Die Bulimia nervosa oder Bulimie ist eine Essstörung, die in der Umgangssprache als Ess-Brech-Sucht bezeichnet wird. Sie geht mit Essanfällen und anschließend selbstausgelöstem Erbrechen sowie Missbrauch von Medikamenten einher. Dabei liegt die primäre Angst der Betroffenen in einer Gewichtszunahme.
Im Gegensatz zur Magersucht (Anorexia nervosa) oder Binge-Eating-Störung sind die von Bulimie Betroffenen meist normalgewichtig. Die Bulimie betrifft in der Regel Frauen. Die Ursachen der Bulimie reichen von psychischen und familiären Belastungen über biologische Faktoren bis hin zum gesellschaftlichen Schlankheitsideal.
Charakteristische Symptome einer Bulimie sind Essanfälle, Depressionen, in vielen Fällen Erbrechen und dadurch ausgelöste Folgeschäden (Karies, Elektrolytmangel). Die Betroffenen versuchen die Bulimie geheim zu halten, daher wird im Durchschnitt erst nach etwa fünf Jahren der erste Behandlungsversuch unternommen.
Die Therapie der Ess-Brech-Sucht beschäftigt sich mit der Normalisierung des Essverhaltens. Im Anschluss folgt die psychotherapeutische Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen. In einigen Fällen wird die Bulimie zusätzlich mit Medikamenten behandelt. Die Prognose der Bulimie hat sich in den letzten Jahren verbessert: In 40 Prozent der Fälle kommt es zu einer deutlichen, in 20 Prozent zu einer geringen Besserung. Allerdings verläuft die Bulimie in weiteren 40 Prozent der Fälle chronisch.
Ess-Brech-Sucht: Definition
Die Bezeichnung Bulimia nervosa, kurz Bulimie, bedeutet sinngemäß Ochsenhunger und steht für ein Krankheitsbild, das in der Umgangssprache häufig Ess-Brech-Sucht genannt wird. Das Wort nervosa deutet dabei auf die psychische Komponente der Bulimie hin. Die Bulimie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Essattacken, bei denen große Mengen kalorienhaltiger Nahrungsmittel verzehrt werden. Da die Betroffenen sich stark mit ihrem Gewicht beschäftigen und große Angst vor der Gewichtszunahme zeigen, wird bei der Bulimie nach den Essanfällen häufig erbrochen oder Abführmittel eingenommen. Zwischen den Essattacken wird versucht eine Diät einzuhalten. Die Betroffenen liegen bei der Bulimie mit ihrem Gewicht in der Regel im unteren Normbereich, zeigen aber häufig Zeichen der Mangelernährung.
Abgrenzung zu anderen Essstörungen
Neben der Anorexie oder Magersucht ist die Bulimie eine typische Essstörung. Die Unterscheidung zwischen Anorexie und Bulimie ist oft schwierig.
Gemeinsam ist die bei beiden Krankheiten auftretende extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Während bei der Anorexie starker Gewichtsverlust mit Untergewicht durch verminderte Nahrungsaufnahme im Vordergrund steht, ist das Hauptmerkmal der Bulimie das wiederholte Auftreten von Essattacken. Anorektische und bulimische Personen unterscheiden sich außerdem durch ihr Gewicht: Von einer Anorexie wird erst ab einem bestimmten Untergewicht gesprochen, während das Gewicht bei der Bulimie in der Regel im unteren Normbereich liegt. Gewichtsverlust oder das Halten des Gewichts können bei der Bulimie sowie bei der Anorexie durch Hungern und Diät und durch Erbrechen oder die Einnahme von Abführ- oder harntreibenden Mitteln herbeigeführt werden.
Man unterscheidet bei der Bulimie zwei verschiedene Typen:
- Purging-Typ: Essattacken treten gefolgt von Erbrechen oder anderen Maßnahmen, wie dem Einnehmen von Abführ- oder harntreibenden Mitteln, auf .
- Nicht-purging-Typ: Es liegen Essattacken ohne Erbrechen oder andere Maßnahmen vor.
Der Purging-Typ ist bei der Bulimie häufiger als der Nicht-purging-Typ. Die Bulimie ohne Erbrechen wird definitionsgemäß von der so genannten Binge-Eating-Störung abgegrenzt, bei der Essanfälle in Verbindung mit Übergewicht, schnellem Essen und Essen ohne Hungergefühl auftreten.
Häufigkeit
Von der Bulimie sind vor allem Frauen betroffen, obwohl der Anteil der Männer bei den Essstörungen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Auffällig ist, dass die Bulimie gehäuft in der Mittel- und Oberschicht auftritt. In der weiblichen Bevölkerung leiden in der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren etwa 2,5 Prozent an Bulimie. Bei der Hälfte der Betroffenen geht der Bulimie eine Anorexie voraus. Etwa 80 Prozent aller Bulimie-Patientinnen erkranken vor dem 22. Lebensjahr.
Etwa sechs Prozent der weiblichen Teenager berichten, dass sie Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln einsetzen, um Gewicht zu verlieren.
Ess-Brech-Sucht: Ursachen
Die einzelnen Ursachen einer Ess-Brecht-Sucht (Bulimie) sind in der Regel schwer zu erfassen und finden sich in der gesamten Lebensgeschichte der Betroffenen. Es handelt sich meist um eine Kombination psychologischer, biologischer, familiärer, genetischer, sozialer und umgebungsbedingter Faktoren. Die Bulimie ist eine so genannte multifaktoriell ausgelöste Erkrankung. Das bedeutet, dass man die Ursache nicht an einer einzigen Begebenheit, Eigenschaft oder einem Erlebnis festmachen kann. Die Bulimie entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Ursachen.
Bei vielen Betroffenen gehen belastende Ereignisse, z.B. der Tod eines Angehörigen oder besondere, überfordernde Leistungssituationen, der Bulimie als Auslöser voraus. Ebenso können traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, wie sexueller oder körperlicher Missbrauch, die Bulimie mit verursachen.
Neben Erklärungen für die Entstehung und Auslösung der Bulimie gibt es Vermutungen, wie die Störung aufrechterhalten wird. Das veränderte Essverhalten führt zu biologischen und psychologischen Konsequenzen, die bedingen, dass die Bulimie bestehen bleibt, obwohl die an der Entstehung beteiligten Faktoren nicht mehr vorhanden sind.
Gesellschaftliches Schlankheitsideal
In der westlichen Gesellschaft gilt ein Schönheitsideal, das insbesondere von Frauen einen schlanken Körper fordert. Diesem Ideal begegnet man Tag für Tag, beispielsweise in der Werbung. Etwa 20 Prozent aller Frauen machen daher regelmäßig eine Diät. Verläuft diese erfolgreich, erfahren die Personen häufig positive Konsequenzen, wie Komplimente oder Respekt. Gewichtskontrolle und Schlanksein können somit zu einer wichtigen Quelle des Selbstbewusstseins werden. Deshalb sind gerade junge Frauen, die während der Pubertät bezüglich ihres Körpers unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen.
Familiäre Einflüsse
Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass es bei der Bulimie einen bestimmten Familien-Prototyp gibt, der für die Entwicklung der Essstörung verantwortlich gemacht werden kann. Es sind jedoch häufig bestimmte Auffälligkeiten in der Familienstruktur zu finden. Bulimie-Patienten wachsen meist sehr behütet auf. In den Familien herrscht in der Regel ein erhöhter Leistungsdruck, Konflikte werden hingegen selten angesprochen und gelöst. Ob diese Faktoren tatsächlich eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der Bulimie spielen, ist umstritten. Betroffene der Bulimie haben häufig Schwierigkeiten, eine Selbstständigkeit zu entwickeln. Das kann einerseits die Folge der Überbehütung sein, es ist aber möglich, dass die mangelnde Selbstständigkeit erst dazu geführt hat, dass die Eltern sich besonders stark um ihr Kind kümmern.
Biologische Faktoren
Einen Hinweis auf mögliche genetische Ursachen einer Bulimie geben die erhöhten Risikozahlen für Verwandte Personen von Menschen mit Essstörungen. Eineiige Zwillinge haben bei erkranktem Zwilling beispielsweise ein sehr viel höheres Risiko eine Bulimie zu entwickeln als normale Geschwister. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Bulimie kann des Weiteren ein genetisch bedingter niedriger Energieverbrauch sein. In diesem Fall neigen die Betroffenen zu einem höheren Körpergewicht trotz normaler Nahrungsaufnahme.
Ess-Brech-Sucht: Symptome
Das Hauptmerkmal der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) ist das wiederholte Auftreten von Essanfällen. Während dieser Anfälle nehmen die Betroffenen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich, ohne die Nahrungsaufnahme kontrollieren zu können. Es handelt sich meist um kohlenhydrat- und kalorienreiche Speisen wie Gebäck, Schokolade, Kartoffelchips oder Pudding. Der Kalorienverbrauch kann bei einem Essanfall der Bulimie bis zu 10.000 Kalorien betragen. Die Anfälle treten in der Regel mehrmals wöchentlich, in einigen Fällen täglich, auf. Damit nicht auffällt, welche enormen Nahrungsmengen die Betroffenen verbrauchen, gehen sie häufig in viele Supermärkte, in denen sie jeweils nur eine kleine Menge einkaufen. 20 Prozent der Betroffenen haben Ladendiebstähle begangen, um sich Nahrungsmittel zu besorgen.
Bei der Bulimie leiden die Betroffenen unter einer so genannten Körperschema-Störung. Das bedeutet, dass sie sich selbst als dicker wahrnehmen als sie wirklich sind. Bulimische Personen beschäftigen sich andauernd und übertrieben mit ihrem Gewicht. Ihre Figur hat für sie eine entscheidende Bedeutung für ihr Selbstwertgefühl. Deshalb wird bei der Bulimie die nach dem Essanfall befürchtete Gewichtszunahme als sehr bedrohlich erlebt – viele der Betroffenen greifen zu Maßnahmen der Gewichtskontrolle. Dies geschieht meist durch das Herbeiführen des Erbrechens oder durch die Einnahme großer Mengen von Harn treibenden Medikamenten oder Abführmitteln. Durch diese Maßnahmen kommt es mit der Zeit zu körperlichen Veränderungen.
Durch das Erbrechen entwickelt sich Karies, außerdem entstehen Schwielen an den Fingern. Manchmal ist bei der Bulimie eine Schwellung der Speicheldrüsen zu beobachten. Durch die Einnahme von Abführ- oder harntreibenden Mitteln kann es zu Nebenwirkungen im Magen-Darm- oder Nierenbereich kommen. Zwischen den Anfällen leben die Betroffenen bei der Bulimie meist nach einer sehr strengen Diät oder betreiben übermäßig viel Sport. Als Konsequenz entwickelt sich ein Heißhunger. Insbesondere wenn zusätzlich Stress oder andere Belastungen auftreten, wird dadurch das Auftreten von Essanfällen begünstigt.
Durch die Abwechslung von Essanfällen und Diäten kann es bei der Bulimie zu starken Gewichtsschwankungen kommen. Im Durchschnitt bleibt das Gewicht jedoch im Normalbereich. Trotzdem treten bei der Bulimie Symptome der Mangelernährung auf. Es kommt zu Veränderungen im Vitamin- oder Elektrolythaushalt. Ein Kaliummangel kann in ausgeprägten Fällen zu Herzrhythmusstörungen führen. Durch die Fehlernährung treten bei der Bulimie außerdem hormonelle und Stoffwechselveränderungen auf, welche den Energieverbrauch herabsetzen. Unter diesen Bedingungen führt eine normale Kalorienzufuhr zu einer kurzfristigen Gewichtszunahme. In der Folge versuchen die Betroffenen ihr Gewicht verstärkt zu kontrollieren: ein Teufelskreis entsteht.
Auf psychologischer Ebene ist zu beobachten, dass das gestörte Essverhalten bei Bulimie häufig mit Veränderungen im Sozialverhalten einhergeht. Die Betroffenen ziehen sich von Freunden und Familie zurück und verlieren zunehmend das Interesse an anderen Dingen neben dem Essen und ihrem Gewicht. Die Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, was die Betroffenen wiederum motiviert durch die Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres zu erreichen.
Ess-Brech-Sucht: Diagnose
Die Ess-Brech-Such (Bulimie) kann anhand der Symptome sowie festgelegter Diagnosekriterien gestellt werden. Es ist empfehlenswert, ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und mit einer oder mehreren nahe stehenden Personen zu führen, um das Essverhalten und das Körperbild einschätzen zu können. Bei der Befragung werden testpsychologische Verfahren genutzt, um eventuelle Persönlichkeitsstörungen neben der Bulimie aufzudecken.
Die körperliche Untersuchung dient bei der Bulimie sowohl zur Diagnose als auch zur Einschätzung der durch die Bulimie entstandenen Folgen. Das Körpergewicht wird dabei mittels Body Mass Index (BMI) beurteilt. Des Weiteren achtet man bei der Untersuchung auf typische Veränderungen aufgrund der Bulimie, wie Zahnschäden, Speicheldrüsenschwellungen und Veränderungen der Hände. Messung von Puls, Blutdruck und Temperatur sowie eine neurologische Untersuchung schließen sich an. Im Blut werden neben Routineuntersuchungen die Elektrolyte oder auch die Nierenwerte überprüft. Aufgrund der bei der Bulimie durch den häufig auftretenden Kaliummangel verursachten Herzrhythmusstörungen untersucht man das Herz mittels EKG.
Ess-Brech-Sucht: Therapie
Die Therapie der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) kann in der Regel ambulant erfolgen. Eine stationäre Einweisung ist erst bei medizinischen Komplikationen, ausgeprägter psychischer Belastung oder unwirksamer ambulanter Behandlung der Bulimie nötig.
Die erste Maßnahme bei der Therapie der Ess-Brech-Sucht besteht darin, körperliche Beschwerden oder Veränderungen zu behandeln. Hierbei werden z.B. Elektrolytstörungen ausgeglichen. Da man annimmt, dass eine Bulimie Ausdruck einer tiefer liegenden psychischen Ursache ist, liegt der Schwerpunkt der Behandlung neben der Normalisierung des Essverhaltens auf der psychischen und verhaltensbedingten Ebene. Dazu werden langfristig verschiedene Methoden angewandt.
Essverhalten
Ein wichtiges Ziel der Langzeittherapie bei Bulimie ist eine Veränderung des Essverhaltens. Dabei wird nicht nur auf eine ausreichende Kalorienzufuhr, sondern auf eine angemessene Nahrungszusammensetzung und zeitliche Verteilung der Nahrungsaufnahme geachtet. Um dies zu erreichen, wird zunächst das Essverhalten untersucht. Danach wird über die biologischen und psychologischen Konsequenzen der Mangelernährung aufgeklärt. In einer abschließenden Übungsphase wird die Nahrungsaufnahme strukturiert. Häufig ist beim Ernährungsmanagement der Bulimie eine starke Kontrolle der Betroffenen notwendig, da diese sich zwar oft scheinbar auf die Ernährungsumstellung einlassen, aus Angst vor einer Gewichtszunahme aber heimlich gewichtsreduzierende Maßnahmen einsetzen. Es ist daher erfolgsversprechend, Belohnungen für das Einhalten der Therapie zu entwickeln.
Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden
Bei der Bulimie sind im Laufe der Erkrankung gewichtsregulierende Maßnahmen als eine Art der Problemlösung aufgrund der Angst vor der Gewichtszunahme anerkannt worden. Die Betroffenen sollen nun erlernen, auch ohne schlechtes Gewissen Nahrung zu sich zu nehmen und dem normalen Prozess der Verdauung nicht durch Abführmittel oder Erbrechen entgegenzusteuern. Die Angst vor einer Gewichtszunahme soll bei normaler Nahrungsaufnahme abnehmen, auch wenn keine gewichtsregulierenden Maßnahmen folgen.
Darüber hinaus werden die dem Verhalten zugrunde liegenden irrationalen Annahmen bearbeitet. So kann z.B. die Überzeugung, nur liebenswert zu sein, wenn man schlank ist, ein Motiv für die strikte Gewichtskontrolle sein. In diesem Fall wird mit der Betroffenen erarbeitet, welche anderen Eigenschaften einen Menschen liebenswürdig machen. Es ist außerdem ratsam Strategien zu erarbeiten, welche die Betroffenen unabhängiger von der Meinung anderer machen. Alternative Lebensinhalte und Quellen der Befriedigung neben der Beschäftigung mit dem Körpergewicht sind dabei sehr hilfreich. Es wird versucht, die Körperschema-Störung bei der Bulimie anhand von Übungen zu beseitigen oder zu vermindern.
Problemlösungsstrategien
Aufgrund der Tatsache, dass Ess- und Brechanfälle bei der Bulimie häufig nach Belastungssituationen auftreten, werden bei der Therapie andere Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress und Problemen eingeübt. Dazu wird z.B. der Betroffene in eine Situation gebracht, die gewöhnlich einen Essanfall auslöst. Er wird dann aber daran gehindert, dass dieser tatsächlich auftritt und aufgefordert, anderes Bewältigungsverhalten, z.B. eine Entspannungsübung, auszuführen.
Gestaltungstherapie
Bei der Mal- oder Musiktherapie sollen die Betroffenen die Möglichkeit bekommen, Gefühle und Konflikte auszudrücken, die sie nicht direkt mitteilen möchten oder können. Ein gemaltes Bild kann für den Therapeuten einen wichtigen Zugang zu dem Erleben der Bulimie bedeuten.
Medikamente
Der Einsatz von Medikamenten spielt bei der Bulimie eine untergeordnete Rolle, In manchen Fällen werden jedoch trizyklische oder serotonerge Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer verwendet. Die Hauptursachen für eine medikamentöse Therapie bei der Bulimie sind depressive Symptomatik oder die Prophylaxe eines Rückfalls. Dabei konnten bisher v.a. mit serotonergen Antidepressiva gute Ergebnisse erzielt werden.
Ess-Brech-Sucht: Verlauf
Zum Verlauf der Ess-Brech-Sucht ist relativ wenig bekannt, da die Bulimie erst seit 1980 als eigenständige Diagnose existiert. Man geht davon aus, dass sich unbehandelt Phasen mit geringer und stark ausgeprägter Symptomatik abwechseln. Als Konsequenz des Erbrechens treten medizinische Probleme auf. Es kommt bei der Bulimie häufig zu einem Kaliummangel, der Herzrhythmusstörungen bedingen kann. Darüber hinaus treten Entzündungen der Speiseröhre, Magenwandschädigungen, Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, erhebliche Schädigungen des Zahnschmelzes und Veränderung an Haut und Haaren auf. Durch das selbst ausgelöste Erbrechen kann die Mundhöhle verletzt werden, außerdem besteht Erstickungsgefahr, wenn Mageninhalt in die Luftröhre gelangt. Durch Missbrauch von Harn treibenden und abführenden Mittel kommt es bei der Bulimie, neben dem erwähnten Kaliummangel, zu schweren Störungen des Mineralstoffwechsels. Häufig leiden die Betroffenen der Bulimie an einer Mangelernährung, die zu Störungen des Hormonsystems führt. In der Folge bleibt die Menstruation aus, es kommt zu Unfruchtbarkeit, Energiemangel und Kälteempfindlichkeit. Aufgrund der immensen Ausgaben für Lebensmittel und Abführmittel treten finanzielle Schwierigkeiten auf.
Bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen kommt es zu depressiven Symptomen. Stimmungslabilität, Schuldgefühle und Suizidgedanken werden bei der Bulimie im Zusammenhang mit Ess- und Brechanfällen beobachtet. Essanfälle bedingen Selbstvorwürfe, die Betroffenen sind der Meinung sich selbst nicht ausreichend unter Kontrolle zu haben. Das Gefühl der Erleichterung nach dem Erbrechen ist von kurzer Dauer und wird von Niedergeschlagenheit abgelöst.
Im Durchschnitt besteht die Bulimie bereits fünf Jahre, ehe der erste Behandlungsversuch unternommen wird. Das ist v.a. darauf zurückzuführen, dass die Betroffenen häufig versuchen, ihre Krankheit zu verheimlichen. Nach einer stationären Therapie in einem Fachzentrum können fünf Jahre später etwa 50 Prozent als deutlich gebessert und 20 Prozent als teilweise gebessert bezeichnet werden. Bei den übrigen 40 Prozent bleibt ein Behandlungserfolg der Bulimie aus. Das scheint insbesondere bei zusätzlichen weiteren psychischen Störungen (depressive Symptomen, Angst- oder Zwangstörungen) der Fall zu sein. Die Sterblichkeit ist bei der Bulimie gering und liegt bei einem Prozent in einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren.
Ess-Brech-Sucht: Vorbeugen
Die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) ist keine Erkrankung, der im klassischen Sinn vorgebeugt werden kann. Fällt bei einem Familienmitglied oder Freund ein bulimisches Verhalten auf, ist es ratsam, mit der Person darüber zu sprechen und sie zu einer Beratung zu motivieren. Dadurch können möglicherweise die Ausprägung und der Verlauf der Bulimie positiv beeinflusst werden.
Weitere Informationen
Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:
ANAD e.V. – Beratungsstelle für Essstörungen
Seitzstr. 8, Rgb, 1. OG
80538 München
Telefon: 089 / 24 23 99 6 – 0
Fax: 089 / 24 23 99 6 – 6
kontakt@anad-pathways.de
Beratungszentrum für Essstörungen-Dick & Dünn e.V.
Innsbrucker Straße 25
10825 Berlin
Telefon: 030/ 854 49 94
Fax: 030/ 854 84 42
Frankfurter Zentrum für Essstörungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt/M.
Telefon: 069/ 55 01 76
Fax: 069/ 596 17 23
Beratungsstelle für Essstörungen Cinderella e.V.
Westendstraße 35
80339 München
Telefon: 089/ 502 12 12
Fax: 089/ 50 25 75
Waage e.V.
Eimsbüttelerstr. 53
22769 Hamburg
Deutschland
Telefon: Mo 10 -13 Uhr Do 15 -17 Uhr: 040 / 491 49 41
waage.hh@freenet.de
http://www.waage-hh.de
Linktipps:
Buchtipps:
Die Bulimie besiegen
Schmidt, Ulrike; Treasure, Janet 
219 Seiten, 2001 Allen Betroffenen, die aus dem Teufelskreis des Ess- und Brechzwangs herausfinden wollen, gibt dieser Ratgeber Hinweise, wie Heilung möglich ist. Hier erhalten Betroffene eine bewährte Therapie, eine konkrete Anleitung zur Selbsthilfe in Form eines Arbeits- und Übungsbuches, geschrieben von ausgewisenen Expertinnen, die die Betroffenen Schritt für Schritt auf dem Weg zur Besserung begleiten.
Essen will gelernt sein
Gerlinghoff, Monika; Backmund, Herbert 
142 S., 2005 Die Grenzen zwischen scheinbar normalem Essverhalten und ernsten Ess-Störungen wie Magersucht und Bulimie sind fließend. In diesem Buch zeigen die Autoren Möglichkeiten auf, wie das eigene Essverhalten analysiert und Störungen überwunden werden können.
Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen
Langsdorff, Maja 
400 Seiten, 2002 Ich habe schon einige Bücher zu dem Thema Bulimie gelesen, aber mit diesem Buch konnte ich mich am meisten identifizieren. Es ist locker-leicht und nicht oberflächlich geschrieben und sehr vielseitig vom Inhalt (…). In diesem Buch wird anders darüber geschrieben als sonst üblich. Ich bin froh, (…) dieses Buch entdeckt zu haben. – Leserrezension bei amazon.de
Der Weg zurueck ins Leben
Peggy Claude-Pierre 
2002 336 S., Fischer, S.,Verlag GmbH, 2002 Dies ist die Geschichte einer außer-gewöhnlichen Frau, die – nachdem ihre beiden eigenen Töchter an Anorexie erkrankten – einen völlig neuen Ansatz für die Behandlung von Magersucht und Bulimie entwickelt hat. Mit ihrem revolutionären Programm, das auf unbedingter Liebe und Verständnis, Bestätigung und Unterstützung basiert, nimmt sie den Kranken ihre quälenden Gefühle von Schuld und Schande und stärkt ihr Selbstwertgefühl. Peggy Claude-Pierres Therapie der Ess-Störungen gibt selbst Patientinnen, die bereits aufgegeben wurden, wieder Hoffnung – und die Chance auf ein gesundes Leben.









