Pes adductus

Beim Sichelfuß (Pes adductus) handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Fußes. Betroffen sind dabei der Mittelfuß und die Zehen, die verstärkt nach innen gewölbt sind (Adduktionsstellung). Die Ferse bleibt dabei unverändert oder knickt nach innen ab.

Häufig tritt der Sichelfuß beidseitig auf, bereitet in der Regel jedoch weder Schmerzen noch schränkt er die Bewegungsfähigkeit ein. Die Diagnose kann klinisch, in einigen Fällen mithilfe eines Röntgenbilds gestellt werden.

In vielen Fällen bildet sich der Sichelfuß im Laufe der Entwicklung von allein zurück. Ist dies nicht der Fall, sollte er behandelt werden. Hierbei reichen konservative Maßnahmen mit Verbänden oder Einlagen meist aus. In schwierigen Fällen kann auch eine Operation in Frage kommen. Die Prognose des Sichelfußes ist gut.

Pes adductus: Definition

Beim Sichelfuß (Pes adductus) handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Fußes. Sowohl der Mittelfuß als auch die Zehen befinden sich dabei in der so genannten Adduktionsstellung und sind verstärkt nach innen gewölbt. Zusätzlich weicht beim angeborenen Sichelfuß die Großzehe nach innen ab (Halux varus). Im Gegensatz zum Klumpfuß ist die Fersenstellung beim Sichelfuß normal oder etwas eingeknickt. Meist tritt der Sichelfuß beidseitig auf. Jungen sind vom Sichelfuß generell häufiger betroffen als Mädchen.

Pes adductus: Ursachen

Sichelfuss

Typische starke Einwärtsdrehung der Zehenspitzen

Der Sichelfuß (Pes adductus) entsteht, wenn die Aktivität des Großzehenadduktors (Musculus adductor hallucis) oder des vorderen Schienbeinmuskels (Musculus tibialis anterior) die der anderen Muskeln des Fußes überwiegt. Man unterscheidet eine angeborene und eine erworbene Form des Sichelfußes.

Der angeborene Sichelfuß entsteht durch Vererbung. Es handelt sich dabei um einen so genannten rezessiven Erbgang, bei dem die Erkrankung lediglich dann zur Ausprägung kommt, wenn beide Elternteile die entsprechenden Merkmale dafür tragen.

Der erworbene Sichelfuß ist meist weniger ausgeprägt, kommt jedoch häufiger vor. Bei Säuglingen, die bevorzugt in Bauchlage gelagert werden, kann sich der Vorderfuß durch das dauerhafte Aufliegen der Zehen nach innen verdrehen, sodass dieser schließlich in die Sichelstellung hineinwächst.

Pes adductus: Symptome

Bei Sichelfuß (Pes adductus) sind die Fußspitze und der Mittelfuß einwärts gestellt und eine oder mehrere Zehen nach innen verlagert. Die Ferse ist dabei entweder gerade oder nach innen (valgisch) abgeknickt. Bei der angeborenen Form ist meist auch die Großzehe deformiert und im Grundgelenk zum anderen Fuß hin abgeknickt (Hallux varus). Aufgrund der Stellung des Sichelfußes entsteht häufig ein stark nach innen gerichteter Gang.

Neben dem veränderten Aussehen des Fußes kommt es in der Regel zu keinen weiteren Beschwerden. Die Beweglichkeit ist meist uneingeschränkt und nur selten treten Schmerzen auf.

Pes adductus: Diagnose

Die Diagnose des Sichelfußes (Pes adductus) kann aufgrund seines Erscheinungsbilds gestellt werden. Um zwischen dem angeborenen und erworbenen Sichelfuß zu unterscheiden, ist es wichtig, ob gleichzeitig ein Hallux varus vorliegt. Typisch für einen Sichelfuß ist, dass betroffene Kinder, wenn bei der Untersuchung der äußere Fußrand bestrichen wird, den Fuß geradeaus richten.

In unklaren Fällen oder zur Abklärung des Ausmaßes des Sichelfußes kann außerdem eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden.

Da die Fehlstellung bei einem Sichelfuß optisch sehr einem Klumpfuß ähnelt, muss bei der Diagnose genau zwischen beiden Formen unterschieden werden. Im Gegensatz zum Sichelfuß ist beim Klumpfuß die Ferse nach außen gerichtet. Außerdem bestehen meist zusätzlich Bewegungseinschränkungen.

Pes adductus: Therapie

Ein Sichelfuß (Pes adductus) korrigiert sich in vielen Fällen im Laufe des Wachstums von allein. Ist dies nicht der Fall, wird die Fußfehlstellung bei Säuglingen zunächst manuell korrigiert. Ist ausschließlich der Vorfuß betroffen, reicht es häufig schon aus, den Sichelfuß wiederholt in die Normalstellung zu drücken. Auch das leichte Bestreichen des äußeren Fußrands fördert die normale Ausrichtung des Fußes. Zusätzlich können Schaumstoffringe für die Unterschenkel verwendet werden, die in der Bauchlage das Aufliegen der Füße auf dem Außenrand verhindern.

Ist gleichzeitig auch der Mittelfuß von der Fehlstellung betroffen, müssen korrigierende (redressierende) Gipsverbände für die Oberschenkel angelegt werden. In den meisten Fällen können diese nach etwa einer bis drei Wochen entfernt werden. Anschließend erhalten die Kinder so genannte Lagerungsschalen, die sie ausschließlich nachts tragen. Beginnen die Kinder zu stehen und zu laufen, können Schuheinlagen, welche die Fersen umfassen und einen vorgezogenen Innenrand haben, verordnet werden.

Können diese konservativen Maßnahmen einen Sichelfuß nicht ausreichend korrigieren, kann eine Operation nötig werden. Bei Kindern gibt es hierbei mehrere Operationsmöglichkeiten. In einigen Fällen wird die Ansatzsehne des Großzehenadduktors (Musculus adductor hallucis) durchtrennt. Eine weitere Möglichkeit ist es, verschiedene im Fußbereich liegende Gelenkkapseln zu entfernen. Der Fuß muss dann vorübergehend mit Drähten fixiert werden. Bei Erwachsenen oder ausgereiftem Skelett wird operativ durch eine Entnahme von Knochenteilen die Stellung der Mittelfußknochen verändert. Eine solche Operation ist jedoch nur selten notwendig.

Pes adductus: Verlauf

Die Prognose des Sichelfußes (Pes adductus) ist sehr gut, da sich die Fehlstellung in der Regel von selbst zurück bildet. Unbehandelt und ohne spontane Heilung kann die dauerhafte Fehlstellung jedoch dazu führen, dass der Mittelfuß sich versteift. Durch die ständige Fehlbelastung werden dann vor allem Fuß-, Knie- und Hüftgelenke stark abgenutzt, was eine frühzeitige Degeneration des Gelenkknorpels mit begleitender Schädigung des Knochens (Arthrose) zur Folge hat. Zudem können beim Sichelfuß mit zunehmendem Alter durch das Laufen Schmerzen und Druckstellen entstehen. Darüber hinaus führt der veränderte Gang zu einer kosmetischen Beeinträchtigung, die häufig als unangenehm empfunden wird.

Pes adductus: Vorbeugen

Dem angeborenen Sichelfuß (Pes adductus) kann nicht vorgebeugt werden. Eltern sollten bei Säuglingen darauf achten, dass in Bauchlage keine nach innen verdrehte Fußstellung auftritt. Wird bei einem Kind eine Fehlstellung in Form des Sichelfußes bemerkt, sollte diese trotz des in der Regel harmlosen Verlaufs untersucht werden. Bildet sich der Sichelfuß nicht von selbst zurück, ist es ratsam, diesen adäquat zu behandeln.

Veröffentlicht in:  on August 30, 2008 at 11:13 Kommentar schreiben
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Pertussis

Keuchhusten (Pertussis) ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Ausgelöst wird Keuchhusten durch unbewegliche Stäbchenbakterien (Bordetella pertussis), die das Gift Pertussis-Toxin (PT) produzieren.

Keuchhusten tritt in Mitteleuropa leicht vermehrt im Herbst und Winter auf und wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Neben allgemeinen Krankheitssymptomen sind stakkatoartige Hustenanfälle und ein mehrwöchiger Krankheitsverlauf charakteristisch für Keuchhusten. Zu den Komplikationen zählen der Atemstillstand bei Säuglingen und die Lungenentzündung (Pneumonie), die auch Erwachsene betreffen kann. In der Regel werden Dauer und Ausmaß der Hustenattacken durch die Gabe von Antibiotika kaum beeinflusst, da die Behandlung meist zu spät einsetzt. Antibiotika können allerdings dazu beitragen, die Infektionskette zu unterbrechen.

Ausdrücklich zu empfehlen ist die Schutzimpfung, um erst gar nicht an Keuchhusten zu erkranken. Für Jugendliche wird eine weitere Auffrischimpfung empfohlen, um einem Keuchhusten im Erwachsenenalter vorzubeugen.

Nach einem überstandenen Keuchhusten besitzt man eine mehrere Jahre andauernde, jedoch nicht lebenslange Immunität. Nach einer natürlichen Erkrankung ist man für etwa vier bis 20 Jahre lang immun, der Impfschutz hält etwa vier bis zwölf Jahre lang an. Jugendliche und Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz sollten aus diesem Grund besonders auf eine rechtzeitige Auffrischungsimpfung achten. Insbesondere Erwachsenen, welche viel mit Säuglingen oder kleinen Kindern Kontakt haben, wird eine Auffrischung empfohlen, so zum Beispiel Frauen mit Kinderwunsch oder auch Personen, die in der Schwangerschaftsvorbereitung oder in der Geburtshilfe tätig sing.

Keuchhusten ist keine meldepflichtige Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz, jedoch haben die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen in ihren Länderverordnungen jeweils eine Meldepflicht festgelegt.

Pertussis: Definition

Keuchhusten (Pertussis) ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Er geht mit charakteristischen, bei jüngeren Säuglingen lebensbedrohlichen Hustenanfällen einher und befällt aufgrund einer sehr hohen Ansteckungsrate alle nicht immunen Personen, sowohl Kinder als auch Erwachsene.

Häufigkeit

In den letzten Jahren nimmt die Erkrankungshäufigkeit an Keuchhusten in den Industrienationen wieder zu, da die mögliche Schutzimpfung weniger wahrgenommen wird. Zwar sind mittlerweile etwa 90 Prozent der schulpflichtigen Kinder geimpft, jedoch wird von den Auffrischimpfungen zu selten Gebrauch gemacht. Daher sind zunehmend Jugendliche und Erwachsene betroffen: Rund 71 Prozent aller Erkrankten sind mindestens 15 Jahre alt. Somit spielen Erwachsene als potenzielle Überträger von Keuchhusten eine immer größere Rolle.

Schon seit dem Jahr 2000 wird eine Auffrischimpfung für Pertussis im Alter zwischen neun und 17 Jahren empfohlen, diese wird jedoch noch äußerst selten wahrgenommen. Daher gibt es seit 2006 eine weitere Empfehlung, die Impfung im Alter zwischen fünf und sechs Jahren gemeinsam mit Tetanus und Diphtherie (Kombinationsimpfstoff TdaP) aufzufrischen. Da die Immunität nach einer Erkrankung oder nach einer Impfung nur über mehrere Jahre hinweg gegeben ist, können sich Erwachsene erneut infizieren. Daher kann eine rechtzeitige Auffrischung sinnvoll sein.

Pertussis: Ursachen

Erreger

Die Ursache von Keuchhusten (Pertussis) in der Regel eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis. Dieses vermehrt sich auf den Schleimhäuten der menschlichen Atemwege und setzt ein spezifisches Gift, das Pertussis-Toxin (PT), frei, welches Auslöser der Krankheitssymptome ist. Neben der Zerstörung der Schleimhäute (Mukosa) werden die Abwehrkräfte geschwächt und umliegendes Gewebe geschädigt. Infektionen mit dem Bakterium Bordetella parapertussis können ebenfalls zu keuchhustenähnlichen Symptomen führen, welche aber in abgeschwächter Form und über einen kürzeren Zeitraum hinweg bestehen.

Nach einem überstandenen Keuchhusten besitzt man eine mehrere Jahre andauernde, jedoch nicht lebenslange Immunität, sodass eine Auffrischimpfung insbesondere für Erwachsene, welche viel mit Säuglingen oder kleinen Kindern in Kontakt kommen, sinnvoll ist.

Übertragungsweg

Die Gefahr der Ansteckung ist nach Ende der Inkubationszeit am größten und klingt nach der sechsten Erkrankungswoche langsam ab. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, das heißt durch Husten, Niesen, Küssen und Benutzen desselben Geschirrs. Der Erreger ist extrem infektiös: Etwa 80 Prozent der Kontaktpersonen eines Betroffenen, die nicht geimpft sind, erkranken.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit für Keuchhusten, das heißt die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome, beträgt fünf bis 21 Tage.

Pertussis: Symptome

Das Krankheitsbild des Keuchhustens (Pertussis) wird anhand der Symptome in drei Stadien eingeteilt. Insgesamt dauert die Krankheit mehrere Wochen bis Monate. Bei Jugendlichen und Erwachsenen fehlen häufig die typischen Krankheitsmerkmale und der Keuchhusten äußert sich ausschließlich in lang anhaltendem Husten.

Stadium catarrhale

Das Stadium catarrhale dauert etwa ein bis zwei Wochen an. Typische erkältungsähnliche Beschwerden in dieser Zeit sind:

Stadium convulsivum

Das Stadium convulsivum kann drei bis sechs Wochen andauern. Typische Beschwerden sind:

  • Ausbildung der typischen Hustenanfälle
  • anfallsartige Hustenattacken (Stakkatohusten)
  • zäher, glasiger Auswurf
  • Erbrechen im Anschluss an hochgewürgten Auswurf
  • nächtliche Häufung der Beschwerden
  • selten Fieber

In 50 Prozent der kindlichen Fälle kommt es zum namengebenden Keuchen. Kommt es in diesem Stadium zu Fieber, liegt eine bakterielle Sekundärinfektion vor. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die Symptomatik oft weniger ausgeprägt.

Stadium decrementi

Das Stadium decrementi wird auch als Rekonvaleszenzstadium bezeichnet. Innerhalb von sechs bis zehn Wochen klingen die Beschwerden allmählich ab.

Pertussis: Diagnose

Die Diagnose eines Keuchhustens (Pertussis) ergibt sich meist aus den charakteristischen Hustenattacken. Das Bakterium Bordetella pertussis kann im Anfangsstadium der Infektion durch einen Rachenabstrich mit anschließender Färbung nachgewiesen werden. Die Anzüchtung einer Bordetella-Kultur dauert wenige Tage und ist sehr spezifisch.

Pertussis: Therapie

Die Therapie des Keuchhustens (Pertussis) erfolgt in der Regel mithilfe von Antibiotika. Ist eine Person erst einmal mit dem Bakterium Bordetella pertussis infiziert, kann der Ausbruch nicht mehr verhindert werden. Antibiotika lindern die Symptome nicht, unterbrechen jedoch Infektionsketten, sodass der Keuchhusten gut ausheilen kann. Je früher ein Antibiotikum eingenommen wird, umso schneller und unkomplizierter ist der Heilungsprozess.

Bei Keuchhusten werden insbesondere Erythromycin und Cotrimoxazol verabreicht. Schwer kranke Säuglinge werden stationär behandelt, da sie häufig Schleim nicht selbstständig abhusten können, sodass dieser abgesaugt werden muss.

Zu Hause können einfache Maßnahmen die Beschwerden lindern:

  • Der Erkrankte sollte möglichst viel trinken, damit sich der Schleim in der Lunge besser lösen und abgehustet werden kann.
  • Da die Hustenanfälle vor allem in der Nacht kommen, sollte man für kühle und feuchte Raumluft sorgen, so z.B. durch das Aufhängen feuchter Handtücher im Zimmer.

Pertussis: Verlauf

Der Verlauf von Keuchhusten (Pertussis) erstreckt sich phasenweise über mehrere Wochen bis Monate. Bei Säuglingen verläuft ein Keuchhusten häufig besonders schwer. Obwohl die Hustenanfälle weniger stark ausgeprägt sind, kann es zu Atemstillständen (Apnoen) kommen. Außerdem kommt es im ersten Lebensjahr gehäuft zu Komplikationen wie:

  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • krankhaften Ausweitungen von Teilen des Bronchialsystems (Bronchieektasen)
  • Entzündung des Gehirns mit Krampfanfällen (zerebrale Krampfanfälle)

Pertussis: Vorbeugen

Einem Keuchhusten (Pertussis) kann man wirksam nur mit der Schutzimpfung vorbeugen. Außerdem sollte man Kontakt zu Infizierten vermeiden, um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu verringern.

Schutzimpfung

Zur Grundimmunisierung gegen Keuchhusten sind mehrere Impfdurchgänge nötig. Die erste Impfung sowie die erste Auffrischung erfolgen meistens gemeinsam mit Tetanus und Diphtherie (TdaP).

  • 1. Impfung: Die erste Keuchhustenimpfung wird je einmal im Alter von zwei, drei und vier Monaten durchgeführt.
  • 2. Impfung: Zur vollständigen Grundimmunisierung wird im Alter von elf bis 14 Monaten eine weitere Impfung notwendig.
  • 1. Auffrischung im Alter von fünf bis sechs Jahren.
  • 2. Auffrischung im Alter von neun bis 17 Jahren.

Auch für Erwachsene kann eine Auffrischimpfung sinnvoll sein, da der Impfschutz nur bis zu zwölf Jahre lang anhält. Erwachsenen, welche engen Kontakt zu Säuglingen oder Kleinkindern haben, wird eine rechtzeitige Auffrischung ausdrücklich empfohlen.

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periorale Dermatitis

Die Mundrose (periorale Dermatitis) ist eine Entzündung der Gesichtshaut. Der medizinische Begriff „periorale Dermatitis“ wurde im umgangssprachlichen Gebrauch durch Mundrose ersetzt. Diese Namensgebung resultiert aus zwei Gegebenheiten: Die Mundrose tritt zum einen verstärkt im Mundbereich auf und ähnelt zum anderen in ihrem Erscheinungsbild der Hauterkrankung Gürtelrose.

Die Mundrose ist nicht ansteckend oder gefährlich, stellt jedoch in der Regel ein störendes kosmetisches Problem dar. Hauptsächlich sind Frauen jungen und mittleren Alters betroffen, die viele Kosmetika und Pflegeprodukte benutzen. Ursächlich wird bei der Mundrose eine Abhängigkeit der Haut von Cremes vermutete. Vermutlich wird die natürliche Hautbarriere durch die Nutzung vieler Kosmetika gestört, sodass die Haut chronisch austrocknet. Des Weiteren können verschiedene äußere Einflüsse wie z.B. die Anti-Baby-Pille oder Sonnenlicht die Mundrose verursachen oder verstärken. Die Nutzung von kortisonhaltigen Cremes führt vorübergehend zur Besserung der Mundrose, nach Absetzen kehren die Entzündungen jedoch verstärkt zurück.

Klinisch zeigt sich die Mundrose durch trockene, brennende Haut und kleine rötliche Knoten mit Pusteln, welche besonders um den Mund und die Augen auftreten. Die Diagnose lässt sich anhand der typischen Vorgeschichte in Verbindung mit dem klinischen Bild stellen.

Zur Behandlung der Mundrose werden die infrage kommenden Ursachen gemieden. Es ist empfehlenswert, die Haut von Cremes und Kosmetika zu entwöhnen. Anfangs führt die Therapie häufig dazu, dass sich die Symptome verstärken, nach wenigen Wochen bildet sich die Mundrose jedoch vollständig zurück. In einigen Fällen wird die Mundrose zur Verbesserung des Hautbilds zusätzlich mit Antibiotika behandelt. Die Prognose der Mundrose ist gut. Ihr kann durch die sparsame Nutzung gut verträglicher Kosmetika vorgebeugt werden.

Periorale Dermatitis: Definition

Die Mundrose (periorale Dermatitis) ist eine auf das Gesicht beschränkte, chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut. Sie tritt vermutlich in Zusammenhang mit starkem Gebrauch von Hautpflegeprodukten und Make-up auf.

Die Mundrose erhielt ihren Namen aufgrund der typischen, mundbetonten Lokalisation und der Ähnlichkeit mit der Erkrankung Gürtelrose. Sie ist nicht gefährlich oder ansteckend, stellt jedoch für viele Betroffene ein ästhetisches und kosmetisches Problem dar.

Vorkommen

Die Mundrose betrifft vorzugsweise Frauen im jüngeren und mittleren Lebensalter. Sie tritt in den letzten Jahrzehnten, parallel zum Wohlstand und gehäuften Gebrauch von Kosmetikartikeln, in den Industrieländern gehäuft auf.

Periorale Dermatitis: Ursachen

Die genaue Ursache der Mundrose (periorale Dermatits) ist nicht geklärt. Der begünstigende Faktor zur Ausbildung der Erkrankung ist trockene Haut, manchmal in Verbindung mit einer Neurodermitis. Von der Mundrose betroffen sind ausschließlich Personen, die regelmäßig Feuchtigkeitscremes, Make-up und andere Pflegeprodukte im Gesicht benutzen. Möglicherweise führt die daraus resultierende Überfeuchtung der Haut zu einer Störung der natürlichen Barriere. Sekundär kommt es zu einer vermehrten Austrocknung und Irritation. Dies führt dazu, dass betroffene Personen vermehrt zu Pflegeprodukten greifen: Ein Teufelskreis entsteht. Prinzipiell kann jede Feuchtigkeitscreme eine Mundrose verursachen, die Haut ist jedoch für einige Produkte anfälliger als für andere. Dies macht eine zusätzliche Reizung durch bestimmte Inhaltsstoffe als Ursache wahrscheinlich.

Neben Kosmetikartikeln kann eine Mundrose auch durch andere äußere Einflüsse hergerufen oder verstärkt werden. So können bestimmte Zahnpasten oder die Anti-Baby-Pille dazu beitragen, dass sich eine Mundrose ausbildet. Zyklusbedingte Hormonschwankungen, ein Pilzbefall des Magen-Darm-Trakts und über lange Zeit einwirkendes Sonnenlicht kommen zusätzlich als Ursachen in Betracht. Kortison lindert die Beschwerden der Mundrose vorübergehend, nach Absetzen kehrt die Erkrankung jedoch in verstärkter Form zurück.

Periorale Dermatitis: Symptome

Bei der Mundrose (perorale Dermatits) klagen die Betroffenen über ein trockenes, brennendes Gefühl der Haut, welches durch die Nutzung von Cremes gebessert wird. Das Gesicht ist meist etwas geschwollen und gerötet. Zusätzlich finden sich kleine, höchstens zwei Millimeter große, rötliche Knötchen mit zentralen Pusteln.

Die bevorzugte Lokalisation der Hauterscheinungen ist die Mund- und Augenregion. Um die Lippen verbleibt ein etwa zwei Millimeter, nicht befallener Randsaum. Die Symptome der Mundrose werden bei Frauen unmittelbar vor Beginn der Regelblutung häufig verstärkt.

Periorale Dermatitis: Diagnose

Die Diagnose der Mundrose (periorale Dermatitis) kann aufgrund der Vorgeschichte in Verbindung mit dem typischen Erscheinungsbild gestellt werden. Das Arzt-Patienten-Gespräch dient der Befragung bezüglich gewohnheitsmäßiger Hautpflegemittel. Differenzialdiagnostisch kommen bei der Mundrose vor allem das Kontaktekzem und die Rosazea infrage.

Periorale Dermatitis: Therapie

Die Therapie der Mundrose (periorale Dermatitis) besteht hauptsächlich darin, die Ursachen der Erkrankung zu vermeiden. Es ist ratsam, die Haut von Kosmetika zu entwöhnen und vorübergehend nur mit Wasser zu reinigen. Hierbei ist es sinnvoll, die Nutzung der Cremes mit der Zeit langsam zu reduzieren, da abruptes Absetzen die Symptome verstärken kann. Es empfiehlt sich allerdings, die Creme, anfangs unabhängig von der Tageszeit, nur bei starkem Trockenheits- und Spannungsgefühl einzusetzen.

Zusätzlich kann die Mundrose mit Antibiotika mit Wirkstoffen wie Tetrazyklin und Erythromyzin behandelt werden. Diese werden in mittelschweren Fällen lokal, in schweren Fällen generalisiert verwendet.

Periorale Dermatitis: Verlauf

Die Mundrose (periorale Dermatitis) nimmt unbehandelt einen schubartigen, chronischen Verlauf. Sie kann in einigen Fällen auch von selbst ausheilen.

Die Prognose der Mundrose ist bei Entwöhnung der Haut von Cremes sehr gut. Die Abhängigkeit der Haut verringert sich bei konsequenter Therapie schnell. Den Betroffenen wird allerdings ein hohes Maß an Mitarbeit und Selbstdisziplin abverlangt. Zu Beginn haben sie häufig das Gefühl, die Haut würde durch den Entzug der Kosmetika stärker spannen bzw. das unangenehme Hautgefühl sei verstärkt. Durch konsequente Behandlung heilt die Mundrose jedoch dafür, allerdings erst innerhalb von vier bis sechs Wochen, in den meisten Fällen folgenlos ab.

Komplikationen

Ist die betroffene Haut im Gesicht stark geschädigt, können sekundäre, durch Bakterien verursachte Entzündungen entstehen, welche behandelt werden müssen.

Periorale Dermatitis: Vorbeugen

Der Mundrose (periorale Dermatitis) kann durch einen sparsamen Umgang mit gut verträglichen Kosmetikartikeln vorgebeugt werden.

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Perikarditis

Die Perikarditis ist eine durch verschiedene Ursachen ausgelöste Entzündung des Herzbeutels. Sie geht im Verlauf häufig mit einem so genannten Perikarderguss einher.

Beim Perikarderguss bildet sich eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel aus, welche die Herzaktion ab einer bestimmten Menge beeinträchtigt. Typische Beschwerden der Perikarditis sind neben erhöhten Temperaturen atem- und bewegungsabhängige Schmerzen unter dem Brustbein. Bildet sich zusätzlich ein Perikarderguss, kommen klinische Zeichen einer verminderten Herzleistung mit gestauten Halsvenen, Beinödemen und einer Lebervergrößerung hinzu. Die Leistungsfähigkeit der Betroffenen ist vermindert. Im Extremfall entwickelt sich eine so genannte Herzbeuteltamponade, bei der durch die große Flüssigkeitsmenge so viel Druck auf das Herz ausgeübt wird, dass es den Körper nicht mehr ausreichend versorgen kann. Es resultiert ein Blutdruckabfall in Verbindung mit einem Schock.

Aufbau eines Herzes

Anatomie des Herzens

Die Diagnose der Herzbeutelentzündung kann aufgrund der Klinik in Zusammenhang mit verschiedenen Untersuchungsmethoden gestellt werden. Hierbei kommen Verfahren wie das EKG, Röntgen, Blutuntersuchungen und ein Ultraschall des Herzens zum Einsatz. Die Herzbeutelentzündung wird je nach Ursache medikamentös behandelt. Liegt ein Perikarderguss oder eine Herzbeuteltamponade vor, wird die Flüssigkeit mittels Punktion oder länger bestehender Drainage abgeleitet. In der Regel verläuft die Herzbeutelentzündung positiv und hat eine gute Prognose.

Perikarditis: Definition

Als Perikarditis wird eine entzündliche Erkrankung des Herzbeutels bezeichnet. Das Perikard ([griech.] peri- : um … herum; Kard-: Herz) ist die äußere bindegewebige Umhüllung des Herzens. Dieser Herzbeutel hat die Funktion, das Herz vor Überdehnung und äußeren Einwirkungen zu schützen.

Man unterscheidet bei der Herzbeutelentzündung eine primäre und eine sekundäre Form. Bei der primären Perikarditis sind zumeist Viren die unmittelbaren Krankheitsauslöser, während die sekundäre Perikarditis die Folge einer anderen, nicht primär das Herz betreffenden Erkrankung ist. Die primäre Perikarditis tritt häufiger auf.

Häufig wird die Herzbeutelentzündung von einem Herzbeutelerguss begleitet. Beim so genannten Perikarderguss kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel, welche das Herz bei stärkerer Ausprägung in seiner Funktion behindern kann. Die gefährlichste Form des Perikardergusses ist die Herzbeuteltamponade, bei der die Pumpleistung des Herzens dermaßen eingeschränkt ist, dass für den Betroffenen eine Notfallsituation resultiert.

Perikarditis: Ursachen

Die Ursachen der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) sind vielfältig. Es kann zwischen verschiedenen Formen der Perikarditis unterschieden werden.

Virale Perikarditis

Die virale Perikarditis tritt in 80 Prozent der Fälle auf. Die Erreger sind meist Coxsackie-Viren. Alternativ kommen Echo-, Influenza- oder Adenoviren infrage. Bei Personen, deren Immunsystem zum Beispiel im Rahmen einer HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation geschwächt ist, sind manchmal seltenere Krankheitserreger wie z.B. Zytomegalie-, Epstein-Barr- oder Hepatitisviren nachweisbar. Die virale Perikarditis tritt meist im Anschluss an einen Atemwegs- oder Magen-Darm-Infekt auf. Da nicht immer ein eindeutiger Erregernachweis möglich ist, wird sie häufig als idiopathische (Ursache nicht bekannt) Perikarditis bezeichnet.

Bakterielle Perikarditis

Werden bakterielle Keime durch lokale Entzündungsprozesse, zum Beispiel im Rahmen einer Zahnextraktion oder einer Lungenentzündung, über das Blut ausgestreut, kann ein bakterieller Perikardbefall die Folge sein. Als Erreger kommen hierbei hauptsächlich Pneumokokken, Staphylokokken oder das Bakterium Hämophilus influenzae infrage. Bei einer bakteriellen Herzbeutelentzündung tritt in der Regel ein Perikarderguss auf, welcher durch eine Punktion abgeleitet werden muss. Durch eine Erregerkultur mit Resistenzbestimmung auf Antibiotika (sog. Antibiogramm) werden der Keim und das wirksamste Medikament bestimmt.

Tumorbedingte Perikarditis

Im Rahmen eines bösartigen Lungen- oder Brustdrüsentumors oder bei einer Leukämie kann es zur Absiedlung von Tochtergeschwüren im Herzbeutel und zur Bildung eines malignen Perikardergusses kommen. Seltener bilden sich primäre Tumoren des Herzbeutels.

Tuberkulöse Perikarditis

Die tuberkulöse Perikarditis ist in Deutschland selten. Sie findet sich gelegentlich bei immungeschwächten oder zugewanderten ausländischen Personen. Der verantwortliche Erreger für die Herzbeutelentzündung ist das Mycobacterium tuberculosis, welches über den Blutweg oder durch in der Nähe ablaufende Entzündungen zum Herzbeutel (Perikard) gelangt. Neben der kardialen Symptomatik leidet die betroffene Person häufig unter Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Die tuberkulöse Herzbeutelentzündung kann mit oder ohne weitere Ausbildungsorte der Tuberkulose (z.B. Lunge) auftreten. Gefürchtete Komplikation der tuberkulösen Perikarditis ist die Perikarditis constrictiva. Hierbei kommt es zu einer kapselartigen Verhärtung und Verkalkung des Herzbeutels, welche in der Folge die Herzfunktion stark beeinträchtigt.

Perikarditis epistenocardica

Diese spezielle Perikarditisform tritt bei etwa fünf Prozent der Herzinfarktpatienten lokal über den geschädigten Herzmuskelarealen auf, kann aber ebenso nach Herzoperationen oder anderen Herzverletzungen auftreten. Die Entzündung geht bei ausgedehnten Infarkten gelegentlich in eine diffuse Perikarditis, das so genannte Dressler-Syndrom über.

Urämische Perikarditis

Bei nierenkranken Personen, denen eine Dialyse bevorsteht, kann das Verbleiben ausscheidungspflichtiger Substanzen eine Perikarditis verursachen.

Perikarditis bei Autoimmunerkrankungen

Zu den auslösenden Autoimmunerkrankungen zählen u.a. Lupus erythematodes, Sklerodermie, rheumatoide Arthritis und Sarkoidose. Ihnen gemeinsam ist eine gelegentlich generalisierte Entzündung so genannter seröser Häute, zu denen der Herzbeutel zählt.

Weitere Ursachen

Selten verursachen Strahlen oder Medikamente eine Herzbeutelentzündung. Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) oder eine massive Erhöhung der Cholesterinwerte im Blut (Hypercholesterinämie) können eine Herzbeutelentzündung bedingen.

Perikarditis: Symptome

Die Symptome der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) sind nicht immer eindeutig. Die Betroffenen leiden beispielsweise unter plötzlich einsetzendem Fieber, verbunden mit körperlicher Schwäche und schlechter Belastbarkeit sowie Schmerzen unter dem Brustbein oder des linken Brustkorbs. Bei der akuten Perikarditis werden die Schmerzsymptome durch Bewegungen, flaches Liegen, Husten und vertiefte Atmung verstärkt. Außerdem schlägt das Herz schneller als normal. Aufrechtes Sitzen oder ein vorgebeugter Oberkörper verschaffen manchmal Erleichterung. Bei einer bakteriellen Perikarditis tritt starkes Fieber hinzu. Eine Perikarditis kann chronisch verlaufen und geht dann mit keinen oder nur sehr gering und unspezifisch ausgebildeten Beschwerden einher. Sie wird häufig erst durch einen Perikarderguss bemerkt.

Perikarderguss

Kommt es zur Ausbildung eines Ergusses zwischen Herzbeutel und -muskel (sog. Perikarderguss), verändern sich die Beschwerden der Betroffenen. Der Schmerz verschwindet, dafür finden sich Zeichen einer Herzschwäche. Dazu gehören gestaute Halsvenen, beidseitige Beinödeme oder eine Vergrößerung der Leber, die mit einer Bauchwassersucht (Aszites) einhergehen kann. Bei herzgesunden Personen lassen sich im Herzbeutel bis zu 15 ml einer klaren, bernsteinfarbenen, proteinhaltigen Flüssigkeit nachweisen. Dagegen kommen blutreiche Perikardergüsse bei einer Tuberkulose oder bei bösartigen Tumoren vor, eitrige Ergüsse bei einer bakteriellen Perikarditis.

Herzbeuteltamponade

Die klinische Extremform eines akuten Perikardergusses stellt die Herzbeuteltamponade dar. Der Perikarderguss ist dann so stark ausgeprägt, dass das Herz seine normale Funktion nicht mehr aufrechterhalten kann. Es resultiert ein klinischer Notfall mit Blutdruckabfall und einer schockähnlichen Symptomatik.

Perikarditis: Diagnose

Die Diagnose der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) wird im Rahmen des Arzt-Patienten-Gesprächs in Verbindung mit verschiedenen Untersuchungen gestellt. Häufig findet sich in der Krankengeschichte ein vorausgegangener Atemwegsinfekt oder eine Durchfallerkrankung. Die körperliche Untersuchung ergibt bei Krankheitsbeginn mit fehlendem oder kleinem Erguss im Herzbeutel ein hochfrequentes herzsynchrones Reibegeräusch, das so genannte Perikardreiben. Es kann mithilfe des Stethoskops gehört werden. Ein weiteres diagnostisches Mittel bei der Perikarditis ist das EKG. Es zeigen sich pathologische Veränderungen, die zum Teil einem Herzinfarkt sehr ähnlich sind, sich jedoch bei vollständiger Ausheilung wieder normalisieren.

Die Blutuntersuchung wird bei der Herzbeutelentzündung genutzt, um Entzündungszeichen des Körpers zu erfassen. Eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen, der Blutsenkungsgeschwindigkeit oder des so genannten C-reaktivem Proteins deuten auf entzündliche Prozesse des Körpers hin. Zum Ausschluss einer Autoimmunerkrankung erfolgen spezielle Untersuchungen auf Autoantikörper. Bei Verdacht wird zusätzlich ein Tuberkulosetest durchgeführt.

Die Ergebnisse einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs sind nur bei schweren oder chronischen Verläufen oder ausgeprägtem Herzbeutelerguss auffällig. Manchmal lassen sich eine Vergrößerung der Herzsilhouette in Form eines „Bocksbeutels“ oder einer „Frankenweinflasche“ oder Verkalkungen beobachten. Dem Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) kommt vor allem bezüglich der Diagnostik eines Herzbeutelergusses eine große Bedeutung zu. Hat sich aufgrund der Entzündung ein Perikarderguss entwickelt, wird in einigen Fällen zur Materialgewinnung und Untersuchung eine Punktion durchgeführt. Dabei punktiert man nach lokaler Anästhesie unter Ultraschallkontrolle unterhalb des Brustbeins. Später schließt sich immer eine laborchemische und zytologische Untersuchung mit mikroskopischer Beurteilung der im Erguss befindlichen Zellen an. Ferner sind vom Punktat bakterielle Kulturen anzufertigen, um eine bakterielle Besiedlung auszuschließen bzw. den Erreger zu bestimmen.

Perikarditis: Therapie

Die Therapie der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) setzt sich aus medikamentösen und invasiven Behandlungsformen zusammen. Zu den allgemeinen Maßnahmen gehören körperliche Schonung und Bettruhe.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie der Herzbeutelentzündung (Perikarditis) richtet sich nach den genauen Entzündungsursachen. Die häufig auftretende virale Perikarditis wird symptomatisch mit Schmerzmitteln und antientzündlichen Medikamenten behandelt. Hierbei kommen in der Regel nicht-steroidale Antiphlogistika und bei unzureichendem Ansprechen Glukokortikoide zum Einsatz. Die Herzinsuffizienz lässt sich durch Diuretika und ACE-Hemmer bessern. Bei der Behandlung der bakteriellen Perikarditis werden zusätzlich Antibiotika verwendet. Im Fall einer perikardialen Mitbeteiligung bei einer Tuberkulose ist die kombinierte Behandlung mit konventionellen Tuberkulostatika die Therapie der Wahl. Bei der gelegentlich nach einem Herzinfarkt auftretenden Perikarditis epistenocardica wird die hochdosierte Gabe von Acetylsalicylsäure empfohlen.

Bei anderen, sekundären Formen der Herzbeutelentzündung steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Die autoimmun ausgelöst Perikarditis wird durch immunschwächende Medikamente wie Glukokortikoide behandelt. Ist die Entzündung hingegen durch ein Nierenversagen ausgelöst, wird eine Dialyse zur Blutreinigung durchgeführt. Die tumorbedingte Perikarditis erfordert eine Operation, Chemotherapie oder Strahlenbehandlung.

Perikardpunktion

Bei einem ausgeprägten Perikarderguss bzw. einer Herzbeuteltamponade ist die alleinige medikamentöse Therapie nicht ausreichend. Da es sich meist um eine Notfallsituation handelt, strebt man neben der Kreislaufstabilisierung mit Flüssigkeitsersatz bei Blutdruckabfall und Sauerstoffgabe eine rasche Ergussentlastung durch eine Perikardpunktion an. Bei rasch nachlaufenden Ergüssen (z.Bim Rahmen einer bakteriellen Endokarditis) wird eine Drainage gelegt, wobei ein Katheter nach Entfernung der Punktionskanüle im Herzbeutel belassen wird. Der sich nachbildende Erguss kann in regelmäßigen Abständen abgeleitet werden.

Perikardfensterung

Bei schweren Verläufen mit wiederholten Perikardtamponaden kann eine so genannte Perikardfensterung durchgeführt werden, wobei der Erguss direkt in die Pleurahöhle abgeleitet wird. Die Pleurahöhle ist der durch die zwei Pleurablätter gebildete Raum zwischen Lungenoberfläche und innerer Thoraxwand. Bei der Perikarditis constrictiva mit fortschreitender bindegewebiger Verschwielung des Herzbeutels kann außerdem eine Perikardentfernung notwendig werden.

Perikarditis: Verlauf

Die häufigste Form der idiopathischen bzw. viralen Perikarditis heilt in der Regel nach ein bis drei Wochen aus.

Komplikationen

Die Herzbeutelentzündung (Perikarditis) kann im Verlauf auf die anderen Schichten des Herzens übertreten. Dann kommt es zusätzlich zu Entzündungen der Herzmuskelschicht (Perimyokarditis) und seltener der Herzinnenschicht (Pankarditis).

Die zwei schweren Komplikationen der Herzbeutelentzündung sind die Perikarditis constrictiva und die Herzbeuteltamponade. Bei der Perikartitic constrictiva kommt es durch eine kapselartige Verhärtung und Verkalkung des Herzbeutels zu einer narbigen Einschnürung, welche die Füllung und Pumpfunktion des Herzens stark beeinträchtigt. Die Betroffenen leiden unter einer Halsvenenstauung, Kurzatmigkeit, Ödemen der Beine und eventuell unter Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle (Aszites). Bei den Betroffenen kommt es zu einem allmählichen Kräfteverfall und zur Aufzehrung der körperlichen Reserven. Im Röntgenbild zeigt sich meist ein normalgroßes Herz. Bei einem Missverhältnis zwischen klinischer Herzinsuffizienz und röntgenologisch normal großem Herzen kommt immer eine Perikarditis constrictiva in Betracht. Die schleichende Entwicklung kann sich über mehrere Jahre erstrecken, wobei die Anfangsstadien gewöhnlich symptomlos sind. In Deutschland findet sich eine Perikarditis constrictiva selten nach Bestrahlungen bei Tumorpatienten, nach Herzoperationen oder im Rahmen von Autoimmunerkrankungen. Häufig ist das klinische Bild von einer Perikardtamponade nicht zu unterscheiden. Durch den Rückgang der Tuberkulose in Deutschland ist die Perikarditis constrictiva selten.

Die Herzbeuteltamponade stellt bei der Herzbeutelentzündung eine Notfallsituation dar. Da der das Herz umschließende Herzbeutel kaum dehnbar ist, werden bei größeren Ergüssen die innenliegenden Herzmuskelschichten und Herzinnenräume von außen komprimiert. Klinische Beschwerden verursachen Ergüsse ab 200 ml, bei chronischen Verläufen sind Ergussmengen bis zu mehreren Litern möglich. Durch den geringeren Druck in den Vorhöfen werden diese besonders stark komprimiert, was zu einer verminderten Füllung des Herzens und zu einem erniedrigten Schlagvolumen führt. Die Betroffenen leidet bei einem akuten Verlauf unter Blutdruckabfall bis hin zum Schock, einer beschleunigten Herzfrequenz, Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz und Luftnot. Die Herzbeuteltamponade kann in der Regel mittels Punktion und Drainage behoben werden. Allerdings ergeben sich infolge der Drainage in fünf Prozent der Fälle schwere Komplikationen wie Blutungen oder Fehlpunktionen.

Prognose

Die Prognose der Herzbeutelentzündung ist in der Regel gut. Die Entwicklung großer Ergussmengen mit einer Perikardtamponade sowie einem Übergang in die prognostisch ungünstige Perikarditis constrictiva ist selten. Allerdings erscheint die idiopathische Form manchmal erneut und kann einen chronischen Verlauf nehmen. Das episodische Auftreten von Brustschmerz und Fieber zieht sich über Jahre hin und wird nicht selten falsch diagnostiziert.

Die bakterielle Perikarditis endet wegen der manchmal ungenügenden Ansprechbarkeit auf Antibiotika in einigen Fällen mit dem Tod. Neben der tuberkulösen und tumorbedingten Perikarditis hat sie die höchste Tendenz, eine gefährliche Perikardtamponade auszubilden.

Perikarditis: Vorbeugen

Es gibt keine allgemeine vorbeugende Maßnahme gegen die Herzbeutelentzündung (Perikarditis). Zur Prophylaxe der wiederkehrenden idiopathischen Perikarditis hat sich das Medikament Colchicin bewährt.

Weitere Informationen

Linktipps:

www.herzstiftung.de
Informationen rund um das Herz und seine Erkrankungen

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Periarthritis humero-scapularis

Die Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) ist ein Sammelbegriff für verschiedene degenerative Veränderungen im Schultergürtel, bei der meist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter auftritt. Sie kommt häufig im mittleren und höheren Erwachsenenalter vor.

periarthritis

Schmerzhafter Bogen einer Periarthritis

Schultergelenk-Entzündungen können vielfältige Ursachen haben, wie beispielsweise Entzündungen der Schleimbeutel und Sehnen, Risse in den Sehnen und Muskeln oder Verkalkungen von Gelenkstrukturen. Die Diagnose der Schultergelenk-Entzündung lässt sich meist bereits durch die ärztliche Untersuchung stellen. Ergänzend werden Röntgenaufnahmen beziehungsweise Ultraschall-Untersuchungen durchgeführt. Weitere diagnostische Maßnahmen sind nur selten nötig.

Die Behandlung der Schultergelenk-Entzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und erfolgt vorwiegend mit Medikamenten und physikalischen Therapien. Teilweise gute Behandlungserfolge lassen sich auch mit Strahlentherapie und Akupunktur erreichen. Eine Operation ist nur in wenigen Fällen notwendig.

Periarthritis humero-scapularis: Definition

Die Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) ist ein Sammelbegriff für verschiedene degenerative Veränderungen im Schultergürtel. Unter einer Periarthritis versteht man eine schmerzhafte Entzündung von Weichteilen, Sehnen und Bändern in der Umgebung eines Gelenks. Das am häufigsten von einer Periarthritis betroffene Gelenk ist das Schultergelenk, also das Gelenk zwischen dem Oberarmknochen (Humerus) und dem Schulterblatt (Scapula). Da die Erkrankung zu einer schmerzbedingten Bewegungseinschränkung der Schulter führt, nennt man sie auch schmerzhafte Schultersteife oder Frozen shoulder.

Häufigkeit

Die Schultergelenk-Entzündung ist eine häufige Erkrankung, die bevorzugt im mittleren und höheren Lebensalter auftritt. Man geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung an schmerzbedingten Bewegungseinschränkungen der Schulter leiden.

Anatomie der Schulter

Die Schulter setzt sich zusammen aus Schulterblatt (Skapula), Schlüsselbein (Klavikula), Schulterhauptgelenk, Nebengelenken sowie Muskeln, Bändern und Sehnen.

Das Hauptgelenk besteht aus dem Oberarmkopf und der Schulterpfanne. Es handelt sich dabei um ein Kugelgelenk, dessen Pfanne deutlich größer als der Kopf ist, wodurch eine besonders große Bewegungsfreiheit gewährt wird. Allerdings wird das Gelenk hierdurch auch instabiler und anfälliger für Beschwerden wie Auskugeln oder Ausrenken. Sowohl die Schulterpfanne als auch der Oberarmkopf sind von Gelenkknorpel überzogen. Außerdem bildet die Schulterkapsel kontinuierlich Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit), um das Gelenk geschmeidig zu halten. Durch Verschleiß oder Infektionen können Beschwerden auftreten, die bis zur Zerstörung des Gelenks führen können.

Über dem Schulterhauptgelenk befinden sich zwei knöcherne Ausziehungen: Die Schulterhöhe (Akromion) und das Rabenbein (Korakoid). Sie bilden Ansatzpunkte für verschiedene Bänder, welche unter anderem das Schlüsselbein stabilisieren. Vom Schulterdach ausgehend zieht sich ein Band (Ligamentum coracoakromiale) zum Rabenbein. Gemeinsam mit dem Schulterdach bildet dieses Band das so genannte Schulterdach. Einklemmungen von Muskulatur oder Sehnen zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf können zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen (Impingementsyndrom).

Zahlreiche Muskeln stabilisieren den Oberarmkopf in der Schulterpfanne und ermöglichen die Bewegung des Arms und der Schulter. Musculus supraspinatus, M. subscapularis, M. infraspinatus und M. teres minor und major bilden zusammen die so genannte Rotatorenmanschette, durch die der Arm Bewegungen in drei Dimensionen ausführen kann.

  • Musculus supraspinatus: Der M. supraspinatus verläuft oberhalb des Schultergelenks und unterstützt den Deltamuskel beim Abspreizen des Arms. Er ist am häufigsten von Rissen, Einklemmungen und Kalkablagerungen betroffen.
  • Musculus subscapularis: Ausstrecken nach hinten, Innenrotation
  • Musculus infraspinatus: Außenrotation
  • Musculus teres minor: Ausstrecken nach hinten, Außenrotation, Adduktion
  • Musculus teres major: Innenrotation, Adduktion
  • Deltoideus (Deltamuskel): Der Deltamuskel überdeckt die komplette Rotatorenmanschette. Er dient der Abspreizung des Oberarms.
  • Musculus biceps brachii (Bizeps): Der Bizeps beugt den Arm. Der Muskel ist beim Menschen am Ansatz zweigeteilt und entspringt an zwei Stellen am Oberrand der Schulterpfanne. Er verläuft am Oberarm in einer knöchernen Rinne (Sulcus bicipitalis) zwischen zwei knöchernen Vorsprüngen (Tuberculum majus humeri und Tuberculum minus humeri). Der Bizeps kann in dieser Rinne oder an seinem Ansatzpunkt abreißen.
  • Musculus triceps brachii (Trizeps): Der Trizeps entspringt beim Menschen mit drei Muskelköpfen am Schulterblatt bzw. an der Rückseite des Oberarmknochens. Er dient der Außenrotation sowie dem Ausstrecken nach hinten.

Zur Schulter gehören außerdem verschiedene Schleimbeutel (Bursen). Sie dienen als Druckpolster zwischen den Geweben. Entzündungen durch Quetschungen, Stauchungen oder rheumatische Erkrankungen können die Bursen anschwellen lassen und zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.

Periarthritis humero-scapularis: Ursachen

Es gibt keine einheitliche Ursache für die Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis). Praktisch können Veränderungen im Bereich jeder einzelnen am Aufbau des Schultergelenks beteiligten Struktur, also Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln und Schleimbeutel, zu einer schmerzhaften Schultersteife führen. Ein Unfall, eine Verletzung, aber auch Abnutzung sind mögliche Ursachen für die Beschwerden. Im Einzelnen handelt es sich um:

  • Entzündung der Sehnen (Tendinitis)
  • degenerative Veränderungen an den Sehnen (z.B. Einrisse oder Auffaserungen)
  • Verkalkung der Sehnenansätze der Muskeln der Rotatorenmanschette
  • Einklemmungen der Muskeln der Rotatorenmanschette zwischen Gelenkkopf und -pfanne, man spricht dann von Impingement-Syndrom
  • Zerreißungen (Rupturen) der Sehnen bzw. Muskeln der Rotatorenmanschette
  • Verdickungen oder Einrisse der Sehnen des Musculus biceps brachii (Armbeuger)
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Brüche (Frakturen) der am Gelenkaufbau beteiligten Knochen

Periarthritis humero-scapularis: Symptome

Typisch für die Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) sind Schulterschmerzen , die zu einer Bewegungseinschränkung führen. Schmerzhaft eingeschränkt sind meist sowohl die aktive Bewegung durch Anspannung der Schultermuskulatur, als auch die passive, geführte Bewegung des Arms. In etwa jedem dritten Fall treten die Beschwerden an beiden Schultergelenken auf.

Liegen Veränderungen im Bereich der Rotatorenmanschette vor, besteht das charakteristische Bild des „painful arc“ (schmerzhafter Bogen). Darunter versteht man das Auftreten von Schmerzen beim aktiven Abspreizen bzw. Anheben des Arms zwischen einem Winkel von etwa 40 bis 150 Grad. Wird der Arm schließlich senkrecht nach oben gehalten, verschwinden die Schmerzen wieder.

Stehen degenerativ bedingte Schmerzen im Vordergrund, treten diese häufig in der Nacht auf. Die Betroffenen erwachen dann, wenn sie sich von einer Seite auf die andere drehen.

Das Gelenk kann zusätzlich angeschwollen sein und erscheint häufig überwärmt.

Periarthritis humero-scapularis: Diagnose

Die Diagnose der Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) wird anhand der Befragung des Erkrankten zu seinen Beschwerden (Anamnese) sowie durch die ärztliche körperliche Untersuchung gestellt. Das typische Bild des „painful arc“ (schmerzhaften Bogen) ist häufig richtungsweisend für die Diagnose. Außerdem kann meist über bestimmten Punkten der Schulter ein Druckschmerz ausgelöst werden. Ergänzt durch eine Röntgenaufnahme der Schulter lässt sich in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle bereits die Diagnose stellen.

Bestehen Zweifel an der Diagnose, beziehungsweise scheint eine operative Therapie notwendig, sind ergänzende Untersuchungen nötig. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) können insbesondere die Muskeln, Sehnen und Bänder sowie eventuell vorhandene Gelenkergüsse beurteilt werden. Weitere Aufschlüsse sind durch die Computertomographie (CT) bzw. die Magnetresonanztomographie (MRT) zu erzielen. Sie werden bevorzugt vor geplanten Operationen durchgeführt.

Seit den 1990er Jahren nimmt die Gelenkspiegelung (Arthroskopie), also die Betrachtung der Gelenkstrukturen mit einem Endoskop, stetig an Bedeutung zu. Ein Vorteil der Arthroskopie besteht darin, dass neben der Diagnose in begrenztem Umfang auch eine Therapie erfolgen kann.

Periarthritis humero-scapularis: Therapie

Die Therapie der schmerzhaften Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache sowie Dauer und Stärke der Beschwerden. In der Mehrzahl der Fälle erfolgt eine konservative Therapie, dass heißt, eine Operation kann vermieden werden. Häufig dauert die Behandlung mehrere Wochen, bis eine Beschwerdefreiheit erreicht ist.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie der Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) erfolgt durch schmerzstillende (analgetische) sowie entzündungshemmende (antiphlogistische) Medikamente. Dazu gehört die große Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika ( NSAR), wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Die Medikamente werden als Tabletten eingenommen oder (wesentlich seltener) in das Gelenk gespritzt. Bevor dabei das Medikament in das Gelenk gegeben wird, kann ein entzündlicher Gelenkerguss abpunktiert werden.

Physikalische Therapie, Physiotherapie

Zu den Maßnahmen der physikalischen Therapie gehören beispielsweise die Elektrotherapie sowie Wärme- und Kältebehandlungen. Eine Überlastung und Fehlbelastung des Schultergelenks muss dabei vermieden werden.

Bei Erkrankten mit ausgeprägten Schmerzen kann es sinnvoll sein, das Gelenk unter Kurznarkose zu mobilisieren.

Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl anderer Behandlungsverfahren, wie zum Beispiel niedrigdosierte Strahlentherapie oder Akupunktur, die bei der Schultergelenk-Entzündung mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt werden.

Operation

Eine operative Therapie einer Schultergelenk-Entzündung ist nur selten notwendig. In einigen Fällen liegt jedoch eine Ursache zugrunde liegt, die nur operativ beseitigt werden kann. Auch wenn es trotz regelmäßiger Behandlungen über mindestens sechs Monate zu keiner Besserung kommt oder wenn eine Verschlechterung eintritt, kann eine Operation nötig werden.

Allerdings können zunehmend Eingriffe arthroskopisch (in Schlüsselloch-Technik) durchgeführt werden, sodass offene Operationen seltener notwendig sind.

Verkalkungen der Sehnenansätze müssen nicht zwingend operativ entfernt werden, da sie sich häufig innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren spontan wieder zurückbilden und die Schmerzen sich unter einer konservativen Therapie deutlich bessern.

Periarthritis humero-scapularis: Verlauf

Der Verlauf einer Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) hängt von der jeweiligen Ursache ab. Eine primäre Schultersteife, die sich ohne erkennbare Ursachen entwickelt hat, bildet sich meist innerhalb von drei Jahren auch ohne Therapie wieder zurück. Liegt eine sekundäre Schultersteife vor, bei der bestimmte Veränderungen zu den Beschwerden geführt haben, muss die zugrunde liegende Ursache beseitigt werden, damit die Erkrankung ausheilen kann.

Zu Komplikationen der Schultergelenk-Entzündung kann es kommen, wenn sie zu einer chronischen Entzündung des Gelenks mit Ausbildung einer Arthrose wird. Die Behandlung ist oft langwierig, insbesondere dann, wenn sie lange hinausgezögert wurde. Die Schmerzen können durchaus wieder auftreten (rezidivieren), sprechen aber in der Regel auf eine erneute Therapie gut an.

Periarthritis humero-scapularis: Vorbeugen

 

Einer Schultergelenk-Entzündung (Periarthritis humero-scapularis) vorzubeugen, ist im Allgemeinen nicht möglich. Bei ersten Beschwerden sollte allerdings nicht lange mit dem Gang zum Arzt gewartet werden, da die Therapie umso erfolgreicher ist, je früher sie begonnen wird.

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Peniskrebs

Der Peniskrebs ist ein seltener bösartiger Tumor des Manns. Er kommt vor allem im höheren Lebensalter vor. Als ursächliche Faktoren werden eine schlechte Sexualhygiene und eine Vorhautverengung (Phimose) angesehen. Dafür spricht auch, dass Peniskarzinome bei Männern, die bereits als Neugeborene beschnitten wurden, seltener auftreten.

Wie bei den meisten Krebserkrankungen sind Frühsymptome rar. Betroffene berichten aber häufig über Ausfluss oder auch über Blutungen aus dem Penis. Die Diagnose von Peniskrebs wird durch eine Probeentnahme gestellt. Peniskrebs wird in der Regel operativ behandelt. Je nach Stadium der Erkrankung reicht die Operation vom lokalen Schnitt bis hin zur Penisamputation. Bei Peniskrebs, der nicht mehr operabel ist, und/oder Tochtergeschwüren (Metastasen) gebildet hat, können alternativ bzw. zusätzlich die Chemotherapie oder Strahlentherapie angewandt werden. Durch adäquate Therapie kann die Überlebenszeit bei Peniskrebs deutlich verlängert werden. In den frühen Erkrankungsstadien bestehen reelle Heilungschancen, weshalb eine frühe Erkennung und Therapie von Peniskrebs wichtig ist.

Peniskrebs: Definition

Der Peniskrebs ist eine relativ seltene Erkrankung. Etwa 600 Männer erkranken in Deutschland pro Jahr an diesem bösartigen (malignen) Tumor. Das entspricht ungefähr einem Prozent an allen malignen Krankheiten des Manns. Bei Völkern, die bereits bei neugeborenen Jungen eine Beschneidung vornehmen, ist Peniskrebs seltener. An Peniskrebs erkranken vorwiegend ältere Männer, am häufigsten um das sechste Lebensjahrzehnt. Bei den Penistumoren handelt es sich meist (95 Prozent) um Plattenepithelkarzinome. Selten finden sich Basaliome, maligne Melanome oder anderen Tumoren am Penis.

Der Penis enthält Schwellkörper, die bei einer Erektion durch die Aufnahme eines großen Blutvolumens anschwellen können. An der Unterseite der Schwellkörper verläuft die Harnröhre. Am Penisende befindet sich die Eichel, die von der Vorhaut überdeckt wird. Abgestorbene Schleimhautzellen der Eichel sowie der Innenseite der Vorhaut bilden den Vorhaut-Talg (Smegma), der nur durch ein Zurückschieben der Vorhaut entfernt werden kann. Bei einer Beschneidung wird diese Vorhaut entfernt. Penistumoren bilden sich am häufigsten an der Eichel und an der Vorhaut. Ausgedehnte Tumoren können auf die Schwellkörper oder sogar auf die Bauchdecke übergreifen. Peniskarzinome metastasieren bevorzugt auf dem Lymphweg, entweder in die Leisten- oder in die Becken-Lymphknoten. Selten sind Tochterkrebszellen, die über den Blutweg in Organe wie Lunge, Leber oder (selten) Skelett wandern, so genannte Fernmetastasen.

Peniskrebs: Ursachen

Die Ursachen von Peniskrebs sind noch nicht geklärt. Die Beobachtung, dass bei Männern, die bereits als Neugeborene beschnitten wurden, Penistumoren etwa dreimal seltener sind, weist auf die Bedeutung einer wirksamen Sexualhygiene hin. Die Ansammlung von Vorhaut-Talg (Smegmaretention) begünstigt sonst die Entstehung des Tumors. Für diese Vermutung spricht auch die Tatsache, dass Peniskarzinome gehäuft bei Männern mit Phimose auftreten. Unter einer Phimose versteht man eine Verengung der Vorhaut, die ein Zurückschieben der Vorhaut von der Eichel und damit eine Entfernung des Vorhaut-Talgs unmöglich macht. Auch eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) scheint die Entwicklung von Peniskrebs zu fördern.

Bestimmte Schleimhautveränderungen gelten als sichere Vorstufen, aus denen sich ein Krebs entwickeln kann (z.B. Leukoplakie, Morbus Bowen, Erythroplasie de Queyrat).

Peniskrebs: Symptome

Wie bei den meisten Krebserkrankungen sind Frühsymptome bei Peniskrebs sehr selten und uncharakteristisch, sodass sie häufig übersehen werden. Erkrankte berichten häufig über einen klaren, gelegentlich auch übel riechenden Ausfluss aus dem Penis. Die Eichel oder die Vorhaut können angeschwollen sein oder Verhärtungen aufweisen. Bei ausgedehnten Tumoren, die sowohl eine blumenkohlartige Oberfläche haben, als auch als Geschwür auftreten können, sind Blutungen häufig.

Durch Lymphknotenmetastasen kann der Lymphabstrom aus den Beinen behindert sein. In der Folge entwickelt sich ein Lymphödem mit einer Schwellung des Beins, die vom Oberschenkel bis zu den Füßen reichen kann.

Peniskrebs: Diagnose

Die Diagnose von Peniskrebs kann der Urologe meist schon bei der körperlichen Untersuchung stellen. Um die Diagnose zu sichern, ist die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) notwendig. Bei sicherem Befund sucht der Arzt nach eventuellen Tochtergeschwüren, z.B. mit einer Röntgenuntersuchung der Lunge oder ggf. einer Szintigraphie des Knochens. Um Metastasen in den Lymphknoten zu entdecken, werden neben der Ultraschalluntersuchung Schnittbildverfahren, also die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), eingesetzt. In etwa 20 Prozent der Fälle von Peniskrebs bleiben Lymphknotenmetastasen jedoch unentdeckt.

Peniskrebs: Therapie

Je früher der Peniskrebs entdeckt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Die Therapie von Peniskrebs richtet sich nach dem Tumortyp und dem Erkrankungsstadium, d.h. nach der Ausbreitung des Tumors (Wachstumstiefe, Befall von Lymphknoten, Fernmetastasen).

Die Operation ist für die Anfangsstadien und alle fortgeschrittenen Stadien (I bis III) die erste Therapieoption. Sie reicht je nach Tumorausdehnung von der alleinigen Entfernung des Peniskrebses (Vorhautbeschneidung, Laser-Therapie) bis hin zur völligen Amputation des Penis. Das hohe Risiko eines Tumorrückfalls (Rezidivs) rechtfertigt die Operation, die Grundlage jedes Heilungsprozesses und keine unnötige „Verstümmelung“ ist. Die Leistenlymphknoten werden in der Regel bei Nachweis von Metastasen mit entfernt. In den mittleren Krankheitsstadien des Peniskrebs besteht ein deutlich höheres Risiko für Lymphknotenmetastasen als im Anfangsstadium. Daher werden Leistenlymphknoten dann auch vorbeugend entfernt. Kombinierte Verfahren aus Strahlen- und/oder Chemotherapie kommen bei fortgeschrittenem Peniskrebs palliativ zum Einsatz, d.h. zur Schmerzlinderung und Tumorverkleinerung.

Peniskrebs: Verlauf

Da der Peniskrebs ein seltener Tumor ist, existieren nur wenige verlässliche Daten zu den Heilungsaussichten. Patienten mit kleinen Tumoren ohne Lymphknotenmetastasen haben die besten Heilungsaussichten. Es können 5-Jahres-Überlebensraten zwischen 75 und 100 Prozent erreicht werden. Liegen dagegen ausgedehnte Tumoren vor oder sind bereits Lymphknotenmetastasen nachweisbar, sinkt die Fünf-Jahres-Überlebensrate unter 15 Prozent. Die durchschnittliche Überlebenszeit für Patienten mit einem Peniskrebs im Endstadium (IV) beträgt sechs Monate nach Diagnosestellung. Wichtig ist daher die Früherkennung des Tumors.

Peniskrebs: Vorbeugen

Mit sorgfältiger Sexualhygiene kann man dem Peniskrebs vorbeugen. Männer mit einer zu engen Vorhaut sollten diese unbedingt operativ behandeln lassen. Falsche Scheu, Angst oder Verlegenheit verzögern die Diagnose Peniskrebs meist unnötig um mehrere Monate. Regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen sind überdies jedem Mann ab dem 45. Lebensjahr dringend zu empfehlen.

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Pedikulosis

Beim Lausbefall (Pediculosis) manifestieren sich bestimmte Lausarten in behaarten Körperregionen oder der Kleidung. Der Mensch kann von drei Lausarten befallen werden. Hierzu zählen die Kopflaus (Pediculus humanus capitis), die Körper- oder Kleiderlaus (Pediculus humanus corporis) sowie die Filz- oder Schamlaus (Phthirus pubis).

Während sich die Kopflaus bevorzugt in Kindergärten und Schulen verbreitet und die Kleiderlaus vor allem bei obdachlosen Menschen, in Wohnheimen und Sammellagern auftritt, wird die Scham- oder Filzlaus im Wesentlichen durch Geschlechtsverkehr übertragen.

Läuse werden in der Regel von Mensch zu Mensch übertragen. Zudem besteht die Möglichkeit der indirekten Übertragung, zum Beispiel durch gemeinsam benutzte Kämme, Matratzen oder Kleidungsstücke. Lausbefall äußert sich hauptsächlich durch Juckreiz und wird vor allem durch eine gründliche Untersuchung der betroffenen Bereiche diagnostiziert.

Die Therapie des Lausbefalls erfolgt durch die Behandlung mit bestimmten Insektiziden. Zudem müssen die betroffenen Körperareale gründlich gereinigt werden. Die medikamentöse Therapie muss nach einer Woche wiederholt werden. Durch die gezielte Untersuchung anderer Kontaktpersonen kann verhindert werden, dass sich der Lausbefall verbreitet.

Pedikulosis: Definition

Lausbefall (Pediculosis) zeichnet sich durch das Auftreten bestimmter Lausarten in behaarten Körperregionen oder der Kleidung aus. Der Mensch kann von drei Lausarten befallen werden. Hierzu zählen die Kopflaus (Pediculus humanus capitis), die Körper- oder Kleiderlaus (Pediculus humanus corporis) sowie die Filz- oder Schamlaus (Phthirus pubis). Die Laus lebt vom Blut des Menschen. Die Eier, Nissen genannt, werden beim Lausbefall durch eine Klebesubstanz am Haarschaft befestigt.

Beim Befall durch Kopfläuse (Pediculosis capitis) leben die Tiere in der Regel permanent im Kopfhaar des Wirts. Kopfläuse treten bevorzugt in Schulen und Kindergärten auf. Kopflausbefall ist weit verbreitet und hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun.

Ein Befall durch Kleider- oder Körperläuse (Pediculosis corporis) ist vor allem unter schlechten hygienischen Bedingungen, zum Beispiel bei obdachlosen Menschen, in Wohnheimen und Sammellagern, zu beobachten. Die Läuse legen ihre Eier in die Kleidung des Wirts.

Der Befall von Filzläusen (Pediculosis pubis) entsteht in der Regel durch engen körperlichen Kontakt.

Häufigkeit

In den westeuopäischen Ländern werden wieder zunehmend Erkrankungen durch Kopfläuse gemeldet. Kopfläuse sind weltweit verbreitet. Insbesondere kleine Kinder in Kindergärten oder jüngere Schulkinder sind betroffen, aber auch Obdachlose.

Pedikulosis: Ursachen

Lausbefall (Pediculosis) wird in der Regel von Mensch zu Mensch oder durch gemeinsam genutzte Gegenstände wie Matratzen oder Kämme verbreitet.

Läuse zählen zu den flügellosen, Blut saugenden Fellparasiten. Sie benötigen mehrmals am Tag Blut, um sich zu ernähren. Sie legen ihre Eier, die so genannten Nissen, an Haarschäften oder Fasern ab. Jede Nisse hat eine gewölbte, perforierte Kappe, aus der nach sechs bis neun Tagen die noch nicht geschlechtsreifen Nymphen schlüpfen. Bis auf ihre Größe gleichen sie aber schon den erwachsenen Tieren. Da die Nymphen eine feste Chitinhaut besitzen, die den Körper am Wachstum hindert, häuten sie sich innerhalb von zwei bis drei Wochen drei Mal. Erwachsene weibliche Läuse beginnen bereits kurz nach der Befruchtung mit der Eiablage.

Übertragungsweg

Läuse werden insbesondere auf engem Raum wie zum Beispiel in gemeinsam benutzten Garderoben, in Massenquartieren oder in öffentlichen Verkehrsmitteln übertragen. Kopfläuse wandern in der Regel direkt von Haar zu Haar. Decken, Bürsten, Kämme, Kissen oder Handtücher, die von mehreren Personen verwendet werden, sind häufige Gegenstände, die die Übertragung fördern.

Filzläuse werden ausschließlich über engen Körperkontakt, wie zum Beispiel über Geschlechtsverkehr, übertragen. In seltenen Fällen kann ein Befall mit der Filzlaus auch über die Bettwäsche, Decken oder Matratzen erfolgen.

Pedikulosis: Symptome

Etwa die Hälfte der Personen mit Lausbefall (Pediculosis) zeigt zunächst keine Symptome. Dies erklärt sich daraus, dass es einige Zeit dauert, bis die Läusepopulation genügend gewachsen ist und das Immunsystem des Wirts reagiert.

Häufig leiden die Betroffenen an starkem Juckreiz mit entsprechenden Kratzeffekten, welcher vor allem nachts auftritt und mit hochroten Papeln verbunden ist. Teilweise bilden sich aufgrund des Kratzens Ekzeme. Der Läusespeichel verursacht bei jedem Biss einen Juckreiz und die betroffenen Hautstellen sind gerötet.

Je nach Lausart sind die abgelegten Eier (Nissen) an verschiedenen behaarten Körperregionen zu finden. Während beim Kopflausbefall in erster Linie die Kopfhaut betroffen ist, sind Filzläuse vor allem an den Schamhaaren zu finden. Aber auch andere Körperbereiche können befallen sein. Hierzu zählen Achselhöhlen, Oberschenkel, Bauch, Brust, Bart oder Augenbrauen und Wimpern. Kleiderläuse und ihre Nissen sind vor allem in bedeckten Körperpartien zu finden.

Filzläuse verursachen häufig rostfarbene Flecken in der Unterwäsche. Sie stammen von den Exkrementen der Läuse oder den kleinen Verletzungen der Haut, die die Läuse mit ihren Bissen hinterlassen. Bei genauerem Hinsehen finden sich in der Nähe der Haarfolikel kleine punktförmige Verletzungen (Papeln), die von geröteter Haut umgeben sind. In manchen Fällen von Filzlausbefall sind tiefblaue, bis zu zwei Zentimeter große, nicht wegdrückbare, schmerzlose Flecken zu sehen (Tache bleue, Macula caerulea), welche durch einen Läusebiss mit einer umgebenden Einblutung in die Haut entstehen.

Pedikulosis: Diagnose

Die Diagnose des Befalls durch Läuse (Pediculosis) erfolgt durch Augenschein des ganzen Körpers unter guter Beleuchtung und Verwendung einer Lupe. Dabei ist es wichtig, auch die Schambehaarung, die Achselhöhlen und die Wimpern zu untersuchen. Die gelbgraue Farbe der Laus erschwert es, sie auf weißer Haut zu erkennen. Nach einem Blutmahl nehmen die Läuse eine rostrote Farbe an und sind dann besser sichtbar.

Bei Kopflausbefall kann ein spezieller Läusekamm das Auffinden von Läusen oder Eiern (Nissen) erleichtern. Kleiderläuse hingegen können an den Nähten der Unterwäsche und Kleidung ausfindig gemacht werden. Häufig entstehen streifenförmige Hauterscheinungen durch Kratzen.

Liegt ein Filzlausbefall vor, wird die Haut nicht nur auf Läuse und Nissen, sondern auch auf durch Läusebisse verursachte blaue Flecken (Tache bleue, Macula caerulea) untersucht.

Pedikulosis: Therapie

Die Therapie eines Lausbefalls (Pediculosis) sollte möglichst noch am Tag der Diagnose begonnen werden. Ein Befall durch Läuse wird vor allem mithilfe spezieller Insektizide mit Wirkstoffen wie Allethrin, Permethrin oder Pyrethrin (Extrakt aus Chrysanthemenblüten) behandelt. Der Wirkstoff Lindan ist seit 2008 nicht mehr als Medikament zugelassen. Je nach betroffenem Körperbereich werden die Substanzen in Form von Shampoos, Emulsionen oder Gels verabreicht.

Die Körperhaare sollten nach Möglichkeit geschnitten werden – hierzu zählt auch die Kopfbehaarung. Anschließend wird das Haar medikamentös behandelt und gereinigt. Kopfläuse und ihre Eier werden mithilfe eines speziellen Läusekamms und einer Haarpflegespülung ausgekämmt. Sind Augenbrauen oder Wimpern betroffen, müssen diese mehrmals am Tag mit Olivenöl oder Vaseline betupft werden. Nach einigen Tagen können Läuse und Nissen mit einer Pinzette entnommen werden.

Da die Nissen sehr widerstandsfähig sind, muss die medikamentöse Behandlung nach einer Woche wiederholt werden, um alle Eier abzutöten. Alle Personen, die näheren Kontakt zu der betroffenen Person haben wie zum Beispiel Familienmitglieder oder Mitschüler, sollten sich sicherheitshalber untersuchen lassen, um eine Verbreitung der Läuse zu vermeiden.

Bei einem Filzlausbefall muss der Partner zur Unterbrechung der Infektionskette mitbehandelt werden. Sämtliche, während der vorausgegangenen 24 Stunden benutzte Wäsche sollte bei 60 Grad Celsius gewaschen, zur chemischen Reinigung gebracht oder entsorgt werden. Eine andere Möglichkeit, die man zum Beispiel bei Kopfläusen auf Kuscheltieren einsetzt, ist es, Gegenstände für vier Wochen in einer fest verschlossenen Plastiktüte zu belassen. Kämme und Bürsten sollten für zehn Minuten in 55 Grad Celsius heißes Wasser und anschließend für 60 Minuten in ein Desinfektionsmittel gelegt werden.

So lange sich im Haar einer Person noch mobile Läuse befinden, gilt diese noch als ansteckend.

Pedikulosis: Verlauf

Der Verlauf eines Befalls durch Läuse (Pediculosis) richtet sich danach, wie schnell die Behandlung erfolgt. Wenn sich Betroffene konsequent einer Laustherapie unterziehen, kann der Lausbefall (Pediculosis) rasch therapiert werden. Eine Behandlung wird in der Regel nach etwa sieben Tagen wiederholt, um alle Nissen zu bekämpfen, aus denen nach einer Woche fortpflanzungsfähige Läuse schlüpfen würden.

Laut Infektionsschutzgesetz sind Eltern verpflichtet, Schule oder Kindergarten über einen Kopflausbefall zu informieren, damit weitere Fälle verhindert werden können.

Komplikationen

Läuse können verschiedene Krankheitserreger übertragen, insbesondere solche, welche für die Entstehung so genannter Rickettsiosen wie zum Beispiel Fleckfieber (Rickettsia prowazeckii) und Fünftagefieber (Rickettsia quintana) verantwortlich sind. Auch das so genannte epidemische Läuse-Rückfallfieber (Borrelia recurrentis) kann durch in den Läusen befindliche Erreger übertragen werden.

Pedikulosis: Vorbeugen

Einem Lausbefall (Pediculosis) kann man durch besondere Aufmerksamkeit vorbeugen. Ist eine Lausinfektion bekannt, sollte unmittelbar eine Behandlung eingeleitet werden. Zudem sollten Kontaktpersonen wie zum Beispiel Familienmitglieder vorsichtshalber untersucht werden, um ein Ausbreiten zu verhindern. Unmittelbar nach der ersten Behandlung können Schulen oder Kindergärten wieder besucht werden. Um Kleiderläusen vorzubeugen, sollte auf eine ausreichende Hygiene geachtet werden. Nicht nur Eltern, auch Erzieher und Betreuer in Gemeinschaftseinrichtungen sollten besonders aufmerksam sein.

Sind beim Sexualpartner Anzeichen eines Filzlausbefalls sichtbar oder ist dieser bekannt, empfiehlt sich der Verzicht auf enge Körperkontakte und das Einleiten einer gemeinsamen Therapie.

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Parodontose

Wer von Parodontose spricht, meint in der Regel eine Parodontitis, eine Entzündung des Zahnbetts und Zahnhalteapparats. Sie wird meist durch eine bakterielle Infektion verursacht, die zuerst eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) hervorrufen und sich dann auf den Kieferknochen ausbreiten kann. Unbehandelt kann dies bis zum Zahnverlust führen.

Hauptursache für Parodontose sind die Zahnbeläge (Plaque) – Ansammlungen von Bakterien auf der Zahnoberfläche, die durch ungenügende Zahn- und Mundhygiene entstehen.

Um eine Parodontose zu behandeln, werden zuerst weiche und harte Zahnbeläge (Plaque) entfernt und vorhandene Zahnfleischtaschen gereinigt. Sind die Taschen nach dieser Vorbehandlung tiefer als fünf Millimeter – meist bei fortgeschrittener Parodontose –, müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Zahnfleischtaschen möglicherweise operativ entfernt werden. In der Nachbehandlung verhindern Antibiotika und desinfizierende Mundspülungen eine erneute Infektion.

Bei fast 100 Prozent aller Parodontose-Fälle handelt es sich um die so genannte Erwachsenen-Parodontose, die in der Regel ab dem 35. Lebensjahr auftritt. Durch ihren langsamen und schleichenden Verlauf bleibt sie jedoch meist unauffällig und wird daher oft erst sehr spät erkannt.

Durch eine sorgfältige Mundhygiene und Zahnpflege können Erkrankungen des Zahnfleischs verhindert werden. Wer auf Zigaretten und insbesondere Shisha-Rauchen verzichtet, kann sein Parodontose-Risiko deutlich senken.

Parodontose: Definition

Der Begriff Parodontose wird von Laien in der Regel fälschlicherweise gleichbedeutend mit Parodontitis verwendet, also für die Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodont). Genaugenommen ist Parodontose jedoch der mittlerweile veraltete Ausdruck für nicht-entzündliche Erkrankungen des Zahnbetts.

Der Zahnhalteapparat umfasst alle Strukturen, die zur Verankerung des Zahns im Kieferknochen notwendig sind. Er setzt sich aus Zahnfleisch, Knochenalveole, Wurzelhaut und Wurzelzement zusammen.

Alle Erkrankungen des Zahnhalteapparats werden unter dem Sammelbegriff Parodontopathie zusammengefasst. Parodontopathien können in allen Altersstufen und in verschiedenen Formen auftreten und rasche und tiefreichende Zahnbettzerstörungen mit Knochenabbau und sogar Zahnverlust hervorrufen.

Parodontose: Ursachen

Eine Parodontose ist meist eine entzündliche Reaktion des Zahnfleischs, die durch Bakterien ober- und unterhalb des Zahnfleischrands ausgelöst wird. Befinden sich die Bakterien anfangs noch auf der Zahnoberfläche, können sie von dort nach und nach bis zur Zahnwurzel vordringen. Dort können Sie bei der normalen täglichen Zahnpflege nicht mehr erreicht werden.

Bei mangelnder Zahnhygiene bildet sich Plaque, ein weicher, bakterieller Zahnbelag, der zu Zahnstein wird, wenn er Mineralien einlagert und verkalkt. Die dadurch fortwährend vorhandenen Bakterien können zu einer dauerhaften Entzündung führen, die in Schüben immer wieder aufflammen und kurzzeitig akut werden kann.

Diese chronischen Entzündungsprozesse können bewirken, dass Substanz des Kieferknochens, die den Zahn umgibt, abgebaut wird und Zahnfleischtaschen entstehen. In der Folge lockern sich die Zähne, unbehandelt unter Umständen bis zum Verlust des Zahns.

Die häufigste Ursache für eine Parodontose ist ungenügende Mundhygiene und Zahnpflege. Aber auch mechanische Reize, wie schlecht sitzender Zahnersatz und Kaufunktionsstörungen, können zu Parodontose und anderen Erkrankungen des Zahnhalteapparats führen. Ebenso kann im Rahmen einiger Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, AIDS, Stoffwechselstörungen, Morbus Crohn) der Zahnhalteapparat mit betroffen sein. In seltenen Fällen entsteht eine Parodontose als Nebenwirkung eines Medikaments.

Nachweislich steigert Rauchen das Risiko für die Entstehung einer Parodontose um den Faktor zwei bis sieben. Noch schädlicher auf den Zahnhalteapparat wirkt sich der regelmäßige Genuss von Wasserpfeife (Shisha) aus.

Häufigkeit

Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen. In einigen Fällen greift die Entzündung von dort auf den Zahnhalteapparat über. Es wird geschätzt, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland im Lauf ihres Lebens mindestens einmal an einer Erkrankung des Zahnhalteapparats (Parodontopathie) erkranken. Bei Untersuchungen an Kindern zeigen sich schon bei 4- bis 13-Jährigen entzündliche Zahnfleischerkrankungen.

In Lebensphasen mit hormonellen Umstellungen, wie der Pubertät oder einer Schwangerschaft, leiden bis zu 45 Prozent aller Deutschen unter einer Zahnfleischentzündung, die sich zur Parodontose ausweiten kann. Wenn sich die Hormone wieder regulieren, verschwindet diese meist ebenfalls, ohne Schäden zu hinterlassen. Voraussetzung für ein komplikationsloses Abheilen sind jedoch eine gute Mundhygiene und Zahnpflege. Schwere Verlaufsformen der Parodontose im pubertären Alter betreffen nur etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Bei 95 Prozent aller Parodontose-Fälle handelt es sich um die so genannte Erwachsenen-Parodontose, die ab einem Alter von etwa 35 Jahren auftritt. Da sie meist lange Zeit unauffällig verläuft, wird sie oft erst spät – im Alter von 40 bis 50 Jahren – erkannt. Die Parodontose tritt hier am stärksten an den Unter- und Oberkieferfrontzähnen sowie den ersten Backenzähnen auf.

Parodontose: Symptome

Eine Parodontose macht sich in der Regel immer zuerst durch einen Zahnfleischentzündung (Gingivitis) mit Rötungen und Schwellungen des Zahnfleischs sowie Zahnfleischbluten bemerkbar. Auch registrieren einige Betroffene einen veränderten, sehr speziellen, zum Teil etwas süßlichen Mundgeruch, der oft ein Indiz für eine bakterielle Infektion ist. In fortgeschrittenen Stadien treten auch Schmerzen auf. In anderen Fällen kann erst der Zahnarzt bei der Untersuchung die Symptome einer Parodontose erkennen.

Liegt eine Parodontose vor, fehlen die beim gesunden Zahnfleisch straffe, girlandenförmige Anlagerung am Zahn, sowie die rosafarbene, leicht getüpfelte, gleichmäßige Oberfläche. Zudem können weitere Veränderungen, wie spaltförmige Einziehungen (sog. Stillman-Spalte) oder eine hervortretende derbe Randverdickung (sog. McCall-Girlande) im Zahnfleischsaum als Reaktion auf mechanische Reizungen auftreten.

In machen Fällen tritt Eiter aus dem Zahnfleischsaum aus oder es bildet sich eine tastbare Eiterblase (Abszess) im Zahnfleisch. Bei einem schleichenden Verlauf der Parodontose mit schmerzfreiem, unbemerktem Rückgang des Stützgewebes können Spätsymptome, wie lockere Zähne bis hin zum Zahnausfall, auftreten.

Parodontose: Diagnose

Um bei Parodontose die Diagnose zu stellen, wird der Betroffene zuerst eingehend befragt und sein Zahnfleisch verschiedenen Tests unterzogen, um dessen Zustand festzustellen. Der Zahnarzt wird dabei untersuchen, ob Zahn-Plaque vorliegt und wie die Blutungsneigung ist.

Zahnfleischtaschen werden mit einem speziellen zahnärztlichen Instrument sondiert, um ihre Tiefe, Lokalisierung und den Entzündungsgrad zu bestimmen. Bei diesem Verfahren zur Bewertung des Zahnfleischzustands wird der so genannte Parodontale Screening Index (PSI) erhoben, der Aufschluss über den Schweregrad (0 = gesundes Zahnfleisch, 4 = schwere Parodontitis) der Erkrankung gibt. Zusätzlich kann mit einem Speicheltest die Art der Bakterien bestimmt werden, die sich in den Taschen eingenistet haben und den Mundraum bevölkern.

Mithilfe von Röntgenaufnahmen ist es möglich, das Ausmaß und die Art des Knochenabbaus sowie Störfelder unterhalb der Schleimhaut, zum Beispiel in Form von Ablagerungen (Konkrementen) festzustellen. Auch überstehende Kronenränder sowie die Erhaltenswürdigkeit des Zahns können so bestimmt werden.

Parodontose: Therapie

Bei einer Parodontose-Therapie werden nicht nur die aktuellen Beschwerden bekämpft, sondern auch die Ursachen der Parodontose. Außerdem werden mögliche erkrankungsfördernde Faktoren ausgeschaltet.

Die Parodontose-Therapie gliedert sich in folgende Einzelschritte:

  • Vorbehandlung der Parodontose (Informations-, Motivations- und Hygienephase)
  • Parodontose-Behandlung (konservative und/oder chirurgische Behandlung)
  • Nachbehandlung der Parodontose (Nachsorge- und Kontrollphase)

Vorbehandlung

Im Rahmen der Parodontose-Vorbehandlung werden die Zähne von weichen und harten Zahnbelägen befreit. Der Betroffene erhält anschließend individuell auf ihn abgestimmt Tipps zur Zahnpflege und Mundhygiene, da eine aktive Eigenbeteiligung an regelmäßigen Hygienemaßnahmen für die Bekämpfung einer Parodontose unerlässlich ist.

Dabei ist auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative des Betroffenen notwendig, der die häusliche Zahnpflege auf die Erkrankung abstimmen muss. Erkrankte Zahnfleisch-Areale dürfen trotz der Blutungsneigung nicht geschont, sondern müssen im Gegenteil besonders intensiv gesäubert werden.

Störfelder im Mundraum, wie undichte Füllungen oder Aufbissproblematiken, werden im Rahmen der Vorbehandlung beseitigt. Definitive prothetische Arbeiten werden hingegen nach Abschluss der Behandlung angefertigt.

 

Parodontose-Behandlung

Eine weitere Behandlung der Parodontose ist unter anderem notwendig, wenn nach der Vorbehandlung noch mehr als fünf Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen vorhanden sind.

Geschlossene Kürettage

Bei einer Parodontose-Behandlung wird in der Regel zunächst eine gewebeschonende geschlossene Kürettage eingesetzt. Dabei wird die Zahnfleischtasche mit verschiedenen Parodontalinstrumenten (Kürette, Ultraschall) gesäubert und die in der Tasche liegenden Zahnoberflächen geglättet und von Bakterien befreit. Die Prozedur kann gegebenenfalls nach einiger Zeit wiederholt werden. Die Kürettage erfolgt unter örtlicher Betäubung, sodass keine Schmerzen zu erwarten sind. Das Schaben mit den Instrumenten am Zahn kann jedoch unangenehm sein und es können Blutungen auftreten. Bis zu sechs Tagen später kann das Zahnfleisch noch besonders sensibel sein.

Parodontalchirurgische Maßnahmen

Parodontalchirurgische Maßnahmen sind bei tieferen (mehr als sechs Millimeter), über lange Zeit bestehenden Zahnfleischtaschen sinnvoll, die mit der geschlossenen Kürettage nicht erreicht werden können. Bei den meist durchgeführten offenen Kürettagen schneidet der Zahnarzt das Zahnfleisch mit dem Skalpell ein, um besser an die entzündete Stelle heran zu kommen. Falls nötig, wird Ersatzknochen zur Füllung von Hohlräumen eingebracht. Nach der Säuberung wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Der Eingriff bekämpft die Parodontose zwar sehr effektiv, jedoch entstehen optisch als unschön empfundene lange Zahnhälse, die auch sehr sensibel reagieren können.

Abhilfe bietet die gesteuerte Geweberegeneration, die abgebautes Gewebe des Kieferknochens und der Zahnhaltefasern aufbauen kann. Hierbei wird zwischen Zahnhalteapparat und Zahnfleisch eine spezielle Folie gelegt, durch welche Stütz- und Haltezellen die Möglichkeit haben, verlorenes Gewebe langsam wieder nachzubilden. Andernfalls würde das schneller nachwachsende Zahnfleisch hier die entstandenen Lücken füllen.

Um die Lücken des durch die Parodontose abgebauten Kieferknochens wieder zu füllen, kann aber auch körpereigenes Knochengewebe verpflanzt werden. All diese Methoden können die Knochensubstanz des Kieferknochens aber nur zum Teil wiederherstellen.

Weitere operative Maßnahmen

Im Rahmen einer Parodontose-Behandlung können weitere operative Maßnahmen notwendig werden:

Weitere mögliche operative Maßnahmen
Maßnahme Erläuterung
Gingivektomie Entfernung von Mundschleimhaut
Gingivoplastik Umlagerung und Rekonstruktion von Schleimhautarealen
Lappenoperation Umlagerung großer Schleimhautlappen
Osteoplastik Modellieren von Knochenarealen, evtl. mit Anlagern von Knochenersatz
Schleimhauttransplantat Schleimhautersatz bei Defekten
Furkationsbehandlung Entfernen von Wurzelanteilen oder Freilegen der Wurzelaufgabelung der Backenzähne

Lasertherapie

Eine moderne und besonders sanfte Möglichkeit, die Zahnfleischtaschen zu säubern, ist die Lasertherapie. Da der Zahnarzt mit dem Laserlicht Keime abtöten kann, die sich tief in den Taschen befinden, muss das Zahnfleisch nicht mehr aufgeschnitten werden. Die Entzündung kann ohne diesen zusätzlichen Eingriff schnell abheilen. Sollte bei schweren Erkrankungen doch Zahnfleisch entfernt werden müssen, kann man mit dem Laser das Gewebe durch Verdampfen oberflächlich um Bruchteile von Millimetern abtragen oder unblutig eröffnen. Bei diesem Verfahren kommt es seltener zu Nachblutungen und das Gewebe heilt deutlich schneller.

Antibiotika & Spüllösungen

Zur Bekämpfung der Bakterien im Mund kommen Spüllösungen (z.B. Chlorhexidin-Digluconat, Wasserstoffdioxid), in schweren Fällen auch Antibiotika zum Einsatz. Diese können direkt in die Zahnfleischtaschen eingebracht oder als Tablette eingenommen werden.

Nachbehandlung

Ist die Parodontose-Behandlung abgeschlossen und diese dadurch zum Stillstand gekommen, ist bei der Nachbehandlung die Mitarbeit des Betroffenen gefragt. Dieser sollte alle Tipps zur Mundhygiene und Zahnpflege beherzigen und dadurch eine erneutes Auftreten von Zahnbelägen verhindern. Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sollten in regelmäßigen Abständen wahrgenommen werden, damit erneute Entzündungen frühzeitig erkannt werden können. Eine professionelle Zahnreinigung alle sechs Monate verringert das Auftreten von Zahnbelag zusätzlich.

Parodontose: Verlauf

Parodontose ist oft sehr hartnäckig und begleitet den Betroffenen manchmal lebenslang. Dabei kann sie im Verlauf durch wiederkehrende Erkrankungen oder fortlaufenden Gewebeabbau zu einem frühzeitigen Zahnverlust führen.

Funktionsstörungen im Kausystem, Störungen im allgemeinen Stoffwechsel, Stress, Alkohol-, sowie Nikotinmissbrauch und mechanische Traumata können den Parodontose-Verlauf negativ beeinflussen.

Die Prognose der Parodontose ist günstig, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Wenn es gelingt, das erkrankte Gewebe zu entfernen, die Wurzeloberfläche zu glätten und von Bakterien zu befreien, kann der Heilungsprozess beginnen.

Ein Wiederauftreten der Parodontose kann dabei durch optimale Mundhygiene und Zahnpflege verhindert werden. Werden auch die regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen eingehalten, steht einem positiven Verlauf nichts im Weg.

Parodontose: Vorbeugen

Eine gute Mundhygiene ist der wichtigste Schutz vor Parodontose und letztendlich vor einem Zahnverlust. Die regelmäßige Entfernung von Zahnstein bei einer professionellen Zahnreinigung durch den Zahnarzt hilft, Zahnfleischerkrankungen zu vermeiden. Solange sich keine Zahnbeläge (Plaque) bilden, ist das Risiko für eine Parodontose gering.

Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko von Zahnfleischerkrankungen um den Faktor zwei bis sieben. Auch der Verzicht auf Shisha-Rauchen, kann einer Parodontose vorbeugen.

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Parodontitis

Wer von Parodontose spricht, meint in der Regel eine Parodontitis, eine Entzündung des Zahnbetts und Zahnhalteapparats. Sie wird meist durch eine bakterielle Infektion verursacht, die zuerst eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) hervorrufen und sich dann auf den Kieferknochen ausbreiten kann. Unbehandelt kann dies bis zum Zahnverlust führen.

Hauptursache für Parodontose sind die Zahnbeläge (Plaque) – Ansammlungen von Bakterien auf der Zahnoberfläche, die durch ungenügende Zahn- und Mundhygiene entstehen.

Um eine Parodontose zu behandeln, werden zuerst weiche und harte Zahnbeläge (Plaque) entfernt und vorhandene Zahnfleischtaschen gereinigt. Sind die Taschen nach dieser Vorbehandlung tiefer als fünf Millimeter – meist bei fortgeschrittener Parodontose –, müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Zahnfleischtaschen möglicherweise operativ entfernt werden. In der Nachbehandlung verhindern Antibiotika und desinfizierende Mundspülungen eine erneute Infektion.

Bei fast 100 Prozent aller Parodontose-Fälle handelt es sich um die so genannte Erwachsenen-Parodontose, die in der Regel ab dem 35. Lebensjahr auftritt. Durch ihren langsamen und schleichenden Verlauf bleibt sie jedoch meist unauffällig und wird daher oft erst sehr spät erkannt.

Durch eine sorgfältige Mundhygiene und Zahnpflege können Erkrankungen des Zahnfleischs verhindert werden. Wer auf Zigaretten und insbesondere Shisha-Rauchen verzichtet, kann sein Parodontose-Risiko deutlich senken.

Parodontitis: Definition

Der Begriff Parodontose wird von Laien in der Regel fälschlicherweise gleichbedeutend mit Parodontitis verwendet, also für die Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodont). Genaugenommen ist Parodontose jedoch der mittlerweile veraltete Ausdruck für nicht-entzündliche Erkrankungen des Zahnbetts.

Der Zahnhalteapparat umfasst alle Strukturen, die zur Verankerung des Zahns im Kieferknochen notwendig sind. Er setzt sich aus Zahnfleisch, Knochenalveole, Wurzelhaut und Wurzelzement zusammen.

Alle Erkrankungen des Zahnhalteapparats werden unter dem Sammelbegriff Parodontopathie zusammengefasst. Parodontopathien können in allen Altersstufen und in verschiedenen Formen auftreten und rasche und tiefreichende Zahnbettzerstörungen mit Knochenabbau und sogar Zahnverlust hervorrufen.

Parodontitis: Ursachen

Eine Parodontose ist meist eine entzündliche Reaktion des Zahnfleischs, die durch Bakterien ober- und unterhalb des Zahnfleischrands ausgelöst wird. Befinden sich die Bakterien anfangs noch auf der Zahnoberfläche, können sie von dort nach und nach bis zur Zahnwurzel vordringen. Dort können Sie bei der normalen täglichen Zahnpflege nicht mehr erreicht werden.

Bei mangelnder Zahnhygiene bildet sich Plaque, ein weicher, bakterieller Zahnbelag, der zu Zahnstein wird, wenn er Mineralien einlagert und verkalkt. Die dadurch fortwährend vorhandenen Bakterien können zu einer dauerhaften Entzündung führen, die in Schüben immer wieder aufflammen und kurzzeitig akut werden kann.

Diese chronischen Entzündungsprozesse können bewirken, dass Substanz des Kieferknochens, die den Zahn umgibt, abgebaut wird und Zahnfleischtaschen entstehen. In der Folge lockern sich die Zähne, unbehandelt unter Umständen bis zum Verlust des Zahns.

Die häufigste Ursache für eine Parodontose ist ungenügende Mundhygiene und Zahnpflege. Aber auch mechanische Reize, wie schlecht sitzender Zahnersatz und Kaufunktionsstörungen, können zu Parodontose und anderen Erkrankungen des Zahnhalteapparats führen. Ebenso kann im Rahmen einiger Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, AIDS, Stoffwechselstörungen, Morbus Crohn) der Zahnhalteapparat mit betroffen sein. In seltenen Fällen entsteht eine Parodontose als Nebenwirkung eines Medikaments.

Nachweislich steigert Rauchen das Risiko für die Entstehung einer Parodontose um den Faktor zwei bis sieben. Noch schädlicher auf den Zahnhalteapparat wirkt sich der regelmäßige Genuss von Wasserpfeife (Shisha) aus.

Häufigkeit

Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen. In einigen Fällen greift die Entzündung von dort auf den Zahnhalteapparat über. Es wird geschätzt, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland im Lauf ihres Lebens mindestens einmal an einer Erkrankung des Zahnhalteapparats (Parodontopathie) erkranken. Bei Untersuchungen an Kindern zeigen sich schon bei 4- bis 13-Jährigen entzündliche Zahnfleischerkrankungen.

In Lebensphasen mit hormonellen Umstellungen, wie der Pubertät oder einer Schwangerschaft, leiden bis zu 45 Prozent aller Deutschen unter einer Zahnfleischentzündung, die sich zur Parodontose ausweiten kann. Wenn sich die Hormone wieder regulieren, verschwindet diese meist ebenfalls, ohne Schäden zu hinterlassen. Voraussetzung für ein komplikationsloses Abheilen sind jedoch eine gute Mundhygiene und Zahnpflege. Schwere Verlaufsformen der Parodontose im pubertären Alter betreffen nur etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Bei 95 Prozent aller Parodontose-Fälle handelt es sich um die so genannte Erwachsenen-Parodontose, die ab einem Alter von etwa 35 Jahren auftritt. Da sie meist lange Zeit unauffällig verläuft, wird sie oft erst spät – im Alter von 40 bis 50 Jahren – erkannt. Die Parodontose tritt hier am stärksten an den Unter- und Oberkieferfrontzähnen sowie den ersten Backenzähnen auf.

Parodontitis: Symptome

Eine Parodontose macht sich in der Regel immer zuerst durch einen Zahnfleischentzündung (Gingivitis) mit Rötungen und Schwellungen des Zahnfleischs sowie Zahnfleischbluten bemerkbar. Auch registrieren einige Betroffene einen veränderten, sehr speziellen, zum Teil etwas süßlichen Mundgeruch, der oft ein Indiz für eine bakterielle Infektion ist. In fortgeschrittenen Stadien treten auch Schmerzen auf. In anderen Fällen kann erst der Zahnarzt bei der Untersuchung die Symptome einer Parodontose erkennen.

Liegt eine Parodontose vor, fehlen die beim gesunden Zahnfleisch straffe, girlandenförmige Anlagerung am Zahn, sowie die rosafarbene, leicht getüpfelte, gleichmäßige Oberfläche. Zudem können weitere Veränderungen, wie spaltförmige Einziehungen (sog. Stillman-Spalte) oder eine hervortretende derbe Randverdickung (sog. McCall-Girlande) im Zahnfleischsaum als Reaktion auf mechanische Reizungen auftreten.

In machen Fällen tritt Eiter aus dem Zahnfleischsaum aus oder es bildet sich eine tastbare Eiterblase (Abszess) im Zahnfleisch. Bei einem schleichenden Verlauf der Parodontose mit schmerzfreiem, unbemerktem Rückgang des Stützgewebes können Spätsymptome, wie lockere Zähne bis hin zum Zahnausfall, auftreten.

Parodontitis: Diagnose

Um bei Parodontose die Diagnose zu stellen, wird der Betroffene zuerst eingehend befragt und sein Zahnfleisch verschiedenen Tests unterzogen, um dessen Zustand festzustellen. Der Zahnarzt wird dabei untersuchen, ob Zahn-Plaque vorliegt und wie die Blutungsneigung ist.

Zahnfleischtaschen werden mit einem speziellen zahnärztlichen Instrument sondiert, um ihre Tiefe, Lokalisierung und den Entzündungsgrad zu bestimmen. Bei diesem Verfahren zur Bewertung des Zahnfleischzustands wird der so genannte Parodontale Screening Index (PSI) erhoben, der Aufschluss über den Schweregrad (0 = gesundes Zahnfleisch, 4 = schwere Parodontitis) der Erkrankung gibt. Zusätzlich kann mit einem Speicheltest die Art der Bakterien bestimmt werden, die sich in den Taschen eingenistet haben und den Mundraum bevölkern.

Mithilfe von Röntgenaufnahmen ist es möglich, das Ausmaß und die Art des Knochenabbaus sowie Störfelder unterhalb der Schleimhaut, zum Beispiel in Form von Ablagerungen (Konkrementen) festzustellen. Auch überstehende Kronenränder sowie die Erhaltenswürdigkeit des Zahns können so bestimmt werden.

Parodontitis: Therapie

Bei einer Parodontose-Therapie werden nicht nur die aktuellen Beschwerden bekämpft, sondern auch die Ursachen der Parodontose. Außerdem werden mögliche erkrankungsfördernde Faktoren ausgeschaltet.

Die Parodontose-Therapie gliedert sich in folgende Einzelschritte:

  • Vorbehandlung der Parodontose (Informations-, Motivations- und Hygienephase)
  • Parodontose-Behandlung (konservative und/oder chirurgische Behandlung)
  • Nachbehandlung der Parodontose (Nachsorge- und Kontrollphase)

Vorbehandlung

Im Rahmen der Parodontose-Vorbehandlung werden die Zähne von weichen und harten Zahnbelägen befreit. Der Betroffene erhält anschließend individuell auf ihn abgestimmt Tipps zur Zahnpflege und Mundhygiene, da eine aktive Eigenbeteiligung an regelmäßigen Hygienemaßnahmen für die Bekämpfung einer Parodontose unerlässlich ist.

Dabei ist auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative des Betroffenen notwendig, der die häusliche Zahnpflege auf die Erkrankung abstimmen muss. Erkrankte Zahnfleisch-Areale dürfen trotz der Blutungsneigung nicht geschont, sondern müssen im Gegenteil besonders intensiv gesäubert werden.

Störfelder im Mundraum, wie undichte Füllungen oder Aufbissproblematiken, werden im Rahmen der Vorbehandlung beseitigt. Definitive prothetische Arbeiten werden hingegen nach Abschluss der Behandlung angefertigt.

 

Parodontose-Behandlung

Eine weitere Behandlung der Parodontose ist unter anderem notwendig, wenn nach der Vorbehandlung noch mehr als fünf Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen vorhanden sind.

Geschlossene Kürettage

Bei einer Parodontose-Behandlung wird in der Regel zunächst eine gewebeschonende geschlossene Kürettage eingesetzt. Dabei wird die Zahnfleischtasche mit verschiedenen Parodontalinstrumenten (Kürette, Ultraschall) gesäubert und die in der Tasche liegenden Zahnoberflächen geglättet und von Bakterien befreit. Die Prozedur kann gegebenenfalls nach einiger Zeit wiederholt werden. Die Kürettage erfolgt unter örtlicher Betäubung, sodass keine Schmerzen zu erwarten sind. Das Schaben mit den Instrumenten am Zahn kann jedoch unangenehm sein und es können Blutungen auftreten. Bis zu sechs Tagen später kann das Zahnfleisch noch besonders sensibel sein.

Parodontalchirurgische Maßnahmen

Parodontalchirurgische Maßnahmen sind bei tieferen (mehr als sechs Millimeter), über lange Zeit bestehenden Zahnfleischtaschen sinnvoll, die mit der geschlossenen Kürettage nicht erreicht werden können. Bei den meist durchgeführten offenen Kürettagen schneidet der Zahnarzt das Zahnfleisch mit dem Skalpell ein, um besser an die entzündete Stelle heran zu kommen. Falls nötig, wird Ersatzknochen zur Füllung von Hohlräumen eingebracht. Nach der Säuberung wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Der Eingriff bekämpft die Parodontose zwar sehr effektiv, jedoch entstehen optisch als unschön empfundene lange Zahnhälse, die auch sehr sensibel reagieren können.

Abhilfe bietet die gesteuerte Geweberegeneration, die abgebautes Gewebe des Kieferknochens und der Zahnhaltefasern aufbauen kann. Hierbei wird zwischen Zahnhalteapparat und Zahnfleisch eine spezielle Folie gelegt, durch welche Stütz- und Haltezellen die Möglichkeit haben, verlorenes Gewebe langsam wieder nachzubilden. Andernfalls würde das schneller nachwachsende Zahnfleisch hier die entstandenen Lücken füllen.

Um die Lücken des durch die Parodontose abgebauten Kieferknochens wieder zu füllen, kann aber auch körpereigenes Knochengewebe verpflanzt werden. All diese Methoden können die Knochensubstanz des Kieferknochens aber nur zum Teil wiederherstellen.

Weitere operative Maßnahmen

Im Rahmen einer Parodontose-Behandlung können weitere operative Maßnahmen notwendig werden:

Weitere mögliche operative Maßnahmen
Maßnahme Erläuterung
Gingivektomie Entfernung von Mundschleimhaut
Gingivoplastik Umlagerung und Rekonstruktion von Schleimhautarealen
Lappenoperation Umlagerung großer Schleimhautlappen
Osteoplastik Modellieren von Knochenarealen, evtl. mit Anlagern von Knochenersatz
Schleimhauttransplantat Schleimhautersatz bei Defekten
Furkationsbehandlung Entfernen von Wurzelanteilen oder Freilegen der Wurzelaufgabelung der Backenzähne

Lasertherapie

Eine moderne und besonders sanfte Möglichkeit, die Zahnfleischtaschen zu säubern, ist die Lasertherapie. Da der Zahnarzt mit dem Laserlicht Keime abtöten kann, die sich tief in den Taschen befinden, muss das Zahnfleisch nicht mehr aufgeschnitten werden. Die Entzündung kann ohne diesen zusätzlichen Eingriff schnell abheilen. Sollte bei schweren Erkrankungen doch Zahnfleisch entfernt werden müssen, kann man mit dem Laser das Gewebe durch Verdampfen oberflächlich um Bruchteile von Millimetern abtragen oder unblutig eröffnen. Bei diesem Verfahren kommt es seltener zu Nachblutungen und das Gewebe heilt deutlich schneller.

Antibiotika & Spüllösungen

Zur Bekämpfung der Bakterien im Mund kommen Spüllösungen (z.B. Chlorhexidin-Digluconat, Wasserstoffdioxid), in schweren Fällen auch Antibiotika zum Einsatz. Diese können direkt in die Zahnfleischtaschen eingebracht oder als Tablette eingenommen werden.

Nachbehandlung

Ist die Parodontose-Behandlung abgeschlossen und diese dadurch zum Stillstand gekommen, ist bei der Nachbehandlung die Mitarbeit des Betroffenen gefragt. Dieser sollte alle Tipps zur Mundhygiene und Zahnpflege beherzigen und dadurch eine erneutes Auftreten von Zahnbelägen verhindern. Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sollten in regelmäßigen Abständen wahrgenommen werden, damit erneute Entzündungen frühzeitig erkannt werden können. Eine professionelle Zahnreinigung alle sechs Monate verringert das Auftreten von Zahnbelag zusätzlich.

Parodontitis: Verlauf

Parodontose ist oft sehr hartnäckig und begleitet den Betroffenen manchmal lebenslang. Dabei kann sie im Verlauf durch wiederkehrende Erkrankungen oder fortlaufenden Gewebeabbau zu einem frühzeitigen Zahnverlust führen.

Funktionsstörungen im Kausystem, Störungen im allgemeinen Stoffwechsel, Stress, Alkohol-, sowie Nikotinmissbrauch und mechanische Traumata können den Parodontose-Verlauf negativ beeinflussen.

Die Prognose der Parodontose ist günstig, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Wenn es gelingt, das erkrankte Gewebe zu entfernen, die Wurzeloberfläche zu glätten und von Bakterien zu befreien, kann der Heilungsprozess beginnen.

Ein Wiederauftreten der Parodontose kann dabei durch optimale Mundhygiene und Zahnpflege verhindert werden. Werden auch die regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen eingehalten, steht einem positiven Verlauf nichts im Weg.

Parodontitis: Vorbeugen

Eine gute Mundhygiene ist der wichtigste Schutz vor Parodontose und letztendlich vor einem Zahnverlust. Die regelmäßige Entfernung von Zahnstein bei einer professionellen Zahnreinigung durch den Zahnarzt hilft, Zahnfleischerkrankungen zu vermeiden. Solange sich keine Zahnbeläge (Plaque) bilden, ist das Risiko für eine Parodontose gering.

Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko von Zahnfleischerkrankungen um den Faktor zwei bis sieben. Auch der Verzicht auf Shisha-Rauchen, kann einer Parodontose vorbeugen

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Parkinson

Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der in erster Linie willkürliche und unwillkürliche Bewegungsabläufe gestört sind. Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft überwiegend ältere Menschen, meist zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr.

Charakteristisch für Parkinson ist ein fortschreitender Verlust an dopaminhaltigen Nervenzellen, vor allem in der Substantia nigra (schwarze Substanz), aber auch in anderen Kernkomplexen des Hirnstamms. Fehlt das Dopamin oder tritt ein Dopaminmangel auf, kommt es zu der parkinsontypischen Verlangsamung aller Bewegungen (so genannte Hypokinese) bzw. zu einer Bewegungsarmut bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese). Dabei entsteht ein Ungleichgewicht zu Gunsten anderer Botenstoffe wie Acetylcholin und Glutamat. Auf dieses „cholinerge“ Übergewicht führt man das Zittern (Tremor) und die Muskelsteifheit (Rigor) der Parkinson-Erkrankten zurück.

Die Diagnose Parkinson ergibt sich aus den Symptomen, der Krankengeschichte und den Untersuchungsbefunden. Anfänglich sprechen die Betroffenen gut auf L-Dopa an, eine Vorstufe von Dopamin. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass es sich um die Parkinsonsche Krankheit handelt.

Die Parkinson-Krankheit kann über Jahre hinweg erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden. Die vorrangig medikamentöse Therapie wird individuell ergänzt durch Logopädie, Physio- und/oder Ergotherapie sowie gegebenenfalls chirurgische Maßnahmen. Die Arzneimitteltherapie ist durch die Fortschritte der vergangenen Jahre zunehmend komplexer geworden. Heilen lässt sich Parkinson derzeit aber noch nicht.

Parkinson: Definition

Die Parkinson-Krankheit ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der in erster Linie willkürliche und unwillkürliche Bewegungsabläufe gestört sind. In Abhängigkeit von der Ursache werden mehrere Formen unterschieden:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom: Hier handelt es sich um die eigentliche Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson. Sie betrifft etwa 75 bis 80 Prozent der Fälle. Die Ursache ist unbekannt.
  • Familiäres Parkinson-Syndrom: Hierbei liegen der Erkrankung Veränderungen im Erbgut zugrunde.
  • Symptomatisches (sekundäres) Parkinson-Syndrom: Hierbei handelt es sich Parkinson-Beschwerden, die durch Umwelteinflüsse oder andere Erkrankungen ausgelöst sind, wie Nervengifte (z.B. Kohlenmonoxid- oder Manganvergiftung), Erkrankungen der Gehirngefäße, Stoffwechselstörungen (Morbus Wilson, Hypoparathyreoidismus), häufig wiederkehrende Traumen („Boxerparkinson“) oder Hirntumoren. Auch Medikamente (z.B. Neuroleptika) können zu Parkinson-Beschwerden führen.

Charakteristisch für Parkinson ist ein fortschreitender Verlust an dopaminhaltigen Nervenzellen, vor allem in der Substantia nigra (schwarze Substanz), aber auch in anderen Kernkomplexen des Hirnstamms. Die Substantia nigra ist eine Region im Mittelhirn, die wegen des hohen Eisen- und Melaningehalts ihrer Zellen dunkel gefärbt ist. Diese Nervenzellen bilden den Botenstoff Dopamin, eine Vorläufersubstanz der Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Von der Substantia nigra ziehen Nervenfasern zu dem nahe gelegenen Streifenkörper (Striatum), wo Bewegungsimpulse über das Dopamin weitergeleitet werden. Insofern sind sowohl Striatum als auch Substantia nigra an der Koordination von Bewegungsabläufen beteiligt. Fehlt das Dopamin oder tritt ein Dopaminmangel auf, werden die Nervenzellen im Streifenkörper nicht ausreichend stimuliert. Es kommt zu der Parkinson-typischen Verlangsamung aller Bewegungen (so genannte Hypokinese) bzw. zu einer Bewegungsarmut bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese). Dabei entsteht ein Ungleichgewicht zu Gunsten anderer Botenstoffe wie Acetylcholin und Glutamat. Auf dieses „cholinerge“ Übergewicht führt man das Zittern (Tremor) und die Muskelsteifheit (Rigor) der Parkinson-Erkrankten zurück.

Historisches

Die Krankheit Parkinson wurde nach ihrem Erstbeschreiber benannt: Der englische Arzt und Sozialreformer James Parkinson (1755–1824) erkannte in den Symptomen ein eigenständiges Krankheitsbild und nannte es „Shaking Palsy“ (Schüttellähmung). Der Begriff ist aus heutiger Sicht irreführend. Die Parkinsonsche Erkrankung ist keine Lähmung, sondern eine zunehmende Bewegungsverarmung, die auch ohne Schütteln bzw. Zittern verlaufen kann.

Häufigkeit

Parkinson betrifft überwiegend ältere Menschen, meist zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr. Frauen erkranken etwa genauso häufig wie Männer. Als grobe Faustregel gilt: Etwa ein Prozent der über 60-Jährigen, zwei Prozent der über 70-Jährigen und drei Prozent der über 80-Jährigen leiden unter der Parkinsonschen Krankheit. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen sind es rund 0,16 Prozent, also etwa 160 von 100.000 Einwohnern. Die Parkinson-Krankheit ist somit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Parkinson: Ursachen

Mit etwa 80 Prozent ist das idiopathische Parkinson-Syndrom die häufigste Parkinson-Erkrankung. Die Ursachen von Parkinson sind also in den meisten Fällen unbekannt (=idiopathisch). Nicht geklärt ist, weshalb die Nervenzellen in der Substantia nigra absterben. Im Streifenkörper (Striatum) wird durch das Absterben von Nervenzellen ein Mangel an Dopamin hervorrufen.

Bestimmte Veränderungen im Erbgut werden mit der Entstehung von Parkinson in Verbindung gebracht. Familiär gehäufte Fälle treten aber sehr selten auf. Das Risiko, die Krankheit weiter zu vererben, scheint somit relativ gering zu sein. Beim familiären Parkinson-Syndrom erkranken die Betroffenen bereits im jungen Erwachsenenalter (< 40 Jahren).

Auch Umweltfaktoren sind als Auslöser von Parkinson bekannt. Bestimmte Schwermetalle in Schädlingsvernichtungs-, Rausch- und Arzneimitteln (z.B. Neuroleptika, blutdrucksenkende Medikamente wie Reserpin, Antidepressiva wie Lithium). In den 1920er Jahren verursachte eine Infektion mit Viren eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis lethargica), die mit Parkinsonismus einherging.

Parkinson: Symptome

Eine Parkinson-Erkrankung schreitet meist langsam voran. Ihr Verlauf ist individuell. Auch die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Leitsymptome, also Symptome, die für die Krankheit besonders charakteristisch sind, sind Verlangsamung bzw. Verarmung der Bewegungen (Akinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Zittern (Tremor). Diese Symptome treten selten bereits zu Beginn der Krankheit gemeinsam auf.

Frühstadium

Anfänglich können die Beschwerden bei Parkinson sehr unspezifisch, beispielsweise rheumatischer Natur, sein. So führen schmerzhafte, überwiegend einseitige Muskelverspannungen der Schulter-Arm-Region die Betroffenen oft erst zum Orthopäden. Allgemeine Müdigkeit, depressive Verstimmungen, plötzliche Schweißausbrüche, Verstopfung oder innere Unruhe machen sich häufig vor den ersten Bewegungsstörungen bemerkbar. Allmählich fällt es den Erkrankten schwerer, feinmotorische Handgriffe wie das Schreiben, Kämmen, Zähneputzen oder Zuknöpfen einer Hose zu bewältigen. Die gleichzeitige Koordination mehrerer Bewegungen ist beeinträchtigt.

Die Handschrift wird frühzeitig kleiner und schlecht lesbar. Das Gangverhalten ändert sich: Es fällt der kleinschrittige, vornüber gebeugte Gang auf; die Arme schwingen beim Gehen weniger mit, anfangs besonders nur auf einer Seite. Zeitweilig zittern die Hände in Ruhe, zunehmend erstarrt die Gesichtsmimik, außerdem kann die Stimme etwas leiser werden. Ein großer Teil der Betroffenen leidet bereits im Frühstadium der Erkrankung an Schlafstörungen (mit den Armen rudern, schlagen, sprechen).

Fortgeschrittenes Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium von Parkinson findet sich neben der typischen Bewegungsverlangsamung (Akinese) meist eine ausgeprägter Rigor: Subjektiv wird dies als Gefühl von „Steifigkeit“ bemerkt. Schnelle Bewegungen sind nicht mehr möglich. An Parkinson Erkrankten fällt es schwer, schnell loszugehen oder abzubremsen. Insbesondere in engen Räumen sind sie in ihrer Bewegung plötzlich gehemmt. Die Betroffenen scheinen mit den Füßen nahezu am Boden zu kleben. Ihre Körperhaltung wird instabil, sodass sie schnell hinfallen. Bei entspannt liegendem oder hängendem Arm und bei Konzentration kommt das Zittern der Hände, der so genannte Ruhetremor, zum Vorschein. Später entwickelt er sich zum permanenten Symptom. Darüber hinaus nimmt der Speichelfluss zu.

Weitere Beschwerden im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf können sein: Blasenschwäche, eine träge Darmtätigkeit (Verstopfung), Erektions-, Seh-, Geruchs- und Schluckstörungen. Psychische Begleitsymptome sind häufig. Zwischen 30 und 70 Prozent aller Parkinson-Betroffenen leiden unter Depressionen. Bis zu 40 Prozent entwickeln Angststörungen, teilweise mit Panikattacken. Gedächtnisstörungen bemerkt etwa jeder Fünfte. Sie können Vorbote einer Demenz wie der Alzheimer-Krankheit sein, d.h. einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Sozialverhaltens, der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und emotionalen Kontrolle.

Spätstadium

Im Spätstadium von Parkinson kann es in seltenen Fällen zu einer akinetischen Krise kommen, ein lebensgefährlicher Notfall, der eine sofortige Klinikeinweisung erfordert. Der Erkrankte wird dabei plötzlich oder innerhalb weniger Tage vollkommen bewegungsunfähig, kann zuletzt weder sprechen noch schlucken. Ausgelöst wird dieser kritische Zustand durch ein abruptes Absetzen oder Reduzieren der Parkinson-Medikamente. Auch plötzliche, schwere Erkrankungen (fieberhafte Infekte), operative Eingriffe und Flüssigkeitsmangel können die Ursache sein. Bei Parkinson-Erkrankten ist daher immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Parkinson

Typische Haltung und Beschwerden bei Parkinson

Parkinson: Diagnose

Die Parkinson-Krankheit wird durch eine gezielte Befragung des Betroffenen bzw. der Angehörigen sowie eine ärztliche Untersuchung diagnostiziert. Die Symptome sind im fortgeschrittenen Stadium so ausgeprägt, dass die Krankheit oft „auf den ersten Blick“ erkannt werden kann.

Die Diagnose Parkinson liegt nahe, wenn eine Bewegungsunfähigkeit (Akinese) feststellbar ist und darüber hinaus mindestens eines der folgenden Symptome: Rigor, Tremor oder Instabilität der Körperhaltung. Sicher ist die Diagnose, wenn noch mindestens drei Zusatzsymptome vorliegen, z.B. ein einseitiger Beginn der Symptome und eine bleibende Asymmetrie.

Zur Frühdiagnose und bei untypischen Symptomen kann ein L-Dopa-Test (eine Vorstufe von Dopamin) oder seltener ein Apomorphin-Test durchgeführt werden. Wenn sich während des Tests die Symptome deutlich bessern, kann von einem idiopathischen Parkinson-Syndrom ausgegangen werden. Eine endgültige Bestätigung gibt es nicht.

Zusätzliche Hinweise liefern bildgebende Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie). Sie dienen dazu, andere Gehirnerkrankungen auszuschließen. Neuere Entwicklungen sind die „transkranielle Sonographie“ (Ultraschall) und nuklearmedizinische Untersuchungen (PET, Positronen-Emissions-Computertomographie, SPECT, Single-Photonen-Emissions-Computertomographie). Sie kommen nur bei bestimmten Fragestellungen zum Einsatz. Neue Verfahren werden entwickelt – mit dem Ziel, zukünftig eine Frühdiagnose von Parkinson zu ermöglichen.

Parkinson: Therapie

Parkinson sollte rechtzeitig, altersgerecht und effizient behandelt werden. Es ist daher sinnvoll, dass eine individuelle Therapiestrategie festgelegt wird.

Die grundsätzlichen Ziele der Parkinson-Therapie sind,

  • die Beschwerden (motorische, autonome, kognitive sowie psychische Symptome der Erkrankung) effektiv zu behandeln.
  • die Lebensqualität bzw. die Selbstständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens auf langfristige Sicht zu erhalten.
  • die Selbstständigkeit in der Familie und der Gesellschaft zu erhalten, also Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszuzögern.
  • die Berufsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten.
  • Begleiterkrankungen und Komplikationen zu vermeiden.
  • die Nebenwirkungen der Therapie möglichst zu minimieren.
Ein Kurzüberblick über den Stoffwechsel des Dopamins

Kurzüberblick: Stoffwechsel des Dopamins

Da die Ursachen nur in den seltensten Fällen bekannt und zu behandeln sind, wird versucht, den Dopaminmangel direkt oder indirekt auszugleichen und so die Beschwerden zu lindern. Dopamin kann, sofern es von außen zugeführt wird, nicht die Blut-Hirn-Schranke überschreiten und den Wirkort erreichen. Daher wird die Vorläufersubstanz Levodopa (L-3,4-Dihydroxyphenylalanin, L-Dopa) gegeben. L-Dopa überwindet diese Schranke, gelangt ins Gehirn, an die Enden der Nervenzellfortsätze, und wird dort von dem Enzym Dopa-Decarboxylase in den Botenstoff Dopamin umgewandelt. Bei Impulsen wird Dopamin dann freigesetzt – als Bote an die Nervenzellen der Zielregion, wo es an Dopaminrezeptoren bindet.

Grundsätzlich begegnet man dem Mangel an Dopamin durch Gabe:

  • der Vorstufe L-Dopa,
  • so genannter MAO B- und COMT-Hemmer, um den Abbau von L-Dopa bzw. Dopamin zu hemmen,
  • so genannter Dopaminagonisten, um die Dopaminrezeptoren direkt zu stimulieren.

Medikamente

In den ersten Krankheitsjahren verläuft die medikamentöse Therapie von Parkinson meist problemlos. L-Dopa gilt als das wirksamste Arzneimittel, vor allem bei älteren Betroffenen. Es führt in der Regel zu einer raschen Besserung und wird besonders zu Behandlungsbeginn als Tablette, Kapsel oder Tropfen gut vertragen. L-Dopa verzögert nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht das Fortschreiten der Krankheit und begünstigt möglicherweise Therapiekomplikationen (insbesondere Dyskinesien). Im Laufe der Therapie nimmt die Wirkdauer ab, die Nebenwirkungen werden hingegen deutlich mehr. Daher wird in der Frühphase bei jüngeren Parkinson-Erkrankten (unter 65 Jahren) zugunsten von Dopaminagonisten auf Levodopa verzichtet bzw. L-Dopa in Kombination gegeben. Andererseits gilt als gesichert, dass durch die Einführung der L-Dopa-Therapie die Lebenserwartung von Parkinson-Erkrankten deutlich gestiegen ist, weil krankheitsbedingte Komplikationen vermieden werden konnten. Da auch außerhalb des Gehirns, also peripher L-Dopa in Dopamin umgewandelt wird, enthalten L-Dopa-Präparate immer auch peripher wirksame Decarboxylase-Hemmer. Sie sorgen dafür, dass die Wirkung des Medikamentes nicht nur auf den eigentlichen Zielort beschränkt ist, sondern auch die Nebenwirkungsrate geringer wird.

Als erster Dopaminagonist kam 1974 Bromocriptin auf den Markt. Seither stehen mehrere Präparate zur Verfügung (z.B. Ropirinol). Man unterscheidet Ergot- und Non-ergot-Dopaminagonisten. Im Gegensatz zu L-Dopa greifen Dopaminagonisten direkt an den Dopaminrezeptoren des Streifenkörpers an und sind auch in späteren Stadien noch wirksam.

Dopaminagonisten können anfänglich Übelkeit und Bauchschmerzen auslösen. Vor allem in der Anfangsphase der Therapie kann es, auch durch die Krankheit selbst, zu Schläfrigkeit kommen. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man aktiv am Straßenverkehr teilnehmen möchte. Seltene Nebenwirkung der Ergot-Derivate sind Herzklappen-Fibrosen. Personen mit Herzklappen-Erkrankungen sollten deshalb keine Ergot-Dopaminagonisten bekommen.

Dopaminagonisten können, vor allem bei jüngeren Betroffenen, als Einzelpräparat verabreicht werden, sonst als Kombinationspräparat mit L-Dopa. Vorrangiges Ziel einer Therapie mit Dopaminagonisten ist es, die Lebensqualität und die Selbstständigkeit des Erkrankten in den Aktivitäten des täglichen Lebens auf langfristige Sicht zu erhalten.

Um die Wirkdauer von Dopamin zu erhöhen, können MAO-B-Hemmer (Selegilin, L-Deprenyl) eingesetzt werden. COMT-Hemmer (Entacapon) sind in der Spätphase von Parkinson zugelassen. MAO-B- und COMT-Hemmer blockieren die Dopamin-Abbauenzyme Monoaminooxidase-B bzw. Catechol-O-Methyl-Transferase und erhöhen so die Konzentration von Dopamin.

Begleitende und alternative Therapie

Den Dopaminmangel zu bekämpfen ist eine Möglichkeit der Behandlung von Parkinson. Die Beschwerden lassen sich aber auch über Medikamente verbessern, die das Übergewicht an Acetylcholin (sog. Anticholinergika, z.B. Biperiden) oder Glutamat (Glutamatantagonisten: Amantadin, Budipin) regulieren. Die Anticholinergika sind die ältesten Parkinson-Medikamente. Gut kontrollierte Studien liegen nicht vor und es gibt einige Nebenwirkungen (z.B. kognitive Störungen). Anticholinergika werden deshalb heute zurückhaltend eingesetzt. Sie scheinen allerdings nützlich zu sein, wenn bei vorherrschendem Ruhetremor die dopaminerge Standardtherapie nicht ausreichend wirkt.

Eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Behandlung bei Parkinson ist eine Physiotherapie. Alltagsaktivitäten wie das aufrechte Gehen, das Aufstehen oder das Aufrichten im Bett müssen trainiert werden. Eine Schulung der Angehörigen findet in Spezialkliniken oft in Kombination mit Physiotherapie statt. Wichtig sind für den Parkinsonkranken auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, fettarme Ernährung und regelmäßiger Sport (sofern möglich: z.B. Spazieren, Wandern, Schwimmen). Das Ziel sollte sein, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Bevor es wirksame Medikamente zur Parkinsontherapie gab, wurden chirurgische Eingriffe wie die „Pallidotomie“ oder „Thalamotomie“ durchgeführt – teils mit gravierenden Nebenwirkungen. In den letzten Jahren gewinnt die Neurochirurgie wieder an Bedeutung: Mit der „tiefen Hirnstimulation“ und der Stammzelltherapie entstehen neue Möglichkeiten.

Bei der Hochfrequenz-Tiefenhirnstimulation werden über Elektroden bestimmte Hirnregionen vorübergehend blockiert, ohne Gehirngewebe zu schädigen. Dies soll die Symptome abschwächen. Vor dem Eingriff müssen aber spezielle Kriterien erfüllt sein: Der Erkrankte mit der Diagnose „idiopathisches Parkinson-Syndrom“ sollte nicht älter als 75 Jahre sein, weder an schwerer Demenz, Depression, Gang- oder Haltungsinstabilität leiden und auf medikamentöse Therapien nur noch unbefriedigend ansprechen. Die Operation verhindert nicht, dass die Krankheit fortschreitet.

Von der Stammzellen-Transplantation dagegen erhofft man sich, erkrankte Nervenzellen in der Zukunft ganz ersetzen zu können. Amerikanische Wissenschaftler wiesen erstmals im Jahr 2005 bei Tests mit sechs Erkrankten nach, dass Pigmentzellen der Retina, die Levodopa produzieren, sicher ins Gehirn implantiert werden können. Weitere Therapiekonzepte der Zukunft sind beispielsweise Computer gesteuerte Pumpen, die über eine Bauchsonde kontinuierlich L-Dopa direkt in den Dünndarm verabreichen. Damit ließen sich Therapieschwankungen, wie sie bei herkömmlichen Tabletten auftreten und Probleme verursachen, womöglich umgehen. Ferner wäre denkbar, dass Nanopartikel Reparaturgene in Dopamin-Nervenzellen einschleusen. Erste Versuche an lebenden Mäusen waren bisher erfolgreich.

Parkinson: Verlauf

Die Therapie kann die Krankheit Parkinson nicht aufhalten, wohl aber die Lebenserwartung verlängern und die Lebensqualität des Betroffenen sowie der pflegenden Angehörigen deutlich steigern. Die Prognose für Parkinson-Syndrome richtet sich nach der Einteilung in Krankheitsstadien (z.B. Skala von Hoehn und Yahr). Wird der Erkrankte effizient behandelt, können bis zu 20 Jahre vergehen, ehe er pflegebedürftig wird. Tödlich sind für die Betroffenen dann meist Infektionen der Atemwege (Lungenentzündung) oder die Folgen von schweren Stürzen oder Schluckstörungen.

Parkinson: Vorbeugen

Effektive vorbeugende Maßnahmen gegen die Parkinson-Krankheit sind nicht bekannt.

Veröffentlicht in:  on at 11:03 Kommentar schreiben
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