Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Sehstörung, bei der zunehmend das zentrale, also scharfe Sehen beeinträchtig ist. Sie führt im Endstadium nicht zur Erblindung, die Orientierung im Raum bleibt erhalten, aber beispielsweise Lesen und Autofahren ist nicht mehr möglich.

Es werden zwei Formen altersabhängiger Makuladegeneration unterschieden: die häufigere trockene und langsam fortschreitende Makuladegeneration und die feuchte, dramatisch verlaufende Form.

Die Häufigkeit der Makuladegeneration nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Frühformen der AMD findet man bei 35 Prozent der über 75-Jährigen, das Endstadium bei fünf Prozent derselben Altersgruppe. Die Ursache der altersabhängigen Makuladegeneration ist noch nicht eindeutig geklärt.

Die Diagnose der AMD wird durch eine augenärztliche Untersuchung gestellt. Eine Behandlung durch Lasertherapie, Medikamente oder Operation ist bis jetzt leider nur in wenigen Fällen Erfolg versprechend. Vergrößernde Sehhilfen können oft die Lesefähigkeit bessern. Die Makuladegeneration ist eine fortschreitende Erkrankung, das Tempo des Fortschreitens ist jedoch unterschiedlich und nicht vorhersehbar.

AMD: Definition

Unter altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) versteht man einen meist fortschreitenden Verlust der zentralen Sehschärfe im höheren Alter. Die Makula, der so genannte gelbe Fleck, ist eine zentrale Stelle auf der Netzhaut des Auges. Während die übrige Netzhaut hauptsächlich Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste wahrnimmt, ist die Makula für das scharfe Sehen (sog. Fixierung, Fixation) zuständig.

Trotz des fortschreitenden Sehverlusts ist jedoch auch im Spätstadium nicht mit einer völligen Erblindung zu rechnen. AMD-Betroffene haben häufig keine Schwierigkeiten, sich noch in ihrer Umgebung zu orientieren. Allerdings verlieren sie in der Regel ihre Lesefähigkeit, sind nicht mehr fahrtüchtig und können Personen oft nur noch schwer erkennen.

Ausprägungsformen

In der Frühphase, die noch nicht zu Sehstörungen führt, sind im Makulabereich so genannte Drusen (gelblich-weiße, rundliche Stoffwechseleinlagerungen) oder irreguläre Pigmentierungen erkennbar.

Im Spätstadium kommt es zu einem Verlust der Sehschärfe. Man unterscheidet hier zwei Formen:

  1. Die trockene Form, die etwa 85 Prozent der Fälle betrifft, langsam fortschreitet und bei der es zu einer landkartenähnlichen (geographischen) Atrophie des Pigmentepithels der Retina kommt.
  2. Die feuchte Form, die etwa 15 Prozent der Fälle betrifft, meist schnell und dramatisch verläuft und die durch Gefäßneubildungen der Aderhaut, Pigmentepithelabhebungen oder eine spezifische Narbenbildung im Bereich der Makula gekennzeichnet ist.

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Makuladegeneration nimmt mit dem Alter zu. Im Durchschnitt zeigen bereits 20 Prozent aller 65- bis 74-Jährigen und 35 Prozent der 75- bis 84-Jährigen Frühformen der Erkrankung. Die Prävalenz der Erkrankung im Endstadium liegt bei einem Prozent im Altern von 65 bis 74 Jahren und nimmt auf fünf Prozent der Personen im Alter zwischen 75 und 84 Jahren zu.

AMD: Ursachen

Die genaue Ursache der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist noch nicht erforscht. Vermutlich wird die unter der Makula, also der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, gelegene Pigmentschicht im Laufe des Lebens durch Stoffwechselprodukte geschädigt.

Obwohl in jedem alternden Auge vielfältige degenerative Veränderungen entstehen, entwickelt dennoch nur ein Teil der Menschen Sehschärfen mindernde Veränderungen. Individuelle Faktoren und genetische Prädisposition scheinen dabei eine Rolle zu spielen. Es gibt Hinweise, dass Arteriosklerose, Rauchen, Lichtexposition (UV) und geringe Serumkonzentrationen von Betakarotinoiden ein erhöhtes Risiko von AMD nach sich ziehen. Menschen mit dunkler Hautfarbe haben eine signifikant geringere Prävalenz von Endstadien der AMD.

AMD: Symptome

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) verursacht keine Schmerzen. Meist merkt der Betroffene die ersten Anzeichen der Erkrankung beim Lesen. In der Mitte des Schriftbilds sieht er einen verschwommenen Fleck oder einen grauen Schatten, der mit der Zeit größer wird. Weitere typische Anzeichen sind eine Veränderung der Sehschärfe und der Farbwahrnehmung, sowie Verzerrungen des Sehbilds.

AMD: Diagnose

Die Diagnose der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) kann der Augenarzt durch eine Untersuchung des Augenhintergrunds stellen. Erste Hinweise auf eine AMD kann auch das so genannte Amsler-Gitter liefern. Dabei handelt es sich um ein quadratisches Liniengitter mit einem zentralen Fixationspunkt. Wenn die Linien bei Fixierung dieses Punkts verzerrt oder wellig erscheinen, liegt der Verdacht auf eine Makuladegeneration nahe.

Zur Differenzierung der AMD und zur Auswahl der späteren geeigneten Therapie ist die Farbstoff-Gefäßdarstellung (Fluoreszenzangiographie) der Netzhaut ein wichtiges diagnostisches Mittel. Dabei wird Farbstofflösung in die Armvene injiziert und die Verteilung des Farbstoffs mit einer Augenhintergrundkamera verfolgt. Mit dieser Methode kann man Veränderungen frühzeitig erkennen und die einzelnen AMD-Formen unterscheiden.

AMD: Therapie

Trotz vieler neuer Therapieansätze und intensiver Forschung sind die Behandlungsmöglichkeiten der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) recht begrenzt und kommen nur für einen kleinen Teil der Betroffenen in Frage. Auf die Auswahl der Therapie ist die Form der Makuladegeneration entscheidend.

Lasertherapie

Bei der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration mit Gefäßneubildungen hat sich die herkömmliche Laserkoagulation bewährt, bei der gezielt mit einem Laser die gebildeten Gefäße verbrannt werden. Nur sechs Prozent aller Erkrankten sind aber aufgrund der Lage der Gefäßneubildungen für diese Therapie geeignet. Bei der Hälfte der Behandelten bilden sich innerhalb eines Jahrs neue Gefäße, die oft keiner weiteren Laserkoagulation zugänglich sind, weil sie direkt unter der Fovea, dem gelben Fleck im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens, liegen. Durch die herkömmliche Laserbehandlung wäre dann die Sehschärfe auf maximal zehn Prozent begrenzt.

Photodynamische Therapie (PDT)

Die Photodynamische Therapie ist eine alternative Laserbehandlung, die auch die Behandlung von Gefäßneubildungen unterhalb der Fovea erlaubt. Bei der PDT wird ein spezieller Farbstoff in die Armvene gespritzt, der sich fast ausschließlich in der inneren Schicht der neu gebildeten Gefäße anreichert und daher durch die anschließend erfolgende Laserbehandlung mit einem speziellen Laser nur diese Gefäße verschlossen werden und umliegendes Netzhautgewebe geschont werden kann. Allerdings gilt auch für diese Behandlung, dass sie nur für eine Minderheit der Betroffenen mit Makuladegeneration sinnvoll ist.

Medikamentöse Therapie

Bei der Suche nach der Ursache für die Gefäßneubildungen unter der Netzhaut fanden Wissenschaftler als einen entscheidenden Faktor den Botenstoff VEGF (vascular endothelial growth factor). Wirkstoffe wie Ranibizumab und Pegaptanib sowie Bevacizumab, welches eigentlich zur Behandlung von Darm- und Brustkrebs eingesetzt wird, können dieses Hormon hemmen. Sie werden mit einer feinen Nadel in den Glaskörper des Auges gespritzt, die Injektionen müssen aber regelmäßig wiederholt werden, da die Wirkung nur eine bestimmte Zeit anhält.

Neuere Therapieansätze

Ein neuerer chirurgischer Ansatz zur Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration ist die so genannte Makularotation. Dabei wird die Makula mit der gesamten Netzhaut vom Untergrund abgelöst und auf intaktes Gewebe verlagert. Insgesamt erfordert diese Vorgehensweise eine aufwändige Operationstechnik, außerdem muss anschließend eine zusätzliche komplizierte Augenmuskeloperation erfolgen, damit es nicht zu Doppelbildern kommt. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend.

In jüngeren Arbeiten konnte gezeigt werden, dass eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Bluts durch Elimination hochmolekularer Proteine mittels so genannter Membran-Differenzial-Filtration die Sehschärfenprognose verbessern konnte.

Bestrahlung

Aufgrund von anfänglichen Ergebnissen einer Bestrahlungstherapie bei Makuladegenerationen mit Gefäßneubildungen hatte man sich eine Wirksamkeit erhofft. Weitere Studien haben diese Hoffnungen aber nicht bestätigt, sodass diese Therapiemethode heutzutage nicht mehr eingesetzt wird.

Vergrößernde Sehhilfen

Bis zu 80 Prozent der Betroffenen können durch vergrößernde Sehhilfen zumindest vorübergehend wieder ihre Lesefähigkeit erlangen. Es stehen je nach Bedürfnis Lupen, Lupenbrillen, Fernrohr- und Prismenlupenbrillen sowie elektronische Sehhilfen, wie Bildschirmlesegeräte, zur Verfügung. Die Fahrtauglichkeit ist deshalb nicht wieder zu erlangen.

AMD: Verlauf

Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung. Die Geschwindigkeit des Fortschreitens ist nicht vorhersagbar. Zu einer völligen Erblindung führt die AMD nicht, eine Orientierung im Raum bleibt in der Regel möglich. Jedoch verlieren die Betroffenen früher oder später ihre Lesefähigkeit.

AMD: Vorbeugen

Vorbeugende Maßnahmen oder Medikamente gegen die altersabhängige Makuladegeneration sind nicht bekannt. Es ist jedoch zu empfehlen, das Rauchen aufzugeben, da dies ein bekannter Risikofaktor ist. Ein hoher Blutdruck kann ebenso das Risiko für eine Makuladegeneration erhöhen. Daher sollte dieser regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös eingestellt werden.

Obwohl die Rolle des Sonnenlichts bei der Entstehung der AMD noch nicht vollständig geklärt ist, sollte man bei besonders hellem Licht, zum Beispiel am Strand oder in den Bergen, eine Sonnenbrille tragen.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

www.pro-retina.de
Die Pro Retina Deutschland e.V. ist die zweitgrößte Vereinigung der Sehbehinderten und Blinden in Deutschland.

Buchtipps:

Dämmerlicht

Henry Grunwald buch_grunwald_daemmerlicht.jpg2001 Was geht in einem Menschen vor, der nach und nach sein Augenlicht verliert? Henry Grunwald, in Österreich geboren, in die USA emigriert, dort erfolgreicher Medienmanager und später amerikanischer Botschafter in Wien, hat dieses Schicksal getroffen. Dieses Buch ist das eindrucksvolle Zeugnis eines Menschen, der eine schwere Krankheit akzeptiert, aber mit aller Kraft nach Wegen sucht, für sich ein neues Leben zu finden. 160 Seiten

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Veröffentlicht in:  on Juli 20, 2008 at 5:55 Kommentar schreiben
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Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) ist die häufigste Form der Demenz. Charakteristisch für eine Demenz ist die Abnahme von Gedächtnis und Denkvermögen.

Die Erkrankungshäufigkeit nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Bei den über 90-Jährigen ist mindestens jeder Dritte betroffen, vorwiegend Frauen.

Die Entstehungsprozesse der Alzheimer-Demenz sind nicht vollständig geklärt. Typisch sind bestimmte Proteinablagerungen im Gehirn. Von einigen Faktoren weiß man heute, dass sie die Entstehung von Alzheimer fördern. Die Erkrankung verläuft meist kontinuierlich schleichend, bis zur völligen Pflegebedürftigkeit. Wichtig ist, andere, eventuell heilbare Formen der Demenz auszuschließen, bevor man sich auf die Diagnose „Morbus Alzheimer“ festlegt. Eine Heilung gibt es derzeit nicht, aber durch gute Betreuung und Medikamente lässt sich der Verlauf verzögern.

Alzheimer: Definition

Als Alois Alzheimer 1906 erstmals eine „eigenartige Krankheit der Hirnrinde“ beschrieb, ahnte er nicht, dass sie fast ein Jahrhundert später eines der Hauptthemen neurowissenschaftlicher Forschung sein würde. Das große Interesse, das Alzheimer heute auch von der breiten Öffentlichkeit erfährt, hat viele Gründe: ihre Häufigkeit, die mit der steigenden Lebenserwartung noch zunimmt, ihr jahrelanger und unausweichlich fortschreitender Verlauf und schließlich ihre Symptome, die ein würdevolles menschliches Dasein schwer beeinträchtigen, wenn nicht unmöglich machen.

Bei der Alzheimer-Krankheit gehen zunehmend Nervenverschaltungen (Synapsen) verloren, die Gehirnzellen schrumpfen. Normale Hirnfunktionen wie das Gedächtnis, die Intelligenz und das Verhalten sind dadurch stark beeinträchtigt und lassen nach. Die Folge: Alzheimer-Patienten fällt es immer schwerer, alltägliche Aufgaben zu bewältigen.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Demenzform (60 bis 70 Prozent aller Fälle von Demenz). Etwa fünf Prozent der über 65-Jährigen und jeder Fünfte der über 80-Jährigen sind betroffen. Mit steigendem Durchschnittsalter der Bevölkerung werden diese Zahlen wahrscheinlich noch deutlich zunehmen. Gegenwärtig leben in Deutschland etwa eine Million Demenz-Patienten. Über zwei Drittel sind an Alzheimer erkrankt, also ca. 600.000–800.000 Menschen. In Europa ist die Alzheimer-Krankheit die vierthäufigste Todesursache.

Alzheimer: Ursachen

Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind nicht vollständig geklärt. Viele Faktoren beeinflussen die Krankheitsentstehung. Dazu gehören Erbanlagen, Kopfverletzungen und bestimmte Grunderkrankungen.

Der typische Gehirnschwund folgt aus dem Schrumpfen der Nervenzellen und dem Verlust von Nervenzellkontakten. In den Gehirnen von Alzheimer-Kranken finden sich charakteristische Veränderungen, etwa ein Mangel an Botenstoffen (Neurotransmittern). So soll die Störung von Gedächtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit auf den Mangel an Acetylcholin zurückzuführen sein. Fehlen Noradrenalin oder Serotonin, kommt es zu Depressionen, Angst oder Unruhe. Im Zusammenhang mit dem Nervenzelluntergang stehen krankhafte Proteinbildungen im Gehirn, die unter anderem als fleckenförmige Ablagerungen auffallen.

Ungefähr zehn Prozent aller Alzheimer-Fälle sind genetisch bedingt. Sie beginnen besonders früh, meist vor dem 60. Lebensjahr. Gesichert sind mittlerweile Punktmutationen auf verschiedenen Chromosomen, die auf die Nachkommen übertragen werden.

Risikofaktoren

Man hat eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert, welche die Entstehung der Alzheimer-Demenz begünstigen. Der wichtigste ist das Lebensalter. Mit dem Alter steigt die Erkrankungshäufigkeit nahezu exponentiell – vom 65-Jährigen zum 90-Jährigen um mehr als das 30-Fache. Der Einfluss des Geschlechts ließ sich bisher nicht eindeutig klären, wenngleich sich für Frauen im hohen Alter ein größeres Erkrankungsrisiko abzeichnet. Wichtiger aber sind auch hier genetische Faktoren.

Zu den wahrscheinlichen Risikofaktoren des Morbus Alzheimer zählt auch ein Schädel-Hirn-Trauma. Allerdings sind die wissenschaftlichen Angaben hierzu widersprüchlich. Wenig weiß man über den Einfluss von Lebensmitteln. Im Visier etwa hatte man Fette oder Aluminium – ein eindeutiger Zusammenhang ließ sich jedoch nicht beweisen. Nikotin und Alkohol dagegen scheinen sich negativ auszuwirken. Auch Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Schilddrüsen-Unterfunktion oder Bluthochdruck erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Demenz.

Außerdem ist das Down-Syndrom (Trisomie 21) ein Risikofaktor für Morbus Alzheimer. Personen mit Trisomie 21 haben besonders im mittleren und höheren Alter ein hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Alzheimer: Symptome

Die Symptome der Alzheimer-Krankheit richten sich nach ihrem Schweregrad.

Ungeachtet der individuellen Ausprägung unterscheidet man grundsätzlich drei Stadien:

  • leichte Demenz
  • mittelgradig schwere Demenz
  • schwere Demenz

Diese Einteilung ist nicht zuletzt für die Wahl der Therapie wichtig.

Frühsymptom der Demenz vom Alzheimer-Typ ist die Unfähigkeit, Neuinformationen zu speichern: Der Betroffene hat Schwierigkeiten, sich in fremden Situationen zurechtzufinden. Nach und nach geht dies auch auf vertraute Situationen über. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis lässt schnell nach. Nicht immer lässt sich eine Demenz dabei problemlos von altersbedingter Vergesslichkeit unterscheiden. Als Beispiel: Der altersvergessliche Mensch mag zuweilen vergessen, die Herdplatte vor Verlassen des Hauses auszuschalten – der Demenzkranke vergisst darüber hinaus, dass er überhaupt hatte kochen wollen.

Zu den wichtigsten Symptomen der Alzheimer-Krankheit zählen Wortfindungsstörungen und Wortverwechselungen. Der Betroffene neigt außerdem dazu, Bewegungsabläufe durcheinander zu bringen. So wird das Bedienen einer vertrauten Kaffeemaschine zum Problem, das Zuknöpfen des Hemds fällt schwer oder ist nicht mehr möglich, der korrekte Umgang mit Essbesteck wird „verlernt“. Auffallend ist: Allen Merkfähigkeits-, Orientierungs- und Denkstörungen zum Trotz bleiben Gefühle, Persönlichkeit und äußeres Auftreten oft lange Zeit intakt („Die Fassade bleibt erhalten“).

Im Endstadium der des Morbus Alzheimer kehren Reflexe aus der frühen Kindheit zurück, wie etwa der Greif- oder der Saugreflex. Der Betroffene erkennt nahe Angehörige und Freunde nicht mehr, er benötigt Pflege rund um die Uhr. Am Ende ist er bettlägerig. Auch organische Funktionen sind bei Morbus Alzheimer zunehmend beeinträchtigt: Die Kontrolle über die Darm- und Blasentätigkeit versagt, der Tag-Nacht-Rhythmus ist gestört, der Gang wird unsicher; schließlich kann der Patient weder kauen noch schlucken. In dieser Situation steigt die Gefahr einer – nicht selten tödlich verlaufenden – Lungenentzündung. Tatsächlich gilt: Atemwegsinfekte sind die häufigste Todesursache bei Alzheimer-Patienten.

Alzheimer: Diagnose

Ein erfahrener Arzt kann eine Demenz mit einfachen Mitteln sicher diagnostizieren. Oft reichen schon die Schilderung der typischen Beschwerden, das Auftreten des Betroffenen und eine sorgfältige Untersuchung für den Verdacht einer Demenz aus. Für die Untersuchung unerlässlich sind neuropsychologische Tests, welche die Gedächtnisdefizite quantifizieren helfen. Sie können besonders im Frühstadium der Erkrankung wichtige Hinweise geben. Hilfreiche Aussagen erhält der Arzt auch von Angehörigen oder anderen Personen, die den Betroffenen gut kennen und erste Veränderungen bemerkt haben.

Untersuchungsverfahren, die das Gehirn in Schichten darstellen, können die Diagnose des Morbus Alzheimer sichern. Dazu gehören Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT). Typisch für Alzheimer ist eine Verkleinerung des Gehirns, besonders im Bereich des Scheitel- und Schläfenlappens. Die Schichtaufnahmen können allerdings gerade im Frühstadium noch unauffällig sein.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, gehören auch verschiedene Blutuntersuchungen zur Diagnostik. Spezialverfahren wie die Positronemissionstomographie (PET) kommen eher selten zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe lässt sich der bei Alzheimer verminderte Hirnstoffwechsel feststellen. Weitere diagnostische Schritte wie die Untersuchung des Hirnwassers können helfen, die Ursachen der Demenz zu klären.

Die Diagnose Morbus Alzheimer wird gestellt, wenn Gedächtnisstörungen vorliegen, andere Erkrankungen ausgeschlossen werden können und mindestens eines der folgenden Symptome zutrifft:

  • Aphasie: Sprachstörungen aufgrund fehlerhafter Hirnfunktion
  • Apraxie: Unfähigkeit, erlernte Handlungen auszuführen
  • Agnosie: Erkennungsstörung trotz intakter Sinne (z.B. Prosopagnosie)
  • Störungen der Exekutivfunktionen, also der Selbstregulation

Alzheimer: Therapie

Die Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Umso wichtiger ist die Früherkennung, denn gerade im Frühstadium lässt sich der Verlauf positiv beeinflussen. Die heute verfügbaren Medikamente helfen, den Krankheitsverlauf zu verzögern. Ziel ist es, dem Betroffenen möglichst lange seine Lebensqualität und Selbstbestimmtheit zu erhalten, ehe die Gedächtnisleistungen so nachlassen, dass er entscheidungsunfähig ist.

Die rechtzeitige medikamentöse Therapie und eine gute Einbindung in psycho- bzw. soziotherapeutische Maßnahmen dienen nicht nur dem an Morbus Alzheimer Erkrankten selbst. Sie entlasten die ihn Pflegenden, meist Angehörige. Wichtig ist: Der an Alzheimer Erkrankte soll sich gut aufgehoben fühlen und spüren, dass seine verlangsamte Denkweise nicht zum Ausschluss von allen sozialen Aktivitäten führt. Andererseits darf die Betreuung durch die Pflegenden nicht zur Selbstaufgabe führen. Je früher die Diagnose steht, desto besser sind die Chancen für alle Beteiligten, das Leben mit der Krankheit bestmöglich zu planen.

Medikamente

Moderne Arzneimittel – sog. Antidementiva – können das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit um ein bis zwei Jahre verlangsamen. Sie helfen, Gedächtnis, Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.

Zur medikamentösen Behandlung stehen zwei Substanzgruppen zur Verfügung: Memantin und Acetylcholinesterase-Hemmer. Sie beeinflussen die Botenstoffe Glutamat bzw. Acetylcholin.

Acetylcholinesterase-Hemmer stoppen den Acetylcholinmangel. Bei Alzheimer kommt es durch den Schwund von Hirnmasse zu einem Mangel an Acetylcholin, das für die Informationsübertragung zwischen den Nerven wichtig ist. Acetylcholinesterase-Hemmer verhindern den enzymatischen Abbau von Acetylcholin und mildern so das Botenstoff-Defizit. Inzwischen stehen einige Acetylcholinesterase-Hemmer für die Therapie leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenzen zur Verfügung, z.B. Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin. Die Substanzen können zu Nebenwirkungen führen, vor allem zu Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Auch Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen können auftreten.

Memantin schützt vor erhöhter Glutamatkonzentration. In Deutschland ist die Substanz für die Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen. Memantin verändert die schädlichen Auswirkungen des bei Alzheimer im Übermaß vorhandenen Glutamats an den so genannten NMDA-Rezeptoren. Als Folge werden Lernsignale wieder erkannt, der Alzheimer-Patient wird geistig aktiver. Die Empfehlungen zu Memantin sind international und national nicht immer einheitlich. In den aktuellen nationalen Demenz-Leitlinien ist ihr Einsatz als gerechtfertigt beschrieben.

Widersprüchliche Ergebnisse gibt es zu den Ginkgo biloba-Präparaten. Am ehesten sollen sie noch bei leicht dementen Alzheimer-Patienten eine Verbesserung des Gedächtnisses bewirken. Derzeit wird eine große Bandbreite an weiteren Wirkstoffen bzw. Verfahren gegen Alzheimer erforscht.

Zusätzliche therapeutische Maßnahmen

Mindestens ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie des Morbus Alzheimer ist eine gute Betreuung des Betroffenen. Bevormundung oder Unterforderung sind dabei genauso destruktiv wie eine Überforderung des Erkrankten.

Insbesondere in fortgeschritteneren Krankheitsstadien sind Stabilität und Vertrautheit zentral wichtig. Der Alzheimer-Patient sollte sich in der ihm vertrauten Umgebung noch möglichst lange allein zurechtfinden können. Kleine Erfolgserlebnisse stabilisieren das Selbstvertrauen. Milieutherapie, Selbsterhaltungs-Therapie und Gedächtnistraining unter professioneller Anleitung sind weitere Bausteine.

Selbsthilfegruppen, Fachärzte und spezialisierte Gedächtniskliniken für Morbus Alzheimer bieten Anlaufstellen für Information und Unterstützung.

Alzheimer: Verlauf

Typisch für die Alzheimer-Erkrankung ist ein langsames, kontinuierliches Fortschreiten über Jahre oder Jahrzehnte. In seltenen Fällen verschlechtert sich die Demenz rasch oder verläuft in Schüben: Phasen, in denen der Alzheimer-Patient klar denken kann, wechseln sich abrupt ab mit Stimmungsschwankungen und deutlich nachlassender Geistesfähigkeit.

Obwohl Alzheimer nicht bei allen Betroffenen gleich verläuft, gibt es charakteristische Phasen:

  • Frühstadium: Es zeigen sich erste Einschränkungen im Kurzzeitgedächtnis sowie in der Orientierung.
  • Mittleres Stadium: Die Einschränkungen des Frühstadiums sind verstärkt, kognitive Leistungen und Orientierung stark eingeschränkt. Es kommt zu Inkontinenz, die Alltagsbewältigung ist selbstständig kaum mehr möglich. Depressionen, Wahnvorstellungen, Ängste.
  • Endstadium: Der an Alzheimer Erkrankte ist vollkommen pflegebedürftig, Angehörige werden nicht mehr erkannt. Ein Gedächtnis ist kaum noch vorhanden, jedoch treten auch keine Depressionen oder Wahnvorstellungen mehr auf.

Alzheimer: Vorbeugen

Da die Ursachen der Alzheimer-Demenz bis heute nicht vollständig geklärt sind, lässt sich der Erkrankung nicht gezielt vorbeugen. Von einigen Grunderkrankungen jedoch ist bekannt, dass sie das Risiko für die Alzheimer-Krankheit erhöhen: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Schilddrüsen-Unterfunktion, eine bereits familiär aufgetretene Demenz vom Alzheimer-Typ, Nikotin- und Alkoholmissbrauch sowie frühere Kopfverletzungen. Ein hohes Bildungsniveau korreliert mit einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Wichtig ist, die genannten Grunderkrankungen frühzeitig und effektiv zu behandeln, um Morbus Alzheimer vorzubeugen. Darüber hinaus soll kontinuierliches Gedächtnistraining vorbeugend wirken.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Alzheimer”:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.
Friedrichstr.236
10969 Berlin
Telefon: 030-2593 795-0
info@deutsche-alzheimer.de

http://www.deutsche-alzheimer.de

Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V. (AAI)
Reinickendorfer Str. 61 (Haus 1)
13347 Berlin
Telefon: 030/47 37 89-95 (Mo – Do 10 – 15 Uhr)
Fax: 030/47 37 89-97
aai@alzheimerforum.de

http://www.alzheimerforum.de

Linktipps:

Kompetenznetzwerk Demenzen
Das Kompetenznetz Demenzen ist eines von derzeit 17 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. Es hat sich zum Ziel gesetzt, zentrale Defizite in der Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen anzugehen.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein. Sie ist Bundesverband von Alzheimer Landesverbänden sowie von regionalen und örtlichen Alzheimer Gesellschaften.

Patientenleitlinien Demenz
Informationen für Betroffene, Angehörige und Pflegende. Wissensnetzwerk der Universität Witten/Herdecke

www.alzheimerinfo.de
Die Webseite informiert zum Thema Alzheimer, bietet Angehörigen Rat und Hilfe. Aufschlussreich sind auch die FAQs, häufig gestellte Fragen und Antworten zur Alzheimer-Krankheit.

Buchtipps:

Demenz. Hilfe für Angehörige und Betroffene

Niklewski, Günter; Nordmann, Heike; Riecke-Niklewski, Rose buch_niklewski_demenz.jpg318 Seiten, Stiftung Warentest, 2006 Gut eine Million Demenzkranke leben in Deutschland. Unter den Folgen der Krankheit leiden jedoch noch viel mehr Menschen, vor allem pflegende Angehörige. Und der demografische Wandel zeigt eine steigende Tendenz. Fast zwei Drittel der Menschen mit einer Form der Demenz wie der Alzheimer-Krankheit leben in Privathaushalten und werden dort meist von Verwandten versorgt. Dabei ist häufig eine Rundum-Betreuung unerlässlich – eine enorme Anstrengung. Umso wichtiger ist es für Familienmitglieder, über die Krankheit und spezielle Hilfsangebote informiert zu sein: Wie verläuft die Krankheit? Wie lässt sich der Verlauf durch richtige Behandlung und Pflege verlangsamen? Wo finden die Angehörigen Unterstützung? Welche finanziellen Hilfen gibt es? Wie können Betroffene im Frühstadium selbstbestimmt vorsorgen?

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Sind Sie meine Tochter? Leben mit meiner alzheimerkranken Mutter

Zander-Schneider, Gabriela buch_zander_tochter.jpg224 Seiten, Rowohlt, 2006 Zuerst war da nur eine gewisse Schusseligkeit. Dann ertappte Gabriela Zander-Schneider ihre Mutter dabei, dass sie in Hausschuhen zum Einkaufen ging und wildfremde Menschen umarmte. Die Autorin schildert einfühlsam und offen die schleichende Persönlichkeitsveränderung ihrer Mutter, den langen Weg zur Diagnose und die großen Herausforderungen, die das Leben mit Alzheimer stellt.

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Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung)

Unter einer Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) versteht man Gedächtnisstörungen, Lernschwierigkeiten und eine verminderte Fähigkeit, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Diese Störungen gehen über die altersentsprechende Leistungsabnahme hinaus. Die Altersvergesslichkeit lässt sich deutlich von einer Demenz abgrenzen.

Die Ursachen für eine Altersvergesslichkeit liegen im normalen Alterungsprozess, dem sämtliche Lebewesen unterworfen sind. Eine Therapie, welche die volle Gehirnleistung wiederherstellen kann, gibt es nicht. Stattdessen kann durch Medikamente oder verschiedene Trainingsmethoden der Prozess verlangsamt werden.

Um einer Vergesslichkeit im Alter vorzubeugen, ist ausreichende Bewegung, eine gesunde Ernährung und gezieltes Training des Gehirns wichtig.

Altersvergesslichkeit: Definition

Unter einer Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) versteht man Gedächtnisstörungen, Lernschwierigkeiten und eine verminderte Fähigkeit, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Die entsprechenden Beeinträchtigungen gehen über die altersentsprechende Leistungsabnahme hinaus. In Gedächtnistests können meist Leistungseinbußen nachgewiesen werden, ohne dass mehrere geistige und intellektuelle Bereiche, wie zum Beispiel die Orientierung, die Lern- und Urteilsfähigkeit oder alltägliche Aktivitäten erheblich beeinträchtigt werden. Dies grenzt die Altersvergesslichkeit deutlich von einer Demenz ab.

Erstmals wurde die Altersvergesslichkeit bereits 1913 von Prof. Dr. Emil Kraepelin in einem medizinischen Zusammenhang erwähnt. Mittlerweile wurde die Erkrankung in die Internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter dem Namen „Leichte kognitive Störung (LKS)“ aufgenommen. Der Begriff „kognitiv“ stammt von dem lateinischen Wort „cognoscere“, welches erkennen, kennen lernen oder auch wiedererkennen bedeutet. Bei kognitiven Störungen handelt es sich also um Störungen im Bereich des Erkennens, genauer im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses, der Auffassung und der Aufmerksamkeit.

Da eine Altersvergesslichkeit in den Anfangsstadien häufig unbemerkt bleibt, gibt es keine genauen Zahlen der Erkrankungsfälle. Schätzungen gehen davon aus, dass fünf bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren unter Gedächtnisproblemen leiden.

Altersvergesslichkeit: Ursachen

Die Ursachen für eine Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) liegen im normalen Alterungsprozess, dem sämtliche Lebewesen unterworfen sind. Dieser beginnt beim Menschen um das 30. Lebensjahr herum, bei einigen früher, bei anderen später. Als Grund für das Altern werden verschiedene Ursachen diskutiert. Einerseits ist ein Abbauprozess des Organismus wahrscheinlich schon genetisch vorprogrammiert. Andererseits können auch bestimmte schädigende Substanzen, die so genannten freien Radikale, wenn sie im Laufe des Lebens im Körper angereichert werden, den Alterungsprozess auslösen.

Altern bringt viele Veränderungen des Körpers mit sich und auch das Gehirn ist davon betroffen, da mit zunehmendem Alter immer mehr Gehirnzellen absterben. Trotzdem bleiben viele Menschen bis zum Ende ihres Lebens geistig fit. Vielmehr liegt die Ursache für eine nachlassende Hirnleistung nicht in der Zahl der Nervenzellen, sondern in der Zahl der Verbindungen zwischen ihnen. Mit höherem Alter nimmt die Anzahl der Verknüpfungen zu, was bedeutet, dass Informationen möglicherweise komplexer und damit langsamer verarbeitet werden.

In der Intelligenzforschung unterscheidet man zwischen der fluiden und der kristallinen Intelligenz. Die fluide Intelligenz umfasst die Qualität und Schnelligkeit, mit der Informationen verarbeitet werden, die kristalline Fähigkeiten, wie Erfahrungswissen, Wortschatz und Sprachvermögen. Letztere ist nicht von kognitiven Störungen betroffen.

Altersvergesslichkeit: Symptome

Charakteristisches Symptom einer Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) ist eine schleichende, nicht plötzliche, Verschlechterung der Gedächtnisleistung. Häufig werden Gegenstände verlegt, Daten, Namen und Telefonnummern vergessen. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich lange zu konzentrieren und leiden in seltenen Fällen unter Wortfindungsstörungen.

Neue Informationen werden langsamer verarbeitet, vor allem dann, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig durchzuführen sind. Erkrankte vermeiden deshalb oft vielschichtige, hektische Herausforderungen, denen sie sich früher ohne Probleme gestellt haben. Auch das Abstraktions- und Urteilsvermögen verschlechtert sich.

Im Umgang mit anderen Menschen treten Betroffene häufig ungeduldiger, aufbrausender, unkontrollierter und reizbarer als früher auf. Andere Personen bemängeln, dass die Erkrankten weniger Aufmerksamkeit zeigten und nicht mehr richtig zuhören würden. In vielen Fällen ziehen die Betroffenen sich deshalb aus dem sozialen Umfeld zurück.

Treten lang andauernde Gedächtnis- und Orientierungsstörungen auf und macht es Probleme, bestimmte Gegenstände zu benennen, kann eine Demenz nicht mehr ausgeschlossen werden.

Altersvergesslichkeit: Diagnose

Der schleichende Verlauf einer Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) erschwert die Diagnose. Häufig bleiben Vergesslichkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen zunächst vom Betroffenen unbemerkt. Wichtig sind deshalb Befragungen von Kontaktpersonen wie Familie, Freunden und Nachbarn (Fremdanamnese), die häufig früher die Symptome bemerken.

Der erste Schritt der Diagnose einer Altersvergesslichkeit besteht darin, das Beschwerdebild deutlich zu erkennen und von normalen altersbedingten Beeinträchtigungen sowie anderen Krankheitsbildern wie der Demenz abzugrenzen. Entsprechende Untersuchungen, wie beispielsweise der Mini-Mental-Status-Test (MMST), werden bei Fachärzten (Neurologen, Psychiater) und in bundesweit verfügbaren „Gedächtnissprechstunden“ beziehungsweise Memory-Kliniken durchgeführt.

Außerdem stehen verschiedene Verfahren wie eine biochemische Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) auf Biomarker zur Verfügung, die eigentlich der Demenz-Diagnose dienen, möglicherweise aber schon bei leichteren kognitiven Störungen organische Hinweise zeigen.

Um eine Demenz auszuschließen, können zudem bildgebende Verfahren (Computer- und Magnetresonanztomographie), elektro-physiologische Verfahren (Elektroenzephalographie), Doppler-Sonographie und Positronen-Emissions-Tomographie eingesetzt werden.

Im zweiten Schritt müssen dann die zugrunde liegenden Ursachen der Altersvergesslichkeit festgestellt werden.

Altersvergesslichkeit: Therapie

Zurzeit gibt es noch keine Therapie, welche die Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) zuverlässig verbessern kann. Obwohl es Medikamente gibt, bei denen vermutet wird, dass sie eine Demenz aufhalten könnten, liegen für die Behandlung leichter kognitiver Störungen noch keine Forschungsergebnisse vor. Zu diesen Wirkstoffen gehören die so genannten Nootropika (Antidementiva, zum Beispiel Piracetam) und Acetylcholinesterase-Hemmer (zum Beispiel Galantamin, Rivastigmin).

Letzteres verhindert den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin in der Hirnrinde und den darunter liegenden Hirnregionen. Dieser kann, wenn er in zu geringen Konzentrationen vorliegt, Gedächtnis- und Lernstörungen und Konzentrationsprobleme verursachen.

Im Rahmen des Alterungsprozesses können Sauerstoffradikale entstehen, die toxische Auswirkungen auf das Körpergewebe haben und zum Absterben von Nervenzellen beitragen. Um diese Radikale aufzufangen, wird häufig ein Ginkgo-Extrakt (Gingko biloba) verabreicht. Dieser fördert außerdem die Durchblutung und steigert nachweislich die Gedächtnisleistung und das Lernvermögen.

Maßnahmen aus dem Gebiet der Psychotherapie, vor allem die so genannten kognitiven Trainingsprogramme, können kurzzeitig zu großen Leistungssteigerungen des Gedächtnisses führen. Langfristig sind sie aber nur in der Lage, eine anhaltende Verbesserung zu bringen, wenn die Betroffenen auch nach Abschluss der Therapie die Behandlung zu Hause weiter durchführen.

Auch die körperliche Aktivierung in Form von täglichen Spaziergängen oder Nordic Walking bei Tageslicht kann die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen, da durch einen gestärkten Herz-Kreislauf auch die Durchblutung des Gehirns verbessert wird.

Altersvergesslichkeit: Verlauf

Obwohl die Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) ein normaler Prozess ist, kann er auch gleichzeitig das Vorstadium einer Demenz bedeuten. 15 bis 20 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe eines Jahrs ein Demenzsyndrom. Um frühzeitig das Risiko einer weiteren Verschlechterung abschätzen zu können, ist es daher wichtig, schon früh krankhafte Prozesse festzustellen. Entsprechende Untersuchungen werden bei Fachärzten (Neurologe, Psychiater) und in bundesweit verfügbaren „Gedächtnissprechstunden“ beziehungsweise Memory-Kliniken durchgeführt.

Altersvergesslichkeit: Vorbeugen

Um einer Altersvergesslichkeit (Leichte kognitive Störung) vorzubeugen, ist ausreichende Bewegung wichtig, um die Gehirnzellen mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Eine gesunde Ernährung liefert die nötigen Nährstoffe für eine gute Hirnleistung. Eine aktive Teilnahme am Leben und verschiedene Denksportübungen trainieren das Gehirn und halten geistig fit. Kreuzworträtsel alleine helfen dabei jedoch nicht viel, denn bei einem richtigen Gehirntraining kommt es vor allem auf Übung, Gewohnheit und ein gutes Langzeitgedächtnis an.

Weitere Informationen

Linktipps:

http://www.mental-aktiv.de
Übungen zum Gehirntraining online und zum Ausdrucken, monatlich neu.

www.demenz-ratgeber.de
Adressen von „Gedächtnissprechstunden“ in Deutschland

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Die Alterssichtigkeit (Presbyopie, auch Altersweitsichtigkeit genannt) ist eine durch den normalen Alterungsprozess entstehende Fehlsichtigkeit.

Alterssichtigkeit wird dadurch verursacht, dass die Elastizität der Linse mit zunehmendem Alter abnimmt. Dies erschwert die Naheinstellung des Auges, und ursprünglich Normalsichtige haben ab dem 40. bis 50. Lebensjahr besonders beim Lesen fortschreitend Schwierigkeiten. Korrigiert wird die Alterssichtigkeit mit einer Lesebrille. Ob Augentraining den Prozess verzögern kann, ist umstritten.

Alterssichtigkeit: Definition

Die Alterssichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) gehört im engeren Sinne nicht zu den Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus, da sie keine krankhafte Veränderung, sondern ein Alterungsvorgang ist. Sie entsteht durch den normalen Alterungsprozess und wird dadurch verursacht, dass die Elastizität der Linse abnimmt. Jeder Mensch ist mehr oder weniger davon betroffen.

Normales Sehen

Das Auge normalsichtiger Menschen ist in Ruhe auf die Ferne eingestellt. Um nahe Gegenstände scharf zu erkennen, muss das Auge scharfstellen (akkommodieren). Dabei wird der Punkt, auf den das völlig entspannte Auge eingestellt ist, als Fernpunkt (Punctum remotum) bezeichnet. Der Nahpunkt (Punctum proximum) ist der nahste Punkt vor dem Auge, an dem ein Gegenstand noch scharf erkennbar ist. Bei der Alterssichtigkeit rückt der Fernpunkt immer weiter vom Auge weg, bis der Betroffene ohne Korrekturmaßnahmen nicht mehr lesen kann.

Alterssichtigkeit: Ursachen

Der Alterssichtigkeit (Presbyopie) liegt ein sich verhärtender (sklerosierender) und vergrößernder Linsenkern zugrunde. Dadurch verliert die Linsenkapsel im Auge an Elastizität. Infolgedessen kann sich die Linse beim Scharfstellen (Akkommodation) nicht mehr so leicht wölben.

Die menschliche Linse wird bereits ab dem zehnten Lebensjahr kontinuierlich steifer, das heißt, die Akkommodationsfähigkeit nimmt ab. Dadurch rückt der nahste Punkt, in dem ein Gegenstand noch scharf erkennbar ist (Nahpunkt, Punctum proximum), immer weiter vom Auge weg. Daher wird die Alterssichtigkeit auch als Altersweitsichtigkeit bezeichnet. Das Nachlassen der Akkommodationsfähigkeit beim Normalsichtigen macht sich aber meist erst zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bemerkbar.

Alterssichtigkeit: Symptome

Bei der Alterssichtigkeit (Presbyopie) rückt der Nahpunkt durch eine geschwächte Scharfstellung (Akkommodationsschwächung) immer weiter in die Ferne. Für Normalsichtige wird es etwa ab einem Alter von 45 Jahren immer schwerer, einen Gegenstand in einer Entfernung von weniger als 30 bis 40 Zentimetern scharf auf der Netzhaut abzubilden. Der Alterssichtige kann in dem bisher gewohnten Abstand nicht mehr bequem Zeitungen oder Bücher lesen. Der Text muss weiter vom Auge weggehalten werden, um noch lesbar zu sein.

Weitsichtige Personen akkomodieren, im Gegensatz zum Normalsichtigen, bereits beim Sehen in die Ferne, um den Brechungsfehler ihrer Augen selbst zu korrigieren. Daher treten bei Weitsichtigkeit früher (etwa ab Mitte 30) Schwierigkeiten beim Sehen in der Nähe auf.

Kurzsichtige Personen benötigen meistens erst später (etwa nach dem 50. Lebensjahr) eine Lesebrille – oder gar nicht, sofern die Kurzsichtigkeit bei -3,0 Dioptrien oder mehr liegt.

Alterssichtigkeit: Diagnose

Die Diagnose der Alterssichtigkeit (Presbyopie) wird anhand der typischen Sehschwäche in Verbindung mit dem Alter des Betroffenen gestellt. Spezielle Untersuchungen sind im Allgemeinen nicht notwendig.

Alterssichtigkeit: Therapie

Die Alterssichtigkeit (Presbyopie) wird in der Regel mit einer Lesebrille korrigiert. Es handelt sich dabei um eine Sammellinse (Konvexlinse). Die Stärke der Brille richtet sich nach dem Alter und der gewünschten Lese- beziehungsweise Arbeitsentfernung. Dabei gilt: Je näher sich der Lesetext am Auge befinden soll, desto stärker muss die Brille sein. Bei bereits bestehenden Fehlsichtigkeiten (Kurz – oder Weitsichtigkeit, Astigmatismus) können kombinierte Brillen (Mehrstärkenbrillen) eingesetzt werden.

Da die Presbyopie durch eine steifer werdende Linse verursacht wird, kann sie nicht mit einer Augenlaser-Operationkorrigiert werden.

Alterssichtigkeit: Verlauf

Die Alterssichtigkeit (Presbyopie ) ist ein allmählicher Prozess, der kontinuierlich fortschreitet und sich mit zunehmendem Alter verstärkt.

Alterssichtigkeit: Vorbeugen

Es ist umstritten, ob sich die Alterssichtigkeit (Presbyopie) durch Augentraining, also Training der für die Scharfstellung (Akkommodation) verantwortlichen Augenmuskulatur, verzögern lässt.

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Altersflecken (Lentigo solaris, Lentigo senilis)

Altersflecken sind bräunliche, wenige Zentimeter große Pigmentflecken auf der Haut. Sie zählen zu den gutartigen Hautveränderungen.

Altersflecken bilden sich durch Pigmentansammlungen in der Oberhaut. Sie entstehen, wenn Hautzellen durch langjährige UV-Bestrahlung, bzw. durch die dadurch vermehrt anfallenden freien Radikale, geschädigt werden.

Altersflecken können mit hochdeckendem Make-up (Camouflage) abgedeckt sowie längerfristig mit Bleichcremes und verschiedenen physikalischen, chemischen und mechanischen Schälverfahren behandelt werden. Besonders effektiv und unter Schonung des umgebenden Gewebes können Altersflecken heutzutage durch eine Laser-Behandlung entfernt werden.

Wie allen Zeichen der Hautalterung kann man auch der Entstehung von Altersflecken in erster Linie durch den Schutz vor übermäßiger Sonnenbestrahlung vorbeugen. Zusätzlich sollte man Genussgifte wie Alkohol und Tabakrauch, die ebenfalls zur vermehrten Bildung freier Radikale beitragen, meiden und das körpereigene Schutzsystem gegen diese aggressiven Sauerstoffmoleküle durch eine ausreichende Versorgung mit Antioxidanzien wie Vitamin C, E, Carotinoide, Coenzym Q10, Bioflavonoide, Zink und Selen unterstützen.

Altersflecken: Definition

Altersflecken (Alterspigmentierung, Lentigo senilis, Lentigo solaris) zählen wie Muttermale und Sommersprossen zu den Pigmentflecken. Die bräunlichen Flecken können bis zu einigen Zentimetern groß sein. Sie entstehen durch eine lokal vermehrte Ablagerung des bräunlichen Pigments Lipofuszin in der Oberhaut. Die Veränderungen sind gutartig, stellen für die Betroffenen aber häufig ein kosmetisches Problem dar.

Altersflecken treten bevorzugt an den Stellen des Körpers auf, die besonders der Sonne ausgesetzt sind, wie Handrücken, Unterarme, Gesicht und Dekolleté. Helle Haut, Sonnenbrände oder häufige Sonnenbäder auch ohne Sonnenbrände, begünstigen ihre Entstehung.

Je nach Ausmaß der Sonnenbestrahlung können Altersflecken schon ab dem 40. Lebensjahr auftreten; bei über 60-Jährigen sind in Deutschland über 90 Prozent von ihnen betroffen. Besonders häufig treten Altersflecken bei hellhäutigen Menschen auf. Altersflecken sind im Gegensatz zu den klassischen Sommersprossen dauerhaft sichtbar.

Altersflecken: Ursachen

Altersflecken sind Lichtschäden der Haut, die durch langjährige UV-Bestrahlung entstehen. Sie entstehen, wenn sich das bräunliche Pigment Lipofuszin, welches als Endprodukt aus der Oxidation von ungesättigten Fettsäuren der Biomembranen entsteht, anhäuft. Man nennt dieses auch Alters- oder Abnutzungspigment.

Besonders die Zellen der Haut sind den durch UV-Licht entstehenden freien Radikalen, bei denen es sich um hochreaktive Oxidationsmittel handelt, ausgesetzt,. Die Haut verfügt über ein komplexes Schutzsystem, um diese aggressiven Sauerstoffmoleküle in Schach zu halten. Verschiedene Antioxidanzien (Vitamin C, E, Carotinoide, Coenzym Q10, Bioflavonoide, Zink und Selen) unterstützen sie dabei. Durch intensive Sonneneinstrahlung erhöht sich jedoch nicht nur die Entstehung von freien Radikalen, gleichzeitig nimmt auch der Gehalt an schützenden Antioxidanzien in der Haut rasch ab.

Neben UV-Licht fördern auch Genussgifte, wie z.B. Alkohol und Tabakrauch, insbesondere die im Rauch enthaltene Chemikalie Benzpyren, sowie verschiedene Medikamente und Nitrate bzw. Nitrite aus der Nahrung eine Überproduktion anfFreien Radikalen und die damit verbundene Zellalterung.

Altersflecken: Symptome

Altersflecken machen sich durch hellbraune, unregelmäßige Flecken der Haut bemerkbar. Sie finden sich bevorzugt an den Stellen des Körpers, die besonders der Sonne ausgesetzt sind, wie Handrücken, Unterarme, Gesicht und Dekolleté. Altersflecken können bis zu einigen Zentimetern groß sein und treten typischerweise in fortschreitendem Alter auf.

Altersflecken: Diagnose

Üblicherweise beurteilt der Arzt die Flecken mittels einer Dermatoskopie. Dabei betrachtet er die Hautveränderungen durch das aufgesetzte Dermatoskop, ein Gerät mit achromatischer Linse (achromatisch = System aus Sammel- und Zerstreuungslinse) und Halogenlampe. Eine Behandlung – ob physikalisch, chemisch oder mechanisch – darf nur vorgenommen werden, wenn die Diagnose „Altersflecken“ zweifelsfrei feststeht. In jedem Fall muss ausgeschlossen werden, dass sich hinter den braunen Hautverfärbungen etwas anderes, wie z.B. ein Hauttumor (Melanom), verbirgt.

Altersflecken: Therapie

Ein schneller Weg, um Altersflecken verschwinden zu lassen, ist die so genannte Camouflage, die kosmetische Abdeckung mit einem extrem deckenden Make-up. Sie birgt keine Risiken, hilft sofort und bietet sogar noch einen sicheren Sonnenschutz. Nachteil ist jedoch, dass die Prozedur mit Farbauswahl und Auftrag sehr aufwändig ist, am besten von einer kosmetischen Fachkraft durchgeführt werden sollte und nur bis zur nächsten gründlichen Hautreinigung hilft.

Längerfristig wirksame Methoden zur Behandlung von Altersflecken sind die Kältetherapie und verschiedene Bleich- und Schälverfahren. Bei ihnen besteht jedoch die Gefahr einer ungewollten Farbveränderung der behandelten Hautareale, wobei auch die angrenzenden, normal pigmentierten Bereiche mitbetroffen sein können.

Bleichmittel

In den heute üblichen Bleichcremes sind verschiedene chemische Substanzen wie z.B. Vitamin-A-Säure-Derivate oder Brunnenkresse-Extrakt enthalten, deren Wirkmechanismen sich grundlegend unterscheiden. Während Brunnenkresse-Extrakte einen ausgeprägten Bleicheffekt haben, kommt es durch Vitamin-A-Säure-Derivate zu einer Schälung der Oberhaut. Insbesondere bei hohen Konzentrationen kann dabei die Haut stark gereizt werden. Daher gibt es kortisonhaltige Kombinationspräparate, die einer zu starken Reizung vorbeugen sollen.

Bei der Verwendung der verschiedenen Präparate kann es zu Unverträglichkeiten mit Rötungen, Juckreiz und Quaddeln kommen, deshalb sollte man die Cremes vor Behandlungsbeginn an einer kleinen Stelle, z.B. auf der Handgelenksinnenseite, testen. Außerdem können die Inhaltsstoffe in Verbindung mit UV-Bestrahlung zu Hautreizungen führen. Man sollte sie deshalb am Abend und möglichst in der sonnenarmen Zeit des Jahrs anwenden. Da die Cremes auch auf die angrenzenden, nicht pigmentierten Hautareale einwirken, sind sie vornehmlich für größere Flecken geeignet und sollten nicht zu lange und möglichst unter ärztlicher Aufsicht angewandt werden. Einige Präparate sind sogar verschreibungspflichtig.

Mechanische Methoden

Mechanische Methoden zur Behandlung von Altersflecken sind die Dermabrasion, bei der die oberste Hautschicht abgeschliffen wird, das Fruchtsäure-Peeling und die Kältetherapie (Kryopeeling), bei der die oberste Hautschicht mit flüssigem Stickstoff vereist wird. Die behandelten Stellen verschorfen, unter dem Schorf bildet sich neue, normal pigmentierte Haut. Bis zur vollständigen Abheilung sollten Sonnenstrahlung vermieden und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet werden.

Laserverfahren

Gezielter lassen sich Altersflecken mit modernen Laserverfahren, z.B. mit dem Alexandrit-Laser, Erbium-YAG-Laser oder Rubinlaser entfernen. Diese Laser zerstören selektiv die Pigmente in der Haut und machen sie abbaubar, wobei gleichzeitig das umliegende Gewebe geschont wird. Häufig können die Flecken in nur einer Sitzung entfernt werden.

Die verwendeten Wellenlängen liegen im roten und infraroten Bereich:

  • Rubinlaser: 694 nm
  • Alexandrit-Laser: 755 nm
  • Erbium-YAG-Laser: 1064 nm; 532 nm

Durch die Wahl dieser spezifischen Wellenlängen wird Licht des Lasers von den dunklen pigmentreichen Strukturen wesentlich stärker aufgenommen als von der normalen Haut. Dadurch zersprengt der Laser selektiv Farbpigmente bzw. die Hautzellen, die diese Pigmente enthalten. Die Lichtenergie wird im Gewebe in Hitze umgewandelt. Während der Impulse können so im Zielgewebe Temperaturen von über 1.000 Grad erzeugt werden. Da die Energiestöße aber extrem kurz sind, wird das umliegende Gewebe nicht in Mitleidenschaft gezogen.

An den geschädigten Hautstellen bildet sich eine Entzündung. Es kommt zu einer Dunkelfärbung und einem Brennen, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand, welches ungefähr zwei Tage anhält. Im Rahmen der Entzündung werden die körpereigenen Fresszellen (Makrophagen) aktiv, nehmen die Farbpartikel auf und transportieren sie ab. Weitere Farbteilchen werden mit dem Abfallen der Krusten, die sich an den behandelten Stellen bilden, entfernt. Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen ist die Haut abgeheilt. Auch hier gilt: Nach der Behandlung Sonnenbestrahlung meiden bzw. Sonnenblocker verwenden, bis die Haut komplett abgeheilt ist. Am besten führt man derartige Behandlungen in der sonnenarmen Zeit des Jahrs durch.

Altersflecken: Verlauf

Komplikationen

Bei Altersflecken kommt es zu keinen medizinisch relevanten Komplikationen. Im Anschluss an Peeling-Therapien besteht jedoch auf den behandelten Hautregionen eine erhöhte Gefahr von Infektionen und Entzündungen.

Nachsorge

Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr sollten im Anschluss an Peeling-Therapien Antibiotika eingenommen werden. Außerdem kann die Heilung der betroffenen Hautregionen durch spezielle Pflegemittel unterstützt werden.

Ob mit oder ohne kosmetische Behandlung: Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind empfehlenswert, um weiterhin verlässlich Altersflecken von bösartigen Hautveränderungen zu unterscheiden.

Altersflecken: Vorbeugen

Je heller die Haut ist und je mehr Sonne sie im Leben ausgesetzt war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Altersflecken auftreten. Die einfachste Art, den Zeichen der Hautalterung wie Elastizitätsverlust und auch Altersflecken entgegenzuwirken, sind deshalb, zu starke Sonnenbestrahlung zu vermeiden sowie ausreichender Sonnenschutz, z.B. in Form von Tagescremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor, zu verwenden.

Ergänzend sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Antioxidanzien (Vitamin C, E, Carotinoide, Coenzym Q10, Bioflavonoide, Zink und Selen) geachtet werden. Insbesondere Vitamin E (Tocopherol) spielt bei der Vorbeugung von Altersflecken eine große Rolle, da es, innerlich wie auch äußerlich angewendet, die Fette der oberen Hautschicht vor Oxidation schützt. Doch auch die anderen Antioxidanzien sollten in ausreichendem Maße vorhanden sein, da sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen, sozusagen ein antioxidatives Netzwerk bilden. Außerdem sollte Tabakrauch und Alkohol vermieden werden, um der übermäßigen Bildung freier Radikale und damit der Hautalterung entgegenzuwirken.

Weitere Informationen

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Therapielexikon Dermatologie und Allergologie

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Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine Erbkrankheit. Ursache ist ein Gendefekt, der Störungen in der Lunge und der Leber verursacht.

Wiederkehrende Entzündungen in den Bronchien (chronische Bronchitis), die mit der Zeit zur Lungenüberblähung (Lungenemphysem) führen und Leberentzündungen, aus denen sich im Verlauf eine Leberzirrhose entwickeln kann, prägen das Krankheitsbild.

Die Behandlung des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels setzt sich zusammen aus allgemeinen Maßnahmen zur Vorbeugung von Infekten und der wiederholten Gabe von Alpha-1-Proteaseinhibitor. Bei voll ausgeprägter Erkrankung, das heißt, dass der Gendefekt von beiden Elterteilen übertragen wurde, beträgt die mittlere Überlebenszeit für Raucher durchschnittlich 50 Jahre und für Nichtraucher um zehn bis 15 Jahre mehr.

autosomal-rezessiver Erbgang

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Definition

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine autosomal-rezessive Erbkrankheit. Das bedeutet, dass beide Elternteile den Defekt in ihren Genen tragen müssen, damit die Krankheit weitervererbt und zum Ausbruch kommen kann. Man spricht auch von einem Alpha-1-Proteinasen-Inhibitormangel.

Man geht davon aus, dass der Gendefekt bei einem von 10.000 Menschen vorkommt. In Deutschland betrifft dies rund 12.000 Menschen, jeder Dritte von ihnen hat Symptome.

Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist in der nord- und mitteleuropäischen Bevölkerung die häufigste Erbkrankheit. Die Z-Variante tritt bevorzugt bei den Nord- und Mitteleuropäern auf, während die leichtere S-Variante mehr bei den Südeuropäern vorherrscht. Die Häufigkeit der Z-Variante bei Neugeborenen liegt etwa bei 1:3.500, die der S-Variante in der gleichen Größenordnung.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Ursachen

Alpha-1-Antitrypsin ist ein Glykoprotein und besteht aus einer Kette von 394 Aminosäuren. Es ist ein Enzymhemmer – seine Hauptaufgabe ist die Hemmung des Enzyms Elastase, sowie mit abnehmender Effektivität auch von Trypsin, Plasmin, Thrombin oder Plasminogen.

Bei einem gesunden Menschen beträgt der Blutplasmaspiegel des Alpha-1-Antitrypsins 150 bis 350 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Sofern der Blutplasmaspiegel bei weniger als 35 Prozent von 150 mg/dl liegt, entwickeln die Betroffenen Symptome.

Ursache des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels ist ein Gendefekt auf dem Chromosom 14. Dieses Gen ist für die Bildung des Alpha-1-Antitrypsin verantwortlich. Die häufigsten krankmachenden (pathogenen) Mutationen des Gens in der weißen Bevölkerung nennt man Z- und S-Mutationen. Die beiden Buchstaben bezeichnen jeweils den Ort der Störung auf dem Gen. Die Z-Mutation des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels verläuft schwerer.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Symptome

Das Enzym Elastase spielt in der Lunge eine wichtige Funktion bei der Abwehr von Infektionen. Die Hauptsymptome des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels sind Lungenprobleme und Leberschäden.

Symptome der Lunge

Bei einer Infektion der Lunge formieren sich um die lokalen Entzündungsherde oder auch um eingedrungene Fremdkörper weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die neben Bakterien abtötenden (bakteriziden) Sauerstoffradikalen auch Elastase freisetzen. Die Elastase führt zu einer Zersetzung (Lyse) der näheren Umgebung des Infektionsherds und ermöglicht damit einen Abtransport der Fremdkörper. Dieser durch die Elastase ausgelöste Lyseprozess wird durch Alpha-1-Antitrypsin gehemmt, ansonsten würde es zu Schäden am Lungengewebe kommen. Diese Hemmwirkung des Alpha-1-Antitrypsins wird nun durch Sauerstoffradikale verhindert. Da deren Konzentration mit zunehmendem Abstand vom Entzündungsherd schnell abnimmt, kann das Alpha-1-Antitrypsin dort zunehmend seine auf die Elastase hemmende Wirkung ausüben und die lytische Wirkung der Elastase außerhalb des Entzündungsorts verhindern. Am Entzündungsort selber ist die auf die Elastase hemmende Wirkung sehr gering.

Symptome der Leber

Die meisten der durch den Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bedingten Leberentzündungen machen sich erst im Kinds- und Jugendalter bemerkbar. Neugeborene leiden lediglich länger unter Gelbsucht (Neugeborenenikterus) als Babys ohne Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Diagnose

Die Diagnose des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels erfolgt über die Proteinanalyse in einer Blutprobe. Sofern der Blutplasmaspiegel von Alpha-1-Antitrypsin unter 35 Prozent des Werts von 150 mg/dl liegt, ist die Diagnose eindeutig. Die klinischen Symptome können die Diagnose ergänzen.

Bei Entzündungen ist das Alpha-1-Antitrypsin im Blut erhöht, was bei Erkrankten den Enzymmangel verschleiern kann.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Therapie

Als Therapie des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels wird das Alpha-1-Antitrypsin über die Vene zugeführt. Außerdem müssen die Folgeerkrankungen behandelt werden. Als mögliche Nebenwirkungen können auftreten:

  • Allergien mit Juckreiz, Hautausschlägen, Übelkeit und akuter Atemnot
  • Schüttelfrost
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Schwindel, Kopfschmerz
  • Blutdruckabfall
  • selten allergischer (anaphylaktischer) Schock

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Verlauf

Sofern wegen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels nicht genügend Alpha-1-Antitrypsin für die Hemmung der Elastase zur Verfügung steht, breitet sich der lytische Prozess, z.B. bei Staubaufnahme, beim Rauchen oder einer Infektion, auf größere Teile der Lunge aus. Auf diese Weise bildet sich ein Lungenemphysem (Überblähung der Lunge), das vor allem die unteren Lungenbereiche betrifft. An einem Lungenemphysem versterben ca. 60 Prozent der Betroffenen.

Bei einer Leberzirrhose kann es z.B. zu schweren Blutgerinnungsstörungen kommen oder Leberkrebs entstehen.

Lungen- oder Lebertransplantationen können bei weit fortgeschrittener Erkrankung das Leben der an Alpha-1-Antitrypsin-Mangel Erkrankten möglicherweise verlängern.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Vorbeugen

Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sollten ihre Lebensgewohnheiten so gesund wie möglich gestalten: Wenige Schadstoffe in der Umgebungsluft, nicht rauchen und Alkohol, wenn überhaupt, dann nur selten und in kleinen Mengen genießen.

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

COPD – Deutschland e.V.
Fabrikstrasse 33
D-47119 Duisburg
Telefon: +49 (0203) – 71 88 742
Fax: +49 (0203) – 71 88 743
http://www.copd-deutschland.de

Koordinationsstelle der Selbsthilfegruppen Lungenemphysem-COPD
Lindstockstrasse 30
D-45527 Hattingen
Telefon: +49 (02324) – 99 90 00
Fax: +49 (02324) – 68 76 82
SHG-mailingliste@lungenemphysem-copd.de
http://www.lungenemphysem-copd.de

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Allergie

Unter einer Allergie versteht man eine von der Norm abweichende, das heißt gesteigerte beziehungsweise übersteigerte Reaktion des Immunsystems gegenüber einem oder mehreren Fremdstoffen (Allergene), die erst nach wiederholtem Kontakt mit diesen entsteht.

Allergien können nach den Aufnahmemöglichkeiten der einzelnen Allergene sowie nach den zugrunde liegenden Reaktionen des Immunsystems eingeteilt werden. Der Reaktionstyp bestimmt das zeitliche Auftreten wie auch die Art der Symptome, zum Beispiel lokale oder allgemeine Beschwerden.

Eine Allergie kann durch Laboruntersuchungen, etwa den Nachweis spezifischer Antikörper oder Abwehrzellen im Blut, oder durch direkte Testverfahren (Allergietests) festgestellt werden. Die Behandlung einer Allergie beginnt meist damit, dass der Kontakt zum auslösenden Allergen möglichst vermieden werden sollte. Ist dies nicht möglich, stehen Medikamente zur Verfügung, die entweder den Ausbruch einer allergischen Reaktion abschwächen oder die bereits ausgebrochene Reaktion mildern oder abbrechen. Eine Sonderform der Therapie ist die Hyposensibilisierung.

Ohne rechtzeitige Therapie können allergische Reaktionen tödlich verlaufen, wenn sich ein anaphylaktischer Schock ausbildet.

Allergie: Definition

Unter einer Allergie versteht man eine von der Norm abweichende, das heißt gesteigerte beziehungsweise übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Fremdstoffe (Allergene). Eine Allergie entsteht jedoch erst nach wiederholtem Kontakt mit diesen Allergenen. Häufig wird dafür auch der Begriff Überempfindlichkeit verwendet.

Das Abwehrsystem des Menschen (Immunsystem) schützt vor Schadstoffen und Krankheitserregern. Auch gegenüber unschädlichen Fremdstoffen reagiert es mit einer abgeschwächten Abwehrreaktion. Bei einer Allergie wird die Reaktion gegenüber diesen harmlosen Stoffen nicht gedrosselt, sondern findet in einer überschießenden, nicht angemessenen Stärke statt. Personen, deren Abwehrsystem in dieser Weise reagiert, werden Allergiker oder Atopiker genannt.

Der Begriff Allergie stammt aus dem Griechischen (allo = fremd, ergon = Reaktion). Erstmalig tauchte diese Bezeichnung 1906 bei C. v. Pirquet auf, der damit sowohl die Überempfindlichkeit (Hyperergie) als auch die abgeschwächte Empfindlichkeit (Hypergie) sowie die fehlende Empfindlichkeit (Anergie) zusammenfasste. Heute wird der Begriff Allergie ausschließlich für die erworbene Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten, von außen auf den Körper einwirkenden Stoffen verwendet.

Stoffe, die in der Lage sind, eine Allergie auszulösen, bezeichnet man als Allergene. Grundsätzlich kann jeder Stoff aus der Umwelt zum Allergieauslöser werden. Dabei kann es sich sowohl um Pflanzenstoffe (z.B. Gräserpollen), Tierprodukte (z.B. Bienengift), aber auch Metalle (z.B. Nickel) oder Chemikalien (z.B. Konservierungsstoffe) handeln.

In den letzten Jahren werden Allergien immer häufiger beobachtet und treten zunehmend bereits im Kindesalter auf. Eine mögliche Ursache dafür ist die fortwährend steigende Belastung durch Fremdstoffe in der Umwelt, aber auch veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die auch mit einem gesteigerten Konsum von Genussmitteln oder Medikamenten einhergehen.

Wissenschaftler führen das gehäufte Auftreten von Allergien auch auf eine übertriebene Hygiene in den ersten Lebensjahren von Kleinkindern zurück. So leiden Stadtkinder 15-mal häufiger an Allergien als Kinder, die auf Bauernhöfen schon frühzeitig den zahlreichen Einflüssen von Gras-, Getreide- und Baumpollen sowie Tierhaaren oder Tierausscheidungen ausgesetzt waren.

Allergieformen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Allergien einzuteilen. Im Alltag erfolgt die Einteilung am häufigsten nach dem jeweiligen Aufnahmemechanismus:

  • Inhalationsallergie: durch das Einatmen von Allergenen in Staubform, z.B. Pollen, Hausstaub
  • Nahrungsmittelallergie : durch den Verzehr von allergenhaltigen Nahrungsmitteln, z.B. Erdbeeren, Meeresfrüchten, Konservierungsstoffen
  • Arzneimittelallergie : als Reaktion auf bestimmte Medikamente, unabhängig von ihrer Darreichungsform als Tablette, Zäpfchen, Infusion usw. Ein besonders häufiges Allergen ist z.B. Penicillin
  • Insektengiftallergie : nach Insektenstichen von z.B. Bienen oder Wespen
  • Parasitäre oder mikrobielle Allergie: durch Befall mit Parasiten, wie z.B. Würmern, oder auch durch Infektionen mit Viren oder Bakterien
  • Kontaktallergie : durch Hautkontakt mit Allergenen, wie z.B. Nickel oder Kosmetika

In der Medizin hat sich die Einteilung nach den zugrunde liegenden krankhaften Reaktionen des Immunsystems durchgesetzt. Der britische Pathologe Robin Coombs beschrieb 1963 gemeinsam mit seinem Kollegen Philip Gell vier Typen allergischer Reaktionen (Typ I bis IV), die auch als Mischformen auftreten können. Diese vier Reaktionstypen sind normale Reaktionsformen des menschlichen Immunsystems, die im Falle einer Allergie allerdings „über ihr Ziel hinausschießen“ und so den Charakter einer Erkrankung erlangen. Die Typen I bis III werden durch Antikörper, der Typ IV hingegen durch T-Zellen vermittelt.

Typ I (Soforttyp)

Die Allergie vom Typ-I ist eine durch IgE-Antikörper vermittelte, umgehend eintretende allergische Reaktion. Durch Allergenkontakt werden spezifische IgE-Antikörper gebildet, die sich an bestimmte Zellen des Immunsystems, die so genannten Mastzellen, binden und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren, wie z.B. Histamin, bewirken. Es entstehen akute Entzündungsreaktionen, wie etwa beim Heuschnupfen.

Es existieren verschiedene Bezeichnungen für die Typ-I-Reaktion, so beispielsweise Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp. Die Symptome ihrerseits haben zu der Bezeichnung Atopie geführt. Außerdem wird der Begriff Anaphylaxie verwendet.

Typ II (Zytotoxischer Typ)

Die Allergie vom Typ-II gehört zu den antikörpervermittelten allergischen Reaktionen. Im Gegensatz zur Typ-I-Reaktion sind hier jedoch IgG- beziehungsweise IgM-Antikörper beteiligt. Beide Antikörpergruppen werden bei einer normalen Immunreaktion gegen Krankheitserreger gebildet. Bei der Allergie vom Typ-II bildet der Körper diese Antikörper gegen Antigene auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen oder Geweben. Die Folgen der allergischen Reaktion treten innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden ein und betreffen nur die Zellen beziehungsweise Gewebe, welche die entsprechenden Antigene auf ihrer Oberfläche tragen.

Ein Beispiel für eine Typ-II-Reaktion ist die Zerstörung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nach einer Bluttransfusion mit einer falschen Blutgruppe. Typ-II-Reaktionen liegen auch einigen Autoimmunerkrankungen sowie der Abstoßung von Organtransplantaten zugrunde.

Typ III (Immunkomplextyp)

Die Allergie vom Typ-III gehört wie die Typ-II-Reaktion zu den antikörpervermittelten allergischen Reaktionen, bei denen IgG- und IgM-Antikörper beteiligt sind. Charakteristisch für die Typ-III-Reaktion ist die Bildung von Immunkomplexen. Immunkomplexe sind Verbindungen aus frei löslichen Antigenen, die sich also nicht fest auf einer Zelloberfläche befinden, sowie aus Antikörpern. Solche Immunkomplexe werden normalerweise durch die Zellen der Immunabwehr beseitigt. Ist dies nicht der Fall, entstehen durch die Ablagerung der Komplexe Krankheiten, die zu den Allergien vom Typ-III gezählt werden. Es können drei große Gruppen innerhalb der Reaktionen unterschieden werden:

  • Chronische Infektionen
  • Immunkomplexerkrankungen als Komplikation bei Autoimmunerkrankungen
  • Exogene allergische Alveolitis, eine Entzündung des Lungengewebes nach Einatmen von Allergenen

Typ IV (Spättyp)

Die Allergie vom Typ-IV nimmt unter den allergischen Reaktionen eine Sonderstellung ein, da sie nicht durch Antikörper, sondern durch T-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, vermittelt wird. Über die Aktivierung dieser T-Zellen werden weitere Abwehrzellen angelockt und aktiviert. Als Folge davon entstehen die für die Typ-IV-Reaktion charakteristischen Veränderungen, die meist die Haut betreffen. Das wohl bekannteste Beispiel für eine Allergie vom Typ-IV ist die Kontaktallergie der Haut, etwa auf Chrom- oder Nickelverbindungen. Ein weiterer Unterschied zu den anderen Reaktionstypen besteht darin, dass die Typ-IV-Reaktion verzögert abläuft, das heißt frühestens nach zwölf Stunden auftritt. Daher wird sie auch als Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ bezeichnet. Es können aber auch Tage vergehen, bis eine Reaktion sichtbar wird.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge leiden etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung unter Allergien. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Allergiker verdreifacht. Innerhalb der Allergien ist die Typ-I-Reaktion am häufigsten vertreten. Man nimmt an, dass bis zu 15 Prozent unter dieser Allergieform leiden, meist in Form von Heuschnupfen.

Allergie: Ursachen

Die Ursache für eine Allergie ist die Fehlregulation und überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems. Die eigentliche Aufgabe des Immunsystems besteht darin, Krankheitserregern, wie Bakterien, Viren oder Parasiten, abzuwehren. Nachdem solche Erreger in den Organismus aufgenommen wurden, bilden sich im Verlauf einer Infektionskrankheit spezifische Antikörper oder Abwehrzellen gegen den entsprechenden Krankheitserreger – der Körper wird immunisiert. Das bedeutet: Bei einem späteren Kontakt mit demselben Erreger erkrankt man nicht ein zweites Mal, weil sich das Immunsystem an den ersten Kontakt mit dem Erreger erinnert und unverzüglich mit der Produktion der spezifischen Antikörper beziehungsweise Abwehrzellen beginnt.

Bei der Entstehung einer Allergie laufen zunächst dieselben Reaktionen im Immunsystem ab. Nach dem Kontakt mit einem Fremdstoff bildet der Körper für dieses Allergen spezifische Antikörper beziehungsweise Abwehrzellen aus, das heißt der Organismus wird sensibilisiert. Diese Produktionsphase dauert neun bis zwölf Tage und verläuft unbemerkt. Bei einem erneuten Kontakt mit denselben Allergenen werden sofort die entsprechenden Antikörper produziert beziehungsweise Abwehrzellen aktiviert und es tritt je nach Allergie-Typ eine allergische Reaktion mit den entsprechenden Symptomen auf.

Für alle Formen einer Allergie gilt, dass sie zwar oft vererbt werden, prinzipiell aber jeder Mensch zum Allergiker werden kann. Für die Entstehung einer Allergie sind die Menge und Konzentration, der Aufnahmemechanismus und das Sensibilisierungsvermögen des Allergens von Bedeutung. So sind bei schwach sensibilisierenden Stoffen, beispielsweise Pollen, oft viele Kontakte über mehrere Jahre notwendig, bis eine Allergie ausgelöst wird. Bei stark sensibilisierenden Stoffen, wie bei Medikamenten, reichen oft ein oder wenige Kontakte aus, um eine Allergie auszulösen.

Typ I

Bei einer Allergie vom Typ-I wird durch bestimmte Allergene eine IgE-Bildung hervorgerufen. Allergene können beispielsweise Pflanzenpollen, Nahrungsmittelbestandteile, Insektengifte, Kosmetika oder Medikamente sein. Die Symptome der allergischen Reaktion werden durch die Wechselwirkung des IgE mit bestimmten Zellen des Immunsystems, den Mastzellen, ausgelöst. Mastzellen sind dadurch charakterisiert, dass sie große Mengen Histamin enthalten. Wenn das IgE an eine Mastzelle bindet, setzt diese Zelle so genannte Entzündungsmediatoren frei. Dabei handelt es sich um Stoffe, die zur Ausbildung von Entzündungen im Gewebe führen. Bei der Typ-I-Reaktion kommt dem Entzündungsmediator Histamin eine besondere Bedeutung zu. Histamin erweitert die Gefäße, erhöht die Durchlässigkeit der Kapillaren, verengt die Bronchien und lockt weitere Abwehrzellen in das Entzündungsgebiet. Beim Allergiker führen diese histaminvermittelten Wirkungen zu einer Schwellung, Rötung und verstärkten Sekretion der entsprechenden Schleimhäute sowie zu Atemnot. Mit dem Blut kann sowohl das Allergen als auch das Histamin im Körper verteilt werden und so auch an anderen Orten als der Eintrittspforte das Allergens zu entzündlichen Reaktionen führen.

Typ II

Die Ursache der Allergie vom Typ-II besteht in einer Aktivierung der antikörperabhängigen Zytotoxizität. Darunter versteht man die Zerstörung der Zellen, die auf ihrer Oberfläche bestimmte Antigene tragen, durch Prozesse, die durch Antikörper ausgelöst werden. Hierbei spielt die so genannte Phagozytose als Abwehrmechanismus des Organismus eine entscheidende Rolle. Fremdstoffe werden durch bestimmte Abwehrzellen, die Fresszellen (Makrophagen), aufgenommen und dann im Zellinneren durch Enzyme zerstört und abgebaut. Die Aufnahme dieser Fremdstoffe erfolgt durch die Vermittlung von IgG- und IgM-Antikörpern. Sind die Fremdstoffe zu groß um aufgenommen zu werden, setzen die Abwehrzellen ihre Enzyme nach außen frei. Dies führt nicht nur zu einer Schädigung des Fremdkörpers, sondern auch des umgebenden Gewebes. Bei der Typ-II-Reaktion treten an die Stelle des Fremdstoffs körpereigene Zellen und Gewebe, die durch die Prozesse der Phagozytose geschädigt werden.

Auch das so genannte Komplementsystem gehört zu den Abwehrmechanismen des Körpers. Es besteht aus mehreren biologisch aktiven Eiweißen, deren Aktivität vorwiegend gegen Zellmembranen gerichtet ist. Die Aktivierung des Komplementsystems bedarf wiederum der Vermittlung durch Antikörper. Sind diese gegen Antigene auf körpereigenen Zellen oder Geweben gerichtet, resultiert daraus ebenfalls eine Schädigung der Zellen.

Typ III

Die Ursache der Allergie vom Typ-III liegt in der Entstehung von Immunkomplexen aus freibeweglichen Antigenen und Antikörpern. Normalerweise werden diese Immunkomplexe von den Zellen des Immunsystems erkannt und durch Mechanismen wie die Phagozytose beseitigt. Ist dies nicht der Fall, können die Immunkomplexe sich im Gewebe ablagern und Entzündungsreaktion in Gang setzen, die eigentlich zum Ziel haben, diese Komplexe zu beseitigen. Zunächst werden biologisch wirksame Eiweiße im Blut aktiviert, die eine vermehrte Durchblutung des Gewebes bewirken und insbesondere Abwehrzellen anlocken. Außerdem verbessern sie die Durchlässigkeit der Gefäßwände für Abwehrzellen, die schließlich versuchen, die Immunkomplexe durch Phagozytose zu beseitigen. Da dies aufgrund der Größe der Immunkomplexe und der Bindung an das Gewebe nicht gelingt, setzen sie ihre Enzyme nach außen frei und schädigen somit das Gewebe.

Durch die gesteigerte Blutzufuhr gelangen außerdem vermehrt Blutplättchen (Thromobozyten) in das Entzündungsgebiet. Sie können sich ebenfalls an die Immunkomplexe anlagern und auf diese Weise Mikrothromben, also kleinste Blutgerinnsel, bilden, was zu einer Verstopfung der kleinen Blutgefäße führen kann. In der Folge stirbt das nicht mehr durchblutete Gewebe ab, was über Funktionsstörungen bis zum Verlust eines Organs führen kann.

Typ IV

Die Ursache der Allergie vom Typ-IV besteht in einer zellvermittelten Abwehrreaktion gegenüber Allergenen, die über eine längere Zeit im Körper anwesend sind und nicht über andere Mechanismen beseitigt wurden. Es gibt verschiedene Krankheitserreger und Fremdstoffe, die nicht zu einer Antikörperbildung führen, nachdem sie in den Körper eingedrungen sind. Stattdessen aktivieren sie Abwehrzellen, welche zu ihrer Beseitigung dienen. Unter den Abwehrzellen gibt es eine Untergruppe, die T-Lymphozyten, die in der Lage sind, bestimmte Allergene zu erkennen. Kommt es zu einem Kontakt zwischen einem Allergen und T-Lymphozyten, so produzieren diese Substanzen (Lymphokine), die andere Abwehrzellen, etwa Fresszellen (Makrophagen), anlocken und so Entzündungsreaktionen auslösen.

Allergie: Symptome

Symptome treten bei einer Allergie solange auf, wie die Allergene im Organismus vorhanden sind. Die Art der Beschwerden ist nicht vom Allergen selbst, sondern vom zugrunde liegenden Reaktionstyp abhängig. Dieser bestimmt auch das zeitliche Auftreten der Beschwerden. Sie können entweder sofort (Sofortreaktion) oder erst nach Stunden (verzögerte Soforttypreaktion) oder Tagen (Spätreaktion) auftreten.

Grundsätzlich können allergische Reaktionen sowohl zu örtlich begrenzten, lokalen, als auch zu allgemeinen, generalisierten Beschwerden führen.

Lokale Beschwerden äußern sich im Allgemeinen dort, wo der Kontakt mit dem Allergen stattgefunden hat, etwa an den Schleimhäuten der Atemwege mit Niesen, Schnupfen oder Atemnot, an den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts mit Erbrechen oder Durchfall oder an der Haut mit Nesselsucht oder Hautausschlägen.

Allgemeine Beschwerden im Rahmen allergischer Reaktionen können im ganzen Körper auftreten, wenn sich das Allergen mit dem Blut im Organismus verteilt. Besonders betroffen ist dabei das Herz-Kreislauf-System, indem sich die Herzfrequenz beschleunigt und Blutdruck abfällt. Die schwerste Ausprägung einer allergischen Reaktion vom Typ I ist der anaphylaktische Schock, der meist mehrere Organsysteme gleichzeitig betrifft und innerhalb weniger Minuten zum Tod führen kann.

Allergie: Diagnose

Die genaue Diagnose einer Allergie ist aufgrund der Vielfalt der möglichen Allergene häufig sehr schwer. Derzeit sind über 20.000 Allergene bekannt. Um die Zahl der Stoffe, die eine Allergie auslösen können, einzuschränken, ist vorab eine Befragung des Betroffenen wichtig, in der geklärt wird, wann die Beschwerden auftreten und wann sie schlimmer werden.

Je nach Reaktionstyp kann der Arzt verschiedene Verfahren anwenden, um festzustellen, auf welchen Stoff die allergische Reaktion erfolgt. Neben Laboruntersuchungen, in denen zum Beispiel spezifische Antikörper oder Abwehrzellen im Blut nachgewiesen werden können, werden auch Allergietests (Provokationsuntersuchungen) durchgeführt, in denen bewusst ein Kontakt auf der Haut oder über die Lunge mit den verdächtigen Allergenen herbeigeführt und die Reaktion darauf beobachtet wird. Der optimale Testzeitpunkt liegt bei etwa drei Wochen bis drei Monate nach der allergischen Reaktion. Die gängigsten Hauttests sind:

  • Reibetest
  • Pricktest
  • Intrakutantest
  • Epikutantest
  • Scratch-Test

Werden bei den jeweiligen Allergietests keine auslösenden Allergene gefunden, kann dennoch eine Allergie vorliegen, da es möglich ist, dass der Verursacher nicht in den untersuchten Proben vertreten war. In diesem Fall ist es hilfreich, einen Allergiekalender zu führen, in den eingetragen wird, welche Speisen gegessen wurden, welche Medikamente eingenommen wurden und ob Kontakte zu besonderen Substanzen bestanden haben. Treten Symptome einer Allergie auf, können auslösende Allergene auf diese Weise weiter eingegrenzt und eventuell ermittelt werden.

Allergie: Therapie

Erster Schritt einer Therapie bei einer Allergie ist, nach Möglichkeit den Kontakt zur Allergie auslösenden Substanz zu vermeiden. Je nach Art des Allergens, etwa bei Pollen oder Hausstaub, kann dies allerdings sehr schwierig sein. In diesem Fall stehen noch weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Hyposensibilisierung

Die wirksamste Therapieform, die besonders bei allergischen Reaktionen vom Typ I angewandt wird, ist die Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie = SIT) beziehungsweise Desensibilisierung. Sie kann nur durchgeführt werden, wenn das auslösende Allergen bekannt und als Hyposensibilisierungslösung erhältlich ist. Während der Behandlung wird dem Allergiker über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren das entsprechende Allergen in allmählich steigenden Dosierungen gespritzt. Die Menge des Allergens wird so gewählt, dass maximal eine örtliche Reaktion, wie eine kleine Schwellung mit Juckreiz an der Einstichstelle, auftritt. Da dennoch die Gefahr einer schweren allergischen Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock besteht, sollte man nach der Injektion noch 30 Minuten unter ärztlicher Beobachtung bleiben.

Durch die Hyposensibilisierung soll das Immunsystem so beeinflusst werden, dass nicht die Antkörper, welche die Allergie auslösen (IgE), sondern Antikörper einer anderen Klasse (IgG) gebildet werden. IgG-Antikörper bildet das Immunsystem normalerweise gegen Krankheitserreger und sie entstehen nach jedem erneuten Kontakt mit dem Erreger sofort wieder. Dasselbe möchte man bei einer Allergie erreichen: Sofort nach Allergenkontakt sollen IgG-Antikörper gebildet werden und das Allergen neutralisieren, sodass dieses nicht mehr zur Bildung von IgE-Antikörpern führen kann.

Als Alternative zu Spritzen kann die Hyposensibilisierung auch mit Tropfen, die unter die Zunge gegeben werden (Sublinguale Immuntherapie = SLIT), durchgeführt werden. Diese Therapie ist aber hinsichtlich der genauen Dosierung des Allergens der Spritzentherapie unterlegen, da die Tropfengröße immer leicht variiert und die Aufnahme durch die Mundschleimhaut durch unterschiedlichen Speichelfluß oder unwillkürliches Herunterschlucken verändert sein kann.

Medikamentöse Therapie

Neben der Hyposensibilisierung steht außerdem eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, die aber nur die Symptome und nicht die Ursachen einer Allergie beseitigen können. Eingesetzt werden diese Medikamente in den unterschiedlichsten Formen: Inhaliersprays, Augentropfen, Nasensprays, Salben oder Gele für lokale und Tabletten, Zäpfchen oder Spritzen für allgemeine Beschwerden.

Zur Behandlung werden Wirkstoffe eingesetzt, die den Ausbruch einer allergischen Reaktion verhindern beziehungsweise in seiner Stärke abschwächen (z.B. Antihistaminika, DNCG) oder die bereits ausgebrochene Reaktion mildern oder sogar abschwächen (z.B. Kortison).

Antihistaminika wirken dem Botenstoff der allergischen Reaktionen, dem Histamin, entgegen. Auf diese Weise lindern sie die Symptome wie Juckreiz, Hautausschlag und Schwellungen. Die Wirkung der Antihistaminika tritt sehr schnell ein, je nach Darreichungsform bereits nach Minuten. In seltenen Fällen kann es bei der örtlichen Anwendung zu Hautausschlag kommen. Außerdem können Antihistaminika Müdigkeit verursachen, selten kommt es zu Sehstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit.

Der Wirkstoff DNCG (Dinatriumcromoglycat) verhindert, dass Histamin im Körper freigesetzt wird. Es wirkt nur vorbeugend und nicht, wenn bereits Beschwerden bestehen. Aus diesem Grund muss es regelmäßig, das heißt bis zu viermal täglich, eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das entzündungshemmend wirkt und die Symptome einer Allergie sehr effektiv bekämpfen kann. Angewandt wird es bei lokalen Beschwerden in Form von Nasensprays oder Salben, bei allgemeinen Beschwerden auch als Tabletten, Zäpfchen oder Injektion. Bei der örtlichen Anwendung treten bei kurzzeitiger Anwendung nur selten Nebenwirkungen auf. Wird Kortison inhaliert, kann es zu Pilzinfektionen im Rachenraum kommen. Kortison zur Behandlung von Symptomen am Auge sollte nur im Ausnahmefall und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Sollte Kortison über Monate oder sogar Jahre hinweg in hoher Dosierung eingenommen werden, kann das Immunsystem geschwächt werden und dadurch häufiger Infektionen auftreten. Außerdem kann es zu Osteoporose (Knochenschwund), Bluthochdruck, Gewichtszunahme, Verschlechterung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern, erhöhtem Augeninnendruck sowie einer dünnen, pergamentartigen Haut kommen.

Alternative Therapiemöglichkeiten

Bei einigen allergischen Reaktionen, wie dem Heuschnupfen, sind neben der medikamentösen Therapie häufig auch Akupunktur und Homöopathie erfolgreich.

Bei der Akupunktur sind etwa sechs Behandlungen notwendig, um eine Besserung zu erreichen. Diese sollten jährlich wiederholt werden.

In der Homöopathie werden Allergien mit der Gegensensibilisierung (unspezifische Desensibilisierung), einer Sonderform der Eigenbluttherapie, behandelt. Hierfür wird etwas Blut entnommen und daraus in einem Speziallabor ein individuelles Medikament hergestellt. Dieses wird nach einem genauen Therapieplan in ansteigender Dosis gespritzt. Entscheidend ist hierbei, dass im Blut alle krankheitsbezogenen Reaktionsprodukte vorhanden sind. Die auslösenden Allergene müssen also nicht bekannt sein und auch unerkannte Allergene werden erfasst.

Allergie: Verlauf

Komplikationen

Die möglichen Komplikationen einer Allergie richten sich nach dem zugrunde liegenden Reaktionstyp. Sie können grundsätzlich von der Entwicklung einer chronischen Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung über Asthma bronchiale bis hin zu dauerhaften Organschäden oder in Einzelfällen ohne rechtzeitige Therapie zum Tod führen.

Prognose

Da es viele verschiedene, unterschiedlich stark ausgeprägte Allergieformen gibt, ist auch die Prognose für diese nicht einheitlich. Allergien können sich nach Jahren zurückbilden, vor allem, wenn der Kontakt zu den Allergenen vermieden wird. Auch ein gleichbleibendes Beschwerdebild über Jahre hinweg ist möglich.

Andererseits ist auch ein Wandel des auslösenden Allergens möglich, das heißt dass sich eine Pollenallergie später in eine Allergie gegen Konservierungsstoffe umwandeln kann.

Allergie: Vorbeugen

Erster Schritt, um einer allergischen Reaktion vorzubeugen, ist es, möglichst den Kontakt zu den entsprechenden Allergenen zu vermeiden (Expositionsprophylaxe). Je nach Art des Allergens, etwa bei Pollen oder Hausstaub, kann dies allerdings sehr schwierig sein.

Für Pollenallergiker bestehen vielfältige Möglichkeiten, sich über aktuelle Belastungen der Luft zu informieren. Telefonische Informationsdienste, Radio und Fernsehen, das Internet sowie viele Tageszeitungen bringen täglich aktualisierte Informationen zum Pollenflug verschiedener Pflanzen. In besonders schweren Fällen kann ein Orts- beziehungsweise Klimawechsel sinnvoll sein.

Auch bestimmte Berufe, wie Reinigungskräfte, Krankenpflegepersonal, Ärzte oder Friseure können eine Allergie auslösen oder verschlechtern. Da durch den häufigen Kontakt mit Wasser die natürliche Hautbarrierefunktion zerstört wird, können Allergene besser in die Haut eindringen und dort eine allergische Erstreaktion des Körpers hervorrufen. Spezielle Pflegeprodukte mit Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol, Urea, Sanddorn oder Aloe Vera können den natürlichen Säureschutzmantel der Haut stärken, für einen ausreichenden Feuchtigkeitsgehalt sorgen und so die Beschwerden lindern.

Allergiker sollten grundsätzlich nicht rauchen, weder aktiv noch passiv, und auf Nahrungsmittel ohne Zusatzstoffe achten. Säuglinge, deren Eltern an einer Allergie erkrankt sind, sollten – wenn möglich – mindestens bis zum sechsten Monat gestillt werden, um die Entwicklung einer Allergie möglichst hinauszuschieben.

Da Stadtkinder wesentlich häufiger an Allergien erkranken als Kinder, die auf dem Land groß werden und schon frühzeitig den zahlreichen Einflüssen von Gras-, Getreide- und Baumpollen sowie Tierhaaren und Tierausscheidungen ausgesetzt waren, muss bei Stadtkindern eine sinnvolle Vorbeugung schon in den ersten Lebensjahren einsetzen. Dazu gehört etwa das Spielen im Matsch oder etwas verschmutzter Umgebung oder ein Urlaub auf dem Land.

Sind ein oder mehrere Allergene genau identifiziert, stellt der Arzt einen Allergiepass aus, in dem alle Allergie auslösenden Stoffe aufgeführt sind. Außerdem wird beschrieben, worin diese enthalten sein können. Dies ist besonders für Medikamente und Nahrungszusatzstoffe (z.B. Konservierungsstoffe), aber auch für Kosmetikinhaltsstoffe, Gummibestandteile und andere wichtig. Besonders Allergiker, die bereits ernsthafte Komplikationen erlitten haben, sollten diesen Allergiepass und ihre Notfallmedikamente immer bei sich führen.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Allergie Centrum Charité
Das Allergie-Centrum-Charité ist eine gemeinsame Einrichtung der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie im Campus Virchow. Dort finden Sie viele weiterführenden Informationen zum Thema Allergien..

Allum – Allergie, Umwelt und Gesundheit
Das Informationsangebot der Kinder- und Jugendärzte richtet sich an Eltern, betroffene Familien und Patienten, die sich über allergische Erkrankungen und ihre Auslöser, Umweltschadstoffe, ihre Wirkung auf die Gesundheit sowie über sinnvolle Vorbeugungsmaßnahmen informieren wollen.

urtikaria.net
Stichwort: Nesselsucht – In Deutschland leiden rund 800.000 Menschen an Chronischer Urtikaria, einer häufigen Hauterkrankung, die durch Quaddeln und/oder Schwellungen der Haut sowie starken Juckreiz gekennzeichnet ist. Auf www.urtikaria.net finden Betroffene und Angehörige umfassende Informationen zu Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Urtikaria.

Buchtipps:

Hobbythek Allergien

buch_hobbythek_allergien.jpgvgs Verlagsgesellschaft, 2003 Allergien – ca. 20 bis 30 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Dieses Buch erklärt, was man tun kann, um allergiefördernde Faktoren aus dem Umfeld von Allergikern zu beseitigen, warum besonders Kinder betroffen sind, und wie man ihnen helfen kann, damit zu leben. Es gibt Tipps zur immunsystemstärkenden Ernährung und enthält zahlreiche Rezepte zur Herstellung von chemiefreien, symptomunterdrückenden Mitteln.

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Akutes Nierenversagen (ANV)

Unter akutem Nierenversagen (ANV) versteht man eine vorübergehende (reversible), plötzlich auftretende, unzureichende oder völlig ausgefallene Nierenfunktion mit normaler, verminderter oder fehlender Harnproduktion.

Die Behandlung des akuten Nierenversagens zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursache zu beseitigen. Begleitend können Elektrolytentgleisungen oder Störungen des Wasserhaushalts (Ödembildung, Lungenödem) symptomatisch behandelt werden.

Wenn das akute Nierenversagen rechtzeitig behandelt und die auslösenden Ursachen beseitigt werden, ist die langfristige Prognose. In den meisten Fällen kann die Nierenfunktion komplett wiederhergestellt werden.

Akutes Nierenversagen: Definition

Unter akutem Nierenversagen (ANV) versteht man eine vorübergehende (reversible), akut auftretende unzureichende oder völlig ausgefallene Nierenfunktion mit normaler, verminderter oder fehlender Harnproduktion. Abzugrenzen davon ist eine irreversible, also nicht mehr behandelbare Abnahme des Glomerulumfiltrats, welche als chronisches Nierenversagen bezeichnet wird. Die Häufigkeit des akuten Nierenversagens beträgt etwa zehn Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Eine fehlerhafte Nierenfunktion, ob akut oder chronisch, wird auch als Niereninsuffizienz bezeichnet.

Funktion der Niere

Die Nieren sind zwei paarig angelegte Organe, die sich beidseits der Wirbelsäule etwa in Höhe der unteren Rippen befinden. Zusammen wiegen die Nieren etwa 300 Gramm.

Die Funktionen der Nieren sind, den Flüssigkeitshaushalt, den Elektrolyt- und den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren, den Blutdruck zu kontrollieren und Erythropoetin zu bilden. Erythropoetin ist ein körpereigenes Hormon, welches die Bildung der roten Blutkörperchen stimuliert.

Die Nieren, vor allem der außen gelegene Teil (Nierenrinde), sind stark durchblutet. In der Nierenrinde befinden sich viele kleine Blutgefäßknäuel, die so genannten Glomeruli. In den Glomeruli ist die Blutgefäßwand für verschiedene Bestandteile des Bluts durchlässig. Während Blutzellen, beispielsweise rote und weiße Blutkörperchen sowie Bluteiweiß (Plasmaalbumin), nicht aus dem Blutgefäß austreten können, passieren Glukose, Harnstoff, Elektrolyte und Wasser die Gefäßwände und werden in so genannten Tubuli aufgefangen. Die in den Tubuli gesammelte Flüssigkeit wird als Primärharn bezeichnet. Pro Minute werden auf diese Weise etwa 125 Milliliter Primärharn gebildet. Dies entspricht fast 180 Litern pro Tag.

Die Tubuli verlaufen geschlängelt durch die Nierenrinde und das zur Nierenmitte angrenzende Mark. Auf diesem Weg werden viele Bestandteile des Primärharns und fast die gesamte Flüssigkeit wieder resorbiert und bleiben dem Körper damit erhalten. Dies führt zu einer Konzentrierung des Primärharns, aus dem dadurch der eigentliche Harn (Urin) wird. Der menschliche Körper scheidet nur etwa 1,4 Liter Wasser pro Tag mit dem Harn aus. Umgekehrt werden weitere Substanzen in den Tubuli zusätzlich in den Harn abgegeben. Dadurch kann zum Beispiel der Säure-Basen-Haushalt des Organismus reguliert werden. Substanzen, die der Körper mit dem Urin ausscheiden muss, um ihre übermäßige Konzentration im Organismus zu verhindern, werden als harnpflichtige Substanzen bezeichnet. Wichtige harnpflichtige Substanzen sind Kreatinin und Harnstoff.

Akutes Nierenversagen: Ursachen

Verschiedene Ursachen können die Nierenfunktion beeinträchtigen und zu einer Abnahme des Glomerulumfiltrats, also des Primärharns, und somit zu einer Niereninsuffizienz führen. Je nach Ursache teilt man dabei das akute Nierenversagen (ANV) ein in:

  • prärenales ANV: Ursachen „vor“ der Niere, also im Kreislaufsystem. In 70 bis 80 Prozent der Fälle von ANV handelt es sich um prärenale Ursachen. Dabei führen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine Blutvergiftung (Sepsis) oder Wasser- und Elektrolytverluste (Erbrechen, Durchfall) zu einer mangelhaften Durchblutung und somit verminderter Sauerstoffversorgung der Niere. Das Nierengewebe kann nicht mehr ausreichend Giftstoffe und Wasser filtern und die Filterfunktion versagt.
  • renales ANV: Ursachen im Nierengewebe. Das Nierengewebe kann aufgrund von Durchblutungsstörungen oder Giftstoffen (z.B. Medikamente) geschädigt und so in seiner Funktion gestört sein.
  • postrenales ANV: Ursachen „nach“ der Niere (Nierenbecken, Harnleiter, Blase, Harnröhre). Dabei handelt es sich vorwiegend um Behinderungen im Urinfluss durch verengte Harnwege. Ursachen hierfür können Nieren-, Harn- oder Blasensteine sein sowie Tumoren oder eine Prostatavergrößerung. Der so entstehende Urinstau schädigt das Nierengewebe.

Akutes Nierenversagen: Symptome

Ein akutes Nierenversagen (ANV) äußert sich je nach Stadium durch unterschiedliche Beschwerden. Aussagekräftig ist meistens die Urinmenge, die je nach Stadium deutlich von der normalen Menge von 1 bis 1,5 Liter pro Tag abweicht.

Stadium I:
Im ersten Stadium des akuten Nierenversagens werden es die Nieren aufgrund einer Grunderkrankung (prärenal, renal oder postrenal) geschädigt. Die Urinmenge beträgt etwa 500 Milliliter pro Tag.

Stadium II:
Innerhalb von neun bis elf Tagen verringert sich die Harnmenge deutlich auf unter 500 Milliliter pro Tag (Oligurie). Im Urin können Eiweiß und Blut nachgewiesen werden. Begleitende Symptome des zweiten Stadiums können sein:

Stadium III:
Im dritten Stadium des akuten Nierenversagens kommt es innerhalb von zwei bis drei Wochen zu einer übermäßigen Harnausscheidung von über zwei Litern pro Tag.

Stadium IV:
Stadium vier des ANV bezeichnet das Abheilen. Die Nierenfunktion wird weitestgehend wieder hergestellt, kann jedoch eingeschränkt bleiben. Die Harnmenge normalisiert sich auf 1 bis 1,5 Liter pro Tag.

Kommt es durch den Rückstau des Urins zu einer Harnvergiftung (Urämie) können folgende Symptome auftreten:

Akutes Nierenversagen: Diagnose

Das akute Nierenversagen (ANV) lässt sich anhand verschiedener Parameter diagnostizieren. Im Blut sind beispielsweise erhöhte Kreatinin- und Harnstoffwerte Zeichen für eine Nierenschädigung.

Das Stadium des akuten Nierenversagens lässt sich über die ausgeschiedene Urinmenge bestimmen:

  • Stadium I: etwa 500 Milliliter pro Tag
  • Stadium II: weniger als 500 Milliliter pro Tag
  • Stadium III: mehr als 2.000 Milliliter pro Tag

Mit einer Ultraschalluntersuchung können Lage, Größe und Beschaffenheit der Nieren beurteilt werden. Eine Gewebeprobe (Nierenbiopsie) kann Aufschluss über verändertes Nierengewebe geben. Außerdem können Verschlüsse in den Harnwegen mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erkannt werden.

Akutes Nierenversagen: Therapie

Die Therapie des akuten Nierenversagens (ANV) besteht darin, die auslösenden Ursachen zu beseitigen und gleichzeitig die Symptome oder Komplikationen der Nierenfunktionsstörung zu lindern. Am Wichtigsten ist es, die Ursache zu erkennen und zu behandeln, um die natürliche Filterfunktion der Nieren wieder herzustellen.

Therapie der auslösenden Ursache

Bei prärenalem ANV, also akutem Nierenversagen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, steht die Wiederherstellung einer guten Nierendurchblutung im Vordergrund. Dazu wird der Kreislauf mit Medikamenten oder Infusionen stabilisiert und normalisiert.

Bei renalem ANV, also Veränderungen im Nierengewebe, muss die Ursache der Schädigung beseitigt werden. Bei medikamentenbedingtem ANV wird das ursächliche Medikament abgesetzt, eventuell unter Gabe eines Gegenmittels.

Dem postrenalem ANV, also Ursachen in den Harnwegen, muss die Harnabflussbehinderung, wie beispielsweise Harnsteine, beseitigt werden.

Konservative Therapie

Mit Medikamenten wie Furosemid wird die Harnausscheidung gesteigert. Gleichzeitig sollte im zweiten Stadium, in dem nur wenig Urin ausgeschieden wird, die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt werden, um eine Überwässerung zu verhindern. Wichtig ist der Augleich von Elektrolytentgleisungen (Kalium, Kalzium, Natrium, Phosphat), um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Im dritten Stadium (erhöhte Urinproduktion) ist ein Flüssigkeitsersatz für die ausgeschiedene Urinmenge lebenswichtig.

Dialyse

Falls eine konservative Therapie nicht ausreicht, muss die Nierenfunktion vorübergehend mit technischen Hilfsmitteln ersetzt werden (Dialyse). Zu diesem Zweck wird aus einer Vene, meistens der Armvene oder seltener der Oberschenkelvene, Blut mittels eines Katheters entnommen und über Schläuche und Pumpen in ein System von halbdurchlässigen Membranen geleitet. Auf der anderen Seite dieser Membranen fließt genau dosiert eine salzhaltige Flüssigkeit (Dialysat) dem Körper zu. Über die Membran gelangen die aus dem Blut auszuscheidenden Substanzen in die Salzlösung und werden über diese ausgeschieden.

Nach Passieren des Membransystems wird das gereinigte Blut in die gleiche Vene zurückgeleitet, jedoch herznäher als die Entnahmestelle.

Die vorgestellte Reinigung des Bluts mittels semipermeabler Membranen und dem Dialysat wird als extrakorporale (außerhalb des Körpers) Dialyse bezeichnet. Die extrakorporale Dialyse muss so lange erfolgen, wie der Funktionsverlust der eigenen Nieren dies erfordert. In besonders schweren Fällen kann eine Nierentransplantation nötig sein.

Akutes Nierenversagen: Verlauf

Die Prognose des akuten Nierenversagens (ANV) ist eng mit der Grunderkrankung verknüpft, die für die Krankheit verantwortlich ist. Bei prärenalem und postrenalem ANV kann nach rechtzeitiger Beseitigung der Ursache die Nierenfunktion meist vollkommen wiederhergestellt werden. Bei renalem ANV ist die Prognose schlechter, da das Nierengewebe direkt angegriffen und zerstört wird. Diese Form der Nierenschädigung geht häufiger in ein chronisches Nierenversagen über.

Akutes Nierenversagen: Vorbeugen

Dem akuten Nierenversagen (ANV) kann vorgebeugt werden, indem bestehende Nierenerkrankungen oder mögliche Ursachen wie Bluthochdruck rechtzeitig behandelt werden. Außerdem sollte die dauerhafte Einnahme von Medikamenten mit dem Hausarzt besprochen beziehhungsweise weitgehend vermieden werden.

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Übersäuerung (Azidose)

Von einer Übersäuerung (Azidose) spricht man, wenn der pH-Wert im Blut unter einen Wert von 7,36 sinkt. Im Normalfall liegt dieser Wert zwischen 7,36 und 7,44.

Es gibt zwei Formen der Übersäuerung: die metabolische und die respiratorische Azidose. Die Diagnose erfolgt über die Blutgasanalyse. Neben diesen Formen der akuten Azidose kann es infolge falscher Ernährung zur chronischen Übersäuerung kommen. In diesem Fall bleibt der Blutwert stabil, überschüssige Säuren lagern sich im Bindegewebe an.

Eine akute Übersäuerung ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom anderer Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder chronischen Nierenerkrankungen.

Akute Übersäuerung: Definition

Um zu funktionieren benötigt der Körper Energie. Diese wird dem Körper über die Nahrung zugeführt und über verschiedene Stoffwechselvorgänge für Muskeln und Organe nutzbar gemacht. Im Laufe des Stoffwechsels fallen außerdem Abfallprodukte an, welche über Nieren, Leber, Haut, Lunge und Darm ausgeschieden werden. Da einige der Abfallprodukte stark sauer sind, müssen sie bis zur Ausscheidung neutralisiert werden.

Für gewöhnlich sorgen verschiedene Puffersysteme für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt und halten zum Beispiel den pH-Wert im Blut zwischen 7,36 und 7,44. Von einer akuten Übersäuerung (Azidose) spricht man, wenn der pH-Wert im Blut unter einen Wert von 7,36 sinkt.

Akute Übersäuerung: Ursachen

Man unterscheidet zwischen respiratorischer und metabolischer Übersäuerung (Azidose).

Ursache für die respiratorische Azidose ist eine zu geringe Abatmung von Kohlendioxid (CO2). Das saure Kohlendioxid lagert sich in Form von Bikarbonat im Körper an. Ursache können beispielsweise Lungenfunktionsstörungen wie sein, wie:

Bei der metabolischen Azidose kommt es zu einer zu hohen Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut, sodass die Puffersysteme überlastet werden und der pH-Wert schlagartig sinkt. Diese Form der akuten Übersäuerung ist häufig lebensbedrohlich. Ursachen für eine metabolische Azidose können sein:

Akute Übersäuerung: Symptome

Die häufigere respiratorische Azidose äußert sich durch Atemnot und blaugefärbte Lippen. Die Nieren versuchen, die Übersäuerung zu kompensieren, wodurch es zu vermehrter Wasserausscheidung kommt.

Bei der selteneren metabolischen Azidose ist die Atmung ungewöhnlich tief und verlangsamt (sog. Kussmaulatmung). Ist ein Diabetes mellitus Ursache für die Übersäuerung, kann der Atem nach Azeton riechen.

Akute Übersäuerung kann außerdem durch Senkung des Blutdrucks, Atemnot und Herzrhythmusstörungen zu schwerer Bewusstlosigkeit führen.

Akute Übersäuerung: Diagnose

Eine akute Übersäuerung (Azidose) kann mittels einer Blutgasanalyse festgestellt werden. Hierbei werden der Säure-Basen-Haushalt des Bluts gemessen sowie die Partialdrücke von Sauerstoff und Kohlendioxid. Respiratorische und metabolische Übersäuerung können durch die Bikarbonatwerte (niedrig = metabolisch) und den Kohlendioxid-Partialdruck (hoch = respiratorisch) im Blut unterschieden werden.

Eine chronische Übersäuerung des Gewebes kann über Teststreifen diagnostiziert werden, die den pH-Wert des Urins messen.

Akute Übersäuerung: Therapie

Bei Diabetikern kann die metabolische Azidose durch Insulin zumindest verbessert werden. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken. Liegt der Übersäuerung eine chronische Nierenerkrankung zugrunde, kann eine Dialyse notwendig sein. Außerdem können die natürlichen Puffersysteme durch Einnahme von Natriumhydrogencarbonat unterstützt werden. Langfristig sollte außerdem die Ernährung umgestellt werden.

Bei der respiratorischen Azidose wird akut die Atemfrequenz gesteigert, in schweren Fällen muss beatmet werden.

Allgemein ist es wichtig, bei akuter Übersäuerung die Grunderkrankungen zu therapieren.

Akute Übersäuerung: Verlauf

Müssen die Puffersysteme bei einer Übersäuerung (Azidose) pausenlos arbeiten, werden vermehrt Mineralsalze und Phosphate aus den Knochen gelöst, um die Säuren zu neutralisieren. Dies kann auf Dauer zu Osteoporose (Knochenschwund) führen. In Folge einer Übersäuerung kann es außerdem zu folgenden Erkrankungen kommen:

Akute Übersäuerung: Vorbeugen

Einer Übersäuerung (Azidose) kann man durch eine ausgeglichene Ernährung und genügend Bewegung vorbeugen. Außerdem sollte die Trinkmenge stimmen (ca. zwei Liter täglich). Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert und auf Nikotin vollständig verzichtet werden.

Weitere Informationen

Linktipps:

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Akute Bronchitis

Bei der akuten Bronchitis handelt es sich um eine akute Entzündung der Bronchien, die meist im Rahmen einer Virusinfektion auftritt und unkompliziert verläuft.

Hauptsymptom ist der mitunter quälende Husten. Die Therapie der der akuten Bronchitis besteht in der Einnahme schleimlösender Mittel, zur Bekämpfung des Hustenreizes stehen medikamentöse Hustenstiller zur Verfügung. In manchen Fällen ist auch die Einnahme von Antibiotika notwendig. Komplikationen können vor allem durch den Übergang in eine Lungenentzündung oder chronische Bronchitis entstehen.

Bronchie

Darstellung der Lunge: Bronchien und Lappen

Akute Bronchitis: Definition

Unter der akuten Bronchitis versteht man eine Entzündung der Schleimhäute in den unteren Atemwegen. Betroffen sind meistens die größeren Atemwege (Bronchien). Die Entzündung kann sich jedoch von der Luftröhre (Tracheobronchitis) bis hin zu den kleinen Atemwegen (Bronchiolen) ausbreiten. Die akute Bronchitis wird vorwiegend durch Viren ausgelöst, aber auch Bakterien oder Umwelteinflüsse (Luftverschmutzung, Zigarettenrauch) können einen Einfluss auf die Enstehung haben.

Häufigkeit

Akute Infektionen der oberen Atemwege, zu denen auch die akute Bronchitis gehört, sind die häufigsten Erkrankungen überhaupt. Eine Häufung von Bronchitiden und anderen Erkältungskrankheiten gibt es vor allem im Frühjahr und im Herbst.

Akute Bronchitis: Ursachen

Häufigste Ursache einer akuten Bronchitis ist der Befall mit Viren (ca. 90%). Bei Erwachsenen wird die Erkrankung meist durch Influenza- (Grippe), Parainfluenza-, Rhino- und Adenoviren ausgelöst. Kinder werden am häufigsten von so genannten RS- (Respiratory Syncitial Virus), Adeno-, Coxsackie- und Echoviren befallen. Auch im Rahmen einer Erkrankung an Masern kann eine akute Bronchitis auftreten.

Eine Infektion der Bronchien durch Bakterien ist eher selten. Meist handelt es sich dabei um eine Sekundärinfektion, bei der sich die Bakterien auf die durch Viren vorgeschädigte Bronchialschleimhaut aufsetzen. Häufigste Erreger der bakteriellen Bronchitis sind Streptokokken, Haemophilus influenzae, Mykoplasma pneumoniae und Moxarella catarrhalis bei Erwachsenen, sowie Chlamydien bei Kleinkindern und Säuglingen. Eine akute Bronchitis kann darüber hinaus als Begleiterkrankung bei Keuchhusten auftreten.

Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem kommt es in seltenen Fällen auch zu akuten Infektionen der Bronchien mit Pilzen.

Akute Bronchitis: Symptome

Eine akute Bronchitis geht in der Regel mit typischen Erkältungssymptomen einher:

  • Fieber
  • Husten, der vor allem in den Morgenstunden auftritt
  • manchmal ein Brennen hinter dem Brustbein
  • Gliederschmerzen
  • Brennen in den Augen
  • Schnupfen
  • Heiserkeit

Der anfangs trockene Reizhusten löst sich nach einigen Tagen, und der Betroffene produziert beim Abhusten weißlichen Schleim. Wird die durch die Viren geschädigte Bronchialschleimhaut zusätzlich mit Bakterien besiedelt, kommt es zu gelblich-grünem Auswurf und zu einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens. Spätestens jetzt sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Er kann in diesem Stadium beim Abhören von Lunge und Bronchien so genannte „Rasselgeräusche“ feststellen. Sie entstehen durch lockeren, abhustbaren Schleim in den Bronchien. Wenn sich der Schleim festgesetzt hat, entsteht oft ein Pfeifen über der Lunge.

In langwierigen Fällen können vereinzelt blutige Beimischungen zum abgehusteten Schleim auftreten. Diese werden durch kleine Verletzungen der Schleimhäute aufgrund ständigen Hustens ausgelöst und sind meist harmlos. Dennoch sollte in jedem Fall mit einem Arzt darüber gesprochen werden, der dann entscheidet, ob weitere diagnostische Maßnahmen wie Röntgen der Lunge notwendig sind.

Akute Bronchitis: Diagnose

Klinische Untersuchung

Die Diagnose der akuten Bronchitis wird in der Regel anhand der Krankengeschichte (Anamnese) und des Befunds beim Abhören von Lunge und Bronchien gestellt. Meist erfolgt zusätzlich eine Untersuchung der Ohren, des Mund-, Nasen- und Rachenraums sowie der Lymphknoten im Halsbereich.

Laboruntersuchung

Bei Fieber und eitrigem Auswurf wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, um zu entscheiden, ob eine antibiotische Therapie notwendig ist oder nicht. Eine leichte Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und eine Verminderung der Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie) sprechen für einen Virusinfekt. Eine deutliche Erhöhung der BSG mit einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) zeigen dagegen das Vorliegen einer bakteriellen Infektion an.

Bei schwereren Krankheitsverläufen werden eine bakteriologische Untersuchung des abgehusteten Schleims sowie ein Abstrich von Rachen- und Nasenschleimhaut durchgeführt. Auf diese Weise lässt sich die Art der Krankheitserreger feststellen, sodass anschließend eine gezielte antibiotische Therapie durchgeführt werden kann.

Röntgen der Lunge

Klingen die Krankheitssymptome nicht ab oder verschlechtern sich sogar, besteht der Verdacht, dass die akute Bronchitis in eine Lungenentzündung übergegangen ist. In diesem Fall muss eine Röntgenuntersuchung der Lunge erfolgen. Auch wenn ein Patient blutigen Schleim abhustet, kann eine Röntgenaufnahme gerechtfertigt sein, um das Vorliegen bösartiger Lungen- oder Bronchialtumoren auszuschließen.

Akute Bronchitis: Therapie

Im schwachen Stadium einer Bronchitis kann meist auf Medikamente verzichtet werden. Bei hohem Fieber, eitrigem Auswurf und Zunahme der Beschwerden sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden. Um die Beschwerden zu lindern, können – auch parallel zu einer medikamentösen Therapie – folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Schonen, auf keinen Fall überanstrengen. Leichte körperliche Betätigung fördert das Abhusten.
  • Ausreichend trinken, z.B. Wasser oder heißen Tee
  • Inhalationen mit Kamille oder Salz. Ätherische Öle sind nicht wesentlich wirksamer und können starken Hustenreiz und Allergien auslösen.
  • Warme und feuchte Brustwickel für ca. 20 Minuten, danach intensiv abtrocknen, anschließend Bettruhe.
  • Ein heißes Bad mit anschließendem Schwitzen unter gut wärmenden Decken, dazu warme Getränke wie Zitronen- oder Fliederbeerensaft.
  • Ältere, vor allem bettlägerige Menschen sollten regelmäßig am Rücken abgeklopft werden.

Medikamentöse Therapie

Schleimlösende Mittel (Mucolytica)

Um den Husten zu lösen, können schleimlösende Mittel wie Acetylcystein, Ambroxol u.a. in Form von Säften oder Pillen eingenommen werden.

Schmerz- und Fiebermittel

Bei hohem Fieber können fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Acetylsalizylsäure (ASS) verabreicht werden. Es sollte jedoch bedacht werden, dass Fieber eine natürliche Reaktion des Immunsystems auf einen Infekt ist und deshalb nicht um jeden Preis unterdrückt werden sollte.

Hustenstiller

Bei trockenem, lästigem Reizhusten können codeinhaltige Medikamente oder Noscapin verschrieben werden. Allerdings sind solche „Hustenstiller“ nur kurzfristig und in Ausnahmefällen einzunehmen. Sie unterdrücken den Hustenreiz und damit das natürliche und gewollte Abhusten des Schleims. Bei zu häufigem Gebrauch von hustenstillenden Medikamenten setzt sich der Schleim in den Bronchien fest und kann eine Lungenentzündung auslösen.

Antibiotische Therapie

Beim Nachweis einer bakteriellen Infektion wird eine antibiotische Therapie durchgeführt. Hierfür werden standardmäßig Aminopenicillin oder Cephalosporine verwendet, bei einer Infektion mit Mykoplasmen auch Makrolide. Die Behandlung mit Antibiotika ist auch nötig, wenn sich der Allgemeinzustand wesentlich verschlechtert und hohes Fieber bzw. massiver eitriger Auswurf auftreten. Ansonsten sollte eine akute Bronchitis nur im Ausnahmefall bei abwehrgeschwächten älteren Menschen oder bei Personen mit schweren Zweiterkrankungen antibiotisch behandelt werden.

Antibiotische Therapie bei der unkomplizierten Bronchitis

Abwehrgeschwächte ältere Menschen sowie Patienten mit geschwächter Immunabwehr infolge anderer Erkrankungen, z.B. bei HIV-Infektionen, werden auch bei viraler akuter Bronchitis mit einem Antibiotikum behandelt. Dies soll verhindern, dass eine Sekundärinfektion mit Bakterien entsteht, die bei Immunschwäche lebensbedrohlich verlaufen kann. Auch Menschen mit einer künstlichen Herzklappe müssen grundsätzlich antibiotisch behandelt werden, da sich Bakterien über das Blut ins Herz ausbreiten und an der künstlichen Herzklappe festsetzen können.

Kortisontherapie bei Reizhusten

Anhaltender starker Reizhusten wird vor allem bei Personen, deren Bronchien bereits vorgeschädigt sind, mit Kortisonspray behandelt. Bei leichtem Reizhusten ist diese inhalative Therapie allerdings nicht nötig.

Akute Bronchitis: Verlauf

Bei ansonsten gesunden und abwehrstarken Patienten heilt eine akute Bronchitis in der Regel folgenlos aus. Auch die bakterielle Sekundärinfektion lässt sich in den meisten Fällen durch entsprechende Medikamente problemlos eindämmen.

Komplikationen

Komplikationen einer akuten Bronchitis können vor allem bei älteren und abwehrgeschwächten Patienten auftreten. So besteht die Gefahr, dass die akute Bronchitis in eine Lungenentzündung oder chronische Bronchitis übergeht. Bei Kleinkindern kann sich eine Bronchiolitis entwickeln, bei der die kleinsten Anteile der Atemwege (Alveolen) entzündet sind, was mitunter narbige Veränderungen in der Lunge hinterlässt. Dies kann später zu chronischen Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) führen.

Eine einfache, akute Bronchitis sollte nicht länger als acht bis zehn Tage andauern. Bei längerem Krankheitsverlauf wird empfohlen, den Hausarzt aufzusuchen. Er wird weitere diagnostische Maßnahmen veranlassen, um ernstere Erkrankungen auszuschließen.

Akute Bronchitis: Vorbeugen

Allgemeine Maßnahmen

Maßnahmen, die 100%igen Schutz vor einer akuten Bronchitis bieten, sind nicht bekannt. Eine gesunde Lebensführung, ausgewogene Ernährung, Verzicht aufs Rauchen und regelmäßige körperliche Betätigung stärken jedoch die Abwehrkräfte. Infektanfälligen Kindern, die wiederkehrend unter akuter Bronchitis leiden, wird häufig ein Kuraufenthalt empfohlen.

Grippe-Schutzimpfung

Vor allem für Personen jenseits des 60. Lebensjahrs, sowie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer anderen Erkrankung, etwa einer chronischen Lungen-, Herzkreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankung, der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder AIDS, wird die Schutzimpfung gegen Grippe empfohlen. Auch gesunde Menschen, die aus beruflichen Gründen ein hohes Ansteckungsrisiko haben, z.B. medizinisches Personal, sollten sich impfen lassen. Seit den ersten Übertragungsfällen von Vogelgrippe auf den Menschen in asiatischen Ländern wird die Grippeschutzimpfung auch für Personen empfohlen, die einer erhöhten Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln ausgesetzt sind.

Die Schutzimpfung gegen Grippe muss jedes Jahr erneut durchgeführt werden, da sich die Grippeerreger von Jahr zu Jahr ändern können.

Wer sollte sich impfen lassen?

  • Personen jenseits des 60. Lebensjahrs
  • Patienten mit Immunschwäche durch Erkrankungen wie AIDS oder Autoimmunerkrankungen
  • Patienten mit chronischen Herz- und Lungenerkrankungen
  • Patienten mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Patienten, denen die Milz entfernt wurde
  • Bettlägerige Patienten
  • Patienten mit häufigen Erkrankungen der Atemwege
  • Patienten, die sich wegen eines Krebsleidens einer Chemotherapie unterziehen müssen
  • Personen, die aus beruflichen Gründen ein hohes Ansteckungsrisiko haben

Pneumokokken-Schutzimpfung

Von ebenso großer Bedeutung wie die Grippe-Schutzimpfung ist die Impfung gegen Pneumokokken. Hierbei handelt es sich um Bakterien, die eine Lungenentzündung hervorrufen können. Die Impfung gegen Pneumokokken wird für Personen jenseits des 60. Lebensjahrs, für Säuglinge bis zum 24. Lebensmonat sowie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an einer schweren Grunderkrankung leiden, empfohlen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Akute Bronchitis”:

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