Demenz

Der Begriff Demenz steht für eine sehr umfassende Gruppe ungleichartiger Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen. Entscheidend ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und dass dies die an Demenz erkrankten Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Die Betroffenen verändern sich in ihrem Sozialverhalten, in ihrer Motivation und Persönlichkeit.

älterer Mann, der sich an die Schläfe fasst.

Die Ursachen für eine Demenz sind sehr vielfältig. Die häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Krankheit. Es gibt auch sehr seltene Fälle von Demenzen, die sich zurückbilden. Je nach Ausprägungsgrad werden generell leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen unterschieden. Die meisten Demenzformen sind nicht heilbar, können aber im Frühstadium positiv beeinflusst werden. Eine Ganzheitstherapie aus Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verzögern, sowie aus Gedächtnistraining, Verhaltens- und Soziotherapie erhält die Lebensqualität des Betrofenen und der ihn betreuenden Personen.

Demenz: Definition

Der Begriff Demenz steht für eine sehr umfassende Gruppe ungleichartiger Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen. Entscheidend ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und dass dies die an Demenz erkrankten Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Demenzen gehören zu den folgenschwersten Alterskrankheiten. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt ihre Bedeutung für die Gesellschaft weiter zu. So hat sich allein innerhalb des letzten Jahrhunderts die Lebenserwartung verdoppelt, die Zahl der über 80-Jährigen gar verzehnfacht.

Häufigkeit

Demenzen treten überwiegend in höheren Lebensjahren auf. In seltenen Fällen können sie auch junge Menschen betreffen. In Deutschland sind ab dem 65. Lebensjahr etwa sechs Prozent der Bevölkerung an Demenz erkrankt, bei den über 90-Jährigen ist es mindestens jeder Dritte.

Historisches

Der Ursprung des Worts Demenz geht auf den lateinischen Ausdruck de mentis (aus dem Bewusstsein/Verstand) zurück. Über die Ursachen dieser wortwörtlichen Geisteskrankheit gab es schon früh verschiedene Mutmaßungen. In seinem Werk Nomoi verfechtet Platon (427 bis 347 v. Chr.) die Theorie, geistige Verwirrungen seien allein durch das hohe Alter bedingt. Dem widersetzt sich Marcus Tullius Cicero (106 bis 43 v. Chr.) in der Schrift Cato maior de senectute: es sei nicht das Alter an sich, sondern die Konsequenzen eines schlaffen, trägen, schläfrigen Alters. Heutzutage wissen wir mehr über die Ursachen der Krankheit, insbesondere auf molekularer Ebene. Es sind einige Risikofaktoren bekannt. Doch vieles zu den Entstehungsprozessen von Demenzen bleibt weiterhin unklar.

Demenz: Ursachen

Eine Demenz kann auf die unterschiedlichsten Ursachen zurückgeführt werden. Die häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Demenz (60 bis 70 Prozent aller Fälle). Gefäßbedingte (vaskuläre) Demenzen sind weitaus seltener (etwa zehn bis 20 Prozent). Darunter fallen auch die Arterienverkalkung ( Arteriosklerose) oder der Schlaganfall. Allerdings wissen wir heute, dass es auch Mischformen zwischen der Alzheimer-Demenz und der vaskulären Variante gibt.

Als Pick-Krankheit beziehungsweise als frontotemporale Demenz wird eine andere, spezielle Krankheitsform bezeichnet, bei der Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns zugrunde gehen. Seltene, aber wieder umkehrbare (reversible) Demenzformen entstehen zum Beispiel durch:

  • Infektionen: zum Beispiel AIDS-Demenz, Prionerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Drogenvergiftung: das so genannte Wernicke-Korsakoff-Syndrom durch Alkohol
  • Sauerstoffmangel und raumfordernde Prozesse im Gehirn: Normaldruck-Hydrozephalus, Meningeome
  • Stoffwechselkrankheiten: Störungen der Schilddrüse, Diabetes mellitus

Demenzen können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Depressionen oder Parkinson stehen. Extrem selten sind dagegen familiäre Demenzen.

Demenz: Symptome

Bei von einer Demenz betroffenen Menschen lässt das Erinnerungsvermögen nach. Während das Kurzzeitgedächtnis früh beeinträchtigt ist, verblasst die Erinnerung an Vertrautes und früher Erlerntes erst in späten Krankheitsstadien. Störungen der Orientierung, der Sprache, der Auffassung und der Gefühlskontrolle treten unter anderem hinzu.

Die Betroffenen verändern sich durch die Demenz auch in ihrem Verhalten und ihrem Wesen (sie zeigen zum Beispiel vermehrte Aggressionen oder Weinanfälle). Körperliche Anzeichen machen sich in den Spätstadien bemerkbar: beispielsweise ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, eine Blasenschwäche oder Verstopfung.

Die Symptome sind, auch abhängig vom Krankheitsstadium, sehr vielfältig und für die pflegenden Personen teilweise extrem belastend.

Demenz: Diagnose

Demenzen können mit recht einfachen Mitteln sicher diagnostiziert werden. Die typischen Beschwerden, die Art, wie der Betroffene auftritt und eine sorgfältige Untersuchung führen leicht zum Krankheitsverdacht Demenz.

Für die Untersuchung unerlässlich sind neuropsychologische Tests, um die Gedächtnisdefizite quantifizieren zu können. Der am häufigsten verwendete Test ist die 15-minütige MMSE (Mini Mental State Examination). Als erweiterte Version (SIDAM) dauert die Untersuchung bis zu 30 Minuten. In den vergangenen Jahren sind schnellere Tests und solche, die Schwächen der MMSE auszugleichen suchen, eingeführt worden: der DemTect (Demenz-Detections-Test) oder der TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung). Sie können besonders im Frühstadium der Demenzerkrankung wichtige Hinweise liefern. Auch Personen, die den Betroffenen nahe stehen und erste Veränderungen bemerkten, können hilfreiche Aussagen machen.

Um die Ursachen der Demenz zu klären, folgen weitere Untersuchungen. Zur Basisdiagnostik gehören eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung und der Einsatz bildgebender ( CT, MRT) und elektrophysiologischer ( EKG) Verfahren. Je nach vermuteter Ursache können auch weitere, spezielle Diagnoseverfahren folgen (zum Beispiel Genanalysen, SPECT oder Hirnwasseruntersuchung).

Die häufigste Demenzform, die Alzheimer-Krankheit, ist eine so genannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, sie kann erst gestellt werden, wenn andere Ursachen nicht in Frage kommen.

Demenz: Therapie

Nach dem Grad der Ausprägung werden Demenzerkrankungen in leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen unterteilt. Diese Einteilung hat unter anderem auf die Therapie wesentlichen Einfluss. Die meisten Demenzformen sind nicht heilbar, können aber im Frühstadium positiv beeinflusst werden. Von daher ist es wichtig, Demenzen früh zu erkennen und zu behandeln.

Mit den heute verfügbaren Medikamenten kann der Krankheitsverlauf bereits verzögert werden. Eine rechtzeitige medikamentöse Therapie und eine gute Einbindung in psycho- beziehungsweise soziotherapeutische Maßnahmen sowie eine gute Hilfestellung dienen nicht nur dem Betroffenen selbst, sondern entlasten die ihn Pflegenden, meist Angehörige. Wird die Demenz frühzeitig erkannt, kann der Betroffene sein eigener mündiger Anwalt sein, ehe die Gedächtnisleistungen so nachlassen, dass er entscheidungsunfähig ist.

Die Pflegenden – und insbesondere der Betroffene selbst – haben so eine reelle Chance, sich früh über die Krankheit sowie über mögliche Hilfeleistungen und Therapien zu informieren und im Voraus zu planen. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine der seltenen, reversiblen Demenzen, die durch eine frühzeitige Therapie heilbar sind.

Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, sollte der Hausarzt und/oder Facharzt (Psychiater, Neurologe) daher früh informiert werden. Bundesweit gibt es neben den Selbsthilfegruppen auch spezialisierte Gedächtniskliniken, in denen eine umfassende Beratung zu Demenzen möglich ist.

Demenz: Verlauf

Demenzen können unterschiedlich verlaufen. Bei der Alzheimer-Demenz schreitet die Erkrankung meist kontinuierlich langsam fort – über Jahre hinweg. Es gibt auch sich rasch verschlechternde oder fluktuierende Demenzformen. Letztere verlaufen in Schüben: Phasen, in denen der Betroffene so klar denken kann wie vor seiner Erkrankung beziehungsweise in frühen Krankheitsstadien, werden plötzlich von Stimmungsschwankungen und einem deutlichen Nachlassen der Geistesfähigkeiten abgelöst. Der Verlauf einer Demenz ist individuell verschieden.

Demenz: Vorbeugen

Da die Ursachen von Demenzen bis heute nicht vollständig geklärt sind, lässt sich der Krankheit nicht gezielt vorbeugen. Von einigen Grunderkrankungen ist bekannt, dass sie das Risiko für gefäßbedingte Demenzen und die Alzheimer-Krankheit erhöhen:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bluthochdruck
  • Vorhofflimmern
  • Nikotin- und Alkoholkonsum
  • frühere Kopfverletzungen (Schlaganfall, Boxertrauma)

Ein höheres Risiko für eine Alzheimer-Demenz besteht auch bei Schilddrüsen-Unterfunktion oder einer bereits familiär aufgetretenen Demenz.

Ein hohes Bildungsniveau korreliert mit einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit. Eine Kombination aus Gedächtnis- und Bewegungstraining sowie ein funktionierendes, intellektuell stimulierendes soziales Netzwerk können demnach demenzielle Prozesse hinauszögern.

In jedem Fall ist es wichtig, die genannten Grunderkrankungen frühzeitig und effektiv zu behandeln.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Demenz”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Fachinformation: Empfehlungen zur Therapie der Demenz

Kompetenznetzwerk Demenzen
Das Kompetenznetz Demenzen ist eines von derzeit 17 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. Es hat sich zum Ziel gesetzt, zentrale Defizite in der Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen anzugehen.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein. Sie ist Bundesverband von Alzheimer Landesverbänden sowie von regionalen und örtlichen Alzheimer Gesellschaften.

Buchtipps:

Demenz. Hilfe für Angehörige und Betroffene

Niklewski, Günter; Nordmann, Heike; Riecke-Niklewski, Rose buch_niklewski_demenz.jpg318 Seiten, Stiftung Warentest, 2006 Gut eine Million Demenzkranke leben in Deutschland. Unter den Folgen der Krankheit leiden jedoch noch viel mehr Menschen, vor allem pflegende Angehörige. Und der demografische Wandel zeigt eine steigende Tendenz. Fast zwei Drittel der Menschen mit einer Form der Demenz wie der Alzheimer-Krankheit leben in Privathaushalten und werden dort meist von Verwandten versorgt. Dabei ist häufig eine Rundum-Betreuung unerlässlich – eine enorme Anstrengung. Umso wichtiger ist es für Familienmitglieder, über die Krankheit und spezielle Hilfsangebote informiert zu sein: Wie verläuft die Krankheit? Wie lässt sich der Verlauf durch richtige Behandlung und Pflege verlangsamen? Wo finden die Angehörigen Unterstützung? Welche finanziellen Hilfen gibt es? Wie können Betroffene im Frühstadium selbstbestimmt vorsorgen?

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Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben

Klessmann, Edda buch_klessmann_eltern.jpg212 Seiten, Huber, 2001 Die Autorin kennt – als Ärztin und Psychotherapeutin in einer Familien- und Eheberatungsstelle sowie einer Alzheimer-Abgehörigengruppe – die lähmenden Auswirkungen der Altersdemenz auf die Umgebung. Anhand konkreter Aufzeichnungen einer rund zehnjährigen Verlaufsgeschichte stellt sie typische Konfliktkonstellationen dar. Sie macht aber auch deutlich, dass trotz nivellierender intellektueller Einbußen, individuelle Grundzüge der Persönlichkeit erhalten bleiben. In der chronologischen Falldarstellung werden die beziehungsdynamischen Besonderheiten der drei Alzheimerstadien aufgezeichnet und kommentiert. Das Buch möchte zeigen, wie das Alzheimer-Schicksal besser ertragen und – innerhalb bestimmter Grenzen – erleichtert werden kann.

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Leben mit verwirrten älteren Menschen

Miesen, Bere buch_miesen_leben.jpg168 Seiten, Trias, 1998 Wie Sie mit Demenz- und Alzheimer-Kranken umgehen. Das Verhalten von Demenz- und Alzheimer Kranken ist oft verwirrend. Lernen Sie, mit kleinen Marotten genauso sicher umzugehen wie mit völlig verrückt erscheinenden Handlungen. Das Buch macht Sie vertraut mit ungewohnten Situationen wie intimen Momenten, aggressivem Verhalten u.v.m. Auch für sich selbst erfahren Sie hier wichtige Unterstützung. Das Buch hilft Ihnen, mit negativen wie positiven Gefühlen klarzukommen. Außerdem gibt es Ihnen viele Tipps, wie Sie Ihr inneres Gleichgewicht und damit wertvolle Kraft für Ihre Aufgabe bewahren.

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Alt und demenzkrank

Lichtenstein-Weis, Reginhild buch_lichtenstein_alt.jpg152 Seiten, rlw-Verlag, 2004 Informationen und praktische Tipps zu häuslichen Betreuungsmöglichkeiten und vieles mehr.

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Alzheimer: Was tun, wenn die Krankheit beginnt ?

Niemann-Mirmehdi, Mechthild; Mahlberg, Richard buch_niemann_alzheimer.jpg135 Seiten, Trias, 2003 Alles über Diagnose und Therapie. Die Diagnose Alzheimer wird mittlerweile immer frühzeitiger gestellt. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist vielen Betroffenen ein unabhängiges Leben möglich. Deshalb richtet sich dieser einfühlsame Ratgeber erstmals an Patienten selbst sowie deren Familien. Erfahren Sie hier alles über die neuesten Behandlungen und darüber, wie Sie soziale und finanzielle Unterstützung und Hilfe für sich nutzen.

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Veröffentlicht in:  on Juli 23, 2008 at 7:58 Kommentar schreiben
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Dellwarzen (Molluscum contagiosum)

Dellwarzen (Molluscum contagiosum, Mollusken) sind vor allem bei Kindern vorkommende kleine, zentral eingedellte Warzen. Sie werden durch ein Virus, das Poxvirus mollusci, ausgelöst und übertragen.

Vor allem Kinder mit Neurodermitis sind häufig von Dellwarzen betroffen. Dellwarzen treten bevorzugt in der Genital- und Achselregion, den Kniekehlen, den Augenlider und am seitlichen Brustkorb auf.

Die Diagnose ist durch das typische Aussehen der Warzen einfach. Die Behandlung besteht darin, die Dellwarzen mit dem so genannten scharfen Löffel in örtlicher Betäubung oder Allgemeinanästhesie abzutragen; eine mögliche Alternative ist die Entfernung mit dem Laser oder die Kryotherapie, bei der die Warzen vereist werden. In vielen Fällen bedürfen Dellwarzen jedoch keiner Behandlung und heilen von alleine ab.

Dellwarzen: Definition

Dellwarzen oder Mollusken sind stecknadelkopf- bis erbsengroße, zentral eingedellte Warzen, die durch eine bestimmte Gruppe von Pockenviren (Poxvirus mollusci) hervorgerufen und durch direkten Körperkontakt übertragen werden.

Sie sind weltweit verbreitet und kommen besonders bei Kindern, Erwachsenen unter Kortisontherapie und bei Personen mit einer Immunschwäche vor.

Dellwarzen: Ursachen

Dellwarzen (Molluscum contagiosum) entstehen aufgrund einer gutartigen Viruserkrankung der Haut. Sie werden durch den Erreger Poxvirus mollusci übertragen. Die Ansteckung erfolgt als Schmierinfektion über poröse oder leicht verletzte Haut in Schwimmbädern, im häuslichen Bereich oder durch sexuellen Kontakt.

Erreger

Der Erreger der Dellwarzen, das Poxvirus mollusci, gehört zur Gruppe der Poxviren wie auch das Virus, welches die echten Pocken hervorruft. Es handelt sich um 300 nm große Partikel, so genannte Quaderviren, die kaum noch im Lichtmikroskop gesehen werden können. Der Erreger kommt weltweit vor, insbesondere jedoch auf den Inseln des pazifischen Ozeans.

Dellwarzen: Symptome

Etwa zwei bis sieben Wochen nach der Ansteckung treten die ersten Symptome auf. Dellwarzen sind durch stecknadelkopfgroße, weißliche bis blassrosa farbene Papeln gekennzeichnet, welche in der Mitte nach innen gewölbt (gedellt) sind. Unter Druck entweicht ein weißlicher Brei aus der Warze.

Dellwarzen kommen isoliert oder in Gruppen vor und treten in der Genitalregion oder am Gesäß, aber auch im Gesicht, am Hals, auf den Augenlidern, in der Achselregion und an der seitlichen Brustwand auf. Besonders bei Personen mit atopischem Ekzem (Neurodermitis) kommt es leicht zu einer Selbstinfektion, das heißt die Dellwarzen werden am eigenen Körper übertragen und können sich so vermehren.

Dellwarzen: Diagnose

Die Diagnose wird durch das typische Erscheinungsbild der Dellwarzen erleichert.

Dellwarzen können besonders im Anfangsstadium durch das äußere Erscheinungsbild mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Genitalwarzen (Condylomata acuminata), gewöhnlichen Warzen (Verrucae vulgares) oder Fettablagerungen an der Haut (Xanthomen) verwechselt werden. Um im Zweifelsfall andere Warzenformen oder bösartige Veränderungen der Haut auszuschließen, kann eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie) und mikroskopisch untersucht werden.

Dellwarzen: Therapie

Bei einem Großteil der Betroffenen bilden sich die Dellwarzen nach sechs bis neun Monaten spontan zurück, sodass oft keine Therapie erforderlich ist. Bestehende Dellwarzen können jedoch auch chirurgisch mit dem so genannten scharfen Löffel, ein scharfrandiges Instrument zum Abkratzen der Warzen, oder mithilfe einer speziellen Pinzette abgetragen werden. Einzelne Dellwarzen werden meist in örtlicher Betäubung entfernt. Sind größere Hautflächen betroffen, wird vor allem bei kleinen Kindern oft eine Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) durchgeführt.

Darüber hinaus ist es möglich, Warzen vereisen zu lassen (Kryotherapie). Die Abtragung mithilfe von Laser ist ebenfalls möglich.

Neben der mechanischen Entfernung können Dellwarzen bei großflächigem Befall auch mit speziellen Cremes oder Gels, welche Vitamin-A-Säure enthalten, behandelt werden.

Dellwarzen: Verlauf

Im Allgemeinen bilden sich Dellwarzen nach sechs bis neun Monaten spontan zurück, sodass von einem guten Verlauf auszugehen ist. Allerdings treten auch nach der Rückbildung oder der Entfernung häufig Rückfälle (Rezidive) auf.

Dellwarzen: Vorbeugen

Eine Vorbeugung gegen die Entstehung von Dellwarzen ist kaum möglich. Immungeschwächte Personen und Kinder mit Neurodermitis sind jedoch anfällig für die Infektion und sollten besonders auf die richtige Hygiene der Haut achten.

Dekubitus (Wundliegen)

Bei jeder längeren Bettlägerigkeit besteht die Gefahr, dass sich die Betroffenen wundliegen und ein so genanntes Druckgeschwür (Dekubitus) entwickeln. Druckgeschwüre entstehen, wenn längere Zeit Druck auf Hautgebiete einwirkt und keine Entlastung der betroffenen Region durch Umlagern des Körpers stattfindet. Besonders gefährdet sind alte, schwer kranke und gelähmte Menschen.

Druckgeschwüre können an allen Körperstellen entstehen, die nicht durch Muskeln oder Fettgewebe gegen den Auflagedruck geschützt sind, wie die Kreuzbeinregion, die Fersen, die Rollhügel der Oberschenkelknochen und die Knöchel. Werden bei dekubitusgefährdeten Menschen keine geeigneten vorbeugenden Maßnahmen ergriffen, kommt es zu einer Rötung des betroffenen Gebiets mit anschließender Blasenbildung. In der Folge stirbt das Gewebe ab.

Druckgeschwüre können in der Tiefe bis auf die Knochenhaut reichen. Verschiedene Maßnahmen können das Wundliegen verhindern, wie häufiger Lagewechsel, gute Säuberung und Pflege der Haut sowie Polstern bzw. Entlasten der besonders gefährdeten Stellen.

Dekubitus: Definition

Druckgeschwüre, auch Dekubitalgeschwüre oder Dekubitus genannt, sind Schädigungen der Haut und des darunterliegenden Gewebes aufgrund eines längere Zeit einwirkenden Drucks.

Der Begriff Dekubitus stammt aus dem Lateinischen von decumbere und bedeutet „sich niederlegen, das Liegen“. Gemeint ist damit das „Sichdurchliegen“ der Kranken. Ursprünglich wurden Druckgeschwüre als „Gangraena per decubitum“ bezeichnet, was sich vom griechischen gangraina („fressendes Geschwür“) ableitet und „faulige Wunde durch das Liegen“ bedeutete. Später blieb davon nur die Kurzform Dekubitus übrig. Das Wort Geschwür wird im deutschen Sprachraum seit dem 16. Jahrhundert verwendet. Es leitet sich von schwären (althochdeutsch sweran) = „schmerzen, schwellen, eitern“ ab und bedeutete ursprünglich „das, was eitert“.

Häufigkeit

Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Druckgeschwüren sind nicht bekannt. Schätzungen aus den USA und Großbritannien gehen davon aus, dass in diesen Ländern sechs bis zehn Prozent aller Krankenhauspatienten ein Druckgeschwür entwickeln. In Deutschland werden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation bei ein bis fünf Prozent aller schwer kranken Personen in Kliniken, öffentlichen Pflegeeinrichtungen oder häuslicher Pflege Druckgeschwüre beobachtet.

Dekubitus: Ursachen

Unter normalen Umständen wechselt ein Mensch während des Schlafs mehrfach seine Lage, damit nicht einzelne Hautstellen längere Zeit zwischen den Knochen und der Unterlage zusammengepresst werden. Bei langem Krankenlager müssen die Betroffenen mitunter dauerhaft eine bestimmte Lage einhalten, da sie sich nicht von allein bewegen oder drehen können. Durch den länger anhaltenden Druck auf die Haut werden kleine Blutgefäße zusammengedrückt, sodass die entsprechende Region schlechter mit Sauerstoff aus dem Blut versorgt wird. In der Folge stirbt das Gewebe ab und es bilden sich Druckgeschwüre. Neben der Druckeinwirkung spielen auch Scherkräfte und dadurch entstehende Verschiebungen von Gewebeschichten mit Schädigung kleiner Blutgefäße eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Druckgeschwüren. Solche Scherkräfte wirken beispielsweise beim Hochziehen oder Herunterrutschen im Bett.

dekubitusstellen

Gefährdete Körperregionen

Druckgeschwüre können grundsätzlich an allen Körperstellen entstehen, die nicht durch Muskeln oder Fettgewebe gegen den erhöhten Auflagedruck geschützt sind. Bei Rückenlage sind vor allem die Bereiche über dem Kreuzbein, die Fersen und die Ellbogen betroffen, bei Seitenlage die Rollhügel der Oberschenkel und die Fußknöchel.

Besonders gefährdet für die Ausbildung von Druckgeschwüren sind bettlägerige Menschen, die gleichzeitig in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind. Dazu gehören vor allem alte, gelähmte oder schwer kranke Menschen z.B. nach Unfällen, Schlaganfällen oder bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose. Ein schlechter Allgemeinzustand mit Austrocknung (Exsikose) und Abmagerung (Kachexie), wie er häufig bei alten Menschen vorliegt, die sich nicht mehr ausreichend allein versorgen können, sowie Fieber und starkes Schwitzen fördern das Wundliegen. Eine bestehende Harninkontinenz wirkt zusätzlich begünstigend, da durch längeres Liegen in der Feuchtigkeit der Säure-Fett-Mantel der Haut verändert wird und sich bevorzugt Keime auf den betroffenen Regionen ansiedeln. Darüber hinaus sind alle Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Durchblutungsstörungen, z.B. bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz), verstärkt gefährdet, Druckgeschwüre auszubilden.

Dekubitus: Symptome

Personen mit einem Dekubitus leiden in Abhängigkeit von der Form und dem Schweregrad des Druckgeschwürs unter Jucken, Brennen oder starken Schmerzen in der betreffenden Körperregion. Mitunter, insbesondere wenn eine Nervenschädigung infolge einer anderen Erkrankung (Polyneuropathie) vorliegt, spüren die Betroffenen diese Symptome jedoch nicht.

Dekubitus: Diagnose

Die Diagnose eines Dekubitus erfolgt aufgrund des klinischen Bilds. Je nach äußerem Erscheinungsbild sowie Art und Grad der Schädigung werden Druckgeschwüre für gewöhnlich in verschiedene Schweregrade eingeteilt. International verbreitet ist eine vierstufige Einteilung, die vor allem die Tiefenausdehung des Druckgeschwürs beschreibt:

  • Grad I: Es besteht eine Rötung des Gewebes, die bei Entlastung der betroffenen Körperregion zunächst nicht verschwindet.
  • Grad II: Es liegt ein oberflächlicher Hautdefekt vor, Blasenbildung ist möglich.
  • Grad III: Die Geschwüre reichen bis in die umliegende Muskulatur.
  • Grad IV: Die Geschwüre reichen bis auf den Knochen. Das betroffene Gewebe ist häufig abgestorben (Nekrosenbildung) und blauschwarz verfärbt.

Die erste Diagnose des Dekubitus kann meist aufgrund des Hautbefunds gestellt werden. Im weiteren Verlauf geben Gewebeabstriche wichtige Anhaltspunkte für die richtige Wundbehandlung. Bei Verdacht auf Knochenbeteiligung sind Röntgenaufnahmen oder andere bildgebende Verfahren notwendig, um den Grad der Schädigung besser beurteilen zu können.

Dekubitus: Therapie

Hat sich ein Dekubitus gebildet, muss seine weitere Ausbreitung durch konsequente Behandlung verhindert werden. Dazu gehört zunächst die Druckentlastung durch regelmäßiges, mindestens zweistündliches Umlagern. Wenn möglich sollten die Betroffenen aktiv mobilisiert werden, wobei darauf zu achten ist, dass auf das Geschwür selbst zu keiner Zeit Druck einwirkt. Spezielle Lagerungshilfen (Unterlagen, Matratzen, Betten) unterstützen eine gute und gleichmäßige Druckverteilung

Das Geschwür muss mindestens zweimal täglich mit sterilen feuchten Verbänden versorgt werden. Die Anwendung feuchter Verbände ist wichtig, damit es nicht zu einem Verkleben des Verbandmaterials mit der offenen Wunde kommt. Trockene, verklebte Verbände lassen sich nur schwer und unter großen Schmerzen entfernen und führen schnell zu einem erneuten Aufreißen der Wunde. Darüber hinaus hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass ein feuchtes Klima die Wundheilung fördert.

Das Geschwür sollte beim Verbandswechsel sorgsam mit entsprechenden Spüllösungen (z.B. 0,9%ige Natriumchloridlösung) ausgespült und anschließend mit geeigneten Hydrogelen und Hydrokolloiden feucht abgedeckt werden, sodass keine Bakterien von außen in die Wunde eindringen können.

Wundauflagen mit Desinfektionsmitteln, Parfümen oder Ölen sind nicht zu empfehlen, da diese allergische Reaktionen auslösen können. Auch Salben, die die Hautporen luftundurchlässig verschließen, sowie Puder, die eine harte Kruste auf der Wundoberfläche bilden, dürfen nicht auf die Wunde aufgetragen werden. Für die richtige Behandlung von offenen Druckgeschwüren steht spezielles Verbandsmaterial zur Verfügung. Die Angehörigen von Pflegebedürftigen sollten deshalb bei der ambulanten Pflege zu Hause immer mit dem behandelnden Arzt bzw. dem Pflegepersonal Rücksprache halten.

Abgestorbene Gewebereste müssen chirurgisch entfernt werden. Tiefe oder großflächige Wunden können durch Verpflanzung eigener Haut abgedeckt werden.

Liegt eine allgemeine bakterielle Infektion des Körpers vor, wird eine Behandlung mit Antibiotika eingeleitet. Noch wichtiger als eine rechtzeitige konsequente Therapie ist es jedoch, dem Wundliegen vorzubeugen.

Dekubitus: Verlauf

Die Abheilung eines Dekubitus dauert häufig Monate und durchläuft dabei mehrere Phasen, daher ist die regelmäßige Inspektion der Wunde und eine eventuelle Anpassung der Wundbehandlung von großer Bedeutung. Betroffene und Angehörige, Pflegepersonal und Ärzte müssen in dieser Phase eng miteinander zusammenarbeiten, um den Therapieerfolg zu sichern.

Auch nach der Abheilung des Dekubitus besteht an der betroffenen Stelle für längere Zeit ein erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten eines Druckgeschwürs.

Komplikationen

Ein Dekubitus hat eine starke Tendenz, sich in die Tiefe des Gewebes auszubreiten. Wird er nicht rechtzeitig konsequent behandelt, stirbt das Gewebe ab und muss chirurgisch entfernt werden.

Da sich in dem geschädigten Gewebe bevorzugt Krankheitserreger ansammeln, besteht bei jedem Dekubitus die Gefahr einer bakteriellen Infektion. Reicht ein solch infiziertes Geschwür bis in den Knochen hinein, kann sich eine akute Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) ausbilden. Darüber hinaus kann sich der Erreger über den Blutweg im gesamten Körper ausbreiten, was zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) mit lebensbedrohlichen Organschädigungen führen kann.

Dekubitus: Vorbeugen

Für jeden bettlägerigen Menschen besteht eine erhöhte Gefahr, einen Dekubitus auszubilden. Daher müssen die Pflegenden auch im Bereich der Hauskrankenpflege umfassend über die Möglichkeiten der Vorbeugung informiert sein. Die Faktoren, welche die Entwicklung von Druckgeschwüren begünstigen, sollten bekannt sein, um dem Wundliegen vorzubeugen.

Allgemeine Pflegemaßnahmen

Zu den allgemeinen Pflegemaßnahmen, um einen Dekubitus vorzubeugen, gehört eine eiweiß-, kohlenhydrat- und vitaminreiche Ernährung. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr sollte zwei Liter nicht unterschreiten, um ein Austrocknen zu verhindern. Fieber sollte mit Wadenwickeln und möglicherweise fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden. Das Bett des Pflegebedürftigen ist regelmäßig von Essensresten zu reinigen. Knöpfe und Nähte an der Bettwäsche sollten so liegen, dass sie nicht zu Druckstellen führen können. Bei Inkontinenz oder starkem Schwitzen des Betroffenen muss die Bettwäsche häufig gewechselt werden.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Dekubitus (Wundliegen)”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Kuratorium Deutsche Altershilfe
Informationen zum Thema Altenpflege, Pflege zu Hause

Dekubitus Pflege-Ratgeber
Dekubitus Pflege-Ratgeber des Instituts für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung

Veröffentlicht in:  on at 7:56 Kommentar schreiben
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Darmverschluss bei Kleinkindern (Invagination)

Eine Invagination führt zu einem Darmverschluss bei Kleinkindern, der am häufigsten im zweiten Lebenshalbjahr bei bis dahin gesunden Babys auftritt.

Die Symptome sind heftige, in Wellen verlaufende Bauchschmerzen, Erbrechen, Abgang eines blutigen Schleims, Blässe und Unruhe des Kinds. Es wirkt schwer krank. Die Behandlung muss unverzüglich im nächsten Krankenhaus erfolgen. Im Frühstadium kann die Invagination oft durch einen Einlauf gelöst werden. Gelingt dies nicht, so ist eine Operation erforderlich. Ohne entsprechende Behandlung kann der Darmverschluss tödlich enden.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Definition

Unter einem Darmverschluss (Ileus) versteht man eine Unterbrechung der Darmdurchgängigkeit, die verschiedene Ursachen haben kann. Hauptursache im Kindesalter ist eine Invagination, eine plötzlich auftretende Einstülpung des Darms. Am häufigsten tritt diese am Dünndarm auf, der sich in den Blinddarm oder aufsteigenden Dickdarm stülpt.

menschlicher Darmtrakt.

Häufigkeit

Ein Darmverschluss bei Kleinkindern tritt in den meisten Fällen aufgrund einer Invagination auf. Der Häufigkeitsgipfel liegt dabei im zweiten Lebenshalbjahr. Bei Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten sowie bei Kindern nach dem dritten Geburtstag tritt sie nur extrem selten auf.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Ursachen

Ein Darmverschluss ist keine selbständige Erkrankungen, sondern eine unspezifische Antwort des Magen-Darm-Trakts auf verschiedenste Störungen. Er kann ausgelöst werden durch:

  • Mechanische Passagehindernisse im Darm, wie verschluckte Fremdkörper, Tumoren, Würmer, Kotballen oder Gallensteine
  • Darmschlingenverwicklungen im weiteren Sinn wie der so genannten Volvulus oder die Invagination, die durch entzündliche oder angeborene Veränderungen wie Polypen oder Darmausstülpungen (wie zum Beispiel ein Meckel-Divertikel) begünstigt wird.
  • Einklemmung von Darmschlingen als Komplikation von „Verwachsungsbäuchen“ nach Operationen oder von Bauchwandbrüchen (Hernien).
  • Selten sind angeborene Anomalien der Darmentwicklung (Malrotation) für den Darmverschluss verantwortlich.

Durch die mechanische Behinderung der Darmpassage entsteht ein so genannter mechanischer Ileus und der Darminhalt kann nicht mehr weiter transportiert werden.

Bei der Invagination wird außerdem durch die normale Darmbewegung das eingestülpte Darmstück, das so genannte Invaginat, noch weiter nach vorne geschoben und damit vergrößert. Gleichzeitig werden die den Darm versorgenden Blutgefäße abgeknickt. Einerseits wird dadurch die Durchblutung der Darmwand unterbrochen und es kommt zu einem Mangel beziehungsweise zu einer Unterversorgung von Sauerstoff (Ischämie) im betroffenen Gewebe. Andererseits führt die Behinderung des Blutabflusses zu einem venösen Blutstau und zu Blutungen der Darmschleimhaut.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Symptome

Ein Darmverschluss bei Kleinkindern macht sich durch plötzlich auftretende heftige Bauchschmerzen bemerkbar. Die Kinder krümmen sich vor Schmerzen (Darmkoliken) und erbrechen zuerst den Mageninhalt, später Gallenflüssigkeit und noch später Stuhl. Die Haut ist von kaltem Schweiß bedeckt, sie sind blass und zeigen einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Anfangs treten die Schmerzattacken wehenartig, also in einem wellenförmigen Verlauf auf, die im Schmerzgipfel bis zur Schocksymptomatik führen können. Zwischenzeitlich sind auch Phasen völliger Schmerzfreiheit möglich.

Durch die überblähten Darmschlingen wird der Bauch aufgetrieben und es treten auffällige Darmgeräusche auf, die im späteren Verlauf wieder ausbleiben. Zu den Spätsymptomen gehört ein himbeergeleeartiges Sekret, welches bei der rektalen Untersuchung auftritt. Im Extremfall ist die Spitze des Invaginatkopfs zu ertasten.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Diagnose

Aufgrund der charakteristischen schmerzfreien Phasen sollte der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) besonders genau und umfassend erheben. Die geschilderten Symptome sind meist typisch und ergeben so bereits den Verdacht auf eine Invagination. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung kann das betroffene Darmstück häufig ähnlich einer Walze im rechten Unterbauch getastet werden. Nach der Austastung des Enddarms über den After zeigt sich oft blutiger Schleim am Fingerling. Außerdem kann teilweise die äußerste Spitze des Invaginats ertastet werden.

Eine eindeutige Diagnose gelingt in der Regel durch eine Ultraschall-Untersuchung.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Therapie

Im Anfangsstadium kann der Arzt die Invagination häufig durch äußere Maßnahmen lösen. Dies geschieht entweder durch eine spezielle Massage oder durch den Einlauf mit Kochsalzlösung. Dabei wird durch den hydrostatischen Druck der Flüssigkeit, die für den Einlauf verwendet wird, das eingestülpte Darm zurückgeschoben. Der Einlauf wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, um zu kontrollieren, ob der entsprechende Darmabschnitt wieder durchgängig ist.

Gelingt es nicht, die Invagination von außen zu lösen, muss rasch die Entscheidung zu einer Operation gefällt werden. Nur dadurch wird ein Absterben, das heißt eine Gangrän des schlecht durchbluteten Darmstücks letztlich vermieden. Meistens kann der Darm bei der Operation vollständig erhalten werden. Im fortgeschrittenen Stadium mit bereits eingetretener Schädigung des Darms ist jedoch eine Darmresektion, also die Entfernung des betroffenen Darmstücks, erforderlich. Besteht gar eine Bauchfellentzündung, so müssen Infusionen zur Kreislaufstabilisierung und zur antibiotischen, also keimabtötenden, Behandlung verabreicht werden.

Darmverschluss bei Kleinkindern: Verlauf

Bei rechtzeitig einsetzender ärztlicher Behandlung ist die Prognose bei einem Darmverschluss gut.

Wird das Passagehindernis allerdings nicht rasch beseitigt, kann es zum Absterben von dann nicht mehr ausreichend durchbluteten Darmschlingen und in der Folge zu einer schweren Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Wie beim Blinddarmdurchbruch verschlechtert sich innerhalb weniger Tage der Zustand des Kinds dramatisch. Im schlimmsten Fall führt der Darmverschluss zum Tod.

Darmverschluss (Ileus)

Bei einem Darmverschluss (Ileus) ist der Dünn- oder der Dickdarm verschlossen.

Der Darmverschluss kann zu lebensbedrohlichen Situationen führen, die sofort ärztlich behandelt werden sollten. Es gibt unterschiedliche Formen eines Darmverschlusses, die sich nach Ursache und Lokalisation unterscheiden.

Darmverschluss: Definition

Ist die normale Darmpassage vollständig unterbrochen, wird dies als Darmverschluss oder auch als Ileus bezeichnet. Der unvollständige Darmverschluss wird Subileus genannt.

Ileus leitet sich von dem griechischen Wort ιλοεισ ab, das eigentlich voll Schlamm bedeutet. Ist die Darmpassage behindert oder unterbrochen, kann der Nahrungsbrei nicht weitertransportiert werden, sodass er sich vor dem Passagehindernis staut.

Anatomie

Der Darm ist insgesamt etwa fünf Meter lang. Vereinfacht ist er als langer Schlauch vorstellbar. Er wird in den Dünndarm und den Dickdarm unterteilt.

Der Dünndarm ist etwa drei Meter lang. Er beginnt am Ausgang des Magens.

Der Zwölffingerdarm, das Duodenum, ist der erste und kürzeste Teil des Dünndarms und schließt sich direkt an den Magen an. Darauf folgen als weitere Teile des Dünndarms das Jejunum, das auch Leerdarm genannt wird, und dann das Ileum, der so genannte Krummdarm.

Der Übergang zwischen Dünndarm und Dickdarm liegt im rechten Unterbauch. Der Dickdarm ist etwa anderthalb bis 1,8 Meter lang und heißt in der Fachsprache Kolon. Der Dickdarm liegt im Bauch wie ein breites, auf den Kopf gestelltes U. Dieses U wird in mehrere Abschnitte unterteilt. Es gibt einen aufsteigenden, einen quer verlaufenden und einen absteigenden Teil. Daran schließt sich ein kurzer S-förmiger Teil, das Sigmoid, an. Der letzte Abschnitt vor dem Anus wird Rektum genannt.

Der Darm muss im Bauchraum relativ frei beweglich, aber gleichzeitig so befestigt sein, dass er sich nicht verschlingt oder verdreht. Von der Bauchhinterwand fächert sich ein breites Band aus Bindegewebe auf. Dieses befestigt den Darm im Bauch. Außerdem verlaufen in diesem Band Gefäße zum Darm. Das Band heißt Mesenterium oder Darmgekröse.

Physiologie

Die Aufgabe des Darms besteht darin, die im Magen begonnene Verdauung fortzuführen und die Nahrungsbestandteile zu resorbieren. Die unverdaulichen Anteile werden als Faeces (Kot) ausgeschieden. Die verschiedenen Abschnitte des Darms erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Während die Nahrung durch den Darm transportiert wird, werden die Nährstoffe in den Körper aufgenommen. Im Ileum ist dann die Aufnahme von Nährstoffen abgeschlossen. In den Dickdarm gelangen also nur die unverdaulichen Nahrungsreste. Bakterien, die im Dickdarm in großer Anzahl natürlich vorkommen, zersetzen nun diese Reste durch Gärung und Fäulnis. Die wichtigste Aufgabe des Dickdarms besteht jedoch darin, das Wasser und die Salze, die mit den Verdauungssäften in den Darm gelangen, wieder dem Körper zurückzuführen. Beinahe zwei Liter Verdauungssäfte werden bei einem Erwachsenen am Tag gebildet. Würden diese zwei Liter einfach mit dem Stuhl ausgeschieden, wie zum Beispiel bei Durchfall, oder verblieben sie im Darm, wie beim Verschluss, wäre das ein enormer Flüssigkeitsverlust für den Körper.

In der Wand des Darms gibt es längs und quer verlaufende Muskeln, die für die enorme Beweglichkeit des Darms verantwortlich sind. Über die Reize des unbewussten Nervensystems ziehen sich die Muskeln des Darms relativ koordiniert zusammen, was zu wellenartigen Bewegungen der Darmwände führt. Diese Bewegungen der Darmwand werden als Peristaltik bezeichnet, und sie dienen dazu, die Nahrung im Darm weiterzutransportieren.

Darmverschluss: Ursachen

Abhängig davon, welche Ursache für die Behinderung der Darmpassage vorliegt, werden beim Darmverschluss (Ileus) drei Typen unterschieden:

  • Ein mechanischer Ileus wird durch ein Hindernis verursacht, das von außen oder von innen die natürliche Darmpassage be- oder verhindert.
  • Ein funktioneller Ileus liegt vor, wenn die Passage der Nahrung aufgrund einer dynamischen Störung oder sogar einer Lähmung der Darmmuskulatur gehindert ist.
  • Als ein gemischter Ileus wird eine Kombination einer mechanischen mit einer funktionellen Ursache bezeichnet.

Mechanischer Ileus

Bei einem Darmverschluss, der eine mechanische Ursache hat, kann das Darmlumen von innen her verschlossen werden, wenn zum Beispiel Fremdkörper, Würmer oder auch Tumoren ein Passagehindernis bilden. In der Fachsprache wird dies als Obturation des Darms bezeichnet.

Ein Hohlorgan kann aber auch von außen zusammengedrückt werden. Diese so genannte Okklusion kann zum Beispiel durch einen Tumor entstehen.

Eine weitere wichtige Form des mechanischen Darmverschlusses wird Strangulationsileus genannt: Dabei werden die Gefäße im Mesenterium abgeschnürt. Die arterielle Blutversorgung und der venöse Abfluss sind dadurch unterbrochen. Es liegt ein absoluter Notfall vor, da die Darmwand ohne Blutversorgung nach wenigen Stunden abstirbt und der entsprechende Darmteil nicht mehr zu retten ist. Häufigste Ursachen für einen Darmverschluss durch einen strangulierten Darmabschnitt sind Verwachsungen, die zum Beispiel auch nach Operationen am Darm auftreten können.

Lücken im Mesenterium stellen, ebenso wie andere Bruchpforten, mögliche Stellen dar, in die der Darm eingeklemmt werden könnte. Bruchpforten sind dabei Lücken in der Muskulatur der Bauchdecke, durch die sich Darm ausstülpen und darin einklemmen kann, wie zum Beispiel bei einem Leistenbruch. Auch wenn sich der Darm um die eigene Achse dreht, können Gefäße abgeschnürt werden.

Bei einer Invagination wird ein Darmabschnitt in einen anderen eingestülpt. Dies führt ebenso zu einem Strangulationsileus.

Auch manche Krankheiten können mechanische Darmverschlüsse verursachen:

Vorausgegangene Operationen, ein Morbus Crohn oder Leistenbrüche können an der Entstehung eines Dünndarmverschlusses beteiligt sein.

Der Dickdarmverschluss hingegen wird eher durch Gallensteine oder Stuhl bedingt. Aber auch entzündliche Erkrankungen des Darms oder ein entzündeter Divertikel (eine sackförmige Ausstülpung der Darmwand) – auch Divertikulitis genannt – können zu einem Dickdarmverschluss führen. Eine sehr ernste und mit 60 Prozent auch sehr häufige Ursache für einen Dickdarmverschluss ist das Vorliegen eines bösartigen Tumors (Darmkrebs).

Funktioneller Ileus

Einem funktionell verursachten Darmverschluss (Ileus) liegt eine von der Muskulatur der Darmwand ausgehende – also myogene – Störung zugrunde. Obwohl das Lumen des Darms durchgängig ist, ist die Passage dennoch unterbrochen, weil die Muskulatur des Darms gelähmt oder verkrampft ist.

Als paralytischer Ileus wird die Lähmung der Darmmuskulatur bezeichnet, als spastischer Ileus eine Verkrampfung (Spasmus) der Darmmuskulatur.

Ein funktioneller Darmverschluss kann infolge toxisch-infektiöser Vorgänge, zum Beispiel bei einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder einer Lungenentzündung auftreten. Des Weiteren kommen metabolische (durch Stoffwechselstörungen bedingte) Probleme als mögliche Ursache infrage. Ein gestörter Elektrolythaushalt oder ein Nierenversagen können ebenfalls einen Darmverschluss bedingen.

Ein paralytischer Ileus kann infolge einer reflektorischen Darmlähmung nach einer Operation (postoperativer paralytischer Ileus), bei Koliken oder einem stumpfen Bauchtrauma entstehen. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kommt ebenso als Ursache infrage wie ein Herzinfarkt. Aber auch eine unterbrochene Durchblutung der Darmwand (wenn beispielsweise eine zuführende Arterie verschlossen wird und somit ein so genannter Mesenterialinfarkt vorliegt) kann zu einem Ileus führen. Im Rahmen einer Bleivergiftung kann es zu einem spastischen Darmverschluss kommen. Weitere Ursachen können eine Porphyrie (Blutkrankheit) sowie Askariden sein. Askariden sind Würmer, die sich im menschlichen Darm ansiedeln können.

Gemischter Ileus

Beim gemischten Ileus liegt eine Bauchfellentzündung mit Darmlähmung vor, wobei der Darm zusätzlich mechanisch verschlossen ist. Der gemischte Ileus stellt also eine Kombination aus einem funktionellen und einem mechanischen Darmverschluss dar.

Darmverschluss: Symptome

Die Symptome eines Darmverschlusses (Ileus) können sich teilweise sehr stark nach seiner Art und Ursache unterscheiden. Es ist deshalb sehr wichtig, den Betroffenen genau zu befragen und zu untersuchen. Ein Darmverschluss kann sich hinter sehr unterschiedlichen Krankheitssymptomen verbergen. Das gilt vor allem für Kinder und alte Menschen. Deshalb sollte auch an einen Darmverschluss gedacht werden, wenn die Symptome nicht ganz eindeutig sind.

Mechanischer Ileus

Bei allen Formen von mechanischem Ileus stehen Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen und eine vermehrte Gasansammlung im Darm (auch Meteorismus genannt) ebenso im Vordergrund wie Stuhlverhalt (fehlender Stuhlgang).

Zu Beginn eines mechanisch bedingten Darmverschlusses ist der Darm meist überaktiv in seinen Bewegungen. Wird der Bauch mit dem Stethoskop abgehorcht, sind spritzende Geräusche zu hören. Die Betroffenen haben in diesem Stadium meist kolikartige Schmerzen. Diese Überaktivität der Darmbewegungen wird als Hyperperistaltik bezeichnet. Sie ist als Darmsteife zu fühlen und manchmal auch zu sehen. Eine fortdauernd erregte Muskulatur führt über Reflexe dazu, dass der Darm lahm gelegt wird.

Je nachdem, an welcher Stelle der Darmverschluss vorliegt, gibt es jedoch symptomatische Unterschiede. Bei einem höher gelegenen Dünndarmverschluss können Blähungen und ein Wind- und Stuhlverhalten fehlen. Bei einem tief gelegenen Dünndarmverschluss setzt das Erbrechen eventuell später ein, das Erbrochene dann meist braun und übel riechend. Die Schmerzen sind in beiden Fällen meist kolikartig und treten im Bereich des Bauchnabels auf.

Ein mechanischer Darmverschluss im Bereich des Dickdarms verursacht weniger starke Schmerzen, die aber allmählich zunehmen. Da weder Stuhl noch Gas weiterbefördert werden, entwickelt sich schnell ein Blähbauch. Erbrechen tritt in diesem Fall jedoch erst sehr spät auf.

Funktioneller Ileus

Ein funktioneller paralytischer Ileus ist mit einem langsam beginnenden, mäßigen Dauerschmerz verbunden. Der Bauch ist weich und stark mit Gas gefüllt. Erst wenn auch das Bauchfell von der Entzündung betroffen ist, ist der Bauch hart und gespannt. Beim Abhören fällt diese Form von Darmverschluss durch fehlende Darmgeräusche auf.

Gemischter Ileus

Bei dieser Form von Darmverschluss sind entsprechend beide Symptomatiken – sowohl die des mechanischen als auch die des funktionellen Ileus – unterschiedlich ausgeprägt.

Darmverschluss: Diagnose

Um bei einem Darmverschluss (Ileus) die richtige Diagnose stellen zu können, ist es wichtig, die Betroffenen genau zu befragen: Die teilweise unterschiedlichen Beschwerden können darüber Aufschluss geben, wo der Darmverschluss lokalisiert ist und welche Art von Darmverschluss vorliegt.

Die Röntgenaufnahme des Bauchs liefert meist weitere wichtige Informationen, die dabei helfen, den Darmverschluss genau zu lokalisieren oder festzustellen, ob andere Komplikationen vorliegen. Bei einem mechanischen Ileus ist der Darmabschnitt vor dem Passagehindernis erweitert, mit Gas und eventuell mit Flüssigkeit gefüllt, wobei der nachfolgende Anteil leer erscheint. Die Flüssigkeitsansammlung zeigt sich im Röntgenbild als Spiegelbildung in den Darmschlingen.

Bei einem funktionellen Darmverschluss dagegen ist der gesamte Darm erweitert, mit Gas und mit Flüssigkeit gefüllt.

Wird der Darm mit Kontrastmittel gefüllt, ist im Röntgenbild häufig die Höhe des Hindernisses feststellbar.

Auch die Ultraschalluntersuchung wird eingesetzt, um die Diagnose des Darmverschlusses zu stellen und genau zu bestimmen, an welcher Stelle der Darm verschlossen ist.

Darmverschluss: Therapie

Bei einem Darmverschluss (Ileus) richtet sich die Therapie danach, welche Form von Darmverschluss vorliegt und wodurch er verursacht wurde. Ob der Darmverschluss sofort operiert werden muss, hängt entscheidend davon ab, an welcher Stelle der Darmverschluss vorliegt.

Bei einem paralytischen Ileus kann anfangs eine konservative Therapie versucht werden, jedoch nur, wenn ein Strangulationsileus sicher ausgeschlossen ist.

Um den Darmverschluss konservativ zu therapieren, wird den Betroffenen eine Magensonde gelegt. Über diesen Schlauch, der direkt in den Magen geschoben wird, kann versucht werden, den gestauten Darminhalt abzusaugen. Wichtig ist, Flüssigkeit und Elektrolyte, die über den Darm verloren gehen, zu ersetzen. Medikamente, die die Peristaltik anregen, können hilfreich sein, um die brachliegende Darmmotorik beim paralytischen Ileus in Gang zu bringen.

Ein Strangulationsileus und ein Dickdarmverschluss erfordern eine sofortige Operation. Ein Strangulationsileus ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der innerhalb von einer Stunde zu operieren ist.

Die größten Gefahren und Komplikationen stellen eine Perforation, ein Schock und eine generalisierte Infektion – eine so genannte Sepsis – dar. Außerdem kann sich das Bauchfell entzünden, und es können Darmteile absterben.

Darmverschluss: Verlauf

Mit einer Sterblichkeitsrate von 10 bis 25 Prozent ist die Prognose bei einem Darmverschluss (Ileus) ernst. Mit jeder Stunde ohne therapeutische Maßnahmen steigt das Risiko für die Betroffenen um etwa ein Prozent. Die günstigste Prognose hat ein mechanischer Ileus mit einer gutartigen Ursache. Jeder mechanische Ileus, der fortdauernd besteht, geht jedoch in einen paralytischen Ileus über.

Komplikationen

Dadurch, dass sich beim Darmverschluss (Ileus) vor einem eventuellen Hindernis im Darm Gas entwickelt und Stuhl oder Nahrungsbrei angestaut wird, kann die Darmwandspannung (der Druck im Darm) auf das 150-Fache des Normaldrucks ansteigen. Der Darm wird durch den erhöhten Innendruck nicht mehr richtig durchblutet, die Gefäße werden von innen abgedrückt. Dies schädigt den Darm, denn infolge der fehlenden Durchblutung ist ein Gebiet der Darmwand nicht ausreichend versorgt. Die Funktion des Darms wird nachfolgend gestört. Nun sind die natürlich im Darm vorkommenden Bakterien in der Lage, die Darmwand zu durchwandern. Sie können zu einer Entzündung des Bauchfells führen und über das Blut in den gesamten Körper gelangen. Die Bakterien helfen eigentlich im Darm bei der Verdauung. Im übrigen Körper können sie jedoch großen Schaden anrichten. Das schwere Krankheitsbild, das diese Bakterien nun im Körper verursachen können, ist lebensbedrohlich und heißt Sepsis.

Außerdem ist beim Darmverschluss die Resorptionsfähigkeit des Darms gestört, sodass Flüssigkeit und Elektrolyte, die wieder aus dem Darm aufgenommen werden sollten, dem Körper verloren gehen. Letztlich kann es durch den Flüssigkeitsverlust des Körpers zu einem Schock kommen, denn die im Darm gesammelte Flüssigkeit ist für den Körper nicht nutzbar. Im Röntgenbild ist diese Flüssigkeit sichtbar; mit dem Stethoskop ist sie als metallisches Plätschern zu hören. Dazu kommt noch ein Elektrolytverlust. So kann schnell eine lebensbedrohliche Situation entstehen.

Das Zwerchfell ist eine Muskelschicht zwischen Bauch und Brust, die durch Kontraktion die Atmung ermöglicht. Der durch den Darmverschluss erhöhte Druck im Bauchraum drückt von unten auf das Zwerchfell. Dadurch wird die Atmung behindert, da sich die Lunge nicht mehr frei ausdehnen kann. Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen nicht genügend Sauerstoff bekommen. Dabei kann zusätzlich der Stoffwechsel gestört werden, was die schlechte Durchblutung der Darmwand noch verstärken kann. Außerdem kann eine Behinderung der Atmung zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen.

Der bei einem Darmverschluss erhöhte Druck im Darm führt dazu, dass die Wandschicht des aufgeblähten Darms sehr dünn ist. Zusätzlich zu den durch die schlechte Durchblutung entstandenen Schädigungen droht der Darm zu perforieren, das heißt zu platzen. Wenn dies geschieht, sollte sofort operiert und das Leck gefunden werden. Manchmal ist die Luft, die frei wird, wenn der Darm an einer Stelle perforiert ist, im Röntgenbild zu sehen.

Darmverschluss: Vorbeugen

Um einem Darmverschluss (Ileus) vorzubeugen, sollten insbesondere ältere Menschen auf einen regelmäßigen Stuhlgang achten und Speisen meiden, die erfahrungsgemäß schwer verdaulich sind.

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Darmpolypen

Darmpolypen sind gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut. Ihre Größe variiert von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. In den meisten Fällen handelt es sich bei Darmpolypen um Wucherungen des Drüsengewebes, welche bösartig entarten können, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben.

Da Darmpolypen mit etwa einem Millimeter pro Jahr nur sehr langsam wachsen, entarten sie in der Regel erst nach mehreren Jahren. Über 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus Wucherungen des Drüsengewebes. Daher ist entscheidend, vorhandene Darmpolypen frühzeitig zu erkennen und zu entfernen, um einer Krebsentstehung vorzubeugen.

In den meisten Fällen verursachen Darmpolypen keinerlei Beschwerden und werden als Zufallsbefunde bei einer Darmspiegelung entdeckt. Größere Darmpolypen können durch Stuhlunregelmäßigkeiten, Bauchschmerzen oder Blut und Schleim im Stuhl auffallen.

Bei der Diagnose von Darmpolypen sind die manuelle Austastung des Enddarms, ein Test auf nicht sichtbares (okkultes) Blut im Stuhl und vor allem die Darmspiegelung von Bedeutung. Bei dieser können Darmpolypen nicht nur festgestellt, sondern gleichzeitig auch entfernt werden. Eine mikroskopische Untersuchung des Gewebes bringt schließlich Gewissheit darüber, ob der Polyp gut- oder bösartig ist.

Darmpolypen: Definition

Darmpolypen sind Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die in den Darmkanal hineinragen. In über 95 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um gutartige Adenome, also Wucherungen, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen. Diese können in Form und Größe variieren, breitbasig aufsitzen oder gestielt sein, sowie einzeln oder in großer Zahl auftreten.

Adenome wie Darmpolypen wachsen langsam, etwa einen Millimeter pro Jahr, können aber, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, zu einer bösartigen Geschwulst, einem Karzinom, entarten (Adenom-Karzinom-Sequenz).

Häufigkeit

Rund 20 Prozent der über 60-Jährigen in Westeuropa und den USA weisen Darmpolypen auf, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Dahingegen sind in vielen anderen Teilen der Erde Darmpolypen sehr selten.

Darmpolypen: Ursachen

Obwohl noch nicht eindeutig bewiesen, geht man davon aus, dass die Ernährung bei der Entstehung von Darmpolypen eine wichtige Rolle spielt. Dies erklärt auch, warum sie nur in den westlichen Industrieländern weit verbreitet sind. Man nimmt an, dass ein hoher Anteil tierischer Fette und ein niedriger Ballaststoffanteil in der Nahrung die Entwicklung von Darmpolypen fördern. Auch Rauchen, Alkohol und Übergewicht können diese begünstigen.

Bei einer Reihe von Erbkrankheiten treten vermehrt Darmpolypen auf; daher sind diese mit einem teilweise erheblich gesteigerten Darmkrebsrisiko verbunden. Zu diesen Krankheiten zählen die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), das Gardner-Syndrom, das Peutz-Jeghers-Syndrom sowie das Cowden-Syndrom.

Familiäre adenomatöse Polyposis

Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) (auch adenomatöse Polyposis des Colons genannt) wird durch einen Gendefekt ausgelöst. Typisch für diese Erkrankung ist das Auftreten zahlreicher Polypen im Dickdarm. Die FAP wird bei einem von 10.000 Neugeborenen entdeckt und autosomal-dominant vererbt. Dies bedeutet, dass die Kinder eines an FAP erkrankten Elternteils ein 50-prozentiges Risiko haben, selbst an FAP zu erkranken, sofern der andere Elternteil gesund ist. Allerdings lässt sich bei etwa einem Drittel der Betroffenen kein eindeutiger Erbgang nachweisen, sodass der Gendefekt spontan entstanden sein muss. Die Polypen bei der FAP können bösartig entarten. Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, beträgt für FAP-Erkrankte 100 Prozent. Die FAP ist für etwa ein Prozent aller Karzinome im Enddarm verantwortlich.

Gardner-Syndrom

Das Gardner-Syndrom beruht auf einem ähnlichen Gendefekt wie die FAP. Die Erkrankung zeichnet sich durch das Auftreten zahlreicher Dickdarmpolypen aus, die bösartig entarten können. Außerdem treten andere gutartige Tumoren, beispielsweise der Knochen (Osteome), des Fettgewebes (Lipome), des Bindegewebes (Fibrome) und Zysten der Talgdrüsen auf. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, beträgt für Personen mit Gardner-Syndrom 100 Prozent.

Peutz-Jeghers-Syndrom

Beim Peutz-Jeghers-Syndrom treten zahlreiche Polypen in Magen und Darm sowie braune Flecken an Armen, Beinen und der Mundschleimhaut auf. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist bei dieser Krankheit deutlich erhöht, die Wahrscheinlichkeit liegt aber nicht bei 100 Prozent.

Cowden-Syndrom

Bei vielen Personen mit dem autosomal-dominant vererbten Cowden-Syndrom finden sich in Magen und Darm zahlreiche Polypen. Daneben treten gehäuft Fälle von Brust- und Schilddrüsenkrebs auf. Das Darmkrebsrisiko ist bei dieser Erkrankung ebenfalls erhöht.

Darmpolypen: Symptome

Die meisten Darmpolypen verursachen keine Beschwerden. Bei größeren Polypen kann es zu Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall, Verstopfung) oder Bauchschmerzen kommen. Gelegentlich tritt eine Schwarzfärbung des Stuhls auf oder es finden sich Spuren von Blut oder Schleim im Stuhl.

Darmpolypen: Diagnose

Darmpolypen, die im unteren Bereich des Enddarms wachsen, können durch eine rektale Tastuntersuchung mit einem Finger entdeckt werden. Verursachen die Polypen eine leichte Blutung, wird diese über einen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl, einen so genannten Hämocculttest, diagnostiziert. Daneben sollte bei entsprechender klinischer Symptomatik eine Darmspiegelung (Koloskopie) erfolgen. Dabei können vorhandene Polypen nicht nur entdeckt, sondern auch gleichzeitig entfernt und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Außerdem kann durch eine Darmspiegelung geklärt werden, ob eine andere Ursache, wie beispielsweise Darmkrebs oder eine entzündliche Darmerkrankung, den Beschwerden zugrunde liegt. Treten die Polypen im Rahmen einer Erbkrankheit auf, sind regelmäßige Darmspiegelungen unumgänglich.

Darmpolypen: Therapie

Prinzipiell werden alle Darmpolypen wegen der Entartungsgefahr entfernt und feingeweblich (histologisch) untersucht. Dies gilt besonders für Polypen, die größer als fünf Millimeter sind. Die Abtragung der Polypen kann im Rahmen der diagnostischen Darmspiegelung erfolgen. Durch den Arbeitskanal des Endoskops wird der Polyp mit einer kleinen Schlinge umfasst und an der Basis abgetragen. In der Regel verursacht dies keinerlei Schmerzen.

Darmpolypen: Verlauf

Komplikationen

Ab einer gewissen Größe können Darmpolypen das Darmlumen stark einengen. Da die Stuhlpassage dadurch erheblich behindert wird, kann es zum Darmverschluss kommen. Chronische Blutverluste durch blutende Polypen können zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Adenome können bösartig entarten. Dies geschieht bei den nicht-erblich bedingten Polypen allerdings erst nach längerem Wachstum und ab einer gewissen Größe. Das Risiko einer Entartung liegt bei zwei bis zehn Prozent. Über 90 Prozent aller kolorektalen Karzinome entwickeln sich aus einem Adenom.

Prognose

Primär handelt es sich bei Darmpolypen um eine gutartige Erkrankung, die gut behandelbar ist, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Allerdings treten bei 30 bis 50 Prozent der Erkrankten die Polypen später wieder auf.

Darmpolypen: Vorbeugen

Um Darmpolypen vorzubeugen, sollte man auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten und vielen Ballaststoffen achten. Wenn man auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet, regelmäßig Sport treibt und Übergewicht vermeidet, kann man das Risiko einer Polypenentstehung und somit das Darmkrebsrisiko verringern.

Die Bildung von Darmpolypen kann aber nicht grundsätzlich verhindert werden. Damit sie früh entdeckt und entfernt werden können, sollte man die empfohlenen und von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlten Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Dazu zählt ab dem 50. Lebensjahr ein jährlicher Hämocculttest, alternativ ab dem 56. Lebensjahr eine Darmspiegelung. Außerdem müssen Beschwerden wie beispielsweise Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut oder Schleim im Stuhl auf jeden Fall abgeklärt werden.

Wurden bereits Adenome gefunden und entfernt, erfolgen in regelmäßigen Abständen weitere Darmspiegelungen zur Kontrolle. Anhand der Größe, Form und Anzahl der Adenome sowie dem Vorhandensein von atypischen Zellen kann das individuelle Rückfall- und Entartungsrisiko abgeschätzt und die Abstände der Kontrolluntersuchungen entsprechend angepasst werden.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Darmpolypen”:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Familienhilfe Polyposis coli e.V.
Bundesverband
Am Rain 3a
36277 Schenklengsfeld
Telefon: +49-6629-1821
Fax: +49-6629-915193
info@familienhilfe-polyposis.de
www.familienhilfe-polyposis.de

Linktipps:

www.darmkrebs.de
Informationen zur Entwicklung von Darmkrebs und Früherkennungsmaßnahmen, Hubert-Burda-Stiftung

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Darmkrebs (Kolonkarzinom)

Unter Darmkrebs werden Krebserkrankungen des Dickdarms, des Mastdarms und des Anus zusammengefasst. Risikofaktoren, die Darmkrebs begünstigen, sind erbliche Veranlagung, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und ballaststoffarme Ernährung.

Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Änderungen der Stuhlgewohnheiten und Stuhlunregelmäßigkeiten können erste Anzeichen von Darmkrebs sein. Etwa die Hälfte der Tumoren des Darms ist mit dem Finger bei einer rektalen Untersuchung tastbar oder kann mittels einer Enddarmspiegelung (Rektoskopie) entdeckt werden. Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) kann der Arzt den gesamten Dickdarm beurteilen. Aus krebsverdächtigen Bereichen wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und unter dem Mikroskop genauer untersucht.

In den meisten Fällen wird der vom Krebs betroffene Darmteil mit einem bestimmten Sicherheitsabstand entfernt. Liegt der Tumor mehr als acht Zentimeter oberhalb des Schließmuskels, kann der natürliche Darmausgang erhalten bleiben, bei tieferer Lage wird ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) angelegt. Ergänzend zur Operation wird eine Chemotherapie oder Strahlentherapie durchgeführt.

Die Heilungschancen hängen vor allem davon ab, wie frühzeitig der Darmkrebs entdeckt und entfernt wird. Daher haben alle gesetzlich Versicherten in Deutschland ab dem Alter von 50 Jahren bis zur Vollendung des 55. Lebensjahrs Anspruch auf die jährliche Durchführung eines Schnelltests (sog. Hämocculttest) auf verstecktes Blut im Stuhl, welches auf eine Krebserkrankung hinweisen kann. Ab 55 Jahren kann eine Darmspiegelung als Früherkennungsmaßnahme durchgeführt und zehn Jahre später wiederholt werden.

Darmkrebs: Definition

Der Darm wird in Dünndarm, Dickdarm und Analbereich unterteilt. Der Dickdarm lässt sich noch weiter in Blinddarm (Caecum), Grimmdarm (Kolon) und Mast- oder Enddarm (Rektum) aufteilen. Grundsätzlich kann Darmkrebs in jedem Darmabschnitt entstehen; bösartige Tumoren entwickeln sich dabei hauptsächlich aus der Darmschleimhaut.

Hinsichtlich ihrer Häufigkeit, der Behandlung und der Prognose unterscheiden sich die Darmkrebserkrankungen in den genannten Regionen zum Teil erheblich voneinander. Tumoren im Dünndarm sind außerordentlich selten, während Kolonkarzinome und Rektumkarzinome (gemeinsam kolorektale Karzinome genannt) zu den häufigeren Formen von Darmkrebs zählen. Karzinome im Analbereich machen nur etwa zwei Prozent aller Darmkarzinome aus.

Die Anatomie des Darms

Prozentuale Verteilung der Darmkrebslokalisationen

Häufigkeit

Die Zahl der jährlichen Darmkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland wird für Männer und Frauen jeweils auf etwas über 35.000 geschätzt. Vor dem 40. Lebensjahr ist ein kolorektales Karzinom selten, im höheren Alter steigt das Erkrankungsrisiko an.

Während in den westlichen Industrieländern Darmkrebs eher häufig ist, tritt er in Schwellen- und Entwicklungsländern nur selten auf. Das kolorektale Karzinom ist nach dem Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) die zweithäufigste Krebserkrankung.

Darmkrebs: Ursachen

Die Entstehung von Darmkrebs wird durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt:

Vererbbare Risikofaktoren (hereditäre Prädisposition)

Es sind mehrere vererbbare Gendefekte bekannt, die zu speziellen Krankheiten mit einem hohen Risiko für Darmkrebs führen. Zu diesen vererbbaren Risikofaktoren (hereditäre Prädisposition) zählen:

  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
  • Gardner-Syndrom
  • Peutz-Jeghers-Syndrom
  • HNPCC (Lynch-Syndrom)

Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)

Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) ist durch viele Polypen im Dickdarm gekennzeichnet, aus denen sich Darmkrebs entwickeln kann. Sie wird bei einem von 10.000 Neugeborenen entdeckt.

Bei der FAP handelt es sich um eine autosomal dominant vererbbare Erkrankung. Dies bedeutet, dass eine Person, die unter dieser Erkrankung leidet, die FAP mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an ihre Kinder weitervererbt. Allerdings lässt sich bei einem Drittel der Betroffenen kein eindeutiger Erbgang nachweisen. In diesen Fällen muss der Gendefekt also neu entstanden sein. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Darmkrebs liegt bei der FAP bei hundert Prozent. Sie ist für etwa ein Prozent aller Rektumkarzinome verantwortlich.

Gardner-Syndrom

Das Gardner-Syndrom beruht auf einem ähnlichen Gendefekt wie die FAP. Es ist ebenfalls durch viele Polypen im Dickdarm gekennzeichnet, die bösartig entarten können. Daneben treten beim Gardner-Syndrom weitere gutartige Tumoren beispielsweise der Knochen (Osteome), des Fettgewebes (Lipome), des Bindegewebes (Fibrome) und Zysten der Talgdrüsen auf. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Darmkrebs liegt beim Gardner-Syndrom bei hundert Prozent.

Peutz-Jeghers-Syndrom

Auch beim Peutz-Jeghers-Syndrom entwickelt sich eine große Zahl von Polypen im Darm und im Magen. Außerdem entstehen in der Mundschleimhaut sowie an Armen und Beinen bräunliche Flecken. Gegenüber der Normalbevölkerung ist bei dieser Erkrankung das Darmkrebs-Risiko deutlich erhöht, liegt jedoch nicht bei hundert Prozent. Mit einer Erkrankung pro 120.000 Geburten ist das Peutz-Jeghers-Syndrom eher selten.

HNPCC (Lynch-Syndrom)

Das hereditäre kolorektale Karzinom ohne Polyposis (engl.: Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer, abgekürzt HNPCC), auch Lynch-Syndrom genannt, ist für fünf bis zehn Prozent der Kolon- und Rektumkarzinome verantwortlich. Meist kommt es beim HNPCC im rechten Kolon zur Krebsentstehung, häufig an zwei Stellen gleichzeitig. Auch außerhalb des Darms ist das Risiko für Karzinome bei Betroffenen erhöht.

Das mittlere Alter bei der Diagnosestellung liegt bei 45 Jahren. Ist ein Elternteil erkrankt, so beträgt das Risiko der Kinder, ebenfalls zu erkranken, zwischen 40 und 50 Prozent.

Chronische Darmerkrankungen

Chronische Darmerkrankungen sind etwa die Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn. Beide Erkrankungen sind hinsichtlich ihrer Behandlung, der Symptome und der Komplikationen ähnlich. Meist treten sie schon im Jugend- oder Kindsalter auf.

Zu den Beschwerden chronischer Darmerkrankungen gehören andauernde Durchfälle, häufige Stuhlgänge und Blutauflagerungen auf dem Stuhl. Beim Morbus Crohn ist das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, vier bis sieben mal größer als in der Normalbevölkerung. Bei Colitis ulcerosa ist dieses Risiko noch höher: Nach 25 Jahren Erkrankungsdauer bekommen 40 Prozent der Betroffenen Darmkrebs. In etwa 40 Prozent dieser Fälle tritt das Karzinom an verschiedenen Bereichen des Darms gleichzeitig auf.

Ernährung

Fettreiche und faserarme Nahrung (wenig Ballaststoffe) begünstigt das Auftreten von kolorektalen Karzinomen. Außerdem wird der häufige Genuss von stark Gesalzenem, Gepökelten oder Geräuchertem für die Entstehung von Darmkrebs verantwortlich gemacht.

Lebensgewohnheiten

Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen sind mit einer höheren Rate an Darmkrebserkrankungen verbunden.

Darmkrebs: Symptome

Bei Darmkrebs können folgende Symptome auftreten:

  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl
  • Darmkrämpfe
  • Wechsel zwischen Durchfällen und Verstopfung
  • Änderungen der Stuhlgewohnheiten
  • Blähungen
  • Schmerzen
  • Ungewollter Abgang von Stuhl bei Blähungen
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Tastbare Verhärtungen im Bauchraum

Da die Veränderungen bei Darmkrebs oft nur langsam eintreten, bemerken viele die Erkrankung zunächst kaum. Blutauflagerungen auf dem Stuhl können das einzige Frühzeichen von Darmkrebs sein und sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Darmkrebs: Diagnose

Je nach Lokalisierung des Darmkrebses kann die Diagnose mit unterschiedlichen Methoden gestellt werden. Etwa ein Drittel aller kolorektalen Karzinome liegen im nur 15 Zentimeter langen Enddarm und ist daher sehr einfach durch eine schmerz- und risikolose Tastuntersuchung mit dem Finger zu entdecken. Etwas tiefere Regionen können mithilfe der Enddarmspiegelung (Rektoskopie) untersucht werden.

Zur Beurteilung des gesamten Dickdarms wird die Darmspiegelung (Koloskopie) eingesetzt. Bei dieser können aus krebsverdächtigen Arealen gleichzeitig Gewebeproben entnommen (Biopsie) und unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht werden. Auch spezielle Röntgenuntersuchungen, wie etwa ein Kolonkontrasteinlauf, können bei der Diagnose von Darmkrebs helfen.

Wurde auf diese Weise ein Darmkrebs festgestellt, sind meist weitere Untersuchungen notwendig, um die Ausbreitung des Tumors genau beurteilen zu können. Dieses Wissen ist bei der Entscheidung über die beste Behandlungsform und zur Beurteilung der Heilungschancen unerlässlich.

Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung von Darmkrebs wird nach dem TNM-System vorgenommen. Dabei werden die Tumorgröße, die Gewebezerstörung und vorhandene Tochtergeschwülste (Metastasen) berücksichtigt. Von großer Bedeutung ist es, ob der Tumor bis an die Beckenwand heranreicht oder Nachbarorgane wie Blase, Gebärmutter, Prostata, Knochen, Scheide oder die Haut befallen hat und welche Wandschichten des Darms betroffen sind. Außerdem wird untersucht, ob Tochtergeschwülste in den Beckenlymphknoten oder in anderen Organen wie Leber oder Lunge vorhanden sind.

Für die Stadieneinteilung werden meist eine Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens und ein Ultraschall und/oder eine Computertomographie (CT) des Bauchs durchgeführt. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gehört ebenfalls zu den routinemäßig bei Darmkrebs durchgeführten Untersuchungen. Auch Laboruntersuchungen wie ein Blutbild und die Bestimmung des bei Darmkrebs im Blut oft erhöhten CEA-Werts (carcinoembryonales Antigen) werden mehrfach im Laufe der Erkrankung vorgenommen.

Darmkrebs: Therapie

Auf Basis der vorangegangenen Untersuchungsergebnisse wird bei Darmkrebs eine individuelle Therapie festgelegt. Zentraler Bestandteil der Behandlung ist die Operation mit vollständiger Entfernung des Tumors. Absiedelungen (Metastasen) des Tumors in Lunge, Leber und Bauchraum werden ebenfalls häufig operativ entfernt.

Ist der Darmkrebs weiter fortgeschritten, verlagert sich der Therapieschwerpunkt mehr zu den nicht-operativen Maßnahmen wie der Strahlen- und der Chemotherapie. Sie werden häufig ergänzend zur Operation, einzeln oder in Kombination eingesetzt. Vor der Operation dienen sie dazu, den Tumor zu verkleinern und so die Operation zu erleichtern (sog. neoadjuvante Therapie). Auch Tumoren, die zunächst zu groß für eine operative Entfernung sind, können nach einer solchen Vorbehandlung häufig doch noch operiert werden. Eine im Anschluss an die Operation durchgeführte Chemo- oder Strahlentherapie (sog. adjuvante Therapie) soll noch vorhandene Krebszellen abtöten. Während die Strahlentherapie nur lokal im Bereich des Bestrahlungsfelds wirken kann, erfasst die Chemotherapie auch bereits abgesiedelte Krebszellen im ganzen Körper.

Besonders in der Behandlung weit fortgeschrittener Darmkrebserkrankungen bietet die Chemotherapie mit einer Reihe neu entwickelter Präparate den Erkrankten längeres Überleben – teilweise mehrere Jahre gegenüber wenigen Monaten ohne Therapie – und eine bessere Lebensqualität. So werden Schmerzen gelindert, die Mobilität bleibt länger erhalten und die Erkrankung stabilisiert sich häufig über einen längeren Zeitraum, was nicht nur körperlich, sondern auch psychisch von großer Bedeutung ist.

Therapie des Kolonkarzinoms

Die Therapie des Kolonkarzinoms besteht in der Regel in einer Operation, bei der eine möglichst vollständige Entfernung des Tumorgewebes angestrebt wird. Das Ausmaß der Operation richtet sich nach der Blutversorgung des betroffenen Darmabschnitts und nach dessen Lymphabfluss. So kann es bei einem Karzinom im aufsteigenden Dickdarmabschnitt nötig sein, den halben Dickdarm zu entfernen (Hemikolektomie). Bei einem Karzinom im Querkolon müssen größere Teile des Darms entfernt werden, da hier vielfältige Querverbindungen zwischen den Blutgefäßen aller Dickdarmanteile bestehen und weit verstreute Lymphknotenmetastasen entstanden sein könnten.

Eine Strahlentherapie wird im Gegensatz zur Behandlung bei einem Rektumkarzinom in der Regel nicht durchgeführt. Eine Ausnahme sind große, an der Bauchwand fest verwachsene Tumoren. Die Chemotherapie und die operative bzw. Lasertherapie bei vorhandenen Lebermetastasen entsprechen im Wesentlichen der des Rektumkarzinoms.

Therapie des Rektumkarzinoms

Die wichtigste Therapie des Rektumkarzinoms ist die Operation. Dabei wird eine so genannte en-bloc-Resektion durchgeführt. Bei dieser wird der Tumor in seiner gesamten Ausdehnung einschließlich einem fünf Zentimeter breiten Sicherheitsabstand mitsamt seiner Blutgefäße und Lymphknoten entfernt. Liegt der Tumor mehr als acht Zentimeter oberhalb des Anuskanals, können der normale Stuhlgang und die normale Schließmuskelfunktion in der Regel erhalten bleiben. Ist der Tumor sehr dicht am Analkanal gelegen, ist meist ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) notwendig.

In der Regel wird bei einen Rektumkarzinom nach der Operation täglich über einen Zeitraum von fünf bis sieben Wochen eine Strahlentherapie mit ionisierenden Strahlen durchgeführt. Nur in frühen Tumorstadien ohne Lymphknoten-Befall, wenn ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) unwahrscheinlich ist, kann auf diese Bestrahlung verzichtet werden. Je nach Tumorgröße und Lage kann vor der Operation auch eine Tumorverkleinerung mit Chemotherapie und Bestrahlung (simultane Radiochemotherapie) notwendig sein. Auch nach einer erfolgreich verlaufenden Operation mit kompletter Krebsentfernung kann mithilfe einer Chemotherapie das Wiederauftreten des Tumors verhindert werden.

Medikamente bei der Chemotherapie

Der Wirkstoff 5-Fluorouracil (5-FU) bildete als Einzelwirkstoff und später in Kombination mit Folinsäure (5-FU/FA) über 30 Jahre den Standard in der Chemotherapie bei Darmkrebs. In den letzten Jahren wurde eine Reihe neuer, hochwirksamer Substanzen entwickelt, die heute erfolgreich eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderen die Wirkstoffe Oxaliplatin und Capecitabine. Gute Erfolge werden auch mit dem im Jahre 2000 zugelassenen Irinotecan erreicht, welches aus der Substanz Camptothecin, einem pflanzlichen Wirkstoff des chinesischen Baumes Xi-Shu, hergestellt wird.

Mit der Kombination von 5-FU und den neuen Medikamenten werden deutlich gesteigerte Therapieerfolge erzielt. Auch in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien können so deutlich verlängerte Überlebensraten bei verbesserter Lebensqualität erreicht werden, teilweise mehrere Jahre gegenüber wenigen Monaten ohne Behandlung.

Inzwischen ist 5-FU auch in Tablettenform verfügbar. Im Vergleich zu seiner Gabe als Infusion sind die Tabletten verträglicher und die Therapie ist für den Patienten angenehmer und einfacher.

Die in der Chemotherapie eingesetzten, stark wirksamen Medikamente bringen auch einige unerwünschte Begleiterscheinungen mit sich. Hierzu gehören z.B. Appetitlosigkeit, Durchfall und Haarausfall. Die Häufigkeit und die Ausprägung dieser Nebenwirkungen haben allerdings mit dem Einsatz der neuen Wirkstoffe und moderner Behandlungsprotokolle abgenommen. Zudem sind die unerwünschten Wirkungen in der Regel gut medikamentös behandelbar und klingen nach Beendigung der Chemotherapie bzw. des jeweiligen Chemotherapiezyklus schnell wieder ab.

Wärmetherapie

Die Wärmetherapie (Hyperthermie) ist in Kombination mit einer Strahlentherapieein neuer Therapieansatz in der Therapie von Darmkrebs. Kurz vor oder nach einer Bestrahlung des Beckens wird die zu bestrahlende Region dabei auf etwa 40 bis 42°C erwärmt.

Lasertherapie

Wenn sich Tochtergeschwülste (Metastasen) des Darmkrebses in der Leber abgesiedelt haben (Lebermetastasen), können diese operativ entfernt werden, soweit dabei nicht zuviel Lebergewebe entfernt werden muss. Eine gute Voraussetzung ist es, wenn die Metastasen sich nur auf einen Leberlappen beschränken, der dann vollständig entfernt werden kann.

Sind beide Leberlappen betroffen und ein Herausschneiden der Metastasen unmöglich, kann die Lasertherapie weiterhelfen. Bei dieser werden Lebermetastasen mithilfe eines über ein Endoskop eingeführten Lasers gewissermaßen verbrannt. Damit die Lasertherapie erfolgreich sein kann, dürfen die Lebermetastasen allerdings eine bestimmte Anzahl und Größe nicht überschreiten.

Ernährung bei Darmkrebs

Durch verschiedene Therapien (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) kann es bei Darmkrebs zu starkem Gewichtsverlust kommen, da die Behandlung einen großen Teil des Verdauungstrakts direkt beeinflusst. Daher ist zumindest vorübergehend häufig eine spezielle Ernährung bei Darmkrebs nötig. Nach einer erfolgreichen Operation normalisiert sich das Gewicht mit der Zeit jedoch in der Regel wieder.

Zieht sich die Therapie über eine längere Zeit hin oder haben sich Metastasen in anderen Regionen des Körpers gebildet, ist häufig eine längerfristige Ernährungsunterstützung nötig. Diese wird individuell durch Ärzte und Ernährungsexperten erstellt. Wichtig ist bei der speziellen Ernährung, dass sie die Verdauungsorgane möglichst wenig belastet, jedoch kalorienreich ist, um den Gewichtsverlust auszugleichen.

Nach der Therapie kann damit begonnen werden, sich wieder langsam an normale, ausgewogene Kost zu gewöhnen. Diese sollte zunächst ballaststoffarm und nicht blähend sein. Ballaststoffe gehören in der Regel zu einer gesunden Ernährung dazu. Nach einer Darmkrebs-Therapie sind sie jedoch zunächst zu belastend für den Darm.

Auf längere Zeit gesehen gibt es jedoch nach einer Darmkrebs-Erkrankung keine speziellen Ernährungs-Regeln, solange die Ernährung weitgehend ausgewogen ist. Dies gilt auch, wenn im Rahmen der Darmkrebs-Therapie ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde oder der Darm verkürzt wurde. Kommt es zu Verstopfungen, sollten diese ärztlich abgeklärt und betreut werden.

Künstlicher Darmausgang, verkürzter Darm

Ein künstlicher Darmausgang oder ein verkürzter Darm bedeuten nicht zwingend, dass eine spezielle Ernährung erforderlich ist. Häufig ist jedoch eine Ernährungsberatung sinnvoll, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und den Verdauungstrakt nicht unnötig zu belasten.

Da ein künstlicher Darmausgang (Stoma) in der Regel durch die Bauchdecke gelegt wird, sollte Übergewicht vermieden werden, um den Zugang nicht zu behindern.

Je nachdem, in welchem Bereich der Darm gekürzt wurde, kann es zu Mangelerscheinungen kommen, dies muss aber nicht notwendigerweise der Fall sein. Häufig treten jedoch Durchfälle auf, da der Stuhl nicht mehr ausreichend eingedickt werden kann. In diesem Fall ist es besonders wichtig, ausreichend viel zu trinken. Zudem sollte regelmäßig der Elektrolythaushalt ärztlich kontrolliert werden.

Darmkrebs: Verlauf

Prognose

Nur in einem Drittel aller Darmkrebsfälle entwickeln sich nach einer erfolgreichen Operation Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen), hauptsächlich in der Leber (75 Prozent). Das Risiko für das Wiederauftreten des Tumors im Becken (lokales Rezidiv) ist noch geringer: Insgesamt entstehen in 40 Prozent der Fälle ausschließlich lokale Rezidive ohne Fernmetastasen. 80 Prozent der Rezidive treten in den ersten beiden Jahren nach der Operation auf. Nach fünf Jahren werden praktisch keine neuen Rezidive mehr festgestellt.

Die Heilungschancen bei Darmkrebs hängen wie bei allen bösartigen Tumoren maßgeblich vom Tumorstadium ab. Befinden sich darüber hinaus Metastasen in der Leber, so verschlechtert sich die Prognose. Nicht selten sendet der Tumor jedoch nur eine Metastase in die Leber, andere Organe bleiben verschont. In diesem Fall ist es möglich, die Lebermetastase operativ zu entfernen oder durch eine Lasertherapie zu behandeln. Wenn der ursprüngliche Tumor entfernt ist und keine weiteren Metastasen zu finden sind, besteht auch in diesen Fällen eine Aussicht auf eine endgültige Heilung.

Komplikationen

In fortgeschrittenen Stadien von Darmkrebs kann es aufgrund der Tumorgröße und dem Befall von Nachbarorganen zu Folgeerkrankungen kommen. Blutet der Tumor stark, kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln. Wächst der Tumor sehr stark, kann die Stuhlpassage erschwert oder unmöglich werden. Ein solcher Darmverschluss (Ileus) muss umgehend durch eine Operation beseitigt werden.

Eine sofortige Operation ist ebenfalls notwendig, wenn der Tumor die äußere Darmwand durchbrochen hat und Darminhalt in den offenen Bauchraum gelangt. Dabei entstehen starke, plötzlich einsetzende Schmerzen – die nachfolgende Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) kann lebensgefährlich sein. An Lunge und Leber kann es durch Metastasen zu Gewebszerstörungen und weiteren Komplikationen kommen.

Nachsorge

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Nachsorge, bei denen ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) möglichst frühzeitig erkannt werden soll. Zu den Nachsorgeuntersuchungen bei Darmkrebs gehören eine körperliche Untersuchung, eine Darmspiegelung, Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums und die Bestimmung des CEA-Werts im Blut. Häufigkeit, Dauer und Inhalte der Nachsorge richten sich nach der Tumorart, der Tumorausbreitung, dem Operationserfolg, der gewählten Nachbehandlung und dem Gesundheitszustand des Operierten.

Darmkrebs: Vorbeugen

Wie bei anderen Krebserkrankungen auch, ist die Früherkennung für die Prognose von Darmkrebs entscheidend. Jeder sollte die jährliche Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr wahrnehmen. Außerdem wurde am 1. Oktober 2002 die Darmspiegelung (Koloskopie) ins Krebs-Früherkennungsprogramm aufgenommen. Damit hat jeder Bürger im Alter von 55 und 65 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme.

Da es eine Reihe vererbbarer Erkrankungen gibt, die mit dem Auftreten eines kolorektalen Karzinoms in Zusammenhang stehen, sollten Personen, in deren Verwandtschaft Darmkrebs aufgetreten ist, ihren Arzt um Rat fragen und auf mögliche Symptome achten.

Mehr als die Hälfte aller kolorektalen Karzinome sind leicht mit dem Finger zu tasten oder mit einer Spiegelung des Enddarms (untere 15 cm) zu entdecken. Zu jeder körperlichen Untersuchung – besonders im Rahmen einer Krebsvorsorge – gehört zumindest der Tastbefund. Diese Untersuchung sollte auch dann erfolgen, wenn keine Symptome aufgetreten sind, die auf einen Darmkrebs hinweisen könnten.

Wenn Blutauflagerungen auf dem Stuhl vorkommen, erfolgt eine sorgfältige Diagnostik mit der Suche nach einem Darmkrebs. Dabei ist zu beachten, dass nicht selten zeitgleich auch blutende Hämorrhoiden vorliegen können. Diese dürfen nicht vorschnell als alleinige Ursache der Blutauflagerungen abgehandelt werden.

In den Industrieländern kommt das kolorektale Karzinom wahrscheinlich deshalb sehr viel häufiger vor als in sozio-ökonomisch weniger weit entwickelten Ländern, weil die Nahrung insgesamt relativ faserarm (ballaststoffarm) ist. Kost mit zahlreichen unverdaulichen Fasern verkürzt die Stuhlpassage und damit die Kontaktzeit von krebserregenden Stoffen mit der Darmwand. Der Zusammenhang von Stuhlkontaktdauer und Krebsentstehung erklärt auch, weshalb die Tumoren bevorzugt in den unteren Darmabschnitten und im Enddarm vorkommen. Hier ist die Kontaktzeit mit dem Stuhl am längsten. Man sollte also auf faserreiche Kost achten, Gepökeltes und Geräuchertes meiden oder zumindest reduzieren. Fünf Portionen Obst oder Gemüse pro Tag gelten als ideal.

Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen können das Darmkrebsrisiko erhöhen. Wer 30 bis 60 Minuten täglich moderat körperlich aktiv ist, sein Normalgewicht halten kann (BMI < 25 kg/m 2) und nicht raucht, trägt nicht nur ein deutlich geringeres Risiko an Darmkrebs zu erkranken, sondern ist auch vor vielen weitern Krebsarten sowie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser geschützt.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Darmkrebs (Kolonkarzinom)”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Arzneimittelinformationen zu Darmkrebs

Darmkrebsvorsorge

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Campylobacter-Infektion

Unter einer Campylobacter-Infektion versteht man eine Entzündung des Darms durch Bakterien der Gattung Campylobacter. Von den mehr als 20 verschiedenen Campylobacter-Arten ist in den Industrieländern vor allem die Art Campylobacter jejuni von Bedeutung.

Campylobacter jejuni ist nach den Salmonellen die zweithäufigste Ursache für infektiöse Durchfallerkrankungen und verursacht neben Durchfall Beschwerden wie Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Die seltene Infektion mit der Art Campylobacter fetus führt zu einer schweren fieberhaften, systemischen Erkrankung mit verschiedenen Krankheitsbildern wie Durchfall, Hirnhautentzündung (Meningitis), Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) und Entzündungen von Gelenken (Arthritis). Meist liegt der Infektion mit Campylobacter fetus eine Erkrankung zugrunde, bei der das Immunsystem der Infizierten stark geschwächt ist (HIV-Infektion, Tumorerkrankungen).

Die Verdachtsdiagnose der Campylobacter-Infektion richtet sich nach den Symptomen und wird durch einen Erregernachweis aus Stuhl- und Blutproben oder anderen Körpersekreten bestätigt. Da Campylobacter-Infektionen von alleine ausheilen, das heißt selbstlimitierend verlaufen, ist in der Regel keine Antibiotika-Gabe notwendig. Die Therapie besteht daher aus einer Behandlung der Symptome mit Flüssigkeits- und Nährstoffausgleich oder Schmerzmitteln. Bei schwerwiegenderen Campylobacter-Infektionen oder Campylobacter fetus ist hingegen die Einnahme von Antibiotika ratsam. Campylobacter-Infektionen verlaufen in der Regel gut, es sind jedoch Verläufe mit anschließend auftretenden Gelenk- oder Nervenentzündungen möglich. Einer Campylobacter-Infektion kann leicht durch hygienische Maßnahmen vorgebeugt werden..

Darmentzündung durch Campylobacter: Definition

Als Campylobacter-Infektion bezeichnet man eine Entzündung des Darms, welche durch Bakterien der Gattung Campylobacter ausgelöst wird und die vor allem über Haus- und Nutztiere übertragen werden. Bisher sind mehr als 20 Arten bekannt

Neben den Salmonellen ist die Campylobacter-Infektion mit der Art Campylobacter jejuni der zweithäufigste Auslöser bakterieller Darminfektionen mit Durchfall in den Industrieländern. In den USA treten im Jahr etwa 54 bis 60 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner auf. Im Sommer häufen sich die durch Campylobacter-Infektion verursachten Darmentzündungen. In Entwicklungsländern verläuft die Erkrankung oft endemisch, das heißt die Campylobacter-Infektionen sind ständig präsent und betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Daher treten Campylobacter-Infektionen gehäuft nach Reisen in solche Gebiete auf. Campylobacter fetus ist seltener als andere Campylobacter-Arten, verursacht jedoch eine Infektion, die nicht nur auf den Darm beschränkt ist und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Darmentzündung durch Campylobacter: Ursachen

Der Campylobacter-Infektion liegt eine Entzündung mit Bakterien der Gattung Campylobacter zugrunde. Diese Erreger sind schlanke, spiralig gekrümmte Stäbchenbakterien und gehören zur Gruppe der so genannten Aerobier (griech. aeros = Luft, bios = Leben), die ausschließlich in Gegenwart von Sauerstoff wachsen können. Man unterscheidet mehr als 20 verschiedene Campylobacter-Arten. Die in Deutschland und den Industrienationen am häufigsten vorkommende Ursache für Campylobacter-Infektionen ist Campylobacter jejuni. Des Weiteren sind Campylobacter coli, manchmal auch Campylobacter upsaliens und Campylobacter cryaerophila von Bedeutung. Ein bedrohlicher Krankheitserreger ist Campylobacter fetus, welcher zwar selten auftritt, dafür aber neben der Darminfektion weitere schwerwiegende Erkrankungen verursachen kann. Personen, die sich mit dem Bakterium infizieren, leiden in den meisten Fällen bereits unter einem durch eine schwere Grunderkrankung geschwächten Immunsystem, wie zum Beispiel HIV-Infektionen, bösartige Tumoren oder fortgeschrittene Leberzirrhose bei Alkoholismus.

Der natürliche Lebensraum der Campylobacter-Bakterien sind verschiedene Haus- und Nutztiere. Daher erfolgt die Campylobacter-Infektion überwiegend über die Aufnahme von verschmutzten Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs und über Trinkwasser. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch durch eine Schmierinfektion ist möglich, da erkrankte Personen und Tiere den Erreger über den Kot ausscheiden. Die Infektionsdosis, das heißt die Menge benötigter Erreger um eine Campylobacter-Infektion auszulösen, ist mit etwa 500 Keimen gering. Daher sind Campylobacter-Infektionen sehr ansteckend.

Ist eine Person mit Campylobacter infiziert, vermehren sich die Bakterien in allen Darmabschnitten und schädigt auf direktem Weg die Schleimhaut des Darmtrakts. Außerdem kann der Erreger in vielen Fällen ein Gift (sog. Enterotoxin) bilden, welches den Körper schädigt und die Krankheitssymptome mit verursacht.

Darmentzündung durch Campylobacter: Symptome

Die Symptome der Campylobacter-Infektion durch die typischen Erreger verlaufen in der Regel ähnlich und werden hier am Beispiel des häufigen Campylobacter jejuni beschrieben. Wegen dem unterschiedlichen Krankheitsverlauf ist Campylobacter fetus abzugrenzen.

Campylobacter jejuni

Bei einer Infektion mit Campylobacter jejuni kommt es nach zwei bis elf Tagen zu einem etwa einen Tag andauernden Vorstadium mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und hohem Fieber bis 40 Grad Celsius. Ein Viertel der Betroffenen zeigt heftiges Erbrechen. In der zweiten Phase der Erkrankung treten akute kolikartige Bauchschmerzen und Durchfälle auf. Die Betroffenen leiden unter häufigen Darmentleerungen, insgesamt bis zu zwanzig Stück am Tag. Die Durchfälle sind in der Regel wässrig, später können sie mit Schleim und Blut vermengt sein. Die mittlere Krankheitsdauer der Campylobacter-Infektion liegt bei etwa einer Woche, in schweren Fällen kann sie allerdings bis zu acht Wochen andauern.

Campylobacter fetus

Erkrankungen durch Campylobacter fetus sind durch einen schweren systemischen Verlauf gekennzeichnet. Die Bakterien bleiben nicht nur im Darm, sondern werden über das Blut in andere Körperorgane transportiert und siedeln sich dort an. Auf diese Weise kommt es neben Durchfällen zu verschiedenen anderen Krankheitsbildern, wie etwa zu Hirnhautentzündungen (Meningitis), Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis), Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Venenentzündungen (Phlebitis), Eiteransammlung in Geweben (Abszesse) und Fehlgeburten (Abort).

Darmentzündung durch Campylobacter: Diagnose

Die Diagnose erfolgt über den Nachweis der Campylobacter-Bakterien in Blut- oder Stuhlproben. Auch Campylobacter fetus lässt sich in der Regel ohne Schwierigkeiten im Stuhl, Blut, Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) oder in Eiteransammlungen bestimmen.

Darmentzündung durch Campylobacter: Therapie

Eine Campylobacter-Infektion heilt meist von selbst aus. Deshalb genügt es bei einem schwachen Krankheitsverlauf die Symptome zu behandeln. Der durch die wässrigen Durchfälle auftretenden Flüssigkeits- und Salzverluste kann über eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls mithilfe von Infusionen ausgeglichen werden.

Bei schweren Verläufen einer Campylobacter-Infektion kann eine Antibiotika-Therapie notwendig werden. Infektionen mit Campylobacter fetus müssen in jedem Fall medikamentös behandelt werden. Bei Verdacht ist es empfehlenswert, die Antibiotika-Behandlung auch ohne Erregernachweis in den ersten zwei Krankheitstagen zu beginnen. Zu den bei Campylobacter-Infektionen wirksamen Medikamenten zählen die Antibiotika Erythromycin, Ciprofloxacin und Aminoglykoside.

Darmentzündung durch Campylobacter: Verlauf

Eine Campylobacter-Infektion verläuft in der Regel gutartig, in einigen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten. Durch die Schädigung der Darmwand ist diese besonders anfällig für die Infektion mit weiteren Erregern. Daher sind Mischinfektionen mit Salmonellen, Shigellen, enteropathischen Escherichia coli (EPEC) und Rotaviren möglich. Eine mögliche Mischinfektion sollte bei der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden. Des Weiteren kann die Campylobacter-Infektion bei zehn bis zwanzig Prozent der Erkrankten und insbesondere bei Kindern chronisch werden oder erneut auftreten.

Als Folgeerkrankung der Campylobacter-Infektion können ein bis zwei Wochen nach Krankheitsende Entzündungen der Gelenke auftreten. Die so genannten Arthritiden halten einige Wochen an, heilen aber von selbst. Des Weiteren kommt es nach einer Campylobacter-Infektion in einigen Fällen zum so genannten Guillain-Barré-Syndrom. Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine Entzündung von Nervenwurzeln im Rückenmark und Nerven. Es entwickelt sich häufig nach einem Infekt der oberen Luftwege oder des Magen-Darm-Trakts. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Infekt und dem Guillain-Barré-Syndrom, kann in den meisten Fällen eine vorangehende Campylobacter-Infektion nachgewiesen werden.

Die Infektion mit Campylobacter fetus verläuft wegen der häufig vorliegenden Grunderkrankung meist schwer. Neben der bestehenden Darminfektion können Entzündungen in weiteren Organen entstehen und in einigen Fällen ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen oder mit dem Tod enden.

Meldepflicht

Der Verdacht auf eine Campylobacter-Infektion, eine Erkrankung oder einen dadurch ausgelösten Tod sind bei Personen meldepflichtig, die beruflichen Umgang mit Lebensmitteln haben. Dagegen ist der direkte oder indirekte Nachweis des Erregers stets meldepflichtig, sofern die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen. Personen, die beruflich mit Lebensmitteln betraut sind, dürfen während der Campylobacter-Infektion nicht in ihrem Bereich tätig sein.

Darmentzündung durch Campylobacter: Vorbeugen

Einer Campylobacter-Infektion kann durch ausreichende Hygiene vorgebeugt werden. Es ist ratsam, verunreinigtes Wasser oder mit Erregern in Berührung gekommene Lebensmittel nicht unbehandelt beziehungsweise roh zu sich zu nehmen. Betroffene können nach Abklingen der Symptome und besonders bei schwereren Krankheitsverläufen einige Wochen lang den Krankheitserreger über den Stuhl ausscheiden und somit weitere Personen anstecken. Es ist daher empfehlenswert, zur Prävention der Campylobacter-Infektion auf Desinfektion und Hygiene, vor allem in der Versorgung von Kindern, zu achten.

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Darmdivertikel

Divertikel sind pilz-, birnen- oder sackförmige Ausstülpungen an der Wand eines Hohlorgans. Divertikel treten beispielsweise im Darm, in der Harnblase oder in der Speiseröhre auf.

Im Dünndarm verursachen Divertikel meist keine Beschwerden und werden oft nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. Gelegentlich führen sie jedoch zu Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl und Durchfällen. Die Diagnosestellung der Dünndarmdivertikel erfolgt in der Regel durch eine Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittel. Nur in seltenen Fällen müssen Dünndarmdivertikel chirurgisch entfernt werden.

Divertikel des Dickdarms kommen vor allem bei älteren Menschen häufig vor. Treten sie in größerer Zahl auf, wird von einer Divertikulose gesprochen. Die Diagnose ergibt sich meist bereits aus dem Beschwerdebild und einer Blutanalyse und wird durch eine Dickdarmspiegelung (Endoskopie) gesichert. Dickdarmdivertikel werden meist symptomatisch, in erster Linie über eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, behandelt.

Bei etwa 20 Prozent aller Betroffenen mit Divertikulose entzünden sich im Laufe ihres Lebens die Divertikel (Divertikulitis). Dies macht sich durch Beschwerden wie länger anhaltende, hauptsächlich im linken Unterbauch angesiedelte Bauchschmerzen, Verstopfung oder auch Durchfälle bemerkbar.

Darmdivertikel: Definition

Divertikel (lat. diverticulum = Abweg, Abweichung) sind pilz-, birnen- oder sackförmige Ausstülpungen an der Wand eines Hohlorgans. Divertikel treten beispielsweise im Darm, in der Harnblase oder in der Speiseröhre auf. Sie können entweder angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Entsteht innerhalb eines Hohlorgans ein größerer Druck oder ziehen bindegewebige Strukturen wie zum Beispiel Narben von außen an der Wand des Organs, dann können schwache Stellen der Wand nachgeben und sich nach außen wölben. Nur wenn dabei die gesamte Wand des Hohlorgans vorgewölbt ist, kann von einem echten Divertikel gesprochen werden. Diese echten Divertikel sind angeboren und treten einzeln auf (wie zum Beispiel das so genannte Meckel-Divertikel des Dünndarms). Wenn hingegen lediglich die Schleimhaut, also die innerste Wandschicht des Hohlorgans, gewölbt ist (Schleimhautprolaps), handelt es sich um so genannte falsche oder Pseudodivertikel.

Die meisten Divertikel des Dünn- und Dickdarms sind Pseudodivertikel. Sie erreichen Erbsen- bis Kirschgröße. Sind sehr viele Pseudodivertikel im Dickdarm vorhanden, wird dies als Divertikulose bezeichnet.

Wird eine Divertikelöffnung durch Stuhl verschlossen, entsteht eine entzündliche Veränderung in den Divertikelhälsen, eine Divertikulitis.

Häufigkeit

Divertikel des Dünndarms kommen selten vor. Da sie meist nur zufällig entdeckt werden, liegen keine zuverlässigen Angaben zur Häufigkeit ihres Auftretens vor. Man vermutet, dass etwa 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung Dünndarmdivertikel ausbilden.

Eine Sonderform, das angeborene Meckel-Divertikel, wird meist während der operativen Entfernung des Blinddarms entdeckt. Bei etwa drei Prozent dieser Operationen findet man ein solches Meckel-Divertikel.

Divertikel des Dickdarms hingegen treten häufig auf. Es handelt sich dabei im weiteren Sinne um eine altersbedingte Veränderung des unteren Dickdarms. In den westlichen Ländern sind etwa 50 Prozent der über 60-Jährigen davon betroffen. In über 80 Prozent der Fälle befinden sich die Divertikel im hinteren Darmabschnitt vor dem Mastdarm, im so genannten Sigma, und treten in größerer Zahl (Divertikulose) auf. Vor dem 30. Lebensjahr bilden sich Divertikel eher selten.

In Asien und Afrika treten Divertikel auch im höheren Lebensalter seltener auf. Innerhalb der Einwanderergruppen aus diesen Gebieten in die westlichen Industrieländer steigt die Erkrankungshäufigkeit sprunghaft an und erreicht nach etwa zehn Jahren Aufenthalt westlichen Durchschnitt. Dies deutet auf ernährungsbedingte Ursachen hin.

Darmdivertikel: Ursachen

Der genaue Entstehungsmechanismus von Darmdivertikeln ist noch ungeklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel von Druckerhöhung im Darm auf der einen und Schwäche der Darmwand auf der anderen Seite. In der Muskelschicht der Darmwand gibt es anatomisch bedingte Lücken, in denen die versorgenden Blutgefäße verlaufen. Der altersbedingte Abbau des die Gefäße umgebenden Bindegewebes macht diese Schwachstellen zusätzlich empfindlich. Bei einer Druckerhöhung im Inneren des Darms wird die Schleimhaut schließlich durch die Lücken in der Muskelschicht gepresst, sodass ein Divertikel entsteht.

Eine dauerhaft ballaststoffarme Ernährung begünstigt die Entstehung von Darmdivertikeln. Durch die geringe Menge unverdaulicher Fasern entsteht wenig Stuhl, der aufgrund des mangelnden Nachschubs nur langsam durch den Dickdarm befördert wird. Dabei muss sich die Wand des Darms stark zusammenkrampfen, um den wenigen Inhalt vorwärts zu bewegen. Der Druck im Inneren des Darms steigt. Während der Passage durch den Dickdarm wird vom Körper Wasser aus dem Stuhl aufgenommen (resorbiert), sodass die Menge des Stuhls weiter abnimmt. Der Darmabschnitt vor dem Mastdarm (Enddarm), der wegen seines S-förmigen Verlaufs nach dem entsprechenden griechischen Buchstaben Sigma oder Sigmoid genannt wird, ist daher am stärksten von der Divertikelbildung betroffen.

Darmdivertikel: Symptome

Die Symptome von Darmdivertikeln unterscheiden sich je Lage und Art der Ausstülpungen.

Dünndarmdivertikel

Dünndarmdivertikel bleiben meist symptomlos. Mitunter klagen die Betroffenen jedoch über Bauchschmerzen, Völlegefühl und gelegentliche Durchfälle. Durch einen divertikelbedingten Stau des Stuhls kann es zu einer Ansammlung von Bakterien im Dünndarm mit einer nachfolgenden Störung der Fettverdauung kommen. Das unverdaute Fett wird über den Stuhl in Form so genannter Fettstühle (Steatorrhoe, auch Butter- oder Salbenstuhl) ausgeschieden, die sich als Durchfälle bemerkbar machen.

Gleichzeitig ist die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus der Nahrung gestört, sodass Vitaminmangelzustände die Folge sein können. Zudem bilden sich zunehmend Bakterien, welche die für die Bildung der roten Blutkörperchen unerlässlichen Vitamine B12 und B9 (Folsäure) vermehrt abbauen. In der Folge entsteht eine Blutarmut (Anämie).

Das angeborene Meckel-Divertikel, das sich stets im unteren Teil des Dünndarms (Ileum) befindet, tritt erst durch die Ausbildung von Komplikationen wie Entzündungen, Blutungen oder durch einen Darmverschluss in Erscheinung.

Dickdarmdivertikel, Divertikulose

Dickdarmdivertikel beziehungsweise Divertikulosen verursachen in den meisten Fällen zunächst kaum Beschwerden. Oft berichten die Betroffenen über Stuhlunregelmäßigkeiten mit Verstopfungen, Blähungen (Flatulenz) oder Durchfällen. Erst bei Komplikationen wie Entzündungen der Divertikel (Divertikulitis) treten schwerere spezifische Symptome wie Schmerzen, Fieber und Veränderungen des Stuhlverhaltens auf.

Darmdivertikel: Diagnose

Darmdivertikel werden aufgrund der geschilderten Beschwerden sowie anhand von körperlichen Untersuchungen diagnostiziert.

Dünndarmdivertikel

Dünndarmdivertikel werden oft durch Zufallsbefunde im Rahmen von Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmitteln entdeckt. Die Sonderform, das Meckel-Divertikel, wird häufig während einer Blinddarmoperationen entdeckt.

Dickdarmdivertikel, Divertikulose

Wiederholte Verdauungsprobleme in Form von Verstopfung und Blähungen deuten bei älteren Menschen darauf hin, dass eine Divertikulose vorliegt. Um andere Erkrankungen wie den so genannten Reizdarm oder auch Darmtumoren auszuschließen, wird die Diagnose in der Regel mithilfe einer Darmspiegelung (Endoskopie) und einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln gestellt.

Haben sich Divertikel entzündet (Divertikulitis), ergibt sich die Diagnose bereits aus dem meist akuten Beschwerdebild, der körperlichen Untersuchung und den Laborbefunden. Im Blut lassen sich eine starke Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) und eine erhöhte Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen nachweisen. Tritt die Entzündung auf die Harnblase über, so befinden sich weiße oder rote Blutkörperchen im Urin. Zur Sicherung der Diagnose dient auch hier die Darmspiegelung, die jedoch nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden darf, da aufgrund des möglicherweise bereits vorgeschädigten Gewebes eine erhöhte Durchbruchgefahr besteht.

Darmdivertikel: Therapie

Die Therapie der Darmdivertikel richtet sich danach, welcher Darmabschnitt betroffen ist und welche Beschwerden auftreten.

Dünndarmdivertikel

Zufällig entdeckte symptomlose Dünndarmdivertikel bedürfen keiner Behandlung. Treten Störungen der Fettverdauung mit Fettstühlen und nachfolgender Blutarmut auf, wird eine gezielte Antibiotika-Therapie eingeleitet, um die bakterielle Besiedlung der Divertikel zu beseitigen. Nur bei schwerwiegenderen Komplikationen wird eine chirurgische Entfernung der Divertikel und gegebenenfalls auch größerer Darmabschnitte nötig.

Dickdarmdivertikel, Divertikulose

Die Behandlung von Dickdarmdivertikeln beziehungsweise der Divertikulose besteht in erster Linie darin, die Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Ballaststoffreiche Kost ist wichtig, um die Stuhlmenge zu erhöhen und den Druck im Dickdarm zu senken.

Meist können die Beschwerden über eine gezielte Ernährung bereits ausreichend gelindert werden. Die Gabe von Abführmitteln empfiehlt sich bei Menschen mit Divertikeln, bei denen die genannten Maßnahmen der Ernährungsumstellung nicht ausreichen. Schmerzsenkende Medikamente wie Paracetamol können bei starken Schmerzen eingesetzt werden.

Darmdivertikel: Verlauf

Die Prognose der Dünndarmdivertikel ist im Allgemeinen gut. Die Betroffenen erleben meist keinerlei Einschränkungen. Nur in seltenen Fällen entstehen lebensbedrohliche Komplikationen, die einer chirurgischen Behandlung bedürfen. Wird eine solche Operation notwendig, sind die Betroffenen anschließend meist beschwerdefrei.

Der Verlauf einer Divertikulose lässt sich über eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung positiv beeinflussen. In vielen Fällen lassen sich hierdurch schwere Komplikationen verhindern.

Komplikationen

Die Ansammlung von Stuhl im Inneren eines Darmdivertikels kann zu dessen Entzündung führen (Divertikulitis). Etwa zehn bis 20 Prozent aller Divertikulose-Betroffenen bilden mindestens einmal im Laufe ihres Lebens eine Divertikulitis aus, die damit die häufigste Komplikation der Divertikulose darstellt. Sie tritt meist mit Fieber und einem starken anfallsartigen Schmerz im linken Unterbauch in Erscheinung. Der gesamte Bauch ist äußerst druckempfindlich. Mitunter lässt sich das Sigma durch die Haut wie eine „Walze“ tasten. Die Folge einer solchen Entzündung können die Ansammlung von Bakterien und die Bildung abgekapselter Eiterherde (Abszesse) sein, aber auch Darmdurchbrüche und Entzündungen des Bauchfells.

Breitet sich die Entzündung aus, wird das umliegende Gewebe geschädigt. In der Folge sammeln sich Bakterien bevorzugt in den vorgeschädigten Bereichen an. Durch Abkapselung eitriger Herde bilden sich Abszesse. Darüber hinaus kann die Entzündung auch auf andere Organe wie den Dünndarm oder die Harnblase übergreifen.

Eine gefürchtete Komplikation ist der Durchbruch eines entzündeten Darmdivertikels in die Bauchfellhöhle. Der bakterienhaltige Inhalt des Divertikels ergießt sich dann in die Bauchhöhle und verursacht eine lebensbedrohliche infektiöse Bauchfellentzündung (kotige Peritonitis). Wiederholte Entzündungen von Divertikeln führen häufig zu Vernarbungen in der Darmwand. Darmverengungen bis hin zu Verschlüssen (Ileus) können die Folge sein.

Eine weitere schwerwiegende Komplikation der Divertikulose ist die Entstehung einer Darmblutung. Da sich Darmdivertikel bevorzugt an Stellen bilden, an denen größere Blutgefäße von der Muskelschicht zur Schleimhaut der Darmwand verlaufen, besteht die Gefahr, dass die Gefäße bei einer Schädigung der Schleimhaut durch die Entzündungsreaktionen verletzt werden. Etwa zehn bis 30 Prozent aller Divertikulose-Patienten erleiden eine solche Divertikel-Blutung, die in etwa drei bis fünf Prozent zu schweren Blutverlusten führt. In vielen Fällen kommt sie spontan zum Stillstand. Da Divertikel-Blutungen jedoch dazu neigen, immer wieder aufzubrechen (Rezidivbildung), werden häufig chirurgische Maßnahmen zur Blutstillung beziehungsweise Entfernung des Divertikels eingeleitet.

Darmdivertikel: Vorbeugen

Auch wenn die Ursachen der Darmdivertikel noch nicht im Detail geklärt sind, geht man heute davon aus, dass eine ballaststoffreiche Ernährung der Entstehung von Darmdivertikeln entgegenwirken kann. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige körperliche Bewegung haben ebenso einen positiven Einfluss auf die Darmtätigkeit.

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Dandy-Walker-Fehlbildung

Die Dandy-Walker-Fehlbildung ist eine angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns, die verschiedene Ursachen haben kann. Bei der Erkrankung ist das Kleinhirn fehlgebildet, die vierte Hirnwasserkammer (Ventrikel) ist erweitert und die Kammer dehnt sich bis in die hintere Schädelgrube hinein aus.

Die Dandy-Walker-Fehlbildung kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und die Beschwerden sind vielfältig. Wie stark die Erkrankten beeinträchtigt sind, hängt von dem vorgeburtlichen Befund ab. Etwa 70 Prozent der Betroffenen haben einen erhöhten Hirndruck (Hydrozephalus). Weitere Hirnfehlbildungen können vorkommen. Die Dandy-Walker-Fehlbildung kommt isoliert oder als Teil komplexer Krankheitsbilder vor.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Definition

Die Dandy-Walker-Fehlbildung ist eine angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns. Sie ist gekennzeichnet durch:

  1. eine Fehlbildung des Kleinhirns, bei welcher der Kleinhirnwurm, die Verbindung zwischen den beiden Kleinhirnhälften, fehlt oder unterentwickelt ist.
  2. eine Erweiterung der 4. Hirnwasserkammer (Ventrikel).
  3. eine aus Kleinhirnfehlbildung und Ventrikelerweiterung resultierende zystische Ausdehnung des 4. Ventrikels bis in die hintere Schädelgrube hinein, in der sich Hirnwasser (Liquor) ansammelt (Hydrozephalus, sog. Wasserkopf).

Andere Bezeichnung für diese Fehlbildung sind Dandy-Walker-Syndrom, Dandy-Walker-Zyste oder Dandy-Walker-Komplex. Sie wurde erstmals 1914 von dem Neurochirurgen Walter Edward Dandy beschrieben. Der Neurologe Arthur Earl Walker definierte das Krankheitsbild 1942 anhand von insgesamt neun damals bekannten Erkrankten. 1954 wurde die Bezeichnung Dandy-Walker eingeführt.

Häufigkeit

Da die Dandy-Walker-Fehlbildung nicht immer sofort zu erkennen ist, ist es schwierig, eine Häufigkeit anzugeben. Nach Schätzungen ist eines von 25.000 Neugeborenen davon betroffen. Die Fehlbildung soll für ein bis vier Prozent aller Hydrozephalus-Fälle verantwortlich sein.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Ursachen

Die Dandy-Walker-Fehlbildung entsteht aufgrund einer embryonalen Entwicklungsstörung des Dachs des 4. Ventrikels des Gehirns vor der sechsten beziehungsweise siebten Schwangerschaftswoche. Die Ursache dieser Entwicklungsstörung ist in den meisten Fällen unbekannt. Mögliche Faktoren, die eine Rolle spielen, können sowohl genetisch als auch nicht genetisch sein. Liegt bei beiden Elternteilen die ursächliche Genveränderung vor, ohne dass dies zu bemerken ist, kann beim Kind die Dandy-Walker-Fehlbildung entstehen.

Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass ein Aknemedikament die Krankheit hervorrufen kann.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Symptome

Die Symptome bei der Dandy-Walker-Fehlbildung sind sehr unterschiedlich. Die Erkrankung kann sehr schwer verlaufen und sogar zum Tod führen, aber auch lange Zeit unerkannt bleiben.

Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, ist von vielen Faktoren abhängig. So spielt es eine Rolle, ob ein Hydrozephalus vorhanden ist. Entscheidend ist auch, ob die Dandy-Walker-Fehlbildung als einzige Fehlbildung vorliegt oder ob noch mehr Störungen vorhanden sind.

Die Symptome, die sich in der frühen Kindheit zeigen, sind vor allem ein zu großer Kopfumfang und eine verzögerte Entwicklung von Bewegungsabläufen (Kopfheben, Sitzen, Stehen, Laufen). Während beim Neugeborenen die wachsenden Schädelknochen noch dem gesteigerten Druck nachgeben und der Kopfumfang dadurch zunimmt, zeigt sich die Krankheit bei älteren Kindern durch Hirndrucksteigerung: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Sehstörungen und Krampfanfälle sind die Folge. Wenn die Kleinhirnfunktion beeinträchtigt ist, kommt es vor allem zu Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen, Augenzittern und Sprechstörungen. Die intellektuelle Entwicklung ist etwa bei der Hälfte der Betroffenen beeinträchtigt.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Diagnose

Die Dandy-Walker-Fehlbildung kann vorgeburtlich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, da bei dieser Untersuchung die Erweiterung des vierten Ventrikels und die Fehlbildung des Kleinhirns erkannt werden kann. Bei etwa 80 Prozent der erkrankten Kinder wird die Diagnose der Dandy-Walker-Fehlbildung aber erst im Laufe des ersten Lebensjahrs aufgrund des zu großen Kopfumfangs und einer motorischen Entwicklungsstörung gestellt. Die Diagnose wird dann durch Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) bestätigt.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Therapie

Bei der Dandy-Walker-Fehlbildung gibt keine ursächliche Behandlung. Erkrankte Kinder müssen regelmäßig ärztlich untersucht werden, um einen erhöhten Hirndruck rechtzeitig zu erkennen. Wenn sich das Hirnwasser (Liquor) angestaut hat und der Druck im Gehirn ansteigt, kann man ein kleines Röhrchen einlegen. Dieses leitet das Wasser vom Hirn in das Bauchfell oder den rechten Herzvorhof ab (Shunt). Gleichgewichtsstörungen werden durch krankengymnastische Übungen günstig beeinflusst. Bei Krampfanfällen werden Antiepileptika gegeben.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Verlauf

Der Verlauf der Dandy-Walker-Fehlbildung ist unterschiedlich. Generell kann man sagen, je größer der Defekt ist, desto schlechter sind die intellektuellen Fähigkeiten. Die Prognose für Betroffene mit einer Dandy-Walker-Fehlbildung ist abhängig davon, wie stark andere Hirnstrukturen durch den Hydrozephalus beeinträchtigt sind. Je früher die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnt, umso günstiger ist die Prognose. Wenn die Dandy-Walker-Fehlbildung im Rahmen eines komplexen Fehlbildungssyndroms auftritt, kann der Verlauf auch wesentlich durch andere Fehlbildungen bestimmt sein.

Dandy-Walker-Fehlbildung: Vorbeugen

Da die Ursache der Dandy-Walker-Fehlbildung meistens unbekannt ist, kann man der Erkrankung nur schwer vorbeugen. Medikamente, Infektionen oder Krankheiten der Eltern, welche die Fehlbildung begünstigen, sollten vermieden oder behandelt werden. Bei einem komplexen Fehlbildungssyndrom kann den Eltern gegebenenfalls für weitere Schwangerschaften eine gezielte vorgeburtliche Diagnostik angeboten werden (z.B. bei Chromosomenstörungen).

Weitere Informationen

Linktipps:

www.dandy-walker.de
Homepage über ein betroffenes Mädchen mit persönlichen Erfahrungen und weiteren Informationen über die Fehlbildung.
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