Vorhautentzündung

Als Vorhautentzündung (Posthitis) bezeichnet man eine Entzündung der Vorhaut des männlichen Glieds. Eine Entzündung der Eichel (Balanitis) tritt meist zusammen mit einer Entzündung des inneren Vorhautblatts auf und wird dann als Balanoposthitis bezeichnet.

Die Ursache für eine Eichel- bzw. Vorhautentzündung ist in der Regel eine Infektion mit Bakterien oder anderen sexuell übertragbaren Mikroorganismen. Mangelnde Hygiene ist oft der ideale Wegbereiter für die Entzündung: Das Smegma, die Absonderung von Eichel- und Vorhautdrüsen, sammelt sich lokal an und bildet so den Nährboden für jede Art von Erregern. Die Eichel ist schmerzhaft geschwollen und gerötet, weist also typische Entzündungszeichen auf. Bei einer Infektion der Vorhaut ist diese ebenfalls gerötet und angeschwollen. Häufig tritt ein eitriger Ausfluss hinzu.

Die Therapie der Balanitis bzw. Posthitis besteht darin, die Entzündung einzudämmen, indem gezielt die auslösenden Erreger bekämpft werden. Sind Bakterien die Verursacher, helfen Antibiotika sehr gut, bei Pilzbefall entsprechend Antimykotika (Pilzmittel). Eine lokale Therapie von Eichel und Vorhaut mit Kamillebädern und desinfizierenden Salben sollte unterstützend hinzukommen.

Balanitis: Definition

Als Vorhautentzündung (Posthitis) bezeichnet man eine Entzündung der Vorhaut des männlichen Glieds. Bei der Balanitis handelt es sich um eine Entzündung der Eichel. Sie tritt meist zusammen mit einer Entzündung des inneren Vorhautblatts auf und wird dann Balanoposthitis genannt.

Balanitis: Ursachen

Ursächlich liegt sowohl der Eichelentzündung als auch der Vorhautentzündung in der Regel eine Infektion mit Bakterien bzw. sexuell übertragbaren Mikroorganismen zugrunde. In seltenen Fällen kommt es auch im Rahmen von Systemerkrankungen zu Infektionen von Eichel oder Vorhaut (z.B. bei Morbus Reiter oder Morbus Behcet). Für eine bakterielle Infektion sind in erster Linie Sexualkontakte und mangelnde Genitalhygiene verantwortlich. Bei einer Phimose (Vorhautverengung), die ein Missverhältnis zwischen Größe der Eichel und der dehnbaren Weite der Vorhautöffnung bezeichnet, sodass die Vorhaut nicht über die Eichel zurückgezogen werden kann, besteht ein erhöhtes Risiko für Vorhautinfektionen.

Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es – im Falle einer hochgradigen Phimose – zum Urinstau unter der Vorhaut, sodass dadurch bakterielle Infektionen begünstigt werden. Auch Diabetiker oder Personen mit eingeschränkter Funktion des Abwehrsystems (z.B. HIV oder andere Immunschwächen) haben ein erhöhtes Risiko für Infekte in der Geschlechtsregion.

Balanitis: Symptome

Die Eichel- bzw. Vorhautentzündung ist durch eine schmerzhafte Rötung und Schwellung der Eichel bzw. der Vorhaut gekennzeichnet. Brennen und Juckreiz sind weitere typische Symptome. Es können auch kleine, nässende Bläschen an der Eichel auftreten. Oft kommt es bei den Betroffenen zu einem eitrigen Ausfluss. Bei Fortschreiten der Entzündung können Fieber oder Probleme beim Wasserlassen bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) auftreten.

Balanitis: Diagnose

Zur Diagnose sowohl der Eichelentzündung als auch der Vorhautentzündung ist die ärztliche Untersuchung des Glieds und der Leistenlymphknoten notwendig. Letztere sind bei Entzündungen meist tastbar vergrößert. Es werden Abstriche von Eichel und Vorhaut entnommen: Mit einem Wattestäbchen werden Erreger aus den entzündeten Bereichen gesammelt, um sie mittels kultureller Anzüchtung genau zu identifizieren. Danach kann eine gezielte Behandlung gegen die auslösenden Erreger begonnen werden.

Balanitis: Therapie

Die Therapie der Eichelentzündung als auch der Vorhautentzündung besteht in der Beseitigung der Infektion mittels gezielter Behandlung der auslösenden Erreger. Bei bakterieller Ursache ist dies in erster Linie eine antibiotische Therapie. Sind Pilzinfektionen für die Entzündung der Eichel und der Vorhaut verantwortlich, erfolgt eine antimykotische Therapie.

Bei manchen sexuell übertragbaren Mikroorganismen ist eine Chemotherapie oder Immuntherapie notwendig. Eine Partnerbehandlung ist in den meisten Fällen gerechtfertigt und sinnvoll. Bei Infektionen aufgrund von Systemerkrankungen steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund.

Eine lokale Therapie von Eichel und Vorhaut mit Kamillebädern und desinfizierenden Salben sollte unterstützend hinzukommen. Bei bestehender Vorhautverengung ist vor allem bei wiederkehrender Infektion eine frühzeitige Beseitigung der Phimose im infektfreien Intervall sinnvoll.

Balanitis: Verlauf

Bei der Eichel- und Vorhautentzündung sind die Heilungschancen bei konsequenter Einhaltung der medikamentösen Therapie sehr gut. Die Entzündung heilt, sofern sie auf Krankheitserregern beruht, meist komplikationsfrei ab. Greift die Therapie zu spät (wenn etwa der Betroffene nicht rechtzeitig den Arzt aufsucht), besteht die Gefahr von behandlungsaufwändigen Komplikationen. Da sich die Entzündung von der Eichel über die Harnröhre weiter ausbreiten kann, kann es in der Folge zu einer Harnröhren-, Blasen- und Prostataentzündung kommen. Auch eine Infektion des Nebenhodens (Nebenhodenentzündung) ist möglich.

Balanitis: Vorbeugen

Um einer Vorhautentzündung vorzubeugen und mögliche Komplikationen zu umgehen, empfehlen sich:

  • regelmäßige Kamillebäder
  • Spülungen mit Kochsalzlösung
  • eine konsequente, jedoch nicht übertriebene Genitalhygiene (beim Waschen der Eichel die Vorhaut zurückziehen, um Smegma zu entfernen)
  • Erkrankungsfall die Einhaltung der medikamentösen Therapie

Während der medikamentösen Behandlung empfiehlt es sich, Geschlechtsverkehr nur geschützt mit einem Kondom auszuführen, um die Übertragung der Bakterien oder Pilze zu vermeiden. Der Vorhautentzündung kann generell durch das Verwenden von Kondomen beim Geschlechtsverkehr vorgebeugt werden.

Wurde die Vorhautentzündung durch Immundefekte und/oder Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus begünstigt, sollte hier besondere Aufmerksamkeit auf die Hygiene und die Grundtherapie gelenkt werden.

Veröffentlicht in:  on Juli 21, 2008 at 4:59 Kommentar schreiben
Tags:

Bakterielle Ruhr (Shigella dysenteriae)

Die bakterielle Ruhr (Shigellose) ist eine meldepflichtige Durchfallerkrankung, die besonders häufig in Entwicklungsländern vorkommt.

Die Infektion wird von verschiedenen Stämmen der Gattung Shigella verursacht. Die Bakterien vermehren sich im Trinkwasser oder auf Nahrungsmitteln und werden von dort oder über direkten Kontakt mit Infizierten übertragen. Zwei bis vier Tage nach Aufnahme der Erreger kommt es zu Fieber und wässrigen Durchfällen, die in der Folge blutig-schleimig-eitrig werden können. Schwere, auch lebensbedrohliche Krankheitsverläufe kommen vor allem bei Kleinkindern, alten Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem vor. Die Diagnose der bakteriellen Ruhr wird anhand der klinischen Symptome und durch eine Stuhluntersuchung gestellt. Mit Antibiotika lässt sich die bakterielle Ruhr meist gut behandeln.

Es besteht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht für Verdacht, Erkrankung, Ausscheider und Todesfall der Shigellose.

Bakterielle Ruhr: Definition

Die bakterielle Ruhr (Shigellose) ist eine weltweit verbreitete meldepflichtige Durchfallerkrankung. Schlechte sanitäre Verhältnisse und warmes Klima begünstigen die Ausbreitung, weshalb sie in erster Linie in Entwicklungsländern vorkommt.

Bakterielle Ruhr: Definition

Die bakterielle Ruhr (Shigellose) wird über verseuchtes Trinkwasser und kontaminierte Nahrungsmittel übertragen. Krankheitserreger sind verschiedene Stämme der Gattung Shigella. Dabei handelt es sich um gramnegative, unbewegliche, sporenlose Bakterien, die Zellgifte (Endotoxine) produzieren und gegen Austrocknung sehr empfindlich sind.

Die Erreger werden über den Mund (oral) aufgenommen. Bereits zehn Keime genügen, um eine Erkrankung zu verursachen. Die Infektionsquelle ist der Stuhl akut erkrankter Personen oder symptomloser Patienten, welche Bakterien im Stuhl haben, so genannte Ausscheider.

Die Inkubationszeit der bakteriellen Ruhr beträgt etwa zwei bis vier Tage. Die Shigellen werden meist in direktem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. In wärmeren Ländern erfolgt die Ansteckung aber auch über infizierte Gegenstände, Trinkwasser, Nahrungsmittel oder Fliegen.

Bakterielle Ruhr: Symptome

Typischerweise beginnt die bakterielle Ruhr (Shigellose) plötzlich. Während der ersten zwei Krankheitstage kommt es zu wässrigen Durchfällen. Bei schweren Verläufen leiden die Betroffenen häufiger unter:

  • Bauchkrämpfen
  • schmerzhaften Stuhlentleerungen
  • Fieber
  • blutig-schleimigen Durchfällen
  • Bewusstseinsstörungen aufgrund des Wasser- und Elektrolytverlusts

Bakterielle Ruhr: Diagnose

Die Diagnose der bakteriellen Ruhr (Shigellose) erfolgt über die typischen Beschwerden und über den Nachweis der Erreger in einer Stuhlprobe.

Eine mikroskopische Stuhluntersuchung zeigt bei der bakteriellen Ruhr außerdem eine vermehrte Anzahl weißer Blutkörperchen.

Bakterielle Ruhr: Therapie

Auch bei leichten Verläufen der bakteriellen Ruhr (Shigellose) sollte zur Verkürzung des Krankheitsverlaufs und zur Senkung der Erregerausscheidung und damit der Ansteckungsgefahr eine antibiotische Therapie durchgeführt werden. Dabei wird bevorzugt Ampicillin verabreicht. Eine Austestung vor Therapiebeginn stellt sicher, welches Antibiotikum hilft, denn manche Shigellen sind gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich (Resistenzentwicklung).

Neben der Antibiotika-Therapie ist es wichtig, den Wasser- und Elektrolytverlust auszugleichen. Können die Betroffenen selbst nicht genug trinken, erhalten sie Infusionen.

Bakterielle Ruhr: Verlauf

Komplikationen

Die häufigste Komplikation einer bakteriellen Ruhr ist der Wasser- und Mineralsalzverlust durch die Durchfälle, welche im Kreislaufversagen enden können.

Die durch die Shigellen hervorgerufene Entzündung in der Dickdarmschleimhaut kann zu Geschwüren und einem Einreißen der Darmwand führen, welches eine lebensbedrohliche Komplikation bedeutet.

Durch die geschwürige Schädigung der Schleimhautbarriere im Darm können sich zusätzlich andere Bakterien im Körper verteilen. Bei besonderer genetischer Disposition (HLA-B27 positiv) und chronischer Infektion treten einseitige Entzündungen der großen Gelenke, Bindehautentzündungen und Harnröhrenentzündungen auf (Reiter-Syndrom).

Prognose

Bei rechtzeitiger Behandlung heilt die bakterielle Ruhr vollständig aus. Wird die Shigellose nicht behandelt, kann es besonders bei Kleinkindern, alten Menschen und Immungeschwächten zu schweren bis tödlichen Verläufen kommen.

Die bakterielle Ruhr kann auch symptomlos verlaufen. Personen, welche die Erreger ohne eigene Krankheitserscheinungen übertragen, werden Ausscheider genannt. Dabei kann es sein, dass die Erreger entweder nach vier Wochen spontan aus dem Stuhl wieder verschwinden oder sich auf Dauer im Dickdarm ansiedeln und permanent über den Stuhl ausgeschieden werden. Menschen, bei denen dies der Fall ist, nennt man Langzeitausscheider.

Nach einer überstandenen bakteriellen Ruhr besteht eine gewisse, zeitlich begrenzte Immunität gegenüber einer Neuinfektion.

Bakterielle Ruhr: Vorbeugen

Der bakteriellen Ruhr (Shigellose) kann man über Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sowie regelmäßiges Händewaschen gut vorbeugen. Vor allem in Entwicklungsländern sollten Wasser und Nahrungsmittel vor dem Verzehr abgekocht werden.

Bakterielle Endokarditis

Eine bakterielle Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, dem so genannten Endokard, die durch eine Infektion mit Bakterien ausgelöst wird. Dort schädigt sie durch die stattfindenden entzündlichen Veränderungen vor allem die Herzklappen.

Die bakterielle Endokarditis lässt sich entsprechend ihrer Verlaufsformen in eine subakute und eine akute Form unterteilen. Die subakute Endokarditis verläuft im Gegensatz zur akuten Form wesentlich langsamer, mit weniger Symptomen, im Allgemeinen also leichter als eine akute Endokarditis.

Herzfehlbildungen, Herzklappenersatz-Operationen und andere Erkrankungen des Herzens steigern das Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken. Die Symptome der bakteriellen Endokarditis können sehr unspezifisch sein oder gar fehlen, bei beinahe allen Erkrankten tritt jedoch im Laufe der Erkrankung entweder Fieber oder ein neu aufgetretenes Herzgeräusch auf. Es kann allerdings auch zu einem schweren Krankheitsbild mit Kreislaufversagen kommen.

Für eine effektive Behandlung der bakteriellen Endokarditis sollte der genaue Erreger herausgefunden werden und dann nach Möglichkeit spezifisch therapiert werden. Eine Endokarditis kann unbehandelt zum Tod führen. Man versucht dies durch vorbeugende Antibiotikatherapie vor kleinen Eingriffen, wie zum Beispiel auch vor einer Zahnsteinentfernung, zu verhindern.

Neben der bakteriellen Endokarditis gibt es außerdem die so genannte postinfektiöse Endokarditis, die nicht von Bakterien, sondern durch Immunkomplexablagerungen ausgelöst wird. Die postinfektiöse Endokarditis gehört zu den Erscheinungsformen des rheumatischen Fiebers, das in Folge einer Streptokokkeninfektion auftreten kann.

Bakterielle Endokarditis: Definition

Bei einer bakteriellen Endokarditis handelt es sich um eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard), eine dünne, glatte Gewebeschicht, welche das Herz von innen auskleidet. Durch die stattfindenden entzündlichen Veränderungen kann das Endokard geschädigt werden, besonders davon betroffen sind die stark beanspruchten Herzklappen. Normalerweise können kleine Schäden schnell repariert werden, dazu ist jedoch eine gute Blutversorgung des Gewebes nötig. Da die Herzklappen jedoch gefäßlos und aus einem relativ stoffwechselarmen Gewebe sind, können reparative Prozesse nur sehr langsam ablaufen. In der Folge kommt es daher zu Ventilfunktionsstörungen der Herzklappen.

Schädigungen der Herzinnenhaut wiederum sind idealer Angriffspunkt für Bakterien. Sie lagern sich an und schädigen das Gewebe weiter. Die Balance zwischen dem gewebezerstörenden und dem reparativen Prozess bestimmt den Verlauf der Endokarditis. Dieses Gleichgewicht ist abhängig von der Virulenz, also der Aggressivität des Erregers, und der Abwehrstärke des Körpers.

Einteilung

Die unterschiedliche Aggressivität der Erreger führt ebenso wie die unterschiedliche Abwehrlage des Betroffenen zu unterschiedlichen Verläufen der Endokarditis. Bei der bakteriellen Endokarditis lassen sich ein subakuter und ein akuter Verlauf unterscheiden, die unterschiedliche Erregerspektren haben. Ein aggressiverer Erreger führt zu einem akuten, schwereren Verlauf als ein weniger aggressiver Erreger. Ein Keim von geringer Aggressivität führt vor allem bei vorgeschädigten Klappen oder schlechter Abwehrlage zu einer Infektion. Diese verläuft dann meist weniger dramatisch.

Außerdem gibt es noch einige andere, spezifische, jedoch sehr seltene Formen der Endokarditis. Dazu gehören die so genannte Libmann-Sachs-Endokarditis, die Endokarditis fibroplastica und die Endokardbeteiligung bei einigen anderen Grunderkrankungen, wie einem Karzinoid, einer Spondylitis ankylosans und einer rheumatoiden Arthritis.

Häufigkeit

Männer sind etwa doppelt so häufig von einer bakteriellen Endokarditis betroffen wie Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 50 Jahren. Obwohl sich die Gesamthäufigkeit der Endokarditis im Laufe der letzten 30 Jahre nicht verändert hat, hat der Fortschritt der Medizin doch erheblichen Einfluss auf Ursache, Ersterkrankungsalter und Lokalisation der heutigen Endokarditis gehabt. Mit Beginn der Antibiotikaära stieg das mittlere Erkrankungsalter in den letzten drei Jahrzehnten um ungefähr 15 Jahre. Die Häufigkeit im Krankenhaus erworbener, so genannter nosokomialer Endokarditiden, liegt nach neueren Untersuchungen bei etwa zehn bis 15 Prozent.

Für jemanden, der bereits am Herzen operiert wurde, besteht ein wesentlich erhöhtes Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken. Das gilt ebenso für Personen mit bereits vorgeschädigten oder ersetzten Klappen. Im ersten Jahr, nachdem eine geschädigte Klappe ersetzt wurde, entwickelt sich bei etwa zwei bis drei Prozent der Operierten eine Endokarditis, danach jährlich bei 0,5 Prozent der Operierten. Besonders häufig tritt eine Herzinnenwandentzündung nach dem Ersatz der Aorten- und Mitralklappe auf. Auch das Material des Klappenersatzes spielt in Hinblick auf das Risiko der Endokarditis eine Rolle. So ist das Risiko zur Entstehung von Endokarditiden nach dem Ersatz von Klappen, welche Schweinen entnommen wurden, geringer.

Bakterielle Endokarditis: Ursachen

Die Ursache der bakteriellen Endokarditis sind Erreger, die in die Blutbahn gelangt sind. Diese Bakterien können dabei aus Entzündungsherden im Körper stammen oder von außen in das eigentlich geschlossene Blutsystem gelangen. Jeder Eingriff an einem Gefäß, mit länger andauernden Injektionen oder Verweilkathetern in der Vene ist deshalb ein Risiko für eine Endokarditis. Die Erreger gelangen über Nadeln und Katheter in die Venen und mit dem Blutstrom ins Herz. In der Regel ist bei der Endokarditis die linke Herzhälfte bedroht. Die unterschiedliche Aggressivität der Erreger führt zu unterschiedlichen Verläufen der Endokarditis.

Subakute bakterielle Endokarditis

Die subakute Endokarditis wird häufig durch Keime verursacht, die normalerweise immer die Haut oder Schleimhäute besiedeln, ohne eine Krankheit zu verursachen. Es handelt sich dabei also um Erreger mit einer geringen Aggressivität. Häufigster Erreger der subakuten Endokarditis ist Streptococcus viridans, seltener Staphylococcus aureus. Aber auch Staphylococcus epidermidis und einige Arten der Hämophilusgattung können als Erregerspektrum von Bedeutung sein.

Da die Erreger, vor allem Streptococcus viridans, aus dem Mund stammen, tritt die subakute bakterielle Endokarditis häufig nach Zahnextraktionen, aber auch kleineren Eingriffen im Mund, auf. Meist setzen sich die Erreger auf bereits vorgeschädigte Klappen. Außerdem kommt diese Form der Endokarditis bei Personen mit schlechter Abwehrlage vor.

Die Bakterien streuen aber eventuell auch, ausgehend von Eintrittspforten, die neben einem Zugang über die Vene auch von Entzündungsherden des Urogenital- oder Gastrointestinaltrakts ausgehen können. Die Erreger gelangen ins Blut und damit auch ins Herz, wo sie sich an das Endokard anlagern. Die ursprünglichen Entzündungsherde können dabei so geringe Beschwerden bereiten, dass sie vom Betroffenen selbst gar nicht bemerkt werden.

Akute bakterielle Endokarditis

Das Erregerspektrum der akuten bakteriellen Endokarditis unterscheidet sich von dem der subakuten bakteriellen Endokarditis. Es handelt sich um wesentlich aggressivere Keime, weshalb die akute bakterielle Endokarditis auch an gesunden Herzklappen auftritt. Häufigster Erreger ist Staphylococcus aureus. Daneben können auch Streptokokken der Gruppe A, Pneumokokken oder Gonokokken ebenso vorkommen wie andere Erreger, die weniger aggressiv sind.

Weitere Ursachen

Drogenmissbrauch über die Vene oder zentrale Katheter führen zu einer besonderen Art der Endokarditis. Zentrale Katheter liegen direkt in den großen Venen kurz vor dem Herzen. Während normalerweise die linke Herzhälfte, vor allem die Klappen, betroffen ist, wird dabei vor allem die rechte Herzhälfte geschädigt. Meist betrifft die Entzündung dann die Trikuspidalklappe, eher selten die Pulmonalisklappe oder -arterie. Die Bakterien können von der Haut stammen und sind zum Beispiel Staphylococcus aureus oder koliforme Bakterien.

Eine andere wichtige Infektionsquelle sind Herzoperationen. Eine Endokarditis, die innerhalb von zwei Monaten nach der Operation auftritt, ist meist durch eine Verunreinigung während des Eingriffs verursacht. Da in jedem Fall nach einer solchen Operation eine Antibiotikatherapie durchgeführt wird, handelt es sich dabei um so genannte resistente Erreger, meist um Staphylococcus epidermidis, koliforme Bakterien und Erreger der Diphtherie. Staphylococcus epidermidis kann dabei sowohl zu diesem frühen als auch zu einem später auftretenden Erkrankungsbeginn führen. Die späteren Infektionen sind dabei meist auf Keime zurückzuführen, die zwar ebenfalls während der Operation in den Organismus gelangten, jedoch weniger aggressiv sind.

Neben den bakteriellen Erregern können auch Pilze wie Candida und Aspergillus eine Endokarditis auslösen.

Bakterielle Endokarditis: Symptome

Je nach Form der bakteriellen Endokarditis unterscheiden sich auch deren Symptome.

Subakute bakterielle Endokarditis

Der Beginn der subakuten bakteriellen Endokarditis ist meist schleichend. Die Betroffenen zeigen dabei nur allgemeine Krankheitszeichen und relativ wenig spezifische Symptome. Die Beschwerden unterscheiden sich nicht von anderen leichten Allgemeinerkrankungen. Die Körpertemperatur steigt langsam an und bleibt meist um die 38 Grad Celsius. Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen Nachtschweiß, leichte Ermüdbarkeit und eventuell Schüttelfrost und Gelenkschmerzen vor. Die Erkrankten leiden unter Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Die Symptomatik kann aber auch Herzprobleme mit einschließen.

Akute Endokarditis

Die Symptome der akuten Endokarditis ähneln denen der subakuten Endokarditis, jedoch ist der Verlauf rasanter und schwerer. Die Betroffenen haben meist hohes Fieber, über 39 Grad Celsius, und können unter Bewusstseinstrübungen leiden. Es kann zu einem so genannten septischen Schock kommen, der eine akut lebensbedrohliche Situation darstellt. Obwohl die Zerstörung der Herzklappen in weniger als 40 Tagen vor sich geht, können bei einem derartig schnellen Krankheitsverlauf anfangs Herzgeräusche fehlen.

Erreger, die mit dem Blut verschleppt werden, können an anderer Stelle Infektionsherde bilden und weitere Symptome verursachen. Diese Herde werden septische Embolien genannt. Außerdem kann es auf diese Weise zu einer eitrigen Hirnhautentzündung kommen.

Prothesenendokarditis

Eine Prothesenendokarditis, die sich auf dem Boden eines Klappenersatzes ausbildet, verläuft meist in einer akuten, selten in einer subakuten Form. Bei dieser Form der Endokarditis können weitere Symptome auftreten. Häufiger kommt es zu Abszessen am Klappenring, dem Halteapparat der Herzklappe. Außerdem können sich Abszesse im Herzmuskel bilden oder sich Aneurysmen ausbilden. Die Herzklappen verändern sich und es kann zu Veränderungen in der Herzmuskelaktion kommen, die eventuell im Elektrokardiogramm (EKG) sichtbar sind.

Die rechtsseitige Endokarditis macht sich in einigen Fällen nicht nur durch einen akuten oder subakuten Verlauf bemerkbar, man findet möglicherweise auch Symptome, die eine rechtsseitige Endokarditis mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten lassen. Es kann zu einer Lungenfellentzündung kommen, die atemabhängige Schmerzen oder auch Atemnot verursacht und zu einem Abhusten von blutig durchsetztem Auswurf führt. Außerdem besteht das Risiko eines Lungeninfarkts, der sich durch einen plötzlichen vehementen Schmerzbeginn, blutroten Auswurf und Atemnot, sowie durch einen schwachen und schnellen Puls bemerkbar macht, und sogar zum Tod führen kann. Die Insuffizienz der Trikuspidalklappe kann man mit dem Stethoskop hören.

Bakterielle Endokarditis: Diagnose

Erster Schritt der Diagnose bei einer bakteriellen Endokarditis ist es, mögliche Risikofaktoren, wie Herzfehler oder Klappenersatz-Operationen, durch eine Befragung des Betroffenen zu erkennen. Eine körperliche Untersuchung kann bei der subakuten bakteriellen Endokarditis unauffällig sein, wobei bei fast allen Betroffenen entweder Fieber oder auffällige Herzgeräusche auftreten.

Die genaue Diagnose der Endokarditis wird anhand mehrfacher Erregerkulturen aus dem Blut gestellt, wobei eine negative Kultur kein Beweis dafür ist, dass keine Infektion stattfindet, da manche Erreger schwer nachweisbar sind. Weitere Hinweise auf eine bakterielle Endokarditis liefern die Leukozytenkonzentration und spezifische Entzündungsmarker im Blut.

In der Hälfte aller Fälle zeigen sich bei einer Echokardiographie Ablagerungen an den Herzklappen.

Bakterielle Endokarditis: Therapie

Die Therapie der bakteriellen Endokarditis umfasst neben der Behandlung einer eventuell verursachenden Grunderkrankung vor allem eine Antibiotikatherapie über vier bis sechs Wochen. Diese sollte idealerweise erregerspezifisch erfolgen. Eine Infektion mit Staphylokokken wird meist mit Flucloxacillin oder Cefotaxim behandelt, eine Streptokokken-Endokarditis mit Penicillin G und Gentamicin oder alternativ mit Cefotaxim.

Wenn feststeht, dass die Infektion durch verunreinigte Fremdkörper, wie zum Beispiel durch einen infizierten Klappenersatz, entstanden ist, kann durch eine erneute Operation und Entfernung des Fremdkörpers die Heilungschance verbessert werden.

Kommt es zu nicht behandelbaren Komplikationen wie einer Sepsis, Embolien oder einer fortschreitenden Herzinsuffizienz, kann ein operativer Ersatz der Herzklappen nötig sein.

Bakterielle Endokarditis: Verlauf

Komplikationen

Komplikationen treten bei der akuten bakteriellen Endokarditis meist durch Blutgerinnsel (Thromben) auf. Diese werden mit dem arteriellen Blutstrom verschleppt, bleiben in den kleinen Blutgefäßen hängen und verstopfen diese. Es kommt zu einer Embolie. Durch die kleinen Arterienverschlüsse werden die nachfolgenden Gebiete minderdurchblutet. Betroffen sind vor allem das Gehirn, die Niere und die Milz. Es kann zu kurzzeitigen oder reversiblen Ausfällen kommen oder, im schlimmsten Fall, zu einer Schädigung, die sich kaum noch verbessern lässt.

Ein embolischer Verschluss einer Gehirnarterie führt zu einem Schlaganfall. Eine Embolie, welche die Niere betrifft, äußert sich in Flankenschmerzen und Blutbeimengung im Urin. Auch Eiweiße können im Rahmen dieses so genannten Niereninfarkts über die Niere verloren gehen. Akuter Bauchschmerz, der im Rahmen einer Endokarditis auftritt, könnte auf einen embolischen Verschluss der Arterien, die den Darm versorgen, hindeuten. Auch Arme und Beine können betroffen sein, wobei es zu plötzlichen Schmerzen infolge einer Mangeldurchblutung kommen kann.

Außerdem können auch arterielle Embolien auftreten, die in der Haut zu etwa linsengroßen, druckschmerzhaften roten Knötchen führen, so genannten Osler-Knötchen. Es können kleinste Einblutungen in die Haut entstehen. Sie sehen wie kleine rote Punkte aus. Man nennt sie Petechien und findet sie vor allem am Körper und am Augenhintergrund.

Herzklappenfehler treten mit ihrer gesamten Symptomatik auf. Es kann zu typischen Beschwerden einer Herzinsuffizienz kommen. Die Betroffenen können unter einer Blutarmut (Anämie) leiden, bei der zu wenig rote Blutkörperchen im Blut sind. Uhrglasnägel sind runde Veränderungen der Finger- und Fußnägel, die im Verlauf einer chronischen Endokarditis auftreten können. Eine Gelbsucht, ein so genannter Ikterus, kann ebenfalls entstehen. Die Milz kann geschwollen sein. Es können sich auch Antikörperkomplexe in der Niere ablagern, die zu einem Krankheitsbild führen, das als Glomerulonephritis bezeichnet wird. Die Bakterien können sich aber auch weiter im Organismus verteilen und auf diesem Weg zum Beispiel auch Abszesse im Gehirn bilden. Klappenabrisse, aber auch Embolien (dann jedoch ohne Bakterienbeteiligung) können bis zu einem Jahr nach einer erfolgreichen Therapie auftreten.

Prognose

Bei einer rechtzeitig begonnenen Therapie hängt die Prognose der bakteriellen Endokarditis vom jeweiligen Erreger ab. Die durch penicillinempfindliche Streptokokken ausgelöste Endokarditis ist meist schnell und erfolgreich behandelbar, sodass sich die Erkrankten nach wenigen Tagen wieder gut fühlen und das Fieber verschwindet. Eine durch Staphylokokken ausgelöste Endokarditis spricht dagegen nur sehr langsam auf eine Therapie an.

Eine unbehandelte bakterielle Endokarditis hat eine schlechte Prognose. Sie verläuft in vielen Fällen tödlich. Der Allgemeinzustand des Erkrankten und sein Alter spielt dabei eine große Rolle.

Bei Herzinsuffizienz, Befall der Aortenklappe oder mehrerer Klappen, ausgedehnten Blutgerinnselablagerungen, nach Klappenersatz-Operationen oder infizierten Prothesen verschlechtert sich die Prognose genauso wie bei Klappenringabszessen und ausgedehnten Embolien. Die Prognose ist also stark abhängig von der Vielfalt und dem Ausmaß der Komplikationen.

Ein Rückfall der Endokarditis kann in den ersten vier Wochen einsetzen und muss dann ebenso wie die erstmals aufgetretene Erkrankung behandelt werden.

Bakterielle Endokarditis: Vorbeugen

Da das Risiko für eine bakterielle Endokarditis größer ist, wenn die Herzklappen bereits vorgeschädigt sind, sollte in diesen Fällen vorbeugend bei allen Eingriffen, selbst bei einer kleinen Zahnbehandlung wie einer Zahnsteinentfernung, Antibiotika gegeben werden. Das gleiche Risiko besteht natürlich bei jedem Herzfehler und nach allen operativen Eingriffen am Herzen.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Veröffentlicht in:  on at 4:56 Kommentar schreiben
Tags:

Baker-Zyste

Die Baker-Zyste (Poplietalzyste) ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Aussackung in der Kniekehle. Sie entsteht häufig bei chronischen Kniebinnenerkrankungen, zum Beispiel der chronischen Polyarthritis (Rheuma) oder chronischen Meniskusschädigungen.

Der Körper versucht den Knieschaden durch die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit wieder auszugleichen. Der dabei entstehende, dauerhaft erhöhte Gelenkinnendruck führt zu einer Erschlaffung des umliegenden Bindegewebes und zur Ausbildung einer mit Flüssigkeit gefüllten Zyste. Die Baker-Zyste ist eine Erkrankung des mittleren bis höheren Lebensalters. Doch auch Kinder können vereinzelt betroffen sein.

Hauptmerkmale der Erkrankung sind Schmerzen und eine bewegungsabhängige, häufig wiederkehrende Schwellung in der Kniekehle und der oberen Wadenmuskulatur. Wenn die Zyste einreißt (Ruptur), kommt es zu plötzlich einsetzenden Schmerzen in der Kniekehle. Neben der klassischen Schmerz- und Verlaufsdarstellung sowie dem Untersuchungsbefund tragen radiologische Maßnahmen zur Diagnosefindung bei. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung sowie einer Magnetresonanztomographie lassen sich die genauen Ausmaße der Baker-Zyste darstellen.

Bei der Baker-Zyste gibt es zwei Therapieoptionen: die Operation oder die konservative Therapie mit Medikamenten. Am besten ist die Prognose bei der operativen Beseitigung der Ursache (zum Beispiel Meniskusschaden). Wird nur eine konservative Therapie durchgeführt, besteht diese im Wesentlichen aus entzündungshemmenden Medikamenten ( Antiphlogistika) und – in Ausnahmen – auf die Verwendung von Kortisonspritzen. Wenn das nicht hilft, ist eine direkte operative Entfernung der Bakeryste notwendig. Allerdings kommt die Baker-Zyste, wenn ihre Ursache unbehandelt bleibt, mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder.

Baker-Zyste: Definition

Die Baker-Zyste ist eine in der Kniekehle meist mittig gelegene, mit Flüssigkeit gefüllte Aussackung. Ihr Name stammt von dem Erstbeschreiber W. M. Baker, einem englischen Chirurgen des 19. Jahrhunderts aus London.

Die Baker-Zyste kann verschiedene Ausgangspunkte haben. So kann sie von muskulären Strukturen ausgehen, wie dem Musculus gastrocnemius (Wadenmuskel) oder dem Musculus semimembranosus (Beugemuskulatur des Oberschenkels). Auch kann die Zyste eine direkte Aussackung der hinteren Kniegelenkkapsel mit stielartiger Verbindung zum Gelenk darstellen. Hierbei spricht man im eigentlichen Sinne von der Baker-Zyste.

Eine Baker-Zyste kann aufgrund ihrer schwellenden Natur einem Tumor der hinteren Kniekehle ähneln. Daher muss stets eine bösartige Erkrankung ausgeschlossen werden. Kommt es zur Ruptur der Zyste, also einem Riss mit Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe, lässt sich eine Schwellung im betroffenen Gebiet und ein bei Druck stärker werdender Schmerz finden. Dieser Zustand kann leicht mit einer tiefen Beinvenenthrombose verwechselt werden.

Häufigkeit

Eine Baker-Zyste kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten. Kinder sind von der Ausbildung zystischer Veränderungen der Kniekehle jedoch selten betroffen. Im Kindesalter kommt es bei Jungen doppelt so häufig wie bei Mädchen zu einer Baker-Zyste. Überwiegend lässt sich die Baker-Zyste jedoch im mittleren und fortgeschrittenem Lebensalter beobachten.

Baker-Zyste: Ursachen

Ursache für die Ausbildung einer Baker-Zyste ist in den überwiegenden Fällen eine Kniebinnenerkrankung. Hierbei wird vom Körper, bedingt durch die Grunderkrankung, vermehrt Gelenkflüssigkeit gebildet. Durch diese wird der Gelenkinnendruck permanent erhöht. In der Folge sackt die Gelenkkapsel zur Baker-Zyste aus.

Die Aussackung bildet sich meist im Bereich zwischen dem mittigen Kopf des Musculus gastrocnemius (Wadenmuskel) und der Ansatzsehnenplatte der Beugemuskulatur. Die Baker-Zyste ist als eine mit Flüssigkeit gefüllte, abgeschlossene, bindegewebige Kapsel im hinteren Bereich der Kniekehle zu ertasten. Chronische Erkrankungen, wie die Gelenkbeteiligung bei chronischer Polyarthritis (Rheuma) oder andauernde Meniskusbeschwerden, können zur Ausbildung der Baker-Zyste führen.

Baker-Zyste: Symptome

Typische Symptome einer Baker-Zyste sind wiederkehrende Schmerzen in der Kniekehle und im rückwärtigen oberen Wadenbereich. Zum Teil kommt es lediglich zu einem uncharakteristischen Spannungsgefühl der Kniekehle. Meist lässt sich eine mit Flüssigkeit gefüllte Baker-Zyste als Schwellung in der Kniekehle tasten. Diese kann nach dem Grad der körperlichen Aktivität verschiedene Größen annehmen.

Der Schmerz und die Schwellung aufgrund einer Baker-Zyste hängen in der Regel vom Aktivitätslevel des Betroffenen ab. Je aktiver jemand ist, desto stärker sind die Beschwerden.

Baker-Zyste: Diagnose

Die Diagnose der Baker-Zyste wird aufgrund der Beschwerden und dem Untersuchungsbefund gestellt. Häufig lassen sich Schmerzen bei tiefer Ertastung der Kniekehle hervorrufen.

Neben den Schilderungen, dem klinischen Bild und dem Untersuchungsbefund können verschiedene diagnostische Methoden zur Sicherung der Baker-Zyste beitragen. Konventionelles Röntgen kann arthrotische Veränderungen des Kniegelenks oder in seltenen Fällen auch Knochentumoren als Ursache der Beschwerden aufzeigen.

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Kniekehle weist die Baker-Zyste nach und zeigt, wie groß die Zyste ist und wohin sie sich ausbreitet. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann im Weiteren die genaue anatomische Lokalisation der Baker-Zyste und die Verbindung zur Gelenkkapsel darstellen.

Die Diagnose von Baker-Zysten kann mitunter bei ungewöhnlicher und sehr langstreckiger, schlauchförmiger Struktur bei Einblutungen mit und ohne Rupturen schwierig sein.

Baker-Zyste: Therapie

Bei der Therapie der Baker-Zyste stehen grundsätzlich konservative und operative Maßnahmen zur Verfügung.

Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden sowie die Schwellung und Schmerzen in der Kniekehle dauerhaft zu beheben. Zunächst wird die Baker-Zyste mit konservativen Maßnahmen behandelt. Diese führen insbesondere im Kindesalter häufig zu einer dauerhaften Beschwerdelinderung, auch wenn sie an der Ursache nichts ändern. Kommt es durch die konservative Therapie zu keiner deutlichen Besserung, so kann sich eine Operation anschließen. Ist die Ursache der Baker-Zyste bekannt, kann eine Operation (zum Beispiel beim Meniskusschaden) die primäre Therapie sein, damit die Baker-Zyste sich nicht erneut bildet.

Konservative Therapie

Die konservative Therapie, also die nicht-operative Behandlung, richtet sich vor allem auf die Behandlung der Baker-Zyste selbst. So stehen entzündungshemmende Medikamente im Vordergrund der konservativen Therapie. Insbesondere werden nicht-steroidale (ohne Kortison) entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac verabreicht.

Die Anwendung kortisonhaltiger Präparate ist wegen der zahlreichen Nebenwirkungen umstritten, wird jedoch mitunter durchgeführt. Das Kortisonpräparat wird dann mithilfe einer Spritze direkt ins Knie verabreicht, um den entzündlichen Vorgang vor Ort zu stoppen. Der Inhalt der Baker-Zyste lässt sich auch mit einer Spritze heraussaugen und die verbleibende Hülle mit Kortison ausspülen.

Operative Therapie

Bildet sich die Baker-Zyste auch sechs Monate nach der konservativen Therapie nicht zurück, empfiehlt sich die operative Entfernung.

Die Baker-Zyste wird im Ganzen entfernt. Bei den mit der Gelenkkapsel verbundenen Baker-Zysten muss darauf geachtet werden, dass der Stiel, welcher die Verbindung zwischen Zyste und Kniegelenk darstellt, unterbunden wird. Im Anschluss an die Operation werden die entnommenen Zystenstrukturen histologisch untersucht, um bösartige Neubildungen zu erkennen oder auszuschließen.

Baker-Zyste: Verlauf

In vielen Fällen bessert sich die Baker-Zyste bereits ohne Therapie innerhalb weniger Tage. Die Baker-Zyste verschwindet spontan, kann aber bei Belastung erneut wieder auftreten. Selbst unter der empfohlenen konservativen Therapie löst sich die Baker-Zyste selten vollständig auf. Dies kann in der Regel nur erreicht werden, wenn die Ursache beseitigt werden konnte.

Baker-Zyste: Vorbeugen

Der Baker-Zyste kann nur bei bestimmten Ursachen vorgebeug werden. Einen Meniskusschaden kann man vermeiden, indem man Gelenk belastende Sportarten und Bewegungen möglichst nicht ausführt. Stattdessen sollten Gelenk schonende Sportarten wie Radfahren, Kraulschwimmen oder gezielte Gymnastik ausgeübt werden, um die Beweglichkeit des Kniegelenks dauerhaft zu erhalten oder zu verbessern. Bei sitzenden Tätigkeiten, zum Beispiel im Büro, empfiehlt es sich, auf eine häufige Veränderung der Sitzhaltung zu achten. Besteht Übergewicht und liegt gleichzeitig ein Meniskusschaden vor, empfiehlt es sich, abzunehmen.

Veröffentlicht in:  on at 4:54 Kommentar schreiben
Tags:

Azoospermie

Als Azoospermie bezeichnet man das Fehlen von reifen männlichen Samenzellen im Ejakulat. Die Azoospermie kann viele Ursachen haben: in Frage kommen zum Beispiel Entwicklungsstörungen der Spermien, Verengungen und Unterbrechungen im Bereich der ableitenden Samenwege oder genetische Defekte.

Männer mit Azoospermie bleiben ungewollt kinderlos. Die Diagnose der Azoospermie wird anhand verschiedener Untersuchungen und mithilfe eines Spermiogramms, einer Analyse des Spermas, gestellt. Zur Diagnose der Ursache der Azoospermie sind weiterführende Untersuchungen notwendig, die von hormonellen über bildgebenden Verfahren bis hin zu genetischen Tests reichen können. Die Behandlung der Azoospermie richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen, in vielen Fällen ist eine erfolgreiche Therapie jedoch nicht möglich. Daher ist die Prognose der Azoospermie sehr unterschiedlich.

Azoospermie: Definition

Unter einer Azoospermie versteht man das Fehlen von Spermien im Ejakulat. Spermien sind die reifen männlichen Samenzellen, die im Hoden gebildet werden. Die Azoospermie gehört zu den Störungen der Fruchtbarkeit (Fertilitätsstörungen) beim Mann. Von einer Fruchtbarkeitsstörung wird dann gesprochen, wenn trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaftsverhütung nach einem Jahr keine Befruchtung stattgefunden hat. Jede sechste Ehe bleibt heutzutage kinderlos. In Deutschland sind etwa 1,5 Millionen Paare betroffen. Dabei ist bei etwa 40 Prozent der kinderlosen Paare die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit beim Mann zu finden. Die Azoospermie gilt dabei als eine der Ursachen.

Spermien

Im Hoden befinden sich als Ursamenzellen die so genannten Spermatogonien. Zusätzlich sind Stützzellen (Sertoli-Zellen) zu finden. Die Stützzellen dienen der Ernährung der Samenzellen. Sie bilden ein schwammartiges Netzwerk bilden, welches die Entwicklung von Spermatogonien bis hin zu reifen Samenzellen fördert.

Das Bild zeigt Spermien unter dem Mikroskop.

Spermien

Wenn sich eine Spermatogonie teilt, entstehen zwei Zellen. Eine dieser Zellen nimmt den Platz der ursprünglichen Spermatogonie ein und bleibt somit eine Ursamenzelle, die sich später erneut teilen kann. Die zweite bei der Teilung entstandene Zelle entwickelt sich zu einem so genannten Spermatozyt. Aus den Spermatozyten entstehen nach Reifeteilungen die Spermatiden, die mit 23 Chromosomen bereits nur noch den halben Chromosomensatz besitzen. Aus den Spermatiden entwickeln sich schließlich die reifen Samenzellen (Spermien). Der Prozess der Entwicklung eines reifen Spermiums aus der Spermatogonie wird als Spermatogenese bezeichnet und dauert beim Menschen etwa 90 Tage.

Spermien bestehen aus Kopf, Hals, Mittelstück und Schwanz. Der Kopf des Spermiums enthält den Zellkern und das wie eine Kappe auf dem Zellkern sitzende Akrosom. Das Akrosom enthält Enzyme, die die Schutzhülle der Eizelle auflösen und das Eindringen der Spermien in die Eizelle ermöglichen. Die Spermien bilden zusammen mit dem Sekret der Nebenhoden, der Samenbläschen, der Prostata und einiger weiterer kleinerer Drüsen das Sperma bzw. Ejakulat.

Das Sperma wird umgangssprachlich als Samenflüssigkeit oder kurz als Samen bezeichnet. Es handelt sich um eine weißlich trübe, schwach alkalische, klebrige, fadenziehende Flüssigkeit mit einem charakteristischen Geruch. Im Allgemeinen werden bei einer Ejakulation etwa drei bis sechs ml Sperma abgegeben.

Im Regelfall sind pro ml Sperma mehrere Millionen Spermien vorhanden. Bei der Azoospermie dagegen fehlen die Spermien und der Mann ist unfruchtbar. Von einem normalen Sperma (Normospermie) spricht man, wenn mehr als 40 Millionen Spermien pro ml Sperma vorhanden sind und mehr als 60 Prozent aller Spermien ein normales Aussehen und eine normale Beweglichkeit aufweisen.

Azoospermie: Ursachen

Die Azoospermie kann verschiedene Ursachen haben

  • primäre Störungen der Spermienproduktion und –entwicklung (dreißig bis vierzig Prozent)
  • hormonelle Störungen des Gehirns (ein bis zwei Prozent)
  • Störungen des Spermientransports (zehn bis zwanzig Prozent)

Jede dieser Ursachen der Azoospermie kann durch genetische Veränderungen bedingt und somit angeboren sein. In vierzig bis fünfzig Prozent der Fälle kann jedoch keine Ursache für die Störung gefunden werden.

Primär gestörte Spermienentwicklung und Störung der ableitenden Samenwege

Die Entwicklung und Ableitung der Spermien mit nachfolgender Azoospermie kann auf vielfältige Weise gestört werden, wobei zwischen einer vorübergehenden und einer bleibenden Azoospermie unterschieden wird. Die Spermienentwicklung kann etwa durch eine übermäßige Erwärmung der Hoden (heiße Bäder, Saunabesuche oder sehr enge Unterwäsche) vorübergehend gehemmt werden. Einige Medikamente (Cimetidin oder Sulfasalazin) oder Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten oder Drogen, können die Entwicklung von Spermien stören und ebenfalls zu einer Azoospermie führen. Der negative Einfluss von Umweltgiften wie Pestiziden, Schwermetallen oder Lösungsmitteln auf die Spermienentwicklung ist ebenfalls zu berücksichtigen.

Im Rahmen einer Virusinfektion kann es zu einer Entzündung der Hoden (Orchitis) kommen, die die Spermienentwicklung vorübergehend beeinträchtigt. Eine bleibende Störung mit Azoospermie tritt bei Mumps (Ziegenpeter) auf, wenn die Erkrankung während der Kindheit oder Pubertät auftritt. Entzündungen im Bereich der Nebenhoden, beispielsweise im Rahmen von sexuell übertragbaren Krankheiten wie der Gonorrhö, können zu einer Verklebung der Samenleiter führen und dadurch den Weg der Spermien aus den Hoden in die Harnröhre dauerhaft versperren. Das Resultat ist eine bleibende Azoospermie. Eine Durchtrennung der Samenleiter bei Operationen hat denselben Effekt und führt ebenfalls zur Azoospermie. Eine solche Operation kann geplant und gewünscht sein, wenn der Mann keine Kinder mehr zeugen möchte. Manchmal kommt es aber versehentlich zu einer Durchtrennung der Samenleiter, zum Beispiel bei der Operation eines Leistenbruchs im Kindesalter.

Zur Therapie von bösartigen Tumorerkrankungen sind häufig Chemotherapien notwendig. In Abhängigkeit der verwendeten Medikamente kann eine vorübergehende oder eine bleibende Azoospermie auftreten. Wird eine Strahlentherapie im Bereich der Hoden notwendig, ist ab Gesamtdosen von ca. 20 Gray ebenfalls mit einer bleibenden Azoospermie zu rechnen. In jedem Fall ist es ratsam dem Betroffenen vor dem Beginn der Chemotherapie oder Strahlentherapie bei bestehendem Kinderwunsch eine Samenspende mit Gefrierkonservierung anzubieten.

Hormonelle Störungen des Gehirns

Die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron wird durch bestimmte Hormone aus dem Gehirn angeregt. Testosteron ist wichtig für die Spermatogenese. Die so genannte Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Genital-Achse besteht aus verschiedenen Hormonen, die jeweils zu einer Hormonausschüttung im nächsten Organ beitragen und mit der Bildung von Spermien enden. Liegt an einem Punkt der Achse eine Störung vor, wird die Produktion der Samenzellen beeinträchtigt oder verhindert. Die Störung ist im Gegensatz zu den anderen Ursachen der Azoospermie selten und kann sowohl erworben als auch angeboren sein.

Genetische Faktoren

Eine Azoospermie kann auf genetische Veränderungen zurückzuführen und somit angeboren sein. Es handelt sich dann vorwiegend um Abweichungen in der Anzahl der Geschlechtschromosomen XY. Beispiele für genetische Defekte bei der Azoospermie sind das Klinefelter- oder das Prader-Willi-Syndrom. Azoospermie wird aber ebenso bei Männern mit Trisomie 21 beobachtet.

Azoospermie: Symptome

Das Symptom der Azoospermie ist die Störung der Fruchtbarkeit des Manns mit nachfolgender ungewollter Kinderlosigkeit. Bleibt ein Paar trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs über ein Jahr kinderlos, liegt definitionsgemäß bei einem oder beiden Partnern eine Störung vor.

Diagnose

Die Diagnostik der Azoospermie beginnt mit einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch. Dabei ist es ratsam, relevante Gegebenheiten wie in der Vergangenheit erfolgreiche Schwangerschaften, Pubertätsentwicklung, Erkrankungen in der Vorgeschichte und in der Familie, Operationen und Medikamenteneinnahmen, Infektionen im Genitalbereich und berufliche Exposition mit schädigenden Mitteln, abzufragen. Auch Angaben zum sexuellen Verhalten können die Diagnose erleichtern.

Bei der körperlichen Untersuchung werden meist nicht nur die Genitalien, sondern der gesamte Körper untersucht. Es wird nach Zeichen von Verminderung männlicher Geschlechtshormone gesucht, welche die Azoospermie begleiten können. Der Fokus liegt dabei auf den sekundären Geschlechtmerkmalen (Behaarung, Stimmlage, Fettverteilung etc.) und Zeichen der Feminisierung, wie Brustentwicklung. Darüber hinaus werden Penis und Hoden auf Auffälligkeiten untersucht.

Die Diagnose einer Azoospermie wird anhand einer Analyse des Spermas (Spermiogramm) gestellt. Das dazu benötigte Ejakulat wird durch Masturbation nach einer vier bis sechstägigen sexuellen Karenzzeit gewonnen. Dabei sollten mindestens zwei bis drei separat gewonne Spermaproben untersucht werden. Diese werden bezüglich verschiedener Parameter auf Azoospermie überprüft:

  • Farbe, Geruch, Konsistenz/ Viskosität (Zähigkeit)
  • pH-Wert, Fruktosegehalt, Volumen
  • bakterielle Besiedlung
  • Spermiendichte, Beweglichkeit, Vitalität, Aussehen der Spermien

Zur Diagnose der Azoospermie ist eine Untersuchung des Spermas unter dem Mikroskop notwendig. Dabei werden die Beweglichkeit, die Anzahl und das Aussehen der Spermien beurteilt. Bei der Azoospermie sind im Ejakulat keine Spermien vorhanden. Des Weiteren können andere abnorme Parameter des Ejakulats auffallen, welche Hilfe bei der Suche nach Ursachen der Azoospermie liefern. Da eine Azoospermie sowohl durch eine gestörte Entwicklung der Spermien als auch durch eine Störung im Bereich der ableitenden Samenwege oder aber durch genetische Faktoren verursacht werden kann, sind vielfältige weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursache der Azoospermie notwendig. Dazu gehören unter anderem:

  • Hormonuntersuchungen
  • genetische Tests
  • Immunologische Untersuchungen
  • Durchgängigkeitsprüfungen der ableitenden Samenwege
  • Probeentnahmen aus dem Hoden
  • bildgebende Verfahren der Hoden

Azoospermie: Therapie

Die Behandlung der Azoospermie richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen. Die Behandlung ist teilweise mit erheblichen Problemen behaftet, da einige Ursachen der Azoospermie nicht oder nur unzureichend oder begrenzt therapierbar sind.

Eine gestörte Spermienentwicklung kann manchmal durch die Meidung bestimmter Medikamente, eine Einschränkung des Alkoholkonsums und den Verzicht auf Drogen und Nikotin verbessert werden. Hat die Azoospermie hormonelle Ursachen, können mithilfe geeigneter Präparate gute Erfolge erzielt werden. Liegt bei der Azoospermie eine bakterielle Besiedlung aufgrund einer sexuell übertragbaren Erkrankung vor, werden Antibiotika zur Therapie eingesetzt. Der negative Einfluss einer Überwärmung der Hoden ist ebenfalls behandelbar. Ist die Azoospermie durch eine Behinderung der Samenleiter bedingt, kommen operative Maßnahmen in Frage. Sind diese nicht möglich, können bei manchen Arten der Azoospermie durch eine Biopsie aus den Hoden gesunde Spermien entnommen und für reproduktive Maßnahmen mittels künstlicher Befruchtung verwendet werden.

Azoospermie: Verlauf

Männer bzw. Paare mit Kinderwunsch leiden sehr unter der Azoospermie. Da die Prognose stark von der auslösenden Ursache der Azoospermie abhängig ist, reicht sie von sehr gut über unzureichend bis schlecht. Bei einigen Erkrankungen wie zum Beispiel genetischen Defekten kann Männern mit Azoospermie mitunter nicht geholfen werden. In diesem Fall ist es ratsam, eine psychologische Unterstützung und gegebenenfalls andere Möglichkeiten der Vaterschaft (z.B. Adoption) zu erwägen und zu vermitteln.

Azoospermie: Vorbeugen

Die Prophylaxe der Azoospermie richtet sich nach der Ursache. Es kann jedoch nicht allen Gründen einer Azoospermie vorgebeugt werden. Die Qualität der Spermien wird durch eine gesunde Lebensweise mit Meidung von Alkohol, Zigaretten, Drogen, bestimmten Medikamenten und Strahlung verbessert. Ist aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie oder Strahlentherapie unabwendbar, gibt es die Möglichkeit, Sperma für einen späteren Kinderwunsch an dafür zuständigen Stellen aufbewahren zu lassen. Die Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten schützt vor einer Azoospermie infolge einer Infektion. Für die Erkrankung Mumps gibt es eine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfung. Dadurch wird eine Azoospermie als Komplikation der Erkrankung vermieden.

Weitere Informationen

Linktipps:

www.wunschkinder.net
Seite mit vielen Informationen zum unerfüllten Kinderwunsch, Buchtipps, Selbsthilfegruppen und Austauschmöglichkeiten Betroffener

Veröffentlicht in:  on at 10:09 Kommentar schreiben
Tags:

Übersäuerung (Azidose)

Von einer Übersäuerung (Azidose) spricht man, wenn der pH-Wert im Blut unter einen Wert von 7,36 sinkt. Im Normalfall liegt dieser Wert zwischen 7,36 und 7,44.

Es gibt zwei Formen der Übersäuerung: die metabolische und die respiratorische Azidose. Die Diagnose erfolgt über die Blutgasanalyse. Neben diesen Formen der akuten Azidose kann es infolge falscher Ernährung zur chronischen Übersäuerung kommen. In diesem Fall bleibt der Blutwert stabil, überschüssige Säuren lagern sich im Bindegewebe an.

Eine akute Übersäuerung ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom anderer Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder chronischen Nierenerkrankungen.

Azidose: Definition

Um zu funktionieren benötigt der Körper Energie. Diese wird dem Körper über die Nahrung zugeführt und über verschiedene Stoffwechselvorgänge für Muskeln und Organe nutzbar gemacht. Im Laufe des Stoffwechsels fallen außerdem Abfallprodukte an, welche über Nieren, Leber, Haut, Lunge und Darm ausgeschieden werden. Da einige der Abfallprodukte stark sauer sind, müssen sie bis zur Ausscheidung neutralisiert werden.

Für gewöhnlich sorgen verschiedene Puffersysteme für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt und halten zum Beispiel den pH-Wert im Blut zwischen 7,36 und 7,44. Von einer akuten Übersäuerung (Azidose) spricht man, wenn der pH-Wert im Blut unter einen Wert von 7,36 sinkt.

Azidose: Ursachen

Man unterscheidet zwischen respiratorischer und metabolischer Übersäuerung (Azidose).

Ursache für die respiratorische Azidose ist eine zu geringe Abatmung von Kohlendioxid (CO2). Das saure Kohlendioxid lagert sich in Form von Bikarbonat im Körper an. Ursache können beispielsweise Lungenfunktionsstörungen wie sein, wie:

Bei der metabolischen Azidose kommt es zu einer zu hohen Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut, sodass die Puffersysteme überlastet werden und der pH-Wert schlagartig sinkt. Diese Form der akuten Übersäuerung ist häufig lebensbedrohlich. Ursachen für eine metabolische Azidose können sein:

Azidose: Symptome

Die häufigere respiratorische Azidose äußert sich durch Atemnot und blaugefärbte Lippen. Die Nieren versuchen, die Übersäuerung zu kompensieren, wodurch es zu vermehrter Wasserausscheidung kommt.

Bei der selteneren metabolischen Azidose ist die Atmung ungewöhnlich tief und verlangsamt (sog. Kussmaulatmung). Ist ein Diabetes mellitus Ursache für die Übersäuerung, kann der Atem nach Azeton riechen.

Akute Übersäuerung kann außerdem durch Senkung des Blutdrucks, Atemnot und Herzrhythmusstörungen zu schwerer Bewusstlosigkeit führen.

Azidose: Diagnose

Eine akute Übersäuerung (Azidose) kann mittels einer Blutgasanalyse festgestellt werden. Hierbei werden der Säure-Basen-Haushalt des Bluts gemessen sowie die Partialdrücke von Sauerstoff und Kohlendioxid. Respiratorische und metabolische Übersäuerung können durch die Bikarbonatwerte (niedrig = metabolisch) und den Kohlendioxid-Partialdruck (hoch = respiratorisch) im Blut unterschieden werden.

Eine chronische Übersäuerung des Gewebes kann über Teststreifen diagnostiziert werden, die den pH-Wert des Urins messen.

Azidose: Therapie

Bei Diabetikern kann die metabolische Azidose durch Insulin zumindest verbessert werden. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken. Liegt der Übersäuerung eine chronische Nierenerkrankung zugrunde, kann eine Dialyse notwendig sein. Außerdem können die natürlichen Puffersysteme durch Einnahme von Natriumhydrogencarbonat unterstützt werden. Langfristig sollte außerdem die Ernährung umgestellt werden.

Bei der respiratorischen Azidose wird akut die Atemfrequenz gesteigert, in schweren Fällen muss beatmet werden.

Allgemein ist es wichtig, bei akuter Übersäuerung die Grunderkrankungen zu therapieren.

Azidose: Verlauf

Müssen die Puffersysteme bei einer Übersäuerung (Azidose) pausenlos arbeiten, werden vermehrt Mineralsalze und Phosphate aus den Knochen gelöst, um die Säuren zu neutralisieren. Dies kann auf Dauer zu Osteoporose (Knochenschwund) führen. In Folge einer Übersäuerung kann es außerdem zu folgenden Erkrankungen kommen:

Azidose: Vorbeugen

Einer Übersäuerung (Azidose) kann man durch eine ausgeglichene Ernährung und genügend Bewegung vorbeugen. Außerdem sollte die Trinkmenge stimmen (ca. zwei Liter täglich). Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert und auf Nikotin vollständig verzichtet werden.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Übersäuerung (Azidose)”:

Linktipps:

Veröffentlicht in:  on at 10:08 Kommentar schreiben
Tags:

Flugangst (Aviophobie)

Ein gewisses Maß an Sorge und Angst ist in vielen Situationen des täglichen Lebens durchaus verständlich und normal – so auch eine gewisse Furcht vor dem Fliegen. Ist eine Person aufgrund ihrer Flugangst jedoch stark in ihrem Leben beeinträchtigt, liegt eine Aviophobie vor, welche zu den spezifischen Phobien zählt.

Die Ursachen von Flugangst sind unterschiedlich; während einige Betroffene unangenehme Erfahrungen während eines Flugs gemacht haben, sind andere noch nie geflogen. Häufige körperliche Beschwerden bei einer Flugangst sind zum Beispiel Schweißausbrüche, Herzrasen und Durchfall. Charakteristisch für eine spezifische Phobie ist das Vermeidungsverhalten der Betroffenen. Die Therapie der Flugangst richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung und reicht von Entspannungsmethoden über kognitive Therapie bis hin zur Verhaltenstherapie. Zudem bieten viele Fluggesellschaften und Institutionen spezielle Seminare gegen Flugangst an. Um ein Fortschreiten der Aviophobie zu verhindern, sollte man schon bei ersten Symptomen gegensteuern und sich gegebenenfalls Hilfe holen.

Aviophobie: Definition

Unter Flugangst (Aviophobie) versteht man die objektiv unbegründete Angst vor dem Fliegen. Flugangst zählt zu den so genannten spezifischen Phobien, welche sich durch die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer speziellen Situation bemerkbar machen.

Eine spezifische Phobie wie die Flugangst gilt erst dann als krankhaft, wenn sich der Betroffene in seinem Leben beeinträchtigt fühlt. Die Übergänge von einem leichten Unwohlsein bis hin zu einer manifesten Angst sind dabei fließend.

Aviophobie: Ursachen

Die Ursachen von Flugangst (Aviophobie) sind vielfältig. Die Mehrheit der Aviophobiker hatte ihre erste Angstattacke während eines normal verlaufenden Flugs und entwickelte daraus eine sich verschlimmernde Angst. Etwa 33 Prozent hatten während eines Flugs ein unangenehmes Erlebnis wie zum Beispiel eine Turbulenz. Ein geringerer Prozentsatz der Betroffenen ist noch nie geflogen und hat Angst vor dem Unbekannten.

Bestimmte individuelle Faktoren wie zum Beispiel eine ängstliche Grundhaltung, mangelnde Erfahrung oder Stress können das Entstehen von Flugangst begünstigen.

Aviophobie: Symptome

Die Symptome der Flugangst (Aviophobie) hängen unter anderem vom Ausmaß der Angst ab, welche sich bis hin zur Panik steigern kann. Die Betroffenen empfinden die Situation häufig als lebensbedrohlich. Die Angst kann sich auf unterschiedliche Vorstellungen konzentrieren: Während einige Personen befürchten, das Flugzeug könne abstürzen, empfinden andere die fehlende Fluchtmöglichkeit und die Enge als bedrohlich. Häufige körperliche Beschwerden im Rahmen einer Flugangst sind:

Die ersten Symptome einer Flugangst treten häufig schon direkt nach Buchung des Flugs auf, auch wenn bis zum eigentlichen Flugtermin noch Wochen vergehen. Typisch für eine ausgeprägte spezifische Phobie wie der Flugangst ist ein Vermeidungsverhalten: Viele der unter Flugangst leidenden Menschen umgehen ihre Angst, in dem sie Flugreisen meiden. Dies führt in der Regel dazu, dass sich die Angst weiter verstärkt. Teilweise versuchen die Betroffenen auch, ihre Angst mithilfe von Alkohol oder Betäubungsmitteln zu bekämpfen.

Aviophobie: Diagnose

Um eine Flugangst (Aviophobie) zu diagnostizieren, wird ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen geführt, in dem die bestehenden Symptome erfasst werden. Neben dem Vorliegen typischer Symptome ist auch deren Ausprägung und Dauer entscheidend für die Diagnosestellung.

Als wichtiges diagnostisches Hilfsmittel werden häufig auch so genannte Angsttagebücher eingesetzt. Die damit gesammelten Informationen darüber, wie oft, in welchen Situationen und wie stark die Angst innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgetreten ist, dienen auch der individuellen Therapieplanung. Zudem kann man somit abgrenzen, ob es sich tatsächlich um eine reine Flugangst handelt oder ob eine andere Angsterkrankung wie zum Beispiel eine Agoraphobie vorliegt.

Aviophobie: Therapie

Die Therapie der Flugangst (Aviophobie) richtet sich nach der Ausprägung und den Bedürfnissen des Betroffenen.

Entspannungstechniken

Durch gezielte Entspannungsübungen können die Symptome der Flugangst gemildert werden. Die Techniken müssen vorab trainiert werden, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können. Häufig verwendete Entspannungsübungen sind zum Beispiel:

Kognitive Therapie

Im Rahmen der kognitiven Therapie lernt der Betroffene, welche Denkabläufe zur Aufrechterhaltung der Flugangst beitragen. Diese Denkmuster werden zunächst aufgedeckt und analysiert, um diese anschließend umzustrukturieren.

Verhaltenstherapie

Im Rahmen der verhaltenstherapeutischen Behandlung von Flugangst geht es vor allen Dingen darum, den Betroffenen dazu zu bringen, die Angst auslösenden Situationen und Objekte nicht mehr zu meiden. Dabei wird entweder schrittweise, das heißt bei der am wenigsten gefürchteten Situation beginnend, vorgegangen, oder der Betroffene setzt sich gleich der intensivsten Angstsituation aus. So könnte beispielsweise ein erster Schritt sein, sich ein Flugzeug nur anzuschauen, ohne gleich fliegen zu müssen. Ziel dieser Techniken ist, dass der Betroffene durch die Konfrontation merkt, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben, und dieser so ihre Angst verliert.

Spezielle Seminare können helfen, die Angst vor dem Fliegen abzubauen. Dabei lernt der Betroffene zunächst, dass seine Angst rational unbegründet ist, indem ihm die theoretischen Hintergründe des Fliegens vermittelt werden. Am Schluss des Seminars steht dann ein Flug auf dem Plan. Viele Fluggesellschaften bieten derartige Seminare an.

Vielen Betroffenen mit leichterer Flugangst hilft es auch, sich während des Flugs gezielt abzulenken, so zum Beispiel durch Lesen, Gespräche mit Sitznachbarn, Musik oder Filme.

Sollte die Flugangst nicht anders zu unterdrücken sein, kann die Gabe von Medikamenten unter ärztlicher Aufsicht hilfreich sein. Wenn es bis zum Flugtag noch mehrere Wochen dauert, ist die Einnahme von Naturprodukten wie Johanniskraut oder Baldrian über einen längeren Zeitraum empfehlenswert. Helfen diese Produkte nicht, bieten mehrere Hersteller Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis oder sogar Injektionslösungen mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat an.

Aviophobie: Verlauf

Wird Flugangst (Aviophobie) nicht behandelt, kann sich die Angst immer weiter verstärken. Viele Betroffene meiden das Fliegen schließlich ganz. Je früher der Angstkreislauf unterbrochen wird, desto eher kann einer Chronifizierung vorgebeugt werden.

Aviophobie: Vorbeugen

Einer spezifischen Phobie wie der Flugangst (Aviophobie) kann man nicht gezielt vorbeugen. Jedoch sollte man bei ersten Symptomen rechtzeitig reagieren, um ein Verstärken der Angst zu verhindern und Flüge nicht meiden. Insbesondere dann, wenn die Angst schon länger besteht, sollte man professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen, da es immer mehr Überwindung kostet, sich seinen Ängsten zu stellen, je länger die Problematik besteht.

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Agentur Texter-Millott
Hohenstaufenstr. 1
80801 München
Telefon: 089 – 39 17 39
Telefon: 089 – 33 60 04
info@flugangst.de
http://www.flugangst.de

Institut für Flugpsychologie
Zeller Str. 4
97082 Würzburg
Telefon: 0931 – 2998700
webmaster@flugphobie.info
http://www.flugpsychologie.de/

Christoph-Dornier-Stiftung Für klinische Psychologie
Salzstr. 52
48143 Münster
Telefon: 0251 – 4 18 34-3
info@christoph-dornier-stiftung.de
http://www.christoph-dornier-stiftung.de/

Linktipps:

www.treffpunkt-flugangst.de
Informationsportal mit integriertem Forum über Flugangst.

Buchtipps:

Fliegen ohne Angst

Frank Littek buch_littek_flugangst.jpg160 Seiten, Reise Know-How Verlag Rump, 4. Auflage 2006 Mehr als die Hälfte aller Passagiere leidet unter latenter oder akuter Flugangst. Sie kann von einem flauen Gefühl im Magen bis zu regelrechten Panikattacken reichen. Ein wirksames Mittel gegen Flugangst ist der Ratgeber von Frank Littek, denn er bietet viel Wissenswertes und Beruhigendes zum Thema Fliegen. Die Enge im Flugzeug und die ungewohnten Geräusche und Bewegungen vor und während des Fluges sind meistens die Ursache der Flugangst. Frank Littek erläutert deshalb ausführlich und kompetent, was sich beim Start und bei der Landung abspielt. Er bietet einen faszinierenden Blick ins Cockpit, der dem Fluggast normalerweise verwehrt bleibt.

Direkt bestellen bei Amazon

Warum sie oben bleiben

Heermann, Jürgen buch_warum_oben_bleiben.jpg220 Seiten, Insel, Frankfurt, 2000 Ein Flugbegleiter für Passagiere. Vom Start bis zur Landung.

Direkt bestellen bei Amazon

Endlich fliegen ohne Angst!

Carr, Allen buch_carr_fliegen.jpg192 Seiten, Goldmann, 2000 Allen Carr rauchte früher 100 Zigaretten am Tag. Als er gesundheitliche Probleme bekam, fand er für sich einen Weg, für immer mit dem Rauchen aufzuhören. Er gab daraufhin seinen Job als Wirtschaftsprüfer auf und veranstaltete in England seine ersten Easyway-Seminare. Mit seiner bahnbrechenden Methode haben inzwischen Millionen Menschen nicht nur das Rauchen, sondern auch ihr Übergewicht oder ihre Flugangst überwunden.

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on at 10:07 Kommentar schreiben
Tags:

Autismus

Autismus ist eine Kontaktstörung, welche durch starke Selbstbezogenheit und Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der Kommunikation gekennzeichnet ist.

Autismus betrifft zwei bis vier von 10.000 Kindern, Jungen etwa dreimal häufiger als Mädchen. Nach Schweregrad werden psychogener und somatogener Autismus sowie das Kanner- und das Asperger-Syndrom unterschieden.

Die Ursachen des Autismus liegen in erster Linie in körperlichen Faktoren wie genetischen und neurobiologischen Veränderungen. Daneben können psychologische Aspekte eine wohl untergeordnete Rolle spielen. Die Kinder fallen oft schon im Säuglingsalter durch mangelnde Kontaktaufnahme zu Bezugspersonen auf. Später zeigen sie wenig Nachahmungsverhalten und kaum Interesse, Freundschaften zu knüpfen. Auch die Entwicklung von Sprache und Kreativität ist gestört. Die Behandlung besteht aus Verhaltenstraining mit starker Einbindung der Eltern, Logopädie, Krankengymnastik und Medikamenten. Häufig ist auch im Erwachsenenalter noch eine Betreuung in speziellen Einrichtungen notwendig.

Autismus: Definition

Autismus ist eine Kontaktstörung, welche durch starke Selbstbezogenheit und Störungen im zwischenmenschlichen Verhalten und in der Kommunikation gekennzeichnet ist. Der Begriff Autismus wurde bereits 1911 von dem Schweizer Psychiater Bleuler geprägt. Er bezeichnete damit „die Loslösung von der Wirklichkeit zusammen mit dem relativen oder absoluten Überwiegen des Innenlebens“. Damals wurde die Bezeichnung autistisch zur Beschreibung an Schizophrenie Erkrankter gewählt, die sich insbesondere durch starke Selbstbezogenheit und sozialen Rückzug auszeichneten.

Als eigenständige Krankheit, die sich von der Schizophrenie unterscheidet und in der Kindheit beginnt, wurde Autismus vom amerikanischen Psychiater Kanner 1943 beschrieben, aber erst in den achtziger Jahren allgemein als eigene diagnostische Kategorie anerkannt.

Autistische Störungen werden in vier Gruppen unterteilt. Neben psychogenem und somatogenem Autismus unterscheidet man das Kanner- und das Asperger-Syndrom. Diese beiden Syndrome bilden die Hauptformen des Autismus. Gemeinsam ist allen Formen, dass insbesondere das zwischenmenschliche Verhalten und die Kommunikation gestört sind. Für viele Eltern ist es deshalb nur schwer möglich, Kontakt zu ihrem autistischen Kind herzustellen, was für die betroffenen Familien eine große Belastung und Beunruhigung darstellt.

Auch einem breiteren Publikum ist die Störung durch den Film „Rainman“ bekannt geworden. In diesem Film stellte Dustin Hoffman auf beeindruckende Weise die Schwierigkeiten eines erwachsenen Autisten dar.

Häufigkeit

Autismus tritt bei etwa zwei bis vier von 10.000 Kindern auf, dabei sind Jungen drei- bis viermal häufiger betroffen. Insbesondere am Asperger-Syndrom erkranken fast ausschließlich männliche Kinder. Bei den meisten autistischen Kindern entwickeln sich die Symptome bereits vor dem dritten Lebensjahr.

Autismus: Ursachen

Wenn auch die genauen Ursachen des Autismus bisher nicht vollständig geklärt sind, so wird heute doch von einer hauptsächlich biologisch bedingten Entstehung ausgegangen.

Genetische Faktoren

Die Tatsache, dass enge Blutsverwandte von Autisten eine erhöhte Anfälligkeit für autistische oder autismusähnliche Symptome haben, spricht dafür, dass Vererbung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Autismus spielt. So haben Studien ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem autistischen Zwillingskind auch der andere Zwilling betroffen ist, sehr hoch ist. Sie beträgt bei eineiigen Zwillingen etwa 95,7 Prozent und bei zweieiigen Zwillingen 23,5 Prozent. Auch sind bei Geschwistern von autistischen Kindern, die selbst nicht an Autismus leiden, vermehrt Auffälligkeiten wie Sprachentwicklungsstörungen und geistige Defizite festgestellt worden.

Biochemische Faktoren

Bei vielen Autisten ist ein erhöhter Spiegel des Hirnbotenstoffs Serotonin gefunden worden, wie er auch bei Kindern mit geistiger Behinderung auftritt. Darüber hinaus reagiert das Immunsystem einiger autistischer Kinder auf diesen körpereigenen Stoff mit einer Abwehrreaktion. Auch bzgl. der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin weisen manche Betroffene Auffälligkeiten auf. Die Störung des Haushalts dieser Botenstoffe wird herangezogen, um das problematische Sozialverhalten, die Aufmerksamkeitsdefizite und Lernschwierigkeiten autistischer Kinder zu erklären.

Neurologische Faktoren

Bei der Untersuchung autistischer Kinder sind in manchen Fällen gestörte Hirnwellenmuster und eine verminderte Hirndurchblutung festgestellt worden. Anhand von bildgebenden Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass bei einem Teil der Autisten bestimmte Hirngebiete unterentwickelt sind. Diese beeinträchtigten Hirngebiete und -funktionen stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Sozialverhalten und Sprache. Das Ausmaß der Hirnveränderungen scheint mit der Schwere der Symptomatik im Zusammenhang zu stehen. Darüber hinaus treten bei bis zu 30 Prozent der Erwachsenen, die in der Kindheit schwere autistische Symptome zeigten, epileptische Anfälle auf. Erkrankt eine Mutter während der Schwangerschaft an Röteln, ist das Risiko, dass das Kind autistische Symptome entwickelt, gegenüber einem normalen Schwangerschaftsverlauf etwa um das Zehnfache erhöht. Bei Erkrankungen wie Hirn- und Hirnhautentzündungen, welche das zentrale Nervensystem schädigen, können in der Folge Störungen auftreten, die dem Autismus gleichen.

Psychologische Aspekte

Lange Zeit ging man davon aus, dass das Verhalten der Eltern, insbesondere der Mutter, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Autismus spielt. Es wurde angenommen, dass die Eltern ablehnend auf ihr Kind reagieren und sich das Kind deshalb in eine eigene Welt zurückzieht, in der es vor Enttäuschungen und Verletzungen geschützt ist. Inzwischen gilt diese Erklärung als unhaltbar. Zum einen konnte nicht nachgewiesen werden, dass sich die Eltern autistischer Kindern durch besondere Kälte oder Ablehnung auszeichnen, zum anderen treten die Symptome häufig schon im frühen Säuglingsalter auf, was eher auf biologische Ursachen hinweist.

Bei der Entstehung des psychogenen Autismus wird allerdings weiterhin vermutet, dass psychische Faktoren einen Einfluss haben. Es wird angenommen, dass, wenn eine autistische Veranlagung vorliegt, anhaltende emotionale Frustrationen und extreme Vernachlässigung zum Ausbruch der Störung führen. Bezeichnenderweise gehen die Symptome des psychogenen Autismus (gestörte Kommunikationsfähigkeit, emotionale Gleichgültigkeit) bei intensiver und dauerhafter Zuwendung rasch zurück.

Autismus: Symptome

Die Symptome bei Autismus sind je nach Unterform unterschiedlich stark ausgeprägt und betreffen verschiedene Bereiche:

Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen

Bei autistischen Kindern ist häufig zu beobachten, dass sie sich der Existenz oder Gefühle anderer Menschen nicht bewusst sind. So kommt es vor, dass ein autistisches Kind etwa den Kummer seiner Mutter nicht bemerkt und nicht darauf reagiert. Sind autistische Kinder selber traurig, suchen sie meist nicht nach Trost oder können ihren Wunsch nach Trost nicht angemessen ausdrücken. Im Vergleich zu gesunden Kindern fällt auf, dass Autisten kaum Nachahmungsverhalten zeigen. So erwidern sie zum Beispiel zum Abschied kein Winken. Beim Spielen beziehen die Betroffenen nur selten andere Personen mit ein. Insgesamt ist die Fähigkeit autistischer Kinder, Freundschaften zu knüpfen, stark beeinträchtigt.

Beeinträchtigung der Kommunikation und Phantasie

Viele autistische Kinder verständigen sich weder verbal noch durch Körpersprache. So treten Autisten selten durch Blickkontakt oder Lächeln mit anderen Menschen in Verbindung. Auch auf Versuche der Kontaktaufnahme von außen reagieren viele Betroffene abweisend; so sträuben sich autistische Kinder häufig gegen Umarmungen. Auffällig ist auch der Mangel an phantasievollen Aktivitäten und Spielen. Bei Autisten, die sprechen, fallen oft Besonderheiten der Sprache auf. Die Stimmmelodie ist durch ungewöhnliche Betonungen, Geschwindigkeit oder Tonhöhe geprägt. Weitere Sprachbesonderheiten sind das ständige Wiederholen bestimmter Worte oder Sätze, die Verwendung von „du“, wenn „ich“ gemeint ist und das Erfinden von Worten. Dadurch ist meist die Fähigkeit, ein Gespräch anzuknüpfen oder zu führen, trotz ausreichenden Sprechvermögens eingeschränkt.

Begrenzte Bandbreite von Aktivitäten und Interessen

Bei der Beobachtung autistischer Kinder fällt zunächst auf, dass viele Betroffene bestimmte Körperbewegungen, von Handbewegungen bis zu Bewegungen des gesamten Körpers, ständig wiederholen. Häufig zeigt sich auch eine starke Beschäftigung mit bestimmten, insbesondere mechanischen Objekten. Auf Veränderungen in der alltäglichen Umgebung, beispielsweise Umstellen von Möbelstücken, reagieren Autisten häufig mit großem Unbehagen. Auch bestehen sie oft darauf, dass wiederkehrende Aktivitäten immer genau gleich ausgeführt werden, etwa dass beim Einkaufen immer derselbe Weg eingehalten wird. Insgesamt ist das Interessensgebiet der Betroffenen stark eingeschränkt, wobei sie den verbleibenden Interessen besonders beharrlich nachgehen.

Unterformen

Je nach Unterform des Autismus zeigen sich charakteristische Symptome:

Psychogener Autismus

Der psychogene Autismus zeichnet sich insbesondere durch Störungen der Kommunikationsfähigkeit mit Anzeichen von emotionaler Gleichgültigkeit und fehlender Initiative aus.

Somatogener Autismus

Der somatogene Autismus wird durch schwere Schädigungen des Gehirns verursacht. Vor der Erfindung von Antibiotika trat diese Erkrankung häufig in Folge von Hirnentzündungen auf. Hervorstechendes Symptom des somatogenen Autismus ist eine mangelnde Kontaktfähigkeit, die durch die Isolierung von der Umwelt noch verstärkt wird.

Asperger-Syndrom

Beim Asperger-Syndrom treten die ersten Symptome ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr auf. Das wesentlichste Grundsymptom dieser Störung ist die eingeschränkte Kontaktfähigkeit der Betroffenen. Da sie aber erst ab dem Vorschulalter einsetzt, sind die Störungen der zwischenmenschlichen Beziehungen meist nicht so tiefgreifend wie beim Kanner-Syndrom, das früher auftritt. Bei Kindern, die unter dem Asperger-Syndrom leiden, ist die Sprachentwicklung zwar verzögert, aber meist ungestört. Viele Kinder zeichnen sich sogar durch eine in Grammatik und Wortwahl vollkommene Sprache aus. Allerdings neigen die Kinder zu Selbstgesprächen, auffälliger Sprachmelodie und passen sich dem Zuhörer wenig an, sodass die Kommunikation meist gestört ist. Die Betroffenen sind meist durchschnittlich oder überdurchschnittlich intelligent, haben aber trotzdem oft Lernschwierigkeiten. Ein Grund dafür ist ihre mangelnde Aufmerksamkeit und die Tendenz, sich durch eigene spontane Ideen ablenken zu lassen. Besonders bemerkenswert sind auch die ungewöhnlichen Interessen dieser Kinder. Auf Anforderungen oder Einschränkungen reagieren sie häufig mit Wutausbrüchen und neigen dazu, humorlos und rücksichtslos ihren Willen durchzusetzen. In ihren Bewegungen sind die Kinder oft recht ungeschickt, wodurch auch die Körpersprache gering ausgeprägt ist.

Kanner-Syndrom

Beim Kanner-Syndrom treten die Symptome schon in den ersten Lebensmonaten auf. Die Kinder vermeiden schon im Säuglingsalter den Blickkontakt, begrüßen ihre Eltern nicht und suchen keinen Körperkontakt. Während beim Asperger-Syndrom die Mitmenschen als störend empfunden werden, scheinen Kinder mit dem Kanner-Syndrom ihre Mitmenschen in ihrer Existenz überhaupt nicht zu erfassen. Mit zunehmendem Alter sind diese sozialen Beeinträchtigungen nicht mehr so auffällig, die Kinder sind aber kaum fähig, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten. Die zwischenmenschliche Kontaktfähigkeit ist auf wenige Bezugspersonen beschränkt, das mangelnde Einfühlungsvermögen für die Gefühle anderer bleibt bestehen.

Schon sehr früh werden bei den Betroffenen Kommunikationsschwierigkeiten deutlich. Viele der Kinder, die unter dem Kanner-Syndrom leiden, schreien anhaltend und auf immer gleiche Weise. Etwa die Hälfte der Kinder erwerben nie eine sinnvolle Sprache, aber auch bei den anderen entwickelt sich die Sprache nur langsam und ist stark beeinträchtigt. Die Kinder sind in ihrem Sprachgebrauch sehr stark auf sich selbst bezogen und reden häufig eher auf ihr Gegenüber ein, als mit ihm zu sprechen. Das Spielverhalten dieser autistischen Kinder ist dadurch gekennzeichnet, dass sie sich ohne Bezug auf ihre Spielpartner mit Objekten beschäftigen. Häufig tritt ab der mittleren Kindheit eine ausschließliche Beschäftigung mit Eisenbahnlinien, Fahrplänen, Mustern etc. auf. Bei den meisten Betroffenen ist die Intelligenz stark unterentwickelt und reicht in den Bereich der geistigen Behinderung. Insbesondere bei diesen Kindern fällt ein starker Hang zu sich wiederholenden Bewegungen (vor allem drehende und fächelnde Handbewegungen) auf, auch verletzen die Kinder sich häufig selbst, indem sie sich beißen oder den Kopf anschlagen.

Die Unterscheidung von Kanner- und Asperger-Syndrom ist umstritten; es ist denkbar, dass das Asperger-Syndrom lediglich eine relativ milde Form des Autismus bei recht intelligenten Kindern darstellt.

Autismus: Diagnose

Wichtig für die Diagnose des Autismus ist die gezielte Befragung der Eltern zu Verhaltensauffälligkeiten des Kinds und zur Entwicklung der Symptomatik. Anhand von standardisierten Fragebögen und durch sorgfältige Beobachtung des Kinds erhält der Arzt ein differenziertes Bild der Erkrankung. Eine körperliche und neurologisch-psychiatrische Untersuchung sind notwendig, um mögliche andere Grunderkrankungen ausschließen bzw. erfassen zu können. Darüber hinaus liefern Untersuchungen in den Bereichen Wahrnehmung (Sehen, Hören), Sozialverhalten, Motorik, Sprache und Intelligenz genauere Informationen über die jeweiligen Defizite und Kompetenzen des Kinds.

Autismus: Therapie

Medikamentöse Therapie

Zur Therapie von Autismus werden verschiedene Medikamente eingesetzt, so beispielsweise Präparate, die auch bei der Therapie Schizophrener angewendet werden, oder Mittel, die den Serotoninspiegel senken. Bei einigen Kindern können dadurch die geistigen Fähigkeiten und das Verhalten verbessert werden, es treten aber auch unerwünschte Nebenwirkungen wie beispielsweise Reizbarkeit auf.

Verhaltenstraining

Bei der psychologischen Behandlung von autistischen Kindern wird in erster Linie mit Belohnungen gearbeitet. Jedes erwünschte Verhalten, wie Kontaktaufnahme zu einem anderen Kind, wird belohnt. Belohnungen können Lieblingsspielsachen, gemeinsame Aktivitäten oder auch Lob sein. Bei dem Training werden die Eltern stark eingebunden, damit sie ihr Kind auch in der häuslichen Umgebung bestärken können. Außerdem kann sich dadurch die Beziehung zu den Eltern verbessern, da diese eine Quelle positiver Reaktionen auf das kindliche Verhalten sind. Wichtiges Ziel ist es, das Sozialverhalten des Kinds zu verbessern, da sie im Kontakt mit anderen Kindern von diesen weitere Fähigkeiten erlernen können. Allgemein und insbesondere bei geistig beeinträchtigten Autisten ist darauf zu achten, dass das Lernen in kleinen Schritten erfolgt, das heißt dass auch kleinste Fortschritte belohnt werden müssen. Bei autoaggressivem Verhalten (z.B. Anschlagen des Kopfs an die Wand) kann es notwendig sein, Strafen, wie beispielsweise Wegnehmen des geliebten Spielzeugs, einzusetzen. Bestrafungen sollten jedoch nur die Ausnahme sein, da sonst die Versuche, zwischenmenschliches Vertrauen aufzubauen, wenig vielversprechend sind. Bei der Behandlung von Autismus werden auch immer wieder Außenseitermethoden angewandt. Beispielsweise werden Eltern angehalten, ihr Kind so lange zu umarmen, bis es seinen Widerstand aufgibt.

Die Wirksamkeit von Musik- oder Kunsttherapien oder Therapien mit Tieren (Delfinen, Pferden) ist wissenschaftlich nicht belegt, sie können aber im Einzelfall und im Rahmen eines vollständigen Behandlungsplans hilfreich sein.

Der Behandlungsplan sollte in Abstimmung auf die vorliegende Symptomatik des Autismus auch Krankengymnastik und logopädische Therapie umfassen. Nicht zuletzt ist es wichtig, die betroffenen Eltern zu unterstützen, für welche die Erkrankung des Kinds eine große Belastung ist. Es ist wichtig, die Eltern umfassend über die Erkrankung zu informieren, insbesondere auch darüber, dass ein ablehnendes Verhalten der Eltern bzw. Erziehungsversagen entgegen früherer Annahmen nichts mit der Entwicklung von Autismus zu tun hat.

Autismus: Verlauf

Die Symptomatik erreicht bei Autismus ihren Höhepunkt in der Kindheit und nimmt danach meist ab. Je nach Unterform und Ausprägungsgrad der Symptome sind die Chancen für einen günstigen Verlauf unterschiedlich. Es handelt sich aber um eine chronische Störung, bei der eine vollständige Normalisierung sehr selten ist. Betroffene, die unter dem Asperger-Syndrom leiden, können als Erwachsene aufgrund ihrer guten geistigen Fähigkeiten meist ein relativ normales und selbstständiges Leben führen. Sie bleiben jedoch in den meisten Fällen stark isoliert und erfordern von ihren Angehörigen große Toleranz. Für andere Autisten sind die Aussichten weniger vielversprechend, sie benötigen meist starke Unterstützung bei der Lebensführung. Insbesondere Betroffene, deren geistige Fähigkeiten eingeschränkt sind, müssen auch als Erwachsene noch in speziellen sozialen Einrichtungen betreut werden.

Autismus: Vorbeugen

Vorbeugende Maßnahmen gegen Autismus sind nicht bekannt. Je früher jedoch eine autistische Störung erkannt wird, desto eher kann das betroffene Kind individuell behandelt und gefördert werden.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Autismus”:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Autismus Deutschland e.V.
Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus
Bebelallee 141
22297 Hamburg
Deutschland
Telefon: +49 (0) 40 – 511 56 04
Fax: +49 (0) 40 – 511 08 13
info@autismus.de
http://www.autismus.de

Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
Geistige Behinderung / Down-Syndrom / Autismus
Raiffeisenstraße 18
35043 Marburg
Deutschland
Telefon: +49 (0) 64 21 – 491-0
Fax: +49 (0) 64 21 – 491-167
bundesvereinigung@lebenshilfe.de
http://www.lebenshilfe.de

Linktipps:

Buchtipps:

Checkliste Pädiatrie

Kerbl, R.; Kurz, R.; Roos, R.; Wessel, L. buch_checkliste_paediatrie_kerbl.jpg993 Seiten, 2007 1. Untersuchungsmethoden; 2. Krankheitsbilder: Fehlbildungen und Syndrome, Embryo-Fetopathien, Neugeborenen-Erkrankungen, Entwicklungsstörungen, Verdauungs- und Ernährungsstörungen, Erkrankungen der Luftwege, Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, Notfälle, Immundefizienzen, Allergien, Blutkrankheiten und Tumoren, Nephro- und Uropathien, Neuro- und Myopathien, Psychische Erkrankungen, Verhaltensstörungen, Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, Endokrinopathien, Stoffwechselstörungen, Infektionskrankheiten, Hauterkrankungen, Adoleszentenmedizin ; 3. Spezielle Prophylaxe und Therapie

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on at 10:06 Kommentar schreiben
Tags:

Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlids)

Ein Ektropium ist eine Lidfehlstellung mit Auswärtskehrung des Lids, die meist das Unterlid betrifft. Die häufigste Ursache ist ein Missverhältnis der Zugkraft verschiedener Augenlid-Muskeln, welches vor allem durch eine Erschlaffung an bestimmten Lidmuskeln hervorgerufen wird. Diese Form nennt sich Ektropium seniles und tritt vorwiegend im Alter auf.

Eine weitere Ursache der Auswärtsdrehung sind die Lähmung eines Gesichtsnervs (Fazialisparese) oder das Auswärtsziehen des Lids aufgrund von Narben oder Tumoren. Als Folge treten ein ständiges Tränenträufeln und ein gerötetes Auge als Zeichen einer chronischen Bindehautentzündung auf.

Ein Ektropium kann aufgrund der typischen Lidfehlstellung leichtdiagnostiziert werden. Kurzfristig besteht die Möglichkeit, das Auge mittels Salben oder Augentropfen feucht zu halten. Eine begleitende Bindehautentzündung wird immer mitbehandelt. Langfristig kommt therapeutisch nur eine Lidoperation mit Fixierung des Lids am Auge infrage. Das Ektropium hat bei rechtzeitiger Behandlung eine gute Prognose.

Auswährtskehrung des Lids: Definition

Bei einem Ektropium handelt es sich um eine Lidfehlstellung, die sich durch eine Auswärtskehrung des Lids auszeichnet und nicht angeboren, sondern erworben ist. Durch die Auswärtskehrung leidet der betroffene unter einem ständigen Tränen der Augen und einer chronischen Bindehautentzündung (Konjunktivitis).

Man kann vier verschiedene Formen des Entropiums unterscheiden:

  • das altersbedingte Ektropium (Ektropium seniles)
  • das Narbenektropium (Ektropium cicatriceum)
  • das paralytische Ektropium
  • das mechanische Ektropium

Das altersbedingte Ektropium ist die häufigste Form und tritt am Unterlid auf, während die anderen Formen sowohl am Unter- als auch Oberlid vorkommen können.

Auswährtskehrung des Lids: Ursachen

Die Ursachen des Ektropiums richten sich je nach Form der Auswärtsdrehung. Das altersbedingte Ektropium entsteht durch eine Erschlaffung des Halteapparats des Unterlids. Das Auge ist beim Menschen von einem ringförmigen Muskel (Musculus orbicularis oculi) umschlossen. Beim Ektropium liegt meistens eine verminderte Spannung dieses Muskels vor. Dadurch kommt es zur Auswärtsrollung des Lids. Begünstigend für die Entstehung wirken Entzündungen des Lidrands und der Bindehaut sowie Wischbewegungen bei tränenden Augen.

Muskulatur des Auges

Anatomische Darstellung des ringförmigen Augenschließmuskels

Die paralytische Form des Ektropiums entsteht durch eine Lähmung des Augen-Schließmuskels aufgrund eines Defekts des Gesichtsnervs (so genannte Fazialislähmung).
Beim Narbenektropium hingegen führen Narben und Schrumpfung der Lidhaut, beispielsweise im Rahmen einer vorangegangenen kosmetischen Lidoperation, zu einer Auswärtskehrung des Lids.

Das mechanische Ektropium entsteht durch Tumoren, die das Lid mechanisch vom Auge weg ziehen.

Auswährtskehrung des Lids: Symptome

Personen, die von einem Ektropium betroffen sind, haben gerötete und trockene Augen. Da das Unterlid durch die Auswärtskehrung herabhängt, liegt das untere Tränenpünktchen, welches dem Abfluss der Tränenflüssigkeit dient, nicht mehr dem Auge an. Dadurch kann diese nicht über ihren physiologischen Weg in den Nasen-Rachen-Raum ablaufen, sondern träufelt über den Lidrand auf die Wangen (Epiphora). Die Betroffenen wischen sich ihre Tränen häufig aus den Augen und verstärken dadurch das Ektropium. Da die Bindehaut nicht mehr vom Lid geschützt wird und frei liegt, trocknet sie leicht aus, sodass eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) entstehen kann.

Auswährtskehrung des Lids: Diagnose

Ein Ektropium kann durch die auffallende Lidfehlstellung leicht diagnostiziert werden. Durch zusätzliche Untersuchungen des Auges mithilfe einer Spaltlampe kann außerdem das Ausmaß der Bindehautreizung eingeschätzt werden. Bei Verdacht auf ein paralytisches Ektropium ist es ratsam, weitere Tests bezüglich der Funktion des versorgenden Gesichtsnervs durchzuführen.

Auswährtskehrung des Lids: Therapie

Als Therapie des Ektropiums kommt langfristig nur eine Operation infrage. Bereits bei geringer Ausprägung ist es empfehlenswert, eine Behandlung durchzuführen. Dabei gibt es eine Vielzahl verschiedener Operationsmethoden, welche das Lid wieder näher am Auge fixieren.

Beim mechanischen Ektropium wird der ursächliche Tumor nach Möglichkeit entfernt. Liegt ein paralytisches Ektropium aufgrund einer Fazialislähmung vor, kann vorerst abgewartet werden, ob sich die Lähmung wieder zurückbildet. Zeitweise wird das Auge dann durch Salben und Tropfen feucht gehalten. Hat sich eine chronische Bindehautentzündung entwickelt, ist eine Behandlung mit lokalen Augentropfen empfehlenswert.

Auswährtskehrung des Lids: Verlauf

Im Verlauf verursacht das Ektropium unbehandelt zunehmend Beschwerden. Die Betroffenen leiden unter einer chronischen Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und werden durch ihre trockenen, gereizten Augen beeinträchtigt. Bei adäquater Behandlung ist die Prognose gut. Die Lidfehlstellung heilt dann, je nach Ursache, ohne Folgeschäden aus.

Auswährtskehrung des Lids: Vorbeugen

Zur Vorbeugung des Ektropiums ist es ratsam, Entzündungen der Bindehaut (Konjuntivitis) und der Lidränder gründlich behandeln zu lassen. Wischbewegungen, v.a. bei bestehender Auswärtsdrehung, sollten bei Tränenfluss nicht nach unten außen, sondern nach innen oben erfolgen.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Augenverletzungen

Augenverletzungen können in oberflächliche und perforierende (intraokulare) Verletzungen unterteilt werden. Letzere sind schwerwiegend und müssen operativ versorgt werden.

Häufig ist es schwierig, selber einzuschätzen, ob es sich um eine schwere oder leichte Verletzung handelt, daher sollte in jedem Fall bei einer Verletzung des Auges ein Arzt aufgesucht werden.

Die Prognose der Augenverletzung hängt vom Schweregrad ab. In den meisten Fällen handelt es sich um leichte Verletzungen, die ambulant behandelt werden können oder selbstständig abheilen. Etwa 15 Prozent der Fälle sind jedoch schwere Verätzungen oder Verletzungen des Augapfels, die Komplikationen bis hin zur Erblindung nach sich ziehen können.

Augenverletzungen: Definition

Augenverletzungen können alle Strukturen des Auges betreffen, vom Augenlid über die Tränenkanäle, die Bindehaut, Hornhaut oder Netzhaut bis hin zum Augapfel, den umgebenden Muskelsträngen und dem Sehnerv. Sie können in oberflächliche und perforierende (intraokulare) Verletzungen unterteilt werden.

Oberflächliche Verletzungen betreffen Prellungen sowie Fremdkörper, die lediglich in die Bindehaut oder unter den Lidrand gedrungen sind und relativ einfach ärztlich entfernt werden können. Aber auch Beschädigungen der Augenlider zählen zu den oberflächlichen Augenverletzungen.

Wurden Netzhaut, Hornhaut oder sogar der Glaskörper beschädigt, spricht man von perforierenden (intraokularen) Augenverletzungen, welche schwerwiegend sind und operativ versorgt werden müssen.

Häufig ist es schwierig, selber einzuschätzen, ob es sich um eine schwere oder leichte Verletzung handelt, daher sollte in jedem Fall bei einer Verletzung des Auges ein Arzt aufgesucht werden.

Augenverletzungen: Ursachen

Augenverletzungen können durch verschiedene Arten von Unfällen und Fremdeinwirkung verursacht werden, wie das Eindringen von Fremdkörpern, stumpfe Schläge, Schnitte, Hitze und gefährliche Flüssigkeiten.

Fremdkörper

Die häufigsten Augenverletzungen werden durch Fremdkörper verursacht, die bei Freizeitaktivitäten oder durch Verkehrs- und Arbeitsunfälle (meist Metallpartikel beim Schweißen) ins Auge eindringen. Diese Fremdkörper bleiben oft in der Hornhaut oder in der Lederhaut (Sklera) stecken. Kleinere, durch Wind in das Auge getragene Sandkörner, Insekten sowie Pflanzenteile können sich unter dem Lid verfangen und dann bei jedem Lidschlag über die Hornhaut kratzen und ein Fremdkörpergefühl verursachen. Fremdkörper können außerdem Keime mit sich führen und so Entzündungen im Auge hervorrufen.

Prellungen

Prellungen des Auges und Blutergüsse im Augenbereich zählen zu den häufigsten Augenverletzungen. Sie entstehen durch einen stumpfen Aufprall, etwa durch einen Tennisball, Squashball, Golfball, durch Sektkorken, Steine (z.B. beim Rasenmähen), Holzscheite (Holzhacken) oder einen Schlag mit der Faust. Ein Bluterguss am Auge kann sich außerdem bei gebrochener Nase oder gebrochenem Schädel bilden.

Verätzungen, Verbrennungen, Verblitzungen

Weitere Ursachen für Augenverletzungen können Verätzungen mit Säuren und Basen sein. Die basischen Verätzungen sind folgenschwerer und führen am häufigsten zu Erblindungen, da die Base schneller durch die Schichten des Augapfels dringt als eine Säure.

Stichflammen, heiße Dämpfe oder Gase, kochendes Wasser oder Fett, glühendes Metall, glühende Kohle oder Starkstrom können zu einer oberflächlichen, manchmal tiefen Verbrennung der Augen führen. Durch den Lidreflex bleiben Verbrennungen durch Flammen oder heiße Dämpfe meist auf die Lider beschränkt. Explosionen von Feuerwerkskörpern gehen zusätzlich mit Einsprengungen von Rußpartikeln einher.

Auch Verblitzungen (Keratitis photoelectrica) können die Augen schädigen. Schon eine kurze Exposition von intensivem ultraviolettem Licht, wie ein ungeschützter Blick in die Schweißflamme, die Höhensonne oder auf sonnenbestrahlten Schnee in großen Höhen, kann zu einem Schaden der Hornhautoberfläche führen.

Abschürfungen, Stiche, Schnitte

Hornhautabschürfungen können durch Fingernägel, falsch eingesetzte Kontaktlinsen oder einen Zweig entstehen, der beim Spaziergang oder der Gartenarbeit übersehen wurde.

Die häufigsten Ursachen für intraokulare Augenverletzungen sind Stiche und Schnitte, etwa durch Glasverletzungen wie ein Brillenglas beim Sturz, explodierende Sprudelflaschen oder durch Windschutzscheibenverletzung sowie Hammer- und Meißelverletzungen. Besonders bei der letzteren Verletzungsart kann zusätzlich ein Fremdkörper im Auge stecken bleiben.

Andere Ursachen

Aber auch Operationen am Auge, z.B. Operationen eines grauen Stars (Katarakt), stellen einen Risikofaktor für Augenverletzungen dar.

Augenverletzungen können auch während der Geburt entstehen. So kommt es bei etwa 25 Prozent der Neugeborenen zu Einblutungen in die Netzhaut, die jedoch innerhalb von sieben bis zehn Tagen selbstständig abheilen.

Augenverletzungen: Symptome

Die Beschwerden bei Augenverletzungen richten sich je nach Ursache und Schwere der Verletzung. Durch die Reizung tränt das Auge jedoch meist, die Bindehaut rötet sich, der Betroffene zwinkert vermehrt und es kommt zu einem Fremdkörpergefühl.

Festsitzende Fremdkörper bereiten vermehrt Schmerzen, das Auge rötet sich stark, die Lider schließen sich krampfartig und können anschwellen. Das unverletzte Auge reagiert meist mit.

Hornhautabschürfungen etwa führen zu starken Schmerzen, da durch die oberflächliche Verletzung Nervenenden freiliegen, über die das Lid beim Lidschlag streift.

Wurde durch stumpfe Gewalteinwirkung der Inhalt der Augenhöhle (Orbita) so stark komprimiert, dass die knöcherne Augenhöhlenwand bricht (Blow-Out-Fraktur), kann dies zu Schmerzen und Doppelbildern führen, besonders, wenn zudem der untere Augenmuskel eingeklemmt wurde.

Blutergüsse in der Augenhöhle bereiten starke Schmerzen und können Sehverlust und Doppelbilder mit sich bringen.

Bei einer Verblitzung kommt es je nach Stärke der Einstrahlung erst nach drei bis zwölf Stunden zu Beschwerden. Der Betroffene bemerkt ein Fremdkörpergefühl mit Tränen, das in unerträgliche Schmerzen übergehen kann, die zu einem Lidkrampf führen.

Netzhautablösungen machen sich anfänglich durch das Sehen von Blitzen und schwarzen Punkten bemerkbar, bei stärkeren Ablösungen kann eine „schwarze Wand“ oder ein „schwarzer Vorhang“ vor dem Auge erscheinen.

Augenverletzungen: Diagnose

Die Diagnose einer Verletzung des Auges kann häufig schon über die sichtbaren Verletzungen gestellt werden. Fremdkörper dringen jedoch oft tief ins Auge ein oder sind besonders klein, sodass sie mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Prellungen können Blutergüsse am Augenhintergrund hervorrufen, die ebenfalls nicht direkt sichtbar sind.

Daher werden die Augen (das verletzte Auge sowie das unverletzte Auge) neben der oberflächlichen Betrachtung und der Aufnahme des Unfallhergangs mit verschiedenen Verfahren untersucht. Um das Auge öffnen und untersuchen zu können, werden zunächst schmerzstillende Augentropfen verabreicht. Anschließend werden verschiedene Funktionen des Auges überprüft, wie:

  • Lidschluss
  • Augenbeweglichkeit
  • Augenstellung
  • Sehschärfe
  • Augeninnendruck
  • Gesichtsfeld
  • Pupillenfunktion
  • Sensibilität

Bei Prellungen wird insbesondere der Kammerwinkel untersucht sowie – bei geweiteter Pupille – das Augeninnere. Der Kammerwinkel befindet sich zwischen Hornhaut und Iris und dient dem Abfließen des Kammerwassers, welches kontinuierlich durch das Auge fließt. Ist der Fluss gestört, etwa durch eine Schwellung des Gewebes, können sich Glaukome bilden.

Eintrittswunden und Fremdkörper können mit Fluoreszenztropfen und dem Spaltlampenmikroskop sichtbar gemacht werden.

Verletzungen des Sehnervs etwa können über eine fehlerhafte Pupillenreaktion erkannt werden. Auch eine Computertomographie (CT) der Augenhöhle und des Kopfs können Aufschluss über Verletzungen des Sehnervs sowie über tief sitzende oder kleine Fremdkörper geben.

Blutergüsse (Hämatome) lassen das Auge hervortreten, die Beweglichkeit ist eingeschränkt und der Augeninnendruck häufig erhöht. Blutungen sowie tief eingedrungene oder besonders kleine Fremdkörper können mit einer Ultraschalluntersuchung entdeckt werden.

Wichtig für die anschließende Therapie ist, ob es sich um oberflächliche, ambulant zu versorgende Augenverletzungen handelt oder um perforierende (intraokulare) Verletzungen, die operativ versorgt werden müssen.

Augenverletzungen: Therapie

Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Augenverletzung. Oberflächliche Verletzungen können meist ambulant versorgt werden oder heilen selbstständig ab. Perforierende Augenverletzungen müssen meist operativ behandelt werden.

Leichte Augenverletzungen

Fremdkörper können durch Umklappen des Lids meist leicht entfernt werden, wenn sie nicht bereits durch den Schutzmechanismus des Auges (Lidschlag, Tränenfilm) ausgeschwemmt werden. Oberflächlich sitzende Fremdkörper können vom Arzt außerdem mit einer Lanzette abgehoben werden. Feine Splitter, die nicht tiefer als in die Bindehaut eingedrungen sind, werden mit einem feinen Bohrer entfernt. Man sollte nicht selbst versuchen, größere Fremdkörper wie Splitter aus dem Auge zu entfernen, da dies das Auge noch mehr verletzen kann.

Prellungen, die sich nur oberflächlich auswirken („blaues Auge“, Einblutungen in die Bindehaut, aber nicht weiter ins Auge hinein), heilen selbstständig ab. Kalte Kompressen können die Heilung beschleunigen.

Oberflächliche Schnitte oder Risse verheilen selbstständig oder können mit feinen Stichen genäht werden. Bei Verletzungen am Lid ist häufig auch der angrenzende Tränenkanal verletzt. Dieser kann mit einem kleinen Silikonschlauch geschient und die Lidwunde darüber genäht werden. Der Schlauch verbleibt drei bis sechs Monate und wird anschließend entfernt.

Auch Risse in der Bindehaut werden – soweit keine darunter liegenden Strukturen betroffen sind – genäht.

Hornhautabschürfungen verheilen meist selbstständig. Antibiotische und desinfizierende Augensalben sowie ein Augenverband können die Heilung unterstützen.

Schwere Augenverletzungen

Bei Verätzungen müssen noch am Unfallort Sofortmaßnahmen erfolgen. Das Auge muss gespült werden, am besten mit Ringerlösung (isotonische Kochsalzlösung), ansonsten mit Leitungswasser. Hier ist zu beachten, dass Löschkalk nicht mit Wasser gespült werden darf! Große Partikel sollten entfernt und das Auge abgedeckt werden. Die weitere Versorgung erfolgt im Krankenhaus.

Perforierende (intraokulare) Verletzungen müssen schnellstmöglich operativ versorgt werden. Dies erfolgt meist unter Vollnarkose. Da eindringende Keime schwere Entzündungen im Auge hervorrufen können, wird anschließend mit Antibiotika behandelt.

Frakturen im Augenbereich werden operativ gerichtet und bei Bedarf von einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen operativ rekonstruiert.

Bei Hämatomen in der Augenhöhle steigt häufig der Augeninnendruck bedenklich an. Intravenös verabreichte Medikamenten senken den Druck – in seltenen Fällen muss durch einen Schnitt am Lidrand Platz für das sich ausbreitende Blut geschaffen werden.

Verletzungen des Sehnervs werden zunächst mit hoch dosierten Kortisonpräparaten behandelt, um eine Abschwellung des Sehnervs zu erreichen. Bei zunehmender Symptomatik muss der Neurochirurg eine Operation, durch die der Sehnerv entlastet wird, durchführen.

Durch Prellungen, Schnitte oder eindringende Fremdkörper kann die Linse verletzt oder verschoben werden. Bei schweren Verletzungen werden Linse und Linsenreste operativ entfernt und eine Kunstlinse eingesetzt. Ebenso kann bei größeren Hornhautschäden eine Hornhautverpflanzung nötig sein. Netzhautschäden können häufig per Laserbehandlung behoben werden.

Sind Fremdkörper bis in den Glaskörper des Auges vorgedrungen, muss dieser ausgeräumt werden (Vitrektomie).

Augenverletzungen: Verlauf

Häufig ist es schwierig, selber einzuschätzen, ob es sich um eine schwere oder leichte Verletzung handelt, daher sollte in jedem Fall bei einer Verletzung des Auges ein Arzt aufgesucht werden. Unbehandelte Augenverletzungen können Narben zur Folge haben sowie Hornhauttrübungen und dauerhafte Sehstörungen. Wird eine Augenverletzung schnell versorgt, bleibt das Sehvermögen jedoch in den meisten Fällen erhalten.

Prellungen können alle Strukturen des Auges betreffen. Sie können zu Linsentrübungen, Blutungen im Auge, Entzündungen, einem Anstieg des Augeninnendrucks und einer Netzhautablösung führen. Verschiedene Komplikationen können nach einer Prellung erst nach Jahren auftreten, wie etwa eine Augeninnendruckerhöhung, eine Netzhautablösung oder eine Linseneintrübung, sodass nicht nur im Akutfall eine augenärztliche Untersuchung nötig ist, sondern auch regelmäßig über Jahre nach der Verletzung. In den meisten Fällen handelt es sich bei Prellungen jedoch um oberflächliche Augenverletzungen, die selbstständig abheilen.

Bei sehr starker Gewalteinwirkung kann außerdem die Augapfelwand einreißen. Augen mit vorangegangenen Operationen, wie z.B. eine Operation des Grauen Stars sowie vorgeschädigte Augen sind besonders gefährdet.

Im Verlauf von intraokularen Verletzungen kann es zu erheblichen Komplikationen bis hin zur Erblindung kommen. Ist der Augapfel betroffen, kann der Innendruck sinken, es kann zu Hornhautverkrümmungen und Linsentrübungen kommen. Verschleppte Keime können schwere Entzündungen hervorrufen sowie eitrige Abkapselungen (Abszesse). Im Verlauf kann zudem der Sehnerv geschädigt werden.

Seltene aber teils schwerwiegende Folgen von Augenverletzungen können sein:

  • Fehlstellungen der Augenlider (Ektropium, Entropium) sowie der Augäpfel
  • Schielen
  • Doppelbilder
  • erhöhter/verminderter Augeninnendruck
  • Linsentrübungen
  • Einschränkung von Lidschluss, Augenbewegung, Pupillenöffnung und Akkommodation durch verletzte Muskeln und Nerven
  • Kopfzwangshaltungen
  • Bindehautentzündungen und Hornhautentzündungen durch Keimverschleppung
  • Glaskörperveränderungen
  • Netzhautablösung
  • Beeinträchtigung des Sehnervs durch darauf drückende Schwellungen
  • Grüner Star (Glaukom) durch Prellung und Stauung des Kammerwassers im Kammerwinkel

Augenverletzungen: Vorbeugen

Bei allen Augenverletzungen, die offene Wunden mit sich führen, sollte an eine Auffrischung des Tetanus-Schutzes gedacht werden; bei Tierbissen sollte außerdem Tollwut ausgeschlossen werden.

Verblitzungen kann mit einfachen Maßnahmen vorgebeugt werden:

  • Tragen angemessener Schutzbrillen bei Schweißarbeiten
  • Beachten von Unfallverhütungsvorschriften am Arbeitsplatz
  • Tragen funktionsfähiger Sonnengläser bei starker Sonneneinstrahlung sowie auf Schneefeldern
  • kein direkter Blick in die Sonne
  • Sonnenfinsternis nur durch geeignete Schutzgläser betrachten

Um Komplikationen und schwerwiegenden Folgen einer Augenverletzung vorzubeugen, sollte die Augenverletzung ärztlich versorgt werden.

Veröffentlicht in:  on at 10:02 Kommentar schreiben
Tags: