blutanteile, heraus.

Intrinsic-System

Voraussetzung für den Beginn der Blutgerinnung ist das Freilegen von Fremdoberflächen oder von Kollagenfasern im verletzten Endothel, also in der zelligen Auskleidung von Gefäßen, sowie der Zerfall von Thrombozyten.

Durch diese Auslöser wird der Gerinnungsfaktor XII in den aktivierten Gerinnungsfaktor XIIa umgewandelt. Der Gerinnungsfaktor XIIa bildet mit dem Gerinnungsfaktor XI und einem so genannten Plättchenfaktor 3, der an der Thrombozytenoberfläche anhaftet, einen chemischen Komplex, der die Umwandlung des Gerinnungsfaktors IX in seine aktive Form katalysiert. Der aktivierte Gerinnungsfaktor IXa bildet mit dem Gerinnungsfaktor VIII, mit Kalzium-Ionen und Phospholipiden den Gerinnungsfaktor-X-Aktivator dieses Systems. Danach erfolgt der weitere Prozess der Blutgerinnung mit Hilfe des aktivierten Gerinnungsfaktors Xa, wie bei dem extrinsic-System dargestellt.

Der Beginn der Blutgerinnung über das intrinsic-System ist mit einigen Minuten Dauer länger als der des extrinsic-Systems, der im Sekundenbereich liegt.

Gerinnungsuntersuchungen (Einführung)

Häufig ist das Gleichgewicht der Blutgerinnung hin zur thrombogenen Seite verlagert. Das kann die verschiedensten Ursachen haben, zum Beispiel mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Medikamenteneinnahme (wie die Anti-Baby-Pille), genetische Veranlagung, Krankheiten oder Operationen. Aber auch eine vermehrte Blutungsneigung ist möglich, beispielsweise bei Blutplättchenmangel oder bei genetisch bedingtem Gerinnungsfaktormangel (Hämophilie, Bluterkrankheit).

Um solche Störungen zu identifizieren, werden die so genannten Gerinnungsparameter bestimmt. Bei einer erhöhten Thromboseneigung muss durch Medikamente, so genannte Antikoagulanzien, einer Entstehung von Blutgerinnseln vorgebeugt werden. In diesem Fall werden die Gerinnungswerte bestimmt, um die Therapie zu kontrollieren. Die Normbereiche der Gerinnungswerte schwanken in gewissen Grenzen je nach Labor und Literaturangaben. Die folgenden Werte sind deshalb nur als Richtwert zu verstehen.

Gerinnungsparameter Referenzbereich  
Blutungszeit 2 – 8 min  
Quick-Test, Thromboplastinzeit (TPZ) 70 – 100% Der Quick-Wert schwankt leicht von Labor zu Labor
INR um 1,0  
Partielle Thromboplastinzeit (PTT) 20 – 38 sek  
Plasmathrombinzeit 14 – 20 sek  

Blutungszeit

Die Blutungszeit wird durch einen kleinen Einstich und die Messung der Zeit bis zum Blutungsstillstand bestimmt. Es handelt sich um einen Suchtest auf Störungen der Blutplättchenfunktion oder der Blutgerinnung.

Grund für eine verlängerte Blutungszeit kann ein Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie), das Von-Willebrand-Syndrom oder eine Urämie (wie bei chronischem Nierenversagen) sein. Auch die Einnahme von Medikamenten (wie Thrombozytenaggregationshemmer, NSAR-Schmerzmittel) kann zu einer verlängerten Blutungszeit führen.

Quick-Test (TPZ) und INR

Die Begriffe Quick-Wert und Thromboplastinzeit sind Synonyme für dieselbe Laboruntersuchung. Weil aber von Labor zu Labor leicht unterschiedliche Untersuchungsmethoden zur Bestimmung der Thromboplastinzeit verwendet werden, sind die ermittelten Werte nicht miteinander vergleichbar. Deshalb wurde die International normalized ratio (INR) eingeführt, die einen Korrekturfaktor für die verwendete Methode beinhaltet. Dadurch werden die INR-Werte vergleichbar. Mit der INR lässt sich ein Teil der Blutgerinnungskaskade, nämlich das extrinsische System überprüfen.

Ein zu hoher INR-Wert kann auf einen Mangel an Vitamin K, zum Beispiel durch Leberfunktionsstörungen oder eine gestörte Aufnahme von Vitaminen aus dem Darm, zurückzuführen sein. Besonders wichtig für die Therapiekontrolle ist der INR-Wert bei einer Behandlung mit Gerinnungshemmern, den Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine, wie Phenprocoumon). Je nach Erkrankung oder Thromboserisiko wird der INR-Wert auf einen Bereich zwischen 2,0 bis 3,0 oder 2,5 bis 3,5 eingestellt.

Partielle Thromboplastinzeit (PTT)

Mit der partiellen Thromboplastinzeit (PTT) wird das intrinsische System der Blutgerinnung überprüft. Mit Hilfe der PTT kann die Therapie mit Heparin, einem gerinnungshemmenden Medikament, kontrolliert werden. Außerdem dient sie zur Überprüfung der richtigen Behandlung einer Hämophilie.

Erhöhte PTT-Werte können bei schweren Lebererkrankungen, Verbrauchskoagulopathie, Hyperfibrinolyse und Hämophilie A und B (Bluterkrankheit) vorkommen. Auch Medikamente wie Heparin und Cumarine führen zu einer Erhöhung des PTT.

Antithrombin III (AT III)

Antithrombin III ist ein wichtiger körpereigener Gerinnungshemmer. Fällt der Antithrombin III-Wert ab, steigt das Risiko, eine Thrombose zu entwickeln.

Es gibt eine vererbbare Form des Antithrombin-III-Mangels, die mit einer Häufigkeit von 1:5000 relativ weit verbreitet ist. Auch sehr gängige Medikamente wie orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille) und Heparin können den AT III-Wert absenken. Ebenso erniedrigen verschiedene Erkrankungen wie beispielsweise schwere Leberschäden, ein Nephrotisches Syndrom und eine Verbrauchskoagulopathie, wie auch eine so genannte disseminierte, intravasale Gerinnung den AT III-Wert.

Eine Erhöhung des Antithrombin III-Werts kann durch Gallenstau (Cholestase) und verschiedene Medikamente wie Gerinnungshemmer und Cumarine entstehen.

Fibrinspaltprodukte (D-Dimere)

D-Dimere entstehen im Rahmen der Blutgerinnung bei der Spaltung quervernetzter Gerinnungseiweiße (Fibrinmoleküle). Sie treten bei einer in den Blutgefäßen (intravasal) stattfindenden Gerinnselbildung auf. Die D-Dimere werden untersucht, wenn Verdacht auf eine Thrombose oder Thromboembolie besteht. Aber auch bei anderen Erkrankungen, beispielsweise Tumoren, akuter oder chronischer Verbrauchskoagulopathie und nach Operationen, kann der D-Dimer-Wert erhöht sein. Medikamente wie Furosemid, Nikotinsäurederivate und ADH-Analoga erhöhen den D-Dimer-Wert.

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Blutfette

Allgemeines

Neben Eiweiß und Kohlenhydraten gehört das Fett zu den Grundnährstoffen, mit denen unser Körper seinen Energiebedarf deckt. Fette sind in allen Zellen des Körpers enthalten und spielen eine wichtige Rolle als Bausteine der Zellwand.

Die Blutfette werden hauptsächlich aus zwei Gründen untersucht. Zum einen möchte man damit so genannte Fettstoffwechselstörungen erfassen, zum anderen erlaubt die Blutfettanalyse eine Abschätzung des Risikos, an Arteriosklerose zu erkranken. Erhöhte Blutfettwerte, insbesondere erhöhtes Cholesterin, sind der Hauptrisikofaktor für die Entwicklung einer Koronaren Herzkrankheit.

Weil ein großer Teil der Blutfette durch die Nahrung aufgenommen wird, steigen die Spiegel direkt nach dem Essen an. Deshalb muss einer Blutuntersuchung auf Blutfette eine zwölfstündige Nahrungspause vorangehen. Die Normbereiche der Blutwerte schwanken in gewissen Grenzen je nach Labor und Literaturangaben. Die folgenden Werte sind deshalb nur als Richtwert zu verstehen.

Fettstoffwechsel Normalwert
Triglyzeride 150 mg/dl
1,7 mmol/l
Cholesterin unter 200 mg/dl
unter 5,2 mmol/l
LDL-Cholesterin 160 mg/dl
4,0 mmol/l
HDL-Cholesterin über 40 mg/dl
über 1,0 mmol/l
Verhältnis HDL:LDL 1:3

Triglyzeride

Die Triglyzeride, auch Neutralfette genannt, machen den Großteil aller Nahrungsfette aus. Sie bestehen aus Glyzerin, einem dreiwertigen Alkohol, und Fettsäuren, wobei jeweils drei Fettsäuren mittels Veresterung einem Molekül Glyzerin angelagert sind. Sie sind das Speicherfett, welches die Depots im Körper auffüllt und auch im Pflanzenöl oder an Fleischstücken zu sehen ist. Jedes dieser Fette wird durch eine unterschiedliche Fettsäurezusammensetzung charakterisiert.

Erniedrigte Blutwerte für Triglyzeride sind eher selten. Relativ häufig kommen krankhaft erhöhte Triglyzeridwerte vor. Meist sind dann auch andere Blutfettwerte wie das Cholesterin erhöht.

Cholesterin

Cholesterine, auch als Cholesterol bezeichnet, sind fettähnliche Substanzen. Sie werden zu etwa einem Drittel vom menschlichen Organismus selbst hergestellt. Der Großteil dieser Blutfette aber wird über die Nahrung von außen zugeführt.

Cholesterin bildet beim Menschen das Grundgerüst für die Produktion (Synthese) der Geschlechtshormone. Weiterhin dient es der Gallensäurebildung in der Leber. Als wichtiger Baustein der Zellwand kommt es überall im Körper vor. In der richtigen Menge ist Cholesterin also ein sehr wertvoller Bestandteil der Ernährung.

Da sich Fette und Wasser nicht mischen, sind Cholesterine im Blut von einer Hülle aus speziellen Eiweißen (Lipoproteinen) umgeben. Diese Lipoproteinhülle sorgt unter anderem dafür, dass die schlecht wasserlöslichen Cholesterine besser im Blut transportiert werden können und an der Stelle im Körper ankommen, an der sie benötigt werden. Die Lipoproteine werden nach ihrer Dichte eingeteilt. Von Bedeutung sind die Lipoproteine niedriger Dichte (Low Density Lipoproteins), kurz LDL, und die Lipoproteine hoher Dichte (High Density Lipoproteins), kurz HDL genannt.

Im umgangssprachlichen Gebrauch bezeichnet man das LDL-Cholesterin als das „schlechte“ und HDL-Cholesterin als das „gute“ Cholesterin. Damit ist der Effekt der einzelnen Cholesterin-Anteile auf das Herz-Kreislauf-System gemeint. In großen Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen mit einem stark erhöhten LDL-Wert häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als Menschen mit normalen LDL-Werten. Umgekehrt wurde ein hoher HDL-Wert mit einer geringeren Krankheitshäufigkeit zum Beispiel für den Herzinfarkt in Zusammenhang gebracht.

Bei einer normalen Blutfettuntersuchung werden sowohl die Gesamtmenge des Cholesterins, als auch die Konzentrationen der Untergruppen LDL und HDL bestimmt. Sind diese Werte erhöht, erhöht sich auch die Gefahr, an einer Koronaren Herzkrankheit und eventuell an einem Herzinfarkt zu erkranken.

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Blutentnahme

Blut als Untersuchungsmedium

Das Blut setzt sich zusammen aus einem festen Anteil, den Blutzellen, und einem flüssigen Anteil, dem Blutplasma. Im Labor können nach einer Blutentnahme drei unterschiedliche „Arten“ von Blut untersucht werden:

  • VollblutVollblut ist entnommenes Blut mit allen darin enthaltenen Bestandteilen. Zur Untersuchung der Blutzellen im Vollblut muss nach der Blutentnahme durch einen Zusatz im Entnahmeröhrchen die Gerinnung des frisch entnommenen Bluts unterbunden werden.
  • (Blut-)PlasmaBeim Blutplasma handelt es sich um das Vollblut ohne Blutzellen. Es besteht zu 90 Prozent aus Wasser und enthält alle wichtigen Substanzen, die im Blut transportiert werden.
  • (Blut-)SerumBlutserum ist das Vollblut ohne Blutzellen und die an der Blutgerinnung beteiligten Proteine, die so genannten Gerinnungsfaktoren. Da das Serum nicht mehr gerinnen kann, ist es für viele Untersuchungen wie Blutzucker, Enzyme, Hormone und Mineraltstoffe am besten geeignet. Zur Herstellung des Blutserums lässt man das abgenommene Blut zunächst gerinnen und zentrifugiert es anschließend. Das Serum hat sich dann als wässrige Phase über den festen Blutbestandteilen abgesetzt. Für ein bis zwei Milliliter Serum werden zirka zehn Milliliter Vollblut benötigt.

Blutentnahme

Bei der Blutabnahme wird dem Körper eine zur Untersuchung ausreichende Menge Blut, maximal etwa 30 ml, entnommen und in unterschiedliche Röhrchen gefüllt. Der Blutverlust durch die Blutabnahme ist hierbei nicht gefährlich, manchmal nur etwas schmerzhaft.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Blutentnahme:

  • Blutentnahme aus Kapillaren:Kapillaren sind winzige Gefäße, die überall im Gewebe liegen. Durch einen kleinen „Piekser“ in den Finger oder das Ohrläppchen kann man das Kapillarblut mit Hilfe eines kleinen Röhrchens entnehmen. Bei Kleinkindern wird Kapillarblut oft auch an der Ferse entnommen. In den Kapillaren findet der Sauerstoffaustausch in die Zellen statt, daher ist der Sauerstoffgehalt von Kapillarblut geringer als der arterielle Sauerstoffgehalt. Die Blutentnahme aus Kapillaren ist die beste Möglichkeit, wenn nur kleine Blutmengen benötigt werden, so zum Beispiel bei der regelmäßigen Blutzuckerbestimmung von Diabetikern. Eine Blutgasbestimmung ist dagegen mit Kapillarblut nicht sinnvoll.
  • Blutentnahme aus Venen:Venen sind die zum Herzen hinführenden Gefäße, also diejenigen, die sauerstoffarmes Blut enthalten. Werden größere Mengen Blut benötigt, so wird zumeist in der Armbeuge des Patienten mit Hilfe einer Kanüle das Venenblut entnommen. Bei der Blutspende beispielsweise können mit dieser Methode etwa 500 ml Blut entnommen werden.
  • Blutentnahme aus Arterien:Arterien sind die vom Herzen wegführenden Gefäße, also diejenigen, die sauerstoffreiches Blut enthalten. Arterielles Blut wird nur in Ausnahmefällen entnommen, zum Beispiel bei der Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut, welcher sich nicht anhand des Venenbluts feststellen lässt. Die Blutentnahme erfolgt hierbei aus Arterien der Leiste und des Handgelenks.
  • EDTA-BlutEDTA-Blut ist Blut, das mit Ethylene Diamine Tetraacetic Acid (Ethylendiamintetraessigsäure) versetzt worden ist, um eine Gerinnung des Bluts zu verhindern. Dabei bindet das EDTA das Kalzium des Bluts, das als Faktor IV für die Blutgerinnung erforderlich ist.

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Checkliste Anamnese und klinische Untersuchung

Neurath, Markus, Lohse, Ansgar W. anamnese.gif544 Seiten, Thieme, 2004 Im grauen Teil finden Sie alle notwendigen Grundlagen zu Anamnese, klinischer Untersuchung, ergänzenden Untersuchungen (z.B. EKG, Sonographie) sowie zum Thema Patientenvorstellung. Der grüne Teil widmet sich den einzelnen Organsystemen: Alles zum praktischen Vorgehen, zu Normalbefunden, pathologischen Befunden, wichtigen Erkrankungen sowie ergänzenden diagnostischen Möglichkeiten. Im blauen Teil werden Sie durch alle Aufnahmeuntersuchungen in den verschiedenen klinischen Fächern geführt. Der rote Teil zeigt Ihnen exemplarisch das differenzialdiagnostische Vorgehen bei häufigen Leitsymptomen (z.B. Husten, Dyspnoe). Daran anschließend finden Sie alles zum Thema Blutentnahme und eine Laborwertübersicht mit differenzialdiagnostischen Hinweisen.

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Biopsie (Gewebeprobenentnahme)

Allgemeines

Bei einer Biopsie (Gewebeprobenentnahme) wird Gewebematerial aus einem lebenden Organismus entnommen und anschließend von einem Pathologen untersucht.

Ziel der Biopsie ist es, mögliche krankhafte Veränderungen eines Organs zu erkennen, so zum Beispiel ein bösartiger Knoten in der Brust (Brustkrebs), eine Magenschleimhautentzündung, Prostatavergrößerung, Leberzirrhose, Blut- und Schilddrüsenerkrankungen und vieles mehr.

Mithilfe von speziellen Geräten kann man heutzutage von fast allen Geweben des Körpers Proben entnehmen.

Durchführung

Eine Biopsie (Gewebeprobenentnahme) ist in der Regel nicht schmerzhaft. Auf Wunsch kann der Untersuchte jedoch auch Beruhigungs- und Schmerzmittel erhalten. Meist lässt sich die Biopsie ambulant in einer Praxis durchführen.

Die Gewebeprobe muss unter sterilen Bedingungen entnommen werden, um Infektionen zu verhindern. Der genaue Ablauf der Untersuchung hängt von dem zu untersuchenden Organ und den verschiedenen Biopsie-Verfahren ab.

Nadelbiopsie

Bei der Nadelbiopsie (Punktionsbiopsie) werden einzelne Gewebeproben mithilfe einer Hohlnadel entnommen. Nach dem Entfernen der Nadel werden die im Hohlraum befindlichen Gewebeteile untersucht. Vor der Biopsie wird die Haut desinfiziert und unter Umständen lokal betäubt.

Je nachdem, welches Organ untersucht werden soll, kommen bei der Punktion verschiedene Nadeln zum Einsatz. Sehr dünne Nadeln dienen zum Beispiel der Entnahme von Flüssigkeiten oder einzelner Zellen (Feinnadelbiopsie). Bei der Stanzbiopsie werden dicke Nadeln verwendet, um größere Gewebeteile entnehmen zu können.

Wenn der Arzt Gewebe aus einem tief im Körper liegenden Organ erhalten will (zum Beispiel aus der Leber), kann er die Punktion mittels Röntgen oder Computertomographie auf einem Bildschirm überwachen und die Biopsie gezielt vornehmen.

Endoskopische Biopsien

Gewebeproben lassen sich auch im Rahmen von Spiegeluntersuchungen
(Endoskopie) mithilfe von Zangen oder Schlingen gewinnen. Diese Instrumente befinden sich am Ende des Schlauchs (Endoskop), mit welchem gespiegelt wird. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Magengeschwüre, Dünndarmtumoren oder Darmkrebs feststellen.

Nach der Biopsie wird die Gewebeprobe an einen Pathologen geschickt, der das entnommene Material unter dem Mikroskop untersucht, um eine Diagnose stellen zu können. Nach etwa vier bis fünf Tagen liegt der Befund vor. Bei nicht eindeutigen Diagnosen sind unter Umständen weiterführende Untersuchungen des Gewebes in einem zweiten Labor nötig.

Probeexzision

Bei einer Probeexzision (auch Exzisionsbiopsie) werden größere Gewebestücke mit dem Skalpell entnommen. Dies ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn ein Muttermal verdächtig auf Schwarzen Hautkrebs (Melanom) ist. Es wird dann herausgeschnitten und unter dem Mikroskop auf bösartige Zellen untersucht.

Anwendungsgebiete

In der Regel wird eine Biopsie immer dann durchgeführt, wenn die Diagnose mit anderen Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder Computertomographie nicht sicher gestellt werden kann. Auffällige Gewebeveränderungen, wie zum Beispiel Knoten in der Brust oder Veränderungen der Magenschleimhaut, sind typische Beispiele, bei denen eine Biopsie zum Einsatz kommen kann.

Risiken und Komplikationen

Eine Biopsie ist nicht schmerzhaft und im Allgemeinen mit wenigen Risiken verbunden.

Es kann allerdings vereinzelt zu Komplikationen wie Blutungen oder Verletzungen kommen. Darüber hinaus können Entzündungen auftreten, insbesondere dann, wenn vor der Biopsie die betreffende Stelle nicht ausreichend desinfiziert wurde.

Das Risiko, bei der Entnahme von Gewebe aus einem bösartigen Tumor Krebszellen zu verschleppen, scheint nach heutiger Auffassung gering zu sein.

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