Das Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus) ist die Folge eines Überangebots des Hormons Kortisol, welches in der Nebennierenrinde gebildet wird und zur Gruppe der Glukokortikoide gehört.
Man unterscheidet zwischen exogenem (von außen verursachtem) und endogenem (von innen entstehendem) Cushing-Syndrom. Während das häufig vorkommende exogene Cushing-Syndrom durch die medikamentöse Langzeitbehandlung mit Glukokortikosteroiden oder dem Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) entsteht, wird das eher seltene endogene Cushing-Syndrom in den meisten Fällen durch Tumoren in der Nebennierenrinde, in der Hypophyse oder durch Karzinome in den Bronchien verursacht.
Zu den typischen Symptomen des Cushing-Syndroms zählen Gewichtszunahme mit Stammfettsucht, ein rundes, gerötetes Vollmondgesicht (Facies lunata) sowie Bluthochdruck (Hypertonie).
Die Diagnose eines Hyperkortisolismus erfolgt neben der Aufnahme der Krankengeschichte in erster Linie durch den Nachweis eines erhöhten Kortisolspiegels in Blutplasma und Urin. Darüber hinaus können bildgebende Verfahren wie Computertomographie, Röntgen, Angiographie oder einer Szintigraphie eingesetzt werden, um Tumoren aufzuspüren.
Die Therapie des Cushing-Syndroms richtet sich nach der Ursache. Ist das Cushing-Syndrom durch die Gabe bestimmter Medikamente entstanden, lässt sich dieses durch die entsprechende Anpassung der Medikation gut behandeln. Liegt ein Tumor vor, wird dieser in der Regel operativ entfernt, bestrahlt oder auch medikamentös behandelt.
Cushing-Syndrom: Definition
Das Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus) ist die Folge eines Überangebots des Hormons Kortisol, welches in der Nebennierenrinde gebildet wird und zur Gruppe der Glukokortikoide gehört.
Glukokortikoide beeinflussen unter anderem den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System sowie das Nervensystem. Wird zu viel Kortisol von der Nebennierenrinde abgegeben, kommt es zu charakteristischen Beschwerden, die unter dem Begriff Cushing-Syndrom zusammengefasst und auch als Hyperkortisolismus bezeichnet werden.
Häufigkeit
Etwa drei bis fünf von 100.000 Einwohnern erkranken pro Jahr an einem endogenen – das heißt einem nicht durch äußere Einflüsse wie beispielsweise Medikamentengabe erzeugten – Cushing-Syndrom. Insbesondere Frauen zwischen 30 und 50 Jahren sind betroffen.
Cushing-Syndrom: Ursachen
Die Ursachen eines Cushing-Syndroms (Hyperkortisolismus) sind vielfältig. Gemeinsam ist allen Ausprägungen ein Überangebot von Kortisol, einem zur Stoffgruppe der Glukokortikoide zugehörigem Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird.
Die Freisetzung von Glukokortikoiden wird durch das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) angeregt, welches in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) im Gehirn gebildet wird. Je mehr ACTH vorliegt, desto mehr Glukokortikoide werden gebildet. Daher ist in einigen Fällen ein Überangebot von ACTH für das Cushing-Syndrom verantwortlich.
Man unterscheidet zwischen exogenem und endogenem Cushing-Syndrom.
Exogenes Cushing-Syndrom
Das exogene (iatrogene) Cushing-Syndrom ist mit Abstand die häufigste Form und entsteht durch die medikamentöse Langzeitbehandlung mit Glukokortikosteroiden (z.B. Kortison) oder dem Hormon ACTH.
Endogenes Cushing-Syndrom
Zu dem wesentlich selteneren endogenen, also nicht durch äußere Einflüsse hervorgerufenen Cushing-Syndrom kommt es, wenn die Sekretion von Kortisol oder ACTH erhöht ist.
Die unterschiedlichen Ausprägungen des endogenen Cushing-Syndroms können in ACTH-abhängige und ACTH-unabhängige Formen eingeteilt werden. Eine ACTH-abhängige Form liegt vor, wenn das Hormon ACTH in zu hohen Mengen produziert wird, sodass zu viele Glukokortikoide ausgeschüttet werden. Bei der ACTH-unabhängigen Form ist der Glukokortikoidspiegel zu hoch, obwohl der ACTH-Pegel normal ist.
In 70 Prozent der Fälle ist ein gutartiges Geschwür (Adenom) des Hypophysenvorderlappens – der so genannte Morbus Cushing – die Ursache für das endogene Cushing-Syndrom.
ACTH-abhängige Formen
Die ACTH-abhängigen Formen des Hyperkortisolismus entstehen meist aufgrund von gutartigen Geschwülsten (Adenomen) oder bösartigen Tumoren (Karzinomen), welche die Produktion von ACTH anregen:
- Zentrales Cushing-Syndrom: Diese häufige Form entsteht meist durch ein Adenom des Hyphophysenvorderlappens (= Morbus Cushing), welches ACTH produziert. Eine weitere mögliche Ursache ist eine Überfunktion des Hypothalamus.
- Paraneoplastisches oder ektopes Cushing-Syndrom: Ursache für diese Erkrankung ist eine untypisch hohe Sekretion der Hormone ACTH oder CRH (Corticotropin-releasing-Hormon), welche meist durch ein kleinzelliges Bronchialkarzinom entsteht.
ACTH-unabhängige Formen
Zu den ACTH-unabhängigen Ursachen des Cushing-Syndroms zählt zum Beispiel das so genannte adrenale Cushing-Syndrom. In diesem Fall ist die Kortisolsekretion aufgrund von Geschwüren der Nebennierenrinde erhöht. In seltenen Fällen sind auch Gewebeveränderungen bzw. -vergrößerungen die Ursache für ein ACTH-unabhängiges Cushing-Syndrom.
Cushing-Syndrom: Symptome
Zu den typischen Symptomen des Cushing-Syndroms (Hyperkortisolismus) zählen Gewichtszunahme mit Stammfettsucht, ein rundes, gerötetes Vollmondgesicht (Facies lunata) sowie Bluthochdruck (Hypertonie).
Weitere häufige Symptome im Rahmen eines Hyperkortisolismus sind:
- Büffelnacken (auch: Stiernacken)
- Bei Frauen: übermäßige Körperbehaarung insbesondere an Kinn, Oberlippe, Brust und Oberschenkeln (Hirsutismus); Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö)
- Bei Männern: Potenzprobleme
- Bei Kindern: Wachstumsstörungen
- Libidoverlust
- Eine diabetische Stoffwechsellage
- Osteoporose, Knochen- und Rückenschmerzen, Muskelschwäche, Schwund von Muskelgewebe (Muskelatrophie)
- Hautveränderungen, z.B. in Form von Streifen (Stria rubrae); schlechte Wundheilung; Akne
- Psychische Veränderungen
Cushing-Syndrom: Diagnose
Zu Beginn der Diagnose eines Cushing-Syndroms (Hyperkortisolismus) wird festgestellt, ob es sich um eine exogene oder um eine endogene Form der Erkrankung handelt. Da das exogene Cushing-Syndrom durch die Gabe bestimmter Medikamente entstehen kann, kann diese Form durch eine gründliche Untersuchung der Krankengeschichte (Anamnese) relativ leicht diagnostiziert werden.
Da sich das Cushing-Syndrom durch ein Überangebot des Hormons Kortisol auszeichnet, kann im Erkrankungsfall ein erhöhter Kortisolspiegel in Plasma und Urin nachgewiesen werden. Als wegweisende Methode zur Diagnose dient der so genannte Dexamethason-Kurztest. Hierfür nimmt der Betroffene ein bis zwei Milligramm Dexamethason ein. Anschließend wird sein Serumkortisol-Wert bestimmt. Um die Diagnose zu sichern, wird zudem die Konzentration des freien Kortisols im 24-Stunden-Urin ermittelt. Sind beide Testwerte normal, kann ein Cushing-Syndrom in der Regel ausgeschlossen werden. Darüber hinaus kann die Kortisol-Tagesrhythmik untersucht werden.
Um die genaue Ursache eines endogenen Cushing-Syndroms herauszufinden, muss geklärt werden, ob es sich um eine ACTH-abhängige oder eine ACTH-unabhängige Form handelt. Zu diesem Zweck wird die Konzentration des Hormons ACTH im Serum bestimmt. Bei einem niedrigen ACTH-Spiegel könnte beispielsweise ein Tumor der Nebennierenrinde die Ursache sein.
Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomographie, Röntgen, Angiographie oder einer Szintigraphie können Tumoren aufgespürt und als Ursache für das Cushing-Syndrom ermittelt werden.
Cushing-Syndrom: Therapie
Die Therapie des Cushing-Syndroms (Hyperkortisolismus) richtet sich nach der jeweiligen Krankheitsform. In der Regel dauert es mehrere Monate, bis sich der Kortisolspiegel nach der Behandlung wieder normalisiert hat und sich die Symptome zurückgebildet haben.
Ist das Cushing-Syndrom durch die Gabe bestimmter Medikamente entstanden (exogenes Cushing-Syndrom), lässt sich dieses durch die entsprechende Anpassung der Medikation gut behandeln.
Die häufigste Ursache des zentralen Cushing-Syndroms, das Hypophysenadenom, wird – ebenso wie andere Tumoren, wie zum Beispiel ein Bronchialkarzinom – in der Regel operativ entfernt. Hat diese Maßnahme keinen Erfolg oder ist eine Operation nicht möglich, kann die Hypophyse bestrahlt werden. Da die Gefahr einer wiederholten Erkrankung nach einem endogenen Cushing-Syndrom erhöht ist, sollte in regelmäßigen Abständen der Kortisolspiegel überprüft werden.
Liegt ein Tumor der Nebenniere (adrenales Cushing-Syndrom) vor, ist ebenfalls ein operativer Eingriff erforderlich, welcher mit der Entfernung einer oder beider Nebennieren (Adrenalektomie) verbunden sein kann.
Wenn keine Operation möglich ist oder die Symptome sehr stark ausgeprägt sind, kann eine medikamentöse Behandlung mit Substanzen wie Metopiron, Ketoconazol oder Mitotane durchgeführt werden.
Cushing-Syndrom: Verlauf
Die Erfolgsrate in der Behandlung des Cushing-Syndroms (Hyperkortisolismus) liegt zwischen 50 und 80 Prozent. Ist ein Adenom der Hypophyse (Morbus Cushing) Ursache für das Cushing-Syndrom, kann dieses bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel geheilt werden.
Bei bösartigen Tumoren wie Nebennierenkarzinomen oder Bronchialkarzinomen ist die Prognose eher ungünstig.
Komplikationen
Bleibt das Cushing-Syndrom unbehandelt, kann es nach Monaten bis Jahren zum Tod führen.
Wird Morbus Cushing nicht therapiert, besteht aufgrund der psychischen Symptome außerdem eine erhöhte Suizidgefahr.
Nach dem Entfernten einer Nebenniere im Rahmen des adrenalen Cushing-Syndroms entwickeln bis zu 50 Prozent der Betroffenen ein so genanntes Nelson-Syndrom, ein gutartiges Geschwür des Hypophysenvorderlappens.
Cushing-Syndrom: Vorbeugen
Das Risiko, an einem exogenen, durch Medikamente verursachten Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus) zu erkranken, kann durch eine strenge ärztliche Kontrolle während einer medikamentösen Therapie minimiert werden. Dem endogenen Cushing-Syndrom kann hingegen nicht vorgebeugt werden.
Weitere Informationen
ICD-10-Diagnoseschlüssel
Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus)”:
Linktipps:
www.glandula-online.de
Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen



