Der Begriff Demenz steht für eine sehr umfassende Gruppe ungleichartiger Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen. Entscheidend ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und dass dies die an Demenz erkrankten Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Die Betroffenen verändern sich in ihrem Sozialverhalten, in ihrer Motivation und Persönlichkeit.
Die Ursachen für eine Demenz sind sehr vielfältig. Die häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Krankheit. Es gibt auch sehr seltene Fälle von Demenzen, die sich zurückbilden. Je nach Ausprägungsgrad werden generell leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen unterschieden. Die meisten Demenzformen sind nicht heilbar, können aber im Frühstadium positiv beeinflusst werden. Eine Ganzheitstherapie aus Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verzögern, sowie aus Gedächtnistraining, Verhaltens- und Soziotherapie erhält die Lebensqualität des Betrofenen und der ihn betreuenden Personen.
Demenz: Definition
Der Begriff Demenz steht für eine sehr umfassende Gruppe ungleichartiger Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen. Entscheidend ist, dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und dass dies die an Demenz erkrankten Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Demenzen gehören zu den folgenschwersten Alterskrankheiten. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt ihre Bedeutung für die Gesellschaft weiter zu. So hat sich allein innerhalb des letzten Jahrhunderts die Lebenserwartung verdoppelt, die Zahl der über 80-Jährigen gar verzehnfacht.
Häufigkeit
Demenzen treten überwiegend in höheren Lebensjahren auf. In seltenen Fällen können sie auch junge Menschen betreffen. In Deutschland sind ab dem 65. Lebensjahr etwa sechs Prozent der Bevölkerung an Demenz erkrankt, bei den über 90-Jährigen ist es mindestens jeder Dritte.
Historisches
Der Ursprung des Worts Demenz geht auf den lateinischen Ausdruck de mentis (aus dem Bewusstsein/Verstand) zurück. Über die Ursachen dieser wortwörtlichen Geisteskrankheit gab es schon früh verschiedene Mutmaßungen. In seinem Werk Nomoi verfechtet Platon (427 bis 347 v. Chr.) die Theorie, geistige Verwirrungen seien allein durch das hohe Alter bedingt. Dem widersetzt sich Marcus Tullius Cicero (106 bis 43 v. Chr.) in der Schrift Cato maior de senectute: es sei nicht das Alter an sich, sondern die Konsequenzen eines schlaffen, trägen, schläfrigen Alters. Heutzutage wissen wir mehr über die Ursachen der Krankheit, insbesondere auf molekularer Ebene. Es sind einige Risikofaktoren bekannt. Doch vieles zu den Entstehungsprozessen von Demenzen bleibt weiterhin unklar.
Demenz: Ursachen
Eine Demenz kann auf die unterschiedlichsten Ursachen zurückgeführt werden. Die häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Demenz (60 bis 70 Prozent aller Fälle). Gefäßbedingte (vaskuläre) Demenzen sind weitaus seltener (etwa zehn bis 20 Prozent). Darunter fallen auch die Arterienverkalkung ( Arteriosklerose) oder der Schlaganfall. Allerdings wissen wir heute, dass es auch Mischformen zwischen der Alzheimer-Demenz und der vaskulären Variante gibt.
Als Pick-Krankheit beziehungsweise als frontotemporale Demenz wird eine andere, spezielle Krankheitsform bezeichnet, bei der Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns zugrunde gehen. Seltene, aber wieder umkehrbare (reversible) Demenzformen entstehen zum Beispiel durch:
- Infektionen: zum Beispiel AIDS-Demenz, Prionerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- Drogenvergiftung: das so genannte Wernicke-Korsakoff-Syndrom durch Alkohol
- Sauerstoffmangel und raumfordernde Prozesse im Gehirn: Normaldruck-Hydrozephalus, Meningeome
- Stoffwechselkrankheiten: Störungen der Schilddrüse, Diabetes mellitus
Demenzen können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Depressionen oder Parkinson stehen. Extrem selten sind dagegen familiäre Demenzen.
Demenz: Symptome
Bei von einer Demenz betroffenen Menschen lässt das Erinnerungsvermögen nach. Während das Kurzzeitgedächtnis früh beeinträchtigt ist, verblasst die Erinnerung an Vertrautes und früher Erlerntes erst in späten Krankheitsstadien. Störungen der Orientierung, der Sprache, der Auffassung und der Gefühlskontrolle treten unter anderem hinzu.
Die Betroffenen verändern sich durch die Demenz auch in ihrem Verhalten und ihrem Wesen (sie zeigen zum Beispiel vermehrte Aggressionen oder Weinanfälle). Körperliche Anzeichen machen sich in den Spätstadien bemerkbar: beispielsweise ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, eine Blasenschwäche oder Verstopfung.
Die Symptome sind, auch abhängig vom Krankheitsstadium, sehr vielfältig und für die pflegenden Personen teilweise extrem belastend.
Demenz: Diagnose
Demenzen können mit recht einfachen Mitteln sicher diagnostiziert werden. Die typischen Beschwerden, die Art, wie der Betroffene auftritt und eine sorgfältige Untersuchung führen leicht zum Krankheitsverdacht Demenz.
Für die Untersuchung unerlässlich sind neuropsychologische Tests, um die Gedächtnisdefizite quantifizieren zu können. Der am häufigsten verwendete Test ist die 15-minütige MMSE (Mini Mental State Examination). Als erweiterte Version (SIDAM) dauert die Untersuchung bis zu 30 Minuten. In den vergangenen Jahren sind schnellere Tests und solche, die Schwächen der MMSE auszugleichen suchen, eingeführt worden: der DemTect (Demenz-Detections-Test) oder der TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung). Sie können besonders im Frühstadium der Demenzerkrankung wichtige Hinweise liefern. Auch Personen, die den Betroffenen nahe stehen und erste Veränderungen bemerkten, können hilfreiche Aussagen machen.
Um die Ursachen der Demenz zu klären, folgen weitere Untersuchungen. Zur Basisdiagnostik gehören eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung und der Einsatz bildgebender ( CT, MRT) und elektrophysiologischer ( EKG) Verfahren. Je nach vermuteter Ursache können auch weitere, spezielle Diagnoseverfahren folgen (zum Beispiel Genanalysen, SPECT oder Hirnwasseruntersuchung).
Die häufigste Demenzform, die Alzheimer-Krankheit, ist eine so genannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, sie kann erst gestellt werden, wenn andere Ursachen nicht in Frage kommen.
Demenz: Therapie
Nach dem Grad der Ausprägung werden Demenzerkrankungen in leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen unterteilt. Diese Einteilung hat unter anderem auf die Therapie wesentlichen Einfluss. Die meisten Demenzformen sind nicht heilbar, können aber im Frühstadium positiv beeinflusst werden. Von daher ist es wichtig, Demenzen früh zu erkennen und zu behandeln.
Mit den heute verfügbaren Medikamenten kann der Krankheitsverlauf bereits verzögert werden. Eine rechtzeitige medikamentöse Therapie und eine gute Einbindung in psycho- beziehungsweise soziotherapeutische Maßnahmen sowie eine gute Hilfestellung dienen nicht nur dem Betroffenen selbst, sondern entlasten die ihn Pflegenden, meist Angehörige. Wird die Demenz frühzeitig erkannt, kann der Betroffene sein eigener mündiger Anwalt sein, ehe die Gedächtnisleistungen so nachlassen, dass er entscheidungsunfähig ist.
Die Pflegenden – und insbesondere der Betroffene selbst – haben so eine reelle Chance, sich früh über die Krankheit sowie über mögliche Hilfeleistungen und Therapien zu informieren und im Voraus zu planen. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine der seltenen, reversiblen Demenzen, die durch eine frühzeitige Therapie heilbar sind.
Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, sollte der Hausarzt und/oder Facharzt (Psychiater, Neurologe) daher früh informiert werden. Bundesweit gibt es neben den Selbsthilfegruppen auch spezialisierte Gedächtniskliniken, in denen eine umfassende Beratung zu Demenzen möglich ist.
Demenz: Verlauf
Demenzen können unterschiedlich verlaufen. Bei der Alzheimer-Demenz schreitet die Erkrankung meist kontinuierlich langsam fort – über Jahre hinweg. Es gibt auch sich rasch verschlechternde oder fluktuierende Demenzformen. Letztere verlaufen in Schüben: Phasen, in denen der Betroffene so klar denken kann wie vor seiner Erkrankung beziehungsweise in frühen Krankheitsstadien, werden plötzlich von Stimmungsschwankungen und einem deutlichen Nachlassen der Geistesfähigkeiten abgelöst. Der Verlauf einer Demenz ist individuell verschieden.
Demenz: Vorbeugen
Da die Ursachen von Demenzen bis heute nicht vollständig geklärt sind, lässt sich der Krankheit nicht gezielt vorbeugen. Von einigen Grunderkrankungen ist bekannt, dass sie das Risiko für gefäßbedingte Demenzen und die Alzheimer-Krankheit erhöhen:
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Bluthochdruck
- Vorhofflimmern
- Nikotin- und Alkoholkonsum
- frühere Kopfverletzungen (Schlaganfall, Boxertrauma)
Ein höheres Risiko für eine Alzheimer-Demenz besteht auch bei Schilddrüsen-Unterfunktion oder einer bereits familiär aufgetretenen Demenz.
Ein hohes Bildungsniveau korreliert mit einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit. Eine Kombination aus Gedächtnis- und Bewegungstraining sowie ein funktionierendes, intellektuell stimulierendes soziales Netzwerk können demnach demenzielle Prozesse hinauszögern.
In jedem Fall ist es wichtig, die genannten Grunderkrankungen frühzeitig und effektiv zu behandeln.
Weitere Informationen
ICD-10-Diagnoseschlüssel
Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Demenz”:
Weitere Infos finden Sie hier:
Linktipps:
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Fachinformation: Empfehlungen zur Therapie der Demenz
Kompetenznetzwerk Demenzen
Das Kompetenznetz Demenzen ist eines von derzeit 17 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. Es hat sich zum Ziel gesetzt, zentrale Defizite in der Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen anzugehen.
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein. Sie ist Bundesverband von Alzheimer Landesverbänden sowie von regionalen und örtlichen Alzheimer Gesellschaften.
Buchtipps:
Demenz. Hilfe für Angehörige und Betroffene
Niklewski, Günter; Nordmann, Heike; Riecke-Niklewski, Rose 
318 Seiten, Stiftung Warentest, 2006 Gut eine Million Demenzkranke leben in Deutschland. Unter den Folgen der Krankheit leiden jedoch noch viel mehr Menschen, vor allem pflegende Angehörige. Und der demografische Wandel zeigt eine steigende Tendenz. Fast zwei Drittel der Menschen mit einer Form der Demenz wie der Alzheimer-Krankheit leben in Privathaushalten und werden dort meist von Verwandten versorgt. Dabei ist häufig eine Rundum-Betreuung unerlässlich – eine enorme Anstrengung. Umso wichtiger ist es für Familienmitglieder, über die Krankheit und spezielle Hilfsangebote informiert zu sein: Wie verläuft die Krankheit? Wie lässt sich der Verlauf durch richtige Behandlung und Pflege verlangsamen? Wo finden die Angehörigen Unterstützung? Welche finanziellen Hilfen gibt es? Wie können Betroffene im Frühstadium selbstbestimmt vorsorgen?
Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben
Klessmann, Edda 
212 Seiten, Huber, 2001 Die Autorin kennt – als Ärztin und Psychotherapeutin in einer Familien- und Eheberatungsstelle sowie einer Alzheimer-Abgehörigengruppe – die lähmenden Auswirkungen der Altersdemenz auf die Umgebung. Anhand konkreter Aufzeichnungen einer rund zehnjährigen Verlaufsgeschichte stellt sie typische Konfliktkonstellationen dar. Sie macht aber auch deutlich, dass trotz nivellierender intellektueller Einbußen, individuelle Grundzüge der Persönlichkeit erhalten bleiben. In der chronologischen Falldarstellung werden die beziehungsdynamischen Besonderheiten der drei Alzheimerstadien aufgezeichnet und kommentiert. Das Buch möchte zeigen, wie das Alzheimer-Schicksal besser ertragen und – innerhalb bestimmter Grenzen – erleichtert werden kann.
Leben mit verwirrten älteren Menschen
Miesen, Bere 
168 Seiten, Trias, 1998 Wie Sie mit Demenz- und Alzheimer-Kranken umgehen. Das Verhalten von Demenz- und Alzheimer Kranken ist oft verwirrend. Lernen Sie, mit kleinen Marotten genauso sicher umzugehen wie mit völlig verrückt erscheinenden Handlungen. Das Buch macht Sie vertraut mit ungewohnten Situationen wie intimen Momenten, aggressivem Verhalten u.v.m. Auch für sich selbst erfahren Sie hier wichtige Unterstützung. Das Buch hilft Ihnen, mit negativen wie positiven Gefühlen klarzukommen. Außerdem gibt es Ihnen viele Tipps, wie Sie Ihr inneres Gleichgewicht und damit wertvolle Kraft für Ihre Aufgabe bewahren.
Alt und demenzkrank
Lichtenstein-Weis, Reginhild 
152 Seiten, rlw-Verlag, 2004 Informationen und praktische Tipps zu häuslichen Betreuungsmöglichkeiten und vieles mehr.
Alzheimer: Was tun, wenn die Krankheit beginnt ?
Niemann-Mirmehdi, Mechthild; Mahlberg, Richard 
135 Seiten, Trias, 2003 Alles über Diagnose und Therapie. Die Diagnose Alzheimer wird mittlerweile immer frühzeitiger gestellt. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist vielen Betroffenen ein unabhängiges Leben möglich. Deshalb richtet sich dieser einfühlsame Ratgeber erstmals an Patienten selbst sowie deren Familien. Erfahren Sie hier alles über die neuesten Behandlungen und darüber, wie Sie soziale und finanzielle Unterstützung und Hilfe für sich nutzen.





