Gutartige Brusttumoren

Gutartige Tumoren der Brust treten bevorzugt in jungen Jahren auf. Es gibt unterschiedliche gutartige Tumoren und tumorartige Veränderungen:

  • Fibroadenome: derbe, gut tastbare Bindegewebswucherung
  • Lipome: Wucherungen der Fettgewebszellen
  • Phylloidestumor (Cystosarcoma phylloides)
  • Intraduktales Papillom (Milchgangspapillom)
  • Adenome der Brust (Mamma) und der Brustwarze (Mamille)

Manchmal kann die Frau selbst oder der Frauenarzt den Tumor bereits ertasten. Mit Ultraschall (Sonographie) oder einer Mammographie kann die Geschwulst in Größe und Form dargestellt werden. Wird der Tumor entfernt oder eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie), wird er mikroskopisch untersucht, vor allem um einen bösartigen Tumor (Brustkrebs) auszuschließen.

Gutartige Brusttumoren werden häufig operativ entfernt.

Gutartige Brusttumoren: Definition

Es gibt eine Reihe von gutartigen (benignen) Tumoren der Brust (Mamma). Im Gegensatz zu den bösartigen (malignen) Tumoren handelt es sich dabei nicht um Brustkrebs.

Ein Fibroadenom entsteht durch eine polsterartige Wucherung des Bindegewebes. Es wächst dabei in Richtung der Drüsenlichtung und engt sie dadurch ein. Ein Fibroadenom ist ein derb und gut abgegrenzter Knoten, der nach einer Entnahme eine grau-weißliche Schnittfläche besitzt. Eine Sonderform ist das jugendliche, juvenile Fibroadenom. Die Tumoren wachsen langsam und erreichen meist die Größe einer Erbse oder Pflaume. Sie besitzen jedoch eine Wachstumstendenz in Zeiten der hormonellen Umstellung, also während der Pubertät, in der Schwangerschaft oder vor der Menopause.

Bei den Lipomen handelt es sich um Wucherungen der Fettgewebszellen.

Der Phylloidestumor wird auch als Cystosarcoma phylloides bezeichnet. Dieser gutartige Tumor kann gewaltige Ausmaße annehmen.

Das intraduktale Papillom wird auch als Milchgangspapillom bezeichnet. Es handelt sich um einen seltenen Tumor der Milchdrüsenausführungsgänge. Die Wucherung geht dabei von den Epithelien der Milchgänge aus. Der Tumor ist meist zentral unterhalb der Brustwarze (Mamille) im Sinus lactiferi, der Aufweitungen der großen Milchgänge kurz vor ihrer Mündung in die Mamille, gelegen.

Unter den Adenomen der Brust werden einige unterschiedliche Tumoren zusammengefasst. Sie wurden früher zu den Fibroadenomen oder zur Mastopathie gezählt und gelten heute aber als eigenständige Gruppe der gutartigen Tumoren.

Häufigkeit

Etwa 15 Prozent aller Frauen lassen sich im Laufe ihres Lebens wegen eines Knotens in der Brust untersuchen. Die Tendenz ist steigend. Das Verhältnis von gutartigen zu bösartigen Tumoren beträgt ca. 60:40.

Fibroadenome sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Brust. Sie treten in den meisten Fällen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, also in der Zeit nach der Pubertät und vor der Menopause. Bei 15 Prozent der Frauen treten die Tumoren beidseitig und/oder vielfach in Erscheinung. Das juvenile Fibroadenom tritt zwischen dem zwölften und 20. Lebensjahr auf.

Gutartige Brusttumoren: Ursachen

Wahrscheinlich begünstigen mehrere Faktoren die Entstehung eines gutartigen Brusttumors, z.B. eine Langzeittherapie mit Östrogenen. Ebenso scheinen ledige Frauen und solche, die keine Geburten hatten oder in hohen sozioökonomischen Verhältnissen leben, ebenfalls ein erhöhtes Risiko zu haben. Dagegen scheinen Frauen, die mehrere Kinder geboren, lange gestillt oder die Anti-Baby-Pille genommen haben, ebenso wie Raucherinnen und Frauen, die lange Zeit mit Gestagenen behandelt worden sind, seltener an einem gutartigen Brusttumor zu erkranken.

Gutartige Brusttumoren: Symptome

Fibroadenome machen meist keine Beschwerden und werden zufällig oder bei der Untersuchung der Brust getastet. Bei sehr dünnen Frauen und einem hautnahen Sitz des Fibroadenoms kann die Haut vom Tumor vorgewölbt sein. In der Schwangerschaft kann es zu Entzündungen und Schmerzen kommen, wenn die Umbauvorgänge während dieser Zeit zu einer mangelhaften Versorgung des Tumors führen.

Auch Lipome verursachen selten Beschwerden und fallen nur an sehr fettgewebsarmen Brüsten auf.

Phylloidestumoren sind meist gut zu ertasten. Die Oberfläche ist sehr unregelmäßig, was daran liegt, dass innerhalb des Tumors sehr unterschiedliche Prozesse stattfinden. Zysten und Erweichungen sind Teil des mikroskopischen Erscheinungsbilds. Da der Tumor sehr schnell wächst, kann er z.T. geradezu monströse Größen annehmen, aber der mittlere Durchmesser beträgt nur 5 cm. Der Tumor kann, wenn die Haut durch den ständigen Druck des Tumors ausgedünnt ist, blumenkohlartig nach außen durchbrechen.

Ein intraduktales Papillom neigt zu einer Galaktorrhoe, einem milchartigen Ausfluss aus der Brustwarze. Es kann jedoch auch zur Absonderung anderer Sekrete, z.T. auch blutigen, kommen. Der Tumor kann bis zu mehreren Zentimetern groß werden, ist jedoch aufgrund seiner weichen Konsistenz schwer als Tumor zu ertasten. Papillome, die nicht hinter der Brustwarze gelegen sind, fallen eventuell nur durch eine Galaktorrhö oder einen anderen Sekretausfluss auf.

Ein Adenom der Brustwarze (Mamille) ist meist nicht mehr als erbsengroß. Der Tumor kann die Mamille vorwölben bzw. zu Einziehungen derselben führen. Es kann zu blutiger Sekretion aus der Mamille kommen.

Das Adenom der Brust (Mamma) wird ca. drei bis vier Zentimeter groß. Es gibt eine Form, die dazu neigt, Sekret abzusondern (laktierendes Adenom), und eine andere, bei der dies nicht geschieht (tubuläres Adenom).

Gutartige Brusttumoren: Diagnose

Manchmal kann die Frau selbst oder der Frauenarzt den Tumor bereits ertasten. Mit Ultraschall (Sonographie) oder einer Mammographie kann die Form und Größe genau dargestellt werden. Wird der Tumor entfernt oder eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie), wird er mikroskopisch untersucht, vor allem um einen bösartigen Tumor (Brustkrebs) auszuschließen.

Bei Tumoren, die ein Sekret aus den Milchgängen absondern, z.B. beim intraduktalen Papillom, kann eine so genannte Galaktographie genaueren Aufschluss über die Lokalisation und Ausdehnung des Tumors geben. Die Galaktographie ist eine röntgenologische Kontrastdarstellung der Milchgänge, d.h. das Milchgangsystem wird mit Kontrastmittel gefüllt, das dann im Röntgenbild erkennbar ist und Veränderungen dieses Systems sichtbar macht.

Gutartige Brusttumoren: Therapie

Gutartige Brusttumoren werden häufig operativ entfernt.

Kleine, einseitige und einzelne Fibroadenome können belassen werden, sollten aber regelmäßig beim Frauenarzt kontrolliert werden. Das juvenile Fibroadenom wächst rasant und sollte deshalb so schnell wie möglich entfernt werden. Ansonsten verdrängt es leicht den normalen Drüsenkörper.

Wenn über die Gutartigkeit eines Lipoms Zweifel besteht, sollte man es operativ entfernen und durch anschließende mikroskopische und zytologische Diagnostik genauer abklären.

Der Phylloidestumor bildet fingerartige Ausläufer in das umliegende Brustgewebe, wodurch die komplette Entfernung schwierig ist und es häufig nach der Entfernung zu einer neuen Tumorbildung kommt. Der Tumor wird deshalb mit einem großen Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe operativ herausgeschnitten. Bei sehr großen Tumoren kann eine komplette Entfernung der Brust notwendig sein. Wenn in der Achselhöhle vergrößerte Lymphknoten tastbar sind, sollten diese mit entfernt werden. Ansonsten ist dies nicht nötig, da sich Phylloidestumoren im Allgemeinen nicht entlang der Lymphknoten ausbreiten.

Intraduktale Papillome werden operativ entfernt. In sehr seltenen Fällen, wenn z.B. verdächtige Zellen bei der mikroskopischen Untersuchung einer Gewebeprobe auffallen oder sehr viele einzelne Tumoren auftreten, kann eine komplette Brustentfernung nötig sein.

Adenome der Brust und der Brustwarze werden mit einem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt und anschließend mikroskopisch untersucht.

Gutartige Brusttumoren: Verlauf

Gutartige Brusttumoren haben im Allgemeinen eine gute Prognose, weil sie meist nicht sehr schnell wachsen und das umliegende Gewebe nicht zerstören. Auch bilden sie im Gegensatz zu den bösartigen Tumoren (Brustkrebs) keine Tochtergeschwülste (Metastasen).

Die Entartungstendenz beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem gutartigen Tumor ein bösartiger entsteht. Fibroadenome haben eine geringe Entartungstendenz von 0,5-1,5 Prozent. Frauen über 40 neigen dabei am ehesten zu einer Entartung, weshalb vor allem sie operiert werden sollten.

Papillome gehen zwar nicht so häufig (etwa fünf bis 17 Prozent) in einen bösartigen Tumor über, werden aber von einigen Medizinern als Vorstufe zum Krebs (sog. Präkanzerose) angesehen. Papillome, die mehrfach auftreten, haben ein wesentlich erhöhtes Risiko, bösartig zu werden, als einzeln vorkommende Papillome.

Auch die Prognose der Adenome ist gut. Die maligne Entartung ist äußerst selten. Nach einer operativen Entfernung treten erneute Tumoren (Rezidive) eigentlich nur dann auf, falls der Tumor nicht komplett entfernt wurde.

Gutartige Brusttumoren: Vorbeugen

Spezielle Möglichkeiten, um gutartigen Brusttumoren vorzubeugen, sind nicht bekannt.

Veröffentlicht in:  on Juli 28, 2008 at 8:44 Kommentar schreiben
Tags:

Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster)

Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) ist eine Virusinfektion, die mit Schmerzen, Empfindungsstörungen und Hautveränderungen im Versorgungsgebiet eines bestimmten Nerven einhergeht.

Ursache der Gürtelrose ist die Reaktivierung im Körper vorhandener Windpocken-Erreger (Varicella-Zoster-Viren). Die Gürtelrose tritt nur bei Menschen auf, die bereits an Windpocken erkrankt waren und somit das Virus in sich tragen. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen.

Die Gürtelrose äußert sich in Form kleiner Bläschen auf geröteter Haut, die auf einer Körperseite auftreten und von Schmerzen und Empfindungsstörungen begleitet werden. Eine Gürtelrose wird mit den Wirkstoffen Brivudin, Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir. Die Prognose für Herpes zoster ist gut, wenn keine Komplikationen auftreten.

Gürtelrose: Definition

Die Bezeichnung Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) leitet sich von der Anordnung der Hautveränderungen sowie der Schmerzausstrahlung ab, die im Allgemeinen gürtelförmig im Bereich des Brustkorbs oder Bauchraums auftreten.

Die Gürtelrose ist eine wenig ansteckende Erkrankung. Sie kann sporadisch bei Personen auftreten, die in ihrer Kindheit eine Windpocken-Infektion durchlebt haben.

Beide Erkrankungen, die Gürtelrose und die Windpocken, werden durch dasselbe Virus, das Varicella-Zoster-Virus (VZV), das auch als Humanes Herpes-Virus Typ 3 (HHV 3) bezeichnet wird, hervorgerufen. Windpocken sind eine typische Kinderkrankheit, die in der Regel eine lebenslange Immunität hinterlässt. Von einigen Ausnahmen abgesehen, erkrankt man kein zweites Mal an den Windpocken. Eine Gürtelrose ist die Folge einer Reaktivierung im Körper verbliebener Varicella-Zoster-Viren nach einer Windpockenerkrankung. Sie tritt fast ausschließlich im Erwachsenenalter, meist nach dem 45. Lebensjahr auf. Menschen mit einer Abwehrschwäche können auch mehrfach an einer Gürtelrose erkranken. Personen, die nicht an Windpocken erkrankt waren, können sich bei Betroffenen mit Gürtelrose mit dem Varicella-Zoster-Virus infizieren. Sie bekommen dann die Windpocken.

Häufigkeit

Pro Jahr erkranken 400 von 100.000 Personen neu an der Gürtelrose. Personen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem, erkranken häufiger.

Gürtelrose: Ursachen

Streng genommen handelt es sich bei der Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) um das zweite Auftreten von Windpocken (Zweitmanifestation).

Bei der Gürtelrose werden bereits im Körper vorhandene Varicella-Zoster-Viren (VZV) reaktiviert, das heißt es findet keine Zweitinfektion statt. Die Ursachen für diese Reaktivierung sind bisher noch nicht geklärt. Man hat jedoch beobachtet, dass Betroffene mit Störungen des Immunsystems, zum Beispiel bei AIDS oder Krebserkrankungen, auffallend häufig an einer Gürtelrose erkranken. Auch eine Neuinfektion mit dem Windpocken-Erreger sowie starker Stress oder seelische Belastungen können den Herpes zoster auslösen.

Erreger

Der Erreger der Windpocken sowie der Gürtelrose ist das Varicella-Zoster-Virus. Nach einer überstandenen Windpockenerkrankung wandert das Virus entlang der Nervenfasern zu den Spinalganglien oder den Hirnganglien. Dies sind Ansammlungen von Nervenzellen in der Nähe des Rückenmarks sowie des Gehirns. Dort kann das Varicella-Zoster-Virus über Jahre unbemerkt verbleiben. Eine Reaktivierung der im Körper verbliebenen Viren führt zu einer Gürtelrose, die immer auf das betroffene Nervenversorgungsgebiet beschränkt ist.

Übertragungsweg

Wer bereits eine Windpocken-Infektion durchgemacht hat, kann sich in der Regel nicht bei einer an Gürtelrose erkrankten Person anstecken.

Wer noch keinen Kontakt mit dem Windpocken-Virus hatten, kann jedoch durch eine an Gürtelrose erkrankte Person mit Windpocken angesteckt werden. In diesem Fall wird der Infizierte also an Windpocken erkranken, nicht an Gürtelrose.

Gürtelrose: Symptome

Im Gegensatz zu Windpocken, die den gesamten Körper befallen, bleibt die Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) örtlich begrenzt.

Die Gürtelrose beginnt mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl sowie Müdigkeit und leichtem Fieber. Nach zwei bis drei Tagen treten heftige, brennende Schmerzen und Empfindungsstörungen im Bereich des betroffenen Nervs auf. Bald darauf bilden sich in diesem Gebiet auf der Haut gruppenförmig angeordnete Knötchen. Sie wandeln sich in stecknadelkopfgroße bis erbsengroße Bläschen um. Diese Bläschen können eine wässrige oder blutige Flüssigkeit enthalten und zerfallen manchmal. Gelegentlich können diese Hautveränderungen auch fehlen. Man spricht dann vom Zoster sine herpete. Bei einer Gürtelrose am Körperstamm kann es auch zu Lähmungen kommen. Diese Form des Herpes zoster ist jedoch eher selten.

Haben die Viren in den Hirnnerven überdauert, kann eine Gürtelrose auch im Gesicht auftreten. Bei dem besonders häufigen Befall des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) sind Auge, Nase, Stirn und die behaarte Kopfhaut einer Gesichtshälfte betroffen. Wenn sich an der Horn- oder der Regenbogenhaut des Auges ein Geschwür bildet, kann es zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung kommen. Eine Gürtelrose im Bereich des Ohrs führt bei bis zu 60 Prozent der Fälle zu einer Gesichtslähmung (Fazialisparese), die sich nicht immer vollständig zurückbildet. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur kann auch bei einer Gürtelrose am Hals beobachtet werden.

Gürtelrose: Diagnose

Die Diagnose einer Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) ergibt sich aus der Patientenbefragung (Anamnese) sowie den typischen Symptomen.

Im menschlichen Körper bilden sich außerdem so genannte Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus (VZV). Deswegen kann im Blut eine erhöhte VZV-Antikörperzahl festgestellt werden. Eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquoruntersuchung) zeigt eine leichte Zunahme der Zellzahl und des Eiweißgehalts. Diese Untersuchung ist bei unkomplizierten Verläufen nicht notwendig. Treten jedoch Symptome wie Bewusstseinsstörungen oder Lähmungen auf, kann dies auf einen Gehirn- oder Rückenmarksbefall hinweisen. In diesem Fall sind Liquoruntersuchungen notwendig.

Da die Gürtelrose häufig bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auftritt, sollte außerdem auf Grund- und Begleiterkrankungen untersucht werden.

Gürtelrose: Therapie

Die Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) kann medikamentös mit Brivudin behandelt werden. Alternativ können Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir verabreicht werden. Brivudin, Aciclovir und Valaciclovir sind Virostatika, also Wirkstoffe, die gezielt gegen bestimmte Viren vorgehen. Die genannten Wirkstoffe gehören zur Klasse der Nukleosidanaloga, welche die Synthese der Viren-DNA hemmen.

Durch die frühzeitige Gabe von Nukleosidanaloga lassen bei den meisten Erkrankten schon innerhalb weniger Stunden die Schmerzen nach und die gerötete Haut blasst ab. Spezielle Puder und Lösungen können die akuten Beschwerden der Gürtelrose lindern.

Gürtelrose: Verlauf

Eine Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) verläuft bei Kindern im Allgemeinen gutartig. Eine Zoster-Erkrankung bei Erwachsenen kann jedoch mit starken Schmerzen verbunden sein, wenn es zu einer akuten Nervenentzündung (Neuritis) kommt.

Auch ohne Behandlung heilt eine Gürtelrose meist innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Nachdem die Hauterscheinungen verheilt sind, bleiben häufig hyper- oder depigmentierte Areale zurück, das heißt die Haut ist entweder stärker gebräunt oder verliert ihre Tönung.

Komplikationen

In seltenen Fällen kann es bei einer Gürtelrose zu bleibenden Lähmungen, zum Beispiel des Gesichts, aber auch des Zwerchfells, kommen. In einigen Fällen sind das Gehirn, die Hirnhäute oder das Rückenmark beteiligt. Man spricht dann von einer Zoster-Enzephalitis, Zoster-Meningitis oder Zoster-Myelitis. Bei einer Mitbeteiligung der Nervenwurzeln oder Nerven kann sich eine Polyneuropathie oder ein Guillain-Barré-Syndrom entwickeln. Bei diesem Krankheitsbild treten oft von den Beinen aufsteigende Muskelschwächen auf, die bis zu einer vollständigen Lähmung der Arme und Beine sowie zu einer Atemlähmung führen können. Treten Komplikationen am zentralen Nervensystem, also an Gehirn und Rückenmark, mit Halbseiten- oder mit Querschnittsyndromen auf, verläuft die Erkrankung meist tödlich.

Wenn sich der Herpes zoster auf den ganzen Körper und die inneren Organe ausbreitet, spricht man vom Zoster generalisatus. Er stellt eine lebensbedrohliche Komplikation der Gürtelrose dar und kann besonders bei Immunschwäche oder unter Therapie mit Immunsuppressiva auftreten.

In einigen Fällen halten die Nervenschmerzen im betroffenen Gebiet über längere Zeit an. Man spricht dann von einer Post-Zoster-Neuralgie oder postherpetischen Neuralgie. Eine rechtzeitige Schmerzbehandlung kann helfen, weitere Komplikationen zu verhindern. Als besonders effektiv für die Schmerztherapie hat sich dabei eine Kombination aus Schmerzmitteln (Analgetika) und Mitteln gegen psychische Erkrankungen (trizyklische Antidepressiva) erwiesen.

Prognose

Die Prognose der unkomplizierten Gürtelrose ist gut. Zwei Drittel der Erkrankungen heilen folgenlos ab. Die Häufigkeit und Dauer der Post-Zoster-Neuralgie hängt vom Alter der Betroffenen ab. Im Allgemeinen tritt sie bei zehn bis 15 Prozent der Erkrankten auf. Bei Personen, die älter als 60 Jahre sind, ist jedoch jeder zweite Erkrankte betroffen. Eine Post-Zoster-Neuralgie kann Monate bis Jahre andauern.

Gürtelrose: Vorbeugen

Bisher gibt es keine Möglichkeit, einer Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster) vorzubeugen. Kinder können jedoch gegen Windpocken geimpft werden.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Gürtelrose (Zoster, Herpes zoster)”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Buchtipps:

Therapie chronischer Schmerzen

Striebel, Hans Walter [Hrsg.]; Frank, Gerda buch_striebel_schmerzen.jpg208 Seiten, 2001 In einem knappen allgemeinen Teil werden die Physiologie des Schmerzes und die wichtigsten zur Verfügung stehenden Analgetika dargestellt. Im speziellen Teil werden Diagnostik, Therapie und Begleitmedikation bei chronischen „malignen“ Schmerzen nach den Empfehlungen der WHO und der Umgang mit krebskranken Patienten ausführlich beschrieben. Weitere Schwerpunkte sind Diagnostik und Therapie „gutartiger“ chronischer Schmerzsyndrome wie Migräne, Rückenschmerzen, Herpes zoster und Sympathische Reflexdystrophie.

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on at 8:43 Kommentar schreiben
Tags: ,

Grippe (Influenza)

Die Grippe (Influenza) ist eine plötzliche, im Winter gehäuft auftretende Viruserkrankung, die sehr unterschiedlich verlaufen kann. Ein milder Verlauf ist ebenso möglich wie eine gefährliche, lebensbedrohende Grippeerkrankung. Da auch eine Erkältung (grippaler Infekt) in der Mehrzahl durch Viren verursacht wird, ähneln sich anfangs die Beschwerden bei einer Erkältung und einer Grippe.

Unterschiede zeigen sich im Verlauf und in der Schwere des Krankheitsbilds. Typisch für die echte Grippe ist ein heftiger und plötzlicher Beginn. Mehrere Symptome treten gleichzeitig und intensiver auf, als man es von einer Erkältung gewohnt ist. Mindestens zwei der vier Kriterien – akuter Beginn, Husten, Fieber und Schmerzen – sprechen für eine Influenza. Das hohe Fieber von mehr als 39 Grad Celsius kann über Tage anhalten. Darüber hinaus kommt es bei der Grippe oft zu Schüttelfrost sowie Kopf-, Glieder-, Rücken- und Muskelschmerzen. Auch Luftnot und massive Erschöpfung weisen auf eine Virusgrippe hin, die oft mehr als drei Wochen bis zur endgültigen Ausheilung benötigt. Durch den geschwächten Zustand kommt es oft mehr oder weniger gleichzeitig auch zu bakteriellen Infektionen, welche die Beschwerden zusätzlich verschlimmern. Folgen einer schweren Influenza sind zum Beispiel Entzündungen des Nervensystems und der Lunge.

Vor allem bei Kleinkindern, älteren Personen und Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung beziehungsweise Immunschwäche kann die Grippe tödlich enden. In Deutschland sterben während einer Grippesaison jährlich mehrere tausend Menschen an den Folgen der Influenza. Eine unkomplizierte Grippe ist nach ein bis zwei Wochen im Allgemeinen ausgestanden. Im Vergleich zur Gesamtzahl der Grippe-Erkrankten ist der Anteil der tödlich verlaufenden Grippe eher gering. Dennoch sollte man die Grippe nie als harmlos ansehen.

Antibiotika sind bei Viruserkrankungen wirkungslos, daher werden diese bei Erkrankungen wie Grippe oder einem grippalen Infekt (Erkältung) nicht oder nur bei bakteriellen Zweitinfektionen (Superinfektionen) angewandt. Allgemeine Maßnahmen (Dampfinhalationen, warme Getränke, Wickel, etc.) helfen, die Beschwerden zu lindern. Die Ursachen der Grippe können nur medikamentös mit speziellen Virostatika (z.B. Neuraminidasehemmern) bekämpft werden.

Grippe: Definition

Die Bezeichnung Grippe leitet sich von dem französischen Begriff grippe her und bedeutet „Grille“ oder „Laune“. Sie ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Erkrankung den Menschen plötzlich und launenhaft befällt. Die seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Influenza stammt von dem gleichbedeutenden italienischen Begriff influenza ab, welcher wörtlich „Beeinflussung“ oder „Einfluss“ bedeutet und in diesem Fall den Einfluss der Sterne beschreibt. Man glaubte damals, dass bestimmte Sternenkonstellationen Krankheiten, Seuchen und Ähnliches verursachen könnten.

Eine Grippe oder Influenza ist eine akut auftretende, fieberhafte, durch Viren hervorgerufene Infektionskrankheit. Im Gegensatz zum grippalen Infekt, einer Erkältungskrankheit, handelt es sich bei der Grippe um eine ernste Erkrankung, die häufig mit Komplikationen verbunden ist und zum Tod führen kann. Während einer gewöhnlichen Grippesaison rechnet man in Deutschland mit ungefähr 5.000 bis 8.000 Todesfällen. Die Grippe tritt saisonal in Epidemien auf, das heißt gehäuft zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten. In größeren Zeitabständen von mehreren Jahren bis Jahrzehnten werden länderübergreifende beziehungsweise weltweite Ausbreitungen, so genannte Pandemien, beobachtet.

Historisches

Die schwerste bekannte Grippe-Pandemie war die Spanische Grippe von 1918/1919, die ihren Ursprung vermutlich 1918 in einem Soldatencamp im amerikanischen Staat Kansas hatte. Es wird angenommen, dass die Krankheit mit amerikanischen Truppentransporten nach Frankreich gelangte und sich von dort aus über Deutschland weiter nach Spanien verbreitete. Da die ersten Nachrichten über die Grippe-Pandemie aus Spanien kamen, erhielt sie den Namen Spanische Grippe. Damals erkrankten weltweit etwa 500 Millionen Menschen an der Viruserkrankung. Man nimmt an, dass etwa 25 bis 40 Millionen Menschen an der Grippe verstarben, wobei vor allem jüngere Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren und überwiegend Frauen zu den Todesopfern zählten. Vergleichsweise milder verlief die Asiatische Grippe im Winter 1957/1958 mit etwa einer bis 1,5 Millionen Todesopfern – allein in Deutschland starben in der Folge ungefähr 30.000 Menschen. Die Hongkong-Grippe (1968/1969) forderte zusammen mit der Russischen Grippe von 1977 etwa 1,5 Millionen Tote.

Grippe: Ursachen

Erreger

Die Grippe wird durch Influenza-Viren der Typen A, B und C hervorgerufen. Vor allem Typ A und B können beim Menschen zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Typ C führt bei Erwachsenen selten und bei Kindern gelegentlich zu milden Erkrankungen.

Klassifikation

Die Oberfläche der Influenza-Viren vom Typ A und B ist durch bestimmte Strukturen geprägt. Sie trägt so genannte Spikes aus verschiedenen Proteinen (Glykoproteine, Hämagglutinin und Neuraminidase), die in verschiedenen Ausprägungen vorkommen können und deren Kombination eine Klassifizierung ermöglicht. Bisher sind 16 verschiedene Hämagglutinine (H) und neun verschiedene Neuraminidasen (N) bekannt. Während man die Influenza-A-Viren in Typen und Subtypen (z.B. H3N2) unterteilt, gibt es für Influenza-B-Viren keine solche Unterscheidung, sondern nur den Typ. So wurde die Spanische Grippe beispielsweise durch den Influenza A Subtyp H1N1 verursacht, die Asiatische Grippe durch H2N2 und die Hongkong-Grippe durch H3N2.

Genetische Variabilität

Influenza A-Viren besitzen eine besonders hohe genetische Variabilität – die verschiedenen Ausprägungen der Neuraminidase und des Hämagglutinins können sich unterschiedlich miteinander neu kombinieren (sog. Antigen-Shift), aber auch sich selbst in ihrer Struktur verändern (sog. Antigen-Drift). Dies führt dazu, dass jedes Jahr eine neue Influenza A-Variante auftaucht, für die ein neuer Grippeschutz-Impfstoff hergestellt werden muss und frühere Grippeerkrankungen keine Immunität in der Bevölkerung bieten.

Der Antigen-Drift bei den Influenza A-Viren führt zu den in Abständen von zwei bis drei Jahren auftretenden Grippe-Epidemien (gehäuftes Auftreten in begrenztem Gebiet und Zeitraum), während der Antigen-Shift für die etwa alle zehn bis zwanzig Jahre auftretenden Grippe-Pandemien (auf große Gebiete übergreifende Epidemie) verantwortlich ist. Influenzaviren der Typen B und C machen sich eher in vereinzelten Erkrankungen bemerkbar.

Übertragungsweg

Die Grippe (Influenza) wird zum einen durch Tröpfcheninfektion, das heißt durch Niesen, Husten und Sprechen sowie durch direkten Kontakt, zum Beispiel Händeschütteln oder Küssen, übertragen. Die Viren besiedeln die Schleimhäute der oberen Atemwege.

Inkubationszeit

Die Zeit von der Grippe-Infektion bis zum Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) beträgt wenige Stunden bis drei Tage. Eine Person, die sich mit dem Influenzavirus infiziert hat, ist schon während der Inkubationszeit ansteckend – also auch, wenn noch keine Beschwerden aufgetreten sind. Eine Ansteckungsgefahr besteht in der Regel noch drei bis fünf Tage nach dem Auftreten der Symptome. Kinder können das Virus sogar bis zu sieben Tage nach Eintritt der Symptomatik weitergeben.

Grippe: Symptome

Eine Grippe (Influenza) kann sich sehr unterschiedlich äußern: vom symptomarmen oder milden Verlauf bis hin zum tödlichen Ausgang. Die Erkrankung beginnt gewöhnlich ein bis drei Tage nach der Infektion, in denen sich die Influenza-Viren (meist Typ A) in den Schleimhautzellen des Nasenrachenraums vermehren. Ein plötzliches hohes Fieber mit Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius gehört zu den ersten Anzeichen zusammen mit einem Schnupfen (Rhinitis) und einer Rachenentzündung (Pharyngitis), häufig begleitet von Schüttelfrost und Schweißausbrüchen. Durch die Virusvermehrung in den oberen Atemwegen kommt es zu Reizhusten, Heiserkeit, Halsschmerzen und Schmerzen hinter dem Brustbein. Zusätzlich treten schwere Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit auf.

Grippe: Diagnose

Die körperliche Untersuchung reicht neben den Angaben des Betroffenen in der Regel aus, um einen gewöhnlichen grippalen Infekt beziehungsweise eine Erkältung zu diagnostizieren und von einer Grippe (Influenza) abzugrenzen. Ist der Krankheitsverlauf ungewöhnlich lang, sind Lungenerkrankungen im Vorfeld bekannt oder besteht der Verdacht auf eine Lungenentzündung (Pneumonie), wird eine Röntgenaufnahme vom Brustkorb gemacht und Blut für die Laboruntersuchungen entnommen. Nur in Ausnahmefällen (z.B. bei vorbestehender Lungenerkrankung) wird der Arzt den Speichel des Erkrankten bei Verdacht auf eine Erkältung untersuchen. Zur Abklärung, ob eine andere Krankheit der Atemwege vorliegt, kann er außerdem eine Lungenfunktionsprüfung, eine Bronchoskopie oder Computertomographie anordnen.

Im Gegensatz zur Erkältung beginnt die echte Grippe sehr plötzlich, meistens ohne Vorzeichen. Ist dem Arzt bekannt, dass sich Grippeviren in der Region ausbreiten beziehungsweise eine Grippewelle grassiert, erhöht dies die Sicherheit der Diagnose. Bei bisher unkompliziertem Krankheitsverlauf ist eine Labordiagnostik nicht notwendig. Liegen Anzeichen für eine schwere Erkrankung vor oder treten Komplikationen auf, werden Laboruntersuchungen notwendig.

Grippe: Therapie

Virostatika

Virostatika sind Wirkstoffe, die bei Virusinfektionen therapeutisch eingesetzt werden können. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem die Neuraminidasehemmer.

Neuraminidasehemmer behandeln die Ursache der Erkrankung, das heißt sie wirken kausal. Sie blockieren die Wirkung des Enzyms Neuraminidase, welches für die Freisetzung neuer Viruspartikel aus infizierten Schleimhautzellen verantwortlich ist. Damit hemmen die Medikamente die weitere Ausbreitung des Virus. Wirksam sind sie gegen die Influenza Typen A und B, nicht jedoch gegen Typ C.

Funktionsweise der Neuraminidasehemmer

Die ursächliche Therapie der Grippe sollte so früh wie möglich beginnen. Gegenwärtig stehen die Wirkstoffe Zanamivir und Oseltamivir zur Verfügung. Unter Oseltamivir, das im Gegensatz zu Zanamivir nicht als Pulver inhaliert werden muss, treten bei etwa jedem Zehnten Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt auf (v.a. Übelkeit, Erbrechen). Bei Zanamivir wurden in seltenen Fällen krampfartige Verengungen der Atemwege (Bronchospasmen) und dann vor allem bei chronischen Lungenpatienten beobachtet.

Ein älteres Grippemittel ist der Wirkstoff Amantadin, das nicht zu den Neuraminidasehemmern sondern zu den zyklischen Aminen gehört und nur für die Behandlung von Influenza-A-Virusinfektionen geeignet ist. Amantadin kann die Fieberdauer um einen Tag verkürzen. Allerdings ist das Präparat mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen verbunden (z.B. Durchfall, Depression, epileptische Anfälle).

Antibiotika

Antibiotika haben bei virusbedingten, akuten Atemwegsinfektionen wie der Grippe nur einen geringen oder gar keinen Nutzen. Liegt bei einem Grippe-Erkrankten allerdings eine bakterielle Zweitinfektion (Superinfektion) vor, ist der Einsatz entsprechender Antibiotika gerechtfertigt und notwendig. Insbesondere Komplikationen, wie eine bakterielle Lungenentzündung erfordern eine unverzügliche Antibiotikatherapie.

Sonstige Medikamente

Bei leichten Grippeverläufen reicht es völlig aus, nur die Beschwerden zu behandeln. Hier helfen allgemeine Maßnahmen („Hausmittel“) sowie schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente, zum Beispiel Acetylsalicylsäure-haltige Präparate. Neben den Schmerzmitteln kann man je nach Symptomatik auch zu Hustensäften und Nasentropfen greifen.

Therapie bei Kindern

Bei Kindern mit viralen Infekten dürfen keinesfalls Salicylate (ASS o.Ä.) gegeben werden, da die Gefahr eines Reye-Syndroms besteht. Das Reye-Syndrom ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, in deren Verlauf es zu diffusen Hirn- und Leberschäden kommt. Während im Frühstadium eine Heilung noch möglich ist, hat das Vollbild der Erkrankung eine Sterblichkeit von etwa 70 Prozent. Kinder, die dauerhaft mit Salicylaten behandelt werden, sollten deshalb regelmäßig gegen Grippe geimpft werden.

Allgemeine Empfehlungen

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie sind in der akuten Phase dringend einige Tage Bettruhe zu empfehlen und auch im Anschluss sollte man sich körperlich schonen. Inhalieren mit Kamille oder Salzlösungen ist gut für die Atemwege. Gurgeln und heiße Getränke lindern eine mögliche Rachenentzündung (Pharyngitis). Bei Entzündungen und insbesondere Fieber muss darauf geachtet werden, dass der Erkrankte ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, da der Körper während der Krankheit viel Flüssigkeit verliert. Pro Tag sollten mindestens zwei bis drei Liter Wasser, Früchtetee oder Fruchtsäfte getrunken und auf Alkohol, Kaffee oder schwarzen Tee verzichtet werden.

Grippe: Verlauf

Bei einer Grippe (Influenza) treten die ersten Beschwerden meist ein bis fünf Tage nach der Infektion mit dem Grippe-Virus auf. Häufig ist das erste Anzeichen ein plötzliches und hohes Fieber. Die meisten Erkrankten sind nach etwa sechs Tagen wieder fieberfrei. Der gleichzeitig auftretende Husten, Schnupfen (Rhinitis) und ein allgemeines Schwächegefühl können jedoch noch ein bis zwei Wochen länger auftreten.

Infolge der Schleimhautschädigung besteht die Gefahr bakterieller Zweitinfektionen (Superinfektionen) in deren Folge es unter Umständen zu Komplikationen und Todesfällen kommen kann. Können diese bei rechtzeitiger Therapie vermieden werden, ist eine unkomplizierte Grippe nach etwa ein bis zwei Wochen ausgestanden.

Im Vergleich zur Gesamtzahl der Grippe-Erkrankten ist der Anteil der tödlich verlaufenden Grippe eher gering. Dennoch sollte man die Grippe nie als harmlos ansehen.

Komplikationen

Komplikationen entwickeln sich bei einer Grippe größtenteils, wenn bakterielle Zweitinfektionen hinzukommen. Diese treten bei einer Grippe relativ häufig auf, vor allem durch Bakterien wie Haemophilus influenzae, Staphylokokken, Streptokokken und Pneumokokken. In der Folge kommt es zu Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Entzündungen des Herzmuskels. So können durch eine gleichzeitig auftretenden Lungenentzündung beispielsweise Lungenabszesse entstehen. Daneben können schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems auftreten, wie Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Lungenödem, ein Kreislaufschock oder eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung (Enzephalitis). Die Auswirkungen hängen in starkem Maße vom Gesundheitszustand des Einzelnen ab. Kleinkinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Menschen mit Immunschwäche oder chronischen Atemwegserkrankungen sind besonders gefährdet.

Grippe: Vorbeugen

Die beste Vorbeugung gegen eine Grippe (Influenza) ist eine Grippeschutzimpfung. Diese muss jährlich erneuert werden, da die Influenza-Viren ständig ihre Struktur ändern. Die empfohlenen Impfstoffe stellen eine Mischung dar. Sie sind gegen verschiedene Grippeviren wirksam. Die Impfung sollte vor Beginn der Grippesaison, vorzugsweise im Oktober bis November, erfolgen. Mit der Impfung gelingt es, bis zu 90 Prozent der Geimpften vor einer Erkrankung zu schützen oder aber zumindest einen milden, komplikationsarmen Verlauf zu erreichen. Eine solche Grippeschutzimpfung schützt allerdings nicht vor einem grippalen Infekt (Erkältung).

Für folgende Personengruppen kann eine Grippeschutzimpfung sinnvoll sein:

  • Personen über 60 Jahre
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens: z.B. chronische Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, Multiple Sklerose, Immunschwäche, HIV-Infektion
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches und pflegendes Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • für jeden, wenn eine Grippe-Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern oder ein neuer Virustyp zu erwarten ist und es hierfür schon einen Impfstoff gibt

Hat man die Schutzimpfung verpasst, kann sich nicht gegen Grippe impfen lassen oder weichen die Impfstoffe von den aktuell zirkulierenden Viren ab, kann man eine Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern durchführen. Besonders nach Kontakt mit Grippekranken empfiehlt sich die vorbeugende Einnahme der Medikamente. Allerdings ist die Grippeschutzimpfung die Maßnahme der ersten Wahl.

Um eine Ansteckung weiterer Personen zu vermeiden sollten an Grippe erkrankte Personen beim Niesen und Husten Nase und Mund bedecken und sich regelmäßig die Hände waschen. Es ist zu empfehlen anstatt Stofftaschentüchern Papiertaschentücher zu verwenden. Benutzte Einweg-Papiertaschentücher sollten direkt entsorgt werden.

Pneumokokken-Schutzimpfung

Überdies empfiehlt sich für Personen jenseits des 60. Lebensjahrs, für Säuglinge bis zum 24. Lebensmonat sowie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an einer schweren Grunderkrankung leiden, eine Pneumokokken-Schutzimpfung in 5-Jahres-Abständen. Pneumokokken sind Bakterien, welche eine Lungenentzündung hervorrufen können.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Grippe (Influenza)”:

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Veröffentlicht in:  on at 8:42 Kommentar schreiben
Tags:

Grauer Star (Katarakt)

Unter dem Begriff Grauer Star (Katarakt) werden Augenkrankheiten, die durch eine Trübung der Augenlinse gekennzeichnet sind, zusammengefasst.

Der Graue Star ist weltweit die häufigste Erblindungsursache, wobei es sich in 90 Prozent der Fälle um eine sog. Alterskatarakt handelt. Selten entsteht eine Katarakt nach Augenverletzungen oder Strahleneinwirkung, als Medikamentennebenwirkung, bei Diabetes mellitus oder angeboren nach einer vorgeburtlichen Infektion (z.B. Röteln).

Symptome des Grauen Stars sind langsam zunehmende Sehstörungen und starke Blendungserscheinungen. Außerdem geben die Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium an, „wie durch ein Milchglas zu sehen“. Häufigste Therapie des Grauen Stars ist die Operation in örtlicher Betäubung, die heutzutage bei geringem Operationsrisiko sehr gute Erfolge erzielt.

Grauer Star (Katarakt): Definition

Jede Form der Augenlinsentrübung wird generell als Grauer Star (Katarakt) bezeichnet. Eine fortgeschrittene Katarakt zeichnet sich durch eine graue Färbung hinter der Pupille aus, daher wird die Erkrankung „Grauer“ Star genannt.

Häufigkeit

Der Graue Star (Katarakt) ist insgesamt die häufigste Erblindungsursache auf der Welt. Dies betrifft vor allem die Entwicklungsländer, da dort wegen der schlechten medizinischen Infrastruktur operative Eingriffe kaum möglich sind, zumindest nicht für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Die häufigste Form des Grauen Stars ist mit über 90 Prozent die Alterskatarakt. In Deutschland werden jährlich etwa 400.000 Kataraktoperationen durchgeführt.

Grauer Star (Katarakt): Ursachen

Die Ursachen für Grauen Star (Katarakt) sind zahlreich. Bei Weitem überwiegt jedoch die Alterskatarakt, die ohne spezielle Ursache im Lauf des Lebens auftreten kann. Es gibt allerdings verschiedene Formen des erworbenen Grauen Stars, die auf bestimmte Ursachen zurückzuführen sind. So können vorausgegangene Augenverletzungen, Strahleneinwirkungen, z.B. durch Röntgenstrahlung, Infrarotstrahlung oder UV-Strahlung, über einen längeren Zeitraum eingenommene Medikamente wie Kortison, eine chronische Aderhautentzündung oder systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus zu einem Grauen Star führen.

Eine Katarakt muss jedoch nicht immer erst während des Alterungsprozesses entstehen, sie kann auch angeboren sein. In diesem Fall lassen sich häufig – nicht immer – Ursachen finden: Besonders gefürchtet ist eine intrauterine, also vorgeburtliche Infektion durch die Mutter (z.B. Röteln); der Graue Star kann jedoch auch erblich bedingt sein.

Grauer Star (Katarakt): Symptome

Da es sich beim Grauen Star (Katarakt) um einen langsam fortschreitenden Prozess handelt, fühlt sich der Betroffene häufig erst in einem späten Stadium beeinträchtigt. Die Umwelt erscheint unscharf und matt, verschleiert und verzerrt. Kontraste verlieren an Schärfe, Farben an Leuchtkraft. Irgendwann hat man das Gefühl, alles „durch ein Milchglas“ zu betrachten.

Einige an Grauem Star Erkrankte klagen zunächst über starke Blendungserscheinungen bei Sonne oder im Gegenlicht, wie bei nachts entgegenkommenden Autoscheinwerfern. Andere stellen erfreut fest, dass sie plötzlich ohne ihre Lesebrille auskommen. Dies liegt an einer Veränderung der Brechungseigenschaft der Linse durch die Linsentrübung. Der Betroffene wird kurzsichtiger, wodurch seine Alterssichtigkeit zunächst kompensiert wird. Gelegentlich treten beim Grauen Star auch Doppelbilder auf.

Grauer Star (Katarakt): Diagnose

Die Diagnose des Grauen Stars (Katarakt) ist für den Augenarzt einfach und bedarf in der Regel lediglich einer Spaltlampenuntersuchung, eventuell nach medikamentös (Tropfen) eingeleiteter Pupillenerweiterung. Die Spaltlampe erlaubt eine mikroskopische Betrachtung des äußeren Auges und kann durch ihre spezielle Lichtführung einen optischen Schnitt durch das Auge legen. Lage und Ausdehnung von Veränderungen der verschiedenen Strukturen lassen sich auf diese Weise gut beurteilen.

Bei reifem oder überreifem Grauen Star kann die Pupille weiß erscheinen. Dies ist bereits mit bloßem Auge sichtbar. In einem solch fortgeschrittenen Stadium des Grauen Stars kann es zu einer Quellung oder Verflüssigung der Linse mit Austritt von Linsenteilen in die Vorderkammer kommen, wodurch ein Glaukom (Grüner Star) hervorgerufen werden kann. Daher sollte man nicht zu lange mit der Therapie des Grauen Stars warten.

Bei der angeborenen Katarakt ist es besonders wichtig, dass die Diagnose sehr früh nach der Geburt gestellt wird, damit die Prognose möglichst gut ist und es nicht zu einer Schwachsichtigkeit des betroffenen Auges kommt.

Grauer Star (Katarakt): Therapie

Eine gesicherte medikamentöse Therapie zur Rückbildung des Grauen Stars (Katarakt) gibt es nicht. Um die Sehkraft zu verbessern, ist eine Operation nötig. Die Kataraktoperation ist heute eines der sichersten Verfahren überhaupt. Das Prinzip einer Kataraktoperation ist es, die frühere Sehschärfe wieder herzustellen, indem die eingetrübte Linse entfernt wird.

Die Risiken einer Staroperation sind heute so gering, dass man nicht mehr abwarten muss, bis eine rein medizinische Indikation zur Linsenentfernung gegeben ist. Der Zeitpunkt der Operation sollte vom Wunsch des Betroffenen und seiner Beeinträchtigung im täglichen Leben abhängig gemacht werden. Eine Ausnahme stellt der angeborene Graue Star dar, bei dem die Operation möglichst bald nach der Diagnosestellung durchgeführt werden sollte. In der Regel wird die Staroperation unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert meist nicht länger als 15 bis 20 Minuten. Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten der Linsenentfernung: die intrakapsuläre und die extrakapsuläre Operationstechnik.

Intrakapsuläre Operation

Bei der intrakapsulären Methode wird die Linse komplett mitsamt ihrer Kapsel aus dem Auge entfernt. Diese Technik wird beim Grauen Star nur noch selten angewandt, da mögliche Komplikationen häufiger sind als bei der extrakapsulären Linsenentfernung. In erster Linie benutzt man diese Methode, wenn medizinische Gründe gegen die extrakapsuläre Methode sprechen.

Extrakapsuläre Operation

Bei der extrakapsulären Operation des Grauen Stars wird die vordere Linsenkapsel eröffnet, um anschließend das Innere der Linse zu entfernen, während der Operateur die hintere Kapselwand bestehen lässt. So bleibt dem Auge die natürliche Barriere zwischen hinterem und vorderem Augenabschnitt erhalten. Die modernste Form der extrakapsulären Operationstechnik ist die so genannte Phakoemulsifikation. Dabei wird der Linsenkern durch Ultraschall zerkleinert und anschließend abgesaugt.

Implantierte Linsentypen

linsenarten

Anatomischer Aufbau der Linse und je nach Lage unterschiedener Linsenersatz bei Katarakt (Bild 1-3)

Linsenersatz

Da mit der Entfernung der Linse beim Grauen Star dem Auge ein Teil seines optischen Systems entfernt wird, muss man dieses Defizit wieder ausgleichen. Hier gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten: Starbrille, Kontaktlinse und intraokulare Linse (eine ins Auge gepflanzte Kunstlinse). Die letztere Möglichkeit ist die idealste, da sie den natürlichen Bedingungen am nächsten kommt. Die intraokularen Linsen werden nach ihrem Implantationsort unterschieden. So kann man unterteilen in Vorderkammerlinsen, irisgetragene Linsen und Hinterkammerlinsen. Die Implantation einer Hinterkammerlinse in den Kapselsack wird heutzutage beim Grauen Star ab häufigsten angewandt. In Ausnahmefällen ist diese Operationsform jedoch nicht möglich, sodass auf Alternativen zurückgegriffen werden muss.

Die intraokularen Linsen bestehen meistens aus Poly-Methyl-Meth-Acrylat (PMMA), besser bekannt unter dem Namen „Plexiglas“. Vermehrt werden bei Grauem Star auch Kunstlinsen aus Silikonen und Hydrogelen eingepflanzt. Weil die Kunstlinsen starr sind, können sie die Funktion der menschlichen Linse, nämlich die Akkommodation, nicht übernehmen. Daher benötigt man auch nach der Operation des Grauen Stars eine Brille, in der Regel vor allem zum Lesen. Daher haben die Hersteller neben den herkömmlichen Linsen mit einer einzigen Brechungsstärke, inzwischen auch Linsen mit zwei oder mehreren Brennpunkten entwickelt, die so genannten Multifokallinsen. Häufig kommt man dann im täglichen Leben ohne Brille aus, nachteilig können jedoch vermehrte Blendungserscheinungen und eine verminderte Kontrastsehschärfe sein. Eine implantierte Linse verbleibt lebenslang im Auge, sie muss daher nicht später ersetzt bzw. ausgetauscht werden.

Nach einer Kataraktoperation ist im Laufe der nächsten Wochen im Wesentlichen auf Folgendes zu achten:

  • keine körperliche Schwerstarbeit
  • kein Leistungssport
  • keine Saunagänge
  • nicht schwimmen oder baden gehen
  • kein Druck auf das Auge
  • eine neue Brille kann nach ca. vier bis sechs Wochen angepasst werden

Grauer Star (Katarakt): Verlauf

Komplikationen der Operation

Mit einer Gesamtrate von eins bis drei Prozent ist die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation durch die Operation des Grauen Stars (Katarakt) sehr gering, und die meisten Komplikationen lassen sich gut behandeln. Extrem selten, aber sehr gefürchtet sind während der Operation so genannte expulsive Blutungen aus der Aderhaut ins Augeninnere oder eine Infektion des Auges durch eingeschleppte Keime, die in den ersten Tagen nach der Operation auftritt. Häufiger bildet sich nach der Staroperation ein so genannter Nachstar. Dieser tritt ausschließlich bei der extrakapsulären Operationsmethode auf, da es sich um eine Eintrübung der im Auge verbliebenen hinteren Linsenkapsel handelt. Meistens kann der Nachstar mit einer Laserbehandlung entfernt werden, indem mit dem Laser ein Loch in die hintere Kapsel gesprengt wird.

Prognose

Die Aussicht auf Herstellung der vollen Sehschärfe durch eine Operation des Grauen Stars ist sehr gut, sofern keine weiteren Augenerkrankungen vorliegen. Bei der Operation der angeborenen Katarakt hängt die Prognose auch vom Zeitpunkt der Operation ab, da dies den Grad der Schwachsichtigkeit beeinflusst. Bei einer einseitigen angeborenen Katarakt ist die Gefahr einer Schwachsichtigkeit besonders groß, sodass hier die Operation sehr bald erfolgen muss. Eine bereits vorhandene Schwachsichtigkeit, die sich schon in den ersten Lebenswochen ausbildet, kann auch durch eine spätere Operation der Katarakt nicht mehr beeinflusst werden.

Grauer Star (Katarakt): Vorbeugen

Es gibt bisher keine gesicherten Maßnahmen, die die Bildung eines Grauen Stars (Katarakt) verhindern oder verlangsamen können. Mit Sicherheit spielen bei der Entstehung der Katarakt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Im Wesentlichen handelt es sich jedoch um einen Alterungsprozess.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Grauer Star (Katarakt)”:

Linktipps:

Operation des grauen Stars
Patienteninformationen der Klinik für Allgemeine Augenheilkunde an der Universität Frankfurt am Main

Veröffentlicht in:  on at 8:41 Kommentar schreiben
Tags:

Granuloma inguinale (Donovanosis)

Granuloma inguinale, Donovanosis oder Granuloma venerum ist eine infektiöse Geschlechtskrankheit, die durch Geschwüre und Kraterbildung an den Genitalien gekennzeichnet ist.

Das Granuloma inguinale tritt vor allem in tropischen und subtropischen Ländern auf. Da die Erkrankung leicht verkannt wird, verläuft sie häufig chronisch.

Auslöser der Erkrankung ist das Bakterium Klebsiella granulomatis, welches über sexuelle Kontakte übertragen wird. An seiner Eintrittsstelle in der Genitalregion bildet sich ein schmerzhaftes Knötchen, das sich bald in ein Geschwür umwandelt. Dieses wächst langsam weiter und kann im Endstadium zu Verstümmelungen führen. Auch Abszessbildungen sind typisch. Die Zerstörung des Gewebes in Zusammenhang mit weiteren Infektionen kann unbehandelt tödlich sein.

Die Diagnose der Donovanosis erfolgt über den direkten Erregernachweis aus Abstrichen oder Biopsien der Wunde. Die Behandlung der Granuloma inguinale erfolgt mit Antibiotika. Bei frühzeitigem Therapiebeginn heilt die Erkrankung narbenlos ab.

Granuloma inguinale: Definition

Bei Granuloma inguinale, auch Donovanosis oder Granuloma venerum genannt, handelt es sich um eine infektiöse Geschlechtskrankheit. Da die Erkrankung leicht verkannt wird, verläuft sie häufig chronisch.

Erstmals wurde die Erkrankung 1905 durch den Tropenarzt Charles Donovan beschrieben.

Die Erkrankung kommt in den tropischen und subtropischen Klimazonen vor, vor allem in Südindien, Papua-Neuguinea, Zentral- und Südafrika, der Karibik und Südamerika. Am häufigsten sind 20- bis 40-Jährige von der Krankheit betroffen. Bei Männern tritt die Donovanosis etwa doppelt so häufig auf wie bei Frauen. Für Deutschland liegen keine Erkrankungszahlen vor.

Granuloma inguinale: Ursachen

Erreger des Granuloma inguinale (Donovanosis) ist Klebsiella granulomatis (früher: Calymmatobakterium granulomatis). Bei diesem handelt es sich um ein gramnegatives, bekapseltes, unbewegliches Bakterium, das keine Sporen bildet.

Es wird durch direkten, engen Hautkontakt, vor allem beim Geschlechtsverkehr, übertragen und verursacht somit typische Beschwerden im Genitalbereich. Etwa drei Prozent der Infektionen treten außerhalb der Genitalregion auf, vor allem im Bereich um den After. Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt wenige Tage bis zu zwölf Wochen.

Granuloma inguinale: Symptome

Erstes Symptom des Granuloma inguinale (Donovanosis) ist ein kleines, derbes, blassrotes, juckendes, schmerzhaftes Knötchen an der Eintrittspforte des Erregers. Dieses wandelt sich rasch zu einem oberflächlichen, wie ausgestanzt wirkendem, fleischfarbenem Geschwür um. Dieses Geschwür hat die Tendenz, sich zu vergrößern und durch Selbstinfektion Tochtergeschwüre zu bilden.

Bei Männern findet sich die Läsion meist am Penis, bei Frauen an der Innenseite der Schamlippen, oft verbunden mit einer massiven Schwellung. Es gibt aber auch Erstinfektionen im Gesicht, an Hals und Nacken sowie im Mund und Darm. Obgleich es bei fortgeschrittener Erkrankung zu Schwellungen in der Leistengegend kommt, sind die regionalen Lymphknoten weder angeschwollen noch schmerzhaft, sofern keine zusätzliche Infektion durch einen anderen Erreger vorliegt. Die Schwellung wird vielmehr durch eine Eiteransammlung (Abszess) oder durch die Bildung von Granulationsgewebe verursacht. Der Abszess kann seinerseits geschwürig zerfallen.

Eine Streuung über das Blut in Knochen, Gelenke, Leber und Milz ist möglich. Eine Übertragung der Erkrankung bei der Geburt ist nicht bekannt.

Granuloma inguinale: Diagnose

Die Diagnose von Granuloma inguinale (Donovanosis) erfolgt über den direkten Erregernachweis und einem Abstrich oder einer Gewebeprobe (Biopsie) der Wunde. Die so genannten Donovan-Körper sind mikroskopisch als runde Bakterien in Giemsa-gefärbten Zellen zu erkennen.

Ist die direkte mikroskopische Untersuchung nicht eindeutig, können Zellkulturen anlegt und untersucht werden.

Wichtig ist es, Granuloma inguinale von Krankheiten mit ähnlichen Symptomen wie der frühen Syphilis, Lymphogranuloma venerum, harten und weichen Schanker sowie Geschwürbildungen bei einer Infektion mit Herpes simplex-Virus Typ 2 abzugrenzen. Bei einem fortgeschrittenen geschwürigem Zerfall kann die Erkrankung mit Krebs verwechselt werden.

Granuloma inguinale: Therapie

Das Granuloma inguinale (Donovanosis) kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Meist wird eine zwei- bis dreiwöchige Therapie mit Cotrimoxazol oder alternativ mit Tetracyclin, Chloramphenicol, Doxycyclin oder Erythromycin durchgeführt. Bei erfolgreicher Therapie beginnen die Hautveränderungen nach etwa einer Woche zu heilen. Wegen eventueller Rückfälle sind weitere Nachuntersuchungen notwendig.

Granuloma inguinale: Verlauf

Kleine Läsionen heilen nach der Behandlung des Granuloma inguinale (Donovanosis) völlig aus. Lange bestehende und ausgedehnte Erkrankungen können zu einer Depigmentierung der Haut, zu Narbenbildungen, Verengungen der Harnröhre, der Scheide, des Analkanals bis hin zu Verstümmelungen und bleibenden Ödemen führen.

Ein Infektionsschutz durch vorhandene Antikörper nach einmal durchgemachter Erkrankung besteht nicht.

Nach einer Donovanosis besteht ein erhöhtes Risiko, an Krebs der Geschlechtsorgane zu erkranken.

Granuloma inguinale: Vorbeugen

Da das Granuloma inguinale (Donovanosis) über den Geschlechtsverkehr übertragen wird, sollte unbedingt auf „safer sex“ mit Kondomen, insbesondere in Hochrisikogebieten wie dem Südindien, Südafrika und in Papua-Neuguinea, geachtet werden.

Gonorrhoe (Tripper)

Gonorrhoe (Tripper) ist weltweit eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Sie wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae hervorgerufen.

Die Gonorrhoe verursacht hauptsächlich Beschwerden an den Geschlechtsorganen. Möglich sind auch Infektionen im Anal- beziehungsweise Mund-Rachenbereich. Die Diagnose wird durch den Nachweis des Erregers gestellt. Die Therapie besteht darin, Antibiotika zu geben. Im Gegensatz zu einigen anderen Infektionskrankheiten, die eine lebenslange Immunität hinterlassen, sind bei Gonorrhoe wiederholte Infektionen möglich.

Einer Infektion mit dem Erreger kann vorgebeugt werden, indem beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet werden. Infizierte Mütter können die Erkrankung während der Geburt auf ihre Kinder übertragen. Diese erkranken dann an Gonoblennorrhoe, einer eitrigen Bindehautentzündung. Zur Vorbeugung erhalten Neugeborene deshalb die so genannte Crédesche Prophylaxe.

Gonorrhoe: Definition

Gonorrhoe (Tripper) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) ausgelöst wird. Sie gehört zu den Geschlechtskrankheiten („sexually transmitted disease“, STD).

Neben der Bezeichnung Gonorrhoe, die aus dem Griechischen stammt und Samenfluss bedeutet, ist die Bezeichnung Tripper gebräuchlich, die von dem niederdeutschen drippen (= tropfen) abgeleitet ist. Beide Bezeichnungen deuten auf charakteristische Symptome der Krankheit hin.

Häufigkeit

Die Gonorrhoe ist bereits seit Jahrhunderten bekannt und eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Weltweit wird die Infektionsrate auf 62 Millionen Menschen pro Jahr geschätzt. Beide Geschlechter erkranken in gleicher Häufigkeit und zwar bevorzugt im jüngeren Erwachsenenalter. Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten, die eine lebenslange Immunität hinterlassen, sind bei der Gonorrhoe wiederholte Infektionen möglich.

Die Häufigkeit der Gonorrhoe ist in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren stark gesunken. Vermutlich geht dieser Trend auf das Auftreten von HIV zurück, das zur größeren Vorsicht bei Sexualkontakten (Benutzen von Kondomen) geführt hat. Nach dem Infektionsschutzgesetz, das in Deutschland am 1. Januar 2001 in Kraft getreten ist, sind die Erkrankung sowie der Nachweis des Erregers nicht mehr meldepflichtig. Verlässliche Zahlen zur gegenwärtigen Infektionsrate liegen daher nicht vor.

Gonorrhoe: Ursachen

 

Erreger

Der Erreger der Gonorrhoe (Tripper) ist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae. Seine Bezeichnung geht auf den deutschen Dermatologen Albert Neisser zurück, der den Erreger 1879 entdeckte. Gonokokken besiedeln Schleimhäute, bevorzugt im Urogenitaltrakt sowie bei Neugeborenen von infizierten Müttern in der Bindehaut des Auges.

Übertragungsweg

Die Übertragung des Erregers erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr sowie bestimmte Sexualpraktiken wie Anal- oder Oralverkehr. Während der Geburt ist eine Übertragung von der Mutter auf das Kind möglich. Außerhalb des menschlichen Körpers können die Erreger nicht überleben, da sie gegenüber Kälte und Sauerstoff empfindlich sind. Eine Ansteckung zum Beispiel auf öffentlichen Toiletten ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Infektion mit dem Erreger und Auftreten der ersten Symptome, beträgt bei der Gonorrhoe zwei bis fünf Tage.

Gonorrhoe: Symptome

Hinsichtlich der Symptome der Gonorrhoe (Tripper) muss zwischen den beiden Geschlechtern unterschieden werden. Eine Unterteilung in akute und chronische Infektion ist ebenfalls möglich: Chronische Infektionen treten bevorzugt bei Frauen auf. Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen häufig sind Infektionen im Mund-Rachen-Bereich. Infektionen im Analbereich finden sich dagegen häufiger bei Männern. Die Symptome an diesen Infektionsorten sind oft sehr unspezifisch und wenig auffallend, sodass sie oft erst spät erkannt werden. Meist besteht nur eine leichte Entzündung und Rötung. Die Gefahr einer Weiterverbreitung ist daher in diesen Fällen relativ hoch.

Die Gonoblennorrhoe, also die Bindehautentzündung des Neugeborenen, stellt ein eigenständiges Krankheitsbild dar.

Gonorrhoe des Manns

Bereits ein bis drei Tage nach der Ansteckung mit den Erregern der Gonorrhoe kommt es zu einer Rötung und Schwellung der Harnröhrenmündung mit Brennen beim Wasserlassen sowie einem anfangs wässrigen, später schleimig-eitrigen Ausfluss. Unbehandelt kann sich die Infektion weiter ausbreiten. Nach zwei bis drei Wochen treten dumpfe Schmerzen am Damm sowie in der Blasengegend als Zeichen dafür auf, dass die Prostata beteiligt ist. Greift die Entzündung auf den Nebenhoden über, kommt es zu Rötung, Schwellung sowie Druckschmerzhaftigkeit des Nebenhodens beziehungsweise Hodens kombiniert mit allgemeinem Krankheitsgefühl und Fieber.

Gonorrhoe der Frau

Bei der Frau verläuft die Gonorrhoe häufig milder als beim Mann. Oft wird sie deshalb nicht bemerkt und daher nicht behandelt. Die Folge davon kann eine chronische Gonorrhoe sein. Wenn Beschwerden auftreten, sind es meist Schmerzen beim Wasserlassen und ein häufiger Harndrang als Zeichen einer Entzündung von Harnröhre und -blase sowie ein wässriger Ausfluss infolge einer Entzündung des Gebärmutterhalses. Außerdem kann die Infektion auch auf die Schleimhaut des Enddarms sowie auf die Bartholinischen Drüsen mit der Gefahr einer Abszessbildung übergreifen.

Gonorrhoe: Diagnose

Die Diagnose der Gonorrhoe (Tripper) wird durch den Nachweis des Erregers gestellt. Dazu werden Abstriche aus den betroffenen Regionen, beispielsweise der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses, genommen und mikroskopisch untersucht. Die Treffsicherheit dieser Abstriche liegt allerdings nur bei etwa 50 Prozent. Das sicherste Nachweisverfahren ist die Anzucht der Erreger mit speziellen Transport- und Selektivmedien sowie dem Nachweis spezifischer bakterieller Enzyme.

Wegen der zunehmenden Resistenzen der Erreger gegen verschiedene Antibiotika wird in der Regel auch ein Sensibilitätstest durchgeführt.

Gonorrhoe: Therapie

Die Therapie der Gonorrhoe (Tripper) erfolgt mit Antibiotika. Früher wurde zur Behandlung vor allem Penicillin verwendet, gegen das heute oftmals Resistenzen bestehen. Deshalb werden neuerdings vor allem Ciprofloxacin, Ofloxacin, Spectinomycin oder Levofloxacin eingesetzt. Da eine Gonorrhoe häufig mit einer Chlamydieninfektion verbunden ist, wird häufig ohne weitere Abklärung gleichzeitig Doxycyclin verabreicht.

In der Regel sind die Erreger der Gonorrhoe bereits nach der einmaligen Gabe eines Antibiotikums abgestorben und nicht mehr nachweisbar. Dennoch darf eine Therapie, vor allem wegen der Gefahr von Resistenzen, nicht zu früh abgebrochen werden. Sexualpartner der mit Gonorrhoe Infizierten sollten ebenfalls untersucht und gegebenenfalls behandelt werden, wenn der Sexualkontakt innerhalb von 60 Tagen vor Auftreten der Symptome oder Diagnosestellung stattgefunden hat. Bis zur Beendigung der Therapie sollte auf weitere Sexualkontakte verzichtet werden.

Gonorrhoe: Verlauf

Komplikationen

Die schwerwiegendste Komplikation der Gonorrhoe (Tripper) ist eine dauerhafte Unfruchtbarkeit, die bei beiden Geschlechtern entstehen kann.

In seltenen Fällen breiten sich die Erreger über das Blut in andere Organe aus. Die Folge davon sind Gelenkentzündungen mit Befall der Sehnenscheiden, Entzündungen von Bindehaut und Regenbogenhaut des Auges, Entzündungen von Herzinnenhaut und Herzbeutel sowie Entzündungen der Haut mit Bildung schmerzhafter Pusteln.

Bei Neugeborenen kann es durch eine Gonoblennorrhoe zur Bildung von Geschwüren und deren Übergriff auf die Hornhaut des Auges mit der Gefahr einer Erblindung kommen.

Prognose

Wird die Gonorrhoe frühzeitig diagnostiziert und behandelt, heilt sie in der Regel ohne Folgen aus.

Gonorrhoe: Vorbeugen

Da es sich bei der Gonorrhoe (Tripper) um eine Geschlechtskrankheit handelt, kann ihr durch die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr wirksam vorgebeugt werden.

Einer Gonoblennorrhoe bei Neugeborenen kann mithilfe der so genannten Crédeschen Prophylaxe vorgebeugt werden. Diese geht auf den deutschen Gynäkologen K. Créde zurück und ist heute gesetzlich vorgeschrieben. Bei ihr wird in jedes Auge eines Babys einprozentige Silbernitratlösung geträufelt. Alternativ kann auch eine ölige Penicillin-Lösung verwendet werden. Sind die Eltern nicht einverstanden und liegt ein negativer Vaginalabstrich der Mutter vor, kann auf die Prophylaxe verzichtet werden.

Weitere Informationen

Linktipps:

Veröffentlicht in:  on at 8:39 Kommentar schreiben
Tags:

Tennisarm, Golferellenbogen

Der Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis) und der Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris) sind mit Schmerzen am Ursprung der Streck- oder Beugemuskulatur des Unterarms in Höhe des Ellenbogens verbunden.

Sie werden dadurch verursacht, dass die Muskulatur akut oder chronisch übermäßig belastet wird, was die Gebrauchsfähigkeit des betroffenen Arms einschränkt. Therapeutische Maßnahmen reichen von Ruhigstellung über Salbenverbände und elektromechanische Stimulation bis hin zu Kortisonspritzen. Eine Operation, bei der der Ansatz der Muskulatur gelockert wird, kann im weiteren Krankheitsverlauf notwendig werden.

Golferellenbogen: Definition

Am Ellenbogen haben verschiedene Muskelgruppen des Arms, der Hand und der Finger ihren Ursprung. Dazu gehören unter anderem der Musculus extensor carpi radialis longus und der Musculus extensor carpi radialis longus brevis, der Musculus extensor digiti minimi sowie der Musculus extensor digitorum. Die Muskeln sind über Bindegewebsstrukturen (Sehnen) mit dem Knochen verbunden. Die Streckmuskulatur befindet sich auf der Außenseite (Radialseite) des Arms, während der Großteil der Beugemuskulatur auf der Innenseite (Ulnarseite) des Ellenbogens ansetzt.

Als Epicondylitis wird die entzündliche oder degenerative Veränderung des umliegenden Gewebes eines Knochenvorsprungs (Epicondylus) bezeichnet. Dabei bildet sich im Ansatzbereich der Muskulatur entzündliches Narben- und Granulationsgewebe.

Die Epicondylitis humeri ist ein Schmerzsyndrom im Ellenbogenbereich am Ansatz der daumenseitigen Hand- und Fingerstreckmuskulatur (Tennisarm) oder der kleinfingerseitigen Hand- und Fingerbeuger (Golferellenbogen).

Die Epicondylitis ist eine der häufigsten Erkrankungen im orthopädischen Fachgebiet und betrifft mehr Männer als Frauen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt zwischen dem 35. und dem 50. Lebensjahr.

Golferellenbogen: Ursachen

Die Ursachen von Tennisarm und Golferellenbogen sind noch nicht eindeutig geklärt. In einigen Fällen entzünden und verändern sich die betroffenen Sehnenabschnitte, wenn der Arm übermäßig beansprucht wird. In der Regel ist der Gebrauchsarm betroffen. Von besonderer Bedeutung für die Entstehung sind einseitige, monotone, sich wiederholende Bewegungen.

Da die Erkrankung bei Tennis- und Golfspielern gehäuft auftritt, wird sie als Tennisarm und Golferellenbogen bezeichnet. Dennoch haben die meisten Betroffenen in ihrem Leben weder Tennis noch Golf gespielt.

Golferellenbogen: Symptome

Hauptsymptom des Tennisarms und des Golferellenbogens ist der Schmerz im Bereich des Ellenbogens, der meist bis in die Hand ausstrahlt. Wenn die einzelnen Muskelgruppen maximal gedehnt werden, verstärkt sich der Schmerz dadurch erheblich. Drehbewegungen oder Faustschluss können Schmerzen an der Außen- oder Innenseite des Ellenbogens auslösen.

Die Schmerzen schränken auch die Ausführung ganz normaler Alltagsbewegungen ein. Händeschütteln oder das Anheben zunächst nur schwerer, später dann auch leichterer Gegenstände bis hin zur Kaffeetasse führen zu starken Schmerzen. Im weiteren Verlauf vermindern sich die Kraft der Hand- und Fingermuskulatur und die Griffstärke.

Am Knochenansatz der betroffenen Muskulatur lässt sich ein ausgeprägter Druckschmerz auslösen. Der Schmerz ist stechend und strahlt aus.

Golferellenbogen: Diagnose

Grundsätzlich wird die Diagnose des Tennisarms und des Golferellenbogens aufgrund der geschilderten Beschwerden und der körperlichen Untersuchung gestellt.

Bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen helfen lediglich dabei, andere Erkrankungen als Ursache für die Schmerzen auszuschließen. So sollte eine Röntgenaufnahme des Ellenbogens durchgeführt werden, um eine Arthrose auszuschließen, und mit Laboruntersuchungen können Entzündungen ausgeschlossen werden.

Tennisarm und Golferellenbogen unterscheiden sich durch die Lokalisation und Art der Schmerzen.

Unterscheidung Tennisarm – Golferellenbogen

Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis)

Beim Tennisarm kommt es zu Schmerzen im Bereich des äußeren Ellenbogens bei:

  • Drehung des Unterarms
  • Handgelenksstreckung gegen einen Widerstand
  • Streckung des Mittelfingers gegen einen Widerstand
  • Streckung des Ellenbogens und passiver Beugung der Hand

Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris)

Der Golferellenbogen äußert sich durch Schmerzen im Bereich des inneren Ellenbogens bei:

  • Beugung des Handgelenks
  • Drehung des Unterarms gegen einen Widerstand
  • Heben von schweren Gegenständen

Golferellenbogen: Therapie

Tennisarm und Golferellenbogen können konservativ oder operativ behandelt werden. Der erste Schritt einer Therapie besteht darin, die Schmerzen durch Kälte- und Wärmebehandlung, Quermassage der Handgelenksmuskulatur (Querfriktion) und lokalisierte Ultraschall- und Mikrowellenbehandlung zu lindern. Begleitend kann eine medikamentöse Therapie mit Salbenverbänden (zum Beispiel Kortisonpräparate) und lokal am Muskelansatz eingesetzten entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Lokalanästhetika und Kortikoidgemisch) erfolgen. Zeigt sich durch diese Behandlung keine Besserung, wird der Arm mithilfe einer Unterarmgipsschiene für zwei Wochen ruhig gestellt.

In vielen Fällen hat sich eine Akupunkturbehandlung bei der Therapie des Tennisarms und des Golferellenbogens bewährt. Mithilfe der Akupunktur werden nicht nur die Schmerzen gelindert – sie kann auch den Entzündungsprozess zum Stillstand bringen.

Eine Operation stellt nur in Einzelfällen und erst, nachdem eine ausreichend lange, mindestens über sechs Monate durchgeführte konservative Therapie versagt hat, eine zusätzliche Option dar. Es gibt unterschiedliche Operationsmethoden, durch welche die chronisch angespannte Muskulatur entlastet werden soll.

Eine Epicondylitisspange entlastet den Muskelansatz am Ellenbogen und wird prophylaktisch im Alltag- und Arbeitsleben getragen.

Golferellenbogen: Verlauf

Die Prognose des Tennisarms und des Golferellenbogens ist gut. In den meisten Fällen heilt sowohl der Tennisarm als auch der Golferellenbogen nach einer konservativen Behandlung – also ohne Operation – aus. Nur selten kommt es zu einem längeren, chronischen Verlauf, bei dem eine Operation notwendig werden kann, um die Muskulatur zu entlasten. In manchen Fällen könen die Beschwerden aber auch operativ nicht dauerhaft behoben werden.

Golferellenbogen: Vorbeugen

Tennisspieler und Golfer sollten auf Folgendes achten:

  • korrekte Schlagtechnik
  • langsamer Trainingsaufbau
  • konsequentes Aufwärmen und Stretchen
  • flexibler anstelle kopflastiger Schläger (beim Tennis)
Veröffentlicht in:  on at 8:37 Kommentar schreiben
Tags: ,

Nierenentzündung (Glomerulonephritis)

Als Nierenentzündung (Glomerulonephritis) wird eine Reihe unterschiedlicher Nierenerkrankungen bezeichnet, die alle gekennzeichnet sind durch eine Entzündung der Gefäßknäuel (Glomeruli) der Nierenkörperchen, die sich in der Nierenrinde befinden. Die Nierenentzündung ist sehr häufig.

Aufbau des Nephrons

Aufbau des Nephrons
(Klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild)

Ein Gefäßknäuel (Glomerulus) besteht aus etwa fünfzig parallel geschalteten Schlingen kleinster Blutgefäße (Kapillaren), die mit einem zuführenden und einem abführenden kleinen Gefäß in Verbindung stehen. In diesen Gefäßknäueln wird das Blut filtriert und der so genannte Primärharn gebildet.

Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung, die durch Bakterien verursacht wird, gibt es für die unterschiedlichen Krankheitsbilder, die als Nierenentzündung zusammengefasst werden, weder eine einheitliche Behandlung, noch ist die Prognose hinsichtlich der Funktion der Niere einheitlich. Bestimmte Formen der Nierenentzündung wirken sich kaum einschränkend auf die Nierenfunktion aus. Andere dagegen können innerhalb nur weniger Tage und Wochen dazu führen, dass die Nierenfunktion völlig ausfällt und eine Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich sind.

Glomerulonephritis: Definition

Als Nierenentzündung (Glomerulonephritis) wird eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen der Niere bezeichnet, die alle gekennzeichnet sind durch eine Entzündung der Gefäßknäuel (Glomeruli) der Nierenkörperchen. Die Entzündungen sind nicht eitrig und befallen die Nierenkörperchen beider Nieren.

Bei der Nierenentzündung wird in unterschiedlichem Ausmaß Blut oder Eiweiß im Urin ausgeschieden (Hämaturie oder Proteinurie); eine gestörte Nierenfunktion kann sich durch ein geringeres Volumen an abfiltriertem Primärharn (gemessen in glomerulärer Filtrationsrate, GFR) bemerkbar machen und der Blutdruck kann erhöht sein. Nachfolgend kann es zu Veränderungen der nachgeschalteten Nierenkanälchen und des Zwischenraums (Interstitium) kommen, sodass letztlich das gesamte Nephron – die kleinste funktionelle Einheit der Niere, die aus Nierenkörperchen und Harnkanälchen besteht – betroffen ist.

Als primäre Glomerulonephritis werden die Formen der Nierenentzündung bezeichnet, die auf die Nieren begrenzt bleiben; die sekundäre Glomerulonephritis wird durch Erkrankungen außerhalb der Nieren verursacht. Je nach Verlauf wird die akute von der chronischen Glomerulonephritis unterschieden.

Nierenentzündungen sind die am häufigsten auftretenden Erkrankungen der Niere. Trotzdem werden drei Viertel aller Fälle von Nierenversagen nicht durch Nierenentzündungen verursacht.

Einteilung

Die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) kann in zwei Gruppen unterteilt werden:

  • primäre Glomerulonephritis – die Gefäßknäuel entzünden sich, ohne dass Hinweise auf eine andere Grunderkrankung vorliegen
  • sekundäre Glomerulonephritis – die Gefäßknäuel entzünden sich im Rahmen unterschiedlichster Systemerkrankungen, infolge von Infektionserkrankungen oder durch Arzneimittelnebenwirkungen

Diese beiden Gruppen der Nierenentzündung lassen sich weder anhand der krankheitsbedingten strukturellen Veränderungen der Gefäßknäuel noch anhand ihrer Symptome unterscheiden.

Nach dem klinischen Befund, dem Krankheitsverlauf und den laborchemischen Befunden werden fünf Syndrome unterschieden:

  1. asymptomatische Proteinurie/Hämaturie
  2. akutes nephritisches Syndrom
  3. rasch fortschreitende (rapid progressive) Glomerulonephritis
  4. nephrotisches Syndrom
  5. chronische Glomerulonephritis

Diese fünf klinischen Syndrome können sowohl als primäre wie auch als sekundäre Glomerulonephritis auftreten.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Eine asymptomatische Proteinurie beziehungsweise Hämaturie liegt vor, wenn im Urin Eiweiß (Proteinurie) und/oder Blut (Hämaturie) nachweisbar ist, ohne dass die Betroffenen weitere Symptome oder Beschwerden zeigen. Meistens werden diese Befunde zufällig bei Urinuntersuchungen festgestellt. Nur selten suchen die Betroffenen den Arzt auf, selbst wenn Blutbeimengungen im Urin mit bloßem Auge erkennbar sind (Makrohämaturie).

Akutes nephritisches Syndrom

Das akute nephritische Syndrom zeichnet sich durch den plötzlichen Erkrankungsbeginn aus. Es tritt häufig nach Infekten auf, kann jedoch ebenso als primäre Glomerulonephritis auftreten.

Rapid progressive Glomerulonephritis (RPGN) und Goodpasture-Syndrom

Die RPGN tritt idiopathisch (das heißt nicht im Gefolge anderer Krankheiten) oder sekundär im Rahmen einer Vaskulitis (Entzündung von Blutgefäßen), Bindegewebskrankheit oder einer Infektion auf. Die RPGN ist selten und kann in allen Altersklassen beider Geschlechter auftreten, vorwiegend aber bei Männern zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Die RPGN kann ohne Therapie zu einem raschen Versagen der Nierenfunktion führen.

Das nephrotische Syndrom

Das nephrotische Syndrom ist ein Sammelbegriff für mehrere Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen der Gefäßknäuel (Glomeruli) auftreten. Es zeichnet sich durch Eiweiß im Urin mit hohem Eiweißverlust, durch Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) sowie durch einen Anstieg der Blutfette aus und kann die Niere dauerhaft schädigen.

Chronische Glomerulonephritis

Alle primären und sekundären Nierenentzündungen können zu einer chronischen Glomerulonephritis führen. Bei der Urämie, dem Endstadium der chronischen Glomerulonephritis, kommt es typischerweise zur Bildung von Schrumpfnieren.

Die chronische Nierenentzündung ist nach dem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) die häufigste Ursache für eine dauerhafte Dialysebehandlung.

Glomerulonephritis: Ursachen

Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung, die durch Bakterien hervorgerufen wird, liegen die Ursachen der meisten Nierenentzündungen (etwa 75 Prozent) in immunologischen Mechanismen. Dabei werden Antigen-Antikörper-Komplexe gebildet, die zu entzündlichen Veränderungen an den Nieren führen.

Auch andere Ursachen können zu einer Nierenentzündung führen, zum Beispiel ein Diabetes mellitus, eine Amyloidose (Eiweißablagerungstörung), ein hämolytisch-urämisches Syndrom und ein hereditäres (vererbtes) Syndrom.

Häufigste Ursache für Blut im Urin (Hämaturie) ist die IgA-Nephropathie, die für etwa 20 Prozent der Nierenentzündungen verantwortlich ist. Dabei bildet der Körper IgA-Antikörper, die entzündliche Veränderungen hervorrufen und die Funktion des Nierengewebes einschränken.

Das nephrotische Syndrom wird durch eine erhöhte Durchlässigkeit der winzigen Blutgefäße (Kapillaren) der Gefäßknäuel für Plasmaeiweiße verursacht: So können Eiweiße vermehrt in den Urin gelangen.

Bei etwa 80 Prozent der Menschen mit einem nephrotischen Syndrom liegt eine primäre Glomerulonephritis ohne fassbare Ursache vor. Die Schädigung der Gefäßknäuel kann sich sehr unterschiedlich äußern.

Glomerulonephritis: Symptome

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) kann es mitunter Jahre dauern, bis die Betroffenen erste Symptome bemerken. Am ehesten zeigt sich eine Nierenentzündung durch eine Veränderung des Harns. Ein trüber Harn weist darauf hin, dass Eiweiß ausgeschieden wird. Dies wird als Proteinurie bezeichnet. Ist der Harn dunkel gefärbt, wird Blut ausgeschieden (Hämaturie). Wenn sich so viel Blut im Urin befindet, dass es mit bloßem Auge wahrgenommen werden kann, liegt eine Makrohämaturie vor. Die Blutmenge im Urin kann jedoch so gering sein, dass sie nicht mit bloßem Auge wahrnehmbar ist, sondern nur durch eine mikroskopische Urinuntersuchung nachgewiesen werden kann. Dies wird als Mikrohämaturie bezeichnet.

In machen Fällen sammelt sich bei einer Nierenentzündung auch Flüssigkeit an den Augenlidern, Füßen oder Händen an (Ödem). Diese sind dann geschwollen. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich ein Bluthochdruck). Kopfschmerzen und Sehstörungen können die Folge sein.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Nierenentzündung kann es zu Fieber und zu dumpfen Schmerzen in der Nierengegend kommen.

Glomerulonephritis: Diagnose

Da für die Diagnose der Nierenentzündung (Glomerulonephritis) Symptome wie Eiweiß oder Blut im Urin von Bedeutung sind, wird bei Verdacht auf eine Nierenentzündung der Urin der Betroffenen untersucht. Mitunter werden große Mengen Blut im Urin ausgeschieden, die bereits mit bloßem Auge zu erkennen sind. Auch Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) im Gesicht oder in den Beinen oder ein hoher Blutdruck können erste Hinweise auf eine Nierenentzündung sein.

Auch eine Blutuntersuchung kann zur Diagnose einer Nierenentzündung führen: Häufig weist ein Anstieg des Nierenwerts Kreatinin im Blut auf eine Funktionsschwäche der Nieren hin. Auf chronische Verlaufsformen der Nierenentzündung, welche die Nierenfunktion einschränken, weisen Symptome des Nierenversagens wie Blutarmut, Leistungsminderung, Blutgerinnungsstörungen, Magen- und Knochenschmerzen, verminderter Urinausscheidung, Atemnot hin.

Besteht der Verdacht auf eine Nierenentzündung, sind in der Regel weitere Untersuchungen wie Nierensonographie, Nierenpunktion und Nierenfunktionstests erforderlich. Das Warnsymptom Schmerz fehlt bei der Nierenentzündung.

Glomerulonephritis: Therapie

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) gibt es keine einheitliche Therapie. Wie die Nierenentzündung im Einzelnen behandelt wird, richtet sich danach, welche Form von Entzündung vorliegt und ob sie akut oder chronisch verläuft.

Asymptomatische Proteinurie und/oder Hämaturie

Wenn sich im Urin nur geringe Mengen Blut und Eiweiß befinden und die Nierenfunktion sowie der Blutdruck normal sind, ist es meist nicht erforderlich, die Proteinurie beziehungsweise die Hämaturie zu behandeln. Die Urinwerte sollten jedoch regelmäßig kontrolliert werden.

Akutes nephritisches Syndrom

Rapid progressive Glomerulonephritis (RPGN) und Goodpasture-Syndrom

Die Therapie der RPGN ist nicht einheitlich. Sie richtet sich im Wesentlichen danach, welche Grunderkrankung vorliegt und welchen Befund die Nierenbiopsie erbringt. Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung kommen folgende Therapieverfahren einzeln oder kombiniert zum Einsatz:

  • die Methylprednisolon-Stoßtherapie
  • die zusätzliche Gabe von Cylclophosphamid
  • die Blutfilterung (Plasmapherese, Plasmaseparation)

Durch diese Behandlungsmaßnahmen sollen Antibasalmembran-Antikörper, Immunkomplexe und Entzündungsmediatoren, die sich im im Blutkreislauf befinden, herausgefiltert und deren Neubildung unterdrückt werden.

Das nephrotische Syndrom

Für die Therapie des nephrotischen Syndroms gilt allgemein:

  • Therapie der Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) durch eingeschränkte Salzzufuhr, Anpassung der Nahrungseiweißzufuhr an den Eiweißverlust im Urin und Gabe von harntreibenden Mitteln (Diuretika)
  • Behandlung des Bluthochdrucks
  • Behandlung der Hyperlipoproteinämie
  • Thromboseprophylaxe beziehungsweise Hemmung der Blutgerinnung bei Thrombose oder Embolie
  • Behandlung von Infektionen
  • Medikamentöse Verminderung der Proteinurie durch ACE-Hemmer

In bestimmten Fällen des primären nephrotischen Syndroms ist eine Therapie mit Steroiden und Immunsuppressiva erforderlich. Beim sekundären nephrotischen Syndrom sollte die zugrunde liegende Ursache möglichst ausgeschaltet beziehungsweise frühzeitig behandelt werden.

Chronische Glomerulonephritis

Die Ursachen der chronischen Glomerulonephritis selbst können nicht behandelt werden. Wenn die Funktion der Niere eingeschränkt ist, erstreckt sich die Behandlung auf symptomatische Maßnahmen (angemessene Flüssigkeitszufuhr, eiweißarme Diät, phosphatarme Kost, Behandlung des Bluthochdrucks).

Im Endstadium kommen die Dialyse und die Nierentransplantation als lebenserhaltende Verfahren zum Einsatz.

Glomerulonephritis: Verlauf

Der Verlauf einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist sehr uneinheitlich. Es gibt akute und chronische Formen. Die meisten akuten Formen der Nierenentzündung sind nur mit geringen Beschwerden verbunden und führen – wenn sie frühzeitig behandelt werden – nicht zu dauerhaften Schädigungen der Niere. Chronische Verlaufsformen sind dagegen oft nicht heilbar; im Laufe der Zeit kann die Niere so stark geschädigt werden, dass eine dauerhafte Dialysebehandlung erforderlich ist.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Obwohl die Langzeitprognose gut ist, kann ein Teil der Betroffenen noch nach Jahren einen Bluthochdruck oder ein Nierenversagen entwickeln. Kontrolluntersuchungen sind deshalb unbedingt erforderlich.

Akutes nephritisches Syndrom

Diese Form der Nierenentzündung kann bei Kindern zu etwa 80 bis 95 Prozent vollständig geheilt werden. Im Erwachsenenalter liegt die Heilungsquote bei 50 bis 70 Prozent. Nach einem symptomfreien Intervall von mehreren Jahren können die Nieren versagen und Bluthochdruck auftreten.

Rapid progressive Glomerulonephritis (RPGN) und Goodpasture-Syndrom

Bei dieser Form der Nierenentzündung verschlechtert sich der Zustand der Betroffenen ohne Therapie rasch, sodass nach Tagen oder Monaten die Nieren versagen und eine Dialyse erforderlich wird. Symptome, die nicht nur die Niere betreffen, deuten darauf hin, dass eine sekundäre Erkrankung vorliegt.

Die Prognose in Bezug auf den Erhalt der Nierenfunktion ist schlecht. Die Sterblichkeit liegt bei etwa fünf bis 15 Prozent.

Chronische Glomerulonephritis

Eine chronische Glomerulonephritis ist meist nicht mehr heilbar. Im Endstadium sind die Dialyse und die Nierentransplantation als lebenserhaltende Maßnahmen erforderlich.

Glomerulonephritis: Vorbeugen

Eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist meist durch Laboruntersuchungen nachweisbar, bevor es zu körperlichen Beschwerden kommt. Daher kann durch regelmäßige Urinuntersuchungen eine Nierenentzündung zwar nicht verhindert, aber doch frühzeitig erkannt und behandelt und so einer Nierenschwäche oder einem Nierenversagen vorgebeugt werden.

Um einem fortgeschrittenen Nierenversagen vorzubeugen, sollten auch therapierbare Grundkrankheiten (wie Infekte, schädigende Wirkungen von Medikamenten, Diabetes mellitus) möglichst frühzeitig behandelt werden.

Allgemeine Maßnahmen, um Nierenerkrankungen vorzubeugen, bestehen darin, die Nieren und Harnwege gut durchzuspülen – also für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen – und auf das Rauchen zu verzichten.

Weitere Informationen

Linktipps:

Gesellschaft für Nephrologie
Berliner Straße 46
69120 Heidelberg
Telefon: +49 (06221) 65 56 53
Fax: +49 (06221) 65 56 63
http://www.nierengesellschaft.de

Selbsthilfenetzwerk Bundesverband Niere e.V.
Weberstraße 2
55130 Mainz
Telefon: +49 (06131) 85 15 2
Fax: +49 (06131) 83 51 98
eMail: geschaeftsstelle@bnev.de
http://cms.bundesverband-niere.de/

Astrozytome, Glioblastome

Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der aus bestimmten Zellen des Stützgewebes des Gehirns entsteht, den so genannten Astrozyten. Eine weitere Bezeichnung des Stützgewebes ist Glia, weshalb die Astrozytome zu den Gliomen gezählt werden, also Tumoren des Stützgewebes.

Je nach Differenzierung der Tumorzellen unterscheidet man vier WHO-Grade von Astrozytomen. Das Glioblastom ist das bösartigste höhergradige Gliom. Aus dem Grad der Bösartigkeit ergeben sich auch die Therapie und die Prognose.

An einem Astrozytom erkranken vor allem Männer im mittleren und höheren Lebensalter. Krampfanfälle und Anzeichen erhöhten Hirndrucks (Übelkeit, Erbrechen, etc.) sind häufige Beschwerden. Wenn sich der Tumor in den Spinalkanal ausbreitet, kann es zur Querschnittlähmung kommen. Niedriggradige Astrozytome sind mit einer radikalen, chirurgischen Tumorentfernung meistens über lange Zeit kontrollierbar. In späteren Stadien beziehungsweise beim Glioblastom verschlechtert sich die Prognose.

Glioblastome: Definition

Ein Astrozytom ist ein hirneigener Tumor, das heißt er geht aus dem Hirngewebe selbst hervor. Am häufigsten treten Astrozytome in den Großhirnhälften und seltener in den Basalganglien, im Hirnstamm oder im Spinalkanal auf.

Man unterscheidet niedriggradige und höhergradige Astrozytome. Sie gehören zur Gruppe der Gliome, die vom Stützgewebe des Gehirns, der Glia, ausgehen. Die WHO-Klassifikation teilt alle Gliome entsprechend ihres Gewebetypus in vier Grade ein.

Bei niedriggradigen Astrozytomen liegt der Altersgipfel der Erkrankung bei 25 bis 45 Jahren, bei den höhergradigen bei 55 bis 65 Jahren. Männer sind im Verhältnis von drei zu zwei häufiger betroffen als Frauen.

Eine Sonderstellung nimmt das pilozytische Astrozytom ein, ein seltener Tumor des Kindes- und Jugendalters. Es tritt vor dem zwanzigsten Lebensjahr auf und macht etwa drei Prozent der Gliome aus.

Einteilung der Glioma nach Gewebetypus
Grad Gliom
Grad I WHO pilozytisches Astrozytom
Grad II WHO differenziertes Astrozytom/Oligodendrogliom
Grad III WHO anaplastisches Astrozytom/Oligodendrogliom
Grad IV WHO Glioblastom

Glioblastome: Ursachen

Die Ursachen und Risikofaktoren, die zur Entstehung eines Astrozytoms führen, sind weitgehend unbekannt. Bei der erblichen Neurofibromatose vom Typ 1 tritt das pilozytische Astrozytom gehäuft auf, ebenso bei Personen, die eine therapeutische Bestrahlung erhalten haben.

Glioblastome: Symptome

Die Symptome bei einem Astrozytom richten sich danach, wo der Tumor im Gehirn (oder im Rückenmark) liegt und wie er sich ausbreitet. Wie bei anderen Hirntumoren, so sind auch bei Gliomen Krampfanfälle und Hirndruckzeichen (wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel) häufige Symptome. Je nach Tumorsitz können zudem Sehstörungen, Lähmungen oder eine Wesensveränderung auftreten.

Befindet sich der Tumor im Spinalkanal, treten wegen des Platzmangels die Symptome meist früh auf. Die Symptomatik umfasst Schmerzen, Empfindungsstörungen, eine inkomplette und schließlich eine komplette Querschnittlähmung.

Glioblastome: Diagnose

Für die Diagnose eines Astrozytoms spielen neben der Befragung des Erkrankten und der neurologischen Untersuchung die Schnittbildverfahren (Computertomographie und Magnetresonanztomographie) eine entscheidende Rolle. Die Untersuchung mit Kontrastmittel ist dabei fast immer notwendig. In Einzelfällen kann die gezielte Gewebeentnahme (Biopsie) zur mikroskopischen Untersuchung erforderlich sein. Meist lässt sich mit modernen bildgebenden Verfahren aber direkt die Notwendigkeit zur Operation eines Astrozytoms stellen. Das hierbei entfernte Tumorgewebe wird untersucht und so der Schweregrad der Erkrankung bestimmt.

Glioblastome: Therapie

Bei einem Astrozytom liegt das Ziel der Therapie darin, den Tumor möglichst komplett operativ zu entfernen oder – bei sehr diffuser Tumorausdehnung – zumindest die Tumormasse zu verkleinern. Das Ausmaß, in dem der Tumor entfernt werden konnte, ist entscheidend für die Prognose.

Medikamentöse Behandlung

Vor dem eigentlichen therapeutischen Eingriff ist eine medikamentöse Behandlung des Astrozytoms nötig. Das umgebende, angeschwollene Hirngewebe (Ödem) wird mit Kortisonpräparaten (Dexamethason) behandelt, um den Hirndruck zu mindern und die Beschwerden zu lindern. Die Kortisongabe kann auch während einer Strahlentherapie erforderlich sein, weil diese ein Ödem zunächst verstärken kann. Da ein großer Teil der Erkrankten eine Neigung zu Krampfanfällen entwickelt, werden meist auch Antiepileptika verordnet.

Operation

Eine Operation ist bei Astrozytomen meist zugleich diagnostische und therapeutische Maßnahme. Je nach Alter der Betroffenen, Lage und Ausdehnung des Tumors kann die Operation offen oder minimal invasiv (stereotaktischer Eingriff) durchgeführt werden.

Pilozytische Astrozytome (Grad I) lassen sich meist vollständig operativ entfernen. Auch bei Astrozytomen Grad II ist die Prognose günstig – sofern der Tumor gut abgegrenzt und komplett entfernt werden kann. Bei Grad-III- und Grad-IV-Tumoren, die sehr rasch ins Nachbargewebe einwachsen, zielt die Operation in erster Linie darauf ab, die Tumormasse zu verkleinern, um den Hirndruck zu vermindern, eine Verschlechterung des Zustands hinauszuzögern und die Bedingungen für die nachfolgende Strahlenbehandlung oder Chemotherapie zu verbessern.

Strahlen- und Chemotherapie

Bei niedriggradigen Astrozytomen (I und II) erfolgt nach der Tumorentfernung eine Strahlentherapie, sofern bei radiologischen Kontrollen ein Fortschreiten des Tumorwachstums festgestellt werden konnte. Das betrifft ebenfalls Tumoren, die sich nur zum Teil entfernen ließen. Erkrankte mit höhergradigen Astrozytomen (WHO Grad III und IV) erhalten sowohl eine Strahlen- als auch eine Chemotherapie, unabhängig von der Resttumormasse.

Glioblastome: Verlauf

Pilozytische Astrozytome (Grad I) wachsen meist langsam. Sehr selten wandeln sie sich in bösartige Formen um. Meist sitzen sie im Kleinhirn oder im Verlauf der Sehbahn.

Auch Grad-II-Tumoren wachsen in der Regel langsam. Sie sind oft scharf begrenzt und wachsen entlang vorhandener Strukturen. Die Blut-Hirn-Schranke bleibt häufig intakt. Prognostisch ungünstiger sind Varianten, die diffus in das umgebende Gewebe einwachsen.

Höhergradige Gliome (Grad III und IV) wachsen sehr rasch und dringen schnell ins Nachbargewebe ein, was eine radikale Operation verhindert.

Die Prognose jeder Tumorerkrankung hängt stets von vielen Faktoren ab. Angaben zur mittleren Überlebenszeit lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf den Einzelfall übertragen. Grad-I-Gliome können durch die vollständige Tumorentfernung geheilt werden. Beträgt bei niedriggradigen Astrozytomen (ohne Wiederauftreten, also Rezidiv) die mittlere Überlebenszeit mindestens sieben Jahre, liegt sie bei den bösartigsten Gliomen, den Glioblastomen, bei etwa neun Monaten.

Glioblastome: Vorbeugen

Allgemeine vorbeugende Maßnahmen gegen die Entstehung eines Astrozytoms sind nicht bekannt. Generell empfiehlt es sich, unnötige Strahlung (vor allem bei Kindern) sowie Chemikalien zu meiden.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Besuchen Sie unser Krebs-Forum
, indem Sie auch Fragen an einen Experten stellen können.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Hirntumorhilfe e.V.
Karl-Heine-Straße 27
D-04229 Leipzig
Telefon: +49 (3437) 70 27 00
www.neurobox.de

Veröffentlicht in:  on at 8:35 Kommentar schreiben
Tags: ,

Grüner Star (Glaukom)

Unter dem Begriff Grüner Star (Glaukom) werden Augenerkrankungen zusammengefasst, die in der Regel durch einen erhöhten Augeninnendruck den Sehnerv schädigen und bei unzureichender Therapie zu Gesichtsfeldausfällen und Erblindung führen können.

Insgesamt leiden etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an einem Glaukom, wobei das Erkrankungsrisiko im höheren Lebensalter deutlich ansteigt. Gefährlich ist vor allem, dass der Grüne Star sich zunächst schleichend und unbemerkt entwickelt. Ab dem 40. Lebensjahr wird eine regelmäßige Glaukom-Früherkennung empfohlen.

Am häufigsten ist das primäre Offenwinkelglaukom, das lange Zeit keine Beschwerden macht. Früh genug erkannt, kann es aber sehr gut mit Augentropfen behandelt werden. Weitere Formen von Grünem Star sind das akute Glaukom, das einen augenärztlichen Notfall darstellt und sehr rasch zu Erblindung führen kann, sowie das angeborene Glaukom und das sekundäre Glaukom als Folge einer anderen Augenerkrankung. Sind Augentropfen nicht ausreichend, so wird das Glaukom mittels Laser oder operativ behandelt.

Glaukom: Definition

Das Glaukom (Grüner Star) ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Auges, die meist drei Charakteristika gemeinsam haben:

  • erhöhter Augeninnendruck
  • Gesichtsfeldausfall
  • Papillenexkavation (trichterförmige Ausformung) mit einem Substanzverlust (Atrophie) des Sehnervenkopfs

Üblicherweise werden vier verschiedene Formen des Glaukoms unterschieden:

  • primäres Offenwinkelglaukom
  • primäres Winkelblockglaukom (= akutes Glaukom/ Glaukomanfall)
  • primäres kongenitales (kindliches /angeborenes) Glaukom
  • Sekundärglaukom, eine Augeninnendruck-Erhöhung als Folge einer anderen Augenerkrankung oder einer Allgemeinerkrankung

Häufigkeit

Das Glaukom ist in den Industrieländern eine der häufigsten Ursachen für das Erblinden. Schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden an einem Glaukom oder sind zumindest stark gefährdet, ein Glaukom zu entwickeln. Die weitaus häufigste Form des Glaukoms ist das primäre Offenwinkelglaukom. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die Häufigkeit der Erkrankung ist bei 70 bis 80-Jährigen mindestens achtmal so hoch wie bei 30 bis 40-Jährigen. Männer und Frauen sind in jüngeren Jahren gleich häufig gefährdet, ein Glaukom zu entwickeln.

Das akute Glaukom kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten, allerdings nimmt die Häufigkeit mit höherem Lebensalter deutlich zu. Frauen sind im Alter etwas häufiger von Grünem Star betroffen als Männer.

Das primäre kongenitale Glaukom kommt selten vor und tritt normalerweise innerhalb des ersten Lebensjahrs auf.

Glaukom: Ursachen

In den meisten Fällen spielt die Erhöhung des Augeninnendrucks eine wesentliche Rolle als Entstehungsursache für ein Glaukom. Durch Abflussstörungen des Kammerwassers in den so genannten Kammerwinkeln kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen der fortwährenden Produktion im Ziliarkörper und dem Abfluss. Die Flüssigkeit staut sich im Auge, der Druck erhöht sich. Dieser erhöhte Augeninnendruck schädigt vor allem die empfindlichen Sehnerven. Geschädigtes Nervengewebe kann aber nicht mehr alle Informationen an das Gehirn weitergeben und es kommt zu den für das Glaukom typischen Gesichtsfeldausfällen.

Durch Abflussstörungen des Kammerwassers kommt es zu einer Druckerhöhung im Auge

Druckerhöhung im Auge

Da es aber auch Glaukompatienten mit einem normalen Augeninnendruck gibt, werden als Ursache weitere Faktoren diskutiert. So könnten beispielsweise Durchblutungsstörungen am Sehnerven und der Netzhaut eine Rolle spielen. In Frage kommen dann Gefäßerkrankungen und zu hoher oder zu niedriger Blutdruck.

Für die Entstehung eines primären Offenwinkelglaukoms spielen verschiedene Risikofaktoren eine Rolle:

Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines akuten Glaukoms sind ein zu kurzer Augapfel, der häufig bei Hyperopie (Weitsichtigkeit) auftritt, sowie und ein gehäuftes Auftreten in der Familie

  • ein zu kurzer Augapfel, der häufig bei Hyperopie (Weitsichtigkeit) auftritt
  • gehäuftes Auftreten in der Familie

Beim primären kongenitalen Glaukom liegt eine erbliche Disposition vor, der genaue Vererbungsmodus ist aber noch nicht exakt bekannt.

Glaukom: Symptome

Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom verläuft lange asymptomatisch, also ohne sich für den Betroffenen bemerkbar zu machen. Typischerweise treten auch keine Schmerzen auf. Bei hohem Augeninnendruck können jedoch durch ein so genanntes Epithelödem farbige Ringe oder Höfe um Lichtquellen auftreten. Unter einem Epithelödem versteht man eine Wassereinlagerung in der äußersten Schicht der Hornhaut. Im späteren Verlauf kommt es zu Gesichtsfelddefekten bis hin zur völligen Erblindung.

Akutes Glaukom

Das akute Glaukom zeichnet sich durch ein steinhartes, rotes Auge mit lichtstarrer Pupille aus. Es treten Schmerzen und Sehstörungen auf. Häufig sind auch allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten.

Primäres kongenitales Glaukom

Das primäre kongenitale Glaukom fällt durch lichtscheue, tränende Augen und Lidkrampf bei den betroffenen Kindern auf. Bei sehr großen Augen von Säuglingen besteht ein dringender Verdacht und es sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden.

Sekundärglaukom

Das Sekundärglaukom kann, je nach zugrunde liegender Erkrankung, ohne Symptome oder mit den Glaukom-Symptomen einhergehen.

Glaukom: Diagnose

Offenwinkelglaukom

Zur sicheren Diagnose des primären Offenwinkelglaukoms ist in jedem Fall die Beurteilung des Augeninnendrucks, des Gesichtsfelds und des Augenhintergrunds durch den Augenarzt wichtig. Manchmal sind langjährige Verlaufskontrollen mit der Dokumentation aller Befunde nötig, um ein Glaukom zu diagnostizieren.

Akutes Glaukom

Den entscheidenden Hinweis auf das Vorliegen eines akuten Glaukoms geben die Symptome. Der Augenarzt kann die Diagnose dann durch das Messen des Augeninnendrucks und durch die Untersuchung der vorderen Augenabschnitte sowie des Kammerwinkels leicht bestätigen. Der Kammerwinkel ist der Winkel zwischen Iris und Hornhaut.

Primäres kongenitales Glaukom

Die sichere Diagnose des primären kongenitalen Glaukoms kann häufig nur durch eine Untersuchung des betroffenen Kinds in Narkose gestellt werden.

Sekundärglaukom

Bei Sekundärglaukomen steht diagnostisch der erhöhte Augeninnendruck im Vordergrund. Die Diagnose ergibt sich dann aus den zugrunde liegenden Erkrankungen.

Der obere Normbereich des Augeninnendrucks liegt bei ca. 21 mmHg (Hg = Quecksilber). Mit höherem Alter kann der Druck tendenziell steigen. Auch wenn der Augeninnendruck im Normbereich liegt, kann ein Glaukom vorliegen. In diesen Fällen liegt der Augeninnendruck zwar statistisch im Normbereich, ist aber individuell für das betreffende Auge zu hoch und richtet entsprechende Schäden an. Andererseits muss ein erhöhter Druck nicht unbedingt ein Glaukom bedeuten. In diesem Fall liegt die individuelle Toleranzgrenze des entsprechenden Auges höher als normal. Eine Messung der Hornhautdicke ist daher bei grenzwertigem Augeninnendruck eine sinnvolle Zusatzuntersuchung und kann hilfreich sein, den gemessenen Augeninnendruck-Wert richtig einzuschätzen.

Glaukom: Therapie

Offenwinkelglaukom

An erster Stelle einer Therapie zur Augeninnendruck-Senkung beim primären Offenwinkelglaukom steht die medikamentöse Behandlung. In der Regel handelt es sich bei den eingesetzten Medikamenten um Augentropfen. Es stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die auch kombiniert werden können. Bei nicht ausreichender medikamentöser Therapie kann in einigen Fällen eine Laserbehandlung versucht werden. Allerdings ist der Druck senkende Effekt nur gering und nicht dauerhaft. Dann muss alternativ operiert werden. Bei der Glaukom-Operation, die in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt wird, wird ein künstlicher Abfluss für das Augenwasser geschaffen.

Akutes Glaukom

Das akute Glaukom ist ein Notfall und muss sofort behandelt werden. Als erstes wird der Augendruck mithilfe von Medikamenten gesenkt, anschließend operiert (alternativ mittels Laser).

Primäres kongenitales Glaukom

Die Behandlung des kongenitalen Glaukoms erfolgt immer operativ.

Sekundärglaukom

Die Therapie eines Sekundärglaukoms hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab, erfolgt aber im Wesentlichen wie beim primären Glaukom.

Glaukom: Verlauf

Unbehandelt führt jedes Glaukom zur Erblindung des betroffenen Auges. Ein bereits eingetretener Gesichtsfeldschaden ist trotz intensiver Therapie nicht mehr zu beheben.

Beim primären Offenwinkelglaukom handelt es sich um einen chronischen Krankheitsprozess, der eher langsam, bis zu Jahren oder sogar Jahrzehnten, verläuft. Der Prozess kann durch entsprechende Therapie gestoppt oder verlangsamt werden.

Das akute Glaukom führt unbehandelt meist zur schnellen Erblindung. Rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt, hat es eine sehr gute Prognose. Trotz rechtzeitiger Behandlung des kongenitalen Glaukoms bleibt häufig ein partieller Schaden, durch den die Sehschärfe herabgesetzt wird, zurück. Eine vollständige Erblindung kann meistens verhindert werden. Die Prognose eines Sekundärglaukoms hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab.

Glaukom: Vorbeugen

Um den primären Offenwinkelglaukom vorzubeugen, ist eine augenärztliche Untersuchung inklusive Augendruckmessung ratsam. Sie empfiehlt sich jeden ab dem 40. Lebensjahr mindestens einmal in drei Jahren. So kann, wenn nötig, mit einer Druck senkenden Therapie so früh wie möglich begonnen werden. Risikopatienten sollten noch häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Personen, die irgendwann eine Prellung oder andere Verletzung des Auges erlitten haben, sollten auch noch Jahre später regelmäßig einmal pro Jahr ihren Augendruck überprüfen lassen, da es durch eine solche Verletzung zum Sekundärglaukom kommen kann. Bei fünf bis zehn Prozent aller Menschen führt eine längere Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen oder anderen kortisonhaltigen Medikamenten zum so genannten Kortisonglaukom als Sonderform eines Sekundärglaukoms. Daher sollten sich entsprechende Personen einer Augendruck-Kontrolle unterziehen.

Weitere Informationen

Weitere Infos finden Sie hier:

Linktipps:

Initiativkreis zur Glaukomfrüherkennung e.V.
Diese Seite richtet sich an Betroffene, deren Angehörige und alle, die sich über das Glaukom informieren möchten. Augenärzte aus Klinik und Praxis haben das Ziel, durch Aufklärung und Früherkennung Erblindung durch den Grünen Star zu vermeiden.

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.
Die wissenschaftliche Gesellschaft der Augenärzte informiert rund um das Thema Auge.

Buchtipps:

Keine Angst vor Grünem Star

Strempel, Ilse buch_strempel_angst.jpg204 Seiten, 1 Entspannungs-CD, KVC, 2006 Dieses Buch erklärt Ursachen, Hintergründe und Behandlungsstrategien. Vor allem aber zeigt das Buch den Betroffenen, was sie brauchen, damit die Krankheit nicht bedrohlich ist: Entspannung. Inzwischen weiß man, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress und Anspannung und dem Grünen Star gibt. Die dem Buch beiliegende CD wurde von der Autorin speziell für Glaukompatienten entwickelt und wird von ihr seit einiger Zeit erfolgreich eingesetzt.

Direkt bestellen bei Amazon

Veröffentlicht in:  on at 8:34 Kommentar schreiben
Tags: