Blutarmut, Eisenmangelanämie

Unter Blutarmut (Anämie) versteht man einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten).

Es gibt zahlreiche Ursachen für eine Anämie. In Europa ist die Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) mit 80 Prozent die häufigste Form der Anämie. Betroffen sind insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter.

Personen mit einer Eisenmangelanämie sind oft blass, ermüden rasch, fühlen sich schwach und leiden an Atemnot. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache der Blutarmut.

Eisenmangelanämie: Definition

Von einer Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) spricht man, wenn der Körper an Eisenmangel leidet und daher nicht mehr ausreichend roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) bilden kann.

Eisen im Körper

Hämoglobin ist der eisenhaltige rote Farbstoff in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Die Aufgabe des Hämoglobins ist es, den über die Lunge eingeatmeten Sauerstoff mit dem Blut in die einzelnen Organe zu transportieren. Ein Hämoglobin-Molekül kann vier Moleküle Sauerstoff transportieren. Bei einer Eisenmangelanämie liegt zu wenig Hämoglobin im Körper vor, wodurch der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt wird.

Normalwert Hämoglobin:

  • bei Frauen 12,1 > 15,1 g/dl (dl = Deziliter)
  • bei Männern 12,1 > 16,6 g/dl

Normalwert Erythrozyten-Zahl:

  • bei Frauen 4,1 > 5,1 Mio./µl (µl = Mikroliter)
  • bei Männern 4,2 > 5,6 Mio./µl

Der Anteil der festen Blutbestandteile gemessen in Prozent am gesamten Blut wird Hämatokrit genannt. Der Hämatokrit wird hauptsächlich durch die Anzahl der roten Blutkörperchen bestimmt.

Normalwert des Hämatokrits:

  • bei Frauen 35 > 44 Prozent
  • bei Männern 35 > 49 Prozent

Bei einer Eisenmangelanämie sind die Werte für Hämoglobin, Erythrozyten und Hämatokrit deutlich niedriger als im Normalfall.

Formen der Anämie

Eine Blutarmut (Anämie) kann zum einen durch starke Blutungen entstehen. Aber auch eine fehlende oder fehlerhafte Bildung der roten Blutkörperchen oder der zu schnelle Zerfall der Erythrozyten kann zur Anämie führen. Nach Art des Entstehungsmechanismus können Anämien daher eingeteilt werden in:

Anämien durch gestörte Erythrozytenbildung

Zu dieser Form der Anämien gehören die Mangelanämien sowie die renale Anämie, die aplastische Anämie, das myelodysplastische Syndrom sowie bösartige (maligne), entzündliche und infektiöse Erkrankungen, bei denen das Knochenmark befallen ist.

Mangelanämien

Bei einer Mangelanämie kommt es zu einer Blutarmut, weil wichtige Stoffe für die Bildung von roten Blutkörperchen fehlen. Dadurch entstehen zu wenige oder fehlgeformte rote Blutkörperchen. Mangelanämien sind zum Beispiel die

  • Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie)
  • Vitamin-B12-Mangelanämie (Colabamin-Mangelanämie, perniziöse Anämie)
  • Folsäuremangelanämie
  • Proteinmangelanämie
  • Vitamin-B6-Mangelanämie
  • Vitamin-C-Mangelanämie (Ascorbinsäure-Mangelanämie)

Die Eisenmangelanämie ist mit 80 Prozent die häufigste Form der Blutarmut.

Anämien durch Erythrozytenverlust

Werden große Mengen an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) verloren, kann es zu einer Blutarmut (Anämie) kommen. Abgesehen von starken Blutungen kann dies durch einen zu schnellen Abbau oder Zerfall der roten Blutkörperchen entstehen. So zum Beispiel bei einer

  • Sichelzellenanämie oder
  • Thalassämie (sog. Mittelmeeranämie).

Anämien durch gestörte Erythrozytenverteilung

Bei dieser Form der Blutarmut verteilen sich die roten Blutkörperchen nicht gleichmäßig im Körper, sondern konzentrieren sich in der vergrößerten Milz (sog. Hyperspleniesyndrom).

Eisenmangelanämie: Ursachen

Die häufigste Ursache einer Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) ist ein chronischer Blutverlust. Dabei handelt es sich um geringe längerfristige Blutungen, zum Beispiel aus dem Magen-Darmtrakt, etwa bei Magengeschwüren, Hämorrhoiden oder Tumoren sowie bei Frauen während der Menstruation.

Eine Eisenmangelanämie kann auch durch eine zu geringe oder fehlende Aufnahme von Eisen entstehen. Dabei wird entweder zu wenig eisenhaltige Nahrung gegessen, etwa bei vegetarischer Ernährung oder wenn Medikamente eingenommen werden, die Eisen komplexieren. Oder der Darm kann das Eisen aus der Nahrung nicht in ausreichender Menge aufnehmen. Letzteres betrifft häufiger Personen, deren Magen teilweise entfernt wurde oder bei denen eine entzündliche Darmerkrankung vorliegt.

Zu einer Eisenmangelanämie kann es ebenfalls bei einer Eisenverteilungsstörung kommen. Diese kann bei chronischen Infekten oder Entzündungen sowie Tumoren entstehen. Auch ein gestörter Eisentransport oder eine gestörte Eisenverwertung kann die Ursache für eine Eisenmangelanämie sein.

Wird ein erhöhter Eisenbedarf, wie er während des Wachstums, in der Schwangerschaft oder beim Stillen besteht, nicht durch eine vermehrte Eisenaufnahme ausgeglichen, kann ebenfalls ein Eisenmangel entstehen.

Eisenmangelanämie: Symptome

Personen mit Blutarmut (Anämie) sind in ihrer Leistung beeinträchtigt, oft blass und fühlen sich müde. Diese Beschwerden sind auf die schlechte Sauerstoffversorgung der Organe zurückzuführen. Es kommt unter Belastung, aber auch in Ruhe zu Atemnot. Als weiteres Symptom kann unter anderem Herzrasen auftreten.

Zu den Symptomen der Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) zählen neben den typischen Beschwerden der Blutarmut, wie Blässe und Müdigkeit, brüchige Haare und Nägel mit Rillenbildung sowie häufig trockene, rissige Haut. Die Zunge kann blass sein und brennen. Manchmal kommt es zu Einrissen an den Mundwinkeln (Rhagaden). Ebenso können Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen auftreten. Betroffene mit einer Eisenmangelanämie haben häufig keinen Appetit.

Treten zusätzlich unter anderem Schluckbeschwerden und Zungenbrennen auf, spricht man von einem Plummer-Vinson-Syndrom oder Paterson-Kelly-Syndrom.

Liegt der Eisenmangelanämie eine Grunderkrankung zugrunde, treten zusätzlich die Beschwerden dieser Erkrankung auf.

Eisenmangelanämie: Diagnose

Bei der Diagnose einer Eisenmangelanämie (sideropenische Anämie) spielen Blutwerte eine große Rolle, insbesondere der Anteil des Hämoglobins, der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und des Hämokrits.

Man unterscheidet diagnostisch drei Stadien des Eisenmangels (Sideropenie), wobei sich im letzten Stadium eine Eisenmangelanämie entwickeln kann.

  • Prälatenter Eisenmangel: Hier ist der Serum-Ferritin-Wert (der Anteil der Speicher- und Transportform des Eisens im Serum) bereits niedriger als im Normalfall. Dies weist darauf hin, dass die Eisenspeicher langsam aufgebraucht werden. Der Hämoglobin-Wert ist jedoch noch nicht verändert.
  • Latenter Eisenmangel: Hier sind die Eisenspeicher bereits aufgebraucht. Dies äußert sich durch niedriges Serum-Ferritin sowie leicht verminderte Hämoglobin-Werte. In dieser Phase zeigen sich bereits die ersten spürbaren Symptome.
  • Manifester Eisenmangel: Hier sind sowohl Serum-Ferritin-Werte als auch Hämoglobin-Werte deutlich vermindert und die Bildung der roten Blutkörperchen beeinträchtigt. Der manifeste Eisenmangel kann zur Eisenmangelanämie führen.

Eine Anämie wird ebenso wie die Eisenmangelanämie über das Blutbild festgestellt sowie über die Krankengeschichte (Anamnese) des Betroffenen.

Eisenmangelanämie: Therapie

Die Therapie einer Blutarmut (Anämie) richtet sich nach den jeweiligen Ursachen.

Bei einer Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) sollte zunächst eine mögliche Blutungsquelle (z.B. ein Magengeschwür) gefunden und beseitigt werden. Bei nicht ausreichend behandelbaren Ursachen, wie zum Beispiel sehr starken Monatsblutungen, muss Eisen zugeführt (Substitution) werden.

Eine Eisenmangelanämie sollte mindestens drei Monate durchgehend behandelt werden, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Nach einer Woche steigen die Anzahl der jungen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) und der Hämoglobin-Wert im Allgemeinen bereits an.

Eisenmangelanämie: Verlauf

Eine Blutarmut (Anämie) kann je nach Ursachen unterschiedlich verlaufen.

Die Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) verläuft im Allgemeinen gut, sofern die zugrunde liegende Erkrankung, wie etwa ein Magengeschwür, behandelt wird. Wird der Eisenmangel nicht behoben, kann die Anämie chronisch werden und es kommt zu teils schwerwiegenden Komplikationen:

  • Fehl- und Totgeburten
  • erhöhte Anfälligkeiten für Infektionen
  • verminderte Leistungsfähigkeit durch schlechte Sauerstoffversorgung
  • verzögerte geistige und körperliche Entwicklung bei anämischen Kindern

Eisenmangelanämie: Vorbeugen

Um einer Blutarmut (Anämie) vorzubeugen, sollte auf eine gesunde ausgewogene Ernährung geachtet werden. Insbesondere eine ausreichende Zufuhr von Eisen, Folsäure und Vitamin B12 ist wichtig. Da eine Anämie jedoch auch andere Ursachen als nahrungsbedingte Mangelzustände haben kann, kann eine gesunde Ernährung nicht jede Anämie verhindern.

Um einer Eisenmangelanämie (Sideropenische Anämie) vorzubeugen, sollte man auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen über die Nahrung achten. Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel besteht, sollten vorsorglich Eisenpräparate einnehmen:

Liegen bestimmte Grunderkrankungen vor, die eine Verwertung oder einen Abbau des Eisens stören, kann man einem Eisenmangel allein über die Nahrung jedoch nicht vorbeugen.

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Veröffentlicht in:  on Juli 26, 2008 at 6:18 Kommentar schreiben
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