Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)

Die Bulimia nervosa oder Bulimie ist eine Essstörung, die in der Umgangssprache als Ess-Brech-Sucht bezeichnet wird. Sie geht mit Essanfällen und anschließend selbstausgelöstem Erbrechen sowie Missbrauch von Medikamenten einher. Dabei liegt die primäre Angst der Betroffenen in einer Gewichtszunahme.

Im Gegensatz zur Magersucht (Anorexia nervosa) oder Binge-Eating-Störung sind die von Bulimie Betroffenen meist normalgewichtig. Die Bulimie betrifft in der Regel Frauen. Die Ursachen der Bulimie reichen von psychischen und familiären Belastungen über biologische Faktoren bis hin zum gesellschaftlichen Schlankheitsideal.

Charakteristische Symptome einer Bulimie sind Essanfälle, Depressionen, in vielen Fällen Erbrechen und dadurch ausgelöste Folgeschäden (Karies, Elektrolytmangel). Die Betroffenen versuchen die Bulimie geheim zu halten, daher wird im Durchschnitt erst nach etwa fünf Jahren der erste Behandlungsversuch unternommen.

Die Therapie der Ess-Brech-Sucht beschäftigt sich mit der Normalisierung des Essverhaltens. Im Anschluss folgt die psychotherapeutische Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen. In einigen Fällen wird die Bulimie zusätzlich mit Medikamenten behandelt. Die Prognose der Bulimie hat sich in den letzten Jahren verbessert: In 40 Prozent der Fälle kommt es zu einer deutlichen, in 20 Prozent zu einer geringen Besserung. Allerdings verläuft die Bulimie in weiteren 40 Prozent der Fälle chronisch.

Ess-Brech-Sucht: Definition

Die Bezeichnung Bulimia nervosa, kurz Bulimie, bedeutet sinngemäß Ochsenhunger und steht für ein Krankheitsbild, das in der Umgangssprache häufig Ess-Brech-Sucht genannt wird. Das Wort nervosa deutet dabei auf die psychische Komponente der Bulimie hin. Die Bulimie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Essattacken, bei denen große Mengen kalorienhaltiger Nahrungsmittel verzehrt werden. Da die Betroffenen sich stark mit ihrem Gewicht beschäftigen und große Angst vor der Gewichtszunahme zeigen, wird bei der Bulimie nach den Essanfällen häufig erbrochen oder Abführmittel eingenommen. Zwischen den Essattacken wird versucht eine Diät einzuhalten. Die Betroffenen liegen bei der Bulimie mit ihrem Gewicht in der Regel im unteren Normbereich, zeigen aber häufig Zeichen der Mangelernährung.

Abgrenzung zu anderen Essstörungen

Neben der Anorexie oder Magersucht ist die Bulimie eine typische Essstörung. Die Unterscheidung zwischen Anorexie und Bulimie ist oft schwierig.

Gemeinsam ist die bei beiden Krankheiten auftretende extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Während bei der Anorexie starker Gewichtsverlust mit Untergewicht durch verminderte Nahrungsaufnahme im Vordergrund steht, ist das Hauptmerkmal der Bulimie das wiederholte Auftreten von Essattacken. Anorektische und bulimische Personen unterscheiden sich außerdem durch ihr Gewicht: Von einer Anorexie wird erst ab einem bestimmten Untergewicht gesprochen, während das Gewicht bei der Bulimie in der Regel im unteren Normbereich liegt. Gewichtsverlust oder das Halten des Gewichts können bei der Bulimie sowie bei der Anorexie durch Hungern und Diät und durch Erbrechen oder die Einnahme von Abführ- oder harntreibenden Mitteln herbeigeführt werden.

Man unterscheidet bei der Bulimie zwei verschiedene Typen:

  • Purging-Typ: Essattacken treten gefolgt von Erbrechen oder anderen Maßnahmen, wie dem Einnehmen von Abführ- oder harntreibenden Mitteln, auf .
  • Nicht-purging-Typ: Es liegen Essattacken ohne Erbrechen oder andere Maßnahmen vor.

Der Purging-Typ ist bei der Bulimie häufiger als der Nicht-purging-Typ. Die Bulimie ohne Erbrechen wird definitionsgemäß von der so genannten Binge-Eating-Störung abgegrenzt, bei der Essanfälle in Verbindung mit Übergewicht, schnellem Essen und Essen ohne Hungergefühl auftreten.

Häufigkeit

Von der Bulimie sind vor allem Frauen betroffen, obwohl der Anteil der Männer bei den Essstörungen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Auffällig ist, dass die Bulimie gehäuft in der Mittel- und Oberschicht auftritt. In der weiblichen Bevölkerung leiden in der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren etwa 2,5 Prozent an Bulimie. Bei der Hälfte der Betroffenen geht der Bulimie eine Anorexie voraus. Etwa 80 Prozent aller Bulimie-Patientinnen erkranken vor dem 22. Lebensjahr.

Etwa sechs Prozent der weiblichen Teenager berichten, dass sie Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln einsetzen, um Gewicht zu verlieren.

Ess-Brech-Sucht: Ursachen

Die einzelnen Ursachen einer Ess-Brecht-Sucht (Bulimie) sind in der Regel schwer zu erfassen und finden sich in der gesamten Lebensgeschichte der Betroffenen. Es handelt sich meist um eine Kombination psychologischer, biologischer, familiärer, genetischer, sozialer und umgebungsbedingter Faktoren. Die Bulimie ist eine so genannte multifaktoriell ausgelöste Erkrankung. Das bedeutet, dass man die Ursache nicht an einer einzigen Begebenheit, Eigenschaft oder einem Erlebnis festmachen kann. Die Bulimie entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Ursachen.

Bei vielen Betroffenen gehen belastende Ereignisse, z.B. der Tod eines Angehörigen oder besondere, überfordernde Leistungssituationen, der Bulimie als Auslöser voraus. Ebenso können traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, wie sexueller oder körperlicher Missbrauch, die Bulimie mit verursachen.

Neben Erklärungen für die Entstehung und Auslösung der Bulimie gibt es Vermutungen, wie die Störung aufrechterhalten wird. Das veränderte Essverhalten führt zu biologischen und psychologischen Konsequenzen, die bedingen, dass die Bulimie bestehen bleibt, obwohl die an der Entstehung beteiligten Faktoren nicht mehr vorhanden sind.

Gesellschaftliches Schlankheitsideal

In der westlichen Gesellschaft gilt ein Schönheitsideal, das insbesondere von Frauen einen schlanken Körper fordert. Diesem Ideal begegnet man Tag für Tag, beispielsweise in der Werbung. Etwa 20 Prozent aller Frauen machen daher regelmäßig eine Diät. Verläuft diese erfolgreich, erfahren die Personen häufig positive Konsequenzen, wie Komplimente oder Respekt. Gewichtskontrolle und Schlanksein können somit zu einer wichtigen Quelle des Selbstbewusstseins werden. Deshalb sind gerade junge Frauen, die während der Pubertät bezüglich ihres Körpers unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen.

Familiäre Einflüsse

Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass es bei der Bulimie einen bestimmten Familien-Prototyp gibt, der für die Entwicklung der Essstörung verantwortlich gemacht werden kann. Es sind jedoch häufig bestimmte Auffälligkeiten in der Familienstruktur zu finden. Bulimie-Patienten wachsen meist sehr behütet auf. In den Familien herrscht in der Regel ein erhöhter Leistungsdruck, Konflikte werden hingegen selten angesprochen und gelöst. Ob diese Faktoren tatsächlich eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der Bulimie spielen, ist umstritten. Betroffene der Bulimie haben häufig Schwierigkeiten, eine Selbstständigkeit zu entwickeln. Das kann einerseits die Folge der Überbehütung sein, es ist aber möglich, dass die mangelnde Selbstständigkeit erst dazu geführt hat, dass die Eltern sich besonders stark um ihr Kind kümmern.

Biologische Faktoren

Einen Hinweis auf mögliche genetische Ursachen einer Bulimie geben die erhöhten Risikozahlen für Verwandte Personen von Menschen mit Essstörungen. Eineiige Zwillinge haben bei erkranktem Zwilling beispielsweise ein sehr viel höheres Risiko eine Bulimie zu entwickeln als normale Geschwister. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Bulimie kann des Weiteren ein genetisch bedingter niedriger Energieverbrauch sein. In diesem Fall neigen die Betroffenen zu einem höheren Körpergewicht trotz normaler Nahrungsaufnahme.

Ess-Brech-Sucht: Symptome

Das Hauptmerkmal der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) ist das wiederholte Auftreten von Essanfällen. Während dieser Anfälle nehmen die Betroffenen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich, ohne die Nahrungsaufnahme kontrollieren zu können. Es handelt sich meist um kohlenhydrat- und kalorienreiche Speisen wie Gebäck, Schokolade, Kartoffelchips oder Pudding. Der Kalorienverbrauch kann bei einem Essanfall der Bulimie bis zu 10.000 Kalorien betragen. Die Anfälle treten in der Regel mehrmals wöchentlich, in einigen Fällen täglich, auf. Damit nicht auffällt, welche enormen Nahrungsmengen die Betroffenen verbrauchen, gehen sie häufig in viele Supermärkte, in denen sie jeweils nur eine kleine Menge einkaufen. 20 Prozent der Betroffenen haben Ladendiebstähle begangen, um sich Nahrungsmittel zu besorgen.

Bei der Bulimie leiden die Betroffenen unter einer so genannten Körperschema-Störung. Das bedeutet, dass sie sich selbst als dicker wahrnehmen als sie wirklich sind. Bulimische Personen beschäftigen sich andauernd und übertrieben mit ihrem Gewicht. Ihre Figur hat für sie eine entscheidende Bedeutung für ihr Selbstwertgefühl. Deshalb wird bei der Bulimie die nach dem Essanfall befürchtete Gewichtszunahme als sehr bedrohlich erlebt – viele der Betroffenen greifen zu Maßnahmen der Gewichtskontrolle. Dies geschieht meist durch das Herbeiführen des Erbrechens oder durch die Einnahme großer Mengen von Harn treibenden Medikamenten oder Abführmitteln. Durch diese Maßnahmen kommt es mit der Zeit zu körperlichen Veränderungen.

Durch das Erbrechen entwickelt sich Karies, außerdem entstehen Schwielen an den Fingern. Manchmal ist bei der Bulimie eine Schwellung der Speicheldrüsen zu beobachten. Durch die Einnahme von Abführ- oder harntreibenden Mitteln kann es zu Nebenwirkungen im Magen-Darm- oder Nierenbereich kommen. Zwischen den Anfällen leben die Betroffenen bei der Bulimie meist nach einer sehr strengen Diät oder betreiben übermäßig viel Sport. Als Konsequenz entwickelt sich ein Heißhunger. Insbesondere wenn zusätzlich Stress oder andere Belastungen auftreten, wird dadurch das Auftreten von Essanfällen begünstigt.

Durch die Abwechslung von Essanfällen und Diäten kann es bei der Bulimie zu starken Gewichtsschwankungen kommen. Im Durchschnitt bleibt das Gewicht jedoch im Normalbereich. Trotzdem treten bei der Bulimie Symptome der Mangelernährung auf. Es kommt zu Veränderungen im Vitamin- oder Elektrolythaushalt. Ein Kaliummangel kann in ausgeprägten Fällen zu Herzrhythmusstörungen führen. Durch die Fehlernährung treten bei der Bulimie außerdem hormonelle und Stoffwechselveränderungen auf, welche den Energieverbrauch herabsetzen. Unter diesen Bedingungen führt eine normale Kalorienzufuhr zu einer kurzfristigen Gewichtszunahme. In der Folge versuchen die Betroffenen ihr Gewicht verstärkt zu kontrollieren: ein Teufelskreis entsteht.

Auf psychologischer Ebene ist zu beobachten, dass das gestörte Essverhalten bei Bulimie häufig mit Veränderungen im Sozialverhalten einhergeht. Die Betroffenen ziehen sich von Freunden und Familie zurück und verlieren zunehmend das Interesse an anderen Dingen neben dem Essen und ihrem Gewicht. Die Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, was die Betroffenen wiederum motiviert durch die Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres zu erreichen.

Ess-Brech-Sucht: Diagnose

Die Ess-Brech-Such (Bulimie) kann anhand der Symptome sowie festgelegter Diagnosekriterien gestellt werden. Es ist empfehlenswert, ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und mit einer oder mehreren nahe stehenden Personen zu führen, um das Essverhalten und das Körperbild einschätzen zu können. Bei der Befragung werden testpsychologische Verfahren genutzt, um eventuelle Persönlichkeitsstörungen neben der Bulimie aufzudecken.

Die körperliche Untersuchung dient bei der Bulimie sowohl zur Diagnose als auch zur Einschätzung der durch die Bulimie entstandenen Folgen. Das Körpergewicht wird dabei mittels Body Mass Index (BMI) beurteilt. Des Weiteren achtet man bei der Untersuchung auf typische Veränderungen aufgrund der Bulimie, wie Zahnschäden, Speicheldrüsenschwellungen und Veränderungen der Hände. Messung von Puls, Blutdruck und Temperatur sowie eine neurologische Untersuchung schließen sich an. Im Blut werden neben Routineuntersuchungen die Elektrolyte oder auch die Nierenwerte überprüft. Aufgrund der bei der Bulimie durch den häufig auftretenden Kaliummangel verursachten Herzrhythmusstörungen untersucht man das Herz mittels EKG.

Ess-Brech-Sucht: Therapie

Die Therapie der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) kann in der Regel ambulant erfolgen. Eine stationäre Einweisung ist erst bei medizinischen Komplikationen, ausgeprägter psychischer Belastung oder unwirksamer ambulanter Behandlung der Bulimie nötig.

Die erste Maßnahme bei der Therapie der Ess-Brech-Sucht besteht darin, körperliche Beschwerden oder Veränderungen zu behandeln. Hierbei werden z.B. Elektrolytstörungen ausgeglichen. Da man annimmt, dass eine Bulimie Ausdruck einer tiefer liegenden psychischen Ursache ist, liegt der Schwerpunkt der Behandlung neben der Normalisierung des Essverhaltens auf der psychischen und verhaltensbedingten Ebene. Dazu werden langfristig verschiedene Methoden angewandt.

Essverhalten

Ein wichtiges Ziel der Langzeittherapie bei Bulimie ist eine Veränderung des Essverhaltens. Dabei wird nicht nur auf eine ausreichende Kalorienzufuhr, sondern auf eine angemessene Nahrungszusammensetzung und zeitliche Verteilung der Nahrungsaufnahme geachtet. Um dies zu erreichen, wird zunächst das Essverhalten untersucht. Danach wird über die biologischen und psychologischen Konsequenzen der Mangelernährung aufgeklärt. In einer abschließenden Übungsphase wird die Nahrungsaufnahme strukturiert. Häufig ist beim Ernährungsmanagement der Bulimie eine starke Kontrolle der Betroffenen notwendig, da diese sich zwar oft scheinbar auf die Ernährungsumstellung einlassen, aus Angst vor einer Gewichtszunahme aber heimlich gewichtsreduzierende Maßnahmen einsetzen. Es ist daher erfolgsversprechend, Belohnungen für das Einhalten der Therapie zu entwickeln.

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden

Bei der Bulimie sind im Laufe der Erkrankung gewichtsregulierende Maßnahmen als eine Art der Problemlösung aufgrund der Angst vor der Gewichtszunahme anerkannt worden. Die Betroffenen sollen nun erlernen, auch ohne schlechtes Gewissen Nahrung zu sich zu nehmen und dem normalen Prozess der Verdauung nicht durch Abführmittel oder Erbrechen entgegenzusteuern. Die Angst vor einer Gewichtszunahme soll bei normaler Nahrungsaufnahme abnehmen, auch wenn keine gewichtsregulierenden Maßnahmen folgen.

Darüber hinaus werden die dem Verhalten zugrunde liegenden irrationalen Annahmen bearbeitet. So kann z.B. die Überzeugung, nur liebenswert zu sein, wenn man schlank ist, ein Motiv für die strikte Gewichtskontrolle sein. In diesem Fall wird mit der Betroffenen erarbeitet, welche anderen Eigenschaften einen Menschen liebenswürdig machen. Es ist außerdem ratsam Strategien zu erarbeiten, welche die Betroffenen unabhängiger von der Meinung anderer machen. Alternative Lebensinhalte und Quellen der Befriedigung neben der Beschäftigung mit dem Körpergewicht sind dabei sehr hilfreich. Es wird versucht, die Körperschema-Störung bei der Bulimie anhand von Übungen zu beseitigen oder zu vermindern.

Problemlösungsstrategien

Aufgrund der Tatsache, dass Ess- und Brechanfälle bei der Bulimie häufig nach Belastungssituationen auftreten, werden bei der Therapie andere Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress und Problemen eingeübt. Dazu wird z.B. der Betroffene in eine Situation gebracht, die gewöhnlich einen Essanfall auslöst. Er wird dann aber daran gehindert, dass dieser tatsächlich auftritt und aufgefordert, anderes Bewältigungsverhalten, z.B. eine Entspannungsübung, auszuführen.

Gestaltungstherapie

Bei der Mal- oder Musiktherapie sollen die Betroffenen die Möglichkeit bekommen, Gefühle und Konflikte auszudrücken, die sie nicht direkt mitteilen möchten oder können. Ein gemaltes Bild kann für den Therapeuten einen wichtigen Zugang zu dem Erleben der Bulimie bedeuten.

Medikamente

Der Einsatz von Medikamenten spielt bei der Bulimie eine untergeordnete Rolle, In manchen Fällen werden jedoch trizyklische oder serotonerge Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer verwendet. Die Hauptursachen für eine medikamentöse Therapie bei der Bulimie sind depressive Symptomatik oder die Prophylaxe eines Rückfalls. Dabei konnten bisher v.a. mit serotonergen Antidepressiva gute Ergebnisse erzielt werden.

Ess-Brech-Sucht: Verlauf

Zum Verlauf der Ess-Brech-Sucht ist relativ wenig bekannt, da die Bulimie erst seit 1980 als eigenständige Diagnose existiert. Man geht davon aus, dass sich unbehandelt Phasen mit geringer und stark ausgeprägter Symptomatik abwechseln. Als Konsequenz des Erbrechens treten medizinische Probleme auf. Es kommt bei der Bulimie häufig zu einem Kaliummangel, der Herzrhythmusstörungen bedingen kann. Darüber hinaus treten Entzündungen der Speiseröhre, Magenwandschädigungen, Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, erhebliche Schädigungen des Zahnschmelzes und Veränderung an Haut und Haaren auf. Durch das selbst ausgelöste Erbrechen kann die Mundhöhle verletzt werden, außerdem besteht Erstickungsgefahr, wenn Mageninhalt in die Luftröhre gelangt. Durch Missbrauch von Harn treibenden und abführenden Mittel kommt es bei der Bulimie, neben dem erwähnten Kaliummangel, zu schweren Störungen des Mineralstoffwechsels. Häufig leiden die Betroffenen der Bulimie an einer Mangelernährung, die zu Störungen des Hormonsystems führt. In der Folge bleibt die Menstruation aus, es kommt zu Unfruchtbarkeit, Energiemangel und Kälteempfindlichkeit. Aufgrund der immensen Ausgaben für Lebensmittel und Abführmittel treten finanzielle Schwierigkeiten auf.

Bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen kommt es zu depressiven Symptomen. Stimmungslabilität, Schuldgefühle und Suizidgedanken werden bei der Bulimie im Zusammenhang mit Ess- und Brechanfällen beobachtet. Essanfälle bedingen Selbstvorwürfe, die Betroffenen sind der Meinung sich selbst nicht ausreichend unter Kontrolle zu haben. Das Gefühl der Erleichterung nach dem Erbrechen ist von kurzer Dauer und wird von Niedergeschlagenheit abgelöst.

Im Durchschnitt besteht die Bulimie bereits fünf Jahre, ehe der erste Behandlungsversuch unternommen wird. Das ist v.a. darauf zurückzuführen, dass die Betroffenen häufig versuchen, ihre Krankheit zu verheimlichen. Nach einer stationären Therapie in einem Fachzentrum können fünf Jahre später etwa 50 Prozent als deutlich gebessert und 20 Prozent als teilweise gebessert bezeichnet werden. Bei den übrigen 40 Prozent bleibt ein Behandlungserfolg der Bulimie aus. Das scheint insbesondere bei zusätzlichen weiteren psychischen Störungen (depressive Symptomen, Angst- oder Zwangstörungen) der Fall zu sein. Die Sterblichkeit ist bei der Bulimie gering und liegt bei einem Prozent in einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren.

Ess-Brech-Sucht: Vorbeugen

Die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) ist keine Erkrankung, der im klassischen Sinn vorgebeugt werden kann. Fällt bei einem Familienmitglied oder Freund ein bulimisches Verhalten auf, ist es ratsam, mit der Person darüber zu sprechen und sie zu einer Beratung zu motivieren. Dadurch können möglicherweise die Ausprägung und der Verlauf der Bulimie positiv beeinflusst werden.

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

ANAD e.V. – Beratungsstelle für Essstörungen
Seitzstr. 8, Rgb, 1. OG
80538 München
Telefon: 089 / 24 23 99 6 – 0
Fax: 089 / 24 23 99 6 – 6
kontakt@anad-pathways.de

Beratungszentrum für Essstörungen-Dick & Dünn e.V.
Innsbrucker Straße 25
10825 Berlin
Telefon: 030/ 854 49 94
Fax: 030/ 854 84 42

Frankfurter Zentrum für Essstörungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt/M.
Telefon: 069/ 55 01 76
Fax: 069/ 596 17 23

Beratungsstelle für Essstörungen Cinderella e.V.
Westendstraße 35
80339 München
Telefon: 089/ 502 12 12
Fax: 089/ 50 25 75

Waage e.V.
Eimsbüttelerstr. 53
22769 Hamburg
Deutschland
Telefon: Mo 10 -13 Uhr Do 15 -17 Uhr: 040 / 491 49 41
waage.hh@freenet.de
http://www.waage-hh.de

Linktipps:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betreibt ein eigenes Portal, das sich mit Essstörungen beschäftigt. Hier finden Sie auch Kontaktadressen und weiterführende Links. Außerdem können Sie verschiedene Broschüren bestellen. www.bzga-essstoerungen.de

Buchtipps:

Die Bulimie besiegen

Schmidt, Ulrike; Treasure, Janet buch_bulimie_schmidt.jpg219 Seiten, 2001 Allen Betroffenen, die aus dem Teufelskreis des Ess- und Brechzwangs herausfinden wollen, gibt dieser Ratgeber Hinweise, wie Heilung möglich ist. Hier erhalten Betroffene eine bewährte Therapie, eine konkrete Anleitung zur Selbsthilfe in Form eines Arbeits- und Übungsbuches, geschrieben von ausgewisenen Expertinnen, die die Betroffenen Schritt für Schritt auf dem Weg zur Besserung begleiten.

Direkt bestellen bei Amazon

Essen will gelernt sein

Gerlinghoff, Monika; Backmund, Herbert buch_gerlinghoff_essen.jpg142 S., 2005 Die Grenzen zwischen scheinbar normalem Essverhalten und ernsten Ess-Störungen wie Magersucht und Bulimie sind fließend. In diesem Buch zeigen die Autoren Möglichkeiten auf, wie das eigene Essverhalten analysiert und Störungen überwunden werden können.

Direkt bestellen bei Amazon

Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen

Langsdorff, Maja buch_langsdorff_bulimie.jpg400 Seiten, 2002 Ich habe schon einige Bücher zu dem Thema Bulimie gelesen, aber mit diesem Buch konnte ich mich am meisten identifizieren. Es ist locker-leicht und nicht oberflächlich geschrieben und sehr vielseitig vom Inhalt (…). In diesem Buch wird anders darüber geschrieben als sonst üblich. Ich bin froh, (…) dieses Buch entdeckt zu haben. – Leserrezension bei amazon.de

Direkt bestellen bei Amazon

Der Weg zurueck ins Leben

Peggy Claude-Pierre der_weg_zurueck_ins_leben.jpg2002 336 S., Fischer, S.,Verlag GmbH, 2002 Dies ist die Geschichte einer außer-gewöhnlichen Frau, die – nachdem ihre beiden eigenen Töchter an Anorexie erkrankten – einen völlig neuen Ansatz für die Behandlung von Magersucht und Bulimie entwickelt hat. Mit ihrem revolutionären Programm, das auf unbedingter Liebe und Verständnis, Bestätigung und Unterstützung basiert, nimmt sie den Kranken ihre quälenden Gefühle von Schuld und Schande und stärkt ihr Selbstwertgefühl. Peggy Claude-Pierres Therapie der Ess-Störungen gibt selbst Patientinnen, die bereits aufgegeben wurden, wieder Hoffnung – und die Chance auf ein gesundes Leben.

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on Juli 26, 2008 at 6:48 Kommentar schreiben
Tags:

Erysipel (Wundrose)

Ein Erysipel (Wundrose) ist eine bakterielle Entzündung der Haut, die vor allem bei Erwachsenen auftritt. Durch kleine Verletzungen der Haut können Bakterien (meist A-Streptokokken) in die Lymphgefäße der Haut gelangen und sich ausbreiten.

Besonders häufig sind die Beine und das Gesicht von einer Wundrose betroffen. Innerhalb von Stunden oder wenige Tagen entwickeln sich auf der betroffenen Haut flammenförmige, scharf begrenzte Rötungen. Teilweise schwillt zudem die Haut an und es entstehen ein Spannungsgefühl und Schmerzen. Nicht selten tritt hohes Fieber auf.

Pro 100.000 Einwohner kommt es durchschnittlich zu 100 Infektionen im Jahr. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächten Abwehrkräften, wie zum Beispiel Diabetiker.

Ein Erysipel wird medikamentös mit einem Antibiotikum, meistens Peniczllin, behandelt. Dieses wird im Allgemeinen zunächst intravenös gegeben, später können die Antibiotika als Tabletten genommen werden. Sind Arme oder Beine betroffen, müssen die entsprechenden Extremitäten hoch gelagert und gekühlt werden. Ohne Behandlung kann eine Wundrose lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Erysipel: Definition

Ein Erysipel (Wundrose) ist eine bakterielle Entzündung der Haut. Sie wird meist durch so genannte A-Streptokokken verursacht, die sich in den Lymphgefäßen der Haut ausbreiten. Wundrosen können zu schmerzhaften Rötungen und gefährlichen Komplikationen führen. Dabei sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährdet.

Erysipel: Ursachen

Ursachen Ein Erysipel (Wundrose) kann entstehen, wenn nach einer kleinen Bagatellverletzung der Haut Bakterien in die Lymphgefäße der Haut gelangen und sich dort ausbreiten. Außer über kleine Hautverletzungen kann der Erreger aber auch über Mückenstiche oder Pilzerkrankungen zwischen den Fingern (Interdigitalmykose) oder Zehen (Fußpilz)in den Körper gelangen.

In den meisten Fällen wird ein Erysipel durch so genannte A-Streptokokken ausgelöst. Diese Bakterienart produziert Giftstoffe, die die Entzündung bewirken. In seltenen Fällen können auch andere Erreger die Ursache sein, so zum Beispiel die Staphylokokken.

Gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem erkranken relativ selten an einem Erysipel. Gefährdet sind vor allem Personen mit geschwächten Abwehrkräften oder bestehender Grunderkrankung, zum Beispiel alte Menschen, Alkoholiker, Diabetiker, Menschen mit Durchblutungsstörungen oder AIDS-Erkrankte.

Erysipel: Symptome

Ein Erysipel (Wundrose) bildet sich besonders häufig an den Beinen oder im Gesicht (sog. Gesichtsrose). Innerhalb weniger Stunden oder Tage nach der Verletzung entwickeln sich im betroffenen Bereich der Haut flammenförmige, scharf begrenzte Rötungen. Betrifft die Infektion auch tiefere Gewebebereiche, sind die Ausläufer der Rötungen eher unscharf begrenzt.

Nimmt die Wundrose einen schweren Verlauf, können sich kleine stecknadelkopfgroße Blutungen unter der Haut (petechiale Blutungen) und Blasen bilden. Ebenso kann es zu einem Absterben der betroffenen Gewebeanteile (Nekrosen) kommen. Häufig sind die in der Umgebung der Wundrose liegenden Lymphknoten geschwollen und schmerzen bei Druck.

Tritt die Wundrose zum ersten Mal auf oder erstreckt sich die Entzündung über größere Hautbereiche, entsteht – häufig noch ehe es zu den sichtbaren Rötungen kommt – hohes Fieber mit Schüttelfrost. Den Betroffenen ist übel und sie fühlen sich schwach und erschöpft.

Erysipel: Diagnose

Ein Erysipel (Wundrose) ist meist schon anhand der Symptome (u.a. rote, geschwollene und entzündete Hautstellen, ggf. Fieber) zu erkennen. Um den Erreger zu ermitteln, wird eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Liegt eine Wundrose vor, muss herausgefunden werden, was die Eintrittspforte sein könnte (z.B. Wunden, Ekzeme oder Pilzinfektionen wie Tinea) und ob begünstigende Begleit- beziehungsweise Grunderkrankungen vorliegen (Diabetes mellitus, Lymphödem, chronische Veneninsuffizienz, periphere arterielle Verschlusskrankheit), die eine Abwehrschwäche zur Folge haben können. Dies ist besonders bei wiederkehrenden Wundrosen von Bedeutung.

Erysipel: Therapie

Ein Erysipel (Wundrose) wird im Allgemeinen mit Antibiotika, meist Penizillin V oder Penizillin G behandelt. Besteht der Verdacht auf eine Mischinfektion mit anderen Erregern, wie etwa Staphylococcus aureus, werden Cephalosporine wie Cefazolin empfohlen.

Häufig findet die Behandlung des Erysipels im Krankenhaus (stationär) statt, da die Antibiotika anfangs meist intravenös gegeben werden müssen. Die Antibiotika-Behandlung dauert zehn bis 14 Tage, oft ist zusätzlich auch die Einnahme schmerzstillender und fiebersenkender Medikamente sinnvoll. Schlägt die intravenöse Antibiotika-Behandlung nach zwei bis drei Tagen an, können die Medikamente ab dann in Tablettenform genommen werden.

Der von der Wundrose betroffene Körperteil sollte nicht viel bewegt werden, daher ist Bettruhe wichtig. Gegebenenfalls wird ein Bein oder Arm in einer Schiene ruhiggestellt und hoch gelagert. Auf diese Weise kann einem Lymphstau vorgebeugt werden. Eine zusätzliche Kühlung der betroffenen Stelle wirkt außerdem schmerzlindernd und abschwellend.

Konnte die Wunde oder eine andere Eintrittspforte, durch die der Erreger in den Körper eingedrungen ist (z.B. Pilzinfektion zwischen Fingern und Zehen oder Ekzeme), aufgespürt werden, muss diese behandelt werden und ausheilen. Dazu wird die Wunde gereinigt und desinfiziert. Unter Umständen muss ein kleiner Schnitt vorgenommen werden.

Liegt eine Grunderkrankung vor, die den Verlauf des Erysipels erschwert oder die Entstehung begünstigt, muss diese behandelt werden.

Erysipel: Verlauf

Bei Menschen mit intaktem Immunsystem sowie bei angemessener Behandlung mit Antibiotika heilt ein Erysipel (Wundrose) meist ohne Folgen nach einigen Tagen aus. Dennoch muss eine Wundrose immer ernst genommen werden. Ein unbehandeltes Erysipel breitet sich unter Umständen in tiefer liegende Körpergewebe aus, was schwere Komplikationen verursachen und sogar lebensbedrohlich werden kann:

  • Venenentzündung (Thrombophlebitis)
  • eitrige Entzündungen (Phlegmone)
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • bakterielle Herzentzündung (Endokarditis)
  • bleibende Schwellung der Lymphgefäße (Lymphödem)
  • akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis)

Erysipel: Vorbeugen

Um einem Erysipel (Wundrose) vorzubeugen, sollten Personen mit geschwächter Immunabwehr wie alte Menschen, Diabetiker oder Menschen mit Durchblutungsstörungen ihre Haut sorgfältig pflegen (z.B. regelmäßig eincremen), um sie vor kleinen Verletzungen und Hautrissen zu schützen. Außerdem ist es für solche Personen sinnvoll, den Körper nach möglichen Verletzungen zu untersuchen. Liegt eine Verletzung vor, sollte diese sauber gehalten werden. Direkte vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt.

Veröffentlicht in:  on at 6:47 Kommentar schreiben
Tags:

Ermüdungsbruch (Stressfraktur)

Ein Ermüdungsbruch (Ermüdungsfraktur) entwickelt sich über eine längere Zeit hinweg, wenn Knochen dauerhaft mit einer Kraft überlastet werden, die nicht ausreicht, um den Knochen spontan brechen zu lassen (akute Fraktur). Man unterscheidet zwischen Stressfrakturen, die bei dauerhafter Überlastung von gesunden Knochen auftreten können und Insuffizienzfrakturen, welche durch Überlastung erkrankter Knochen entstehen.

Ein Ermüdungsbruch äußert sich durch plötzlichen, belastungsabhängigen Schmerz mit oft tastbaren Schwellungen oder sichtbarer Rötung. Am häufigsten sind die Knochen der Extremitäten, vorwiegend Beine und Füße, sowie die Knochen des Beckengürtels betroffen. Seltener kommt es zu Ermüdungsbrüchen in den Wirbelknochen sowie den Rippen.

Ein Ermüdungsbruchs kann durch Röntgen- oder Computertomographie-Aufnahmen diagnostiziert werden. Am sichersten kann eine Ermüdungsfraktur jedoch per Magnetresonanztomographie oder Szintigrafie dargestellt werden.

Um einen Ermüdungsbruch zu behandeln, wird die betroffene Extremität entlastet und gegebenenfalls mit einem Gips versehen. Die meisten Stressfrakturen heilen innerhalb von sechs bis acht Wochen aus. Schlechter ist die Diagnose bei Insuffizienzfrakturen, da hier eine Erkrankung zugrunde liegt, die behandelt werden muss.

Ermüdungsbruch: Definition

Ein Ermüdungsbruch (Ermüdungsfraktur) entsteht unter bestimmten Bedingungen als Folge einer lang andauernden und sich ständig wiederholenden Belastung des Knochens. Dabei unterscheidet man zwischen Stressfrakturen, die bei dauerhafter Überlastung von gesunden Knochen auftreten können und Insuffizienzfrakturen, welche durch Überlastung erkrankter Knochen entstehen. Eine Ermüdungsfraktur unterscheidet sich von einem akuten Bruch dadurch, dass die belastende Kraft nicht ausreicht, um den Knochen spontan zu brechen. Vielmehr verändert sich das Knochengewebe über einen gewissen Zeitraum hinweg, bildet Risse und Spalten aus und bricht schließlich als Folge eines längeren Prozesses. Daher ist eine weitere Bezeichnung für den Ermüdungsbruch der Dauerbruch.

Je nachdem, wo der Ermüdungsbruch lokalisiert ist, unterscheidet man:

  • Marschfraktur (Beinknochen)
  • Jones-Fraktur (Fuß, besonders häufig bei Sportlern)
  • Schipperkrankheit (Hals- oder Brustwirbel)
  • Hustenfraktur (Rippen oder Wirbelkörper durch dauerhaftes, kräftiges Husten)

Häufigkeit

Ermüdungsbrüche betreffen vorwiegend die Extremitäten (besonders Beine und Füße) sowie die Knochen des Beckengürtels. Rund 70 Prozent aller Stressfrakturen entstehen durch dauerhafte Überlastung gesunder Knochen bei Leistungs- und Laufsportarten. Ermüdungsbrüche machen etwa 20 Prozent aller Verletzungen in der Sportmedizin aus.

Ermüdungsbruch: Ursachen

Zu einem Ermüdungsbruch (Ermüdungsfraktur) kommt es, wenn aufgrund dauerhafter Überbelastung die Toleranzgrenze des Knochens überschritten wird.

Stressfrakturen

Bei den so genannten Stressfrakturen bilden sich bei anhaltender Überbelastung (etwa durch Leistungssport) im Knochengewebe feine Risse und Brüche (Mikrofrakturen), die durch vermehrte Bildung von Knochensubstanz ausgeglichen werden. Dieser Prozess von Auf- und Abbau von Knochengewebe lässt den Knochen schließlich brechen. Neben belastenden Sportarten, welche vorwiegend zu Stressfrakturen in Beinen und Füßen führen, können etwa durch übermäßiges, langwieriges Husten auch Rippen und Wirbelkörper überlastet werden und durch Stressfrakturen brechen.

Insuffizienzfrakturen

Insuffizienzfrakturen können auftreten, wenn Knochen durch Grunderkrankungen angegriffen und porös sind und daher schon durch einfache Betätigung überlastet werden. Das kristalline System des Knochengewebes ist aufgelockert und entmineralisiert – in der Folge wird Knochengewebe ausgebildet, um die Lücken zu füllen. Das Wechselspiel zwischen Auf- und Abbau im Knochengewebe lässt den Knochen schließlich brechen. Grunderkrankungen, die zu Insuffizienzfrakturen führen können, sind zum Beispiel:

Ermüdungsbruch: Symptome

In den meisten Fällen äußern sich die Symptome eines Ermüdungsbruchs (Ermüdungsfraktur) schleichend, sodass anfangs leichte Schmerzen im Bereich des veränderten Knochens spürbar sind. Die Schmerzen treten typischerweise unter Belastung auf und lassen im Ruhezustand nach. Die betroffene Stelle kann außerdem angeschwollen sowie leicht gerötet und erwärmt sein.

Ein Funktionsverlust, wie bei einer Verletzung oder einem Unfall, findet sich bei einer Stressfraktur nur selten. Meist nimmt die Belastbarkeit nach und nach ab und die Schmerzen werden chronisch.

Ermüdungsbruch: Diagnose

Ermüdungsbrüche (Ermüdungsfrakturen) gehören zu den Überlastungsschäden des Bewegungsapparats, die oft erst spät diagnostiziert werden, da die Symptome erst mit der Zeit zunehmen und zudem häufig mit rheumatischen Beschwerden verwechselt werden.

Zur Diagnose einer Ermüdungsfraktur dienen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) sowie Magnetresonanztomographie (MRT) und die Skelettszintigraphie. Dabei zeigen MRT und Szintigraphie die besten Ergebnisse, da hier feine Haarrisse und die Abnahme des Knochengewebes deutlicher sichtbar gemacht werden können als etwa beim Röntgen.

Ermüdungsbruch: Therapie

Die Behandlung von Ermüdungsbrüchen und deren Vorstufen hängt vom Zeitpunkt der Diagnose, dem Grad der Schädigung und der Lokalisation der Ermüdungsfraktur ab.

Im Anfangsstadium einer Stressfraktur reicht es meist aus, die sportlichen Aktivitäten vorübergehend einzustellen und später mit geringerer Belastung wieder aufzunehmen. So kann der Knochen sich selbstständig regenerieren, ohne einer Dauerüberlastung ausgesetzt zu sein. Krankengymnastische Übungen können diese Therapie unterstützen.

Bestehende Stressfrakturen sowie Insuffizienzfrakturen werden mit einem Gipsverband versehen, um sie zu entlasten und ruhigzustellen. Gegen die Schmerzen, die ein Ermüdungsbruch hervorruft, können Schmerzmittel (Analgetika) eingenommen werden.

Schwer wiegendere Ermüdungsfrakturen können operativ behandelt werden. Zu den operativen Verfahren bei einem Ermüdungsbruch zählen

  • Einbringen von gesundem Knochengewebe aus dem Beckenkamm in die Bruchzone (sog. Spongiosaplastik)
  • Markraumnagelung
  • Verschraubung mit Titanschrauben

Nach der Phase der Ruhigstellung (etwa zwei bis vier Wochen) wird die Therapie mit einer vorsichtigen Belastungssteigerung und Physiotherapie fortgesetzt.

Ermüdungsbruch: Verlauf

Ein Ermüdungsbruch (Ermüdungsfraktur) verläuft bei fachgerechter Therapie und physiotherapeutischer Nachbehandlung in der Regel gut und heilt vollständig aus. Jedoch kann es bis zu sechs Monaten dauern, bis der Körper wieder vollständig belastbar ist.

Ermüdungsbruch: Vorbeugen

Um Ermüdungsbrüchen (Ermüdungsfrakturen) vorzubeugen, sollten darauf geachtet werden, den Bewegungsapparat nicht dauerhaft zu überlasten.

Sportler können Stressfrakturen vermeiden, indem sie sich an ein individuelles Trainingsprogramm halten und entsprechende Ausrüstung (etwa stoßdämpfende Laufschuhe) verwenden. Leistungssportler sollten zudem sportmedizinisch betreut werden.

Schwieriger ist es, Insuffizienzfrakturen vorzubeugen, da hier die jeweilige Grunderkrankung erkannt und behandelt werden muss. Bei bekannter Erkrankung, etwa Osteoporose (Knochenschwund), kann der Betroffene jedoch darauf achten, sich nicht zu überlasten.

Erkältung

Eine Erkältung ist eine meist virusbedingte, akute Infektion der oberen Atemwege. Atemwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Im Mittel leiden Erwachsene zwei- bis fünfmal im Jahr an einer Erkältung, Kinder im Vorschulalter sogar vier- bis achtmal. Eine Erkältung („grippaler Infekt“) tritt häufig nach Kälteeinwirkung auf. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen und Heiserkeit.

Schnupfen

Da die gewöhnliche Erkältung durch über 200 verschiedene Virustypen ausgelöst werden kann, gibt es bis heute kein Mittel, das „die“ Erkältung in ihrer Ursache bekämpft. Häufige Erreger eines grippalen Infekts sind zum Beispiel Rhino-, Corona-, Adeno- und Respiratory-Syncytial-Viren, aber auch die Influenza-Viren (Grippeviren). Wird wegen der untypischen Beschwerden von einer „Erkältung“ gesprochen, so kann dies also sehr wohl eine – wenngleich milde verlaufende – Grippe-Infektion sein. Da die „echte Grippe“ (Influenza) lebensbedrohend sein kann, ist es wichtig, im Frühstadium, wenn eine Therapie optimal wirkt, zwischen einer Erkältung und einer Grippe zu unterscheiden.

Die Therapie wird vorrangig zur Erleichterung der Beschwerden durchgeführt. Antibiotika wird der Arzt nur dann verabreichen, wenn es zu bakteriellen Zweitinfektionen (Superinfektionen) gekommen ist, weil derartige Medikamente ansonsten keinen oder nur einen geringen Nutzen aufweisen.

Erkältung: Definition

Erkältungskrankheiten sind überwiegend durch Viren ausgelöste, akute Infektionen der oberen Atemwege. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit einer Schwächung des Immunsystems, etwa durch Stress oder Einwirkung von Kälte. Im Mittel leiden Erwachsene zwei- bis fünfmal im Jahr an einer Erkältung, Kinder im Vorschulalter sogar vier- bis achtmal.

Wird wegen der untypischen Beschwerden von einer „Erkältung“ gesprochen, so kann unter Umständen auch eine milde verlaufende Grippe-Infektion die Ursache sein. Da die „echte Grippe“ (Influenza) lebensbedrohend sein kann, ist es wichtig, im Frühstadium zwischen einer Erkältung und einer Grippe zu unterscheiden.

Erkältung: Ursachen

Zahlreiche Krankheitserreger können Erkältungskrankheiten über eine Tröpfcheninfektion auslösen. In der Mehrzahl der Fälle sind es Viren, am häufigsten die Rhinoviren (25 bis30 Prozent). Coronaviren sind in etwa 10 Prozent der Fälle für Erkältungen verantwortlich. Häufig sind auch Adeno-, Myxo-, Echo-, Respiratory-Syncytial (RS)-, Parainfluenza- und Influenzaviren an einer Infektion beteiligt. Gerade letztere sind als Auslöser der Grippe bekannt. Daher kann eine vermeintliche Erkältung auch Kennzeichen eines milden Grippe-Verlaufs sein.

Ist der Körper durch die (virale) Erkältung geschwächt, haben es Bakterien einfacher, in den Körper einzudringen und sich auszubreiten. Wenn zusätzlich zur Erkältungssymptomatik auch Beschwerden durch eine bakterielle Infektion hinzukommen, spricht man von einer Misch- beziehungsweise Superinfektion. Meist handelt es sich bei den Bakterien um Streptokokken, Staphylokokken oder Pneumokokken. Sie sind oft für die schweren Komplikationen einer Erkältung verantwortlich.

Erkältung: Symptome

Eine Erkältung äußert sich die vielen Symptomen, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich schwer verlaufen können.

Allgemeinsymptome

Zu Beginn oder im Verlauf einer Erkältung treten unspezifische Beschwerden auf wie Frösteln, erhöhte Temperatur, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Kopf- oder Gliederschmerzen. Vor allem Kinder klagen gelegentlich auch über Fieber.

Das anfängliche Kitzeln in der Nase mit Niesreiz geht rasch in Schnupfen (akute Rhinitis) über. Durch die Entzündung der Nasenschleimhaut kommt es zu dem wässrigem bis schleimig-eitrigem Ausfluss (Sekretion). Die Nasenatmung ist behindert, das Riechvermögen beeinträchtigt und die Stimme auffallend nasal („durch die Nase gesprochen“). Durch auf- oder absteigende Ausbreitung der Entzündung kann es zu weiteren Beschwerden kommen.

Rachenentzündung

Im Anfangsstadium der Erkältung ist häufig die Rachenschleimhaut entzündet (akute Pharyngitis). Typische Beschwerden sind Kratzen und Trockenheitsgefühl im Hals sowie Schmerzen beim Schlucken.

Kehlkopfentzündung

Ist auch die Kehlkopfschleimhaut, insbesondere die Schleimhaut über den Stimmbändern, von der Entzündung betroffen (akute Laryngitis), kommt es zu Heiserkeit und Hustenreiz. Es können starke Halsschmerzen auftreten. In schweren Fällen kann auch die Stimme versagen.

Bei Kleinkindern kommt es im Rahmen einer Erkältung nicht selten zum Pseudokrupp.

Luftröhren- und Bronchien-Entzündung

Entzündungen der Luftröhren- und Bronchialschleimhaut (akute Tracheitis, akute Bronchitis) führen zu Husten mit schleimig-eitrigem Auswurf und oft auch zu Brustschmerzen.

Diese Symptome können natürlich auch bei anderen, ernsthaften Erkrankungen auftreten und müssen, wenn sie nicht eindeutig auf eine Erkältung zurückgeführt werden können, vom Arzt abgeklärt werden.

Erkältung: Diagnose

Die Diagnose lässt sich aus den geschilderten Beschwerden (Anamnese) und der Untersuchung (klinischer Befund) stellen. Bei der Untersuchung fallen in erster Linie die geröteten Nasen- und Rachenschleimhäute auf. Weißliche Beläge auf den Mandeln, auch Stippchen genannt, sind ein Hinweis auf eine bakterielle Mandelentzündung (Tonsillitis), die mit Antibiotika behandelt wird.

Insbesondere bei virusbedingten Atemwegsinfektionen kann die Abgrenzung zur Grippe schwierig sein. Hier hilft dem Arzt möglicherweise eine Untersuchung des Bluts auf bestimmte Entzündungsparameter.

Bei vorher gesunden Personen reichen Anamnese und Untersuchung vollkommen aus, um die Diagnose „Erkältung“ zu stellen. Besteht der Verdacht auf eine Lungenentzündung oder handelt es sich um einen untypischen oder langen Krankheitsverlauf, ordnet der Arzt eine Röntgenaufnahme der Lunge an. Zusätzlich wird das Blutbild bewertet. Bei Personen mit bekannter Lungenerkrankung kann der Speichel auf Krankheitserreger untersucht werden. Nur in seltenen Fällen ist eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) oder Computertomographie (CT) erforderlich.

Erkältung: Therapie

Die Behandlung der Erkältung erfolgt symptomatisch, das heißt, sie unterdrückt die unerwünschten Beschwerden der Erkrankung, bekämpft jedoch nicht die Ursache, da Antibiotika keine Wirkung gegen Viren haben.

Allgemeine Maßnahmen

Generell sind bei einer Erkältung zu empfehlen:

  • körperliche Schonung (etwa in Bezug auf Arbeit und Sport)
  • Feuchtinhalationen mit z.B. Kamillen- oder Salbeidampf
  • heiße Getränke mit Honig
  • warme Halswickel
  • Lutschtabletten
  • Stimmschonung
  • Rauchverbot

Daneben gibt es noch verschiedene „Hausmittel“ gegen Erkältung. Mancher schwört auf Ingwertee (frischer Ingwer in heißem Wasser, mit Zitronensaft und Honig), andere bevorzugen die Inhalation von Teebaum- oder Pfefferminzöl oder legen eine in Scheiben geschnittene Zwiebel auf das Nachtschränkchen, damit die Dämpfe den Schnupfen lindern.

Medikamente

Es gibt auf dem Markt zahlreiche Grippemittel, die das Krankheitsgefühl und gegebenenfalls Hals- oder Kopfschmerzen lindern. Abschwellende Nasentropfen erleichtern die Atmung und helfen bei Ohrenstechen oder so genannten „verlegten Ohren“. Gegen trockenen Reizhusten werden hustendämpfende kodeinhaltige Mittel für wenige Tage empfohlen. Bei Husten können schleimlösende Hustensäfte helfen. Mit Vorsicht sollten sie allerdings bei Kleinkindern und bei Personen mit Asthma angewendet werden, da diese Probleme haben, den Schleim auch auszuhusten.

Gegen Kopf- und Gliederschmerzen sind beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS)-haltige Präparate wirksam. Bei Kindern sollte man wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms davon absehen. Die Einnahme von ASS während einer Viruserkrankung kann zu diesem schweren Krankheitsbild – mit Erbrechen, Verwirrtheit, Krampfanfällen bis zum Koma – führen, in deren Verlauf es zu diffusen Hirn- und Leberschäden kommt. Während im Frühstadium eine Heilung noch möglich ist, geht das Vollbild des Reye-Syndroms mit einer Sterblichkeit von etwa 70 Prozent einher.

Früher wurden bei Erkältungskrankheiten gerne Antibiotika verabreicht. Heute weiß man: Bei akuten Atemwegsinfektionen helfen sie nur bedingt oder gar nicht. Besteht aber ein Hinweis für eine bakterielle Entzündung, so ist unter ärztlicher Aufsicht die Behandlung mit einem Antibiotikum anzuraten.

Alternative Heilmittel

Zahlreiche alternative Heilverfahren wie zum Beispiel die Phytotherapie, Homöopathie oder Akupunktur werden zur Behandlung wie zur Abwehr von Erkältungen eingesetzt. Ob sie wirklich helfen, wird häufig diskutiert. In aktuellen Meta-Analysen wird die Wirksamkeit homöopathischer Heilmittel mit der von Plazebos (Scheinmedikamenten) verglichen. Es sollte generell der Rat eines mit der jeweiligen Methode vertrauten Arzts, Apothekers oder Heilpraktikers eingeholt werden.

Erkältung: Verlauf

Nach acht bis zehn Tagen klingt die Erkältung meist ab. Komplikationen sind selten. Wird die Erkältung jedoch „übergangen“, steigt das Komplikationsrisiko.

Komplikationen

Herzmuskelentzündung

Die durch Viren verursachte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach einer Erkältung ist extrem selten. Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Kurzatmigkeit und rasche Ermüdbarkeit.

Bakterielle Superinfektion

Durch eine zusätzliche bakterielle Infektion (Superinfektion) können die Erkältungsbeschwerden verschlimmert werden. Typisches Zeichen ist die eitrige, gelblich-grünliche Sekretion der entzündeten Schleimhaut. Auch Fieber ist bei einer bakteriellen Infektion häufiger. Die Ausbreitung der Bakterien kann zu folgenden Erkrankungen führen:

Erkältung: Vorbeugen

Es gibt keine sichere Prophylaxe gegen eine Erkältung. Empfehlenswert sind vitaminreiche Ernährung (besonders Vitamin C) und ausreichend Bewegung, wodurch das Immunsystem gestärkt wird. Regelmäßige Saunagänge halten die Immunabwehr des Körpers fit und helfen so, Erkrankungen vorzubeugen. Kontraproduktiv sind Saunagänge dagegen während einer akuten Erkältung beziehungsweise Grippe. Wenn möglich, sollte man den Kontakt mit Erkälteten meiden (z. B. in überfüllten Wartesälen zur Winterzeit).

Sauna

Sauna stärkt das Immunsystem

Die Grippeschutzimpfung hilft nur gegen die echte Grippe und nicht gegen eine Erkältung. Bei der Grippe handelt es sich um eine plötzliche, fieberhafte, nicht selten auch lebensbedrohliche Erkrankung, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird. Entsprechend der weltweit aktuell verbreiteten Influenza-Viren, wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) jährlich eine geeignete Antigenkombination als Impfstoff empfohlen. Daher hilft die Impfung nur, wenn sie jedes Jahr neu erfolgt. Den Schutz durch eine Impfung sollte man ernst nehmen!

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Erkältung”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Veröffentlicht in:  on at 6:45 Kommentar schreiben
Tags:

Unterkühlung und Erfrierung

Erfrierungen und Unterkühlungen sind in unserer heutigen Zeit eher seltene Krankheitsbilder. Bei einer Unterkühlung wird die Körperkerntemperatur z.B. infolge niedriger Temperaturen, unzureichender Bekleidung oder nasser Kleidung herabgesetzt.

Die Blutgefäße der Akren (vom Rumpf entfernte Gliedmaßen wie Nase, Ohren, Finger und Zehen) ziehen sich zusammen, um noch ausreichend Blut für die inneren Organe und somit für die Lebenserhaltung bereitstellen zu können (Kreislaufzentralisation). Dies führt zu verminderter Durchblutung in den Akren, Erfrierungen können die Folge sein.

Erste Hilfe sollte keinesfalls in Form von Bewegung oder Massieren der betroffenen Gliedmaßen oder plötzliches Aufwärmen (heißes Bad) sein, da dies zu einem Kreislaufkollaps und sogar zum Tod führen kann. Vielmehr muss der Körper langsam aufgewärmt werden, etwa durch warme, zuckerhaltige Getränke, beheizte Räume oder im Wasserbad, dessen Temperatur nur langsam erhöht wird.

Erfrierung: Definition

Erfrierungen und Unterkühlungen sind heutzutage eher seltene Krankheitsbilder. Aber vor nicht allzu langer Zeit, gehörten sie oft zum Alltag. Napoleons Feldzug mit rund 600.000 Soldaten im Jahr 1812 gegen Russland wurde praktisch nicht von der gegnerischen Armee gestoppt, sondern durch Hunger und Kälte. Nur ein Teil dieser Armee kam, erheblich dezimiert und halb erfroren und verhungert, wieder nach Hause.

Auch wenn dieses Beispiel eine Extremsituation darstellt, so sind Unterkühlungen und Erfrierungen auch in unserer hochtechnisierten Welt möglich. Dies betrifft z.B. Menschen, die ohne festen Wohnsitz bei starken Kälteeinbrüchen diesen Wetterbedingungen über lange Zeit ausgesetzt sind, alkoholisierte und/oder verletzte Personen, oder auch Wintersportler, die im Hochgebirge ihrem Skivergnügen oder Extremsportarten nachgehen und unter Umständen sehr schnell aufgrund von Unterkühlungen und/oder Erfrierungen in Gefahrensituationen kommen. Aber auch Kinder, besonders Säuglinge, können schnell unter Unterkühlungen oder Erfrierungen leiden. Ihr Stoffwechsel kann große Temperaturunterschiede noch nicht ausreichend kompensieren, wie etwa durch Zittern, um den Körper aufzuwärmen.

Unterkühlung

Eine Unterkühlung (Hypothermie), also das Herabsetzen der Körperkerntemperatur, muss von einer Erfrierung, also Gewebeschädigungen aufgrund lokaler Kälteeinwirkungen, unterschieden werden.

Per Definition besteht eine Unterkühlung, wenn die Körperkerntemperatur unter 37°C fällt. Je nach Auslöser einer Unterkühlung unterscheidet man zwei Formen:

  • akzidentelle Hypothermie: Darunter versteht man eine sehr rasche Unterkühlung, z.B. beim Einbrechen durch zu dünnes Eis auf einem See. In derartigen Fällen beträgt die Überlebenszeit bei einer Wassertemperatur von +5°C höchstens eine Stunde. Infolge eines Herzkammerflimmerns kann der Tod aber auch bereits innerhalb von Minuten eintreten. Und bereits nach wenigen Minuten sind die Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit, wichtige Handlungen auszuführen, bereits stark eingeschränkt.
  • subakute akzidentelle Hypothermie: Bei einer derartigen Unterkühlung, wie sie z.B. beim Verschütten im Schnee durch eine Lawine auftreten kann, sinkt die Körperkerntemperatur nur allmählich innerhalb von Stunden ab. Der Verschüttete schläft ein und wird bewusstlos. Bei einem weiteren Absinken der Körperkerntemperatur kommt es dann zum Tod.

Erfrierung

Eine Erfrierung resultiert häufig aus einer Unterkühlung. Sie äußert sich in einer lokalen Schädigung des Gewebes. Besonders betroffen sind Gliedmaßen, die weiter vom Rumpf, also den zentralen Organen, entfernt sind, wie Zehen, Ohren, Nase und Finger. Durch die Unterkühlung ziehen sich die Blutgefäße dieser Gliedmaßen zusammen, um den inneren Organen ausreichend Blut zur Verfügung zu stellen. In Folge kommt es in den minderversorgten Bereichen durch die reduzierte Sauerstoffzufuhr zu unterschiedlich schweren Gewebeschädigungen. Dies wiederum führt dazu, dass Wasser aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe eindringt (Ödembildung) und hier zu Schwellungen führt. Durch den daraus resultierenden Wassermangel wiederum verdickt das Blut bis hin zur Verklumpung, was sich als weitere rote Schwellung mit Blässe im umliegenden Gewebe äußert.

Kälteverbrennung

Zuweilen kommt es zu einer besonderen Form der Erfrierung, der Kälteverbrennung. Sie entsteht durch plötzlichen, kurzen Kontakt mit extrem kalten Gegenständen und hat eine ähnliche Auswirkung wie eine echte Verbrennung.

Kälte-Idiothie

In der Kriminalistik werden immer wieder Fälle bekannt, in denen erfrorene Menschen aufgefunden wurden, die teilweise oder auch ganz entkleidet waren. Natürlich wurde und wird dabei sofort an ein Verbrechen, insbesondere an ein Sexualverbrechen gedacht. Aber es hat sich bei einer Reihe von Fällen gezeigt, dass Menschen in der Situation des Erfrierens selber derartige Handlungen vorgenommen hatten.

Die Erklärung für dieses sehr merkwürdige Verhalten ist nicht eindeutig. So könnten bestimmte durch den Kälteschock freigesetzte Substanzen im Gehirn zu derartigen Verhaltensweisen führen. Es wird aber auch eine Fehlreaktion der Wärmeregulierung mit der Folge einer pathologischen Hyperthermie als Ursache diskutiert. Aufgrund des dabei auftretenden extremen Hitzegefühls wirft die Person dann ihre Kleider fort, um sich eine vermeintliche Abkühlung zu verschaffen.

Erfrierung: Ursachen

Ursache für eine Unterkühlung und der häufig daraus resultierenden Erfrierung ist zunächst eine besonders niedrige Temperatur, die durch Wind und Feuchtigkeit unterstützt werden kann. So resultieren Kälteeinwirkungen nicht nur aus den absoluten und physikalisch messbaren Kältegraden, sondern auch aus der gleichzeitig herrschenden (Luft)feuchtigkeit und vorhandenen Winden bzw. Stürmen.

Kanadische und amerikanische Wissenschaftler versuchten im Jahr 1941, dies in einem Wind-Kälte-Faktor (wind chill factor) auszudrücken. In den 1970er Jahren wurden die damaligen Erkenntnisse verfeinert und mithilfe einer mathematischen Gleichung dargestellt. So ergibt sich bei einer physikalisch messbaren Temperatur von z.B. -11°C bei Vorhandensein eines Winds mit einer Geschwindigkeit von rund 18 m/s eine „gefühlte“ Temperatur von -30°C. Unter diesen Umständen kann es daher sehr viel schneller vor allem zu lokalen Erfrierungen kommen als ohne den Wind.

Hinzu kommen können

  • unzureichende Bekleidung
  • zu wenig aktive Bewegung in der Kälte
  • ein zu langer Aufenthalt im Wasser _ etwa durch Sturz ins Wasser bei niedrigen Temperaturen oder selbst im Sommer im Schwimmbad
  • feuchte Kleidung
  • bewusstloses Liegen in der Kälte
  • alte Frostschäden
  • Akklimatisation, Training und Erfahrung
  • individueller Körperzustand (Fettpolster)
  • körperlicher Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzungen)

Wenn der menschliche Körper längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist und die Körpertemperatur dabei unter 37°C sinkt, erhöht der Körper nicht nur die Wärmeproduktion, sondern reduziert auch die Wärmeabgabe. Dabei haben die Extremitäten wegen ihrer großen Oberfläche eine wichtige thermische Regulationsfunktion. Der Kältereiz führt zu einer Zusammenziehung der peripheren Blutgefäße (Vasokonstriktion) und somit zur Drosselung der Blutzufuhr, das Blut versorgt dann primär den Körperstamm (Kreislaufzentrierung). Dieser Prozess ist ein wirksamer Selbstschutz für den Gesamtorganismus, wobei jedoch lokale Erfrierungen in Kauf genommen werden.

Erfrierung: Symptome

Unterkühlung

Die Unterkühlung (Hypothermie) betrifft den gesamten Körper und lässt sich sehr leicht mittels einer Messung der verringerten Körperkerntemperatur feststellen. Sie kann in zwei Formen (akzidentelle und subakute akzidentelle Hypothermie) und drei Schweregraden auftreten:

  • Aktive Phase: leichte Unterkühlung, Körperkerntemperatur 34 bis 37°C, äußert sich durch Zittern, Frösteln, tiefe Atmung, schnellen Herzschlag, blasse Haut
  • Erschöpfungsphase: mittelschwere Unterkühlung, Körperkerntemperatur 30 bis 34°C, äußert sich durch Schläfrigkeit, langsamen Puls, niedrigen Blutdruck, blaugraue Haut, Teilnahmslosigkeit
  • Kreislaufstillstand: schwere Unterkühlung, Körperkerntemperatur unter 30°C, äußert sich durch Bewusstlosigkeit, flache Atmung bis Atemstillstand, unrhythmischen Herzschlag oder Herz-Kreislaufstillstand

Erfrierung

Die Folge einer lokalen Kälteeinwirkung und damit einer Minderdurchblutung ist ein Sauerstoffmangel in den entsprechenden Gebieten (Nase, Ohren, Finger). Dieser Mangel bewirkt eine Erfrierung, d.h. einen Gewebeschaden, der bis zum Zelltod reichen kann.

Erfrierungen werden in drei verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Grad I: Die betroffene Stelle kühlt ab und ist besonders blass, leicht geschwollen und schmerzt. Im Allgemeinen sind keine Spätfolgen nach der Abheilung zu erwarten.
  • Grad II: Dieser Schweregrad wird erst nach Wiedererwärmung sichtbar. Er ist durch Rötung, Schwellung und Blasenbildung, in erster Linie an Füßen und Händen, z.B. nach Verlust der Handschuhe, gekennzeichnet. Homogene, helle Blasen zeigen eine günstige Prognose. Ist der Blaseninhalt dagegen eher blutig, ist mit einem längeren Heilungsverlauf zu rechnen. Zerreißen die Blasen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. Es besteht die Gefahr einer Infektion, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.
  • Grad III ist die schwerste Form der Erfrierung. Sie ist durch Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) mit schwarzer, eingetrockneter Haut und hartem Unterhautzellgewebe charakterisiert. Das Ausmaß lässt sich erst nach Tagen und Wochen feststellen. Es sind vorwiegend jene Körperstellen betroffen, die neben dem Kälteeinfluss auch noch eine Druckeinwirkung, z.B. durch zu enges Schuhwerk, aushalten müssen. Die betroffenen Areale sind durch völlige Gefühllosigkeit auch nach dem Auftauen charakterisiert. An der Grenze zwischen dem lebenden und abgestorbenen Gewebe bildet sich nach Wochen und Monaten eine Demarkationsfurche aus.

Jede Erfrierung erscheint anfangs wie eine Erfrierung ersten Grads. Das Ausmaß einer Erfrierung dritten Grads ist unter Umständen erst nach Wochen erkennbar.

Jede Erfrierung II. und III. Grads erfordert eine Krankenhausbehandlung.

Erfrierung: Diagnose

Unterkühlung

Eine Unterkühlung kann durch folgende Maßnahmen festgestellt werden:

  • Bei eingetretener Bewusstlosigkeit gibt die Messung der Körperkerntemperatur (im Enddarm über dem Darmausgang, oder in der Mundhöhle) genauere Auskunft über die Phase der Unterkühlung.
  • Beobachtung der Bewusstseinslage: Extreme Müdigkeit bis zur unüberwindlichen Schlafsucht, zunehmende Verwirrtheit und verminderte und unkoordinierte Muskeltätigkeit weisen auf eine Unterkühlung hin.
  • Eine elektromyographische Ableitung der Reizleitung am Herzen (EKG) gibt Auskunft über Störungen der Reizleitung.
  • Eine Analyse der Blutgase (Messung von Sauerstoffgehalt und pH-Wert des Bluts) gibt Auskunft über die aktuelle Stoffwechsellage des Körpers sowie Hinweise auf Verschiebungen im Ionenhaushalt.

Erfrierung

Eine Erfrierung wird über eine Befragung des Patienten (Anamnese) und das jeweilige klinische Bild, wie z.B. Verfärbungen der Haut, Blasenbildung, Schwellungen und Schmerzen, diagnostiziert.

Erfrierung: Therapie

Bei einer Unterkühlung oder Erfrierung muss umgehend gehandelt werden. Bei Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte Folgendes beachtet werden:

  • Langsames Erwärmen des Körpers, z.B. in geheizten Räumen und mit warmen, gezuckerten Getränken.
  • Eintauchen des betroffenen Körperabschnitts in ein lauwarmes Wasserbad (bei 10°C beginnen) und Erwärmung mit heißem Wasser, jedoch nur soweit, wie der Kältegeschädigte es schmerzmäßig gerade noch aushält (Achtung, durch die Erfrierung ist die Hautempfindung deutlich herabgesetzt). Aufwärmen nur sehr langsam und höchstens bis 38°C Wassertemperatur.
  • Blasen nicht öffnen, stattdessen steril abdecken.
  • Betroffene Extremität hoch lagern, jedoch zuviel Bewegung sowie Druck vermeiden.
  • Bei Blasenbildung passiver Abtransport, dann auch klinische Behandlung notwendig.
  • Den erfrorenen Körperteil vor weiterer Kälteeinwirkung schützen, nasse Kleider durch trockene ersetzen.
  • Wärmen des erfrorenen Körperteils am eigenen Körper (z.B. Hand in die Achselhöhle legen).
  • Zufuhr von fremder Körperwärme (z.B. kältegeschädigten Fuß in die Achselhöhle der helfenden Person legen).
  • Sterile, trockene Verbände anbringen, keine Salbenauflage.
  • Wenn nur eine leichte Unterkühlung vorliegt: betroffene Extremität aktiv bewegen, da durch Muskelarbeit die Wärmebildung des Körpers erhöht wird.
  • Bei geringfügigen Erfrierungen selbstständiges Gehen, bei schweren Erfrierungen passiver Abtransport.
  • Keine Medikamente, außer Thrombozytenaggregationshemmer (Acetylsalicylsäure).

Unbeding zu vermeiden

Unbedingt vermeiden sollte man:

  • Einreiben mit Schnee und massieren: Dies führt zu schwersten Gewebeschäden und zum Herz-Kreislaufkollaps, da sich das kalte Blut durch den gesamten Körper verteilt.
  • Erwärmung durch Anhauchen: Dabei entsteht Verdunstungskälte, welche die Erfrierung nur noch fördert.
  • Rauchen: Rauchen verengt die Blutgefäße und verschlimmert dadurch die Mangeldurchblutung
  • Wärmezufuhr von außen (Bad etc.): Die Wärmezuführung von außen birgt die Gefahr eines Wiedererwärmungsschocks, da bei Eröffnung peripherer Gefäßgebiete kaltes Blut in die zentralen und lebenswichtigen Körperregionen gelangt. Dies führt zu einem Temperaturabfall von etwa 0,5-1°C. Der erneute Abfall der Kerntemperatur sowie die blutchemischen Veränderungen lösen Störungen im Reizleitungssystem des Herzens aus, die tödlich enden können (Herz-Kreislauf- und Atemstillstand).
  • Erschütterungen: Ebenso müssen beim Retten des Unterkühlten aus dem Gefahrenbereich Lageänderungen und Erschütterungen vermieden werden, da die Gefahr des „Bergungstods“ durch Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) besteht.

Ärztliche/klinische Behandlung

  • Parenterale Verabreichung von Schmerzmitteln (Spritze, Infusion).
  • Lokalbehandlung der Blasen durch sterile Verbände.
  • Legen einer intravenösen Infusion (+Anti-sludge-Präparate – niedermolekulares Heparin).

Blasen werden unter sterilen Bedingungen eröffnet und die Wundfläche lokal mittels Salben (mit antibiotischen Substanzen) behandelt. Häufig muss man dabei abwarten, bis sich das Vollbild einer lokalen Gewebsschädigung (Nekrose) ausgebildet hat, was unter Umständen bis zu mehreren Wochen dauern kann. Das abgestorbene Gewebe bildet einen trockenen Schorf, der sich nach Wochen bis Monaten zum Gesunden abgrenzt und unter Umständen bei einer ausbleibenden Infektion einfach abfällt (zum Beispiel an den Fingerspitzen).

Betrifft die Erfrierung ein größeres Areal, wie zum Beispiel einen gesamten Fuß, so kann es unter extrem ungünstigen Umständen durch eine sehr tiefe Gewebeschädigung eine Teilamputation notwendig sein.

Künstliche Niere

Mithilfe der künstlichen Niere können Wiedererwärmungsversuche bei Temperaturabfällen unter 30°C erfolgreich sein. Die Hämodialyse ist aus drei Gründen zu empfehlen:

  • In Europa ist sie fast flächendeckend zu erreichen.
  • Sie erlaubt eine Erwärmung vom Körperkern her.
  • Schwere Elektrolytstörungen und metabolische Abweichungen können schnell mitkorrigiert werden.

Erfrierung: Verlauf

Komplikationen

Durch unsachgemäße Erste Hilfe kann es bei einer Unterkühlung oder Erfrierung zu schweren Gewebeschädigungen und Herz-Kreislaufversagen sowie zum Atemstillstand kommen.

Komplikationen und Spätfolgen von Erfrierungen bestehen vor allem in

  • Frostbeulen (Perniones)
  • Verdickung der Hornschicht (Hyperkeratosen) und Verhornungsstörungen (Parakeratosen)
  • Hautatrophien (Gewebeschwund)
  • Pigmentationen
  • Ödembildung
  • Blutverdickung bis hin zur venösen Thrombose
  • Wundinfektionen

Prognose

Unterkühlungen können schnell übersehen werden, besonders wenn andere Schädigungen z.B. bei Verkehrsunfällen vorliegen. Bei einer verzögerten Therapie kann es zu ernsten Organschädigungen und im Extremfall zu einem tödlichen Ausgang kommen. Ist die rechtzeitige Erwärmung der Körperkerntemperatur ohne Komplikationen (z.B. Herzrhythmusstörungen) gelungen, ist allerdings kaum mit ernsten Folgen zu rechnen. Tritt eine Unterkühlung mit anderen schweren Verletzungen kombiniert auf, dann kann sie zur Verschlechterung der Gesamtsituation führen. Daher sollte jede Art einer Unterkühlung unbedingt vermieden werden.

Bei Erfrierungen I. Grads können bei langwieriger Abheilung der Wundflächen Narben entstehen. Ist eine sehr lange und extreme Kälteexposition eingetreten, liegen also Erfrierungen III. Grads vor, ist eine Amputation im Extremfall nicht auszuschließen.

Erfrierung: Vorbeugen

Bei einem vernünftigen Verhalten und einer angemessenen Kleidung muss sich niemand den Spaß an den Winterfreuden nehmen lassen. Es sollte jedoch stets daran gedacht werden, dass der Mensch ein Warmblütler und kein wechselwarmes Reptil ist, auch wenn er sich mit entsprechender Kleidung und Anpassung der Lebensumstände die eisigen Regionen der Erde erobert hat. Dafür waren aber Umsicht und ebenso ein entsprechendes Verhalten Voraussetzung.

Wichtig ist das frühzeitige Erkennen einer Unterkühlung oder Erfrierung. Rechtzeitig sollte die entsprechende Körperpartie vorsichtig erwärmt werden: Die Hände z.B. kann man zu einer warmen Körperpartie (Achselhöhlen, Bauch oder den Schritt) bringen, beginnende Erfrierungen im Gesicht mit warmen Händen bedecken. Dies sollte an einem windgeschützten Ort geschehen. Aktive Bewegung, wie Gymnastik oder ein Bewegen der Extremitäten, ist in diesem Stadium hilfreich, da es die Durchblutung fördert. Gleichzeitig muss daran gedacht werden, nasse Handschuhe etc. zu wechseln. Das so genannte „Zwiebelschalenprinzip“, also mehrere Kleidungsstücke übereinander anzuziehen, hilft oft mit, Erfrierungen zu vermeiden. Beengende Riemen oder Schnallen sollten gelockert werden. Dies aber nur dann, wenn gleichzeitig keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!

Veröffentlicht in:  on at 6:43 Kommentar schreiben
Tags:

Erektile Impotenz (Erektile Dysfunktion)

Von erektiler Impotenz (Erektile Dysfunktion) sind etwa 50 Prozent der über 40-jährigen Männer zumindest zeitweise betroffen. Der Anteil nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Die erektile Dysfunktion ist eine Form der Potenzstörung.

Die Ursachen für Impotenz sind vielfältig. Psychische Faktoren kommen ebenso in Frage wie innere Erkrankungen, Hormonstörungen, Nervenschädigungen sowie Nebenwirkungen bestimmter Medikamente. Dabei kann eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion (Versteifung) des Penis nicht oder nur teilweise erreicht und aufrecht erhalten werden.

Die Therapie einer erektilen Impotenz besteht einerseits aus psychologischer Betreuung, andererseits kann die Erektion mit Spritzen, Tabletten, mechanischen Hilfsmitteln oder einem Harnröhrenapplikator gefördert werden. Die medikamentöse Behandlung muss aufgrund möglicher Gegenanzeigen und Nebenwirkungen unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Erektile Impotenz: Definition

Von erektiler Impotenz (Erektile Dysfunktion) sind etwa 50 Prozent der über 40-Jährigen Männer zumindest zeitweise betroffen. Der Anteil nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Ist die erektile Impotenz schon immer vorhanden gewesen, spricht man von einer primären Erektionsstörung. Tritt die erektile Impotenz spontan oder in bestimmten Situationen auf, spricht man von einer sekundären Erektionsstörung.

Es gibt zwei verschiedene Formen der erektile Impotenz:

  • Impotentia coeundi
  • Impotentia generandi

Impotentia coeundi

Unter Impotentia coeundi versteht man die Unfähigkeit, den Beischlaf auszuüben. Dabei kann beim Mann keine ausreichend lange Erektion (Versteifung des Glieds) für den Beischlaf erreicht werden. Man spricht in diesem Fall von erektiler Dysfunktion. Unter diese Bezeichnung fällt ebenso die ejakulatorische Impotenz. Hierbei kann kein Samenerguss erzielt werden oder der Zeitpunkt des Orgasmus kann nicht kontrolliert werden. Dabei kommt es häufiger zum vorzeitigen Samenerguss (Ejaculatio praecox) als zum verzögerten Erguss (Ejaculatio retarda).

Aber auch Frauen können von Impotentia coeundi betroffen sein. Bei ihnen ist ebenfalls die Erregung gestört, was sich in unzureichender Feuchtigkeit der Vagina äußern kann.

Impotentia generandi

Fehlt die Fähigkeit zur Fortpflanzung, so spricht man von einer Impotentia generandi oder Sterilität (Zeugungsunfähigkeit bei Männern, Unfruchtbarkeit bei Frauen). Die Impotentia generandi kann gemeinsam mit der Impotentia coeundi auftreten.

Erektile Impotenz: Ursachen

Die Ursachen für erektile Impotenz (Erektile Dysfunktion) sind vielfältig und treten meist kombiniert auf. Bei jüngeren Männern überwiegen psychische gegenüber körperlichen Ursachen. Dagegen steigt bei fortschreitendem Alter der Anteil körperlicher Ursachen an.

Die Ursachen für erektile Impotenz können in arteriellen oder venösen Durchblutungsstörungen liegen sowie nervlich oder hormonell bedingt sein. Zu den möglichen Ursachen zählen:

Medikamente

Auch Medikamente können erektile Impotenz hervorrufen:

Erektile Impotenz: Symptome

Erektile Impotenz (Erektile Dysfunktion) äußert sich dadurch, dass sich das männliche Glied für einen befriedigenden Sexualverkehr nicht ausreichend versteift beziehungsweise dass die Erektion nicht aufrecht erhalten werden kann. Der Orgasmus oder der Samenerguss können nicht kontrolliert werden oder verlaufen unabhängig voneinander. Es kann zum vorzeitigen Samenerguss (Ejaculatio praecox) oder zum verzögerten Samenerguss (Ejaculatio retarda) kommen.

Erektile Impotenz: Diagnose

Wichtig in der Diagnose von erektiler Impotenz (Erektile Dysfunktion) ist die Patientenbefragung (Anamnese). Aufgrund der vielfältigen möglichen Ursachen muss neben der körperlichen Untersuchung und der Untersuchung der Blutwerte immer auch die soziale Komponente berücksichtigt werden.

Um die Ursachen einzugrenzen, werden für die Diagnostik von erektiler Impotenz besondere Verfahren eingesetzt.

Beim gesunden Mann treten in den Tiefschlafphasen unwillkürliche Erektionen auf. Diese lassen sich mithilfe von Messgeräten nachweisen. In diesen Fällen ist die Ursache der erektilen Dysfunktion vermutlich keine körperliche Störung.

Wenn ein männliches Sexualhormon (aus der Gruppe der Prostaglandine) in einen Schwellkörper gespritzt wird (Schwellkörperinjektionstest, SKIT), kann für gewöhnlich innerhalb von 15 Minuten eine Erektion erreicht werden, die etwa 15 bis 40 Minuten anhält. Mittels Ultraschall (farbkodierte Dopplersonographie) kann nun die Durchblutung des Glieds überprüft werden. Durch Nikotingenuss oder Stress bei der Untersuchung kann der Test jedoch verfälscht werden.

In besonderen Fällen kann die arterielle Blutversorgung des Penis mithilfe von Kontrastmitteln im Röntgenbild dargestellt werden. Ist der Blutabfluss über die Venen krankhaft gesteigert, kann eine Kavernosonographie durchgeführt werden. Dabei wird über die Schwellkörper Kontrastmittel eingebracht und anschließend mit Röntgenstrahlung auf einem bewegten Röntgenfilm der Abfluss aus den Schwellkörpern verfolgt und dokumentiert.

Neurogene Störungen, also Störungen der Nervenversorgung im Penis, können durch elektrische Reize erkannt werden. Dieser Test ist besonders bei Diabetikern von großer Bedeutung.

Erektile Impotenz: Therapie

Die Behandlung von körperlich bedingter erektiler Impotenz (Erektile Dysfunktion) kann medikamentös erfolgen oder über verschiedene Hilfsmittel. In seltenen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Begleitend zur Therapie der erektilen Impotenz sollte psychologische Betreuung in Anspruch genommen werden. Die Therapie von psychisch bedingter erektiler Impotenz sollte zunächst in einer Psychotherapie bestehen.

Erektile Impotenz medikamentös behandeln

Mithilfe verschiedener Medikamente können Männer heutzutage erektile Impotenz medikamentös behandeln und so eine Erektion erreichen und aufrecht erhalten. Selektive Phosphodiesterasehemmer beispielsweise führen zu einer direkten Durchblutung des Penis. Die Einnahme erfolgt vor dem geplanten Sexualverkehr und nicht häufiger als einmal in 24 Stunden. Da es zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungen kommen kann, sind Potenzmittel verschreibungspflichtig. Nebenwirkungen können Kopfschmerzen und Schwindel, Hautrötung mit Hitzegefühl, Sodbrennen, Übelkeit sowie eine verstopfte Nase sein.

Komplikationen

Besonders Sildenafil kann zu einer Blutdrucksenkung führen und damit die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente verstärken. Die gleichzeitige Einnahme von Nitraten (z.B. bei Herzpatienten) oder Molsidomin kann lebensbedrohlich sein und muss daher vermieden werden. Außerdem sollte beachtet werden, dass jegliche sexuelle Aktivität auch ohne die Verwendung von Medikamenten mit einer Belastung des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht. Personen mit Herzinsuffizienz, Angina pectoris, einem kürzlich erlittenen Schlaganfall oder einem Herzinfarkt sollten keine Potenzmittel verwenden.

Alle derzeit auf dem Markt erhältlichen Medikamente gegen erektile Impotenz sind verschreibungspflichtig und sollten genau nach den Angaben des Arztes eingenommen werden.

Schwellkörper-Autoinjektionstherapie

Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie wird ein gefäßerweiternder Wirkstoff ( Alprostadil, Papaverin) in einen Schwellkörper des Penis injiziert. Die Injektion kann nach Erlernen vom Betroffenen selbst vorgenommen werden. Bei sachgerechter Anwendung sind die Nebenwirkungen gering. Wird die Injektion vom Betroffenen selbst durchgeführt, sollte alle drei Monate eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Die Schwellkörperinjektion ist nicht schmerzhaft. Sie wird mit einer extrem dünnen Kanüle durchgeführt. Die Verwendung von Fertigspritzen (Caverject) erleichtert die Handhabung. In Europa werden Prostaglandine wie Alprostadil gegenüber Papaverin bevorzugt, weil ein Priapismus, also eine schmerzhafte Dauererektion ohne sexuelle Erregung, als Nebenwirkung seltener auftritt (0,5 Prozent).

Penis

Anwendung der Autoinjektionstherapie

Komplikationen

Da der Wirkstoff über die ableitenden Venen auch im Körper verteilt wird, kann es zu allgemeinen Nebenwirkungen wie Schwindel, Blutdruckabfall und starkem Erröten der Haut (Flush) kommen. Personen mit niedrigem Blutdruck, Sichelzellenanämie oder einer Blutungsneigung sollten die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie nicht anwenden.

In seltenen Fällen kann bei der Schwellkörperinjektion ein Priapismus auftreten. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und ärztlich behandelt werden muss. Unbehandelt führt ein Priapismus zu einer Fibrose und dauerhafter erektiler Impotenz. Bei der Behandlung des Priapismus wird Blut aus dem Schwellkörper abgesaugt oder ein abschwellendes Medikament eingespritzt.

Applikator

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei erektiler Impotenz (Erektile Dysfunktion) besteht aus einem stäbchenförmigen Applikator aus Kunststoff. Dieser Applikator enthält ein 1,4 Millimeter dickes Stäbchen, welches Alprostadil enthält. Nach dem Wasserlassen wird der Applikator in die Harnröhre eingeführt. Durch Knopfdruck wird der Harnröhrenstab, der den Wirkstoff enthält, in die Harnröhre abgegeben.

Nach Entfernung des Applikators wird der Penis zwischen den Handflächen gerollt, damit sich der Wirkstoff in der Harnröhre auflösen, verteilen und durch die Harnröhrenwand aufgenommen werden kann. Durch das resorbierte Alprostadil entspannt sich die glatte Muskulatur, die Durchblutung wird gesteigert und es kommt zur Erektion.

Komplikationen

Männer, die ein erhöhtes Risiko für Priapismus haben (Sichelzellenanämie, Thrombozytämie, Polyzytämie, multiples Myelom, Thrombosegefährdung) oder an Herz- Kreislauf-Erkrankungen leiden, dürfen diese Therapieform nicht anwenden. Auch eine erhöhte Blutungsneigung gilt als Kontraindikation, da es beim Einführen des Applikators zu kleinen Blutungen aus der Harnröhrenschleimhaut kommen kann. Obgleich geringe Mengen von Prostaglandinen in der Samenflüssigkeit enthalten sind, können geringe zusätzliche Mengen, die vom aufgelösten Applikatorstab herrühren, an den Sexualpartner abgegeben werden. Daher sollte beim Verkehr mit schwangeren Frauen oder gegen Prostaglandine sensibilisierten Sexualpartnern ein Kondom benutzt werden. Als Nebenwirkung treten in etwa dreißig Prozent der Fälle Penisschmerzen auf. Außerdem kann es zu Brennen beim Wasserlassen kommen.

Psychologische Betreuung

Erektile Impotenz (Erektile Dysfunktion) wird häufig durch Leistungsdruck und Erwartungshaltungen in der Sexualität verursacht. Mit der Zeit können Versagensängste entstehen, welche die erektile Impotenz noch verstärken. Daher ist es wichtig, dass beide Partner Methoden erlernen und der Erfolgsdruck vermindert wird. Die Art der Behandlung ist auf jeden Patienten individuell ausgerichtet.

Bypass-Operation

In seltenen Fällen, wie bei Verletzungen oder Gefäßverschlüssen, kann eine Bypass-Operation sinnvoll sein. Dabei wird eine neue Verbindung für das ausgefallene Gefäß geschaffen.

Mechanische Hilfsmittel

Vakuumpumpen

Vakuumpumpen sind bei allen Formen von erektiler Impotenz anwendbar. Sie bestehen aus einem durchsichtigen Kunststoffzylinder, der über einen Schlauch mit einer Handpumpe verbunden wird. Über das Zylinderende wird ein stramm sitzender Gummiring gezogen. Anschließend wird der Zylinder auf den Penis aufgesetzt. Die Pumpe erzeugt im Zylinder einen Unterdruck, der Penis füllt sich mit Blut und es kommt zur Erektion.

Anschließend wird der auf dem Kunststoffzylinder sitzende Gummiring auf die Peniswurzel abgestreift. Dies verhindert, dass das Blut wieder abläuft und erhält so die Erektion. Wird der Ring nach dem Verkehr entfernt, lässt die Erektion wieder nach. Bei dieser Methode besteht jedoch die Gefahr von Durchblutungsstörungen im Penis. Daher sollten Vakuumpumpen nicht angewendet werden, wenn Durchblutungsstörungen, Leukämie oder eine Sichelzellenanämie vorliegt.

Penisimplantat

Patienten, bei denen medikamentöse oder mechanische Verfahren zur Behandlung der erektilen Impotenz versagen, bleibt oft nur noch ein Penisimplantat. Operativ wird in den Penis eine Prothese aus Kunststoff eingesetzt. Man unterscheidet so genannte semirigide Implantate von hydraulischen Penisprothesen. Semirigide Implantate sind einfach einzusetzen, jedoch kosmetisch unbefriedigend, weil sie zu einer Dauererektion führen. Hydraulische Implantate dagegen können vom Patienten selbst über eine Blase, die in den Hodensack implantiert wird, aufgepumpt werden.

Komplikationen

Das Einsetzen eines Penisimplantats ist aufgrund des komplizierten Mechanismus aufwendig. Als unerwünschte Nebenwirkungen können Verhärtungen (Fibrosen) und Infektionen auftreten. Bei hydraulischen Prothesen kann das System außerdem mit der Zeit undicht werden. Bei der Prothesenimplantation werden die Schwellkörper teilweise entfernt. Der Zustand vor dem Eingriff kann deshalb nach einer derartigen Operation nicht wiederhergestellt werden.

Erektile Impotenz: Verlauf

Der Verlauf der erektilen Impotenz (Erektile Dysfunktion) ist abhängig davon, in welchem Maß die Ursache therapiert werden kann. Die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten hängt demnach eng mit der jeweiligen Ursache zusammen.

Im Gegensatz zu einer erektilen Impotenz aufgrund körperlicher Ursachen ist eine erektile Impotenz aus psychischen Gründen meist ein vorübergehendes Problem.

Erektile Impotenz: Vorbeugen

Erektile Impotenz (Erektile Dysfunktion) kann verschiedenste Ursachen haben. Daher ist es nur bedingt möglich, erektiler Impotenz vorzubeugen. Es ist jedoch wichtig, sich selbst beziehungsweise den Partner nicht unter Druck zu setzen, da dies die Probleme vertiefen und zu einem Teufelskreis führen kann.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V.
Ein gemeinnütziger Verein, dessen Anliegen es ist, Menschen mit sexuellen Funktionsstörungen vielfältige und vertrauliche Hilfen anzubieten.

ImpoDoc.de
Ein Informationsangebot über Impotenz (Erektile Dysfunktion) und sexuelle Funktionsstörungen.

Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)
Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen aus der Sicht von Betroffenen.

Buchtipps:

Vom Bauchnabel abwärts – Das Gesundheitsbuch für den Mann

Dr. André Reitz buch_reitz_gesundheitsbuch.jpg192 Seiten, Hirzel, 2007 Männer scheuen sich oft, zum Spezialisten zu gehen, wenn sie Probleme unterhalb des Bauchnabels plagen. Doch viele Krankheiten lassen sich nur behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Dieses Buch informiert verständlich und kurzweilig über alle wichtigen Fragen der Männergesundheit von der Erektion und ihren Störungen über Fruchtbarkeit und Prostatabeschwerden bis zur Sexualität im Alter. Der Autor weiß, was Männer bewegt; er berichtet aus seiner Erfahrung als Urologe.

Direkt bestellen bei Amazon

Nur für Männer!

Dr. Michael Despeghel, Dr. Thomas Kreutzig buch_kreutzig_maenner.jpg144 Seiten, vgs, 2006 Ein gesunder und fitter Körper – das ist ein Thema, für das sich der durchschnittliche Mann nach wie vor nur bedingt interessiert. „Gesund leben? Das ist Frauensache!“ – so lautet oft die Devise. Doch spätestens bei den Themen Potenz und Zeugungsfähigkeit, Stressresistenz und Schlafstörungen, Bauchansatz und schlaffer Hintern wird deutlich, dass Gesundheitsthemen auch den Männerkörper betreffen können. Im Ratgeber „Nur für Männer!“ widmen sich zwei Spezialisten diesen klassischen „Männernproblemen“ mit Einfühlungsvermögen und kompetenten Sachverstand. Sie erläutern neben vielen anderen Themen, was man bei der Vorsorge beachten muss, thematisieren falsche Ernährung und den Umgang mit Alkohol und Zigaretten, stellen Stressbewältigungsstrategien vor, erklären, was man über die männliche Potenz wissen sollte, und beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Männerärzte.

Direkt bestellen bei Amazon

Sexuelle Störungen und ihre Behandlung

Volkmar Sigusch buch_sigusch_sexuelle_stoer.gif390 Seiten, Thieme, 2006 Die durchweg positive Aufnahme des Buches und seine große Verbreitung haben es innerhalb weniger Jahre zum Standardwerk werden lassen. Zusammen mit namhaften Expertinnen und Experten präsentiert Volkmar Sigusch, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft im Klinikum der Universität Frankfurt am Main, das gegenwärtige sexualmedizinische und sexualtherapeutische Wissen. Alle in der Praxis vorkommenden Probleme werden gründlich und differenziert behandelt: Partnerschaftskonflikte, sexuelle Erlebens- und Funktionsstörungen, konflikthafte heterosexuelle, homosexuelle, perverse und transsexuelle Entwicklungen, Geschlechtsidentitätsstörungen, sexuelle Traumatisierungen, sexueller Missbrauch und Sexualdelinquenz. Körpermedizinische Therapien wie SKAT, MUSE oder Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer werden ebenso ernsthaft erörtert wie alle wichtigen psychotherapeutischen Verfahren von der Psychoanalyse bis hin zur Paartherapie.

Direkt bestellen bei Amazon

Steh deinen Mann!

Frank Sommer, Michael Schophaus buch_sommer_maennerges.jpg208 Seiten, Ksel, 2007 Gesundheit für Männer – Fit in Körper und Kopf; Männer holen auf in Sachen Gesundheit: Sie leben bewusster, treiben mehr Sport, achten auf körperliche und seelische Warnsignale und sprechen offener über ihre sexuellen Wünsche. Dieses Buch hilft mit seinem Präventionsansatz, lange gesund zu bleiben. · Gesundheit für Männer jeden Alters · Mit vielen Farbfotos, Tests und praktischen Übungen

Direkt bestellen bei Amazon

Erblindung

Als Blindheit wird nicht nur die vollständige Erblindung bezeichnet, sondern auch eine Norm-Sehschärfe, die auf dem besseren Auge nicht mehr als zwei Prozent beträgt. In den Industrieländern sind Erkrankungen der Netzhaut die häufigste Ursache für eine Erblindung.

Die Möglichkeiten, eine Erblindung therapeutisch zu behandeln, sind in der Regel begrenzt. Bei einigen akuten Geschehen, wie dem Verschluss eines Netzhautgefäßesim Auge, kann die Sehschärfe im frühen Stadium unter Umständen verbessert werden. Bei akuten Beschwerden ist es daher dringend zu empfehlen, sofort zum Augenarzt zu gehen.

Erblindung: Definition

Es gibt viele verschiedene Augenerkrankungen, die über kurz oder lang zu einer Erblindung eines oder beider Augen führen können. Bei manchen Erkrankungen erfolgt die Erblindung eines oder beider Augen plötzlich.

Per Definition gilt neben Personen, die auf beiden Augen vollständig erblindet sind, auch derjenige als blind oder hochgradig sehbehindert, der auf dem besser sehenden Auge nicht mehr als zwei Prozent der Norm-Sehschärfe besitzt.

Häufigkeit

In den industrialisierten Ländern stellen Erkrankungen der Netzhaut die häufigste Ursache für eine Erblindung dar. Die Hauptursache für Blindheit und hochgradige Sehbehinderung in Deutschland ist die altersabhängige Makuladegeneration mit 50 Prozent. Danach folgen das Glaukom mit 18 Prozent und die diabetische Retinopathie mit 17 Prozent. Weitere häufige Erblindungsursachen sind der graue Star (Katarakt) mit fünf Prozent sowie Hornhauttrübungen mit drei Prozent. In Deutschland leben rund 164.000 blinde Menschen. Die Anzahl sehbehinderter Personen liegt bei knapp einer Million.

Erblindung: Ursachen

Die häufigsten Netzhauterkrankungen, die zur Erblindung führen, sind die altersabhängige Makuladegeneration sowie die durch Diabetes mellitus hervorgerufenen Netzhautveränderungen. Auch der grüne Star (Glaukom) sowie der graue Star (Katarakt) sind häufig Ursache für eine Erblindung.

Eine plötzliche, in der Regel einseitige Erblindung, die nicht mit Schmerzen verbunden ist, kann durch einen Gefäßverschluss bedingt sein. Dieser Verschluss kann ein zentrales Blutgefäß der Netzhaut oder ein versorgendes Gefäß des Sehnervs betreffen. Auch Blutungen unter die Netzhaut oder in den Glaskörper können dafür verantwortlich sein, dass sich das Sehvermögen eines Auges plötzlich verschlechtert.

Eine plötzliche beidseitige Erblindung ist eher selten. Ursächlich sind dafür meistens Prozesse im Hirnbereich, wie Blutungen, Ödeme, Gefäßverschlüsse oder schwere Verletzungen.

In Entwicklungsländern spielen andere Ursachen, wie beispielsweise Infektionen (Bilharziose, Trachom u.a.), eine wesentliche Rolle als Ursache von Erblindung.

Erblindung: Symptome

Auf dem betroffenen Auge ist die Sehschärfe stark herabsetzt. Bei absoluter Blindheit kann das Auge kein Licht mehr wahrnehmen.

Die Erblindung kann schleichend über viele Jahre erfolgen oder aber auch innerhalb von Sekunden auftreten, wie beispielsweise bei einem Gefäßverschluss. Die Betroffenen beschreiben diese jähe Erblindung gelegentlich so, als wäre plötzlich das Licht ausgeschaltet worden.

Erblindung: Diagnose

Der Betroffene bemerkt in erster Linie selbst, dass er nichts oder kaum noch etwas sieht. Augenärztliche Untersuchungen bestätigen den Sehverlust.

Die Ursache der Erblindung kann nur der Augenarzt feststellen, indem er Sehschärfe, Pupillenreaktion, vordere Augenabschnitte, Augenhintergrund, eventuell Gesichtsfeld und andere Funktionen des Auges untersucht. Gelegentlich sind bildgebende Untersuchungen (CT, MRT) des Gehirns sowie eine neurologische Untersuchung erforderlich.

Erblindung: Therapie

In der Regel ist es nicht möglich, das Sehen auf einem erblindeten Auge wieder herzustellen, zumindest dann nicht, wenn die Netzhaut oder der Sehnerv erkrankt sind. Bei einigen akuten Geschehen ist eine Therapie bedingt möglich. Bei Gefäßverschlüssen beispielsweise kann mit durchblutungsfördernden Maßnahmen oder einer Lysetherapie gelegentlich das Sehvermögen verbessert werden. Dabei ist jedoch eine frühzeitige Therapie wichtig.

Erblindung: Verlauf

Die Prognose der Erblindung hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen ist die Prognose allerdings nicht gut und der Sehverlust bleibt bestehen. Aus diesem Grund sind die Rehabilitation, deren Ziel es ist, Erblindeten eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen, sowie die rechtzeitige Früherkennung von Erkrankungen am Auge besonders wichtig.

Erblindung: Vorbeugen

Die besten Maßnahmen, um einer Erblindung vorzubeugen, bestehen darin, die Augen regelmäßig durch den Augenarzt kontrollieren zu lassen, sie bei gefährlichen Tätigkeiten zu schützen und alle Augenerkrankungen ausreichend zu therapieren.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Erblindung”:

Linktipps:

Buchtipps:

Checkliste Augenheilkunde

Burk, Annelie; Burk, Reinhard buch_checkliste_augenheilkunde_burk.jpg603 Seiten, 2005 Die komplette Augenheilkunde – für Einblick, Überblick und Durchblick im klinischen Alltag Die klinische und apparative ophthalmologische Diagnostik finden Sie im grauen Teil – umfassend und genau! Der grüne Teil bietet Ihnen häufige und wichtige Leitsymptome und Leitbefunde mit Ihren Differenzialdiagnosen – differenziert und übersichtlich! Alle wichtigen ophthalmologischen Krankheitsbilder inklusive Leitbild, Diagnostik und Therapieoptionen sind beinhaltet im blauen Teil – vollständig und aktuell! Operationsmethoden und konservative Therapieverfahren werden im roten Teil beschrieben – verständlich und leicht nachvollziehbar! Im Anhang finden Sie Informationen zu wichtigen Themen wie z.B. Begutachtung, Legasthenie – hilfreich und informativ!

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on at 6:33 Kommentar schreiben
Tags:

Dellwarzen (Molluscum contagiosum)

Dellwarzen (Molluscum contagiosum, Mollusken) sind vor allem bei Kindern vorkommende kleine, zentral eingedellte Warzen. Sie werden durch ein Virus, das Poxvirus mollusci, ausgelöst und übertragen.

Vor allem Kinder mit Neurodermitis sind häufig von Dellwarzen betroffen. Dellwarzen treten bevorzugt in der Genital- und Achselregion, den Kniekehlen, den Augenlider und am seitlichen Brustkorb auf.

Die Diagnose ist durch das typische Aussehen der Warzen einfach. Die Behandlung besteht darin, die Dellwarzen mit dem so genannten scharfen Löffel in örtlicher Betäubung oder Allgemeinanästhesie abzutragen; eine mögliche Alternative ist die Entfernung mit dem Laser oder die Kryotherapie, bei der die Warzen vereist werden. In vielen Fällen bedürfen Dellwarzen jedoch keiner Behandlung und heilen von alleine ab.

Epithelioma contagiosum: Definition

Dellwarzen oder Mollusken sind stecknadelkopf- bis erbsengroße, zentral eingedellte Warzen, die durch eine bestimmte Gruppe von Pockenviren (Poxvirus mollusci) hervorgerufen und durch direkten Körperkontakt übertragen werden.

Sie sind weltweit verbreitet und kommen besonders bei Kindern, Erwachsenen unter Kortisontherapie und bei Personen mit einer Immunschwäche vor.

Epithelioma contagiosum: Ursachen

Dellwarzen (Molluscum contagiosum) entstehen aufgrund einer gutartigen Viruserkrankung der Haut. Sie werden durch den Erreger Poxvirus mollusci übertragen. Die Ansteckung erfolgt als Schmierinfektion über poröse oder leicht verletzte Haut in Schwimmbädern, im häuslichen Bereich oder durch sexuellen Kontakt.

Erreger

Der Erreger der Dellwarzen, das Poxvirus mollusci, gehört zur Gruppe der Poxviren wie auch das Virus, welches die echten Pocken hervorruft. Es handelt sich um 300 nm große Partikel, so genannte Quaderviren, die kaum noch im Lichtmikroskop gesehen werden können. Der Erreger kommt weltweit vor, insbesondere jedoch auf den Inseln des pazifischen Ozeans.

Epithelioma contagiosum: Symptome

Etwa zwei bis sieben Wochen nach der Ansteckung treten die ersten Symptome auf. Dellwarzen sind durch stecknadelkopfgroße, weißliche bis blassrosa farbene Papeln gekennzeichnet, welche in der Mitte nach innen gewölbt (gedellt) sind. Unter Druck entweicht ein weißlicher Brei aus der Warze.

Dellwarzen kommen isoliert oder in Gruppen vor und treten in der Genitalregion oder am Gesäß, aber auch im Gesicht, am Hals, auf den Augenlidern, in der Achselregion und an der seitlichen Brustwand auf. Besonders bei Personen mit atopischem Ekzem (Neurodermitis) kommt es leicht zu einer Selbstinfektion, das heißt die Dellwarzen werden am eigenen Körper übertragen und können sich so vermehren.

Epithelioma contagiosum: Diagnose

Die Diagnose wird durch das typische Erscheinungsbild der Dellwarzen erleichert.

Dellwarzen können besonders im Anfangsstadium durch das äußere Erscheinungsbild mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Genitalwarzen (Condylomata acuminata), gewöhnlichen Warzen (Verrucae vulgares) oder Fettablagerungen an der Haut (Xanthomen) verwechselt werden. Um im Zweifelsfall andere Warzenformen oder bösartige Veränderungen der Haut auszuschließen, kann eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie) und mikroskopisch untersucht werden.

Epithelioma contagiosum: Therapie

Bei einem Großteil der Betroffenen bilden sich die Dellwarzen nach sechs bis neun Monaten spontan zurück, sodass oft keine Therapie erforderlich ist. Bestehende Dellwarzen können jedoch auch chirurgisch mit dem so genannten scharfen Löffel, ein scharfrandiges Instrument zum Abkratzen der Warzen, oder mithilfe einer speziellen Pinzette abgetragen werden. Einzelne Dellwarzen werden meist in örtlicher Betäubung entfernt. Sind größere Hautflächen betroffen, wird vor allem bei kleinen Kindern oft eine Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) durchgeführt.

Darüber hinaus ist es möglich, Warzen vereisen zu lassen (Kryotherapie). Die Abtragung mithilfe von Laser ist ebenfalls möglich.

Neben der mechanischen Entfernung können Dellwarzen bei großflächigem Befall auch mit speziellen Cremes oder Gels, welche Vitamin-A-Säure enthalten, behandelt werden.

Epithelioma contagiosum: Verlauf

Im Allgemeinen bilden sich Dellwarzen nach sechs bis neun Monaten spontan zurück, sodass von einem guten Verlauf auszugehen ist. Allerdings treten auch nach der Rückbildung oder der Entfernung häufig Rückfälle (Rezidive) auf.

Epithelioma contagiosum: Vorbeugen

Eine Vorbeugung gegen die Entstehung von Dellwarzen ist kaum möglich. Immungeschwächte Personen und Kinder mit Neurodermitis sind jedoch anfällig für die Infektion und sollten besonders auf die richtige Hygiene der Haut achten.

Epilepsie

Unter dem Begriff Epilepsie werden Krankheiten zusammengefasst, bei denen es durch unnormale nervliche Erregungsbildung im Gehirn zu Krampfanfällen, so genannten epileptischen Anfällen kommt. Diese wirken auf Unbeteiligte bedrohlich, klingen jedoch meist nach wenigen Minuten ab.

Bei so genannten idiopathischen Epilepsien liegen keine krankhaften Veränderungen des Gehirns vor. Symptomatische Epilepsien hingegen sind Folge einer zugrunde liegenden Krankheit oder Gehirnschädigung. Bei der Diagnose helfen die Anfallsbeschreibung durch anwesende Personen, ein Elektroenzephalogramm (EEG), bildgebende Verfahren (CT, MRT) und Blutuntersuchungen.

Symptomatische Formen der Epilepsie werden entsprechend der Ursache behandelt. Bei der idiopathischen Epilepsie ist es durch medikamentöse Behandlung meistens möglich, die Anfälle zu unterdrücken.

Eine Sonderform der Epilepsie, der Status epilepticus, dauert über 20 Minuten an. Er stellt einen lebensbedrohlichen Zustand dar.

Epilepsie: Definition

Unter dem Begriff Epilepsie werden Krankheiten zusammengefasst, bei denen es durch unnormale nervliche Erregungsbildung im Gehirn zu Krampfanfällen, so genannten epileptischen Anfällen kommt.

Die Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Diese können in Form von Krämpfen (Crampi), aber auch als unwillkürliche Bewegungsabläufe oder Dämmerzustände auftreten.

Häufigkeit

Die Prävalenz der Epilepsie, also die Anzahl der Erkrankten bezogen auf die Gesamtbevölkerung, beträgt etwa 0,5 bis ein Prozent. Die absolute Erkrankungshäufigkeit liegt in Deutschland bei rund 400.000 Erkrankten. Die jährliche Neuerkrankungsrate wird mit 50 Erkrankungen auf 100.000 Menschen angegeben. Die meisten Epilepsien treten im Kinds- und Jugendalter auf.

Epilepsie: Ursachen

Grundsätzlich sind für die Entstehung von epileptischen Krampfanfällen zwei Faktoren zu berücksichtigen: Krankhafte Entladungen in Gruppen von Nervenzellen (Depolarisationen) und eine gesteigerte Erregbarkeit der Nervenzellen.

Folgende Faktoren können einen epileptischen Anfall auslösen:

  • Schlafmangel
  • übermäßige Atmung (Hyperventilation)
  • Sauerstoffmangel
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • psychische Belastungssituationen

Je nach ihrer Ursache unterteilt man epileptische Anfälle in idiopathische und symptomatische Epilepsien.

Idiopathische Epilepsie

Epilepsien ohne erkennbare Ursache werden genuine oder idiopathische Epilepsien genannt. Bei ihnen ist keine im Gehirn gelegene Veränderung (Tumor, Hirnfehlbildung) oder stoffwechselbedingte Krankheit feststellbar. Idiopathische Epilepsien können erblich bedingt sein.

Symptomatische Epilepsie

Neben den idiopathischen Epilepsien gibt es die symptomatischen Epilepsien. Sie können auf strukturelle oder stoffwechselbedingte Störungen zurückgeführt werden, wie beispielsweise:

  • vorgeburtliche Hirnschädigungen
  • Hirnfehlbildungen
  • Tumoren
  • traumatische Hirnschädigungen
  • Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Vergiftungen

Epilepsie: Symptome

Die Symptome einer Epilepsie unterscheiden sich je nach ihrem Ursprungsort im Gehirn. Man unterscheidet dabei fokale und generalisierte Anfälle.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle einer Epilepsie breiten sich über beide Hirnhälften aus. Der Ausgangsort kann oft nicht genau festgelegt werden.

Zu den generalisierten Anfällen gehören sowohl mit Krämpfen einhergehende konvulsive als auch nicht-konvulsive Epilepsien. Beispiele für generalisierte Anfälle sind:

  • Bewusstseinstrübungen mit Gedächtnisverlust (Absencen)
  • Grand-Mal-Epilepsie (Großer Anfall), die begleitet wird von Aura (Sprachstörungen, Lichtblitz, Magenverstimmung)
  • eventuell ein Schrei zu Beginn des Anfalls (Initialschrei)
  • Sturz
  • rhythmische Krämpfe des gesamten Körpers
  • Zungenbiss (typischerweise am seitlichen Zungenrand)
  • unkontrollierter Urin- und Stuhlabgang

Man unterscheidet drei Phasen der konvulsiven, also mit Muskelkrämpfen verbundenen, Anfälle:

  • klonische Anfälle: unkoordinierte ruckartige Kontraktion der Muskeln
  • tonische Anfälle: kontinuierliche Kontraktion der Muskeln
  • tonisch-klonische Anfälle (tonische Phase): Muskelstarre aufgrund andauernder Kontraktion, geht für gewöhnlich nach 20 bis 40 Sekunden in einen tonischen Anfall über

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle bei einer Epilepsie gehen von einem umschriebenen Bezirk der Hirnrinde aus und bleiben meist auf bestimmte Regionen des Gehirns beschränkt. Sie können sich jedoch auch auf weitere Hirngebiete ausdehnen und in generalisierte Anfälle übergehen.

Einfach-fokale Anfälle

Einfach fokale Anfälle treten ohne Bewusstseinsstörungen auf. Es kommt zu isolierten motorischen oder sensiblen Störungen. Dies können sein:

  • Krämpfe oder Missempfindungen
  • Kribbeln
  • Taubheitsgefühl
  • Schmerzen
  • abnormes Temperaturempfinden an einem Arm oder Bein (Jackson-Anfall)

In einigen Fällen breiten sich die Empfindungen auf benachbarte Körperregionen aus. Außerdem können auftreten:

  • sensorische Störungen wie Lichteindrücke oder akustische Wahrnehmungen
  • autonome Störungen: Schweißausbrüche, Blässe, Übelkeit und Erbrechen, unkontrollierter Stuhl- oder Harnabgang
  • psychische Störungen (selten)

Komplex-fokale Anfälle

Komplex-fokale Anfälle sind mit Bewusstseinsstörungen verbunden. Sowohl ein einfach-fokaler Anfall als auch eine Bewusstseinsstörung selbst können den komplex-fokalen Anfall einleiten.

Epilepsie: Diagnose

Zentrale Bedeutung für die Diagnose von Epilepsien und der Unterscheidung von anderen Erkrankungen haben die klinische Analyse und die Beurteilung des Anfallsbilds. Auch Angaben von Dritten, die den Anfall beobachtet haben, sind in diesem Zusammenhang wichtig.

Das Elektroenzephalogramm (EEG) spielt eine wichtige Rolle für die Einordnung der Epilepsie. Methoden zur gewollten diagnostischen Provokation eines Anfalls sind zum Beispiel Schlafentzug oder Flackerlichtstimulation (Stroboskoplicht).

Spezielle Untersuchungsmethoden sind die 24-Stunden-EEG-Ableitung und die videoüberwachte EEG-Ableitung. Zum Ausschluss einer symptomatischen Epilepsie erfolgt nach einem Anfall eine Computertomographie (CT).

Anfallsursachen, die eine erweiterte Diagnostik erfordern, sind:

Epilepsie: Therapie

Bei einem akuten epileptischen Anfall müssen Sofortmaßnahmen ergriffen werden, um den Betroffenen zu schützen. Langfristig erfolgt eine Anfallsprophylaxe. Außerdem kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden.

Sofortmaßnahmen

Da epileptische Anfälle in der Regel nach einigen Minuten selbstständig abklingen, reicht es meistens, den Betroffenen vor Stürzen oder Verletzung zu schützen, indem man Gegenstände beiseite räumt. Um eine spätere ärztliche Therapie zu unterstützen, kann der Anfall beobachtet und die Dauer notiert werden.

Liegt ein Status epilepticus vor, dauert also der Anfall länger als fünf Minuten an und kommt es zur Bewusstlosigkeit, liegt ein akuter Notfall vor, der intensivmedizinisch versorgt werden muss.

Anfallsprophylaxe

Bei mehr als einem epileptischen Anfall pro Jahr besteht in der Regel eine Behandlungsnotwendigkeit. Bereits nach einem ersten Anfall wird behandelt, wenn nach Ergebnissen von EEG und anderer Diagnostik weitere Anfälle zu erwarten sind. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Art der Epilepsie, häufig kommen Carbamazepin, Valproinsäure oder Clonazepam zum Einsatz. Zunächst wird versucht, mit einem Medikament Anfallsfreiheit zu erreichen. Die Dosis wird langsam gesteigert, bis der empfohlene Blutspiegel erreicht ist. Manchmal werden auch Kombinationen von mehreren Präparaten eingesetzt.

Epilepsiechirurgie

Sofern eine Epilepsie auf die medikamentöse Therapie nicht anspricht, kann ein neurochirurgischer Eingriff notwendig werden. Dabei werden umschriebene Hirnareale chirurgisch entfernt. Die Methode birgt die Gefahr, dass bestimmte Hirnfunktionen beeinträchtigt werden. Art und Ausmaß der möglichen Nebenwirkungen nach einem solchen Eingriff sind mitunter schwer vorherzusagen. Deshalb wird sehr zurückhaltend über eine Operation entschieden.

Epilepsie: Verlauf

Komplikationen

Wenn mehrere generalisierte Anfälle aufeinanderfolgen, nennt man dies einen Status epilepticus. Der Epileptiker erlangt das Bewusstsein zwischen den einzelnen Anfällen nicht wieder. Beim Status epilepticus handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand.

Erlangt der Betroffene zwischen den Anfällen das Bewusstsein wieder, liegt eine Häufung von epileptischen Anfällen vor, die keinen Status epilepticus im Sinne der Definition darstellt.

Prognose

Etwa 60 bis 80 Prozent der von Epilepsie betroffenen werden unter einer medikamentösen Therapie anfallsfrei.

Bei Epileptikern, die Kraftfahrzeuge führen oder in großer Höhe arbeiten, kann ein Berufswechsel erforderlich sein. Unfälle, die durch einen epileptischen Anfall am Steuer verursacht werden, sind jedoch sehr selten. Zur Fahrtauglichkeit gibt es Richtlinien. Grundsätzlich besteht eine gesetzlich festgelegte Einschränkung.

Epilepsie: Vorbeugen

Der Krankheit Epilepsie kann man derzeit nicht vorbeugen. Es gibt jedoch verschiedene Maßnahmen, um einem Epileptiker während eines epileptischen Anfalls beizustehen:

  • Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren. Der Anfall wird in der Regel nicht lange dauern.
  • Wenn möglich, schauen Sie auf die Uhr. Dauert der Anfall länger als fünf bis zehn Minuten, rufen Sie einen Arzt. Auch wenn das Gesicht blau angelaufen ist, die Zuckungen nur vorübergehend abklingen oder die Verwirrtheit länger als 30 Minuten anhält, ist ärztliche Hilfe ratsam.
  • Räumen Sie alle Gegenstände außer Reichweite, die den Betroffenen verletzen könnten.
  • Versuchen Sie nicht, den Betroffenen festzuhalten. Dabei besteht Verletzungsgefahr für alle Beteiligten.
  • Lockern Sie eventuell die Kleidung.
  • Versuchen Sie nicht, dem Krampfenden etwas zwischen die Zähne zu schieben, um ihn vor dem Zungen- oder Wangenbiss zu schützen. Die Gefahr, den Betroffenen zu verletzen oder selbst gebissen zu werden, ist zu hoch.
  • Schicken Sie Zuschauer weg.
  • Sie müssen den Krampfenden nicht beatmen.
  • Warten Sie, bis der Betroffene das Bewusstsein wiedererlangt und fragen Sie ihn, ob er Hilfe braucht oder nach Hause begleitet werden möchte.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Epilepsie”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Epilepsievereinigung e.V.
Der Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen bietet Orientierungshilfe bei der Suche nach Unterstützung, Weiterbildung und Informationen. Broschüren zu den unterschiedlichsten Themen sind über die Homepage direkt zu beziehen.

www.epilepsien.de
Die Website richtet sich weniger an Betroffene. Allgemeine Informationen und Aufklärung über Epilepsien stehen im Vordergrund. In Geschichten und mit Geschichte wird das Thema Epilepsie visuell aufbereitet.

Das Epilepsie – Netzwerk
Umfangreiche Website mit Beiträgen von Betroffenen, Diskussionsforen, Listen von Selbsthilfegruppen, aktuellen News und einem Newsletter.

Deutsches Epilepsiemuseum in Kork
Eine umfangreiche Seite, die das Deutsche Epilepsiemuseum in Kork vorstellt. Neben prominenten Epilepsiekranken finden Sie hier massenweise Hintergrundwissen zur Epilepsie – beispielsweise zur Geschichte, Diagnostik, Therapie oder Kunst.

Veröffentlicht in:  on at 6:31 Kommentar schreiben
Tags:

Kehldeckelentzündung (Epiglottitis)

Bei der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) handelt es sich um eine seltene, lebensbedrohliche bakterielle Infektion des Kehldeckels, die vorwiegend bei Kindern auftritt.

Querschnitt des Gesichts, der Kehle

Die Kehle
Zum Vergrößern bitte anklicken

Krankheitserreger ist meist das Bakterium Haemophilus influenzae. Durch unterschiedlichen Kapselaufbau werden sechs Varianten (Typ A-F) unterschieden. Krankheitsauslösend ist fast immer Typ B. In seltenen Fällen kommen auch andere Bakterien als Krankheitsauslöser für eine Kehldeckelentzündung infrage, wie etwa Streptococcus pneumoniae.

Neben allgemeinen Krankheitssymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellung am Hals kommt es bei einer Epiglottitis rasch zu starken Halsschmerzen, Sprachschwierigkeiten und vermehrtem Speichelfluss. Die schnell zunehmende entzündliche Schwellung insbesondere des Kehldeckels (Epiglottis) führt zu Atemnot bis hin zu drohender Erstickung. Unverzügliche Krankenhauseinweisung, Sicherung der Atemwege (meist durch Intubation) und antibiotische Infusionen sind dringend notwendig und in der Regel lebensrettend. Durch eine Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae Typ B kann einer Kehldeckelentzündung vorgebeugt werden.

Epiglottitis: Definition

Die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) ist eine akute, lebensbedrohliche Entzündung des Kehlkopfs, insbesondere des Kehldeckels (Epiglottis). Sie ist durch eine massive Schleimhautschwellung gekennzeichnet. Die Epiglottitis ist eine bakterielle Infektionserkrankung, die vor allem im Anschluss an eine Mandelentzündung (Tonsillitis) auftreten kann.

Ausgelöst wird eine Kehldeckelentzündung vorwiegend durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, seltener durch Streptococcus pneumoniae.

Häufigkeit

Die Epiglottitis ist viel seltener als der meist weniger bedrohliche Pseudokrupp und betrifft in der Regel Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Die Krankheitsfälle treten vereinzelt (sporadisch) auf und es besteht kein eindeutiger Zusammenhang mit Jahreszeit, Allergien oder Luftverschmutzung. Seltener sind Erwachsene betroffen.

Anatomie

Durch den Kehlkopf (Larynx) gelangt die Luft in die Luftröhre (Trachea) und weiter in die Lunge. Der Kehlkopf besteht aus einem Gerüst aus mehreren Knorpeln, die durch die Kehlkopfmuskulatur bewegt werden. Etwa in der Mitte des Kehlkopfs liegen die Stimmbänder, die durch die Stimmritze getrennt sind. Wird diese durch Muskelarbeit eng gestellt, so entsteht durch den Luftstrom bei der Ausatmung ein Ton. Durch unterschiedliche Eng- und Weitstellung wird somit die Stimme ermöglicht.

Schematische Darstellung des Kehlkopfs

Kehlkopf

Die zweite Funktion des Kehlkopfs ist die Trennung von Luft- und Speiseröhre. Dies geschieht durch den Kehldeckel (Epiglottis), der sich beim Schlucken über den Kehlkopfeingang legt und so die Nahrung in die Speiseröhre lenkt und die Luftröhre vor Nahrungspartikeln schützt.

Epiglottitis: Symptome

Der Krankheitsbeginn einer Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) ist meist dramatisch und die betroffenen Kinder wirken innerhalb weniger Stunden schwer krank. Neben hohem Fieber, schweren Halsschmerzen und Schwellung der Halslymphknoten sind Nahrungsverweigerung, Sprachprobleme und vermehrter Speichelfluss typische Symptome. Durch rasch zunehmende Einengung des Kehlkopfs kommt es zu pfeifenden Atemgeräuschen beim Einatmen (inspiratorischer Stridor) und zu Atemnot bis hin zur Ateminsuffizienz mit drohender Erstickung. Im Gegensatz zum Pseudokrupp husten die Kinder meist nicht. Zudem besteht ein akuter Flüssigkeitsmangel.

Epiglottitis: Diagnose

Die Diagnose der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) erfolgt aus dem klinischen Bild. Blutbildveränderungen im Sinne einer bakteriellen Infektion können bei weniger schweren Verläufen Hinweis auf eine Epiglottitis sein.

Die Untersuchung wird in der Regel auf das Nötigste beschränkt, da gerade bei akuter Atemnot ein Erstickungsanfall ausgelöst werden kann. Meist kann die Diagnose einer Kehldeckelentzündung auf Verdacht aufgrund der typischen Beschwerden gestellt werden.

Epiglottitis: Therapie

Da es sich bei der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) um eine lebensbedrohliche Krankheit handelt, ist ein rascher Therapiebeginn dringend notwendig. Schon bei Verdacht auf Epiglottitis sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden. Der Transport sollte möglichst kurz sein und aufrecht sitzend in (not-)ärztlicher Begleitung erfolgen. Aufregungen sollten vermieden werden. Beruhigungsmittel sollten nicht verabreicht werden, da sie einen Atemstillstand bewirken können.

Bei einer Kehldeckelentzündung wird der Betroffene in der Regel frühzeitig intubiert (Einführen eines Schlauchs zur Beatmung), da dies mit zunehmender Schwellung des Kehldeckels schwieriger oder gar unmöglich wird. Mögliche lebensrettende Alternativen sind dann ein Adrenalin-Spray, Beatmung sowie ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie).

Neben der Sicherung der Atemwege ist eine intravenöse Therapie mit einem Antibiotikum mit breitem Wirkungsbereich erforderlich. Zusätzlich können Kortisonpräparate (Kortkoide), die entzündungshemmend und abschwellend wirken, verabreicht werden sowie Analgetika oder Antipyretika. Eine Inhalation mit Epinephrin lässt die Entzündung außerdem abschwellen, außerdem muss der Flüssigkeitsmangel ausgeglichen werden.

Epiglottitis: Verlauf

Bei rechtzeitiger und adäquater Therapie der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) kommt es meist innerhalb weniger Tage zur Besserung und die Erkrankung heilt ohne Folgeschäden ab. Bei unzureichender oder ausbleibender Therapie verläuft die Epiglottitis häufig tödlich.

Komplikationen

Eine gefürchtete Komplikation der Kehldeckelentzündung ist die Einengung der Atemwege mit drohender Erstickung. Außerdem kann sich aus einer Infektion mit Haemophilus influenzae eine Lungenentzündung entwickeln (Haemophilus influenzae-Pneumonie).

Epiglottitis: Vorbeugen

Durch eine Schutzimpfung (aktive Immunisierung) gegen Haemophilus influenzae Typ B, die generell für Säuglinge empfohlen wird, kann einer Kehldeckelentzündung vorgebeugt werden. Die geläufige Abkürzung für diese Impfung lautet Hib.