Das Nationale Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut hat am Abend des 4.5.2009 einen weiteren Fall der neuen Grippe (Influenza A/H1N1) bestätigt. Es handelt sich um einen Mexiko-Rückkehrer aus Sachsen-Anhalt. Damit erhöht sich die Zahl der in Deutschland bestätigten Fälle auf neun. Zuletzt waren am 3. 5.2009 zwei Fälle in Brandenburg bestätigt worden – ein Ehepaar, das ebenfalls aus Mexiko zurückgekommen war. Davor war, am 1.5.2009, der sechste Fall der neuen Influenza in Deutschland bestätigt worden. Der 38 Jahre alte Mann lag in einem bayerischen Krankenhaus mit dem gleichen Patienten im Zimmer, bei dem sich auch eine Krankenschwester angesteckt hat. Die ersten drei Fälle waren am 29.4.2009 beim RKI bestätigt worden (zwei in Bayern, einer in Hamburg). Am 30.4.2009 wurde der vierte und am 1.5.2009 der fünfte Fall bestätigt. Der vierte Fall war eine Krankenschwester, die einen bereits laborbestätigten Fall eines aus Mexiko zurückgekehrten Patienten gepflegt hatte – dabei handelte es sich um die deutschlandweit erste Übertragung des neuen Virus von Mensch zu Mensch. Der fünfte Fall ist ein junger Mann aus Bayern, der zuvor in Mexiko war. Einige weitere Verdachtsfälle werden im RKI noch untersucht. Bislang sind alle Fälle eher milde verlaufen.
Für Deutschland wird derzeit eine gewisse Stabilisierung gesehen, aber nach wie vor kann keine Entwarnung gegeben werden. Mit weiteren Erkrankungen in Deutschland muss gerechnet werden. Nach derzeitigem Stand ist das Virus gut übertragbar. Hinzu kommt, dass Grippeviren ihr Erbgut ständig verändern. Es muss vor allem die internationale Situation im Auge behalten werden, um auch zukünftig auf neue Entwicklungen rasch und angemessen reagieren zu können.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das neue Virus am 25.4.2009 als gesundheitliches Risiko von internationaler Bedeutung eingestuft, eine vergleichbare Einstufung gab es beim Auftreten von SARS 2003. Die Weltgesundheitsorganisation hat am 27. April die pandemische Warnphase 4 und am 29. April 2009 die Phase 5 ausgerufen. Phase 5 wird charakterisiert durch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus in mindestens zwei Staaten einer WHO-Region. Die WHO betont, dass die meisten Staaten weltweit noch nicht betroffen sind von der neuen Grippe.
Auf eine solche Situation hat sich Deutschland in den vergangenen Jahren vorbereitet. Das Robert Koch-Institut hat (wie in der Pressemitteilung vom 27.4.2009 mitgeteilt) den gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Nationalen Pandemieplan Anfang 2005 und eine aktualisierte Fassung 2007 veröffentlicht. Der Pandemieplan enthält Maßnahmen, Aufgaben und Handlungsempfehlungen und erläutert die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Pandemieplanung.
Für die Einschleppung von Fällen haben die Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder Maßnahmen ergriffen, um die Betroffenen schnell zu behandeln und Infektionen vor Ort möglichst zu vermeiden. Zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit und den Ländern hat das RKI die bestehenden Empfehlungen zum Vorgehen in solchen Situationen an die aktuelle Situation angepasst und den Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme-Empfehlungen sind auch auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar. Darunter sind auch Empfehlungen für Gesundheitsbehörden vor Ort zum Vorgehen bei einem Neue-Grippe-Verdachtsfall, zur Probenentnahme und Hinweise für Flugpassagiere, in deren Flugzeug sich Personen mit Atemwegserkrankungen aufhielten (in Englisch, Deutsch, Spanisch).
Bezüglich des Schutzes des Medizinpersonals greifen die bestehenden Empfehlungen, wie sie bei Influenza üblich sind. Die bei einer Krankenschwester aufgetretene Infektion unterstreichen die Bedeutung dieser Empfehlungen.
Für die Bevölkerung wird nach wie vor keine allgemeine Gefährdung durch die neue Grippe gesehen. Generell empfohlene persönliche Hygienemaßnahmen sollten aber besonders beachtet werden, insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus betroffenen Regionen. Influenzaviren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Insbesondere beim Niesen oder Husten können Erreger auch auf die Hände gelangen und darüber weiterverbreitet werden. Daher wird häufiges Händewaschen empfohlen, außerdem sollten die Hände vom Gesicht ferngehalten werden, die die Erreger leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund übergehen können. Beim Husten sollte in den Ärmel gehustet werden. Ausführliche Informationen zu persönlichen Schutzmaßnahmen bei Virusinfektionen sind in der Broschüre „Selbstverteidigung gegen Viren“ enthalten, die unter www.wir-gegen-viren.de abrufbar ist und ab Mitte Mai bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln bestellt werden kann.
Die Neuraminidasehemmer (antivirale Medikamente gegen Influenzaviren) scheinen bei dem neuen Virus wirksam zu sein. Es ist bislang nicht bekannt, ob der saisonale H1N1-Impfstoff gegen dieses Virus schützt, das wird derzeit geprüft.
Weltweit sind nach WHO-Angaben inzwischen rund 1000 Menschen an der neuen Influenza erkrankt, die meisten Fälle traten in Mexiko und in den USA auf. Die Symptome der neuen Grippe sind ähnlich wie bei saisonaler Influenza, vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen; in Mexiko gab es eine Reihe von Todesfällen. Bei dem bislang einzigen Todesfall außerhalb Mexikos – in den USA – handelt es sich um einen Patienten aus Mexiko, der sich zu dem Zeitpunkt in den USA befunden hat.





